Ausgabe 
11.6.1908 Erstes Blatt
 
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Vurschcnschaftshausts, das seinen Platz unterhalb des Burschen­schaftsdenkmals finden soll, wurde im Prinzip beschlossen. Am (Grabmal Fritz Reuters und am Bismarckdenkmal wurden Lorbecr- kränze mit Schleifen in den burschenschaftlichen Farben (schwarz- rot-gold) nicdergelegt. Am Kommers in derErholung" nahmen etwa 250 Burschenschafter teil. Den Vorsitz führte wieder Staatsanwalt Dr. Schneider von der zurzeit präsidierenden Burschenschaft Germania-Gießen. Tie Hauptrede hielt Oberlehrer Schmuser (Germania-Jena überFreiheit, Ehre, Vaterland!" Tie Burschenschafter statteten auch dem Burschenschaftsdenkmal in geschlossenem Zuge einen Besuch ob. Nach einer kurzen An­sprache des ersten Präsidenten, der zur Einigkeit und zum Festhalten on dem Errungenen mahnte, stieg der Gesang des kraftvollen BurschenlicdesSchwörts bei dieser blanken Wehre" empor. Bei Bier und Wurst gaben sich dann die Musensöhne einem zwanglos fröhlichen Treiben auf der luftigen Bergeshöhe hin, bis der herein- brechende Abend zur Rückkehr mahnte.

* Unwetter. In Tuntenhausen (Bayern) wurde eine Dienstmagd vom Blitz getötet. Ihr Vater und drei Geschwister wurden verletzt. Eine Windhose hat in der Umgegend von Semil in Böhmen große Ver­wüstungen angerichtet. Zahlreiche Häuser wurden abgedeckt, Fabrikschornsteine zum Einsturz gebracht. Die Weberei von Melich wurde völlig zerstört. Zahlreiche Personen wurden verletzt.

* Zur Warnung für Käufer ungarischer Lose. Ungarische sog.Bankgeschäfte", meist in Wahrheit nichts als erbärmliche Scywindelunternehmungen, versenden unaufhörlich außerordentlich wirkende Prospekte über Lotterielose, die von ihnen zu beziehen seien. Was hinter solchen Anpreisungen zu finden ist, das geht aus folgender, uns heute aus Budapest vorliegenden Meldung hervor: -Am 10. Juni wurde dort der Inhaber eines Bankgeschäftes Leopold Bleier, welcher Lose auf Raten verkaufte, diese aber niemals lieferte, verhaftet und sein Geschäft geschlossen. Seine Betrügereien belaufen sich auf über 200 000 Kronen!

* Wies Autlern ergehen kann. In der Nacht bom 10. zum 11. ds. Mts. überfiel eine Anzahl halbwüchsiger Burschen ein mit Kölner Herren und Damen besetztes Automo­bil in der! Nähe von P a f f r a t h. Ohne die geringste Veranlassung schlugen die Raufbolde mit schweren Stöcken aus die Insassen ein. Als sich die Herren zur Wehr setzten, wurden sie durch Messer­stiche sehr schwer verletzt: auch eine Dame erhielt er­hebliche Verletzungen. Das Auwmobil wurde stark beschädigt. Desgleichen wurde ein Motorrad umgerissen, so daß ein darauf sitzendes Kölner Ehepaar in den Chausseegrpben swg und schwere Verletzungen davontrug. Tie Einwohner holten Polizei­beamte herbei, welche die Attentäter inhaftierten; die anderen entkamen im Tunkel der Nacht. Bei einer Fahrt im oldeir- burgischen Münsterlande verunglückte ein Automobil mit einem Ehepaare. Der Mann ist sehr schwer, die Frau t ö t l i ch verletzt.

* Tie männliche Kuhdirne. Ein merkwürdiger Fall von Weib-Männlichkeit wird aus Wien gemeldet. Dom dortigen Landgericht wurde eine Bauerndirne eingeliefert. Ihr Ausnahme) chein lautete aber:Karl Giffinger, 29 Jahre alt, Bauern knecht aus Grelendorf." Tie Kuhdirne war ein Mann. Seine langen, braunen, bis über die Schultern fallenden Haare waren in einen Zopf geflochten und um den Kopf gelegt. Sein grobgeschnittenes Gesicht war glatt bis auf einen Flaum dunkler Haare auf der Oberlippe, wie er auch bei Frauen vorkommt. Seine Tracht war die einer Kuhdirne. Er nannte sich Apollonia, verlangte in eine Weiberzelle gebracht zu werden und da man diesen Wunsch nicht erfüllen konnte und ihn in eine Zelle zu Männern steckte, schrie er Zeter und Mordio. Während der Beobach­tungszeit spielten sich die merkwürdigsten Szenen in der

