Ausgabe 
2.7.1908 Erstes Blatt
 
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Aus Statt Mitö Land.

Gießen, 2. Juli 1908.

Ordensverleihungen. Dem bisherigen Amts­vorsteher deS Kaiserlichen Postamts 2 (Schulstraße), RechnungS- rat Bernhard, ist auS Anlaß seines Scheidens auZ dem Dienste der Rote Adlerorden IV. Klaffe verliehen worden. Der Großherzog hat dem Polizeipräsidenten Scheren- b e r g in Frankfurt a. M. das Verdienstkreuz des Ordens Philipps des Großmütigen verliehen.

R i chterpersona lien. S. K. H. der Großherzog haben den Landrichter bei dem Landgericht der Provinz Starkenburg Karl Schmahl zum Landgerichtsrat bei diesem Gericht ernannt.

Lehramts Personalien. S. K. H. der Groß- Herzog haben dem Oberlehrer an dem Landgraf Ludwigs- Gymnasium zu Gießen Otto Altendorf den Charakter als Professor erteilt und den Oberlehrer an der Realschule und dem Drogymnasium zu Bingen Joh. Jos. Kraemer zum Oberlehrer an dem Ostergymnasium zu Mainz ernannt.

* AuS dem Militär-Wochenblatt. Selzam, Major und Eskadr.-Chef im Garve-Drag.-Regt. (1. Großh. Hess.) Nr. 23, als aggreg. zum Hus.-Regt. König Humbert (1. Kurhess.) Nr. 13 versetzt. Frhr. v. Hammerstein- Equord, Oberstlt. im 1. Garde-Regt. z. F. und Nkilllär- Attachö bei der Botschaft in Rom, vom 2. bis 20. Sep­tember dS. IS. bei der Großh. Hess. (25.) Division kom­mandiert.

♦♦ Volksbildung ein Kulturproblem des Liberalismus, so lautete das Thema, über das am Dienstag abend Oberlehrer Tr. Stein in einer gemein­samen Versammlung der beiden linksliberalen Ver­eine (des freisinnigen und des nationalso',ialen) sprach. Die Versammlung, die vom Stadtv. Eichenauer ge­leitet wurde, war von Damen und Herren in Anbetracht der Jahreszeit gut besucht. Ter Vortragende gab in seinen Ausführungen zunächst ein Bild von den seitherigen Volksbildungsbestrebungen, die in dem Liberalismus des 19. Jahrhunderts mehr oder weniger Förderung erfahren haben, so durch die Begründung der Arbeiterbildungsvereine, die Gartenlaube, Roßmäßler, die Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung usw. Aber diese Arbeit ging nicht tief genug und die programmatischen Forderungen des Libe­ralismus auf dem Gebiet der Volksbildung beschränken sich gewöhnlich auf das Gebiet der Volksschule. Weiter geht nur das Gemeindeprogramm der ehemaligen nationalfozialen Partei. Der Hunger und Drang des Volkes, der weit ver­breitet ist, muß befriedigt werden und es ist eine der wich tigsten Aufgaben des Liberalismus, hieran mitzuarbetten. ES soll dies geschehen durch Förderung^ der Berufsbildung, Vermittelung politischen Unterrichts (Staats- und Rechts ivissenfchaft) und Einführung in die Fragen der Weltan Zcharmng und Lebensführung, sowie Verdrängung dr Kol Vortageliteratur. Namentlich dem Bildungsbedürfnis der Arbeiterschaft und der F-rauen muß Rechnung getragen werden. Die Bildungsarbeit des Liberalisnms muß im Gegensatz zu den Bestrebungen der katholischen Barromäus vereine und denen der sozialdemokratischen Partei voll­ständig unparteiisch sein, wenn damit auch Angehörigen gegnerischer Anschauungen gedient wird. In unserer Gegend arbeitet der Rhein-Main-Verband für Volksvorlesungea und verwandte Bestrebungen, der Angehörige aller politischen Richtungen zu gemeinsamer Volksbildungsarbeit vereinigt hat, in diesem unparteiischen Sinne und mit großem Erfolg. Diese Arbeit zu fördern, sollte allen liberalen Männern und Frauen Bedürfnis sein. Denn Volksbildung als Kultur­arbeit zu betreiben, ist eine Aufgabe, an der mitzuwirkeu eine Ehrensache des Liberalismus bedeutet. Dem Vortrag, der mit lebhaftem Beifall aufgenommen wurde, schloß sich eine Diskussion an, in der vielfach auf die Verhältnisse unserer Gegend Bezug genommen wurde. Der Vorsitzende schloß die Versammlung mit der Mitteilung, daß nunmehr . eine Pause in den Veranstaltungen der beiden Vereine ein­tritt. Im Herbst sollen dann die gemeinsamen Vortrags­abende wieder ausgenommen werden.

