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11.6.1908 Erstes Blatt
 
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Nr. 135 Erstes Blatt 158. Jahrgang Donnerstag 11. Juni 1908

Der Gteginer Anzeiger Ä ä Be-ugSpretS:

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A XÄTuTr! Rotationsdruck und Verlag der vrühl'schen Univ.'vuch. und Steindruckeret. R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulflrahe 7. Ameigenteil?^ Bec?.

Erotzherzog Ernst Ludwig und die Uunst.

Eine Unterredung mit Professor Olbrich.

Ein Frankfurter Journalist hatte dieser Tage eine vier­stündige Unterredung mit Professor Olbrich in Darmstadt. Er sandte uns darüber einen längeren Artikel, aus dem wir das wesentliche, unseres schönheitssrohen Großherzogs nicht hoch genug zu schätzende volksbildende Bestrebungen zu­treffend Charakterisierende nachstehend wiedergeben. Nach­dem Olbrich dem Ausfraaer anvertraut hatte, daß erdein Hessenherrscher treu bleiben wolle, treu bis an das Ende seiner Tage" (?! D. Red.L fuhr er fort:

Ter Großherzog unterhält sich mit mit sehr ost über das Gewollte, das Erreichte und das noch zu Erstrebende. Dre Worte des Großherzogs bei dem Festmahle gelegentlich der Eröffnung der dritten hessischen Landesausstellung waren gleichsam lern künst­lerisches Bekenntnis!"

Doch geben wir unserem Gcwährsmannc das Wort, uns den Lochzeitsturm weisend, führte er die Unterhaltung mit rer Frage weiter: . . v f ,

Ist der Großherzog mit dem Erreichten zufrieden, hat er den Mut, iveiter den einmal beschrittenen Weg fortzuwandün, obwohl doch heute, wenn wir ehrlich sein wollen, die Darmstädter KUn,i- lertvlonie von 1901 so gut wie erloschen ist? Neue Männer find am Ruder, neuen Zielen streben die neuen Männer zu, die, am Gymnasium der Kunst als Lehrer wirken. Bon dem <stebengcftirn von 1901 sind nur Sie, Herr Professor, geblieben.'

Ich verstehe, verstehe," antwortete lächelnd der Künstler. Sie wollen mit Umschreibung fragen: Ist die dritte Ausstellung geglückt, ist der Grotzherzog heute noch genau so mutig, so hoss- nungsfroh, so künstlerisch revolutionär gesinnt wie iJUl, da wir Sieben hochtönend die Welt zu einemDotuntent deutscher Kunst cinluden? Mein Lieber," fuhr Professor Olbrich >ort,der Groß Herzog i ft heute h o s i n u n g s f r o h e r, mutiger denn je. Zunächst zur Richtigstellung einer viel verbreiteten irrigen Ansicht: die Künstlerkolonie hat mit her dritten Aus- stellung nichts zu tun. Daß die Künstler von st901 gegangen find, der Mathildenhöhe den Rücken gekehrt haben, hat den Grotzherzog ivohl geschmerzt, aber gehalten hat er niemanden. Lcr Grotz- Herzog hält überhaupt niemanden. Wer gehen will, der mag gehen, mag sehen, ob er auf anderer Scholle glücklicher und er- lolgr^icher zu, Muen vermag. ZZZ aber darf ich mit gutM

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Die Acvaier Trinkspröche.

Bei der Galatafcl an Bord desStandard" am 9. Juni brachte der Kaiser von Rußlan dfolgendenTr in k- spruch aus:Mit den Gefühlen tiefster Befriedigung und Freude heiße ich Eure Majestät und Ihre Majestät die Köni­gin in den russischen Gewässern willkommen. Ich vertraue, daß diese Begegnung, indent sie die mannigfachen und starten Bande, die unsere Häuser verbinden, von neuem befestigt, den Erfolg haben wird, unsere Länder enger z u - sammenzu führen und daß sie die Aufrechterhal­tung desFriedensin der Welt fördern wird. Im Laufe des letzten Jahres sind verschiedene Fragen von gleicher Bedeutung für Rußland und England durch unsere Regierungen in befriedigender Weife geordnet worden. Ich bin sicher, daß Eure Majestät den Wert dieser Verein­barungen ebenso hoch schätzen wie ich, denn trotz ihrer be­grenzten Ziele können sie nur dazu bteitragen, zwischen unseren beiden Ländern die Gesinnung des gegenseitigen guten Willens und Vertrauens zu verbreiten. Ich trinke auf die Gesundheit Eurer Majestät, Ihrer Majestät der Königin, die Wohlfahrt der Königlichen Familie und des britischen Volkes."

