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11.11.1908 Erstes Blatt
 
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Mittwoch 11. November 1908

Erstes Blatt

Die heutige Nummer umfaßt 16 Seiten.

von feinem Verständnis geleitet.

Karl Neurath.

158. Jahrgang

Nr. 206

Lei Sieyener ansetget er>it>eu<; (äflhct), außer >onniofl6. - Beilagen: d i e i m a I roörbenthcf) Ltebener^amtlirndiutter, troeiimil iDocbenll.Ktets» lall für öen Kreis öiefoen (Tienetny uuvtitetimv. gmeminl monutl Land- ctrhd)afth(ht SetNrogen *t<ieni|pied) - Aaichluye r füi di, iKeSufiton $ 12, fcctlag u *£ipeOihon 61 tlö teile rin Seuelcheni

Anzeiger Lieben.

Lnnahnit von flnjeigce für die Laaesuuiniiter bie oorminiige 10 Uhr.

Gictzener Ftci-LtheLiter.

Die Piccolomini.

Cchauspicl von Schiller.

ES scheint fall, als ob daS deutsche Volk jetzt erst zum vollen Verständnis der umfassenden Größe Schillers käme, beim sein gewaltiges und unvergleichliches Werk, .Wallen­stein", kommt von Jahr zu Jahr häufiger auf den Spielplan unserer Bühnen. Ja, bei den meisten Bühnen gehört es zum Stammplan und erlebt jährlich mehrere Aufführungen. So wurden zur Feier von Schillers 149. Geburtstag gestern abend .Die Piccolomini" vor überaus gut besuchtem _ Hause hier aufgeführt, und unsere Schaubühne ließ sieh die günstige Gelegenheit Nicht entgehen, das herzogliche Hoslagec möglichst pruntvoll und kostbar zu geualten. 'Alles war wohlüberlegt und geschmackvoll angeordnet einige Kleinigkeiten, die sich leicht beheben lasten, ausgenommen. Besonders das Gelage zeigte ein hervorragendes Bild, das mit prächtiger Lebendigkeit ausgeführt war. Die Darstellung war gut und zeigte recht erfreuliche Einzelleistungen. Hermann Bakof, der auch die schon rühmlich hervorgehobene Regn führte, bot als Wallenstein eine sehr ansprechende Gestalt. Die Widersprüche, die sich in der Seele dieses Mannes be­fehden, hob er mit gutem Gelingen scharf hervor, ohne sie auseinander zu zerren. Tie Verschiuelzung des träumenichen mit dem tatkräftigen gelang ihm sehr gut und gab der über­ragenden Gestalt des Herzogs eine angenehme Glaubwürdig­keit und Rundung. Recht nett war Rolf Ziegler als Ottavio, und Karl Volck als Questenberg zeigte sich von seiner besten Seile. Sie hielten sich beide glücllich frei von heimlicher Ränkesucht und zeigten sich als die von ihrer Auf» gäbe voll dlirchdruugenen Edelleule. Clemens Roden sprach den Max nut hinreißendem Feuer, aber etwas gar zu süßlich. Der Max war nicht von Jiigend auf un Lager. Ausgezeichnet war Rudolf Goll als Jllo und den großen Auftritt beim Gelage brachte er mit stürmischer Kraft zur Geltung. Grete Höcker als Herzogin spielte ebenso wie Helene dichter berg recht gut und Jo Hoven war als Thekla von großem Lieb­reiz und angenehmer Innerlichkeit. Die übrigen Tariieller fügten sich gut in das Zusammen spiel ein. Ich nenne nur

kam heute noch Herr Liebermann von Sonnenberg zu Wort. Herr von Hertling wies auf die Lücke in den Ausführungen dcS Kanzlers hin, was denn nun eigentlich der Kaifcr ui Wirklichkeit geäußert habe. Einen ganz außerordentlichen Eindruck machten die Ausführungen des Redners der wirtschaftlichen Vereinigung, der vom unverantwortlicheren Standpunkt seiner kleinen Parteigruppe c5 nicht nötig zu haben glaubie, die großen siaatsmänniickien Ruct- sichten zu nehmen, und darum den -ton anschlagen und das aus» sprechen durste, was Millionen in Deutschland heute empfinden. Morgen soll die Aussprache weiter und u Ende geführt werden.

