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08/12/1908 Erstes Blatt
 
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errungen hatte. Ein flott gespielter Schwank gefiel sehr, und ein gemütliches Tänzchen beschloß die in allen Teilen har­monisch verlaufene Feier.

Die KolosseumS-Direktion schreibt un§: Es sei darauf hingewiesen, daß Herr Frizzo sein Gastspiel verlängert hat. EZ versäume niemand, sich diesen Künstler ^nzusehen, denn Frizzo ist unstreitig die größte Sensation der Gegenwart.

"Für die Beförderung von Hunden auf der Eisenbahn bei Verhängung der Hundesperre wegen Tollwut haben die beteiligten Eisenbahndirektionen im Einverständnis mit dem Großh. Ministerium des Innern besondere Beslimm- ungcn erlassen, worauf wir Hundebesitzer aufmerksam madjen.

Bitte an die Hausbesitzer!

Das Amderschutzgesetz verbietet die Beschäftigung der Kinder, sodaß die Zeitungsträgerinnen die Hilfe ihrer Rinder bei der Zustellung entbehren müssen Dadurch wird diesen Frauen die pünktliche Zustellung der Zeitungen sehr erschwert und sie vereinigen sich mit uns in der Bitte an die Haus- bescher, ÜN ihren GebäulichieiLeu

BriesWen

^für die verschiedenen Stockwerke anbringen zu lassen. ~

Das würde nicht nur den Zeitungsträgerinnen die Zu- kstellung erleichtern, sondern es würde auch den Poftbeamten, Ausläufern usw. zugute kommen. i

3n einer großen Reihe anderer Städte sind derartige Briefkasten schon lange Zeit angebracht und Laben sich nach jeder Richtung bewährt, da dadurch auch ein^ Schonung der Häuser und der Treppenaufgänge herbeigefüh^t wurde. Wit zweifeln daher nicht, daß auch hier diese Ipraktische Lin- richtung Eingang finden wird. Die LNieter Ihaben ebenfalls ein großes Zntereffe an der Anbringung der Briefkästen Unb dürften gewiß gerne einen Teil der Rosten übernehmen.

Verlag des Gießener Anzeigers.

Lich, 7. Dez. Am SamStag 5. Dezember fand im Gasthaus zum Löwen bei zahlreichem Besuch die General­versammlung deS Simmentaler Bezirkszucht­vereins Gießen statt. Der Vorsitzende Großh. Regier­ungsrat Welcker begrüßte die Erschienenen und gab seiner Freude über den zahlreichen Besuch Ausdruck, worauf man zur Tagesordnung überging. Von der Landwirtschaftskammer ist für die Zuchtvereine eine allgemeine neue Satzung ent­worfen worden. Der Vorsitzende trug sie unter eingehender Erläuterung der einzelnen Paragraphen vor und die Satzung kam mit einigen Abänderungen vollständig zur Annahme. Bezüglich der Aufbringung der Vereinsmittel wurde beschlossen, ein Eintrittsgeld nicht zu erheben, den Mitgliedcrbcitrag für Gemeinden auf 5 Mk. jährlich festzusetzen und im übrigen die seitherigen Beiträge bestehen zu lassen. In das Herd­buch hatten 118 neue Vichbesitzer Tiere cintragen lassen. Mit einstimmigem Beschluß wurden diese Viehbesitzer als Milglieder deS Vereins ausgenommen. Die vorliegende Rechnung wurde, nachdem sie in der Versammlung zirkuliert hatte, von dem Rechner vorgetragen. Die Einnahme beträgt Mk. 392.72 und die Ausgabe Mk. 243.42. Außer dem verbleibenden baren Kassenbestand von Mk. 149.30 weist die Rechnung ein Kapitalvermögen von Mk. 482.49 auf. Die Versammlung genehmigte ohne Beanstandung die Rechnung und erteilte dem Rechner Schupp Entlastung. Sodann wurde aus der Mitte der Versammlung die Versicherung des auf Weiden der Landwirtschaftskammer gebrachten VieheS be­sprochen. ES habe sich herauSgestellt, daß sie in der seit­herigen Weise ungenügend sei. Man solle daher darauf Hin­wirten, daß nicht allein bei Tod und Abschlachtung von Tieren, sondern bei allen auf der Weide auftrctendeu Fehlern Entschädigung gewährt werde und zwar solle sich die Ent­schädigung nicht auf den Schlachtwert, sondern aus den ver­minderten Zuchtwert beziehen. Es wurde beschlossen, bei der Landwirtschaftskammer das Erforderliche zu beantragen. Hiermit war die Tagesordnung erschöpft und die Versamm­lung wurde durch den Vorsitzenden geschlossen.