Der König von England erwiderte:Eurer Ma­jestät danke ich herzlichst im Namen der Königin und tu meinem eigenen für die herzliche Mise, in der Sie uns in den Gewässern der Ostsee willkommen geheißen und für die gütigen Worte, mit denen Sie unsere Gesundheit ausgebracht haben. Ich habe die glücklichsten Erinnerungen an den Willkomm, den ich bei Gelegenheit meiner früheren Besuche in Rußland vonseiten Ihres erhabenen Großvaters, Ihres geliebten Vaters und Eurer Majestät selbst gefunden und es ist eine Quelle aufrichtigster Dankbarkeit für mich, daß ich diese Gelegenheit habe, mit Euren Majestäten wieder zusamnien zu sein. Ich unterschreibe von ganzem Herzen jedes Wort, das Eure Majestät im Hinblick auf die kürzlich zwischen unseren Regierungen geschlossene Heber- einkunft gesprochen haben. Ich glaube, daß sie dazu dienen wird, die Bande, welche die Völker unserer beiden Länder vereinigen, noch enger zu knüpfen und ich bin sicher, daß sie in Zukunft zu einer befriedigenden und freundschaftlichen Regelung einiger wich­tiger Fragen beitragen wird. Ich bin überzeugt, daß sie nicht nur dazu dienen wird unsere beiden Län­der näher z u s a in m e n z u b r i n g e n, sondern daß sie auch sehr wesentlich die Aufrechterhaltung des allgemeinen Weltfriedens fördern wird. Ich hoffe, daß dieser Begegnung in kurzem eine andere Gelegen­heit folgen wird, mit Eurer Majestät zusam­men zu tre fse n. Ich trinke auf die Gesundheit Eurer Majestäten, auf die. der Kaiserin Maria Feodorowna und die der Mitglieder der Kaiserlichen Familie und vor allem auf die Wohlfahrt und das Gedeihen Ihres großen Reiches."

Der König von England hat dem Ministerpräsidenten Stolypin und dem Minister des Kaiserlichen Hauses, Baron Frederiks, das Großkreuz des Vit'toriaordens und dem Mi­nister des Aeußern, ISwolsti, sein Bildnis verliehen. König Eduard hatte eine längere Unterredung mit Iswolskij außer­dem fanden zwei längere Besprechungen Iswolskis mit dem Unterstaatssekretär Hardinge statt. Sicherem Ver­nehmen nach betrafen die Konferenzen vorwiegend die maze­donische Frage. Tie Verhandlungen sollen wesentliche Fortschritte in der Richtung völliger Einigung erzielt haben.

Der König von England ernannte den Kaiser von Ruß­land zum Admiral der englischen Flotte. Kaiser Nikolaus besuchte das englische KriegsschiffMinotaur" und die JachtAlexandra", welche die britische Admiralsflagge hißte. Gestern abend, fand auf besonderen Wunsch König Eduards eine Wiederholung der vorgestrigen Serenade Aatt.

Die eingangs mitgeteilten Trinksprüche sind in mehr

als einer Beziehung bemerkenswert. 'Sie bestätigen, die auch im Gießener Anzeiger wiederholt ausgesprochene Ver­mutung, daß die jetzige Revaler Monarchenbegegnung nur die Vorläuferin weiterer Begegnungen sein wiro und daß sie nur dtzU' ersten Schritt zu späteren, vielleicht bindenden Abmachungen darstellt. Sehr rätselhaft klingen vorläufig allerdings die Worte des Königs von England:Ich hoffe, daß dieser Begegnung in kurzem eine andere Gelegenheit folgen wird, mit Eurer Majestät zusammen zu treffen." Soll das heißen, daß der Zar doch noch in Kürze England besuchen wird, etwa anläßlich der angeblich bevorstehenden Verlobung, oder soll eine Begegnung beider Monarchen etwa an einem dritten Orte stattfinden. Daß man dieser zukünftigen Begegnung keine geringe Bedeutung beilegt, scheint aus allem hervorzugehen. Ter Gedanke eines neuen, englisch-französisch-russischen Dreibundes wird jedenfalls nicht so bald verschwinden.

