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8.5.1908 Zweites Blatt
 
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M

Nr. 108

Zweites Blatt

Grfcheint tSgkch mit Ausnahme des Sonntags.

158. Jahrgang

DKGießener KamlNenblStter" werden dem Anzeiger" otermal wöchentlich beigelegt, das Krelsblati für den Kreis Gießen" zweimal wöchenUich. Die Landwirtschaftlichen Zeit« fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Freitag 8. Mai 1008

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schn» Unwersitäts - Buch- und Sleindruckerei.

R. Lange. Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: 5L

RedakusnrSrE' TLl-oidruAnzeigerGießen.

Stimmungsbild aus dem Neichstage.

... . ,p Berlin, 7. Mai.

Und der Herr Präsident besah das Werk, und siehe da, es war sehr gut! Aus die Tagesordnung der heutigen Sitzung hatte er eine lange Liste gesetzt, die mit Ausnahme des Etats und der großen vor Ostern erledigten Blockgesetze nahezu alle Arbeiten enthielt, die dem Reichstag in dieser Tagung bisher gestellt waren, und die er heute durch Beschlüsse dritter Lesung frönen sollte 21 Punkte standen auf der Tagesordnung, dritte Lesungen hochwichtiger Ge­setze, und in wenig mehr als zwei Lormiltagsslunden war alles erledigt. Mit Automobilgeschwindigkeit raste die Verhandlung vor­wärts. Die Abgeordneteir sanden faum Zeit, sich von der Ab­stimmung über das eine Gesetz zu setzen, da sie der Präsideiit sofort zu der neuen Abstimmung aniries. Rur bei der Al ü nz n o o e l l e gab es einen Aufenthalt. Herr S y d o w erhob sich zu der Er­klärung, daß die Mehrheit des Bundesrats ein Bedürfnis nach dem Dreimarkstück nicht anexfenncn könne. Er sagte es gleichmütig ohne Schärfe und ohne die Drohung, die man noch gestern und vorgestern bei den Teuerungszulagen und der Forderung der Hand- lungsgehilsen gehört hatte. Aber seine Worte zündeten wie ein Funke im Pulverfaß. Hellauf brauste die Entrüstung auf der Rechten und Herr v. Gainp sprach wie der wildeste Revolutionär gegen die Regierung. Ja, er sorderte fast ein Dreiklassenwahlrechl für den Bundesrat, er wollte dessen Stimmen nicht gezählt, sondern gewogen haben. Im wogenden Lärm gingen die Worte der Gegner und der Freunde des Talers unter. Alan jubelte Herrn Ledcbour zu, als er sich als Regierungspartei konstituierte, uni) stimmte dann in gehobener Ferienstimmung den Slutrag der Freisinnigen nieder, l- has Dreimarkstück aus dem Gesetz wieder entfernen wollten. lochne kleine Pause zwischen den Abstimmungen zur Ehren- e t i " g der P e n s io n s k a s s e>i uon Krupp un d u i e in e n 5 - Schuckert und dann verlas Herr v. B e t h >ii a n n- vo. als Stellvertreter des Reichskanzlers die kaiserliche Lertagm .rdre, und nach den üblichen Tankesworten und dem Kaiserhoch eilte man mit der Reisehandtasche durch die Frühlings­sonne des Tiergartens zu den Bahnhöfen.

Ans Stadt und Land.

Gießen, 8. Mai 1908.

Aus der Sitzung der Stadtverorduetcn.

