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2.7.1908 Erstes Blatt
 
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Nr. 153

Der Siebener Anzeiger erscheint täglich, außer SonntagL. - Beilagen: viermal wöchentlich vietzenerKamilienblätter; zweimal wöchentl.Kreir- vlaNfürdenttreisSietzen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl Land» wirtschattllcheZeitfragen Fernsprech - Anschlüsse: für bi« Redaktion 112, Vertag u. Expedition &1 Adrelle »fix Tepefchenr ynietget vttcßea.

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Erstes Blatt

158. Jahrgang

Donnerstag 3. Juli 1908

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhefsen

Rotafions&rud und Verlag der vrMfchen Unlv.-Vuch- und Zteindnickeret. R. Lange. Redattton. Expedition und Druckerei: Zchulftratze 7.

vezugSpretö: monatlich 7öPf., viertel­jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich Pf.; durch die Post ML. 2. o ienel- jährl. mtS^L Bestellg. SedenpreiS: lollt.lbPst auswärts 20 Pfennig.

Verantwortlich für den politischen Teil: E. Anderson^ f. Feuille­ton und »Vernaschtes* P. 'JBittfo; für .Stadt u. Land" und.Gerichts- faal": E. Heß, für den Anzeigenteil: H. Beck.

Die heutige Nummer umfa&t 10 Seiten.

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Apolitische Tagesschau.

Der Fall Bernhard.

Zur Ablehnung der Berufung des Professors Bernhard durch die Berliner philosophische Fakultät erfährt einer un­serer Berliner Korrespondenten noch folgendes:

Durch den Brief Prof. Bernhards an die philosophische Fa­kultät btr Berliner Universität hat er nicht nur sich den Weg nach Berlin vorläufig verlegt, sondern auch das Un­terrichtsministerium in arge Verlegenheit gebracht. Es kann vor allem nicht -utreffen, daß Bernhard, wie eine Tages­zeitung wisset» wollte, unfreiwillig vorgegangcn sei. Jeden­falls hat weder auf Seiten der Fakultät noch auf Seiten der Unterrichts'behörde ein solches Interesse bestanden. Es ist nicht unwahrscheinlich, sondern darf mit Bestimmtheit angenommen wer­den, daß diese Anregung von einigen wohlmeinenden Fachkollegen, die allerdings der Berliner philosophischen Fakultät keineswegs nahestehen können, ausgegangen ist. Bernhard hat durch diesen sympathischen Akt" einen schweren Mißgriff getan. Von dem Moment ab, wo an Bernhard rom Ministerium die Bcrl. Professur erteilt wurde, hat er es nur mit diesem zu tun gehabt, lüs ist ein Irrtum, daß preußische Professoren weder verabschiedet noch pensioniert werden können. Der normale Fall ist der, daß man den Hochschullehrervon seinen Pflichten entbindet". Diese Entbindung von den aktiven Pflichten ist aber nichts anderes als eine Pensionierung, wenn auch mit vollem Gehalt. Die vollen Bezüge hat man dem von den Vorlesungen entbundenen Dozenten belassen, well man sich sagte, baß er ja durch die Ein­stellung der Vorlesungen der Kollegiengeider verlustig geht, so also eine Verminderung seines Einkommens ohnedies erleidet. Will nun ein preußischer Universitätsprofejsvr seine Verabschiedung, aus welchen Gründen auch immer, bann fehlt dem Ministerium jede Handhabe, sie ihm zu ver.veigern. Es kann kein Slaals- beamtcrgezwungen" werden, im Amte zu bleiben. Aller­dings tritt mit der vom Dozenten gewollten Verabschiedung der Verlust seiner Rechte auf Bezüge ein. Es ist nun im vorliegenden Fall nicht anderes zu erwartet:, als daß Bernhard die Konse­quenzen aus dem von ihm an die Berliner philosophische Fakultät gerichteten Schreiben zieht. Eine andere Frage ist, wie das Unterrichtsministerium sich zur Ablehnung deS Gelehrten seitens der Berliner philosophischen Fakultät und zu dem Briefe Bern­hards stellt. Da könnte in Ettvägung komnren, ob nicht wegen des letzteren Umstandes gegen Bernhard ein Disziplinar­verfahren einzuleiten wäre.

