Ausgabe 
8.4.1908 Zweites Blatt
 
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- Eine süße Gabe. Der große Baumkuchen, der von der Konditorei H. Heitler in der Kochkunst-AuSstellung ausgestellt war, gelangte an die Kinder dreier hiesiger Schulen zur Verteilung. ± ,

" Vom deutschen Turnfest in Frankfurt. Soeben ist die erste Nummer der vom Preßausschuß herausqegebenen »eitung für das 11. deutsche Turnfest zu Frankfurt a. M. er­schienen. Der Jestzeitlmq fällt beim Zuilandekommen de., m so großen Dimensionen stattfindenden Festes eine bedelilsame 4lu gave m. Sie soll anregen, sammeln und festhalten, was die -mge 11. deutschen Turnfeste? nicht nur, sondern was die ganze kra'tvolle Bewegung des Turnens überhaupt und was^Frankmrt msbesondere bewegt. Diesen mannigfaltigen, vielseitigen Tendenzen wird bereits die erste Nr. mit ihrem reichen Inhalt vollauf gerecht. Sie bietet ine Fülle anregender Artikel aus bewährter Feder, Unterhaltenoes und zahlreiche Illustrationen. Die Festzettung erscheint tm Verlag der Kesselring'schen Hofbuchhandlung (E. v. Mayer) m Frankfurt und ist voir der Buchdruckerei Aug. Weisbrod (C. Döbler) äußerst >orgsältia typographiert und ausgestattet. Der Abonnementsprers veträgt Mk. 4.50, der Preis der Einzelnummer 40 Pfg.

"Bekämpfung der Schnakenplage. Besonders günstige Erfahrungen bet der Bekämpfung der Schnaken sind n. d.Dacmst. Ztg.« in einer größeren rheinhessischen Land- gemeinde mit Saprol gemacht worden. Bei zweimaliger Verteilung Mitte Mai und Mitte Juli wurden drei Fässer gebraucht, die einen Kostenaufwand von 13O Mk. verursachten. Tatsächlich sind vergleichende Laboratoriumsversuche, die von der landwirtschaftlichen Winterschule in Alzey mit Saprol und mit Petroleum vorgenommen worden sind, durchaus zu Gunsten des ersteren ausgefallen. Es hat sich ergeben, daß das Saprol sich ungleich rascher und gleichmäßiger auf dem Wasser verteilt als Petroleum, und daß Schnakenlaroen, welche die Versuchsflüssigkeit enthielten, bei Anwendung von Saprol sämtlich nach etwa 2 Stunden abgetätet waren, während Petroleum dazu etwa 4 Stunden Einwirkung nötig hatte. Die Preise stellen sich bei 1 Barrel & ca. 180 Kilo auf 25 Mk. einschließlich Emballage, bei 5 Barrels auf 22 Mk. Bei größeren Abschlüssen treten besondere Ver­günstigungen ein. Wenn Saprol hiernach etwas teurer ist als Petroleum, so gleicht sich das durch den geringeren Ver­brauch wieder aus, denn für den Quadratmeter Wasser­oberfläche genügen 15 bis 20 Kubikzentimeter. Da Saprol sonst nicht verwertet werden kann, sind bei seiner Anwendung auch Veruntreuungen ausgeschlossen.

(-m.) Friedberg, 7. April. Anläßlich einer Petition der Schüler der hiesigen Gewerbe-Akademie wegen ihrer U e b e r n a h m e in städtische Verwaltung, so­wie Errichtung eines Neubaues, kam am 26. März in ge­heimer Sitzung ein Beschluß zustande, dessen Inhalt den Petenten jetzt mitgeteilt wurde: Die Stadtoerordneten-Ver- sammlung hat beschlossen, die Gewerbe-Akademie in eigne Verwaltung zu übernehmen, wenn 1. die Stadt durch die Großh. Negierung die bindettde Zusage erhält, die Gewerbe- Akademie ganz so wie bisher, ohne Einschränkung der studen­tischen Freiheiten fortführen zu dürfen, und 2. es der Stadt­verwaltung zu überlassen, sich über eine die beiderseitigen Interessen wahrende Grundlage der Uebernahme mit Herrn Direktor Schmidt zu einigen. In dieser Frage wird die Errichtung eines den Anforderungen entsprechenden Neu­baues ihre Lösung finden. Die Verhandlung mit der Großh. Negierung wird angebahnt werden.