Die dritte Sitzung unserer Stadtvätcr innerhalb 8 Tagen sand gestern statt und zwar wiedecunl mit einer recht um­fangreichen Tagesordnung. Am Anfang gab es freilich nur Kleinkram, der nicht lange aufhielt und hüt erfreulicher Ein- flimmigkelt erledigt wurde. Zu dem Erfreulichen gehörte vor ollem die Ablehnung eines Angebots vom 2. Bataillon, die Weißbinderarbeitcn in der städtischen Kaserne selbst ausführen zu wollen und zwar zu erheblich niedrigeren als ien hier üblichen Preisen. Das ist eine Mittelstandspolitik, die wohl jedermann billigen wird. Nachdem noch die Ab- laltung des diesjährigen Zug endfestes auf den 23. Juli feftgelegt worden war, wurde zur Beratung des Vcr- vnschlags übergegangen, dec in etwa zweistündiger Be- fvcechung erledigt wurde. Es spricht für die umsichtige lttatsgestaltung durch die Bürgermeisterei, daß er fast un» rcrändert nach den Beschlüssen dec Finanzkommission erledigt Bvurde und daß es fast nirgends zu Meinungsverschiedenheiten lam. lieber den Etat an sich ivucde recht wenig gesprochen, sondern meist nur Wünsche und Anregungen bei den einzelnen Titeln geäußert. Eine grundsätzliche Frage ec- erterte Beig. Georgi, der die im Jahre 1907 ent­standenen Mindereinnahinen bei den Kanalgebühren und bem Umsatzstempel, die durch die verspätete ministerielle Genehmigung der beiden Ortsstatute entstanden sind, nicht auf 'den jetzigen Etat übertragen haben ivollte, schließlich aber doch damit zufrieden war, da trotz dieser 42 000 Mk. keine Aeuererhöhung einzutreten braucht. Bon der von der Ne­gierung empfohlenen Ansammlung des Ertrages des Umsatz- siempels, der dann gewissermaßen als Ausgleichsfonds bei dein Fortfall des Oktrois auf Lebensmittel im Jahre 1910 dienen sollte, wurde abgesehen. Man will den Ertrag zur vermehrten Schuldentilgung verwenden und glaubt so den Zweck, die städtischen Finanzen zu verbessern, nachdrücklicher zu erreichen. Lebhaft wurde es eigentlich bloß, als Stadtv. Krümm die jetzige Entlohnung der städtischen Arbeiter »ach ihren Leistungen kritisierte. Sehr heiter ging es bei der Beratung der Straßenreinigung zu, wo die Belästigungen «durch die Hlinde und Wunsche nach Bedürfnisanstalten ver-

Aleines FeußUetorr.

Bon derHohkönigsburg. Aus Straßburg i. E. rslrb uns geschrieben: Wer die Hohkönigsburg besuchen will, hl am besten, in Schlettftadt anszusteigen. Bon Schlellsiadt fährt man mit der Markircher Nebenbahn in etwa 20 Minuten zur Station Wanzel, von wo ans zwei hex-rliche Waldwege m l1/, Stunden zur Höhe führen. In diesem srühlingsgrünen Walde ist jetzt das Landern ein Genuß. Als ich dieser Tage schweigend ans dem Sriin der Bäume trat, stand vor mir ein kleiner, beweglicher, zierlicher Mann mit luftigen braunen Augen und braunem kurzen loUbart, den Kodak auf 'die Burg droben gerichtet: B o d o E b foarbt. Gern gab er Rede und Antwort, als ich nur von iilm Auskunft über sein Werk erbat. Die erste Frage ist natürlich: Oas ist von den Meldungen über die Straßburger Hohköiugs- t>urg-Plakette und der' Einstellung der Restanrierungsaxbeiten zu hallen? --Seine Antwort: Nichts. Tie Plakette Halle ich, auch nachdem ich sie gesehen habe, nicht für ursprünglich. Berück­sichtigen Sie, daß alle bisher beigebrachten Karten und Plane den in Rede stehenden Turm viereckig zeigen, daß die 26 Nieter Hohen SRefte des Bergfrieds durchaus viereckig gehalten lind und Cie itetben mit mir der Meimmg fein, daß die den runden -türm i<igenbe Burg auf der Plakette mit dec Hohkönigsburg nichts zu tun hat. Daß die Aieldung von der Einstellung der Arbeiten cr- ftuibeu ist, bavon werben Sie sich oben selbst überzeugen können, tos man soeben bic letzte Hand anlegt. Ausfallen muß es jeden­falls, baß trotz ber im Laufe der letzten 10 Jahre wiederholt er­folgten öffentlichen Aufforderungen, die Prof. Wiegand m Strap- biixg an Sammler, Kuiistsreunde unb Saicn gerichtet hat, ber Aaiettensnnd bis jetzt verborgen geblieben ist und auägcreajnct 14 Tage vor der Einweihung die 9lachricht von ber Einstellung dir schon vor Wochen beendeten Sauarbeiten lanciert würbe. Tatsächlich sind die Slrbeitcn ber letzten Tage mir noch der inneren Zurichtung gewidmet. Am Vorplatz ber Burg zeigte man mir jtchn junge Elchen, bic zum Anbeuten an den diesmaligen den i el)nten - Besuch Kaiser Wilhelms ans ber Hohkönigsburg gc= pss-anzt wurden. _ ,, r _ .