4- düngen, 7. Dez. Gestern abend tieranftaltete der Ge­sangvereinLiederkranz" als erstes Wintervergnügen eine thca- 1r arische A b c ndu nt c r h a l t n n g, die in jeder Bczichrmg als recht gut verlaufen betrachtet werden kann. Die zwci zur Aufführung gebrachten Einakter sowie verschiedene Duette und Couplets wurden mit großem Beifall ausgenommen, ebenso die vorgetragenen Chöre. Besonders ein Herr ans Frankfurt Ij'.elt durch seine Vorträge die Lachmuskeln der Anwesenden in steter Tätigkeit. Tanz und humoristische Vorträge bildeten den Schluß der Veranstaltung, auf die der Verein mit Befriedigung zucück- blicken kann.

Lüdin gen, 7. Dez. Zum Bürgermeister wurde am Samstag der seitherige Beigeordnete Friede. Fendt mit 446 Stimmen gewählt. Von etwa 680 Wahlbe­rechtigten hatten 456 von ihrem Stimmrecht Gebrauch ge- nracht. Am Wahltag fand ein gemütlicher Abend im Stern statt. Gestern abend brachte der GesangvereinSängerlust" dem Neugewählten ein Ständchen.

Düdelsheim, 7. Dez. Zu dem hier von dem Land­wirt H. Ranz begangenen Mord und Selbstmord ist noch zu melden: Ranz hatte sich stark dem Trunk ergeben und war deshalb auf die Trinkerliste gesetzt worden, auch waren behördliche Ermittelungen- darüber im Gange. Ranz hörte davon, auch daß man ihn in eine Anstalt verbringen wolle. Der Mann nahm sich dies so zu Herzen, daß er zur Waffe griff uad seine Frau im Beisein seiner 9- und 11- jährigen Kinder in der Stube erschoß, dann auf den Heu­boden ging und sich erhängte. Der eine der Knaben ist in­folge der Vorkommnisse schwer erkrankt. Die Leiche der Frau wurde nach Dorf-Güll, ihrer Heimat, überführt.

le. Bad-Nauheim, 7. Dez. Am 1. Mcu 1909 wird der Aussicht sturm auf dem staatlichen Wasser­behälter auf dem »Goldsteins der soiveit fertiggestellt ist, ^ingeweiht.

Friedberg, 7. Dez. Gestern wurde hier für den Wahlkreis Frie dberg-Büdin gen ein Wahlkreisoerein der freisinnigen Partei mit Bad Nauheim als Vorort gegründet.

Friedberg, 7. Dez. Nur sechs Arbeitslose sind in unse.er Stadt festgestellt worden. Die Stadt i|l bereit, eine höhere Zahl Arbeitsloser zu beschäftigen, da im Straßenbau, Herrichtung von Spazierwegen, Grabenarbeiten im Feld usw. genügend Arbeit vorhanden ist.

s. Darmstadt, 7. Dez. Beim Rangieren auf dem Bahnhof Kranichstein wurde der Rangierer Georg Peter aus Seeheim durch den Anprall eines Wagens so schwer getroffen, daß er auf dem Wege nach dem Spital in Darmstadt starb. Das Amtsgericht II. nahm Augen­schein an £rt und Stelle. P. ist verheiratet und hinter­läßt Frau und Kinder unversorgt zurück.

[] Marburg, 7. Dez. Der Verka uf d eS Gemeinde- ^ b st e L brachte den Gemeindekassen in diesem Jahre die ge­wiß beachtenswerte Summe von 16 531 Mk. ein gegen 8992,05 Mk. un Vorjahre. Auf die Stadt Marburg ent­fallen davon 1474,70 (937,20) Mk. und auf die Land­gemeinden einschl. der Stadt Wetter 15 056,45 (8054,85) Mk. Das meiste Geld mit ihrem Gemeindeobst verdiente die Nach­bargemeinde Bauerbacb, die 1570,75 Mk. einnabm.

