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08/12/1908 Erstes Blatt
 
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/ Vlatt 1S8. Jahrgang Dienstag 8. Dezember 1908

erschcmi täglich, außer ££ > LH vczugdpret S:

Sonntags. - Beilagen: LW V monallich7SM., viertel-

«Glchener Anzelger t^emlpied) 9ln|cblüfie: M * * Kf auswärts 20 Pfennig,

füi die Redaktion 112, IXs^ ff Verant wörtlich

WZ General-Rvzeiger für Oberheffrn WW

b!s oormmags"io Uh" RotaNons^ruck und Verlag dervrühl'fchen Univ.-Vuch- und Steindruüerei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schnlstratze 7. !A"zeigenteu^H'''Bec?

Die heutige Nummer umfahr 12 Seiten.

Die Finanzlage Preußens.

Wie sich doch die Zeiten ändern! Früher, zn MiquelS Zeiten, schwamm Preutzcn im Golde, uno heute muß der preußische Finanz- miiiister, gcnor so wie der Reichsschatzsckretär, aus die Suche nach neuen Steuern gehn, um den Bedarf des Staates zu decken. An der letzt auch in Preußen herrschenden Finanzkalamitüt scheint aber, wie )d)on mehrfach hervorgehobcn und auch im Landtag rritliiert wurde, in erster Linie die Negierung selbst schuld zu haben, indem sie beispielsweise die beträchtlichen Einnahmen der Eisen­bahnen wiederum für Eisenbahn-Zwecke verwandte, wäl-rend für die übrigen Ressorts nichts da war. Dadurch ist es in der Haupt­lache getoulmen, daß man jetzt in Preußen, wo große Ausgaben, wie die Erhöhung der Beamtcngchalter, bevorstehen, nichts übrig hat, unb Herr von Nheinbaben sich genötigt sah, die Steuerschraube mehr anzuzichen. Allerdings hat der jetzige preußische Jiitanz- iniilistcr Ilets verstanden, möglichst grau in grau zu malen, um vicht viel herausrücken zu müssen, aber es gibt noch andere Leute, die rechnen können, und er hat darin nicht immer Glück gehabt. Dieses Mißgeschick scheint ihm auch bei den neuen Steuerprojektrn zu widerfahren, die er ausgeheckt hat, um den preußischen Säckel rvieder zu füllen.