Das Eyth-Denkmak der Deutschen Land­wirt s ch a f t s g e s e 11 s ch a f t zu Berli n. Den Pflanzen und

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schiedenen Stadtvätern Gelegenheit zu drastisch vorgetrageuen Klagen boten. Die Abschlußzahlen des Voranschlags 2 124 496,78 Mk. in der Betriebs- und 2 707 344,65 Mk. in der Vermögensrechnung sowie der seitherige Steuer­ausschlag von 120 Proz. und der 1 196 842,33 Mk. be­tragende Anleihebedarf erfuhren keine Veränderung.

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'* Verwaltungsgerichtshof. S. K. H. der Groß­herzog haben den Oberlandesgerichtsrat bei dem Obec- landesgericht H. Becker für die Tauer deL dermalen von ihm bekleideten Amtes 511m Mitglied deS Verwaltungsgerichts­hofs ernannt.

** Landes Hypotheken bank. S. K. H. der Groß- herzog haben den Llsfiftenten bei der Landeshypothekenbank, Hugo Ploch zu Darmstadt zum Hilssbeamten deS Staats­kommissärs bei dieser Bank mit dem AmtstitelRevisor" ernannt und den Finanzamtmann Di. Ferd. Weyl zu Darm­stadt auf fein Nachsuchen aus dem Dienst bei der Landes- Hypothekenbank entlassen.

** Der hessische Richter-Verein hält seine ordent­liche Hauptversammlung am 30. Mai in Frankfurt a. M. im Restaurant ,Zum Faust" ab. Aus der Tagesordnung stehen neben geschäftlichen Angelegenheiten und Einträgen die Be­sprechung des Entwurfes eines Reichsgesetzes betreffend die Aenderung des G. V. G. der Z. P. O. usw., sowie Beschluß- faffnng hierzu.

** Eisenbahn-Personalien. Dem Regierungs- und Baurat Jordan in Mainz ist behufs Uebertritt in den Dienst der Süddeutschen Eisenbahn-Gesellschaft in Darmstadt vom 1. Mai bis 31. Oktober d. I. Urlaub erteilt.

** Po st-Personal Nachrichten. Versetzt: Post- assistent Adam Weber von Mainz nach Gießen. A n g e n 0 m m e n als Postgehilien: die Oberrealschiiler Anschütz und E n g e l e r, Realgymnasiast Kadenbach und Gymnasiast Paul in Gießen, Realschüler Drechsler in Friedberg, Oberrealschüler Zeigt in .pelbenbergen; als Telegraphengehilsinnen: Hedwig Nennstiel und Luise Leiber in Gießen; als Postagent: Wiegemeister Glockengießer in Hirzenhain. Wiederangen 0 m m e n als Postgehilse : der frühere Postgehilfe Friedr. Schmitt in Hom­berg. Freiwillig a u s g e s ch i e b e n : Postagent Möller in Hirzenhain. Gestorben: Postsekretär a. D. Heyer in Darmstadt.

Ein neuer päpstlicher Hausprälat. Wie das Mainz. Journal" berichtet, wurde der Pfarrer Forschner von Mainz, der vielfach schriftstellerisch und journalistisch tätig ist, und der schon einmal für den Bischofsstuhl in Mainz ausersehen, von der Regierung aber von der Liste gestrichen worden war, vorn Papste zum päpstlichen Hausprälaten ernannt.

** Ein Feind unserer HauSgärten ist der Buchfink. Wer auf ihn jetzt nicht acht hat, der kann dann vergeblich auf daS Aufgehen des jungen Salates, der jungen Pflänzchen und des BluinensamenS warten. Er liest nicht nur die frisch gefäeten Samenkörner auf, er zieht auch die kaum aufgesproßten Pflänzchen aus dem Boden und ver­zehrt die noch an denselben hängenden Samen. Ost warten unsere Hausfrauen vergeblich auf daS Aufgehen -der Saat oder sie sehen zu ihrer Verwunderung die gekeimten Pflanzen wieder eingehen. Hier treibt der Buchfink sein ZerftörungS- werk. Am besten vertreibt man ihn durch das Aufhängen von Lappen an gespannter Kordrl.

Ab fuhr. In einem Hause am Asterweg gerieten vor einigen Tagen ein Mann unb eine Frau in Streit. Als der Mann mit dem Stock auf die Frau einschlug, entriß sie ihm den Stock und verprügelte den Mann nach allen Regeln der Kunst. Eine blutende Kopfwunde unb eine An­zahl Beulen zeugten davon, daß diesmal die vom schwächeren Geschlecht die Oberhand gehabt hat. Die Sache ist zur An­zeige gelangt, da aber die Frau angegriffen wurde unb sich in Notwehr befanb, dürfte die Sache nicht allzuschlimm aus­fallen.