Das neue KolosseumS-Programm ist in jeder Beziehung sehenswert und weist einige wirklich erstklassige Nummern auf. Gleich zu Beginn der Vorstellung zeigte Herr Gra della einige sehr schwierige und hier noch nicht ge­sehene Hebungen an den römischen Ringen in sicherer ele­ganter Ausführung. Dann koimnt eine flotte Tyrolcrtn zum Wort, Fräulein Grell Reiner. Sie singt mit ihrer kräf­tigen und klangvollen Altstimme herzige Tyrolerliedchen und "jubelt dazu hübsch und naturecht. Herr Henry Toi zeigt einen Hundedressurakt mit zwei nicht sehr schön aussehenden, aber um so gelehrigeren Himden. Es ist diese Vorführung wohl daS beste, was auf diesem Gebiete bis jetzt hier geboten wurde. Farbenprächtige Kostüme, slavische Leidenschaft und

'unheimliche Körpergewandtheit vereinigten sich dann in der Tanz- und Gesangsoorführung der Tr tippe Ulan off (vier Damen und zwei Herren) zu einem reizvollen Gesamtbild, das dabei einen durchaus naturwahren Eindruck macht. Der ^Originals-Humorist Robert Nickel ist in Wirklichkeit nicht sehr original, einige seiner Sachen stammen aus Witzblätlerit (speziell W. C.) und sehr oft wird die Grenze hart gestreift, die bei uns auch für den Humoristen gilt. Am besten sind

die teilweise sehr witzigen kleinen Anekbotcn und seine große Charalterisierungskunst. Der C.'ou des Programms ist die Soubrette, Fräulein Lotte Men de. Sie erzählt uns mit unnachahmlichem Humor die Geschichte einer Sängerin, die als Hofharfenmädchen endigt, und es ist alles da, was bei Soubretten Vorbedingung für den Erfolg ist: vorteilhaftes Aeußere, hübsche Stimme, sicheres schikes Auftreten und un­gezwungener Humor. Sie fand so großen Beifall, tuie er vielleicht seit Otto Reutters Auftreten hier nicht zu hören ivar. Die Company Bassi, eine Dame und drei Herren, zeigt staunenswerte Körperkraft in Verbindung mit sehr guten akro­batischen Leistungen. Ihre Gladiatorenspiele und athletischen Vorführungen sind durchweg hervorragend und verdienen alles Lob. Der Stegreifdichter und Humorist Otto Waldenrar bereitete dann den Hörern eine heitere Viertelstunde durch seine schlagfertige JmprovisationSkunst und mußte durch feine ge­lungenen Einfälle rasch die Gunst deS Publikums zu gewinnen. Den Schluß des Abends bildete ein sehr nettes Aelpler - Duett von Max und Roserl Gabauer, daS alles enthielt, waS unS derartige Aufführungen so lieb macht: Gesang und Gejodel, Liebe, Schnadahüpfel und Schuhplotteln und außer­dem eine recht charakteristische Ausstattung, bei der sogar daS Alpenglühen nicht fehlte. Ein Wort der Anerkennung fei noch ter fleißigen KolosseumSkapelle und ihrem sattel­festen Lefler, Herrn Hoppe, gezollt.

" ßum deutschen Turnfest. Nach New - Yorker Meldungen haben etwa 500 d e ut sch - a m er i k a n l sch e Turner die Ueberfahrt angetreten, um am 11. deutschen Turnfest teilzunehmen. Andere Turner werden in den nächsten Tagen folgen. An den zur Zeit in Chicago tagenden nord- amerikanischen Turnerbund hatte die Frankfurter Turnerschast ein BegrüßungS-Telegramm gesandt, worauf folgende Ant­wort eingetroffen ist: Ter nordamerikanische Turnerbund er­widert den Gruß der Turnerschaft der Feslstadt Frankflirt mit einem dreifachen Gut Heil! Möge die Turnerfahrt der Turner Amerikas den Freundschaftsbund noch fester knüpfen, der sich um die StammeSgenossen diesseits und jenseflS deS Weltmeeres schlingt.

