Ausgabe 
10.3.1908 Zweites Blatt
 
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e erscchrcue lichliil iciudjt Branchk- orzugt. LchrA nter 1533 an ien Anzeiger erbeten.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straß« 7. Expedition und Verlag: 51.

Redaktion:^^I12. Tel.-Abr^AnzeigerGießerr.

Aus StcrdL uuS

Gießen, 10. März 1908.

* Tageskalender für Dienstag, 10. März. Stadt­theater, abends 8 Uhr: Die Wildente (Gastspiel von Gertrud Eysoldt).

Mittwoch, 11. März, vormittags 8 Uhr Musterung der Militärpflichtigen der Gemeinden Heuchelheim, Klein- Linden, Leihgestern, Lollar und Trohe in der Turnhalle de§ Turnvereins.

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Der militärische Ausgleich in Gesterreich-Ungarn.

ak. Menn nicht alles täuscht, soll dem wirtschaft­lichen Ausgleich zwischen Oesterreich und Ungarn vom Jahre 1907 der militärische vom Jahre 1908 folgen und damit Differenzen zwischen den beiden Reichshälften beilegen, die seit etma 5 Jahren jede Fortentwicklung des österreichisch-' ungarischen Heeres unmöglich machten. Denn, mochten auch der gemeinsame Kriegsminifter und die österreich. Delegation noch so sehr für militärische Reformen eintreten, es mußte alles beim alten bleiben, weil die ungarische Dele­gation, also der ztveite F-aktor bei der Gesetzgebung, in gemeinsamen Angelegenheiten, sich solange der kriegsge- mäßen Ausgestaltung des Heerwesens widersetzte, wie nicht für die ungarischen Regimenter eine Anzahl ungarisch­nationaler Forderungen auf dem Gebiete der Kommando­sprache und der Abzeichen an Uniform und Fahnen bewil-

vollständig roicber hcrgestellt ist. Eine in der kaiserlichen Fabrik von Gab inen hergestellte tönerne Nachbildung eines Mithrcsreliefs würbe im Mithrenm aufgestellt. Ein befonbere5 Interesse wird zurzeit der antiken GesäMforschung enlgegengebracht, teils durch genaues Gtiibiunr der antiken literarisü/en Quellen, teils durch sorgsältige Prüfung der erhaltenen Reste von Geschützen inu> Wurf­geschossen, tote sie besonders in Haltern in Westsaleic zu Tage treten^ Ein Älittelpunkt dieser Forschung soll nun die Saalburg toerben, ton letzthin ein Chalid tonen und ein Onager, nach den Anweisungen Oberstleutnants Schramm in Metz angesertigt, ausgestellt worden» sind. Unter den Geschenken, die in letzter 3cit die Sammluitgen der Saalburg vermehrt haben, sind zwölf goldene Ringe, sieben antike Kaiserbüsten, eitbUd) eine Anzahl römischer Gläser und Ge­säße bemevlensioert. Von bent Verkehr, der jetzt auf der Saalburg, herrscht, gibt bie Besuchsziffer des verflossenen Jahres, 165 161 Personen, ein anschauliches Bild.

- - Eine von dem Erziehungsdepartement des Staates Newyorkj über die B 0 l k s b t b l i 0 t h e k e n i n D ö r i e r n gemachte L^atistiks zeigt, dass von Dörfern mit 10002000 Emwohnern int Staate Öteio-1 nort 43 tZreibibliotheken unterhalten werden. Die Totalbevölkerung dieser Dorier ist 62 169 Emivohner; sie besitzen 150 432 Bände unb hatten zusammen eine Jahreszirkulation von 350 852 Bänden. Die. Gesamtausgaben für den Unterhalt dieser ländlichen Bolksbiblio-! theken loaren im verflossenen Jahre 23130 Doll. (cn. 100 000 Mk.), jedoch wurden durch die lokalen öffentlichen Budgets nur 7710 Doll. (30 000 Mt.) aufgebracht; alles andere ging dtirch Kapitalzinsen, Geschenke, Jahresbeiträge der Mitglieder, Feste zu Gunsten der Blbtiotheken ein. Em Vergleich dieser Dörfergruppe mit emer Stadt von ungefähr gleicher Eimvohnerzahl zeigt, daß trotz spärlicher Mittel und geringer Gehalte diese DoribibUoihelen den städtijchelr wett überlegen sind, sowohl in der Anzahl der Bände, tvte in der Benutzung pro Kopf der Bevölkerung. Diese Dörfergruppe ist un­gefähr gerade so stark bevölkert, wie die Stadt Ulica,'deren Biblio­thek, was ihren Etat betrifft, fast an erster Stelle von allen gleich- grogen amerlkantschen stadltschen Btbltothekell steht. Und doch haben diese Dorfbibliotheken, die nur em Viertel ihrer Elnkünste aus öfsentltchen Afineln beztehen unö die keine geschulten Biblio­thekare haben, dreimal |o viel Bücher im Besitz und eine 2» .mal |o große Zirkulation als Ulica. Es scheint, das; man, im Gegensatz zu Preußen, in diesem grogen Lande es den Bürgerkomitees allein überläßt, selbst herauszufinden, ,vaS moralisch gut, crziehltch uni> auf richtige Weise unterhaltend und bildend ip.