X H anau, 7. Dez. Stadtverordnetenvorsteher Kommerzien­rat Cant Hal, Beige-rdneter Bode und Magistratsrni.gned Boehm blickten heule auf eine ununterbrochene 25jährige ehrenamtliche Tätigkeit in der Stadtverwaltung zuruck. Oberbürgermeister Dr. Gebeschus übe.brachte den Jubilaren die herzlichsten Glückwünsche namens der Stadt. Eine tie.ne Fcür der Mitglieder unserer städtischen Körperschaften wird später statt­finden.

Frankfurt a. M., 7. Dez. Im Anschluß an den hier tagenden 6. deutschen Luftschiffertag unternahm der bekannte Aeronaut Hauptmann von Abercron -Düssel­dorf in Begleitung von Freiherrn von Pohl-Berlin heute vormittag 9 Uhr einen Aufstieg mit dem kleinen Ballon Düsseldorf 2. Die Füllung mit Wasserstoff erfolgte im Griesheimer Werk Elektron, das demnächst einen Gasometer für solche Wasserstoff-Füllungen erbauen wird. Für nächstes Jahr liegen schon sehr viele Anmeldungen vor. Der Ballon, an dessen Gondel 14 Sack Ballast be­festigt waren, stieg rasch empor und trieb alsbald in nörd­licher Richtung, trotz des Nebels noch lange sichtbar. Der Ballon landete am Nachmittag in N o r d h a u s e n l Th.

Schwurgericht.

th. Gießen, 8. Dez.

Gestern verhandelte das Schwurgericht den einzigen in der diesmaligen Tagung anstehenden Fall gegen den mehrfach vor­bestraften 51 Jahre alten Tagelöhner Georg Schmidt von E i ch e n r o d wegen Brandstiftung. Der Gerichtshof war gebildet aus dem Landgerichlsrat Dr. Friedrich als Vorsitzenden, sowie den Landgerichts raten Dr. Brühl und Wiener als Bei­sitzern. Die Anklage vertritt Oberstaatsanwalt Lang, als Ver­teidiger ist Rechtsanwalt Römheld anwesend.

Der Angeklagte ist wegen wiederholten Bettelns mit Arbeits­haus, mehr als ein Dutzend Mal wegen Eigentumsvergehens und luegen Sachbeschädigung vorbestraft. Er ist geständig am 18. Ott. ds. Js. in der Gemarkung Bönstadt vorsätzlich einen 200 _Ztr. fassenden Strohhaufen in Brand gesetzt zu haben, so datz er vollständig niederbrannte. Schmidt gibt an, daß er am Tage der Tat in Buchenbrücken aus Ärbett gekommen und nach Assen- heim gegangen äst, um dort vom Rechner der Jnvalidenkasse stine Karte in Empfang zu nehmen. Von da sei er nach Bön­stadt gekommen, wo Kirmes war. Er habe Karussel gefahren, in Assenheim und Bönstadt verschiedene Schnäpse getrunken. Gegen 5 Uhr am Nachmittag habe er den Ort verlassen, um nach Altenstadt zu wandern, wo er die Nacht über bleiben wollte. Unmittelbar am Ausgange von Bönstadt sei ihm ein junger Mensch begegnet, der ihn kräftig angerempelt und zu ^Loden g03rorfen habe. Da habe er sich nach einem unweit der Straße, befirchlichen Haufen Stroh begeben, und barin sein Quartier aufgeschllagen. Als er erwachte, sei es dunkel gervesen, er könne aber nur kurze Zeit geschlafen haben. Er will sich eine Zigarre angebrannt und dann int Bogen das brennende Zündholz in Den Strohhaufen geschleudert haben, der intJJZu hell aufgelodert sei, worauf sich der Brandstifter aus dem Staube machte. Die Bcwcisaufiiahme gestaltete sich sehr einfach Gastwirt Schmidt von Bönstadt, der Eigentümer des verbrannten Strohs, hat, da es nicht versichert war, einen Schaden von etwa 260 M. gehabt, er erkennt den Altgeklagten als deil Menschen wieder, der etwa Vj Stunde vor Ausbruch des Feuers bei ihm in der Wirtschaft war und für 5 Psg. Schnaps getrunken hat. Er ist der Ansicht, daß Schmidt im nüchternen Zustand war, als er bei ihm ein- kehrte. Ter Zeuge Hal seines Wissens mit dem Angeklagten nie etwas zu tun gehabt. Sch. könnte auch nickt wissen, daß Der durch ihn in Brand gesetzte Strohhaufen des Zeugen Eigen­tum >var. Auch die anderen 5 Zeugen aus Bönstadt fonncn nicht sagen, ob Schmidt ain Tage der Tat betrunken war, sie haben ilM nichts angemerkt. Eine Frau, deren Haus er durch die Hintere Pforte betreten hat, hat ihm am Kragen gepackt und grade nickst sanft gezeigt, wo der Zimmermann das Loch gelassen hat.

