!bie mit burdi bi» Steigerung der Ansprüche der Industrie ver- vrsacht worben sei.
Abg. Tt. Fulda kommt in längeren Ausführungen aus die fibon verschi. denen Rednern gegen ihn gerichteten Angriffe zurück. »Er volemifckrl zuerst gegen die Norwürfe des Abg. Tr. Gut- Fleisch bezüglich des hessischen Wahlrechts der Lehrern alle Dia- Icftü des Abgeordneten werde die Richtigkeit seiner, des Redners, Ausführungen nicht entkräften können. Er sei auch erstaunt, daß Sr. Gutsletsck) nicht mit einem Wort sich über die Wahlrechtsdemonstrationen geäußert habe. Ten Vorwurf des Abg. v. Brentano inbetreff der angeblich vom Redner begangenen Indiskretionen bezüglich der Wahlrechtsberatungen im Ausschuß Müsse er zurückweisen; der Seniorenionvent der Kammer habe auch ausdrücklich festgestellt, daß er, wie der andere Abgeordnete, der Mitteilungen daraus gemacht hatte, int guten Glauben handelte. Auch die Behauptung, dag die Minorität von der Sozialdemokratie vergewaltigt werden würde, wenn sie die Macht hätte, weist Redner zurück. Tie Sozialdemokratie sei stets für das Proportionalwahlsystem eingetreten. Neu sei ihm, daß Art. 75 der Verfassung so gar keine Bedeutung haben solle und keine Voltsrechte schmälere. Der Redner wendet sich dann ausführlich gegen den Abg. Tr. Osann. Wenn er gegen diesen persönlich geworden sei, so komme das nur daher, weil Tr. Osann zuerst gegen ibn persönlich ausgetreten sei. Er habe bisher nie etwas gegen diesen gehabt und sei auch nie als sein Rivale aufgetreten. Redner bespricht dann naher die Stellung der Sozialdemokraten zur Wahlrechtsvorlage und bestreitet auch dem Staatsminister gegenüber, daß bezüglich der Art. 110 und 75 der Verfassung nicht auch eine andere Auslegung möglich sei.
Abg. Reinhart (auf der Tribüne schwer verständlicy) er- foibert auf eine Ausführung des Vorredners, daß zwischen ihm und seinen Parteifreunden Meinungsverschiedenheiten inbezug auf die Wahlrechtsvorlage eingetreten seien, daS sei keineswegs der Fall. Seine Partei wolle die seit über 80 Jahren bestehenden Rekommunikationsrechte opfern int Interesse des direkten Wahl- i rechts. Was die Ausführungen des Abg. Ulrich bezüglich des | Rechts der Straßendemonstrationen in England betriftt, so habe Redner in London festgestellt, daß dieses Recht dort nicht bestehe. (Hört!) Redner bespricht dann die Besoldungsordnung. Diese würde erst in zwei Jahren durchgeführt sein. Inzwischen aber müsse man Mittel und Wege finden, den Beamten, die schwere Not leiden, anderweit zu helfen. Vielleicht, indem man ihnen nach dem Vorbild von Baden und Württemberg eine Teuerungszulage gewährt. Redner bespricht dann auch die Reichs- sinanzrcform, daran anschließend die Fälle Büdingen und Offenbach und meint, er habe gar nicht gewußt, daß es noch Gesellschaften mit unbeschränkter Haftpflicht gebe (Zuruf: Noch viele!). Wie in Nieder-Mockstadt. Tas sollte von der Aufsichtsbehörde 9ar nicht zugelassen werden. Ter Abg. Ulrich habe bemerkt, haß die Lohnerhöhungen der letzten Jahre nicht alle Kreise betreffe. demgegenüber weise er auf die Calwerschen Zahlen hin, nach denen in Berufsgenossenschaften usw. über 8__ Millionen Arbeiter in Frage kommen. Es beweisen auch die Steuerlisten, daß -die Gruppen mit Mindestgehältern und Löhnen immer geringer werden. Zweifellos seien alle Bevölkerungstreise an dem allgemeinen Auftchwung beteiligt. Redner erinnert an eine kürzlich in Worms einberufene Versammlung, die sich mit der Notstandsarbeit beschäftigt hat. Es wurde da festgestelit, daß es Löhne von 