Im allgemeinen har ja die preußische Regierung int Landtage ein ziemlich willsäbiges Parlament, und es hatte auch den An­schein, als ob die Vorschläge des Herrn von Rheinbaben zur Auf­bringung der erforderlichen Mehrkosten auf nicht allzu großen Widerstand stoßen würden, aber wenn es an den Geldbeutel geht, dann werden zuweilen die Sanftntütigstcn rabiat, und jo hat man sich dann, nachdem die Vorlage in der ersten Lesung ziemlich gliurpflich davon gekommen war, in der Kommission die einzelnen Vorschläge sehr genau unter die Lupe genommen, und siehe da, die Entscheidung der Kommission dürfte den Herrn Finanzminister nicht sehr angenehm berührt haben, zumal er sie kaum erwartet haben mag. Diese negative Entscheidung fällt umso mehr ins Gewicht, als die Gehälter teilweise über die Vorschläge der 9ie- gicrung hinaus, trotz des entschiedenen Einspruchs, erhöht worden find, so daß noch weitere Mittel erforderlich sind. Mit seiner andauernden Schwarzmalerei sckwint sich aber Herr von Rheinbaben selbst in die Nesseln gesetzt zu haben. Man ist seiner Berechnung mit Mißtrauen gegenüber getreten und aus diesem Grunde gelangte der nationalliberale Antrag trotz des Protestes des Ministers zur Annahme, der den Zuschlag von 25 Prozent zur Ergänzungs­steuer nur für zwei Jahre Vorsicht, während ihn der Finanz- rninistcr für immer hadert, wollte. Man ging von der Voraus­setzung aus, daß sich die Verhältnisse wieder bessern könnten, und daß es dann schwer möglich sein würbe, die beiden Vorlagen wieder abzujagen, da für die Steuerermäßigung eine Regierung nicht so leicht zu haben ist. Auch der Wunsch des Ministers, für das lausende Jalir einen Zuschlag zur Einkommensteuer zu er­heben, ging gleichfalls nicht in Erfüllung. Aber nicht genug damit: auch die G e s e l l s ch a f t s st e u e r , von der sich Herr von Rhcinbaben soviel versprochen hatte, fand keine Gnade vor den Augen der Kommission, vielmehr wurde sie gegen die Stimmen der Konservativen abgelehnt. Das sieht bös aus! Nun kommt ja noch eine zweite Lesung und man könnte von der einen an­deren Ausgang erwarten, wie das ja nicht selten der Fall ist. Allein cs ficht zu erwarten, daß bei der zweiten Lesung die Gegner der Steuer recht zahlreich zugegen sein werden, und das Gleiche f*c dann seiner Zeit der Fall im Plenum sein, vorausgesetzt, daß cs nicht in der letzten Stunde gelingen sollte, einen Ztorn- promiß herbcizuführen und sich auf einen mittleren Weg zu einigen. Man darf gespannt darauf sein, was Herr v. Rheinbaben dann zu tun gcdenkr, denn wenigstens ein Teil der Mehrausgaben muß unter allen Umständen anderweitig ausgebracht werden. Aber woher nehmen und nicht stehlen? Die überwiegend ablehnende Haltung, der die preußischen Steuerprojckte begegnet find, ist viel­leicht ein Oweh für das Schicksal der Vorschläge des Herrn Stzdow im Reiche. Wenn bereits Herr von Rheinbaben in Preußen ein derartiges Fiasko erlitten hat, um wieviel mehr blüht dieses Geschick dem Reichsschatzsekretär mit seinen Vorschlägen, die eine noch viel unwilligere Ausnahme beim Volke und int Parlament gefunden haben.

Deutsches rreich.

Der Kaiser hörte gest. . ..mi ug Die Vorträge des Finanz­en inisters und des Chefs'des Zivrlkaoinetts und empfing den Tiergarten-Direktor Freudemann.

Die angeblich geplante Erwerbung der Wall­fischbai. Wie dem B. T. von zuständiger Seite mitgeteilt wird, entbehrt die Nachricht, über die Ver handln ngenDeru- burgs mit dem Minister der Kapkolonie, Merriman, wegen der Erwerbung der Walfisch-Bai von Deutschland jeder Begrün­dung. Derartige Verhandlungen seien nie gepflogen roorb-n.

DasA r m c e v e r o r d n u n g s b l a t t" veröffentlicht einen Erlaß, daß die Kompagnien der Fußartillerie künstighin die Be­zeichnung Batterien führen sollen.

Ausland.

D e r i n o f f i z i c l l e V o t s ck> a f t e r. Der Herausgeber einer angesehenen,italienischen, dreibundsreundlichen Ziitung fugte an­läßlich eines Gesprächs bezüglich der Maximilian Hardenschen Kritik der Tätigkeit des französischen Botschafters in Rom, in Italien gebe es zwei französische Botschafter: den offiziellen in Rom und einen inoffiziellen ui Mailand. Von einer dem letz­teren nahestehenden Seite ist mir vor e rügen Nionaten ein jähr­licher Zuschuß von etiun 20000 Franks angeboten worden, f..lls mein Blatt vorn Dreibund abschiuenken würde. Man hat also, wie inan schon längst geahnt hatte, mit einer ganz planmäßig.n Agitation zu tun, lcix'ii ;y.ei e-_> ui, ^uiuLii vuiic Drnouiwe au- zuziehen. Mit welchem Erfolge desselben toben ja die jüngsten Kamrnertobatten in Rom zur geitii ?e gezeigt.

