Ausgabe 
11.8.1908 Erstes Blatt
 
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Ein Vrettlstar.

Im D-Zug Berlin -MagdeburgMln wars. Ich mußte diese Strecke wählen, weil ich in Halberstadt bet guten ö-rcunbcn den Vormittag verbringen, und dann für cm Parker Blatt dem Rhcinlmid einen Studienbesuch machen wollte, ttls ausgemachter Egoist, freute ich mich, ganz allein in dem mollig durchwärmten .Q-iipce sitzen zu können: aber sclwn in Magdeburg ^^ memr Freud- durchkreuzt. Auf dem Bahnsteig wurde lebhaft Abschied genommen; der jungen Dame, der diese Ovationen oftettbar galten, drückte ein angejahrter Herr einen mächtigen -trau6 tn die Hand, und schon nach zwei Minuten waren Dame und. Strauß mn gegenüber, und dicht daneben bemühte ftch das Geselllchastsfraulem, Hutschachteln, Plaids, Schirm- und viele andere Reisereamsiten in die Netze zu legen. Sh-rlock Holmes ist an mir nicht spurws vorüber gegangen; seine Metho^.', aus toten Abgenst'-"^ ratter und Beschäftigung der Menichen zu rekogni^ie^.n, habe ich mir längst mit glücklichem Gelingen zu eigen gemacht. Und ich folgerte: Schminke; wenn auch das ladylike aus icder Hand- bewegung, aus jedem feinen Lächeln herausleuchtet, das mancher Frage der Ztnmmeriungser die Lippen: umipiett..^A""nre. Oder ich will mich mit meiner ganieit'))icni^ntcnntniä begr^m laiicn. In aller Sülle kombiniere ich weiter: Heute ist Ultimo, aber nicht Saisonschluß; folglich sitzt mir ein ^°n^e^er2t über- und aus dem Magdeburger Bahnhof sah ich das Plakat L ^Niicftnl-tt-rnM i z i ® i»i". und nun -rE» ch mich, daß ich der Künstlerin m Bresrnu, Dresden, Wien, et darf begegnet bin, für» überall da, wo man der Brettlmule hochragende Paläste erbaut hat.

Im engen Kupee ist der Kontakt mit Memchcn, die unier Interesse wecken, viel schneller gesundei^alsim Lalon '^^ucn taufend Formen und ftvnvcincnzcn. ^ch danke juiaii, oei mir diese Bekanntschaft in den Weg f^, nnll ^er, bevor rch *"«"5?! sie, mit immer neuem Repertoire, m den verschiedenen utaoten jag.

irfiiicf-e fialb die Augen und seh- vor mir, im grellen Rampenlicht, eine sckmiiegjaine, zart gezeichnete Gestalt mUweichem hmnwnischen Linien. Der Vortrag so SE andrns, a s wir cs

L.-.L .Uni eicfi sprechen, beim ersten Erblicken laszmiert. Mitzi

Stieben W d) nicht bet individueller Wirkung aus. Es beachnt da ivo die Meisten aufhören. Sucht und erreicht es, die Neinkunst £>e» »rettIS »u atofecn Austzaben ausznbauen. StuS

Die Begegnung zwischen Keifer Wilhelm und König Eduard.

Itn Schlosse Friedrichshos hat unser Kaiser heute be­kanntlich eine Zusammenkunft mit dem König von Eng­land, der man große politische Bedeutung beimißt. König Eduard reist diesmal nrcht wie sonst incognito und in seinem Gefolge befinden sich: der ständige Unterstaatssekretär im Auswärtigen Amt Sir C. Hardinge, Generalmajor Sir Stanley de A Clarke und Major G. Ponsonbi). Auch der britische Botschafter in Berlin, Sir Frank Lascelles, ist bei der Monarchenbegegnung anwesend.

Bemerkenswert ist der Begrüßungsartikel, den die Nordd. Allg. Ztg." veröffentlicht hat. Es heißt dort:Im Schloß Friedrichshof, dem Lieblingsaufenthalt der ver­ewigten Kaiserin Friedrich, werden am 11. August Se. Ma­jestät der Kaiser und Se. Majestät der König von England verweilen. Die Zusammenkunft wird beiden Monarchen eine gleich erwünschte Gelegenheit für eine freund­schaftliche Aussprache bieten. Ein ungetrübtes Ver­hältnis unter den Oberhäuptern zweier so mächtiger Reiche, wie Deutschland und Großbritannien, wird auch von ihren Völkern gewünscht, die tro£ aller Hetzversuche ihre Auf­gaben für die Weltkultur in Frieden und Eintracht nebeneinander erfüllen wollen. Wir entbieten Sr. Maejstät dem König Eduard auf deutschem Boden ehr­erbietigen Mllkomm und wünschen ihm angenehme Ein­drücke.