An die Geschworenen wird die Schuldftage auf Brand­stiftung und die Ach en frage nach mildernden Umständet gestellt. Oberstaatsanwalt Lang p'laidierte auf schuldig im Sinne der Anklage. Er bemerkt, daß er auf die Vorstrafen des Ange­klagten wenig Gewickst lege mit Ausnahme der Sachbcfchädigultg. Dieser Fall tue dar, welches Motiv bat Angeklagten bewegt habe, als er das Stroh in Brand setzte. Es sei zwar nicht a- wiesen, daß Schmidt von einem jungen Mann auf der Straße vor Bönstadt angeraitpelt und niedergeworfen sei, aber man könne ihm dies ruhig glauben. Dadurch sei ec in Zorn geraten und habe nun nicht etwa dem einzelnen Besitzer, fonberitjier ganzen Gemeinde, in deren Feldmark noch eine Anzahl Strohhaufen vorhanden war, in Schrecken versetzen wollen. Darum habe er den ersten besten Hausen Stroh in Brand gesetzt. Ob man dem vielfach vorbestraften und wie Die Tat beweise gemeingefährlichen Menschen miloernde Umstände beroiiligen könne, wolle er als An­kläger nicht bejahen, dies abzuwägen sei Sache Der Geschivorenen.

Der Verteidiger Rechtsanwalt Röm Held erklärte, er gehe in allen Punkten mit dem Oberstaatsanwalt einig in der tat­sächlichen Beurteilung des Z-alles. Doch halte er es für feine Pflicht, darauf hinzuweisen, daß der Angeklagte von Anfang an ge­ständig war und man ohne fein Geständnis ihm die Schuld nicht l,<ittc nachweifen können. Der Angeklagte habe auch Reue über seine Tat an den Tag gelegt, weshalb man ihm mildernde Umstände wohl zubilligen könne.

Nach kurzer Rechtsoelöhrung zogen sich die Geschworenen zur Beratung zurück, worauf der Obmann, Fabrikant Wilh. Haller- Friedberg, den Wührspruch dahin abzielte, daß der Angeklagte schuldig der vorsätzlichen Brandstiftung und die Frage nach Dem Vor liegen mildernder Umstände bejaht sei.

Das Urteil, dessen Rech.srrast Der Angeklagte sofort anerkannte, lautete auf 1 Jahr 3 Monate Gefängnis, und Abrech­nung der 3 Wochen Untersuchungshaft. Ter Vertreter der Staats­behörde hatte 1 Jahr 6 Akonate Gefängnis beantragt.

Dcrmiydites.

* Eine Stilblüten-Sammluug wirkt nicht nur be- biftigen?, sondern auch erziehlich. Packeitde Beispiele sind eben besser als trockene Regeln. So möge denn wieder einmal eine kleine Blütenlese hier Platz finDen. In einer medizinischen Fach- zcitung wurde eiuinal eineklinisch? Köchin zur kon^rältlichen Speisung" verlangt. In der amtlichen Bekanntmachung eines Genteiw. Vorstehers ? cu einmal Die Rede von DenHerren Offi­zier, brntden" Jubilier Illustrierten Zeitung war sorgender un- alucklich gewählter Trtel zu lesen:Der Schreiber der Schillerschen

Tie Marktpreise für Bich und Frucht und die Gießener Fleisch- und Brotprcise am 7. Dezember 1908.

Märkte.