In was für einen Ra.ceukönig von Unannehmlichkeiten ist da doch der Kieler Professor durch einen llebcrgrtfi des prettß. Kultusministeriums geraten! Neuester Meldung zu­folge hat er bereits tatsächlich dieKonsequenzen" gezogen. Er hat einem Berliner Blatte selber mitgeteilt, daß er beim Kultusminister sein Abschiedsgesucheingereicht hat. Von anderer Seite wird das Gerücht verbreitet, daß ihn ein großes industrielles Werk zum Eintritt in das Unter­nehmen zu bewegen sich bemühen soll. So geht also allem Anscheine nach der wifienschaftlichen Forschung durch einen Fehler der obersten preuß. Unterrichtsbehörde eine sehr wertvolle Kraft verloren!

Der Gesamtvorstand Alldeutschen Verbandes hielt am Sonntag in Berlin eine Vorstandssitzung ab. Es wird uns darüber berichtet:

Dr. Joachim Graf von P i e i l - FriederSdorf sprach über: »Die deutsche D! a r o k k o p o l i t i k". Er wies hin aus die Aeußerungcn des französischen Münsters Pichon, Frankreich habe sich vor allem verdient gemacht um die Beseitigung der Anarchie in Marokko; P. habe sich ferner gerühmt, daß Frankreich Ge­rechtigkeit gegen alle Mitbewerber walten lasse. Ter Redner nannte diese Aeußecungen illoyale Phrascii und nicht erfüllte Ver­sprechungen. Deutschland sei eben so früh aus dem Platz gewesen wie die anderen, und doch bestehe eine beständige Unterdrückung der deutschen Interessen. Vom französischen Generalkonsulat in Bairuth seien nachweislich antideutsche Fliigblättcr verbreitet worden, im besonderen, um den Islam gegen Teiitschland miß­trauisch zu machen. Ter Redner empfiehlt scharfe Ausnterksamkeit und eine energische Politik deutscherseits. Tie deutsche Die«

leichtes FenMeton.

Die Vereinigung zur Förderung d e r K ü n st e in Hessen und i in R h c l n - M a i n - G e b r c t hielt dieser Tage in Dar in st a d t ihre Hauptversammlung ab. Dr. Greiner gab beit Rechenschaftsbericht. Ter mit 9889 Mk. abschließende Kassenbericht, sowie der Voranschlag mit 14 770 Alk. werden ge­nehmigt. Die Vereinigung beabsichtigt nach einem Referat Dr. Greiners verschiedene Reuunternehmimgeit. Vor allein soll der Hauptaufgabe oes Vereins, die Förderung von Kunstgewerbe und Kunstindllstrie, dadurch entsprochen werden, daß Arbeiten auf diesen Gebieten veröffentlicht und besprochen werden, da man sie für wich- tiger hält, wie die bilbcnbe und bic Dichtkunst. Ferner will man versuchsweise, aber ohne Kostcnrisiko, die Werke heimischer Dichter s e l b st verlegen unb biese durch billige Ausgaben bekannt machen. Alan will auch junge Künstler praktisch beschäf­tigen, resp. ihnen Vorschläge machen. Die Vogelsberger S p i e l w a r e n - I n d u st r i e, besonders die Töpferindustrie, wie auch die in Holzspielwaren, sollen gefördert werden.

Ein Führer d n r ch Ta r m st a b t ist soeben in 2. Auf­lage erschienen, der von Prof. Tr. AntheS verfaßte sog. Beckmann- Führer (Verlag von Walter Seifert in Stuttgart). Er wird vielen gerade jetzt gelegentlich der Darmstädter Ausstellung sehr will­kommen jeitt, ztunal er diese Attsslellung in einer hiibjchen kleinen, 14seitigen illustrierten Beilage verständnisvoll behcmdett. Auch in feinentHauptteile, beut eigentlichenFührer" burch bie Stabt, bringt er viele ivohlgelungene Abbildungen von hervorrageuben Gebäuden und Denkmälern unb einen sehr leicht orientierbaren guten Stadt- plan. Sonst behandelt er recht gut und kurz Darmstadts Geschichte und beschäftigt sich auch mit der Umgebung, die er bis zur Berg­straße, dem Gersprenztal und dem Mümlingtal ausdehnl.