VezugSpret ): monatlich 75 xUi., viertel» jährlich Alk. 2.20; durch Abhole- u. SmeiqftcUen monatlich 65 *BL, durch die Volt Alk. 3. oiertel- jährt, ausjcht. Beüellg. Hcilcnpreis: total 15Ai, aus wart« 20 Aieumq,

Beianiworilich für den pohnlchen leit, |üi .Feuilleton* und EBennüchies": Einst slnöerlon, lüt .Stadt u. Vanö und.ifievichts«

Erich Weingärlner (Tcrzky), Willibald Völcker (Jsolam) und Edgar Pauly ('Suitier).

Noch einige kleine nebensächliche Bemerkungen für die Regie. Bei einer Wiederholung wäre gut, wenn es, der Verständlichkeit wegen, bei der Beratungsszene mitunter weniger erregt zuginge, und wenn die Beleuchtung des Fensters etwas weniger grell wäre. Auch der Mondschein im. dritten Auszug könnte etwas gedämpft werden. Im übrigen war die Regie, wie schon gesagt wurde, durchaus lobenswert und

Lttmmungsbild aus dem Reichstage.

Berlin, 10. November.

'Tie Interpellation über das r-aiser-Znle view.

Die Rufglocke tönt durch die Räume. .Durch alle Türen dringen die Abgeordneten in den Saal. Ällif dersüddeutschen" Bun'desralsestrade drängten sich erwartungsvoll schon.iQit die Bevollmächtiaten. Unter ihnen der Vertreter Bayerns, Graf Lerchenseld, der sich sonst mehr auf der anderen Seite aushätt, an der die Reichsämter und preußischen Minister ein Gewohn­heitsrecht ausüben. Bis der Präsident erscheint, bleibt diese Estradenhälite heute leer. Nun crjche.uen durch die Neme Pforte rechts vom Präiidententische die Minister und Staatssekretäre: von Tirpitz, v. Bethmann-Hollweg, Dcrnburg, Kraetke, Herr von Arnim, der Chef des preußiickjen Landwirtsck)aftsministerluins und mit ihnen eine neue Erscheinung: Herr von Kiderlen-Wäch- tcr, der Vertreter des erkrankten und wohl nimmermehr gesunden­den Staatssekretärs des Auswärtigen. Unmittelbar hmter ihnen das stets fahle Antlitz des Herrn von Loebell, des UMerstaats- sckrclärs, der gewissermaßen das Terrain sondiert, ehe er seinen Hrrrn und Meister holt. Fürst Bülow betritt den Saal. Draußen vor dem Portal des Hauses hat ihn, als er dem Wagen entstieg, das Publitum mit Hochrufen begrüßt. Nicht leicht und siegechickjcr wie sonst tritt er durch die Tür, sondern mit stocken­dem Fuß und wie vom Licht geblendet. Eine kleine Verb.ugung zum Grasen Stolberg hinaus, dann nimmt er teilten Platz ein, schlägt die Arme nut der bekannten Geste übereinander und sieht entschlossen nm sich. Stein Gruß, kein Lächeln, kein Winken mm) irgend einer Seite hin. Toternst. Der Fürst sicht schlecht und blaß aus. , . ,,

Ich bin bereit, die Interpellationen sofort zu beantworten , erllärt er in müdem, geschmstsmäßigem Ton, und B asser m a un begründet bie Interpeklaiion der Nationalliberalen. Durch die lautlose Stille des Hauses klingt sein sonores Organ. Gr spricht ohne Leidemchaft, ohne Gehäffigkeit und erschöpfend, ohne die Spannung der Zuhörer auch nur mit einem Satz zu enttäuidjen. Wer gemeint batcc, er werde Wichtiges ungesagt lassen, sah sich ge­täuscht. Neues vorzubringen war nicht gut möglich, nach dem, was feit dem verhängnisvollen 28. Oktober geschrieben worden ift. Scharfe Frontstellung gegen den M'aifer, aber in der ehrerb.etigen Form, die sich für den Monarchisten von selbst versteht; die Ab­sicht, jede Ungerechtigkeit gegen den Kanzler zu vermeioen und da­rum ein gut Test Anerkennung für d.esen. .