*' Diebstahl. In verfloffencr Nacht wurden aus einem HauSkeller in der Rodheimer Straße eine Anzahl Flaschen mit Wein von unbekannten Tätern gestohlen.

"Verhaftet wurde ein durchreisender Arbeiter, der von einer auswärtigen Behörde steckbrieflich verfolgt wurde.

** Warnung. Seit einigen Jahren wird mi Großher- zogtum ein schwunghafter Handel mit sogenannten Vieh - pulvern und ähnlichen Geheimmitteln (Freß-, Mast-, Kraft-, Milchpulver unb dergl.) betrieben. Dies muß aber als ein die Interessen des Bauernstandes in hohem Grade schädigen­der Uebelskand bezeichnet werden. Eine marktschreierische und wahrheitsividrige Reklame, mit der solche Mittel angepriesen werden, ist daraus berechnet und geeignet, die Landwirte irre zu führen und sie zu veranlassen, Mittel zu kaufen, deren Wert und Wirkung in gar feinem Verhältnisse stehen zu den dafür gezahlten Preisen. Da die inbctracht kommenden Mittel vielfach als Heilmittel gegen Tierkrankheiten angepriesen und vertrieben werden, kann dies leicht die bedenkliche Folge haben, daß deren Anwendung die sachgemäße und rechtzeitige Be- handliing der erkrankten Tiere verzögert oder verhindert. Die Landivirte werden deshalb vor dem Ankauf dieser Geheim­mittel gewarnt.

x Großen-Linden, 6. Mai. 2(m Sonntag den 3. Mai nachmittags versammelten sich zur Vorbereitung auf das deutsche Turnfest zu Frankfurt die Turnvereine von Großen-Linden, Lang-GönS, Hörnsheim, Hochelheim, Lützel­linden, Leihgestern unb Steinberg in der Turnhalle zu Großen-Linden, um gemeinschaftlich die Frei-, Stad- und Keulenübungen unter Leitung des Gauturnwarts Will durch­zuturnen. Es war eine stattliche Zahl Turner erschienen, auch zahlreiche passive Mitglieder der Vereine, unb eine große Schar von Turnersreunden hatte sich auf dem schönen bei der Turnhalle gelegenen Turnplätze eingefunden und sahen den vorgeführten Hebungen mit großer Aufmerksamkeit zu. Hauptsächlich wurden die Freiübungen für das deutsche Turnfest von den Zuschauern bewundert. Die Hebungen wurden von den Turnern schon ziemlich gut ausgeführt. Es wäre sehr wünschenswert, wenn der Gauturnwart öfters die umliegenden Landvereine hierher zu solchem turnerischen Zusammensein einladen würde. Der Turnplatz und die ge­räumige Turnhalle deS Vereins steht stets gerne den Turnern ber Nachbarvereine zur Verfügung, denn durch derartige ge­meinsame Hebungen unter sachkundiger Leitung wird die tiirnerische Ausbildung unb das Interesse der ländlichen Turner wesentlich gehoben.

Lich, 6. Mai. Gestern abend tagten im Hotel Zum Holländischen Host' die sämtlichen Mitglieder des Festausschusses des am 20., 21. unb 22. Juni ds. IS- dahier stattfindenden 3 5. G a u t u rn f e sie s unter dem Vor­sitze des Oberamtsrichters Rausch. Die Präsidenten der ein­zelnen Ausschüsse erstatteten Bericht über ihre seitherige Tätig­keit. Die Vorarbeiten sind schon recht weit gediehen und lassen daS beste Gelingen des uns bevorstehenden schönen Festes erwarten. Der Sitzung wohnte auch Gauturnwart Will von Gießen als Vertreter des Gaues Heffen bei.