9 und 10 Pfg. pro Stunde gebe, bis uachgewiesen wurde, daß es sich dabei um Arbeiter gehandelt hat, die überhaupt nicht gearbeitet hatten. Auch bas bewiese wieder, baß es der Sozialdemokratie nur darauf ankomme, Unzufriedenheit zu stiften. Bezüglich einer Aeußerung des Abg. Ulrich, daß zwischen ihm (Redneri und seinem Parteifreunde Osann Meinungsverschieben- cheiten bezüglich ber Frage der direkten Steuern bestehen, stelle er fest, daß keinerlei Verschiedenheit in den Anschauungen Osanns und den seinen bestehe. Redner kommt dann üuf die Verhältnisse in Frankreich zu sprechen, bas 60 Proz. Heiner Steuern burch direkte Staatssteuern aufbringe. Auf den Zolltarif zu sprechen kommend stellt er fest, daß ber Unterschied liit Getreide- und Brotpreisen zwischen 1903 und 1906 ganz minimale sind. Redner bient bann weiter mit Zahlenmaterial.
Finanzminister Gnauth betont, bie Auslassungen des Vorredners lieferten einen Beweis für die Schnellebigkeit unserer Zeit. Man vergesse ganz, baß wir in Hessen doch erst im vorigen Jahre die Leamtenteuerungsvorlage durchgeführt hätten. !(Sehr richtig.) Wenn darüber geklagt würde, daß sich die Beamten dafür in keiner Weise bedankt hätten, so konnte man doch nicht erwarten, große Ovationen dafür zu ernten. Allerdings hätten sich die Beamten ioohl daran erinnern können, daß die Stände 700 000 Mk. an Gehaltsaufbesserungen bewilligten, rwn welcher Tatsache in den späteren Vorstellungen Ecin Wort erwähnt wurde. Man solle doch die Regierung
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vergrämter, seelentrank, voll Bitterkeit, zu gestalten. Gsell ist zweifellos ein ganz begabter, intelligenter junger Darsteller. Aber tr besitzt in den Bewegungen noch nicht das rechte Maß, er wirft feine Glieder gern nach allen Richtungen und hält es kür den Gipfel der „Natürlichkeit", die Hände fast ununterbrochen in den Hosentaschen zu verbergen. In seinem Gregers lag Ironie, die dieser Schwarmgeist aber durchaus nicht verträgt, mehr eigensinnige Hartköpfigkeit als weichherzige Jdealistik.
Ten alten Ekdal gab Bakos ohite die innere Tragik des fEntgleisten, ohne groteske Phantastik, ohne die scheue zerknitterte Llengstllchkeit, dafür aber um so merklichere Zeichen einst vorhandener, jetzt iioch kaum gebrochener Kraft. In diesem tvaib- lounben wunderlichen alten Knaben steckt aber trotz der gelinden Karrifatur doch tief Wehmütiges, das Wehmut erwecken soll. Der ölte Werte, ein harter Mann von robustem Gewissen, ist für den mild Pastoralem zugeneigten Schmidt-Pauly iiimmermehr die rechte Aufgabe; doch man hatte keinen zweiten zii versenden. Tas Muskelstarke, Markige, Feste, Weltmännische, Eisigkalte machte also wohlwollender Freundlichkeit und zutraulicher Güte Platz. Helene Achterberg sprach gut, allem ihre Persönlichkeit ist zu anspruchsvoll für die einfache Gina. Tie ist ein leichtes Ding gewesen, hat aber etwas Dumpf-Niedriges, Beschränktes, und jetzt vollends etwas Naiv-Ehrliches, Opferwilliges, mibewußt Braves. Aber auch mehr sinnigen liebfraulichen Eigenreiz. All das sind keme Dinge für unsere Heroine. Erschütternd aber ist ihr Schmerzens- ausbruch an der Leiche ihrer Tochter. Ganz nett war Helene Schuman n als Frau Sörby nnb v. d. Becke ' hatte als Molvig eine köstliche Maske gemacht. Goll aber und seine frisch frei fröhliche Art ist zmn Relling nicht sonderlich geeignet. Der ist kurz, barsch, salopp, kraftvoll, urwüchsig, ja bärbeißig. Gareis hätte vielleicht besser auf diesen Posten gepaßt als unser liebenswürdiger Bonvivant.
