Nr. 27
Zweites Blatt
158. Jahrgang
Samstag 1. Februar 1908
Erichen« täglich mit Ausnahme beS Sonntags,
Dn .«tetzenei ^amtliendlaNer- werden dem „Bfueiaer* ntermal roödienlhd) beigelegt, das „fcrmMatt für den Krcts Giehen" zweimal WSche'.llich. Die „Landwirtschaftlichen Seit- freute** erscheinen monatlich zweimal.
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Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Unwerüräts - Buch- und Stemdruckereu R. Lange, Gießen.
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Redaktwn:s-^I12. Tel.-AdruAnzeigerGleßen.
ehesten nachzukommcn ücrmugen, werden nicht lange in kleinen Verhältnissen begraben sein wollen. Herr Beseler und seine Kvmm.siare verhielten sich all diesen Wünschen gegenüber reichlich entgegenkommend; hoffentlich ent- Iprechen ihre Taten ihren Worten. Sonst galt — wenn man von einer verständigen Anregung des konservativen Baumeisters Fehlisch abfiehü der Männer mit langjähriger Laupraxis an Stelle der Theoretiker als Sachverständige bei Gerichtsverhandlungen über Bauunsälle verlangte — sonst galt die Debatte lediglich lokalen Wünschen, meistens Neubauten und (Erweiterungsbauten für die Gerichte. Dann
LltjttMitNgsdUö aus vem Reichstage.
Berlin, 31. Januar.
Hätte nicht die blonde Hünengestalt des Admirals v. Tirpitz und die anderen Marineuniformen auf der Estrade des Bundesrats daran erinnert, daß noch immer der Marineetat zur Beratung [taub, so hätte man sicher geglaubt, sich mitten in dec sozialpolitischen Aussprache beim Etat des Reichsamts des Innern zu befinden. Un- witlrürlich suchte das Auge des langjährigen Tribünen- stammgasteS nach dem Grasen im Barte, den Grafen Posa- dowskh, den man sich bei solchen Debatten noch immer nicht durch einen Nachfolger ersetzt denken kaum Aber es war nicht das Ressort des Herrn v. Dethmann-Holl- weg, bei dem man sich über Wertzuwachssteuer, Tarifverträge, Arbeiterausschüsse, christliche und Hirsch-Duncker- sche Gewerrvereine und das Verhältnis der Sozialdemokratie zu den freien Gewerkschaften unterhielt. Diese Aussprachc zeigte so recht deutlich den großen Umfang des Arbeits- und Berwaltungsgebiets der Marine- und übrigens auch der Heeresverwaltung, das weit hinausreicht über die unmittelbare Fürsorge für die Landesverteidigung und Kriegsbereitschaft und das Wohlergehen aller Glieder unserer Wehrkraft zu Wasser und zu Lande.
Eine Resolution der Vudgetkommission gab Anlaß zu dieser Debatte, die in neuer und verstärkter Auflage ja in den nächsten Wochen an der richtigeren Stelle sicher wiederkehren wird. Die Marineverwaltung wird ersucht, bei der Vergebung von Lieferungsverträgen sich an Firmen zu wenden, die sich Tarifverträgen unterwerfen, und bei der Einrichtung der Arbeitsverhältnisse in den eigenen Werftbetrieben die Arbeiterausschüsse hinzuziehen. Die Sozialdemokraten und mit ihnen die Vertreter der christlichen Gewerkschaften verlangen statt dessen die Verhandlung mit den Arbeiterorganisationem Keine Meinungsverschiedenheit besteht im Grundsatz über den Segen der Tarifverträge. Nur äußern mit den Konservativen auch die Nationalliberalen zu einem erheblichen Teil Bedenken dagegen, in die sich allmählich vollziehende Entwicklung von Staats- oder Reichswegen einzugreifem
Diese aus der großindustriellen Praxis entnommenen Bedenken vertrat mit Herrn v. Richthofen Dr. S e m l e r, der sich vor kurzem einer Halsoperation hat unterziehen müssen und infolgedessen mit kaum verständlicher Stimme sprach. Im Auftrage der freisinnigen Fraktionsgemeinschaft erhob demgegenüber Dr. P ach nicke die Forderung, daß in erster Linie die öffentlichen Verwaltungen als Musterbetriebe voranzugehen und die Privatindustrie zur Nachfolge zu veranlassen habe. Denn Tarifgemeinschaften bedeuten den Weg zum sozialen Frieden. Diese Betonung des hohen Wertes tariflicher Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitern, die die Anerkennung der Arbeiterorganisation vcm vornherein in sich begreift, war schon geeignet, die Sozialdemokraten ins Unrecht zu setzen, die in Reden und Zwischenrufen den Vertretern des Freisinns eine unfreundliche Gesinnung gegen die Arbeiterbewegung zu unterstellen versuchten. Es war erklärlich, daß ihre Angriffe sich in erster Linie gegen Dr. Mugdan richteten. Auch heute verstand er es wirkungsvoll, den Gegensatz zwischen der Vertretung wahrer Arbeiterinteressen und ihrer Identifizierung mit sozialdemokratischer Parteipolitik aufzuzeigen und die Gefahr zu beleuchten, die in der Verquickung von Gewerkschafts- wird Parteifragen liegt. Das ungezogene Verhalten der Herren auf der äußersten Linken ließ die schwache Position erkennen, in der sie sich Dr. Mugdan gegenüber auch heute befanden.