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mit 50 Mark pro Platz verkauft worden war, so wurde auch Kaiser Wilhelm I., der in seiner kleinen Loge neben der Bühne saß, auf uns aufmerksam. Er beugte sick> zu seinem Flügeladjutanten und flüsterte ihm etwas zu. Der Adjutant verließ bie Loge unb feierte nacl) kurzer Zeit lacl;cnd zurück, indem er dem Kaiser Bericht erstattete. Ter alte Kaiser sah nochmals zu uns herauf, winkte uns mit bet Hand zu unb lachte.

Ein neues Theater in Frankfurt. Wie dem Berl. Tagebl." auf Anfrage von Gustav Kadelburg mit- geteilt wird, geht dieser nut der Absicht um, in Frankfurt a. 9)1 ein neues Theater zu erbauen und sich finanziell daran zu be­teiligen. Es liegen verschiedene Pläne vor, mdessen ist bis zur Stunde noch kein geeigneter Bauplatz ausfindig gemacht worden. Sein Bruder, der lange Jahre die Direktion des Deutschen Theaters in Wien geführt hat, soll das neue Theater leiten. Was den Spielplan des neuen Hauses betrifft, so geht man nut der Absicht um, es gewissermaßen als eine Ergänzung des Frankfurter Schau­spielhauses einzurichten. Im neuen Theater soll neben Lustspielen und Schwänken auch das moderne Schauspiel zu Worte kommen.

Vom Al e i n i n g e r H 0 f 11) e a t e r. Die Versicherungs­summe des abgebrannten Meininger Hostheaters betrug 630 000 Alk. Augenblicklich wird die Einrichtung eines I n t e r i m S t h e a t e r s erwogen. Tas Hostheaterenjemble und die Hofkapelle sollen nach Entschließung des Herzogs bis zum Schlüsse der Wintersmson auf Gastspielreijen gehen. Ter Herzog richtete aus Kap Martin an seinen früheren Intendanten Vaul Einbau eine Depesche, in bet er für den Ausdruck der Teilnahnie dankt unb hmzusetzt: Ich habe bereits Auftrag erteilt, Plane für ein neues Theater zu entwersen.

Di e letzten Arbeiten auf der Saalburg, die noch immer eine der Hauptsorschungspunkte der römisch-ger­manischen Untersuchungen ist, betrafen zunächst das alte Horreum, das wieder auf gerichtet wurde und nun als Aufenthaltsort für bie Sammlungen bient. Andere Teile der Altertümer mürben im Pvätorium ausgestellt. Ausgrabungen fanden an versckstebenen Orten innerhalb unb außerhalb des Lagers statt, bann auch in weiterer Entfernung, so ano Kastell Zugmantel, auf dem Friedhof des Feldbergkastells, auf einem römischen Land Hause bei Klein- Schwalbach unb auf dem vorrömischen Graber selbe bei Wilhelms­dorf. Ter Ausbau der Saalburg schreitet, durch bie reichen, vom prcuß. Abgcordnetenhause beiuilligten Mittel möglich gemacht, rüstig voran, wie denn z. B. nunmehr die Wallmauer mit ihren Toren

Gesellschaft für soziale Reform. Der Hessisch-> Nassauische Zweigverein der Gesellschaft für soziale Reform hält Sonntag, 15. März, in Steins Garten eine öffentliche Versammlung, in der Professor Dr. Stier-Somlo aus Bonn einen Vortrag über:Dringende Reformfragen der deutschen Arbeiterversicherung* halten wird, ab. Angesichts der höchst aktuellen Bedeutung des Gegenstandes ist ein Besuch der Versammlung jedermann nur zu empfehlen. Auch in Frankfurt und Darmstadt veranstaltet der Zweig­verein am 16. und 17. l. M. Versammlungen. In Darm­stadt wird Professor Dr. Stier-Somlo über rbic Frage der Arbeitskammern" sprechen.