* In Amerika verstorbene Hessen. Metzger Wilhelm Kempf aus Griedel, 35 Jahre alt, zu Brooklyn, N. Y. Jakob Br ei der t auS Langen, 44 Jahre alt, zu Hoboken, N. I. Peter Sechaus aus Schwanheim, 80 Jahre alt, zu Aura, N. I. Johannes Gletzer aus Bernsfeld, 77 Jahre alt, zu Hullat, Cnt Georg Ma- genheimer aus Neuhausen-Worms, 75 Jahre alt, zu Parria, Jll. Heinrich Glanz aus Düdelsheim, 74 Jahre alt, zu Ebenezer, N. Y.

** Gestohlen: Aus dem Hausflur eines Hotels in der Bahnhofflraße wurde gestern Morgen ein W a n d e r e r - Fahrrad WerkeVulkan" von einem unbekannten Täter gestohlen. Einem hiesigen Cafetier waren in letzter Zeit ijäufig silberne Löffel unb Milchkännchen ujiv. entwendet worden. Als Täter sind einige junge Leute er­mittelt, die als Gäste in dem Cafe verkehrten und die Sachen mitgehen hießen. Aus der Wohnung eines^hiesigen Ein­wohners verschwand vor einigen Tagen eine Sparbüchse der Bezirkssparkasse mit 1012 Mark Inhalt. Als Täter wurde ein 13 jähriger Bursche festgestellt. Er hatte die Büchse erbrochen, thr^s Inhalts beraubt und dann in den Schoorgraben geworfen. Von dem Gelbe kaufte er Nasche- reien, nur 4.10 Mk. befanden sich noch in seinem Besitz.

** Verhaftet wurden gestern abend ein Arbei­ter wegen Bedrohung und Widerstands und zwei Obdachlose.

f- Bad Nauheim, 26. Juni. Ende August findet hier die Bannerweihe der freiw. Feuerwehr statt. Das Banner, welches von Frauen und Jungfrauen der Stadt Bad Nauheim gestiftet unb sehr kostspielig ausgeführt wird, wurde dieser Tage der Licher Fahnenanstalt Hisgcn zur Ausführung übertragen.

X B ü b i n g c n, 30. Juni. Tie Vorarbeiten zu dem vom 4. bis 6. Juli stattfindenoen nationalen Gesangswett­streit sind so weit gediehen, daß sie ihrem Abschluß nahe sind und ein Fest in Aussicht stellen, wie es hier noch nicht gefeiert wurde. Auch die Zahl und die Kostbarkeit der ge­stifteten Ehrenpreise Dürfte noch auf keinem derartigen Feste erreicht bezw. übertroffen worden sein. So ist es nicht zu verwundern, wenn außer den 35 wettsingenden Vereinen mit über 1000 Sängern auch zahlreiche Gastvereine ihr Erscheinen zugesagt haben. Infolge des forgfiiüig ausge­wählten Programms sind auch sonft noch viele Festbefftcher zu erwarten, haben doch manche Vereine außer ihren Mit­gliedern noch die doppelte Zahl sonstiger Festbesucher an- gemeldet. Hierzu kommt noch der aus der näheren Um­gebung zu erwartende zahlreiche Besuch. In Berücksichti­gung aller dieser Umstände hat sich die Festleitung veranlaßt gesehen, für die Einlegung zweier Sonderzüge wie folgt Sorge zu tragen: Sonntag, den 5. Juli ab Gelnhausen 8.30 Uhr vormittags, an Büdingen 8.58 Uhr mit Anschluß an die fahrplanmäßigen Züge von Frankfurt (Darmstadt) und Elm. Tie Benutzer diefes Zuges können nach einge­nommener Erfrischung bequem dem um 10 Uhr beginnenden Wettsingen bestvohnen. Ein zweiter Sonderzug wird Bü­dingen am Sonntag abend nm 7.45 Uhr verlassen und 8.11 Uhr in Gelnhausen mit passendem Anschluß an die Züge in der Richtung Frankfurt (Darmstadt) und Elm. Durch diesen Zug ist auch den entferntesten Festbesuchern aus dieser Richtung Geiegenhctt geboten, allen Veranstaltungen am Sonntag einschließlich der Preisverteilung beizuwohnen. Ter fahrplanmäßige Zug um 10.26 Uhr abends hat eben­falls Anschluß bis nach Frankfurt. In der Richtung nach Gießen hat sich die Einlegung von Sonderzügen erübrigt, da hier günstige fahrplanmäßige Züge verkehren. lieber die einzelnen Veranstaltungen des Wettstreites verweisen wir aus das gestrige Inserat.