Aufstand int belgischen Kongo. Die Passagiere d.s gestern vom belgischen ftoiiQo angekommenen Dampfers ntvlcen, daß in einem u.i' xcui lv.ami^.eit -öOAttofUmim' int ^omam- gebiet des belgiscRu Kongo ein Aitsstanb ausgcörochen ist.

Der betrieb der Zttatzenbahn.

Man schreiot uns: 2ie Frage, cd u.e S.aot die elektrische Stroßenöahli seiest verreiben oder den Betrieb einer erfahrenen Gesellschaft über lassen soll, cheschafiigt zuczrit b.e hicr,,or maß gebenden Persönliä trften unserer S.adt. Es ist bekannt, da , die Führung eines geroerbÜü u Unternehmens durch die Statt selbst gewisse Loiiciie bieten kann, n i« bausbetrieben, den Wasser-, Gas- und Eler.rizichiswevken in vielen Fallen ergeben har. Jedoch unterliegt es keinem Zweifel, daß der Betrieo einer Stvaßmbahü. mir gewissen Su-wierigkeiten ver­knüpft ist und beftinimie Ersahrungen voraus^ctzt, die erst im

reaeem

Lause der Jahre erw-orben werden können: denn die Stadt ist bezüglich des finanziellen Ergebnisses der Straßenbahn in erster Linie von der Tüchtigkeit de§ von ihr bestellten Betriebsleiters abhängig. Mißgriffe in dieser Hinsicht würden sich durch erhöhte Steuerzahlung bei den einzelnen Bürgern unangenehm bemerk­bar ntndum, und die Bahn wird in Bezug auf ihre Anpassung an die Bedürfnisse des Verkehrs nicht das beste leisten, was man von ihr in dieser Hinsicht verlangen könnte, falls nicht eine mit der Leitung von Straßenbahnen erfahrene Gesellschaft die Betricbs- führung übernimmt. In legerem Falle tot der mit der Füh­rung des Betriebes betraute Ingenieur nicht den gleich großen Einfluß auf die Rentabilität des Unternehmens, weil eine lieber- wachnng von einer zentralen Stelle ans erfolgt, wo sich alle Erfahrungen im Straßenbahnwesen seit Jahren gesammelt haben. So werden sich z. B. durch eine peinlich geführte Statistik kleine Z-ehler durch den Vergleich mit anderen gleichwertigen Unterneh­mungen sofort bemcrkoar machen unb somit Abhilfe jinben. Es kommt hinzu, baß inbustrielle Betriebe ihre Beamten zu Wirt- sdiaftlichem Denken und Handeln erziehen, woraus folgt, baß in piclen^Fällen Unternehmungen, die von anerkannt tüchtiger orivater Seite geleitet werden, bei einer Straßenbahn schneller >u einem veträgniä gelangen als solche, die durch städtische 5lörper- schaftcn verwaltet werden, deren Institutionen durch ihre Eigenart oer freien Entfaltung der Kräfte nicht den nötigen Spielraum gewähren können. Eine kluge Stadtverwaltung wird daher gut tun, die Führung des Betriebes in den ersten Jahren, so lange noch die Kinderkrankheiten zu überwinden sind, und wo cs in erster Linie auf die U ebene in düng dcv Ansangsfchwicrigkcitcn an- kommt, nicht in eigene .Hände zu nehmen, sondern die Anlernung des Personals und das Gewinnen der örtlichen Erfahrungen soivie das damit verbundene Risiko nicht selbst zu übernehmen. Die Stadtverwaltung wird aber in jedem Falle gut tun, sich die Möglichkeit offen zu lassen, das Unternehmen frühzeitig wieder in ihre Hände zu bringen, sobald sie glaubt, daß dasselbe sich so weil entwickelt habe, daß die Uebernahrne durch die Stadt nun­mehr angebracht sei. Sie empfängt alsdann ein ausgebildetes Personal mit reichen technischen und kommerziellen Erfahrungen. Auf dieser Grundlage ist die weitaus größte Zahl sämtlickivr Straßenoahnverträge aufgebaut worben, und die Stabte haben |tdj allmählich in ben Besitz bet Unternehmungen gesetzt, nad>- uem sie die erste schwierige Zeit überwunden und eine genügende Rentabilität erlangt hatten. Die bequemste Form für die Stadt, bei welcher sie sich keines ihrer Rechte zu begeben hat, dürfte die folgende sein:

Die Stadt läßt durch einen Unternehmer, aber nach ihren Wünschen unter, strenger Einhaltung aller Vorschriften auf eigene Rechnung die Bahn erbauen und bleibt somit nad> erfolgter Ab­nahme Eigentümerin des UnternclMens. Sie hat hierdurckj Ge­legenheit, die Bauausführung zu überwachen und dafür zu sorgen, daß nur bestes 'Diatcnai und beite Arbeit geliefert wirb. Als Dann verpackstet sie ben Betrieb auf eine gewisse Reihe von Jahren an beit Unternehmer, welcher die Bahn gebaut hat, weil dieser infolge der späteren Betricbsführung durch ihn daran selbst interessiert ist, daß die Bahn bestens ausgeführt wird, indem alle Fehler während des Baues sich in erhöhten Betriebskosten erheblich be­merkbar machen würden. Die Stadt behält sich jederzeit das tiündigungsredft vor und übernimmt die Betriebsführung, sobald sie sieht, daß Die Ilebemahme von Vorteil sein würde.

Es wird fid) Darum für die speziellen Verhältnisse in Gießen bei der Unsicherheit des finanziellen Ergebnisses der Straßenbahn empfehlen, wenn die Stadt sich über die uni'idjeren ersten Jahre, bei welchen der Fehlbetrag der Bahn sich sehr unangenehm im Budget bemerkbar machen könnte, dadurch hinweghilft, daß sic den ^Betrieb gegen eine bestimmte Abgabe an einen vertrauens­würdigen Unternehmer verpachtet. Mit diesem Vorschläge dürften viele Vorteile verbunden sein, ohne daß die Stadt ein zu großes Risiko zu tragen hätte. Aehnliche Vereinbarungen sind neuer­dings in vielen Studien getroffen worden und toben sich bestens bewährt.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 8. Dezember 1908.

In Audienz empfangen wurden von Sr. Kgl. Hoh. dem Großherzog am Samstag u. a. die Forst- assessoren Buß von Bingenheim und Thum von Friedberg.

Landesmuseum. S. K. H. der Groß Herzog haben den Museumsassistenten Dr. Oskar Haupt in Darm­stadt zum Kustos für die geologisch-mineralogische Abteilung des LanbesmuseumS ernannt.

- Das Adreßbuch der Stadt und des Kreises Gießen für 1909 ist fertiggestellt und geht den Bestellern m diesen Tagen zn. Es enthält in der gewohnten zweck- mäßigen unb übersichtlichen Einteilung alle öffentlichen und privaten Adressen, Einrichtungen u. s. w., die für den Ge- ichäslsmann, den Beamten und auch den Privaten in Betracht kommen.

- Landesverband hessischer Bürgermeister. Eine außerordentliche Hauptversammlung tagte gestern oorniitiag ll1/, Uhr unter dem Vorsitze des Bürgermeisters Bi etzger-Langen in Darmstadt. Etwa 300 Bürger- meister aus allen Teilen Hessens waren erschienen. Auf der Tagesordnung stand das Referat des 9iegierung5ratS Gräf, Vorsitzenden des Vorstandes der Fürsorgekasse, über: ,Tas Für sorg ege setz und seine Bedeutung für die Gemeinden und deren Bedienstete." Nach dem Vortrag vereinigte em gemeinsames Mittagessen die meisten Teilnehmer.