Ein Schüler als Pseudogelehrter. Wie in denMitteilungen zur Geschichte ber Medizin unb ber Natur­wissenschaften" berichtet wird, ist kürzlich ein unglaublicher wissenschaftlicher Schwindel entdeckt worden, den ein jetzt erst 16 Jahre alter Schüler mit Namen Hans Schlasch in­szeniert hat. Dieser hoffnungsvolle junge Mann schrieb unter dem Namen eines Dr. S. eine Reihe doii Abhcnürlungen über die dänische Molluskeitfauna, die er wörtlich aus älteren saunistischen und Mtematischen Werten a b s ch r i e b. Es gelang jchm auch, eine Mzahl davon in wissenschaftliche Zeitungen em<

aierung müsse unter allen Umständen für strenge Beachtung der Algccirasäkte sorgen und nicht zaudern, unter Umständen die Hand a n den Säbelgrifs zu legen.

lieber die Ergebnisse der Blockpolitik führte Graf E rn st zu R ev e n t l o tv-Charlottenburg das Folgende aus: Vom rein nationalen Gesichtspunkt betrachtet, zeigte ein Parlamentsjahr Blockpolitik eine Reihe von Erfolgen. Er begrüßt die Polenpolitik und das Neichsvereinsgesetz; beides habe aber, infolge des Blocks, durch Zugeständnisse aus allen Seiten so große Mängel aufzuweifen, daß inan ba£ preußische Enteigimngsgesetz wie das Reichsvereins­gesetz nur als hoffnunggebende Anfänge, nicht als etwas Fertiges belrachlen könne. Es sei zu wünschen, daß der Block erhalten bleibe; je länger er lebe, desto besser würde er sich in seine Aufgaben finden und Kleinlichkeiten abstreifen. Dem Fürsten Bülow gebühre An­erkennung. Sehr bedauerlich sei ober, daß bei Erörterungen der ausivärtigen Politik die Reichstagsabgeordneten, offenbar nut Rück­sicht auf den Block, feine sachliche Kritik übten Tie Leistung der deutschen Staatsmänner in auswärtiger Politik biete kein erfreu­liches Bild. Ter Alldeutsche Verband stelle dagegen mit großer Befriedigung fest, die Zuspitzung ber weltpolitischen Lage habe ge­zeigt, daß ber kriegerische (Seift im beu 1 schen Volk ii o ch lebe. Militärisch sei heute die Lage Teutschlanbs günstig zu nennen; eine Betätigung bes kriegerischen Geistes in Deutschland würde unseren Feinden leine Freude bringen, während wir ihr mit Zuversicht entgegensähen.

An die beiden Vorträge schloß sich eine Erörterung. Sie er­gab in allen wesentlichen Punkten völlige Uebereinstimmung ber Redner. Zum Schluß führte Rechtsanwalt Elaß-Atainz, ber Vorützenbe bes Verbandes, aus, wie bebauerlid) unb schädlich bie Teilnahmlosigkeit deutscher Abgeordneter m Dingen der ausivärtigen Politik sei. Erireulich sei aber, welch em Naticmalstolz feit den Döberitzer Worten des Kaisers bas Volk durchziehe. Wir hätten durchaus keinen Anlaß, k r i e g s s ch e u zu sein, ohne daß wir den Krieg wünschen. Bedauerlich sei, baß die Worte des Kaisers später burch halbamtliche (Erörterungen unb Ableugnungen abgeschwächt worben seien. Der Allbeutsche Verdanb werbe bas Feuer weiter s ch ü ren; bazu gehöre aiich bie Ueberzeugung zu verbreiten, baß es Dinge gäbe, bie weit weniger wünschenswert seien als ein Krieg.

und Flotte.