Zelle ab, in der Giffinger untergebracht war. Er benahm sich als Weib und weigerte sich, Männerkleider anzulegen. Um zu verhindern, daß man ihm die Weiberröcke wegnehme, legte er sie nicht ab. Endlich gelang es durch gütliches Zureden, Bitten und Schmeicheleien, daß er die Frauen­kleider zur Reinigung hergab nnd die graue Männertracht des Gefängnisses anlegte. Die Geschichte dieses Mann­weibes ist psychologisch sehr interessant. Giffinger kam in der Wiener Findelanstalt zur Welt. Seine Nkutter, eine Bauerndirne aus Niederösterreich, war ledig. Er ging durch die Hände mehrerer Kostleute, bevor er zu seinen wirklichen Eltern kam, die inzwischen geheiratet hatten. Aber er war nicht imstande, in ihnen seine Eltern zu sehen und behauptete damals schon, er sei in der Findelanstalt gegen ein anderes Kind vertauscht worden; er sei gar nicht der Karl Giffinger. Er trug nach seiner Militärzeit Frauenkleider und verdang sich als Kuhdirne. Als nach einiger Zeit gemunkelt wurde, die Dirne sei ein Mann, griff die Behörde ein. Sie wies ihn an, sich Karl und nicht Appollonia zu nennen und dik­tierte ihm Strafen. Das veranlaßte ihn, mehreremals Attentate an seinem Körper zu begehen, um die ihm ver­haßte Männlichkeit zu beseitigen. Dreimal verließ er nach solchen Verstümmelungen das Spital. Die Psychiater gaben ihr Gutachten dahin ab, daß hier die Wahnidee eines harm­losen Geisteskranken vorliege. Auf Grund dieses Gutachtens wurde das Strafverfahren gegen ihn eingestellt. Er zog ganz glücklich die ihm geliehene Männerhose und den Rock aus, bekleidete sich wieder mit seinem geliebten Dirndl­gewand und wurde der Polizei übergeben, die seine Unter­bringung in eine Irrenanstalt veranlassen wird.

Kleine Tagcschronik.

Die feierliche E n 1 l l nn g der Büste Bismarcks in der Walhalla bet Regensburg a. d. Donau ist für den 29. Juni, den Vorabend voit Bismarcks Todestag, beabsichtigt. Bayr. Hof- und Staatsstclleit sind mit der Ausarbeitung des Festprogramms beschäftigt. Tie Studentenkorporationen der drei bayr. Landes- nniversitälen werden an ^der Feier teilnehmen. Tie Münchener Studentenschaft veranstaltet einett Fackelzug.

Staatssekretär S y d o m , der bekauntlich ein ausgezeichneter Alpinist ist, geriet am Pfingstsonntag bet einer Tour im (steinernen Meer in einen heftigen S ch n e e st u r m, gelangte aber glück­lich in Riemanns Haus, wo er bis Montag blieb. Am Dienstag konnte er nach Saatfeld absteigen.

Ter Direktor der Schtffwerfl und Geschützgießerei Ansaldo- Armstrong in Gettua, Perrone, ist gestorben. Er hinterläßt ein Vermögen von über 25 Millionen.

Der SchnelldampferKronprinz W i l h e I in', der am 7. ds. in New-Park einlansen sollte, lief am 10. ds. dort mit ganz langsamer Fahrt ein. Er >var am Sonittag bei heftigem Sturme m dichtem Nebel mit Eisberg eit zusa m m en­ge st o ß e n und hatte eine Schraube verloren. Fest zwischen fünf Eisbergen eingeklemmt, wurde er aus dem Kurse getrieben. Ter Heizer Wellshardt wurde irrsinnig und stürzte sich ins 3)1 e c r.

Märkte.

le. Frankfurt a. M., 1J. Juui. (Tetegr. Orig.-Bericht des Gieß. Anz.".) Amtliche Notierungen der heutigen V i e h m a r k l- preise. Zum Verkaufe standen: 68 Ochsen, 0 aus Oesterreich 0 Bullen, 0 aus Oesterreich, 57 Kühe, Fersen, Stiere intb Rinder, 937 Kälber, 19 Schafe und Hämmel, 1087 Schweine, 0 Ziegen, 0 Ziegenlämmer, 0 Schallämmer. Bezahlt wurden für 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen: 1 Qualität 7779 Mk., 2. Qualität 7073 Mk., 3. Qualität 5860 Mk.: Bullen: 1. Qual. 6366, 2. Qual. 5860; Kühe 1. Qualität 74-76 Mk., 2. Qual. 6365 Mk., 3. Qual. 4446 Mk., 4. Qual. 0000 Mk., 5. Qual. 00-00 Mk. Bezahlt wurden für das Psimd Schlacht­gewicht: Kälber 1. Qualität 86 bis 98 Pfg., Lebendgewicht

5658 Pfg., 2. Qualität 8492 Pfg., Lebendgewicht 48-54 Pfg., Schlachtgew. 7075 Pfg.; Schafe: 1. Qual. Schlachtgew. 00 biS 00 Pfg., 2. Qual. 0000 Pfg. Schweine: 1. Qual. 6400 Pf., Lebendgewicht 50,000 Pf., 2. Qual. 63-00 Pf., Lebendgewicht 49,500 Pfg., 3. Qu al. 5456 Pfg., Lebendgewicht 0000 Pfg. Geschäft bei Hornvieh gut, Uebersland unbedeiitend; bei Kleinvieh lebhaft, kein Ueberstand.