Gtetzeu, 8. Dezember. Marti verficht. Aus heutigem Wocben- maitte toflctc: Buller pr. Pst). 1.201.25 Alk., Hühnereier 1 St., 8-9 Psg., iiäfe pr. St. 68 Pf., Kasematte 2 St. 56 Psg., Erbsen p. Pid. 1824 Psg., Linsen p. Psd. 2540 Psg., Tauben pr. Pr. 0,801,00 Mk., Hühner pr. St. 1,001,60 Alk., Hähne pr. Stück 0,801,80 Alk., Gänse vr. Psd. 6070 Pf., Eilten pr. Stück 1,80 bis 2,20 Nik., Ochsensleisch pr. Pid. 7886 Psg., Kuh- und Rindfleisch pr. Psund 7476 Psg., Schweinefleisch pr. Pfund 8090 Psg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfd. 90 Psg., Kalbfleisch pr. Psd. 7080 Pfg., Hammelfleisch pr. PlD. 6080 Pfg. Kartoffeln pr. 100 Kg. 5.506.00 Alk., Zwiebeln pr. Zlr. 6,008,00 Alk., Milch per Liter 20 Pfg., Weißkraut per Stück 1015 Pfg., per Zentner Alk. 2.503.00. Aepset per Ztr. 810 Mk., Birnen per Ztr. 1015 Alk. Nüsse 100 Stück 4000 Pfg., per Ztr. 000 Mk. Marktzeil von 82 Uhr.

fc. Frankfurt a. M., 8. Dez. öeu- unö S trohmarkt. Angeiahren waren 10 Wagen Herl und 2 Wagen Stroh. Bezahlt wurde für Heu Mk. 3.003.40, für Stroh Mk. 2.50-2.60. Majctünenslroh fehlt. Tie Zuftthren waren aus den Kreisen Dieburg und Friedberg. Geschäft flau, Tendenz gedrückt.

Gedickte auf einer Postkarte." Das berührt einen ebenso komisch wie die Stelle aus jenem Steckbriefe:Außer der stark gebogenen Nase holt er beim Sprechen sehr stark Atem durch dieselbe." Ein pfälzischer Bürgermeister leitete eine feuerpollzeiltche Verordnung mit folgenden Wotten ein:Es ist uns zu Ohren gekommen, dag das Vieh in den Ställen mit brennenden Zigarren und Pfeifen gefüttert wird Das!arme Vieh! Eine süddeutsche Zettung besprach einmal ein iionjert, indem sie rühmte:Fräuletn D. verfügte über einen sauberen Sopran und sang ihre Sieber aus­gezeichnet. Dasselbe läßt sich auch von dem Bassisten, Herrn K. sagen." Ob dieser auck über einen sauberen Sopran verfügte? Der Führer einer Begrüßungs-Deputation lud einst Den durch»- reisenden Kaiser ?,u einem Ehcenttunt mit folgender Ansprackie ein: Gefüllt mit deutschem Wein, wage ich es, denselben Euerer Ma­jestät ehrfurchtsvoll mit der untertänigsten Bitte darzubringen, den jestät ehrfurchtsvoll mit der untcrtäniglten Bitte dar­zubringen, den Ehrentrunk Euerer Majestät getreuen Stadt X. huldreichst entgegenzunehmen zu _ wollen." Auch der Gebrauch der Vorwörter bietet häufigen Anlatz zu Sttl- blütciL Ein bißchenstarker Tabak" ist da folgende Leistung einer Zeitung:Auf Die an ihn aus der vor dem Schlosse versammelten yjicngc gerichwle Frage nach Dem Befinden des Kauers, ant­wortete . . ." Erheiternd wirtt folgender Satz aus einem Roman Galens:Ein weiblicher Fuß schlüpfte leise ins Zimmer und lösckfte mit eigener Hand die Kerze aus." In einem anderen Roman wird erzählt, daß eine junge Dame einen ihr erwiesenen Ritter­dienstmit einem lächelnden Schlage ihrer kleinen Hand" be­lohnt Ijabe. Das erinnert an jene hübschen Aufsatzblüten eines Gytmtasiasten, die da lauteten:Ob Homer gelebt hat, wissen wir nickt, daß er aber blind gewesen ist, steht fest;" undDiohammed hinterließ keine Söhne und auch sonst nichts Schriftliches."

* Prüde. Neu in der Kolonie angekommene Dame im Gespräch mit einem Besuch:Am wenigsttn konnte ich mich an die nackten Arme, den nackten Hals usw. der Negerweiber go- wöhnen. So etwas kommt bei uns (in Europa) doch nur bei besonderen Anlässen vorl"Usambara-Post".

Kleine Tageöchronik.

DerPWkurist Gatt mann vondeLFrankfurterBank, der nach W e ch s e l s ä l s ch n n g e n in Höhe von 50 000 Mark anfangs Oktober flüchtig gegangen war, wurde in Triest verhaftet. .

Der Kassierer Oswald Bormann hat in dem Leip­ziger Dankhause Frege u. Co. 130000 Mark perun- e r e u t. Die Verfehlungen reichen mehrere Jahre zurück.