Auch derGaulois" und andere Pariser Morgenblätter beschäftigen sich mit der Zusammenkunft Kaiser Wilbelms mit König Eduard.Gaulois" glaubt, daß zum mindesten auf einem Gebiet eine Verständigung möglich sei. Für den europäischen Frieden wäre schon viel gewonnen, wenn Deutschland und England über ihre Stellungnahme zu den auf der Balkanhalbinsel noch erwarteten Veränderungen sich verständigen. Anderiveit wird hervorgehoben, daß auch bezüglich Persiens Vereinbarungen möglich wären, die in Cronberg angebahnt werden könnten.

König Eduard war gestern nachmittag um 4 Uhr von London abgereist. Der Prinz von Wales, der deutsche und der österreichisch-ungarische Botschafter, sowie Admiral John Fisher waren bei der Abreise auf dem Bahnhof zur Verab­schiedung erschienen. Die Ankunft in Cronberg war für heute früh 8 Uhr 50 Min. festgesetzt, die Abreise für 11 Uhr abends. Eine Stunde später wird auch Kaiser Wilhelm abreisen.

Gestern nachmittag um 3>4 Uhr besuchte der Kaiser die Saalburg und besichtigte dort unter Führung des Geheimen Baurats Jacobi das Museum im Horreum, sowie im Atrium zwei Modelle von Büsten Kaiser Friedrichs und Kaiser Wilhelms II. Ferner nahm er den neuangelegtcn Wall an der Wehrheimer Seite der Saalburg in Augen­schein. Um 1 Uhr 45 Min. fuhr er nach Homburg zur Besichtigung der Erlöserkirche.

Vor der Fahrt nach der Saalburg hatte der Kaiser Falkenstein einen Besuch abgestattet und die im Rohbau fertig gewordenen Gebäude des Offiziersgenesungsheims be­sichtigt. GK-gen öi/o Uhr fuhr der Kaiser zum Bahnhofe und begab sich nach kurzer Besichtigung nach der.Villa des Regierungspräsidenten Dr. v. Meister, um daselbst den Tee einzunehmen.

Deutsches Uerch.

Ein unbestätigtes Gerücht. In Siofok (Ungarn/ ist an die Badedirektion ein aus Potsdam datiertes Telegramm etngelaufen, worin für die Zeit der großen Manöver für Kaiser Wilhelm ein ganzes Hotel und eine Villa verlangt wurde. Ta die großen Herbstmanöver in der Gegend von Siofok stattfinden, hat das Telegramm Glauben gesunden. An a m t l i ch e r S t e l l e ist indessen nichts bekannt, und man glaubt dort, daß sich jemand einen schlechten Scherz geleistet hat.

Die deutsche Kronprinzessin traf gestern nachmittag 1 Uhr in Lindau, von Hopfreben kommend, ein und setzte um 2.20 Uhr die Fahrt über Augsburg und Nürnberg nad) Oberau bei Staffelstein zum Besuche des Freiherrn von Düngern fort.

Der Nachfolger des Herrn v. Lueanus. Der Staatsanzeiger" meldet: Regierungspräsident v. Valentini

wurde zum Geheimen Kabinettsrat ernannt. Ihm wurde die Leitung des Geheimen Zivükabinetts übertragen.

Reorganisation der allgemeinen Landesver- waltung. Tie von den Ressortministern als Grundlage für die Vorarbeiten zu einem Entwürfe betreffend eine Reorgani - aticn der allgemeinen Landesverwaltung von den Provinzial' und Lokalbehörden cingeforbcrten Berichte liegen, wie dieN. Z." hört, jetzt bei den Zentralinstanzen vor, so daß die Verhandlungen von Ressort zu Report regen Fortgang nehmen können. _.

D i e nationalliberale Partei -siegen-Witt- genstein-Biedenkopf flefltc, da bei der Krankheit Stöckers die Niederlegung seines Mandats zu erwarten sei, den Bcrg- Ijauptmann a. D. V 0 g e l in B 0 n n als Reichstagskandidaten auf.