Vielleicht ist es auch nicht ganz zufällig, daß nun auch der Präsident Falliöres bald den Zaren sehen wird. Die Begegnung des Kaisers von Rußland mit dem Präsidenten FalliöreS soll in Reval während Fal- liöres Reise nach den skandinavischen Ländern stattfinden. Präsident FalliöreS wird in Reval am 27. Juli eintreffen. Vorher wird Präsident Falliöres nach Kopenhagen gehen, wo er zwei oder drei Tage verweilen wird. Dann geht der Präsident nach Stockholm, darauf nach Reval und von Reval nach Chriftiania, dem Endpunkte der Reise. Nach Frankreich kehrt Präsident Falliöres am 4. oder 5. August zurück.

Einer in Wien eingegangenen Mitteilung aus Berlin zufolge soll man in diplomatischen Kreisen es nunmehr als feststehend betrachten, daß im Laufe des Sommers eine Begegnung Kaiser Wilhelms mit dem Zaren statt finden werde, doch würden über die näheren Einzelheiten erst die nötigen Verhand­lungen gepflogen werden, nachdem Kaiser Nikolaus aus Reval nach Peterhof zurückgekehrt sein wird.

KoMijche Tagesschau.

Wahlmäuner-Stichwahlen.

Nach dem Ergebnis der Wahlinänner-Stichwahlen er­hielten im Berliner vierten Wahlkreis insgesamt die freisinnige Volkspartei 311, die Sozialdemokraten 178 Wahlmänner. Die Wahl von Dr. Müller-Sagan (srs. Vp.) ist gesichert. Im fünften Wahlkreis erhielten: I-reisinniye Volkspertei 234, Sozialdemokraten 305 WahlmänNer. Die Wahl für letztere ist gesichert. Sechster Walzjkrciä: Freisinnige Volkspartei 354, Sozialdemokraten 386 Wcchlmänncr. Die Wahl des Sozial­demokraten ist gesichert. Neunter Wahlkreis: Freisinnige VolkLpartei 180, Sozialdemokraten 405 Wahlmänner; die Wahl des sozialdemokratischen Kandidaten ist also gesichert. Elfter Wahlkreis: Freisinnige Volkspartei 130, Sozialdemo­kraten 346 Wahlmänncr; die Wahl für die letztere also sicher. Das schätzungsweise Resultat der Urwahlen vom 3. Juni ist in diesen Wahlkreisen somit unverändert. In den übrigen Wahlen fanden am 10. Juni, nachmittags, in der dritten Abteilung die Wahlmünner-Stichwahlen statt.

*

Ter Internationale Bergarbeitcrkongreß in Paris nahm in seiner heutigen Sitzung einstimmig die von den französischen und deutschen Delegierten eingcbrachten Anträge an, durch die den Bergarbeitern ein bestimmtes Mindest- einkommen gesichert werden soll. Der Kongreß verhandelte sodann über die Reglementierung der Kohlenproduktion. Der Bergarbeiterkongreß beschloß ans Antrag Englands, diese Frage einem internationalen Komitee zu überweisen. So-

dann wurde über den deutschen Antrag, betreffend das Verbot der Verwendung von Kindern unter 14 Jahren in den Kohlenindustrieen und der Verwendung von Personen unter 16 Jahren bei Arbeiten unter Tag abgestimmt. Die deutschen, österreichischen und belgischen Delegierten unter­stützten den Antrag, die französischen Delegierten enthielten sich der Abstimmung. Hierauf wurde der deutsche Antrag betreffend das Verbot der Beschäftigung von Frauen in Kohlenbergwerken einstimmig angenommen._______

Ein leichter Unfall der Kaiserin.

Die Kaiserin nnternahm gestern vormittag den ge­wohnten Spazierritt mit dem Kaiser durch den Park von Sanssouci. Als sie sich auf dem Rückwege nach dem Neuen Palais befand und die Kaiserin mit dem Kaiser ein Gespräch führte, stürzte ganz in der Nähe von Schloß Sanssouci aus unaufgeklärter Ursache plötzlich da§ Pferd der Kaiserin und die Kaiserin stürzte zu Boden. Im ersten Moment dachte man an eine schwere Verletzung. Es stellte sich aber bald heraus, daß die Kaiserin nur durch den Aufschlag auf den harten Kies einen Bluterguß im Handrücken erlitten hatte. In einer sofort requirierten Droschke wurde die Kaiserin in das Neue Palais gefahren. Die Aerzte stellten fest, daß keine Fraktur des Handgelenkes und keine Sehnenverletzung vorlag. Die Kaiserin erhielt einen Verband. Ihr Befinden ist im übrigen befriedigend. Infolge des Unfalles sind die Reisepläne der Kaiserin aufgeschoben worden.

Deutsches Nerch.