-t-. Friedberg, 8. April. Das gestern gemeldete außergewöhnliche Ereignis der Schließung des Hotels ,ßu den drei Schwertern" ist heute vom regulären Lauf der Dinge obgelöft: über den Besitzer Aloys Göbel ist der Konkurs eröffnet worden. Hoffentlich gelingt es dem Konkursverwalter Rechtsamvalt Dr. Seyd, den Geschäfts­betrieb bald wieder aufleben zu lassen und damit der sonst unvermeidlichen Wertsminderung des Besitztums vorzubeugen.

(n.) Gedern, 7. April. Vor einiget* Zeit brachten ver­schiedene Blätter die Mitteilung, daß in dem Wahlbezirk Schotten-Gedern-Laubach anstelle des seitherigen Abgeordneten Oberförster Dr. Web er-Kvnradsdorf von feiten des Hess. Bauernbundes der Bürgermeister Viehl- Rainrod bei den im Herbste ftattfindenden Landtags­wahlen als Kandidat ausgestellt würde. Tie Nachricht klang für Eingeweihte sehr befremdend, denn einmal ist der liberale Oberförster Dr. Weber ein großer Freund der Landwirtschaft, sowie ein vorzüglicher Kenner des Vogels­bergs und erfreut sich in seinem Wahlkreis allgemeiner Beliebtheit. Zum andern ist er der Urheber noch nicht aus­geführter weitschauender großartiger Projekte wir er­innern nur an das zu errichtende Elektrizttütswerk in Liß- berg, an die geplanten oberhessischen Wassergenossenschaften tu a. und außerdem war Bürgermeister Biehl bei der letzten LandtaHswahl, als es sich darum handelte, für den so plötzlich verstorbenen Bürgermeister Weidner-Hercyenhain Ersatz zu schaffen, ganz entschieden für Dr. Weber ein- getreten, so daß man sich eine Gegnerschaft zwischen den oeiben Genannten nicht vorstelleu konnte. Bei einer nun­mehr abgehaltenen Vertrauensmänner - Versammlung des Wahlbezirks wurde denn auch einstimmig beschlossen, Ober­förster Dr. Weber als Abgeordneten wieder zu wählen, nachdem Bürgermeister Biehl die bestimmte Erklärung ab­gegeben hatte, unter keinen Umständen eine Kan­didatur anzunehmen, solange Dr. Weber zur Wahl stünde. Demnach dürfte die Wiederwahl des seitherigen ver- vienstvollen Mgeordneten sicher sein.

sj AuS dem Kreise Marburg, 7. April. Wie anderwärts, so hatten die Landwirte im Lahn- und Ohmtal im vorigen Herbst über einen ganz enormen Mäuseschaden zu klagen. Alle Mittel zur wirksamen Bekämpfung der un­liebsamen Gäste halfen nichts,- bei dem Bestellen der Felder lernte der Landwirt jedoch seine Freunde kennen, die ihm tüchtig halfen, die Schädlinge zu vernichten. Es waren dies die sonst so viel geschmähten Naben, für deren Verminderung man sonst auS öffentlichen Mitteln alljährlich Prämien be­willigt. Aus dem neuesten Marburger Kreishaushaltsetat ist dieser Ausgabeposten verschwunden und der Landwirt freut sich jetzt, wenn die schwarzen Vögel hinter dem Pfluge herziehen und der Mäusebrut den Garaus bereiten. Daß der strenge Winter und in den Niederungen auch das Wasser tüchtig unter den Schädlingen aufgeräumt hat, ist bekannt.

Biedenkopf, 6. April. Der bisherige Vertreter Land­rat v. Heimburg mürbe von den Konservativen wiederum als Kandidat ausgestellt.

(W.) Fran! furt a. 9)1., 7. April. Tw Stadtverord- netenversammlung sprach sich heute für die Herabsetzung des Zensus für die Stadtverordnetenwahlen von 1200 Mark auf 900 Mark aus unter Wahrung des gleichen, direkten und geheimen Wahlrechtes und ersuchte den Magistrat, diesem Beschlüsse beizütreten und entsprechende L...gaben an die Kgl. Staatsregierung und die beiden Hau- i des Landtages zu richten.

Der Mannergesangverein von Münster Sei Dieburg.