Eine russische Fi n a n z a kt i 0 n. Sonntag abend 11 Uhr ist der Präsident des russischen Reichsrats, Graf Witte, von Petersburg kommend, in Berlin eingetrofsen und im Hotel Kaiserhof abgestiegen. Offiziell verlautete, Graf Witte sei in feiner politischen Mission, sondern lediglich zu seiner Erholung auf die Reise gegangen. Aber die Tatsache, daß er schon gestern früh um 11 Uhr zu einer Konferenz mit dem Seniorches der Firma Mendelssohn, Geheimrat Mendelssohn-Bartholdh, luhr spricht dafür, daß es sich um eine Finanzaktion handelt.

Die Ebert al sperre. Die Grenzen der Ebertalsperre, die auf den Wasserstand der Fulda und Weser großen Einfluß haben und in Bezug auf die Fulda- und Weserschiffahrt einst von großer Bedeuttutg finb, sind nunmehr endgültig feltgclcgt. Am 15. August wird das seither in Fritzlar befindliche Bauaml der Sperre nach Hemfurth bei Wildungen verlegt. Am 20. Aug. wird bereits mit den Arbeiten, zunächst mit Aussdwchtungeu für die Sperrmauer begonnen. Durch die Edertalsperre werden drei dort gelegene Ortschaften mit 700 Einwohnern verschwinden.

Der Bund vaterländischer A r be i te r ö e r e 1 n e halt am 5. und 6. September zu Waldenburg in Schlesien feine zweite Hauptversammlung ab. Die Erfahrungen deS ersten Ver­einsjahres sollen ausgetauscht, kräftige Maßnahmen zur Aus­breitung dcS Bundes und zur Befestigung seiner Emrichtnugen getroffen werden. Die Tagesordnung ist außerordentlich reidj- haltig. Eingeleitet wird die Zusammenttinft burd> einen Be- grüßungsabend am Freitag den 4. September. Am Sonntag, 6. September, nehmen die Vereinsvertreter an dem Verbands fest der reichstreuen Knappenvereine teil. _ Freunde der Sache sind als Gäste Herzlid) willkommen, insofern sie den Wunsch! zur Teilnahme bis Sonntag, 23. August, bei der Gcfd)ästs- stelle des Bundes, Berlin SW 11, Schöneberger Straße 18, an­melden.

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dem Couplet ein sd>auspielcrisches Kabinettstück, aus dem nüchternsten Prosawort eine Lebenswahrl-eit zu schälen. Daber kommen ihre vielen Talettte Au Hilfe. Eine erstaunliche Wandlungs­fähigkeit im Gharaftcrifiercn, das Beherrschen fast aller Dialekte, und eine Ausdrucksart, die in ihrer Weichheit und Müde sich schnell in die Herzen der Zuhörer schleicht. Ber jedem ^>atz, den sie spricht, sitzt ihr der Schalk im Nacken, sprüht der Humor aus den lustigen Augen. Und wenn sie ernst wird, umschleiert Wehmut ihre Stimme, zwingen Heine Mittel uns zum Traurig­sein. Wir fühlen und erleben, was sie uns von der Bühne ver­kündet. Trotz allem bleibt der Humor ihre Domäne, der Humor in allen seinen Varianten. Sie meifkrt das Lachen in allen Registern, tauscht uns einen Schwips vor, der nur Pommery oder Ro-derer geboren haben können. Ihre große SzeneIm Rausch" wird immer in Erinnerung bleiben. Sektstimmung in allen Phasen; Weinen, Lachen, Flirten, Jubeln und Betrübt- sein, das zieht in buntem Wandel an uns vorüber. Wenn sie das Schleppkleid rafft, mutet jie uns an wie ein Heilemann-Bild imSimplizissimus". Hinter der Grazie kichern Spottlust, Laune und Temperament. Beim Coupletgesang gibt sie unendlich mehr, als der Dickster vorschrieb und ahnte. Volt Pointen aus gering­fügigen Kleinigkeiten und spitzt oft nur angedeutete Scherze zu heitersten Satiren. Jede Finesse aber hat Ursprung in der natür­lichen Begabung der Künstlerin; sie tüselt und grübelt nicht, um einen flüchtigen Erfolg zu erhasd)en, sondern läßt sich in­stinktiv von ihrem Empfinden leiten. Darum fehlt ihr alles Schablonenhafte. Nicht zwei Couplets bringt sie, die einander gleichen. Sie zu hören, ist ein ästhetischer Genuß, well sie der Vortragsttmst einen neuen Weg wies. Gerade ihr Verzicht auf alle derben Mätzchen stellt sie in die erste Reihe der größten Ta­lente, und ihr ausgiebiges Erfassen des Genres, dem sie dient, macht sie zu der umworbenen Diva, die ohne Konkurrenz bleiben wick.