d Frankfurt, 1. Juli. v-Zug-Diebe stahlen heute früh einem Herrn, der mit dem Zug 7 Uhr 10 Min. nach Marienbad reisen wollte, das Portefeuille mit 14u0 Mark. Trotz eifriger Nachforschung gelang eS nicht, öic Täter zu ermitteln. Die Gepäckträger-Gemein­schaft im Haiiptdahnhof hat mit Genehmigung der Eisen­bahn-Direktion ab 1. Juli einen neuen Tarif emgeführt, der im wesentlichen eine Erhöhung der einzelnen Sätze um 10 bis 20 Pfennig bringt, die mit der allgemeinen Teuerung begründet wird._______________________________________________

Gerichts-aut.

s Mark u r g, 30. Juni. Die S t r a i f a m m e v beschäftigte sich heule mit einer Anklage gegen einen Matergehilfen, der sein dreijährig cs Kind so mißhandelt haben sollke, daß cs lange Zeit m der Klinik behandelt werden mußte. Ter AnstaltSarzt wie auch viele Zeugen bekunden, daß das Kind Spuren von Geivalteuiwirkungen an sich getragen halte. Der Vater fuhrt diese jedoch auf andere Umstände, z. B. Abstürzen von der Treppe, zurück. Es er'olgt deshalb kostenlose Frei­sprechung. Ter Staatsanwalt haue ein Jahr Gefängnis be­antragt.

Leipzig, 80. Juni. Tas Reichsgericht verurteilte den Tagelöhner H h u e t aus Banzenheim im Elsaß, der bei dem dortigen Jnfanteriewerk bejchä'tigt war, wegen des Versuchs des Verrats militärischer Geheimnisse zu einem Jahr i'iei Monaien Gefängnis.

Der Eulenburg-prozeh.

UL

Berlin, 1. Juli.

Dem - offiziösen W. T.-B. zufolge äußerte bei Beginn bei heutigen Sitzung ein Geschworener namens seiner Kollegen 93er- ivnnderung, daß trotz der strengen Mahnung zur Verschwiegenheit doch Prozeßberichte erschieneii, die Unzutreffendes unb Irreführendes entbleiten, unb wies eine etwa vermutete JnbiSkretion von den Geschworenen zurück.

Tarnach richtete dem Bureau Herold zufolge der Ober-Staals- amvalt Dr. Isenbiet einen dringenden Appell an alle Prozeß- beteiligten, sie möchten die gebotene Diskretion wahren. Wenn die Oeffentlichkeit atiSgeschloffeii sei, bann wäre eS Pflicht jedes anivejenben Menschen, bicjen Gerichtsbeschluß zu respektieren. Er, Jjenbiel, könne kein Schweigegebot erlaßen, aber es sei biinqcnb wünschenswert, daß nicht falsche Nachrichten m Zeitungen lanciert würben. Diesem Appell schloß sich bei Vorsitzende an. Tie Aussage des Zeugen T a n b c l soll vielfach entstellt iviebergegeben worden sein. (Unser Berichterstatter hatte gestern gemeldet, Taiidel hätte ausgesagt, baß ihn Fürst Eulenburg mehr­mals unfittlid) berührt habe, daß cS aber zu weiteren Handlungen

positiver Natur nicht gekommen sei. D. SR.) Tie Zeugen wurden vorlausig alle wieder entlaßen. Nur Justizrat Tr. Bernstem unb Oberlandesgerichtsrat Maiei wurden wiederbestellt.

Ter Fürst war beule aus einer Tragbahre durch eine Seiten- tür in den großen Cchwurgerichtsiaal getragen worden. Er sah auffallend angegriffen aus. Er ist leidender als vorher.