** KriegervereinAwesen. Man schreibt uns: ES ist bei vielen Leuten, insbesondere bei solchen aus den gebildeten Kreisen, die Ansicht vorhanden, das Kriegervereinswesen bewege sich wesentlich in Festlichkeiten; das Hurraschreien und das Trinken seien Hauptsache. Die ist trügender Schein bei ober­flächlicher Betrachtung. Tcn wenigsten ist bekannt, daß bie KriegerkameradschastHassia", 60 000 Mitglieder zählend, mir ihren sozialen Einrichtungen int Großherzogtum Hessen an der Spitze der Korporationen marschiert. Tnrch ibr Werben, durch die Tätigkeit ihrer Bezirks- uub Vereins-Vorsteher und der Mit­glieder ist es gelungen, daß jetzt 20000 Polizen für Feuer- Versicherung in Kraft sind. Bei bent großen Brande in Herb­stein im Jahre 1907 ivnrben 13 Mitglieder von Schaden be­troffen, 11 davon waren versichert. Tie Zahl der Versicher­ten gegen Unfall beträgt 2452. Ten schnellsten Erfolg hatte die mit der Kriegerzeitung in Verbindung stehende Ver­sicherung auf den Todesfall. In einem Zeitraum von acht Monaten verficherlen sich rund 7000 Mitglieder bei der Ster­bekasse der Gesellschaft Friedrich Wilhelm. Roch im Anfangs^ stadium befindet sich die Ernst Ludwig- unb Eieonorenstiftung, die unbemittelten jungen El-epaaren Die Erwerbung einer Lc- bensversicherungspolize möglich macht. Eine soziale Aufgabe ist auch bie Unterstützung der Krankem Witwen unb Waisen. Hier­für werben jährlich 7080 000 Mk. ausgegeben. Soziale Ge­gensätze werden auch in den Versammlungen, an denen Arm. unb Reich teilnimmt, gemildert. In diesen Versammlungen sind! im letzten Jahr etwa 400 Vorträge, meist über Geschichte, Land­wirtschaft oder Versicherungswesen gehalten worden; unb dies alles neben dem Hauptzweck:Erhaltung der Treue zu Kaiser und Reich, Fürst unb Vaterland."

" Konzert des Bauer'schen Gesangvereins am Sonntag, 15. März in der Neuen Aula. Der Bauer'sche Gesangverein hat sich bisher, abgesehen von Wett­gesängen, von denen er stets preisgekrönt hcimkam, selten öffentlich hören lassen. Als Mitwirkender bei Vereins­festlichkeiten befreundeter großer Körperschaften dagegen waren dieBauern" stets gerne gehörte und bereitwillig er­scheinende Gäste. Jetzt laden sie nun ihre Freunde und Gönner zu einem eigenen Konzert ein, in dem viel Gutes und Schönes geboten werden soll und zwar nicht nur Männerchorgesang, sondern auch Sologesang und Klaviervorträge durch erprobte Künstler. Zur Deckung der nicht unbeträchtlichen Kosten muß . ein bescheidenes Eintrittsgeld erhoben werden, was sicher niemand abhalten wird, dem sangeSfrohcn Bauer'schen Gesang­verein seinen Gegenbesuch abzustatten.

kvutenkontingents, noch an eine Vermehrung der Artillerie oder an die weitere Einführung technischer Errungenschaften (Telephon, Telegraph, Automobil, Luftschiff), noch schließ­lich an die Einführung der zweijährigen Dienstzeit oder an die Erhöhung der Ofsiziersgehälter und Mannschafts­löhnungen gedacht werden. Die österreichisck)-ungarische Armee blieb, wie sie war, uub wenn sie sich trotzdem bei alten Kundigen der größten Wertschätzung erfreut, so liegt das nur daran, daß'man durch Vereinfachung des Dienstes, durch ein ausgezeichnetes Relrutenmaterial, durch eine um­fassende Ausbildung des Offizierkorps und durch wirklich krregsgemäße Manöver in der Lage war, das Manko des Fortschritts auszugleichen.