Auf bie Einübung des Schauspiels war von B a k o f ersichtlich größter Fleiß verwandt worden. Freilich wurde hier und da mit zu barten, grellen Farben gemalt, zy stark unterstrichen. Zusammen- spiel und Inszenierung zeigten aber doch den hohen Grad von Güte, der in unserm Theater jetzt das Uebliche geworben ist. das Publikum ivar, außer Abonnement, sehr zahlreich und sehr hingerissen und bezeigte der Eysoldt int Applaus gebührende Bewunderung. p. W.
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— Kleine K u n stchroni k. Ludwig Fuldas Komödie „Der Dummkopf" (Buchverlag von Cotta in Stuttgart) fand int Neuen Schauspielhaus in Berlin bei guter Darstellung freundliche Aufnahme. — In Meran starb der Wiener Stomponift Josef Stritzko. Sein letztes Werk mar die Operette „Tip Top', die voriges Jahr im Theater an der Wien gegeben mürbe. — Die Nichte Adolf v. Ai e n z e l s schenkte dem bayerischen Staat 60 Werke Menzels, darunter 17 Oelgemälde. Tas Geschenk ist gedacht als em Zeichen der freundlichen Gesinnuiig, die Menzel für München hegte. — Tie französische Nationalisten bereiten heftigen Widerstand gegen bie Kreditforderung von 35 000 Francs für die Bei- fetzungs Zolas im Panlhson vor. Sie mollcn bie ganze Treyms- Affäre wieder aufrollen und Zola mit Bejchimpmngcn überschütten. — Der Gießener Theaterdirektor S t e i ii g o e 11 c\ hatte an den Herzog Georg von Meiningen zum Memiger Theaterbrande ein Beileidstelegramm entsandt. Der Herzog hat jetzt von Kap Manin aus feinen „wärmsten Tank für den ihn erfreuenden Ausdruck der Teilnahme eines allen Meiningers" drahtlich ausgesprochen.
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zuv Abänderung ber Besoldungsordnung nicht drängen, wohl aber bedürfe sie der Ermutigung zu einer Steuererhöhung und von den dahingehenden Äußerungen habe die Regierung mit Interesse Kenntnis genommen. Tie Regierung lasse sich an Interesse für ihre Beamten von niemand hier im Hause übertreffen.
Präsident Haas erinnert daran, daß die Generaldebatte jetzt in der dritten Woche noch fortbanert und möchte bitten, sich doch möglichst kurz zu fassen, da das Budget doch auch noch erledigt werden soll. (Sehr richtig.) Mit dem Reden allein sei doch nichts getan.
Abg. Molthan erklärt sich gleichfalls dafür, daß man den gering besoldeten Beamten noch vor der Abänderung der Besoldungsordnung Unterstützung gewähren müsse, selbst auf die Gefahr hin, den Gedanken einer SteuererHöhung näher zu treten. Ten Ausführungen des Abg. Reinhart über die Wahlrechtsvorlage könne er sich mit seinen Parteifreunden anschlteßen. Man werde unter keinen Umständen den Standpunkt der Sozialdemokratie in dieser Frage unterstützen.