In feierlichem Schweigen lauschen tue Tribunen, laufcht -oas Haus. Nur, wo Ausführungen des Redners be,onders zu unter­streichen sind, ertönt einmütig und nachdrucksvoll das'Sehr richtig!",Sehr wahr!",Hort! Hort!". Sehr richtig ist es danach namentlich, daß es so wie bisher nicht weitergeht. Heiter­keit meldet sich, als Bassermann Weugicrbc danach bekundet, wie­viel- denen imDaily Telegraph" ebenbürtige Aeußerungen des Kaisers wohl in den Archiven fremder Mächte ruhen mögen. Hohnlachen, als er eine. Probe von der byzantinisckfen Bericht­erstattung eines unparteiischen Berliner Blattes zum Besten gibt, das als die journalistische Hauplinformationsquelle des Kaifcrs gilt wonach die Veröffentlichung imDaily Telegraph in Eng­land einen vorzüglichen Eindruck gemacht und nun wirklich und endgültig die Versöhnung mit Deutschland herbeigcfuhrt babc. Und sehr energisch bekundete das Haus seine Zustiminung zu der Versicherung des Redners, daß von einer Feindscyait des deutseyen Volkes gegen England nicht die Rede sein kann.

Bassermann yat unter großem Beifall des Hanf es geendet. Ein Moment erwartungsvoller Stille. Wird nun der Kanzler das Wort nehmen oder läßt er den Faden der Interpellationen erst abrollen? Der Präsident erteilt dem Abg. W i einer das Wort: man weiß nun: der Kanzler kommt vor V$5 nicht mehr heran, und für einen Augenblick gibt cs Lücken im Saale und auf der Jour- naliftcntribüne. Aber nur für wenige Minuten der Erholung.

Auch 2r. Wiemer hat das volle Ohr des Hauses. Es war nicht leicht, nach Bassermann Neues vorzubringen, wenn man nicht wie der Sprecher der Sozialdemokratie jenseits der Monarchie überhaupt stand und noch obendrein mit demjenigen Maße staats­männischer Besonnenheit messen wollte, über dessen Anwendung die Fraktionen des Blockes einig sind. Die Sprach Wiemers ist nicht so elegant wie die BassermannS. Er hat mehr den Ton des Volksmannes. Um echte Tone war keiner von beiden ver­legen; die Stimmung, unter der sie und ihre Zuhörer standen, ist echt. Wiemer richtet seine Worte auch gegen eine dritte Front: die antiparlamentarische Auffassung der Konservativen und der Kreuz-Zeitung". Unter ftürmifdiem Beifall stellt er fest, daß Kaiser und Reichstag an einem Tage geboren sind. Viel leichter als die beiden Vorredner hat es der dritte Interpellant, Herr Singer. Auch schwächere Redner feiner Farbe hatten sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, auf die Mitfchuld der Par­lamentär ischen Parteien an den gerügten Mißständen hinzuweuen, und ausnahmsweise ist dieser Vorwurf nicht ganz unberechtigt. Der sozialdemokratische Redner trat schließlich mit den für feine Partei naheliegenden radikalen Forderungen lzervor: neben dem Ministerveraniwortlichkeitsgefetz Entscheidung über Krieg und Frieden durch die Volksvertretung und Mitwirkung des Reichs­tags bei der Besetzung des Rcichskanzlerpostens. Herr von Hey - de brand, der als vierter die Interpellation der Kvnfervativen begründete, hatte vollkommen recht, wenn er mc.ntc, Singer habe bei Formulierung seiner Wünsche die letzte Konsequenz nicht zu ziehen gewagt, die Abschassung der Monarchie. Herr von Heyde- branb ist kurz und wirksam. Die Konservativen wenden sich ledig­lich an den Kanzler, aber sie halten ihn so l>och verdient um das Reich, daß auch sie ihn nicht stürzen wollen. Im Gegenteil. Und ein Bei.allschor der Rechten, verstärkt durch ZusUmmung auch von den anderen Blockparteien, bekräftigt biefe Erklärung.