Tes Fürsten Vernehmung ivurde durch eine halbstündige Panse unterbrochen und bis 31/« Uhr fortgesetzt. , Tarauf ivurde d,e Verhandlung aus morgen vertagt. Sicherem Vernehmen nach wirb die Vernehmung erst morgen beendet werden. AlSdann sollen die Zeiigen veiiiommen icerben. Heute ist kein Zeuge verhört worden. Ter Angeklagte wurde nach der Verhandlung in den Vorraum des Schivurgerichtssaales getragen und dort mittelst Tragbahre in ein Kranken-Autornodil gesetzt unb nach der Charrtö zurückgebracht. _____________

Vermischtes.

Eine ausfallende atmosphärische Erschei­nung ist in der Nacht vom Juni zum Juli in Berlin, Magdeburg, der ganzen dculachen Oftfee küste und auch in Dänemark am nördlichen Himmel beobachtet worden. Der H i m me l erschien in leuchtendem rotem und gelbemLicht in weiter Ausdehnung. Direktor Ar­chenhold von der Treptower Sternivarrc stellte fest, daß die Helligkeit an die TämmerungSerscheinungen von 1883 er­innerte, welche auf Vulkanausbrüche des Krakabau in der Sflndasiraße zurückzuführen ivaren. Beobachtet wurden leuchtende Nachtwolken in einer ungefähren Höhe von 80 Kilometern über der Erdoberfläche mit auffallend scharfen Umrissen, was sonst nicht der Fall ist. Offenbar liegt eine außerordentlich merkwürdige, charatterifuiche Erscheinung von besonders starker Intensität vor. Vielleicht hangt die Erscheinung mit größeren Verändcrungenausde^r Sonnenoberfläche zusammen, wodurch in der Atmo- phäre elektrisck)e Entladungen erfolgten. Bestimmteres konnte noch nicht seftgestellt werden. llebrigenS wurden gestern Erdbeben aus Norwegen gemeldet.

Eine Gräfin a 13 G e f u n d b e t - A p o st e l. Gräfin Fanny o. M o 11 k e, eine Dame, die sich in Frankfurt a. 'DL in gewißen Kreisen eines großen RuscS als GlaubenSheilerin er­freut, hat sich nach Boston begeben, um von 'Dir«. Eddy, dem Haupt der .Christian Lcrence-^ekte', die letzten Wethen zu er­halten. Gräfin Dloltte will so lange iiyEoncorb, dem Wohnsitz von Airs. Eddy, bleiben und zu den Fußen der Prophetin ihren Lehren lauschen, bis sie sich stark genug fühlt, selbst die.Christliche Wissen- schäft' propagieren zu können.

Rlcinc Tagccchronik.

Tie in Kiel verhauete Sprachlehrern, Petersen, die Geliebte# des wegen Landesverrates verhafteten Oberieiierwerksmaat Tietrich tvurde mehrere Stunden vernommen. Bet dem Berat handelt es sich ivahrscheiiilich um die aus Zusammensetzung b e 5 rauch- l o f e n Pulvers.

In der vorletzten Nacht ist bei Salzburg das Dorf S e s s a ch, bas aus dreißig Häusern, Pfarrkirche unb Schule beftanb, gänzlich niebergebrannt. Tie Brandursache ist noch unbekannt.

Zwei Leute, die bei dem Brande des Tiroler Dorfes Z i r l verwundet wurden, sind im Spital gestorben. Somit siiid bei der Katastrophe im Ganzen 10 Personen ums Leben gekommen.

Polnische Blatter treten für die Begnadigung bcS zum Tobe verurteilten Mörders des früheren Statthalters von Galizien. Grafen Potockt, Sierzhnski, ein. Seine Muttcr ixifte nach Wien, um den Justizmuiiiter wegen der Begnadigung ihres Sohnes zu bitten. . ,

Während einer Spazierfahrt der Infantin Mana The­resia m der Nähe von Madrid wurden gestern Sterne' gegen das Automobil gesch leudert. Der Chauffeur wurde verletzt.

In der Nahe voii Äletidon (Frkr.) ifi das 'Automobil des Grafen Suberville nut einem Straßenbahnwagen zufainrneii- geftoBen. Ter Wagenführer ivurde getötet, Graf Suberville unb eilt Maschinist schwer verletzt.