Abg. Tr. Gut fleisch stellt fest, daß, in der Kommissions- sitzung nickt über die Gewährung des passiven Wahlrechts der Lehrer abgestimmt würbe, sondern nur eine vorläufige Feststellung der Stimmung stattfand. Auf die Anzapfungen des Abg. Fulda, der sich leicht vorher von deren Unhaltbarkeit hätte überzeugen Eönnen, wolle er nicht eingehen. Seine Ansicht zur Straßendemonstration könne er allerdings hören. Es komme ganz darauf an, welchen Zwecken sie bienen sollen, um sie zu erlauben, ober zu verbieten. In Gießen sei diese Frage noch nicht an ihn gestellt worden, dort denke man nichr ans Temonstricren, er tonne ihn aber auf das B. Tgbl. verweisen, das ja seiner Partei. sehr nahe stehe. Kört.) Alan solle doch burch derartige Dinge, bie mit unserem Etat gar nichts zu tun haben, nicht immer bie Debatte stören.
Abg. Ulrich meint, er stehe auf bent Standpunkt, daß es gut wäre, den Geistlichen im Gemeinderat zu haben, um ihm Aug in Aug entgegentreten zu können. Tas jetzige System sei derart, baß Geistliche und Lehrer doch die „Macher" seien, ohne baß sie im Gemeinderat sitzen. Die Mehrzahl der Parteiredner sei immer bemüht, aus der Sozialdemokratie einen schwarzen Mann zu machen. Wenn der Abg. Reinhart festgestellt habe, daß die kleinen Beamten Not leiden, so sei dies bei den Arbeitern, die meistens noch weniger verdienen, noch mehr der Fall. Redner geht bann sehr ausführlich auf die Zahlen des Abg. Reinhart ein, denen er andere, namentlich bezüglich der Lebensmittelpreise gegenüberstellt. Ter Staat habe bie Pflicht, als anftänbiger Arbeitgeber auch anftänbige Löhne zu zahlen. Wenn man so lange warten wolle, bis die Reichs- sinanzreform durchgeführt ist, bann dürfte noch mancher graue Haare bekommen. Was er bezüglich der Straßenbemonstrationen in England gesagt habe, halte er aufrecht. Den Vorwurf an mangelndem Patriotismus müsse er zurückweisen. Er liebe sein Batevlaird m-ehr als Reinhart und Genossen, weil seine Betätigung Gefahren mit sich bringe, während die Betätigung des Patriotismus der Herren Osann und Reinhart keine andere Gefahr bedeute, als höchstens mit einem minderwertigen Orden ausgezeichnet zu werden, als wie ein Zirkusdirektor. (Heiterkeit. Prüf ident Haas ersucht den Redner, bei der Sache zu bleiben.) Weiter meint Redner, bezüglich des Vorwurfs, daß er republikanisch gesinnt sei, gewiß sei er Republikaner, weil er die republikanische Staatssorm für besser halte, wie die monarchische. (Hört! Hört! Unruhe.) Schließlich widmet Redner ber Tätigkeit der Sozialdemokratie in diesem Jahre ein längeres Loblied.
Präsident Haas erklärt daraus die Generaldebatte über den Etat für beendet. Nach Eintritt in die Spezial- beratung wirb Noch der Vorbericht zum Finanzausschußbcricht und bie erste Hatstüabteilung, Reste aus früheren Jahren, genehmigt nnb darauf bie Sitzung um 2 Uhr abgebrochen. Nächste Sitzung Mittwoch früh 9 Uhr.
Der Gesetzgebungsiiusschiuß ber,Zweiten Sttimmer_ tagte am vergangenen Freitag, um über bte Ausführungsbestimmungen zu bem Schlachtoiehgesetz zu beraten. Es wurde eine Verständigung erzielt. Gestern trat der Finanzausschuß ber Zweiten Kammer mit den Regierungsvertretern Minister Braun und Ministerialrat Best zusammen, um über das Fürsorgegesetz zu beraten. Nachdem in der letzten Sitzung die Regierung gebeten worden war, festzustellen, ob es möglich sei, die seither in der Invalidenversicherungskasse gezahlten Beiträge in Höhe von zirka 90 000 M. der Fürsorgekasse zu erhalten, hatte die Regierung heute einen entsprechenden Entwurf vorgelegt, bem die Möglichkeit geschaffen werben soll, diesem Wunsche nachzukommen. Hierzu ist allerdings noch die Zustimmung des Reichsver- sichemngsamtes, sowie des Bundesrates' nötig.