Dennoch scheint man in den militärischen Kreisen Oester­reichs den jetzigen Zustand des Heeres nicht für ausreichend erachtet zu haben, nachdem die Erörterung des Projektes der Balkanbahnen gezeigt, an welch schwachem Faden eigent­lich der Völkerfrieden hängt.

Möglich, daß die Ausrollung der Balkanfrage den Herren Magyaren die Augen geöffnet, möglich, daß ihnen die Ord­nung der Heeresfragen jetzt, wo sie noch über die Majorität im Parlament verfügen unb deshalb mehr auf Berücksich­tigung ihrer nationalen Forderungen bringen können, wün­schenswerter erscheint, als im neuen Abgeordnetenhause, dessen Zusammensetzung nach Einführung der allgemeinen Wahlen niemand voraussehen kann. Jedenfalls sind die Ungarn jetzt zu einer Erörterung der Heercsfragen geneigter, als noch vor Monatsftist. So haben denn in aller Heim­lichkeit auch schon Verhandlungen zwischen der Wiener unb Budapester Regierung über die vom Kriegsminister als dringlich behandelten Fragen stattgefunden. Danach soll die ungarische Regierung geneigt sein, die Einführung der zwei­jährigen Dienstzeit, die Erhöhung des Rekrutenkontingents, durch die eine Vermehrung der Artillerieformationen erst möglich ist, sowie die Verbe^'erung der Offiziers- und Mann­schaftsbezüge zu gewähren, und zwar gegen weitere natio­nale Kompensationen in der Dienstsprache unb in den Fahnen- und Emblemenftagen. Es fragt sich nur, wie weit diese Konzessionen gehen sollen.

Rach der bindenden Erklärung des Kriegs Ministers Schönaich kann von einer Ersetzung der deutschen Kommandosprache durch das Magyarische beim ungarischen Kontingent keine Rede sein, nicht nur, weil darunter die Einheitlichkeit des gemeinsamen Heeres leiden würde, sondern auch, weil Kaiser Franz Josef nimmermehr seine Zustimmung dazu gäbe. Wenn also jetzt von einer ungarischen Dienstsprache die Rede ist, so dürfte diese keineswegs mit der Kommandosprache zusammen­fallen, die nach wie vor deutsch bleiben soll. Unterunga­rischer Dienstsprache" ist vielmehr bie Sprache des inneren Dienstes zu verstehen, die de facto bei den ungarischen Regimentern schon ebenso besteht, wie bei den tschechiichen Regimentern das Tschechische und bei den polnischen das Polnische als Dienftsprache und die jetzt nur de jure in Ungarn eingeführt werden soll. Somit bedeutet diese Kon­zession an Ungarn nur formell einen Schritt zur Nationali­sierung des ungarischen Kontingents unb kommt den Zu­geständnissen Ungarns dafür keineswegs gleich. Auch die übrigen Konzessionen an Ungarn sind eigentlich nur for­melle. Denn was will es schließlich bedeuten, wenn die Ungarn die Embleme ihrer staatsrechtlichen Selbständigkeit

kleines Feuilleton.

7- Eine Erinnerung an Pauline Lucca. Man intir ®n^)c ^r fiebriger Jahre gastierte Pauline Lucca xL r*111 un^ trat einige Abende inu Opernhause u. a. auch in oer UberDie lustigen Weiber" auf. Natürlich toaren die Plätze wenigstens für mich, der ich mich als Sergeant um» .Jahlmeisterapplikant beim 2. Gärberegimcnt zu Fuß befand. ZT, ttun aber auch den Wunsch hatte, die große Künstlerin cm* > ns hören, kam ich auf den Einfall, Pauline Lucca anzusingen .Jvr meine Wiursche in diesem Gesänge mitzuteilen. Ich Wtc ihr nachstehendes Poöm:

Erhöre mich, du Göttin des Gesanges Sei liebreich, gütig unb sei nett, xa nicht ausreicht die Löhnung meines Ranges Sv send' mir ein frei Opernhausbitlett.