Sport-

Fußball. Vergangenen Sonillag hatte ber Gießener Fußballklub von 1900 die 1. Maimfchafl deS Marburger Fußballklubs zu Gast. Marburg, das sich durch verschieocne auswärtige Kräfte verstärkt hatte, gab der hiesigen Maniifchait harte Arbeit. Trotzdem hatte Gießen bis 20 Minuten vor Schluß das Spiel in der Hand unb führte mit 3:1 Toren. Bon jetzt kam Marburg in Vorteil, Gienen fiel ihrem eigenen scharfen Tempo zum Opfer. '.Warburg vollführte jetzt ein Trauigängerspiel unb konnte chließlich bas Spiel 5:3 Toren für sich entjcheiben.

= Radfahren. Tte Radwettfahn W i e n - B e r l, n über 600 Kilometer, die am 27. und 28. Junt zum zweiten Mal zum Aiistrag kam, mürbe roiebexum auf einem D p e l r a b ge­wonnen, mbem Herr Hans Ludwig von Soffenheini bie ctrede ohne Rabwechsel in der Zeit von 281/, Stunden zurücklegte. Sportfreunde >vird cs interessieren, daß bei der ersten Wettfahit vor 15 Jahren der erste Sieger, der ebenfalls ein Rad von Lpel» Rüffelsheini fuhr, über 21/, Stunden mehr brauchte, nämlich 31 Stunden 22 Sekunden.

Kirche uttö Schule-

Tie baijerijcDen Buchow haben ihren ^laubigen den Beitritt zu dem jüngft gebildeten Bund fortfchrittlicher Katholckcn gegen das Zölibat unter Androhung schärfster Ktrcheniirafen ver­boten. Dem Bund, der bekaniitlich zunächst die 'Milderung deS Zölibats anstrebt, sind bereits 13 000 Katholiken beigetreten.

Märkte.

ke. Frankfurt a. 3)1., 2. ^ult. (Tetegr. Ong.-Bertcht de» Gieß. Anz.".) Amtliche 9lotictungcn ber heutigen Vieh m arft- preise. Zum Verkaufe ftanben: 28 Ochsen, 0 aus Oesterreich 1 Bullen, 0 aus Oesterreich, 100 Kühe, Fersen, Stiere und Nmder, 1002 Kälber, 27 Schafe unb Hämmel, 812 Schweine, 0 Ziegen, 0 Ziegenlämmer, 0 Schalläminer. Bezahlt würben für

100 Pfund Schiachtgeivicht: Ochsen: 1 Cualitai 7880 'Mk., 2. Qualität 7074 'Mk., 3. Qualität 6164 Mk.; Bullen: 1. Qual. 6971, 2. Qual. 6466; Rübe 1. Qualität 74-76 >Mk., 2. Qual. 64-66 Alk., 3. Qual. 4648 'Mk., 4. Qual. 0000 Mk., 5. Qual. 0000 Mk. Bezahlt wurden für das Pfund Schlacht­gewicht : Kälber 1. Qualität 94 bis 96 Pfg., Lebendgewicht 5557 Pfg., 2. Qualität 85-92 Pfg., Lebendgewicht 50 - 54 Pfg., Schlachlgeiv. 7074 Pfg.; Schafe: 1. Qual. Schlachtgew. 82 bis 00 Pfg., 2. Qual. 6466 Pfg. Schivetne: 1. Quat. h364 Pf., Lebendgewicht 49,050 Pf., 2. Qual. 6200 Pf., Lebendgewicht 48,5-00 Pfg., 3. Qual. 5456 Pfg., Lebendgewicht 00UO Pfg« Geschäft gut, Ucbcrftanb keiner.

tvießcuer Wetterdienst.

yoraussichtltche Witterung für Hcsieu am Freitag den 3. Juli: Fortdauer ber heiteren trockenen Witterung. Heiß. Lestliche Winde.

Müllcr'fchc Badeanstalt.

93 a H t r ro ä r m e der Lahn 20 eK

(Driginal-DrobhiKitmiccn.

Nizza, 2. Juli. Eine Person, die ut der Treyfns- Afsäre beteiligt war und später unter dem Verdacht der Spionage in Deutschland verhaftet wurde, nachher aber wieder freigelassen wurde, soll hier verhaftet worden sein.

Rom, 2. Juli. Tas gestern beendete Budget-Jahr ergab eine Verminderung der Einnahmen um 43 Millionen gegen das Vorjahr.

London, 2. Jnli. Eine Nv.c an die Blätter besagt, daß zwischen König Eduard und dem Schah von, P.crsie.n. Tk leg ramme gewcck^lt laoidsr