R. B. Darmstadt, 7. April.

Vor kurzem machte ein vom Schöffengericht zu Die­burg gefülltes Urteil nicht geringes Aufsehen, dasim Namen des Großherzogs" den Redakteur A. Schumann von der in Dieburg erscheinendenStärkend. Provin'.ialztg." zu 20 Mark Geldstrafe verurteilte, weil es in der Behauptung des Blattes, der sozialdemokratische Mannergesangverein II zu Münster bei Dieburg habe mit einem Familienabend am 23. November v. I. den Geburtstag des Großherzogs ge­feiert, eine Beleidigung erblickte, denn in dieser Behauptung liege derVorwurf einer Preisgabe und Verleugnung we­sentlicher parteipolitischer Grundsätze". In der heutigen Berufsverhandlung vor der Strafkammer stellte sich nun die überraschende Tatsache heraus, daß die Mehrzahl der geaen den Redakteur klagbar gewordenen Vorstandsmitglieder des Gesangvereins überhaupt nicht sozialdemokra­tisch gesinnt ist und daß im Art. 1 der Vereinssatzung bestimmt wird: Der Verein bezweckt die Einführung guter, gediegener Musik und die Hebung der patriotischen Gesinnung durch vaterländische Gesänge. 9hir drei Vor­standsmitglieder erklärten auf Befragen durch den Vorsitzen­den, daß sie republikanisch gesinnt und Gegner der Monarchie seien, doch bekundete auch der Vorsitzende ausdrücklich, daß es bei der Entscheidung über die Aufnahme in den Verein nur auf die gute Stimme ankomme. Rechtsanwalt Sieger wies als Vertreter des angeklagten Redakteurs darauf hin, daß der Artikel nur eine politische Satire darstellte. Auch die Führer der Partei, besonders Herr Ulrich, hätten ja wiederyolt Anknüpfungen mit dem Großherzog gesucht und sich auch an einer Glückwunschadresse an denselben beteiligt, ohne daß man ihnen den Vorwurf machte, sie hätten ihre Parteigrundfätze prrnsgegeben. Und da die Mehrheit der Vorstandsmitglieder sich nicht als zur Sozialdemokratie ge­hörig bezeichnete, könnten sie sich auch nicht im Sinne des Schössengerichtsurteils beleidigt fühlen. Rechtsanwalt Dr. Fulda erklärte, daß er allerdings die Kläger, die sich heute als Nichtsozialdemokraten bezeichneten, nicht mehr vertreten könne, für die drei sozialdemokratischen Vorstandsmitglieder halte er aber die Klage aufrecht und beantrage Bestätigung des ersttnstanzlichen Urteils. Der Gerichtshof entschied nach längerer Beratung dahin, daß der angeklagte Redatteur freizusprechen und die Kosten beider Instanzen den klagenden Vorstandsmitgliedern aufzubürden seien. Es könne von einer Verleugnung republikanischer Grundsätze überhaupt nicht gesprochen werden, wie es das Schöffen- gerichr tat, da der Charakter der Sozialdemokraten als Republikaner überhaupt nicht einwandssrei seststehe, beson­ders in Hessen nicht, wo einflußreiche Führer beim Laudes- sürsten zur Audienz erschienen und sich, an Adressen für ihn beteiligten.

[] Marburg, 7. April. Die Strafkammer verurteilte heute in der Berufungsinstanz den Kausmaun Gustav Adolf Reißer aus Frankfurt a. M., der in der Gegend von Vöhl K a l i - P h o s- phaldunger verkauft hatte, der laut Untersuchung durch die landmirtschauliche Versuchsstation anstatt der angegebenen 9 zu 9 Prozent Kali und Phosphor nur 6, 9 und 6,97 Proz. enthielt, wegen Betrugs zu 3uü Mk. Geldstrafe. Das erste Urteil Halle aui 4 Wochen Gefängnis gelautet. Der Sachverständige Professor Dr. Hajelhoff gab an, daß der Zentner zu 4,75 Alk. vertäust sei, aber nur einen Wert von 1,66 Mk. habe.

W. Erfurt, 7. April. Der Arbeiter Heiliger^ aus Mühlhausen (Thüringen), der im Februar den eigenen Sohn mit einem Stein durch Schläge auf den Köpf getötet und den Leichnam dann in die Lhomasquelle geworfen hatte, wurde vom hiesigen Schwurgericht zum Tode und Verlust der bür- geriichen Ehrenrechte verurteilt.

Universitäts-Nachrichten.

In W i e n ist der Zoologe Hoirat S ch m a r d a gestorben.