Berlin, 1. Juli. Wie ber Bert. Ztg. von zuverlässiger Seite mitgeteilt wirb, ist dieser Tage von allerhöchster Stelle em Erlaß an bie Kommanbostellen ergangen, baß bei den Wahlen 5 u Offizieren keine Rücksicht aus die Konfession des Aspiranten genommen werben bars. (Tas heißt also, baß auch Israeliten, bic bekanntlich bisher nur äußerst selten zu Reserve- Offizieren um diese handelt es sich wohl allein, obwohl diese Mewuug nichts bauen tagt beföcbeu wurden, bie gleiche Be- hanblung fortan erfahren sollen wie die Angehörigen chri/tlicher Vekemilmsie. T. R.) _______________

Deutsches Aeseh.

Der Kaiser besuchte am 1. d. M. int Kieler Hasen den russischen KreuzerAurora",, der mit dem russischen KriegsschiffDiana" dort eingetroffen ist.

Nach der Nordland reise Kaiser Wilhelms wird das Kaiserpaar einen Besuch am schwedischen Hofe machen. Die Abfahrt erfolgt am 7. August von Sw ine münde aus.

Der Reichskanzler, der inzwischen in Norderney eingetroffen ist, empfing am Dienstag den französischen Botschafter Jules Eombon.

Die Präs identen st elle im Deutschen Flot­te n v e r e i n ist noch immer nicht besetzt, da Fürst zu Salm-Horstmar, wie aus einem von iljm an die Orts­gruppe Wehlau des D. F. V. gerichteten Schreiben hervor­geht, die Annahme der in Danzig erfolgten Wiederwahl zum Präsidenten abhängig macht von der Erfüllung gewisser Zusicherungen in Berlin.

Nach den bisherigen Resultaten der Abstimmung über den Ach tuhr--Ladenschluß in Berlin wird ange­nommen,' daß die erforderliche Zweidrittelmehrheit für die Einführung erreicht wird.

Wie offiziös verlautet, werden die neuen Dreimark­stücke, deren Einführung in der Bundesratssitzung am zuschmuggeln. Sein Ehrgeiz ging aber noch weiter. Er gab Schneckenschalen, die aus allen möglichen Gegenden Europas stammten, als in Dänemark gefundene Exemplare aus unb erregte hierdurch großes Aussehen. Wie Dr. Jacobi bemerkt, erinnert dieser Fall an den Ornithologen Prazek, der vor 10 Jahren eine umfangreiche Avifauna Ostgaliziens veröffentlichte auf Grund von Forschungsreisen, die er in seinem Studierzimmer gemacht hatte.

C. K. Studien im Affenkäfig. Aus New- York wird uns berichtet: Der Affenkäfig des New-Porker Zoologifchen Gartens empfängt in diesen Tagen einen längeren gelehrten Sonunerbefud); unter den Auspizien von Tr. Robert M. Perke s, Dozenten für vergleichende Psychologie an der Harvard-Universität, der schon im vorigen Jahre einige Wochen im Zoologischen Garten verbrachte, wird Meloil E. Haggarty von der Harward auf drei M o ii a t e sein Arbeitsfeld i n 3 Affenhaus verlegen, um hier an 13 Affen eine Reihe von Experimenten vorzunehmen, bie zur Kenntnis der Intelligenz bes Affen neue Aufschlüße bringen sollen. Haggarty hat einen befonberen Käfig konstruiert, ber burch kleine geheime Tricks geöffnet werben kann, unb täglich wirb nun ein Affe in biefen Käsig gesperrt, ber feine Schlauheit in ber Ent- beefung biefer Tricks beweisen sott. Im Ganzen finb babei sieben Probleme" zu lösen, und jeder Erfolg wird mit Leckerbissen be­lohnt. Gelingt es dem Assen nicht, die Tricks zu entdecken, io wird fhm ein zweiter dressierter Affe, ber mit bem Mechanismus bes Käfigs bereits vertraut ist, beigesellt und nun beobachtet, wie lange ber eine Aße braucht, ehe er bem anberen bie Geheimnisse absiehl. Im Laboratorium ber Universität besaß Haggarty einen Affen, ber bie Hanbgriße von selbst mit außerorbentlicher Schnellig­keit entbeette.