2ch kann zwar auch verzichten ohne Miene, L.enn ich bin ja Sergeant beim) Garbekorps. Avch bitte ich dich, göttliche Pauline, Ach, sing' nuir frei heut' abenb etwas vor.

Söfür will ich dir ewig danken;

Brft du auch fern, ist mir doch nah dein Geist, Und meine Hvck-achtung soll niemals wanken, rs, 'öetqt wenn Pauline Lucca weiter reift.

freü h'rfo1011- do" diesen Versen sagen konnte,reim dich oder ich und ' Müden sie doch Gnade vor der großen Künstlerin, m bitte wurde erhört. Am anderen Tage wurde ich Hm rZeldwebel berufen. In dem Bureauzimmer befand r'nU 1ld> alsHerr v. L., 9ieifebegleiter ber Pauline 4 11 < uvrstellte und mir mitteilte, baß sie mid> nachmittags ribc^'Ü!, Hotel sprechen möchte und mir das erbetene Billett ^iimtrp^Y r ,^ur festgesetzten Stunde wurde ich in das nut hm rin J^nK>cin geführt. Kurze Zeit darauf erschien sie euto^pn u s H Eene, stceckte mir ihre vcidcn kleinen Handch>en 5reiih1>n«?eöliIl4tt,7 1/ch Tür dasherrliche Gedicht", das ihr große füx iSt >bv' "iw händigte mir 6 Billetts (3. Rang) 5 BillpUL ^» Zuckung aus mit dem Wunsche, daß ich bie übrigen saßen u nKameraden verteilen niöchte. Am Abenb Ijauje unb Uuühtpn6? Garderegimenls z. F. int Opern- Da nufS ^fange ber unvergleichlichen JUünltlenn.

9 outIieI' b Unteroffiziere auf einem Platze zu sehen, der

an den Uniformen unb Fahnen tragen? Auch in Deutsch­land sind derartige Unterschiede am Helm vorhanden. Und was will es bedeuten, wenn die Honvedtruppen der öster­reichischen Landwehr gleichgestellt werden, indem sie eben­falls Artillerie erhalten? Solche Zugeständnisse an das Na­tionalitätsgefühl der Magyaren Lammen gar nicht in Be­tracht neben der Neorganisation der öfterreicifisch-ungarischcst Armee, die durch diesen Ausgleich erst eigentlich in bie Wege geleitet iverden kann.

PostiiberWeisungs- und Lcheüveriehr.

Nach den Ergänzungen zum Etatsgesetz, die soeben dem Reichstage zugegangen sind, soll nunmehr die Einrichtung des Postfcheckverkehrs ermöglicht werden. Die Hauptbestimmungen für den Postüberwcisungs- und Scheckverkehr im Reichspostge­biete sind folgende:

Zur Teilnahme am Pvstüberweisungs- und Scheckverkehr ist jede Privatperson, Handelsfirnra, öffent­liche Behörde, juristische Person oder sonstige Vereinigung ober Anstalt auf ihren Antrag zuzulassen. Ter Antrag kann bei einem Postscheckaint ober einer Postanstalt gestellt werden. Nach Eröffnung dcs Kontos hat der Konto-Inhaber eine Stammein­lage von 100 Mk. einzuzahlen. Jedes Scheckamt führt eine Liste bet Konto-Jnhaben

Einzahlungen können bewirkt werden mittels: a) Zahl­karte, b) Postamveisung, c) Ucbertoeisung von einem Konto auf ein anderes Postscheckkonto. Tie Höhe des Guthabens eines Kontos unterliegt keiner Beschränkung.

Ter Kontoinhaber kann über sein Guthaben, soweit cs die StarNmeinlage von 100 Mk. übersteigt, in beliebigen Teilbeträgen mittels Schecks oder durch Uebcrtoeifung auf ein anderes Postscheckkonto jederzeit verfügen.