So steht sie vor meinem geistigen Auge, als ich mich schnell entschlossen erhebe und mich in aller Form vorstelle.

Gleich herauf sind wir im anheimelnden Gespräch. Zum erstenmal bekomme ich einen authentischen Einblick in die Ge­heimnisse des Varietees.

Sie müssen nicht glauben," beginnt Mizi Gizi und wird ernsthaft wie ein großer Diplomat,baß uns das Leben mit famtnen Pfötchen anfaßt. Es ist gar schwer, eine höhere sproiw beim Varietee zu erfteigen, und noch schwerer, diese ^pwpe auch auf die Dauer zu verteidigen. Ein einziges Couplet kann tue Gunst beim Publikum erschüttern. Die schlimmsten Sorgen lind die Repertoiresorgen."

Sie haben dock), gnädiges Fräulein, einen starken Rückhalt an unseren besten Schriftstellern, die für die Witzblätter schreiben,"

werfe ich bescheiden ein.Ich denk: nur an Presber, Thoma, Hochstätter, Moszkowski und so roeiter."

Erstens glaube ich nicht, daß die Herren überhaupt für das Varietee schreiben würden, obwohl die Honorarfrage ganz nach dem Belieben der Autoren geregelt werden könnte. Ich bin an Riesenausgaben nach dieser Richtung hin gewöhnt. Ich glaube aber, daß die von Ihnen genannten Herren nicht so ohne weiteres den Ton treffen würden, den das Brettl fordert. Wenn Sie bei mir eine gewisse Eigenart gelten lassen, so bleibt es die Ausgabe des Dichters, sick) dieser Eigenart anzupassen. Ich finge fast ausschließlich Arbeiten von Max Reichardt, der meine Schwachen und Vorzüge, ich möchte sagen: studiert hat. Mit ihm berate ich zunächst den Stoff meiner Novitäten und widme bann meine ganze freie Zeit das ist aber wirklich nicht übertrieben der subtilen Ausarbeitung. Manch: Unebenheit wird ausgefeilt, manche Lücke durch irgend einen neuen Einfall ausgefüllt. Oh, es ist ganz beftinrmt nicht leicht, für mich zu fd/reiben. Ich bin ein unbarmherziger Kritiker und folge nur meinen Intentionen. Wenn ich den Text leidlich beherrsche, denke ick) an die Kompo­sition. Da stehen mir Paul Lincke, Arthur Steinke und Walther Kvlo bilfbereit zur Seite. Lincke ist zu sehr in Anspruch ge­nommen, um alle Neuheiten für mich zu vertonen. Da mußte id) mich nach Talenten umsehen, die den populären Ton treffen können. Ich habe sie gottlob gefunden, und eine 'große Sorge ist mir damit von der Seele." Sie lehnt sich mit einem befreienden Seufzer in die Kissen.

Aber die Erfolge, die künstlerischen wie 'die materiellen» sind doch die schönste Belohnung für alle Anstrengungen, die Ihr Beruf so mit sich bringt."

Aber die richtigen Aufregungen fangen ja erst an, wenn das Repertoire fix und fertig ist," lacht mir die Künstlerin aus vollem Herzen entgegen.Denken Sie denn gar nicht an die Kostüm frage? da givts schlaflose Nächte! Ich lasse in Berlin arbeiten."

In Berlin?" frage ich erstaunt;was ich auf der Bühne von Ihnen sah, hielt ich für pariserischen Ursprung."

Made üt Germany," sagt sie heiter;aber ich will ganz/ ehrlich sein. Der Chef des Ateliers fährt wirklich in meinem ^luftrage nach Paris, um sich dort Anregungen zu holen. Ev ist ein Künstler par ercellence und weiß, was mid) Neidet. Wel­chen Aufwand von Mühe verlangt allein die Zusammenstellung ba Farben. Das sind Rätsel, die nur ein kunstgeübtes Auge lösen kann. Begreifen Sie, welche Kämpfe es kostet, bis wir endlich eine Einigung erzielen? Tenn von dem Vorrecht der Frauen, nervös zu sein, mache ich einen ausgiebigen Gebrauch Ich bin halt ein Opfer meines Berufs."

Aber wenn die Moftümirage erledigt ist"

Dann kommt die Wohnungsfrage an die Reihe. Meine;

Ausland.