Eine kurze Erörterung der Frage, ob Schwimmdocks oder Trockendocks den Vorzug verdienen, sowie die Erklärung des Herrn v. Tirpitz, daß zu einer Beunruhigung über eine Gefährdung der Insel Helgoland durch die neu erstehenden Festungswerke nicht der geringste Anlaß vorliege, verhalf dem eigentlichen Amtsgcbiet des Marinc- ministers auch heute zu seinem Recht. Noch in später Stunde löste dann der Präsident des Reichseisenbahnamts die Herren von der Marine ab, und morgen wird man sich über Fragen des Eisenbahnverkehrs weiter unterhaltem ÄiiAiNÄksrbild aus dem preuh. AbgeordnetenhaM.
Berlin, 31. Januar.
Die ' schalkhafte Drohung des jovialen Herrn von Kroecher mit den gefürchteten Abendsitzungen hat gefruchtet. Obwohl noch ein paar Dutzend Redner allerlei Wünsche und . Beschwerden auf dem Herzen und im Munde hatten, und obwohl auch die Justizverwaltung leine Trappisten- schweigscrmkeit an den Tag legte, war der umfangreiche Rest des Justizetats doch schon in wenigen Stunden abgehaspelt, und noch mehr: neben dem Etat derRechts- ps lege wurde auch ein erheblicher Teil des Haushaltsplanes der Handels-und Gewerbe-Verwaltung noch am Freitag in zweiter Lesung unter Dach uno Fach gebracht. Keine üble Leistung, zumal wenn man bedenkt, daß ieder Redner ungehindert zu Worte kam. Von den Wünschen, die beim Justizetat laut wurden, waren sreilich auch nur wenige allgemeiner Natur und rechtfertigten eine ausgiebigere Debatte. So das wohlbcgründete Verlangeii des Zentrumsredners Dr. kahlem, der eine Verminoerung der Anklagen wegen Beam- tenbelcidigung und größeren Schutz des Publikums gegen ungerecht ertigte Verhaftungen. So auch eine Forderung des konservativen Abg. Boehmer, die Amtsrichter sollten länger in den kleinen Städten dienstlich tätig sein und nicht so häufig den Wohnort wechseln. Allerdings schernts uns zweifelhaft, ob die Amtsrichter mit diesem Wunsche sehr einverstanden sein werden: gerade die Tüchtigsten unter ihnen, die der vom. Abg. Boeymer vortrefflich dargelegten sozialen Aufgabe des Amtsrichterstandes am
wuroe der Etat genehmigt, und um die Abendsitzung zu vermeiden, machte sich oaS Haus spornstreichs an den HandelSetat. Auch hier bewegte sich die Erörterung im engen Rahmen, und das Hauptstück der Debatte war eine Reoe des Handelsministers, der jeuie Anschauungen über ja» Fach- und Fortbilonngsschulwesen darieme. Moderne Anschauungen, die der Minister so geschickt dem Hause zu insinuieren mußte, daß aua) die Herren von der Rechten, gegen die er sich wandte, ihm zum Schluß ihren Beifall nickst versagten. Fünf Uyr wars mituerweile geworden, und als die Einnal-men de» Etats glücklich in den Hasen der Bewilligung hineinbugsiert waren, machte das nicht gerade imponierend besetzte Haus für diesmal Schluß. Am Samstag geht die Debatte weiter, und politische Zeichendeuter wollen wissen, Herr Delbrück werde, lvenn er Samstag abend sich schlafen legt, seinen Etat bereits six und fertig bewilligt in der Tasche haben.
politifcbe Lages߫Harr.