Uebcr einen Betrag von mehr als 10 000 Mk. dürfen Schecks nicht ausgestellt werden. Ter Scheck ist spätestens binnen 10 Tagen nach bet Ausstellung beim Postscheckamte zur Zahlung vvrznlegen. Ist im Sck-eck bcc Zahlungsempfänger bezeichnet, so kann der Scheck sowohl vom L-checkaussteller als auch, vom Zahlungsempfänger bei dem Postsck-eckamt eingereicht wexden, bei welchem das Konto des Scheckausstellers geführt wird. Ter Scheck ist nicht durch Indossament übertragbar. Hat der im Scheck bezeichnete Zahlungsempfänger selbst ein Kvnto bei benc- selben oder einem anderen Postscheckamte, so wirb der Betrag dem Kvnw des Empfängers gutgeschrieben, wenn nicht die Bar­zahlung ausdrücklich gcvvünscht ist. Hat ber im Scheck bezeich­nete Zahlungsempfänger kein Postscheckkonto, oder hat er die Barzahlung beantragt, so stellt das Sck-eckamt über den zu zahlenden Betrag eine Zahlungsanweisung aus, auf Grund deren die Zahlung durch die Postanstalt erfolgt, in deren Bestellbe­zirke ber Empfänger sich aufhält. Für die Mtragung des Geldes am Bestimmungsorte tuerben dieselben Bestellgebühren erhoben tote für bie Abtragung der Postanweisungen. Ist im Scheck fein Zahlungsempfänget angegeben, so kann er von dem Inhaber bei der Kvsse des Scheckamts zur Einlösung vorgelegt werden. Hat der Inhaber eines solchen Schecks selbst ein Postscheckkonto, so Icrar er den Betrag, auf den ber Scheck lautet, seinem Kvnto gut­schreiben lassen. Ter Anttag ist auf dem Scheck zu vermerken. Wünscht ber Empfänger '.eines auf ben Inhaber gestellten Schecks, daß ihm der Betrag des Schecks durch Vermittlung einer Post- onstalt bat bezahlt werde, so stellt das Scheckamt über den zu zahlenden Betrag eine Zahlungsanweisung aus, auf Grund de­ren bie Zahlung durch die Postanst-alt erfolgt, in bereu Bestell­bezirke der Empfänger sich aufhält.

Ter Kontoinhaber ist verpflichtet, bie Scheckformulare und die Formulare für Uebertoeifungen sorgfältig aufzubewahren; er trägt alle Nachteile, bie aus bcml Verlust ober sonstigem Ab- tonbcniommen ber Formulare entstehen, wenn er nicht das Scheckamt von dem Abhairdenkommen benachrichtigt hat, um bie Zahlmrg ober Uebertocifung an einen Unberechtigten zu verhindern.

Vvit jeder auf dem Kcrnto gebuchten Einzahlung ober Rück­zahlung wird ber Kvntoinhaber vom Postscheckamte benach­richtigt.

Ter Inhaber eines Kvntos kann jederzeit aus dem Scheck- oerlehr ausscheiden. Im Falle einer mißbräuchlichen B> imtzung des Kontos seitens des Kontoinhabers^ ist auch das Sd/eäamt befugt, das Konto aufziiheben.

Es werden folgende Gebühren erhoben: 1. bei Var- einzahlungen für je 500 Mk. oder einen Teil dieser Summe b Psg.; 2. für jede Barrückzahlung a) Vs vom laufend ber auszuzahlenden Beträge, b) außerdem eine feste Gebül)r von 5 Psg.; 3. für jede Uebertragung von einem- Kvnto auf ein an­deres Postscheckkonto (es macht keinen Unterschied, ob ber Auf­traggeber das Formular Anl. 9 c benutzt hat ober ob die Ueber- wagung auf Grund eines Schecks erfolgt) 3 Pfg. Zur Zahlung der Gebühr unter 1 ist ber Zahlnngseinpfänger, zur Zahlung der Gebühren unter 2 unb 3 ber Kontoinhaber verpflichtet, öon dessen Konto die Abschreibung erfolgt. 4. Erheischt der Kvnwverkehr eines Konwinhabers jährlich Mehr als 600 Bu­chungen,, so wirb außer den unter 1 bis 3. aufgeführten Ge­bühren für jede weitere Buchung eine Zuschlaggebübr von 7 Pfg. erhoben. Die Einziehung ber Gebühren sowie ber für For­mulare zu zahlenden Preise geschieht durch Abschreibung von dem zur Zahlung verpflichteten Konto

Tie Sendungen der Postscheckäntter und der Postanstalten an d>e Kontoinhaber sowie bie Sendungen zwischen ben Post- leaänijtern unb ben Postanstalten werden im Scheckverkehr als ^enstsache portofrei befördert.

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Nr. 59 BtotiteS Blatt 158. Jahrgang Dienstag 10. Mär', 1908

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General-Anzeiger für Oberheßen