Kleine Kunst chronik. In K a f f e I ist ber Schrift­steller unb frühere Rebakteur Franz Treller gestorben. Er war Dramatiker, halte zahlreiche Erzählungen veröffentlicht, bie sich einen Kreis von Freunden erwarben, und sich namentlich als Leiter ver­schiedener Volksbühnen verdienstlich gemacht. Er starb als Fünf- undjechziger. Der Großherzog von Baden hat den Wieder­aufbau des Heidelberger Schlosses endgültig ge­nehmig t. Tie Bausorderung wirb von bem nächsten kommenden Landtag vorgelegt werden. An Stelle des verstorbcnen Professor Peter Jansen wurde ber Professor Fritz Rüber zum Direktor ber Düsseldorfer Kunstakademie ernannt

letzten Freitag beschlossen wurde, völlig in den Maßen des alten Talers gehalten sein. Sie werden aber das Bild Kaiser Wilhelms II. und die AufschriftDrei Mark" tragen.

Urlaub und Urlaub. TerVorwärts" verösfent- licht die nachstehende Zuschrift:Wie leicht man in preu­ßischen Landen einem Festungsgefangenen Urlaub gibt, falls er nicht, wie Dr. Lie b kn e ch t, sozialdemokratischer Land­tagsabgeordneter ist, mag Ihnen die vor einiger Zeit von Wiesbadener Blättern berichtete Tatsache beweisen, oaß der Wiesbadener HofschanspielerLeffler, welcher wegen D u e l l s a ch e n auf Ehrenbreitstein seine Strafe verbüßte, Urlaub erhielt, um im Wiesbadener .Hoftheater auf- z u tr eten."

Ausland.

Londoner Frauenrechtlerinnen machen Dumm­heiten über Dummheiten. Eine Anzahl von ihnen zog, nachdcnr ter Minister Asquith eine Audienz abge- lehnt hatte, vor dessen Amtswohnung und warf ihm die Fenster ein. Zwei. wurden verhaftet. As­

quith fuhr später in einer Auwdroschke vom Parlament nach Hause. Die Reste der auseinandergettiebencn Äcengc begleitete ihn mit Pseisen unb Katzenmusik, ebenso den Minister des Innern, Gladswne. Ernste Verletzungen kamen bei dem Krawall nicht vor. Tie beiden verhafteten Frauen wurden vom Polizeigcricht zu 2 k-lonatcn Gefängnis verurteilt. Eine der Beiden räumte ein, daß sie gesagt habe:Tas nächst em al werden Bomben g es ch m i i s e n!" 20 Frauen erhielten Geldstrafen von 10 bis 50 Pfund mit wahlweiser Gefängnisstrafe von 1 bis 3 Monaten. Die meisten werben angeblich freiwillig ins Gefängnis gehen.

Der englische Kri e g s m in i fte r hat in Aussicht ge­stellt, daß 315 000 sog. territoriale Wehrmanner, die an Stelle der früheren Freiwilligen ins Heer eintreten, sich aiimcrucn lassen würden. In Wirklichkeit haben sich aber nur 170 000 gestellt. Aus London stellten jich 14 000 weniger als der Kricgs- minister erwartet hatte.

Ter, österreichische Kaiser hat eine neue ehrenrätliche Vorschrift für Offiziere sanktioniert. Man hofft dadurch eine grvße^ Anzahl von Duellen zu vermeiden.

Von: österreichischen Abgeordneten hause wurde der Dringlichkeitsantrag, betreffend die Vorgänge an der Grazer und an der Jnnsbruckcr Universität avgelehnt. Abg. Malik zeigte eine Ansichtskarte, die den Zug der Bauern vor die Grazer Universität darstellt, um zu beweisen, daß viele Bauern mit Stöcken bewaffnet gewesen sind. (Großer anhaltend.r Lärm.) Weiter wurde über die Triiiglichkeitsanträge bett, d-as Vorgehen der Gendarmerie gegen rutherrische Bauern in Galizien verhandelt. Landesverteidigungsminister Georgi versicherte, daß, die Untcrfuchung gewissenhaft durchgeführt und die Schuldigen strengstens bestraft lvürden. Der Minister mürbe vom Abg. Wi- tuk wiederholt durch den Zwischenrufdas ist nicht wahr, allcS erdichtet, ein Dichter i m Waffen rock", unterbrochen. Der Minister:Glauben Sie, ich habe Quark in den Adern? Ich lasse mir das absolut nicht bieten." Abg. Witky:Ich werde vor Ihren Geberden auch nicht erschrecken." T>er Präsident rief Wittn zweimal zur Ordnung