Meuterei an Bord eines englisd>en Kriegs- fchiffes. Die Pall Mall Gazette berichtet, daß eine ernste Meuterei an Bord eines englischen Torpedobootes während der gestrigen Manöver in der Nähe von Forth auSgebrochen ist. Tie Meuterer erregt darüber, daß ihnen seit einem Monat keine Erlaubnis an Land zu gehen erteilt worden war und unzu­frieden mit der Kvft, warfen Präzisionsteile sowie daS ^ignalbudji und die Richtvorrichtung der Geschütze über Bord. Es gelang* schließlich, die Meuterer in Eisen zu legen.

Izzet Pascha soll nad) Amerika geflohen lein.

Prügelei im serbischen Parlamente. Zn dcr serbischen Skuptsd)ina haben sich gestern Szenen abgespielt, die selbst in diesem Parlament ihresgleichen nid}t nachzuweisen Ijabcn. Der Altradikale Trajowitsch hatte dem Nationalisten toPorind) eine beleidigende Bemerkung zugeruseu, wofür er von dessen Partei­freunden mit den größten Schmähreden bedacht wurde. Als Drajo- witsch den Abgeordneten Giorgiewitsch gleichfalls beschimpfte, ent­stand ein fürchterlicher Lärm, so daß der Präsident die Sitzuiup suspendieren mußte. Jetzt ging Giorgiewitsch auf Trajowitsch los und versetzte ihm mitten im Skuptschina-Saal eine schallende

Nr. 187 Erstes Blatt 1S8. Jahrgang Dienstag 11. August 1908

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Zum Tee beim Regierungspräsidenten v. Meister waren außer den höchsten Herrschaften mit dem Gefolge geladen: Landrat Dr. Ritter von Marx, erster Bürgermeister Luedke, Stadtverordnetenvorstcher Tr. Ruediger, Geheimer Baurat Professor Jacobi und Kurdirektor Freiherr von Maltzahu. Kurz vor 7 Uhr fuhr der Kaiser mit Begleitung und Ge­folge in Automobilen nach Schloß Friedrichshos.

Zur Abendtafel um 8 Uhr in Schloß Frtedrichshof waren geladen: der kommandierende General des 18. Armee­korps, Exzellenz von Eichhorn mit Gemahlin und Tochter, Regierungspräsident von Meister und Gemahlin, Freifrau von Flotow, Herr und Frau von Grunelius, der groß­britannische Botschafter Sir Francis Lascelles und Colonel Sir Arthur Davidson.

Bei der Auffahrt des Kaisers nach Sckloß Friedrichs- Hos hat eine Frau aus Wiesbaden einen Bries in das Automobil des Kaisers zu werfen versucht. Der Namen der Frau wurde polizeilich sestgestellt.___________

politische Tagesschau.

Die Türkei und die Mächte.

In einem »Anzeichen der Beruhigung in der Türkei* überschriebenen 2lrtikel derKöln. Ztg." heißt es u. a.: Die Leiter des Komitees werden gut tun, nicht zu übersehen, daß der Verzicht Rußlands und Englands auf die Durchführung der Reformaktion in Dkazedonien ganz ausdrücklich als ,einst- welliger^ bezeichnet wird. Mit diesem Vorbehalt wird die Türkei dringend gemahnt, mit vollem Nachdruck an die Regelung ihrer inneren Verhältnisse zu gehen und sich nicht durch die Verfolgung utopistifcher Arbeit abdrängen zu lasten. Gelingt eS dem ottomanischen Komitee, die Ruhe im Banden- krieg, die jetzt eingetreten ist, dauernd aufrecht zu erhalten, so nimmt es dadurch den Mächten die Berechtigung weiterer Ein- Mischung. Man empfindet es im ottomanischen Volk jetzt als eine Erleichterung, daß daS Drängen Europas auf die Re­formen in Mazedonien augenblicklich aufgehört hat. Logischer­weise müßte jetzt daS eifrigste Bestreben darauf gehen, alles zu vermeiden, was ein neues Eingreifen herausbeschwören könnte. Bisher hat die ebenso plötzliche luie tief einschneidende Veränderung sich mit einer solchen Ruhe vollzogen, daß man hoffen darf, auch künftig die ruhigen und verständigen Ele­mente immer mehr die Oberhand gewinnen zu sehen. Auf diese Weise kann das türkische Volk sich selbst am meisten nützen und daS ottomanische Komitee sieht die Wege offen, die zum Heil deS Vaterlandes führen.