Noch ein paar zustimmende Worte des Fürsten Hatzfeld als Interpellanten der Neichspartei zu den Erklärungen der Deutfch- konscrvativen Fraktion, und dann erhebt sich der Reichskanz­ler uc spriclst ernst, sehr ernst, und in lapidaren Sätzen. Vieles was er vorbringt, mackst starken Eindruck. Freilich, hierzu ge­hört nickst feine Versicherung, daß das Auswärtige Amt seit 1- Jahren tadellos arbeite und jetzt zum erstenmal entgleist fei. Um­somehr wirkt anderes. So gleich zu Anfang sem Zugeständnis, daß durch die Veröffentlichung imDaily Telegraph deutsckn' Intcresfen geschädigt worben seien. Seine Versicherung, baß die Stunde ernst fei und daß diesen Verh.nwlungen weittragende poli­tische Bedeutung innewohne. Die Feststellung, daß die Buren 18U9 rchtzeitig benachrichtigt worden seien, zuletzt durch Ver­mittelung der holländischen Regierung, dast fic auf unsere Helfe nicht zu rechnen hätten. Bor allem die Zusicherung, daß oer Kaiser sich künftig auch in Privatgesprächen diejenige Zurückhaltung aus- crlcgeit werde, ohne die kein Kanzler im Amt bleiben rönne, und mit Ernst nahm man von dem elegisckieu Nachsatz des Kanzlers Kenntnis, er werde das Amt weiter führen, so lange es ihm möglich sei.

Im übrigen stellte der Kanzler die selbstverständliche Tat­sache fest, daß in Deutschland trotz der bcbauerlid)en Mitzverstano- niife jedermann friedliche und sreundlick)e Beziehungen zu England will auf der Basis gegenseitiger Achtung, und daß unsere Flotte nicht für den Stillen Ozcan gebaut wird. Was den Kaiser anlangt, so suchte er zu erklären nach dem Worte: Tont eomprendre c est tont pardonner! Bei der Mit­teilung, der berühmte Feldzugsplan habe nur aus afabemnajen, für die praktische Kriegführung belangten Erörterungen beftan- ixn, setzte Heiterkeit ein. Der Kanzler verbat fie sich ut ernster würdiger Weise. . .

Die Bravorufe sind nicht allzu stürmisch, als der Kanzler sich setzt. Und bann gibt es einen Hammelsprung. Man konnte cs dem Zentrum nachsühlen, daß es als einzige Niastinterpellantin unter den großen Parteien nun heute nickst mehr zu Wort tommen wollte. Aber der Block mackste es ihm nicht so bequem, er wies pen Vertagungsantrag des Herrn von Hertling ab. Auger diefern

Ein Rätseldichter. In Heidelberg ist dieser Tage eine eigenartige literarische Persönlichkeit, der Feuille­ton-Redakteur des Heidelberger Tageblattes, L e o Z i e g l e r, auf einem Gange nach seinem Redaktionsbureau von einem Schlaganfalle betroffen moroen und gestorben. Die große Welt, die von jeher nur die funkelnden Sterne am deutschen Dichterhimmel kennt und gelten läßt, wird von dem Tode diejes schlichten Poeten nicht sonderlich berührt werden; gleichwohl ist mit ihm ein Literat gestorben, der ein freund- lich-dcmlvares Wort an dieser Stelle wohl verdient. Ziegler war, wie dieK. Z." meldet, aus dem Gymnasiallebccr- Beruf hervorgegangen und hatte sich sodann in Heidelberg bem Journalismus gewidmet. Seine Liebhaberei war das Ratseldichten. Aus einsamen Gängen über die waldigen Höhen der schönen Nectarstadt bejchajtigte er sich mit diesen literarischen Stiefkindern und veröffentlichte sie später in verschiedenen Zeitschriften und in seiner eigenen Zeitung, bis sie schließlich von ihm in zwei Meinen Bänden heraus­gegeben werden konnten. Was die meisten Rätfetdichler nicht besitzen, nämlich wirtliches Formtalent und dichterisches Gemüt, war ihm im vollen Maße gegeben. Seine Scharaden, Palindrome, Homonyme und wie diese Nätselarten alle heißen, g.iajen ost stimmungsvollen lyrischen Gedichtchen, zu denen Ail-Heidelberg mit seinem Strom und seinen trau­lichen Bergen den Hintergrund abgaben. Ein enger Freundeskreis, zu dem der jüngst verstorbene Studenten- lieder-Kornponist Lob gehörte, schloß sich um den Ent- schlasenen zusammen und 'schätzte fei.te heilere,Geselligkeit und sein g^siciwicy-wihiges Plaudern. D^s große Mühirad Zeit wird nun schnell über ihn hinweggehen und feinen Namen zerstäuben; als ehrenhafter Tagesschri.tsteller und ivahrhaft guter Mensch wird er aber in dem Andenken feiner Freunde weiterlebeu.