2.er Daul des nahers.
Der „Reichsanzeiger" meldet: Der Kaiser richtete an den Reichskanzler einen Erlaß zur öffentlichen Bekanntgabe, worin er für die zahlreichen Glückwunschtelegramme zu seinem Geburtstage dankt. In dem Erlaß heißt es Dann: In hcrzerhebender Weise ist dadurch mein Ehrentag verschönt, meine Festesfreude erhöht worden. Im verflossenen Lebensjahr sind mir neben manchen freudigen Ereignissen auch schmerzliche Erfahrungen nicht erspart worden. Auch bin ich durch den Heimgang mehrerer meinem Herzen besonders nahestehender Persönlichkeiten, wie meines unvergeßlichen Oheims, meines treuen Erziehers und Freundes in tiefe Trauer versetzt worden. Ich preise aber des Allmächtigen Güte, daß es wieder ein Jahr des Friedens gewesen ist, und vertraue zuversichtlich, daß Gott der Herr auch fernerhin seine schützende Hand über das deutsche Volk halten, es auf friedlicher Bahn weiterführen wird zum Segen der Gesamtheit wie jedes Einzelnen.
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Eine Maßregelung Ehrhards.
Der katholische Theologie Professor Ehr- hard in Straßburg veröffentlicht in der „Köln. Vztg." eine Erklärung. Er bedauert darin, daß feine Ausführungen in der „Internationalen Wochenschrift" zu Schlußfolgerungen veranlaßt hätten, zu denen er sich nicht bekenne. Besonders schmerzlich empfinde er es, daß eine Verletzung der Pietät gegen den Pap st darin erblickt wurde. Ehrhard weist die dogmatischen Irrtümer des Modernismus zurück, er st ehe durchaus auf dem Boden des katholischen Dogmas und der Anerkennung der kirchlichen Autorität. Er sei gewillt, unter allen Umständen ein treuer Sohn der katholischen Kirche zu bleiben. — Trotz dieser Erklärung ist aber jetzt die Maßregelung Ehrhards nicht ausgeblieben. Wie dem „Bayer. Kurier" aus Rom telegraphiert wird, wurde dem Professor Ehrhard-Straßburg wegen sein erKritik an der Enzyklika vorerst der Prälatentitel entzogen.______
Aartainetttarisehe».
Der Postetat in der Kommission.
Die Budgelkonnmssion des Reichstages setzte am 31. Januar die Beratung des Re i chs p o st e ta ts fort. Das Hauptinteresse beanspruchte die Diskussion über die Vereinsfrage der Beamten. Während fast alle Abgeordnete sich für die Zulassung von Vereinen aussprachen, und auch dafür, daß diese nach Innehaltung des Jnstanzweges allgemeine Wünsche in Petitionen zu äußern berechtigt sein sollten, konnte der Staatssekretär Kraetke diesen Folgerungen nicht zustimmen. Er sei niemals einem Verein unfreundlich gegenübergetreten; er dulde aber auch niemals Ungezogenheiten. Wo nichts gegen sie einzuwenden sei, erireuten die Vereine sich der Sympathie der Behörden. v?coeber (Ztr.) legte bann einen Antrag vor, demzufolge dem Zusammenschluß von Beamten und ganzen Kategorien die jederzeitige Einreichung von Gesuchen gestattet sein solle, wie es ähnlich jetzt in Württemberg sicher gestellt sei. Die Abstimmung über den Antrag Groeber wurde vertagt, damit die Fraktionen Stellung dazu nehmen können. Heber den Antrag Erzberger und Genossen, im Interesse der Beamten den Sck)alterschluß für die Paketannahme an den Vorabenden schon auf 5 Uhr nachmittags festzusetzen, erfolgte keine Einigung. Der Staatssekretär erkannte die Notwendigkeit einer Entlastung der Beamten an, hielt aber mit Rücksicht auf unsere Handelskonlurrenz diese Einschränkung nicht für angängig. Die Abstimmung wurde ausgesetzt.