Limburg a. d. Lahn, 10. Juni. Fruchtmarkt. Durch« schnittspreis pro Malter. 'Roter Weizen (nassauischer) 18,00 Mk., weißer Weizen 00,00 Mk., Korn 14,80 Mk., Gerste 11,40 Mk., Haier 7.50-0.00 Mk. nach Qnal., Erbsen 0,00 Alk., Kartoffeln 5,50 Mk.

Airchliche Nachrichten.

Israelitische Neligionsgemcinde.

Gottesdienst in der Synagoge (Süd-Anlage). Samstag den 13. Inni 1908;

Vorabend 7.45 Uhr.

M o r g e ii s 8.30 Uhr.

3kach inittags 4.00 Uhr. Schrrsterklärnng. Sabbatausgang 9.40 Uhr.

Israelitische Religionsgesellschaft. Gottesdienst.

S a b b a t f e i e r a nt 13. Juni 1908: Freitag abend 8.00 Uhr.

Samstag vormittag 8.00 Uhr.

Nachmittags 4.00 Uhr.

Sabbat-Ausgang 9.35 Uhr.

Wochengottesdienit: morgens 6.00 Uhr, abends 7.30 Uhr.

Meteorologische Beobachtungen

der Station Gießen.

Juni

1908

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Wetter

Bed. Himmel

Bew. Hiuimel

Nebel

bis 10. Ium 4- 13,9 0 C.

, 10. =+ 5,9° C.

Gießener rüetterdtenst.

Voraussichtliche Witterung für Hessen am Freitag den 12. Juni: Vielfach heiter. Trocken. Steigende Temperatur. Süd' liche Winde.

Orrginal-Drahtmeldnttgen.

London, 11. Juni. Der sozialdemokratische Führer Hardie erklärt, daß die Bedingungen, unter denen König Eduard den Zaren besuche, nicht für einen Pionarcben paßten, der Herrscher eines freien Landes sei. Tic Be­gegnung sei ohne Zweifel dem Könige von Kapitalisten suggeriert worden, wie dies ans den Kursverände­rungen an der Londoner nnd Pariser Börse hervorgehe.

Paris, 11. Juni. Der Senator Urbin richtete an den Justizminister eine Anfrage, wann er gedenke, den Entwurf über die Abschaffung der Todesstrafe im Senat einzubringen.

Reval, 11. Juni. Die englischen Kriegsschiffe sind heute nacht um 3 Uhr von hier ab gegangen. Es wurde kein Salut abgegeben. Der König von England wurde zum Admiral der russischen Flotte ernannt.

die Hausfrau

Die trauernden Hinterbliebenen.

Giessen (Seltersweg 68), den il Juni 1908.

zu tauschen

Es handelt sich um ihren Raffte!

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reinigt

Allein

Fritz Schulz jun. A.-G., Leipzig.

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Putzin

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zu genau, sie merkt, daß beafr sichtigt wird, sie

Ter auf Freitag den 12. Funi bestimmte Ber- pachtungstermin der Gemeindejagd zu Lohra findet vorläufig nicht statt.

Gestern abend IO1/.. Uhr entschlief sanft unser liebes, gutes Töchterchen und Schwesterchen

der BestattungSgenossenschaft der freien Schreincrvereim uns (Sieben

Lohra, 10. Funi 1908.

Der Bürgermeister: R a u.

angenommen.

Meldung auf dem Batterie-Büro.

H. Haas 911.

Bleichstr. 8, Hinterhaus, Telefon 092

kennt ihren

Recht Franck

mit der Kaffeemühle

Heute nacht 3 Uhr verschied unser lieber, guter Gatte, Vater und Schwiegervater

'Uj&

Darum verlangt sie nach wie vor ihren altgewohnten, uner­reichten

Recht Hranck

mit der Kaffeemühle"

glauben zu machen,

Recht Kranck

mit der Kaffeemühle"

lasse sich durch andere Kassee- Zusätze voll ersetzen. Aber

letille rerMMl-PuSneg *11.

Zweijährig Freiwillige

nur noch Schneider werden in der 2. Batterie Groß­herzoglichen Artillerietorps Tarmstadt zu jeder Zeit

Die Beerdigung findet Samstag, den 13. d. Mts., nachm. 4 Uhr von der Kapelle des neuen Friedhofs aus statt. 3615

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Kug, Ossmann

im 70. Lebensjahre.

nach langem, schweren Leiden im 14. Lebcnsmonat.

Um stilles Beileid bittet

Familie I. C. Wallenfels.

Gießen (Kirchenplatz 21) den 11. Juni 1908. 3621

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