* Vom Stande sherr zum Priester. Die Priesterweihe des 74jährigen Fürsten Karl zu Lö­wenstein-Wertheim, jetzt Frater Raymundus, der als früherer Inhaber der Standesherrschaften Löwenstein- Wertheim-Rochefort oder Röhenberg, als Mitglied der Ersten Kammern in Bayern, Württemberg, Baden und .Hessen, als Führer des deutschen katholischen Adels, sowie als Be­gründer der Anti-Duell-Liga eine bekannte Persönlichkeit ist, fand in der Kirche der Dominikaner Frans Cedron zu Wenlv in Holland am 7. Dezember durch den Kardinal Erzbischof Fischer von Köln statt.

** Ue b er Korfu sprach gestern in dem dritten, vom kaufmännischen und vom Ortsgeweroeverein veranstalteten Vorlrag der hier bestens bekannte Redner Jens Lützen aus Berlin, der sich, wie hier immer, über mangelndes

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Interesse nicht zu beklagen hatte, denn der große Saal von Steins Garten war bis auf den letzten Platz besetzt. Der Redner gab einen interessanten Ueberblick über die ge­schichtliche Vergangenheit der für uns Deutsche besonders interessanten Insel, um dann an Hand zahlreicher farben­prächtiger Lichtbilder die hauptsächlichsten Sehenswürdig- f eiten, namentlich auch das interessante Kaiserschlos; Achilleion, zu schildern. Er erntete sür [eine anschauliche Darstellung lebhaften Beifall.

* V. H. C. Der Ausflug des Zweigvereins Gießen des Vogelsberger 5)öhenklubs am letzten Sonntag war durch die Konkurrenz des kupfernen Sonntags und durch das zweifelhafte Wetter etwas in seiner Frequenz beeinträch­tigt, aber der Stamm des Vereins filhrte dennoch die letzte Vereinswandemmg dieses Jahres zu voller Zufriedenheit der 16 Teilnehmer aus. Der fast durchweg gut gangbarq Weg führte zunächst über Wieseck nach den herrlichen Wal­dungen des Hange Ist eins, dessen leider etwas vernach­lässigte Anlagen und Fernsichten leider noch viel zu wenig ausgesucht werden. Dann ging es zur ersten Rast nach Lollar, von wo aus nach eingenommener Stärkung unter Verstärkung durch die dortige Abteilung über Kirchberg, Ruttershausen und Wißmar weitergcwandert wurde, lieber die sieben Hügel ging es dann unter sorgfältiger Vermeß- düng der Napoleonsnase auf den Gleiberg, der bei ein« brechender Dunkelheit erreicht wurde. Nach einer Stunde Erfrischungspause wurde der Heimweg nach Gießen an­getreten und inSachsenhausen" vereinigte ein Abschieds­schoppen die frohen Wanderer noch einige Zeit.

** Evang. Bund. Der vom hiesigen Zweigverein des Evang. Bundes am Sonntag in dem festlich dekorierten Saale von Steins Garten abgehaltene erste Familienabenb war außerordentlich gm besucht. Nad) einer Begrüßung durch ben Vorsitzenden Lanbgerichtsrat Schmeckenbecher, erfreute die Gesangsabteilung des Evang. Arbeitervereins die Anwesenden durch Vorttag zweier LiederLobe den Herrn" (Gern. Ehor) sowie Es zieht ein stiller Engel" (Dameu-Chor). Der hierauf von Prvf. D. Dr. Schian gehaltene Vortrag:Der Friede zwischen den Konfessionen" bildete den Mittelpunkt des Abends. Die Anwesenden verfolgten die interessanten Aus'üh- rvngcn des Redners mit großem Interesse und spendeten am Schluß bcs Vortrags reichen Beifall. Die unter Leitung von Musiklehrer Gernhardt gebotenen Musilvorträge verdienen ganz besondere Erwähnung. Aber auch der Frauenckwr des Evang. Aibeiter- Vereins errang großen Beifall, besonders bei dem LiebNieder mit eilenden Flügeln", so daß er sich zu einer ZugabeLütt matten be Has" entschließen mußte. Ebenso erging es Apotheker Schwieder, ber burch seine gesanglichen Darbietungen wesent­lich zur Verschönerung bes Abends beitrug. Den Schluß bil­deten zwei Gesangsvorträge (Heute scheid ich" undDas Wan­dern ist des Müllers Lust"! des Gern. Chors, der auch hier wieder zeigte, daß er sich sowohl in Bezug auf Mitgliederzahl, wie auch Leistungen in letzter Zett außerordentlich entwickelt hat.