Innere Mission.

4 4. Jahresversammlung des Landesvereins deck Inneren Mission und 3 0. Jahr es fest des Oberh.

Vereins für Innere Mission.

Friebberg, 11. 9toty.

1. Tag. 10. Now

Den eigentlichen Verhauotungcn im Saale des Hotels Trapp ging eilte Sitzung des Ausschusses für L.and kra n k e n-- p siege voraus, bie vom Geh. Negierungsrat e y - Friedberg eröffnet wurde. Rackst)em er die Anwesenden, darunter auch Ver- creicr von sieben Großh. Hessischen Kreisüm-tern, des Hess. Dia. tzonissenveveliis und des hiesigen Frauenverems begrüßt, hielt Pfarrer Schwabe-Gießen einen eingehenden Vortrag ubci Neue Aroeitsziele" in der Landkrankeiipsiege. Er besprach zu- näajft die Einrichtung der Dekanatsschweftern im Dekanat Gießen, Oie mit gutem Erfolg arbeitet und von mehreren anderen Deka­naten Oocrhefscns mit Glück nachgeal/mt worden ift Im streife Eroach bat liaj bie dort bcftcljcnbe streiskrankenpflege gut bewahrt. Auch <Lkr Vaterlünbisckre Frauenverein, die Johanniterschwestern, wie die des neu gegründeten Hess. Diakonievereins kommen hier m Betracht, diese Organisationen stellen nur vollkommen aus­gebildete Kräfte ein. Doch gibt es auch z. B. in Baden viele Land­orte, die eine in einem Krankenhaufe nur mehrere Monate aus­gebildete einheimisck>e Frau als Pflegerin ausgebildet l-aben, ow in oortommenden Fällen die nötige Pflege übernimmt. Auch tnt Rheinland ist biefe Art der Krankenpflege bekaimt. In Helfen sinb viele Sckstveskru, besonbers ans dein Hesfischen Diakonifien- yaus beschäftigt, doch sino bas so wenige, baß sehr viele Lauborte keine geeignete Pflege besitzen. Es wäre bahin zu wirken, baß in t/rJfjcren Gemeinden Krankenschwestern,)ür diese Orte und ihre Umgebung von den Gemeinden oder größeren kirchlickf-en oder jtaatliujcii Boröänden angestellt würden. Wo das nicht angehi, fei die Anstellung von Helferinnen anzustrebeu nach dem Vorgang einiger Fraucnvereine. Weiter ist zu empfehlen die Austdellung von strankenpflegelosten, sog. Charlotteupslegen, bie sich auch bereits in Hessen gut eingeführt haben. Zur Einführung empfehlenswert find auch der Wöchnerinnenkorb uiti> die Vorrichtungen -nut stvankentransport. ,

Die nötigen Geldmnkeln werden teils von den Verfickxerungs-t anstalten, teils von den politischen Gemeinden,, teils von den! . Kirchen lassen, teils durch freiwillige Gaben aufzubringen fein.