Gießener Strafkammer.
)( Gießen, 10. März.
Em Dummerjungenstreich.
Kurz vor Weihnachten tarnen bie 1 3 jührigen Schüler K. V. unb K. L. in Alsfeld mit noch zwei strafunmün- bigeit Jungen an einem außer Betrieb befindlichen Brauereikeller vorbei. V. öffnete durch Hineinreichen und Zurückschieben eines Riegels ein Fenster und stieg ein. Er fand verschiedene Eisen stücke und Mefsinggegenstände, die er dem anderen hinausreichte. Tie Jungen beschafften sich einen Handwagen, auf dem sie ihre Beute fortfuhren. Unterwegs wurden sie abgefaßt, so daß sie iljr Vorhaben, das Metall an einen Althändler zu verkaufen, nicht ausführen konnten. Tie Folge war eine Anklage wegen schweren Diebstahls, dessen Ausführung beide geständig sind. Ter Vater des B. brachte vor, sein Sohn habe als sechsjähriges Kind durch einen Sturz auf den Kopf eine Verletzung baoongctrageit und müsse geistig nicht normal fein. Beweise dafür konnte er nicht angeben. Der Junge stottert zwar und ist nicht in der Sage, das Schulziel zu erreichen. Tas ist aber nach Ansicht des Lehrers daraus zurückzuführen, daß der Junge faul war und es zu Hause an der nötigen Erziehung fehlte, da der Vater tagsüber an der Arbeit fein mußte und die Mutter lange Zeit krank war. Ter Vater des L. ist früh gestorben und Der Zunge wächst feiner Mutter, die als eine brave Frau geschildert wurde, über den Kopf. Tas Gericht bedauerte, daß es nach den gesetzlichen Bestimmungen gezwungen ist, auf Strafe erlernten »u müssen. Tie Sache wurde sehr milde aufgefaßt und auf die Mindeststrafe von je einem Tag Gefängnis erkannt.
Sleuerstrafe».
Ter K a u f m a n n A. U. aus Reichmannsdorf hat für die Rheinische Essigfabrik zu Nieder-Olm in Nieder-Erlenbach Privatpersonen ausgesucht, um Bestellungen auf Weinessig entgegenzunehmen, ohne im Besitze einer Legitimationskarte bezw. eines Wandergewerbescheines zu sein. Tas Amtsgericht ließ ihm einen Strafbefehl zugehen, weil er feinem Geschäft nach- ging, ohne feine Legitimationskarle bei sich zu führen und die Venvaltuugsvehörüe schickte ihm ein Strafmandat über 30 Mart und Nachentrichtung von 15 Mk. vorenthaltener Steuer, weil er ein Gewerbe im Umherziehen betrieben habe, ohne: int_ Besitze eines Wandergewerbescheins zu sein. Beide Sachen ließ er rechtskräftig werden und bezahlte die Strafen. Nuu- mehr wurde die Steuerbehörde gewahr, daß er überhaupt keine Legitimationskarte besaß und sie ließ ihm unter diesem Gesichtspunkte einen weiteren Strafbescheid in Höhe von 20 Mk. und Nachentrichtung des vorenthaltenen Stempels von 5 Mk. zu- gcheu. Hiergegen trug er gerichtliche Entscheidung an unb das Schöffengericht gelangte zum Freispruch, da eine weitere etraimrfofgung unzulässig sei. Auf Wunsch der Verwaltungsbehörde, die von der Ansicht ausging, bie Bestrafung schließe Die Verfolgung aus einem aubernt Gesickstspunkle nicht aus, focht die Maatsaitwaltschaft das Urteil an. Tie Entscheidung bet Strafkammer soll, sofern eine weitere Verhandlung nach Prüfung der Sache nicht mehr notwendig (ent wird, demnächst verkündet werden.. * *
Eine VerfichLrungsgeschichte.