Vermiete»,

* Ein elektrischer M e n s ch. Im Zirkus Schu­rn amt zuFrankf u rt erregte vor kurzem eine neue Vorführung Aufsehen. Resisto, derelektrische Mensch", brachte zunächst einen ungeheueren elektrischen Strom zur Darstellung, dessen Zentrale sein eigner Körper ist. Er arbeitet mit riesigen GeiUerschen Röhren, die teilweise zwei Rdetev lang sind. Mit der rechten Hand berührt er den Konduktor, in der Unten hält er die Röhren, bereit phantastisches Licht weit hinaus in die obersten Regionen des Zirkus strahlt. Ein Stück Papier, das in die Nähe des Sttomes gebracht wird, verbrennt sofort in Hecken Flammen. Frau Re- sisto will sich eine Zigarette anjünbcn; eine einfache Berührung der letzteren mit der Hand ihres Galten genügt, um den Tabak in Brand zu setzen. Oellampen, elektrisckie Birnen erhalten Licht, und alles entipringt der "lebenden elektrischen Zentrale. Zum Schluß behängt sich Resisw mit einer großen Anzahl buntfarbiger Geißlrrscher Röhren, so baß das Ganze wie ein lebendiger Leuchter ausiieht. Resisto arbeitet mit einer Steigerung bis zu 300 000 Volt, das ist ein weit größeres Maß elektrischer Kraft, als es in Amerika zu den elektrischen Hinrichtungen verwendet wird.

Etsenbahnunfälle. Auf der Strecke Wunstorf- Hannover stieß infolge frühzeitigen Freigebens der rück­liegenden Blockstrecke em Personenzug Köln-Berlin auf den stehengebliebenen und nicht vorschriftsmäßig geblockten Hinteren Teil eines bei der Einfahrt in den Bahnhof von Hannover gerissenen Güterzuges, wobeidieZuglokomotive deSPersonenzuges, und zwei Wagen des Güterzuges entgleisten und beschädigt wurden. Personen wurden nicht verletzt. Bei der Station Aussig der Aussiger-Teplitzer Eisenbahn (Böhmen) wurden durch einen Zusammenstoß 12 Personen verletzt, davon drei schwer. Zwei Lokomotiven wurden zertrümmert. Auf der Chicagoer Hochbahn ist ein Wagen mit 50 Personen vorn Gerüst g e st ü r z t. 30 Personen sind verletzt, getötet wurde niemand.

* Ein nicht satisfaktionsfähiger Graf. Im österr. Abgeordnetenhause herschen bekanntlich seltsame Sitten. In anberen Ländern pflegt derunparlamentarische"' Aus­druck eine Entgleisung aus den Bahnen deS guten ToneS zu sein. In Oesterreich dagegen ist man nachgerade soweit ge­kommen, daß man jedem, der sich grob undgröber* aus­drückt, nachsagt, er benehme sich parlamentarisch! Dieser Tage nun hieß es in Wien, es werde ein Duell zwischen dem Grafen Sternberg und dem tschechischen Abg. Bergmann ftattfinben. Sternberg forderte Bergmann, wei ihn dieser in einer Rede im Abgeordnetenhaus mitsaugroben* Worten unterbrochen hatte. Heute aber kommt folgende Nach­richt aus Wien: Die vier Sekundanten de§ Grafen Stern­berg und des Abg. Bergmann traten zu einer Beratung darüber zusammen, ob daß Duell der beiden Abgeordneten slattfinden solle ober nicht. Es hanbelt sich nämlich um bie Frage, ob Graf Sternberg satisfaktionsfahig ist ober nicht, ba ec seiner Off izi ers charge verlustig erklärt worden ist. Unter diesen Umständen erscheint es nicht möglich, daß Bergmann, welcher Reserveofsizier ist, sich mit Graf Stern­berg schlage, da er dadurch gleichfalls feinen Ofsiziersrang

verlieren würde. Es sollte ein SabttdüeH unter schweren Bedingungen ftattfinben. Mittags ist dem Abg. Bergmann von seinem Negimentskommando ein Telegramm zugegangen. Das Kommando spricht darin dem Grafen Sternberg die Satisfaktionsfähigkeit ab. Das Duell muß also unterbleiben.