Die 20jährige Wiederkehr der Thronbesteigung Kaiser Wilhelms II. (15. Juni 1888) wird ganz im Stillen verlaufen. Ter Kaiser hat den Wnnsch geäußert, von größeren Festlichkeiten Abstand zu nehmen. Hingegen wird für den 9. Oktober zum 50jährigen Jubiläum der Regentschaft W i l h e l in s I. eine nationale Fel er geplant. Diese Feier soll ansschließ- lich militärischen und kirchlichen Eharakter tragen.

' Die mecklenb urgische Regiernng bessert am 1. Julr mit einem jährlichen Mehrauiwande von ea. 400 000 Mark oie Gehälter sämtlicher mittleren und namentlich der kleineren 93 c amten aller Kategorien nm 15 bis 25 Proz. auf.

Eulenburg. DemBeil. Lokalanz." zufolge werden die Wiener Veruehmnngen in der E u l e n b u r g - A f i ä r e, die das Wiener Landgericht vernimmt, Ende dieser Woche geschloßen. Allen Beteiligten wurde strengste Geheimhaltung der Vorgänge rnu- geiragem So wurden auch die tm§ Berlin kommenden Fragebogen unter besonderem Verschluß gehalten. Die Zeugeuprotokolle gehen direkt vom Vorstande der RechtshilfSabtelluilg unter Siegel an das Berliner Gericht, einzeln, sofort nach Abschluß jeder Aussage. Wie verlautet, sollen dlirch die Wiener Verfahren einzelne befonders wichtige Feststellungen erfolgt sein._______________

ÄusSaud.

Eine internationale Huldignng. Im Herbst wird ein englisches Geschwader den österreichischen Kriegshaien Pola mi- laufen. Auch andere fremdländische Kriegsschiffe iverden nach Pola fommcit. Alan plant eine i n t eri, a l i o n a l e H n ldi gun g der Kriegsmarinen für Kaiser F r a ,i z Josef.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 11. Juni 1908.

** Vom Großh. Hofc. Ti: Großherzoglichen Herr­schaften besuchten n. d.Darmst. Zlg." am 9. d. M. vor­mittags mit den bei ihnen zu' Besuch weilenden Gästen die Landesausstellung und fuhren nachmittags nach Wolfs­garten, wo der Tee genommen wurde. In Vertretung S. K. H- des Großherzogs begibt sich der Ordonnanz­offizier Leutnant v. S ch r o e o c r zu der heute in Erbach i. O.

land, der die Intentionen eines Künftlcrsso re­spektiert, der so ich möchte das Wort antoenben so Freund jcdcm Künstler ist wie der Großherzog von H essen. Und was so unendlich sördernd und unregeno ist: Ter Grvßherzog bringt Vertrauen entgegen. Jedem Künstler. Selbst wenn Einzelheiten eines Kunstwerkes nicht nach fernem Geschmack sind, er wird niemals etwa terrorisieren, etwa feine Ansicht als einzig maß- und ausschlaggedend in öic Wagschale werfen. Ta findet der Großherzog diplomatische Worte, weiß zu vermitteln, die Gegensätze zu milbern. Ter Künstler hat bas ermnrigenbe Gefühl, daß ihm ein guter Frcunb einen wohlge­meinten Rat gibt. Unb doppelt inniger, bopyelt sruchrbringenber wirb das Verhältnis zwischen kunstsimiigem Für,len unb schaffens­frohem Künstler. Tie brüte heffsiche Lanbesausftellung soll mcl)t mehr unb nicht weniger fein als eine Inspektion des Großherzogs. ErMt Lubwig sagte sich: Schauen wir einmal, was wir seit 1901 erreicht haben, ob bie Ideen, bic ich im Verein mit einer künst­lerisch revolutionär gesinnten Sicbenschar zu propagieren bestrebt war, in bic Tat rmigesetzt worden sinb, ob der Sarnen ausgegangen

unb Früchte getragen hat." ' . .

Ist ber Großherzog," so warf ich em,mit her Jnipektiou zufriebcn?"