Eine Feuersbrunst zerstörte einen "Teil derProviant- MagazinedesMi > itarlagers beiVerdun. Der Schaden beträgt nach einer vorläufigen Schätzung 100 000 Francs.

In S t. Gaudens (Sudfrantreia» wurde eine 20jährige Spanierin verhaftet, die ihrem neugeborenen Kinde den Kops vom Rumpfe getrennt und Die -er­st ü m m e l l e Leiche den Schweinen vorgeworfen hatte.

In Campan (Dep. Hautes-Pyrenees) wurde in Gegenwart eines Vertreters Der französischen Regierung Der neue Pyrenäen­tunnel feierlich eingeweiht.

Die Erdstöße tu Portugal haben in Billa Franca zu Häusereinstürzen geführt, bei dpnen 14 Menschen ums Leben kamen. In AI ca n ta r a fanden durch Ei n stur- eines Regienutgsgebaudes sechs Aienschen Den Tod.

Die Cholera nimmt in Petersburg wieder &u. In der vergangenen Woche sind täglich Über 20 Erttankungetk vorgelommen. Ter Krankenbestand umfaßt 243 Personen.

In Dem sechs Meilen nordöstlich von Kalkutta bei Dumdum gelegenen Äluntrionslager ereignete sich eine heilige Explosion. 11 Soldaten wurden gelötet und 2 6 s ch w e r verletzt

Kleine Chronik aus Kun ft und Wissenschaft. Der ordentliche Pro'essor Der Medizin Geheimrat Georg von Rindfleich zu Würzburg ist im Alter von 78 Jahren g e ft o r b e n. Eon Wagner, Die jüngste Tochter Richard Wagners, hat sich mit Houston Steivard Chamberlain, dem bekciunlen Wagner-Biographen und Verfasser der Schvlft:Tie Grundlagen des 19. Jahrhuickerts", verlobt.

Höchste Schlachtviehprene m Frankl u r t a. M.

Fleischpreise in Gießen

Ochsen

Kälber Schweine

50 Kg. Schlachtgewicht 79-81 Alk.

E, Kg.Schlachtgcw. 9092 Pi. __70-71 ,

7, Kg. 78-86 Pfg.

7, , 7680 ,

7, 80-90 ,

Getreidepreise in 9)i a n n () e i m

Brotpreise in Gießen

Welzen 100 Hg. 21.75-22.0b Mk.

Roggen 100 Kg. 17.0017.25 Alk.

Weißbrot 2 Kg. 62 Plg.

Schivarzbrot 2 Kg. 58 Plg.

Gießener Wetterdienst.

Voraussichtliche Witterung für Hesjeu am Mittwoch Den 9. Dezember: Meist trüb. Geringer Regen. Mild. Westliche Winde.

GrigrnaL-Drahtmeldungen.

Paris, 8. Dez. Ter Matin erfährt, daß der 'Dioxine* Minister zur Zeit mit der Aufstellung eines Programms be­schäftigt ist, das die vollständige Nen b esch as su ng Der fran­zösischen Kriegsflotte betrifft. Der Gesetzcnttvurf, der vom Minister ausgearbeitet wird, betrifft Neubauten, die dahin zielen, die französische Flotte auf einen solchen Stand von 22 oder 28 toDer 38 Panzerschiffen für 1919 oder 1920 zu, erhöhen. Für 22 Panzerschiffe find die Ausgaben auf 317 bis 375 Millionen veranschlagt: für 28 Panzerschiffe auf 356 bis 389 Millionen und für 38 Panzerschiffe auf 422 bis 465 Millionen jährlichen Mehrbedarfs. Hierdurch würde das Marine-Budget eine um» f a n g r e i d) c Vermehrung erfahren.

Paris, 8. Dez. Jir denWanDelgäiigen der Kammer lourbe Die Maßregelung Des Admirals G er mine t in Den schärfsttn Worten verurteilt. Tie Maßnahme der Regierung lvird als übertriebene Strenge aufgefaßt.

Paris, 8. Dez. Der Platin meldet aus Konstantinopel, Der österreichische Botschafter habe aus Saloniki nnb Smyrna alarmierende Nachrichten über die Bohkottbewc- gung erhal e.:. Der Vorschlag des Bofichafters, die Lastträger Dieser Häsen durch ft.ie Arbeiter z^r ersetzen, wurde vom Lloyd abgelehnt, da man in Diesem Falle ernste Jlanflittc befürchtet.