** Stenographisches. Am letzten Sonntag hielt der Bezirk Ober Hess en und Dilltal dcsStolze-Schrey- schen Stenographenoerbandes seine Herbstversamm- lung in Friedberg ad. An dem damit verbundenen Wett- schreiben beteiligten sich die Gießener Vereine in stattlicher Anzahl. Der Stenographenverein Stolze * Schrcy erzielte einen glänzenden Erfolg, indem es ihm gelang 19 Preise zu erringen unb zwar in der Abteilung 8 0 Silben: 1. Preise: R. Glagow, H. Wysk, O. Knörr und C. Ritzel; 2. Preise: A. Donau, E. Müller unb H. Krauskopf; 3. Preise: O. Schwalenslöcker und O. Neuer. 100 Silben: 1. Preis: A. Nolh; 3. Preis: Fr. Jaeggle. 12 0 Silben: 1. Preis: H. Hoerster; 3. Preis: O. Kirstein. 180 Silben: i. Preis: K. Kreiling; 3. Preis: K. Reitz. 240 Silben: 1. Preis: E. Lischka. Für hervorragende schönschriftliche ^lrbeilcn erhielten einen 1. Preis: C. Ritzel; 3. Preise: Fr. Ritzel und G. Andres. Einen weiteren Erfolg erzielte das Mitglied stud. phil. Kraft, dem es gelang, in Dieburg einen 1. Preis in der Abteilung 3 00 Silben zu erringen. Am 5. Dezember feierte im Philosophenwald der GabelS- bergersche Sten ographenoerein am Realgymna- sium unb an der Oberrealschule sein 29jährige§ Be­stehen. Der Vorsitzende begrüßte die Erschienenen, unter denen sich neben den Eltern und vielen ehemaligen Ptit- gliedern die Vertreter der hiesigen Hanptvereine und der oberhessischen Schülervercine befanden. Die Festrede über: .Die stenographische Lage" hielt stud. phil. E. Meyer, Vorsitzender der akademischen Stenographenveremigung Gabels­berger an der Ludovicicma. Aus den Ansprachen der Ver­treter ging hervor, daß der Verein herzliche Beziehungen zu seinen Brndervereinen unterhält. Besonderen Eindruck auf die Versammlung machte eine Ansprache des Direktors Dr. Pitz aus Alsseltz, eines Gründers unb Ehrenmitgliedes be3 Vereins. Er richtete besonders an die Eltern die Mahnung, ihre Kinder stenographieren lernen zu lassen. Wenn aus mancherlci Gründen die Stenographie noch nicht als Lehr- gegcniianb in unsere hessischen Schulen eingeführt sei, so fei iie doch von so großem diutzcn im Leben, daß sich jeder Schüler ihre Kenntnis privatim aneignen sollte. Aus dem Fcstprograll'.m verdient besonders der musikalische Teil Er­wähnung. Herr W. Rolosf spielte zwei Ccllosoli, die von einem Dilettanten als hervorragende Leistungen gelten müssen. Der große Beifall bestimmte ihn zu einer Zugabe. Tie Gliinznilinmer des Abends bildeten zivei Klaviervocträge des Pianilcn I. Hahn. Sein anerkannt vorzügliches Spiel fand so lebhaften Beifall, daß sich der Künstler ebenfalls zu einer Zugabe herbedieß. Lehrer Kling nahm die Verteilung von zeyn ersten unb einem Ehrenpreis vor, die der Verein am 10. Oktober bet dein Bezirkswettschreiben in Heuchelheim