* Schinken mit Photographien. DerKunstwarl* macht auf folgendes Inserat annnerksam: Appetitlich wirken bei allen Festlichkeiten die von mir als Spezialität geführten Schinken mit Photographien hochstehender Persönlichkeiten (Deutscher Kaiser, Kaiserpaar, König Friedrich August, Bismark usw.) Preis per Stuck je nach Gewicht 12 bis Mark. Versandt unter Nachn. Folgt noch der Name einer Firma in Leipzig und bie Abbildung eines illustrierten Schiveineschenkels: auf der Schwarte prangt ciii Kops, bilb Kaiser Wilhelms II. Tie Abbildung läßt erkennen, daß das Porträt bes Kaisers ans einen Schinken, ber gegen 15 Mk. Nach, mahme versanbt wirb, ungefähr Lebensgröße erreicht.

* Der nörbliche Seeweg nach bcin Stillen Ozean. Aus Petersburg wirb berichtet: Das Marineininislcnum betreibt mit aller Energie bie Ausrüstung ber großen polar- expebition, deren Endziel die Erforschung des Seewegs bilden wird, ber den Atlantischen Ozean im Norden mit dem Stillen Ozean verbindet. Man hofft bestimmt daraus, daß es möglich ein wird, nach Erforschung der Eisverhältnisse eine fahrbare Route zu finden, die dem westlichen Rußland bic Möglichen einer bireften Sceverbürbung mit den Kolonien int fernen Osten und Wladiwostok eröffnet. Lldiniral Dnbassoff vertritt schon eit langem diese Anschauung. Außer zwei Eisbrechern, die lereits im Bau sind, werden eine Anzahl von Fesselballons mitgefüljrt, die zur Erforschung der Eisbewegungen im nord- lichen Eismeer üern-enbet werben sollen, an denen bie früheren Versuche gescheitert sinb.

* Ter Mann mit ben Drillingen. Wie leiclstgl>u- big bas Petersburger Publikum in seinen verschiedenen Schichten ist, beweist folgendes charakteristische Histörchen, bas den Porzug hat, wahr zu sein: Seit etwa einer Woche Huben vor ber Toren- kammer bes Alexanberhospitals täglich große Menschenansainm- ungen statt. Die allen Gesellschiaflsschichckn angehörendcn Teil- nehmcr erklären offen, baß sie sich, zur Besichtigung eines großen Naturwunbers eingefunben haben, sie ivollen die Leiche des Mannes eh^n, bei mit Drillingen iiiebergeEommeit sei! Diese von vielen Tansenben geglaubte Geschichte hat folgenden Ursprung: Vor adit Tagen starb ber bucklige Buchbinbec Iwanow im Hospital. Neben einem Sarge wurden bie Leichen zweier auf einem Kirchhof aui- gefur.bener totgeborener Kinber gelegt, denen sich bald eine brüte Känborleiche zugesellte. Iwanow zeichnete sich badurch aus, daß er langes Haar trug, bartlos war und auch vorn einen Buckel besaß, so baß man ihn bei flüchtigem Hinsehen für eine weibliche Leiche halten konnte. In ber Totcnkammer befanben sich zur Be­sichtigung sstunde mehrere Neugierige, bie der Wächter einfach mit ben Worten abfertigie:Herr Gott, seht ihr benn nicht, baß das eine tote Mannsperstn ist, bie mit Drillingen nteberfam!" Tas unbebacht ausgesprochene Wort würbe ausgeschnappt und mit Windeseile durch die Stabt veroreicct. Erst sanden sich bic nächsten Bubenbesitzer ein, um bas elfte Weltwunder anzustaunen, dann zog die Mär immer weitere Kreise; elegante Wagen unb Gespanne rollten heran, um sich von ber Wahrheit ber Legende zu überzeugen, die bie Sttaßenblatter ausführlich besprachen. Tas seltsame Ge­rücht war in seiner Wirkung so intensiv, baß ber Oberarzt des Hospitals von jener Stunde >ab feinen Augenblick Ruhe hatte, denn Hunbctte wollten per Telephon erfahren, wie es dem Wöchner gehe, und ob bie Kinder nickst adoptiert werben könnten. Heute erckätt der Oberarzt Dr. TobroklonSki öffentlich, daß diese Legende Unsinn ist, und er ernstlich! darum bittet, ihn mit dem Fall in Ruhe zu lassen.

* Pech. Ein Schuhmacher hatte den Besuch des Ge­richtsvollziehers zu erwarten, und sah diesen eines Tages zufällig (auf das Haus z-ugehen, da sagte er rasch zu seinem kleinen Jungen:Ich stelle mich jetzt in den Kleiberschrank hinein, unb wenn ber Gerichtsvollzieher kommt, bann sagst )u, ich sei nach Frankfurt gefahren." Der Junge tat so, doch als ber Gerichtsvollzieher ihn fragte:Wann kommt benn bein Vater wieder von Frankfurt zurück?" machte der Kleine schnell die Schranktür auf und sagte:Vater, wann kommst du beim wieber von Frankfurt?"