Sehr, sehr," gab ber Künstler zurück.Ter Großherzog verhehlte sich nicht, baß noch manches, rwch vieles besser iverben muß. Aber warum zetert man beim immer draußen im Reiche über bie Tarmstädter, über Hessens Kunst? Des Großherzogs Bestreben ist boch nur daraus gerichtet, ben Menschen zur Kunft zu erziehen. Zu jeglicher Kunst. Von innen heraus muß bas geschehen, b. h.. ber Mensch muß erst je nach seinen Mitteln unb !einen Arbcitsocrhältnissen ein proppcres, künstlerisch anmutenbes Heim haben. Erst bas Heim, das Zimmer, bann das Haus, bann die Straße unb zn gmerletzt das ©täbtebdb. ä^nn bock) das seftgehalten werden wollte, baß einzig und allem Erziehung zur Kunst bie Triebfeder ber großherzoglichen Kuisitbeftrebungen ist Ter Mensch, ber die Kunst lieben gelernt hat von Jugenb aus, wirb frei bleiben von Roheit und abscheulichen Taten, bie nur ein kunftfrembes Wesen voll führen kann. Wie die Eltern, jo die Kinder. Ter Großherzog sagt sich nm Recht: Wachst die Kinder,char in traulichem Heim au:, wird im junge M enschen- psianze in künstlerisch gebilligtem Erdreich ßiUu gezogen, so er­wächst uns ein neuer iiamm, ein Geschlecht, bas d:e Kunft nicht mehr fälschlich als c rcs i .Bj'ckerten allem >-.'S

M ÄllLememM liebk -M M

Antwort: . . <

Ter Eroßherzoa will, daß wir auf ber Maihilbcuhohe ber angcroanbten Kunst über die hessischen Grcnzpsähle Humus neue Jreunbe werben durch bic Tat. Wenn auch bic neuen Kräsce, bic ber Großherzog berufen hat, infolge ihrer Lehrtätigkeit einen ab- gegrcnzten Wirkungskreis haben, so sit ihnen boch bic herrlich: Aufgabe gestellt, einen Nachwuchs heranzub ilden, ber bie Ideale des Großherzogs hinaustragen kann in alle vier Winde. Tic Kunst füll bic Menschheit erfreuen, fic emportragen aus ber bunftigcn Aunofphärc der Alltäglichkeit. Tiefe Aufgabe ber Kunft muß im Heim, in ben vier Wänden, bic all unser Glück unb auch all unser Leib sehen, bie unsere Vertrautesten, sinb, beginnen, von feier aus sich ausbreiten. Das ist bas Künstlerische Bekennlnis, bas sind bie künstlerischen Enbziele bes Großherzogs . . ." --- - I- M. I.

*) Dieser Schluß-Bemerkung ist aufs entschiebeufte zu wider­sprechen, so richtig auch alles übrige in ben Olbrickfcheu Aus- mferungen ist, unb beruht wohl auch nur aus einem Mißverständnis des Ausfragers. Gerade aus beni Gebie: der Architektur hat der Tarmstädter Stil" bisher noch nicht das mindeste erwirkt. Tagegen um ,o mehr unb um so Bleibenderes unb Vorbildlicheres, wahr­haft Musterhaftes, ben neubeutfchen Stil sehr wesentlich For- berndes auf dem Gebiete ber Innenausstattung, bes gesamten Kuustgewerbes. Tasür bas geradezu glänzende Zeugnis i,t bas Gebaube für angewandte Kunst" aus ber gegenwärtigen Aus­stellung mir üil feinem außerorocmlich reichen und ben Kunftge- schmack bes Volkes aufs Trefflichste bereichernden Inhalte, i,t auch das Obcrtzeffsick-e Ausstellungshaus. Auf dem Gebiete der Archn.t- tur aber haben nicht sowohl '.Uiitgliebcr der Tarmstädter Küisiilcr- folonic, als vielmehr heffische Pri v a i a r chi t e k t e n, Hal u>r allem Meffe 1, haben aber auch Metzcnbor,, Wientoop, sern.r der oorlrefftiche i'ceugeftalter der schönen Babchaus-Archnekiur Nai'heiws. Fest Und mancher andere noch Hessen so herrlich , weuHebraäj, ba^ [ein Rutzm HMe ^bec alle Laube klingt. L, Reo^

wissen sagen: Es gibt keinen Regenten in Deutsch-1 und bient in jeglichem Tun unb Lassen. Aus biesen Erwäguiigeii , 11 < r.Lx.-xi------ - -- ' heraus müssen biC Kunstbcftrebungcn des Großherzogs bcirachicr

und beurteilt werden. Ich kann Ihnen versichern: Ter Groß- Herzog ist zufrieden mit dem bisher erreichten. Wir schaffen ja erst acht Jahre. Die uns ansangs geschmäht haben, sind milder in ihrem Urteil geworden, ber sog. Darmftäbler Sut I-at sich besonbers in der Architektur burchgerungen."

Mährenb wir bie einzelnen Abteilungen ber Ausstellung bnrch- wanberten. sragte ich den Münftier über bic weiteren fün^t^ lerischcn Ziele bes Großherzogs und erhielt etwa zrw