Staatssekretär Kraetke erllärte u. a., eine Aende- rung der Telephongcbühren könne nur durch ein Gesetz erfolgen, dec Reichstag würde sich also mrt der Fragezubeschäftigenhaben.
Die Biene als Haustier.
Berlin, 31. Jan. In Der Riucysiagskommission für die Novelle zum Viehseuchengesetz stellte die Regierung in Aussicht, dem Anträge, bie dienen unter die Haustiere zu rechnen, zu entsprechen und dies durch ein Spezialgesez zu regeln. Hierdurch soll der den Imkern durch Fanlbrnt der Bienen erwachsende Schaden bekämpft werden.
Aus Stcrds und CanS.
Gießen, 1. Febr. 1908.
Gießen ein hessisches Hildesheim.
In der neue (teil 9tuiunier Der „Denkmalspflege" wird unter Beifügung hübscher Abbildungen berichtet, daß sich Die Hausbesitzer des alten reizvollen Städtchens Go slar mehr und mehr entschließen, die noch vielfach durch eine Uebertünchung verhüliien Reize ihrer allen Fachwerk-Fassaden wieder auj^rste^en zu lassen, indem sie einen berechtigten Stolz darin suchen, die echte Heimatkunst, einst der Ausdruck einer kräftigen, wvhlyaoenDen Bürgerschaft, wieder $ur Schau zu tragen, nachdem sich eine schwächliche Zeit lange scheinbar ihrer geschämt hatte.
Wer dächte da nicht auch an Gießen mit seinen vielen noch verhüllten Reizen; was könnte aus der Altstadt werden, wenn man dem in Goslar und anderen Orten, aber auch bei uns schon gemachten Anfänge srölstich weiter folgen wollte!
Wohl werden nicht alle Fachwerkhäuser so reiche Ausbildung, wie die bis jetzt in unserer Stadt renoüierten, zeigen, aber dies ist auch nicht nötig, denn gerade in der Zusammenwirkung von einfachen und reichen Ausbildungen entsteht ein echtes Straßenbild.
Es muß noch auf eines hin gewiesen werden: Mancher könnte glauben, daß eine fmgelegte Fassade unsolider sei, als eine überschmierte. Bei einem Neubau hat man allerdings oft seine liebe Not mit Instandhaltung von Fachwerkswänden, weil das Holz noch lange arbeitet und oft Die Putzfelder der Gesuche losdruckt, lieber das Holz Der alten Fassaden ober ist langst Die Ruhe des Alters gekommen; es wird sich seinem Erretter aus langer Verborgenheit durch tadelloses Betragen dankbar erweisen.
Möchte jeder glückliche Bescher eines solchen Altertums sein Teil dazu beitragen, Gießen, wie Prof. Walbe kürzlich in seinem Vortrage hier prophezeite, zu einem hessischen Hildesheim umzuwandeln. B.
** Ordensverleihung. S. K. H. der Groß- herzog haben dem Ortsgerichtsvorfteher und Standesbeamten Peter Ripp er in Kiriy-Beersurth das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für langjährige treue Dienste" verliehen.
** Lehrerpersonalien. Bestätigt wurde der von dem Grafen zu Erbach-Erbach auf die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Erzbach präsenllerte Schulamtsaspirant Julius H o t t e s aus Dolgesheim. Erledigt ist die mit einem evaug. Lehrer zu besetzende erste Lehrerstelle an der Ge- meindeschule zu A l s f e 1 d. Dem Stadtvorstand zu Alsfeld steht das Präsentationsrecht zu. Ihrem Inhaber können Die Funktionen eines Hauptlehrers an der Schule übertragen werden.