Turch Strafbefehl des Amtsgerichts Herbstein wurde der Landwirt P. G. von Jlbeshaufen beschuldigt, daß er einen Arbeiter zur Einbringung der Heuernte angenommen habe, ohne ihn zur Krankenversicherung anzumelden. Jnsolge Einspruchs stellte das Schöffengericht fest, daß der l'lngeklagte den Arbeiter am 2-1. Juni vor. Js. mtgenommen hat. Er wurde am ersten Tage krank und war bis zum 28. des solgeitden Monats arbeitsunfähig. Ter Arbeiter hatte angegeben, er habe einige Tage vor seinem Eintritt mit dem Angeklagten verabredet, wieder wie in den Vorjahren bei der Heuernte zu helfen. Ter Lohn sei nicht vereinbart worden, doch habe er angenommen, er bekomme für 14 Tage bis drei Wochen dauernde Arbeit wie in den Vorjahren 40 Mk. Ter Angeklagte dagegen behauptete, den Arbeiter nur aushilfsweise beschäftigt zu haben, der Abschluß dcs Arbeitsvertrags sei durch die schon cuu- ersten Tage erfolgte Erkrankung nickt möglich geworden. Nach den bestehenden gesetzl'chen Bestimmungen müssen die in der Landwirtschaft beschäftigten Arbeiter versichert werden, wenn der Ai- beit^Dertrag nicht auf weniger als eine Woche beschränkt ist. Tas Schöffengericht gelangte zum Freispruch, da es nicht für festgestellt hielt, daß zwischen beiden eine Einigung über den Lohn zustande gekommen war: auch hielt es nicht für ausgeschlossen, daß der Arbeiter für kürzere Zeit als eine Wock)e beschäftigt werden sollce, zumal bei seinem Eintritt die Heuernte schon im Gange war. Dieses Urteil wurde von der Staatsanwalt- Ickwst angefochten und die Berusungsverhandlung ergab, daß der Arbeiter im Jahre 1905 für bie Tauer der Heuernte zr einem Akkordpreis von 40 Mk. angenommen Wurde. Im Jahre 1906 Wurde nichts vereinbart und der Arbeiter erhielt nach Schluß der Heuernte wieder 40 Mk. Es mußte deshalb angenommen werden, daß beide Teile einig waren, daß für das Jahr 1907 der Arbeiter wieder für die ganze Heuernte engagiert fei unb dafür 40 Mk. erhalte, zumal er eine Schuld von etwa 30 Mk. abzuverdienen halte. Tazu tarn noch, daß der Angeklagte die übrigen Arbeiter, die weniger als eine Woche bei ihm in Arbeit standen, ausdrücklich darauf aufmerksam machte, daß und aus welchem Grunde ihre Versicherung nicht ftattfiube. Ta das Gericht ein Verschulden des Angeklagten für erwiesen hielt, mußte Bestrafung eintreten. Angesichts des Umstandes, daß die Angelegenheit für den Angeklagten noch weitere finanzielle Nachteile hat, ließ ihn das Gericht mit einer Geldstrafe vo n drei Mark durchkommen.
*
Schwurgericht: Fall Gottmann:
Im Interesse meiner Klientin halte ich folgende Klarstellung Ihrer gestrigen 9!otiz über die Schwurgerichtsverhandlung für angezeigt:
Tiie Geschworenen erkannten die Angeklagte der vorsätzlichen T ö t u n g ihres Kindes (Strafrahmen: 3—15 Jahre Zuchthaus) für nicht schuldig, weshalb die Beantwortung der Ne- benfragc nach mildernden Umständen (Strafrahmen zwei bis fünf Jahre Gefängnis^ gar nicht erfolgte, sie bejahten aber die von mir veranlaßte Hülsssrage: ob die Angeklagte schuldig sei, durch Fahrlässigkeit den Tod verursacht zu haben (Strafrahmen: 1 Tag bis 3 Jahre Gefängnis). Die Angeklagte erkannte die Strafe von neun Monaten Gefängnis, anzüglich 1 Monat Untersuchungshaft, alsbald an.