* Dauerfahrten im Ballon. Die Dauerfahrt die der Luftschisfer Rektor Poeschel aus Meißen, ber in Rußlanb für ben Rektor ber Universität Gießen gehalten wurde, als Führer des BallonsDresden" bei dessen Tauf­fahrt unternommen hat, hat in den letzten Tagen die Presse bejchäftigt. Besonders interessant war, daß Poeschel, obgleich es sich ja nicht um einen lenkbaren Ballon handelte, genau den Verlaus der Fahrt vorausgesagt hatte. Nach sechs Stunden wollte er zwei seiner Begleiter in Böhmen aus- steigen lassen, lu»nd genau so ist es auch eingetroffen. Er selbst hat dann mit dem dritten Reisegefährten die Fahrt noch fortgesetzt und landete nach 181/2 Stunden spater im Süden Böhmens. Leider hat er diese Möglichkeiten nicht schon früher ausnutzen können. So hätte bei einer Fahrt, die er im vorigen Sommer von Bitterfeld aus unternahm, die ihn über Brandenburg, Mecklenburg und Pommern hin­weg zur Ostsee geführt hatte, der Ballon, da iym noch zwölf Sack Ballast zur Verfügung standen, leicht auch noch die Fahrt über die -Ostsee nach Schweden wagen können, wenn nicht einer der Insassen für vorherige Landung gestimmt hätte. Die Fahrt über die Ostsee nach Schweben, bie nach Messung auf ber Karte auf 250 bis 300 Kilometer berechnet war, hätte ber Ballon in höchstens 6 Stunben zurückgelegt. Die Wetterkarte hat später bie Berechnung Poeschels voll­kommen bestätigt. Ta eine Linksdrehung des Windes über der -Ostsee erfolgt war und bie Winbstärke zugerrommen hatte, hätte ber Ballon zu ber Strecke sogar nur vier Stunden gebraucht.

Kleine Tagcschronik.

In Mariage n (Mosel) wurde ein Hausbesitzer von einem Unbekannten in seiner Wohnung überfallen und durch piebe au den Kopf niedergeschlagen. Der Verbrecher schleppte alsdamr oei vermeintlich Toien am den Heuboden, durchsuchte das ganze Harn und raubte 200 Mk. Ter ÜebertaUene wurde später bewuyuo

und lebensgefährlich verletzt ansgesundcn.

In Gmund sind infolge versehentlicher Verwendung oo- Ra 11 e n g i ft bei Zubereitung einer Suppe in einer Fami acht Personen erkrankt. Ein 75jähr,ge Frau ist gesporoea

Wie der PariserMotin" behauptet, l)ot ein aus Fc« verschwundener deutscher T r a g 0 n e r - O f f i) i c c em Ul plor bes deutschen Kav alleric-Excrzlcr-Regi­ments und die Beschreibung eines Ma, mlncug wehres durch Vermittelung einer Halbweltdame ut 45 a zu vevänßern gesucht. ...

In Sabiau (Ostpr.,- brach aus dem Grundstücke Fleischers Girnus Fen er ans. Beim Läscyen bes Feuers I man Girnus im Innern bes Hauses ermordet vor. J?; liegt zweifellos ein Racheakt vor, ba Girnus, der mcmfflO) Zuchthaus vorbestraft mar, einige Komplizen seiner -oero ar benunzicrt hatte. n )n,

In Alle 11 st e i n wurde bic 81 jährige Lehrcr » wi Katharina Tembski in ihrer Wohnung crntorbet aui gesiinben Tie Ermorbetr bewvhiuc ein ihr gehöriges st allein. Der Morb ist mit einer Axt ober eurem Beu v._ worben. Es hanbelt fid1 um einen Raiwmorb. ^ehranre Behältnisse sind durchwühlt. Unter dem bringenden ^ewaaj. ber Täterschaft des Raubmordes wurde der Fleischer Rehrigt verlach i dtrciu Line c- ; e

2Cird?fid?c Nachrichten.

EvMgelische Gemeinde.

5n der Ltadtkirche. < t

Heute, Mittwoch, abends 6 Uhr: 6. P a s s i 0 n s - A n 0

y ' Psarrajsisle.lt Becker.