An den trefflichen Vortrag sch^ß sich dann eine ausführlich Diskussion. Geh. Regierungsrat Fey weist darauf hin, daß vor allem das nötige Interesse in den Gemeinden dafür geweckt werden müsse. Das gelobe z. B. durch die wandernden pau^ l^ltungssck^uken. Die Einsährung der Eharlottenm'lege sei sehr zu empfehlen. Der christ.ickstn Liebestätigkeit in dieser Beziehung müsse die ftaatlidjc Mithilfe zur Seite gcheil. Krc^rat S chl i e p- Hackc-Erbach wünscht, daß zunächst mit dem Vaterländischen: Frauenverein-Berlin Fühlung genommen werden möchte. Sodantt verickstet er über bie Einrichtung des Pflegcvereins an Kreise Erbach und gibt mancherlei Anregungen zur allgemeinen Ein­führung der Land krau kenpslege, besonders die Gründung eines interkonfefsionellcn liess. Landesverbandes. Letzterer Vorschlag unterstützt Pfarrer 0.. G u y o t - Heppenheim, wendet sich aber gegen zu kurze Ausbildung der Pflege,'chvcsterw Pfarrer Schwa­tz e kann letzterem nicht beipflichten. Kirchenrat V.L-chlof f er- Gießen verspricht sich auch viel von einem Landesverband, unfr

Napoleons letzte Tage. In einem demnächst^ erscheinenden Buche behandelt der betannte französische: Historiker Frederic Masson die letzten Lebenstage Napoleons auf St. Klena; in den Annales wird eine interessante! Stelle aus dem Werke veröffentlicht, die auf dokumentarische Beweis sich stützend ein erschütterndes Bild gibt von dem tragischen Sterben des großen Kaisers. Einsam verbringt er seine Tage und als Schmerz und tfranfijeit ihn über­fallen, steht zunächst kein Arzt ihm zur Seite.Erst einen Monat vor seinem Tode, am 6. April, zwingen ihn bie furchtbaren Schmerzen dazu, den Dr. Arnott rufen zu lassen, den einzigen Arzt auf der Insel, der so etwatz wie einen Ruf besaß; an ihn wendet sich Napoleon, wenngleich er weiß, daß der Arzt dem Gouverneur sofort Bericht erstatten wird. Er scheint zu glauben," so schreibt Sir Thomas Read an Hudson Lowe,daß der General (nämlich Napoleon) von keinerlei ernstlicher Krankheit ergriffen ist und daß sein Leiden mehr moralischer als körperlicher Art sei. Graf Berlrand fragte ihn um seine Meinung und er antwortete, daß es keinerlei Gefahr gäbe." Noch drei Tage vor dem Tode, am 2. Mai, schreibt der 5wmmissar des Königs von Frankreich und des Kaisers von Oesterreich, der Marquis de Montehenu an den Fürsten Metternich:Ich hatte die Ehre, Eurer Hoheit in meiner letzten Depesche mitzuteilen, daß Napoleon wieder angefangen hat, sich als krank aus­zugeben. Da wir, seit fünf Jahren, an diese angeblichen Krankheiten gewöhnt sind, sobald er irgend einen neuen Plan faßt, so sagt das uns nicht mehr als: feien wir auf der Hut." So wird bis zum letzten Tage der Auftrag der heiligen Allianz streng durchgeführt.Um zu beweisen, daß er trank war," so sagt Masson,blieb Napoleon nur ein Mittel: sterben. Erft als er tot ist, kann man feststellen, ob seine Leiden eine Komödie waren. Man öffnet seinen körper: der Magen ist mit der linken Wölbung der Leber verwachsen; einen Zoll neben der unteren Magenöfsnung hat ein Geschwür das Gewebe zcrsressen und ourchtöchert; das Loch ist groß genug, um den kleinen Finger durchzulassen. Tie Eingeweide sind innen von einem Gewirr von Krebs- stoffen und von Drüsenverhärtung bedeckt. Zur chronischen Lederentzündung hatte rid) der Krebs gesellt. In welcher Tauer hatte er |iaj entwickelt? Wann war er auf getreten? Vor zwei Jahren, vielleicht i'or drei. Und baöei keine Hilfe, kein Linderungsmittel, fein Schlafmittel, feine Be­täubung des Schmerzes, nichts, nicht einmal ein Arzt . .

GicheimAiizeiger

General-Anzeiger für Oberhesfen

Kotatiottstrud und Verlag der vrNHI'ichen Unle.-Bud)- und Sieindruderel R. lange. NedaMoii, Grpeöitton und Drudcrci: SchMratz« 7.