Raab, Rechtsanwalt.
Aus deu Alpe».
Tie Lansenjochhütte der Sektion Bayerland im Kar- wendelgebrrge ist durch eine Staublawine weggerissen worden. Tas ganze Mobiliar ist vernichtet. Ter Sck>aden beträgt 45 000 Mk.
Am 9. Vkirz wurde der Architekt Koch aus S t. M o r i tz auf einer Skitourin der Val Tuora in der Nähe der Klubhülle bei Pickefch durch eine Lawine verschüttet. Von Berguen und St. Moritz sind Rettungskolonnen abgegangen. Koch.würbe tot aufgefunden.
Bei einer Skitour auf dem Patfcherkofel (Tirol) wurde der Student Eduard Speck aus Wien von einer Lawiueve r- schüttet; am anderen Tage von einer Rettungsexpedition noch lebend aufgefunben worden. Speck war von der Lawine in die Tiefe gerißen worden, aber an einem Baum hängen geblieben. Er konnte sich zwar selbst herausarbeiten, aber infolge der Verletzungen nicht nach der Schutzhütte zurückkehrcn. Tie Rettungsexpedition brachte Speck, der außer Konttisionen schwere innere Verletzungen erlitten hat, nach der« Innsbrucker Klinik.
TeäefoGMseläw
des Giessener Anzeigers, initge und Jndustr
Frankfurter »ör 3^% Reichsanleihe . . 92.20 3% do. . . 82.65 3^°/0 Konsols .... 92.30 3-6 do. .... 82.60 3>6°/o Hessen 91.50
°/o Oberhessen . . . 92.00 4-z Uesterr. Goldreute. . 99 25 4l;8 % Oesterr. äilberreute 100.10 4-o Ungar. Goldrente . . 94 30 4% Italien. Reute . . . 103.60 3-6 Portugiesen Serie I 61.20 3-6 Portugiesen „ III 61.30 4>2°/o russ.Staatsanl. 1905 94 00 4>6U/O Japan. Staatsanleihe 87.45 4-6 Conv. Türken von 19Uu 94.90 Türkenlose 150.60 4-6 Griech. Monopol-Anl. . 49.70 4-6 äussere Argentinier . 86.00 3°/0 Mexikaner .... 65.80 4>aL/o Chinesen .... 96.15
Aktien:
Bochum Guss 198 40 Buderus E. W 112.50
Tendern.; fest.
Zierliner Börse, ]
Cauada E. B 145.20 Darmstädter Bank . . . —.— Deutsche Bank .... 237.70 Dortmunder-Union C. . . 56.30 Dresdner Bank .... 137.40
Tendenz: schwach.
teilt von der Bank lür Handel ie, Giessen.
se, 11. März, 1.15 Uhr.
Elektriz. Lahmeyer . . . 119.UÖ Elektriz. Schlickert . . . 103.70 Eschweiler Bergwerk . . 206.40 Gelsenkirchen Bergwerk . 184.30 Hamburg-Amerik. PaketL 112.70 Harpener Bergwerk. . . 195.00 Laurahütte ..... 209.50 ISordd. Lloyd 100.40 Obeischles. Eisen-Industrie 96.00 Berliner Handelsges. . . 158.70 Darmstädter Bank . . . 124.30 Deutsche Bank .... 238.00 Deutsch-Asiat Bank . . 159.00 Diskonto-Kommandit. . . 175.60 Dresdner Bank .... 137.10 Kreditaktien 202.50 Baltimore- und Ohio-
Eisenlahn 81.30 Gottbardbahn — •— Lomoard. Eisenbahn . . 26.65 Uesterr. StaatsDahn . . . 143.90 l’rince-Henri-Eisenbahn . 118.50
L. Mälz. Anfangskurse.
Harpener Bergwerk. . . 195.20
Laurahütte 210.00
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