** Der Prozentsatz der Militärtauglichen auf dem Lande gegenüber dem der Städte ist nicht mehr so groß wie früher; er ist auf dem Lande vielfach Oeringer geworden. Der Grund liegt in einer unzweifelhaft vorhandenen Unterernährung auf dem Lande. Die Urfache der letzteren liegt aber nicht in der Fleifch- oerteuerung oder der Verteuerung überhaupt, sie wird vielmehr • in der Ueberhandnähme der Molkereien auf dem Lande gefunden — und das ganz mit Recht. Wer der Ernährungsfrage auf dem Lande seine Aufmerksamkeit schenkt, der wird bald bemerken, wie der Landwirt meist seine ganze Milch der Molkerei zuführt. Dadurch fehlen im Haus der Landleute Butter, Käse, Dickmilch, ja Milch überhaupt. Wa§ der Landmann an Butter aus der Molkerei zurückkauft, ist kaum nennenswert. Die Milch und die aus ihr gewonnenen Produkte bildeten in der Zeit vor den Mollereien die hauptsächlichsten Ernährungsfaktoren im Bauernhause. Allerdings kommt durch bie Molkereien mehr Geld ins Haus, es ist aber ein zweifelhafter Gewinn, wenn die Ernährung dauernd leidet.
** Aus dem Edertal, 20. Jan. Da, wo sich der Ederfluß am Fuße des 500 Meter hohen Eisenbergs in mannigfachen Windungen durch das Tal schlängelt, hatten sich in den letzten Tagen die Eismassen gestaut und die Folge ivac eine große Ueberschwemmung. Gestern trafen Pioniere aus Münden ein, welche das EiS sprengen und den Fluten Abzug vecfchast'en.
Nierstein, 29. Jan. Ein t r a g i scher F a l l fand gestern im Zellengefäng n iS zu Butzbach seinen Abschluß. Man schreibt dem „Mainz. Journ.": Ter Metzgermeister Jakob Engel holte Der zwei Jahren auf dem Schuslerwörth mit seinem Gesellen G. Brochit, einem Menschen von 18 Jahren, ein Rind. Infolge des Hochwa,s.rs war Der Transport des Tieres sehr erschwert und man wählte zum Ueberschreiten deS Altrheines einen Damm, der aber mehrere Zentinieter überschavemmt war. Der junge Brecm hatte das Rind nach MeiMrbrauch an einem Strick befestigt und diesen um seine Hand geschlungen. Er riet seinem Meister mit dem Nachen nebenher zu fahren, er wolle das Rind selbst führen. Kaum hatte jedoch das Tier den Tamm betreten, als cs wurde und durchging, den Bvcchl in bie Fluten mit sich ziehend. Das Rind schwamm an das jenseitige Ufer und Brecht war in den Wellen verschwunden, ohne luicbcr an die Oberfläche zu kommen. Sofort vorgenommene Absuchungen mären vergeblich und erst spater wurde der Bedauernswerte a.s Leick-e gelandet. Seine Mutter erhob Klage gegen Engel wegen Schaoeiiersatz und ba Engel in der Uns al. Versicherung ist, berief er sich auf diese und rourbe fteigesprochen. Durch bie Verhandlung würbe bie Staatsanwaltschalt aus ben Fall ausmerksam und erhob Klage gegen Engel wegen fahrlässiger Tötung. Die Leachc tarn Dvr der Strafkammer zur Verhandlung und Engel lunrbe zu 2 ^Nonaten Gefängnis verurteilt. Gegen dieses Urteil wurde Berufung eingelegt und das Reichsgericht cntidjicb in gleichem! Sinne wie die Strafkammer Darmsu.dt. Durch ein Gnadengesuch an den Großl)erzvg wurde unn Erlaß dcr Strafe gebeten. In einem zweiten Gnadengesuch an den Gr -ßherzog wurde um Umwandlung ber Gesängn.sstrafe in Gelchiraie gebeten, doch beide Gesuck>e blieben erfolglos. Ein drittes Gnadengesuch, bas vor 14 Tagen eingercidji würbe, um einen teüiveisen Erlaß der Strafe zu cneidyen, liegt anscheinend noch in der Kanzlei des Iustizministcrs. In den Gesud^n wurde auf den körperlichen und feeüfdjcn Zustand des Engel hingewiefen, doch der bittere Buchstabe bes Gesetzes riß ihn ins Gesängnis. tocin Appetit l'eß nach, Speise und Trank, die er zu sich nahm, gingen wieder