DerVerbandpolnijcherJonrnali ft en in Oe st er­reich verständigte den Verein tschechischer Journalisten, daß er Den internationalen Pressekongreß in Berlin nicht be­schicken werde, weil von Berlin aus die polenfeind­liche Aktion geleitet werde. Der tschechische Journalisten- verein beschloß, den Kongreß ebenfalls nicht zu beschicken.

Tie mit d^r s p a n i s ch e n S t r a f r c f o r m beauftragte Konu- Mission hat, obwohl der Kriegsminister erklärte, er be­stehe auf Abschaffung der Todesstrafe, die einschlä­gigen Artikel des Strafgesetzbuches in neue umzuwandeln beschlossen und zwar so, daß das Todesurteil bei Begnadigung durch lebens­längliche Zuchthausstrafe ersetzt werden kann. Dasselbe soll auch der Fall sein, wenn mildernde Umstände bei Verbrechen, welche Todesstrafen nach sich ziehen, zngebilligl werden.

vom persischen Ltaatrstreich.

Der russische Kosakenoberft Liakofs, der, Wae wir meldeten, durch Erlaß des Schahs zum Stadtgou­verneur von Teheran ernannt wurde und den Be­lagerungszustand über Teheran verhängt hat, erließ eine Bekanntmachung, nach der bei strenger ^trase das Waffen- tragen und Schießen verboten ist. Aus die Belästigung von Militärpersonen werden die schwersten Strafen gesetzt. Die^ .Tätigkeit dieses alleinigen Herrschers der otabt erstreckt sich sogar auf Erlaß von Bestimmungen über die Straßenreinigung, Verkauf von Brot und Fleisch usw. Seine Verfügungen erregen großen Unwillen unter der Bevölke­rung. Gerüchtweise verlautet, daß eine Verstärkung der Kosakenbrigade um 25000 Mann geplant sei. Die Mittel dazu soll eine Tee- und Zuckerstcuer aufbringen. Rußland hat zu der Erhebung dieser Steuer für den ge­nannten Zweck bezeichnender Weise seine Zustimmung ge­geben.

Der Schah hat den Prinzen Silli es Sultan, seinen Hauptgegner, von seinem Posten als Gouverneur von Schiras, den dieser erst vor wenigen Monaten angctrctcn hat, abgesetzt. Geldmittel fließen dem Schah nach Bedarf zu. Der Chef der Telegraphenverwaltung hat ihm 50 000 Tomans ausgezahlt und vom Zollamt hat der Schah 10 000 £oman3 ohne Vermittlung des Finanzministers abgehoben. Mehrere dem Schah oppositionell gesinnte Stadtbezirke haben sich ergeben. Nach einigem Widerstande ist (russische?) Reiterei in die Stadt eingezogen.

Da Silli es Sultan zögert, aktiv gegen den Schah auf­zutreten, so sind seine nach Teheran geschickten Truppen unterwegs auseinandergelausen, nachdem fic zahlreiche Plünderungen verübt hatten.

L<rut Nachrichten aus Baku kam es gestern in Täbris zu großen Unruhen und blutigen Zusammen- t ö tz e n, bei denen auf beiden Seiten 30 P e r s o n e n g e * allen sind. Unter den Russen brach eine Panik aus. Man befürchtet die Ausraubung der russischen Bnnk. Der russ. Konsul hat in Begleitung von Kosaken das Lager der Revo­lutionäre ausgesucht und sie gebeten, die Feindseligkeiten cui- zustellen. Tw Bevölkerung von Täbris errichtet Barri­kaden auf den Straßen, hat sich aber zum größeren Teil jetzt dem Schah ergeben.