Hattenrod, 5. fDlai. Das dem hiesigen firiegeroereiit übertragene Bezirksfest des Hassiabezirks Lich findet am 12. unb 13. Juli statt.

r. Aus dem Vogelsberg, 6. Mai. Wer jetzt Wanderlust verspürt, der soll getrost seine Schritte in unsere Berge lenken. Die Wälder prangen in frischem Grün, Feld und Wiese steht im Blumenflor. Muntere Bächlein rauschen ins Tal, die Tierwelt ist bei den intimsten Familiengeschäften, überall neues Werden. Wer die Natur versteht, oder sie kennen lernen will, der muß sie jetzt auf­suchen. Auf eine Tour, die noch unbekannt sein dürfte, sei hier hingewiesen: Mit der Bahn über Hungen nach Rupperts­burg, von da Fußtour nach Jägerhaus (alte Kirchenruine), von wo verschiedene Abzweigungen nach den höheren Punkten unb Hoherodskopf gehen, abends mit ber Bahn von Ilbes­hausen, Hartmannshain ober Schotten Rückfahrt. Die Forstkultur im Vogelsberg hat bedeutenden Aufschwung genommen; während früher die jungen Pflanzen meist ein- gesührt wurden, werden jetzt vielfach junge Fichten rc. nach auswärts verladen.

dem Wasser hatte Oer Tichterlngenieur Max v. Eylh jein Leben geweiht. Für Oie einen steuerte er den Tampipflug, für das andere schuf er neue Anlagen, um cs der Landwirtschaft nutzbar zu machen. Nun blickt seine Büste, die am 6. d. 3)1. im Garten der Deutschen Landwirtscha'tsgesellschaft zu Berlin enthüllt ward, auf Blumen und Wasser herab. Auf der einen Seite reicht ihm eine Frauen­gestalt am Pflug den Lorbeerkranz, auf der anderen Seite arbeitet ein kleiner Genius am Schraubstock. Alan erkennt sogleich eine Berkörpernng des Eythschen Werkes:Hinter Pflug und Schraub­stock". Auf der Rückseite des Denkmals steht:Dem Begrüixder der Deutschen Landwirtschaftsgesellschait in Dankbarkeit gewidmet von ihren Alitgliedern". In den Zeiten des landwirtsckiaftlichen Notstandes der 80er Jahre wies Eyth auf den Segen der königl. Landivirlschaftlichen Gesellschait von England hin und riet zu einer gleichen Gründung für Deutschland. In seiner langen Jngemeur- arbeit hatte er gesehen, wie aus uisirnchtbareii Gegenden durch die Einführung des landwirtschaftlichen Alaschinenbetriebes einträgliche Baumwolle-, Reis- und Getreidefelder geworben waren. Deutsch­land war damals noch gänzlich von den englischen Fabrikanten derartiger Maschineii abhängig. Eyths Mahnung, große land­wirtschaftliche Wanderausstcllungen in Deutschland abznhallen, fiel auf fruchtbaren Boden. Bereits 1885 kam die Deutsche Landivirt- schaftsgesellschast in Berlin zustande. 1887 begann sie in Frank­furt a. M. ihre Wanderausstellungen. Tiefe Älusstellungen fmb jetzt der Brennpunkt des gesaniten laiidwirtschaftlichen BerkehrS in Teutschlaiid imb der Mittelpunkt der Züchtertätlgkeit. Atlßerdem veranslaltel die Deutsche Landwirtschaflsgefellschaft wissenschaftliche Untersuchungen über oie Bodenverhältnisse, Düngung, Boden- bearbeunng, Saat und Pslaiizen. Sie prüft Maschinen, besonders Dresch- und Neiiiigunasmaschmen und Kleinnxotore, sic sorgt für die Fördenmg des Absatzes der Felderzeiignisse und für die Tier- züchiung. Wie ihr Gründer Techniker war, so ist die Tätigkeit der Tentschen Landwirtschaftsgesellschait also axisschließlich technisch. Dadurch, daß sie sich Uinerhalb dieser Begrenzung bei Auswahl der einzelnen Arbeitsgebiete d:e größte Freiheit laßt, hat sie der Ent° ivicklting der deutschen Landivirtfchaft großen Segen gebracht.

Ter R h e i n - M a i n i f ch e Bolksbildungstag für 1908 findet am 24. Mai im Neubau des Kaufmännischen Ver­eins in Frankfurt statt. Zur Besprechung kommt das volks­

tümliche B 0 r t r a g s w e ( e n nach Ausgabe, Inhalt und Alethode. (Referent: Dr. Robert Rahn in Frankfurt.) Außerdem soll die Aiiswahl der T h e a t e r st ü ck e für die nächste Spielzeit vorgenommen und eine gemeinsame Haftpflichtversicherung für alle dem Verbände angeschlossenen Vereine beschlossen werben. Mit der Versammlung ist eine Ausste11ung von Hilfsmitteln für die olksbildungsarbeit ^Diapositive, Slpparate und Karten, Einrichtungen für die Wanderbibliotheken, sowie für Kiinst-Wander- ausstelluiigen) »erbunben. Der Jahresbericht bestätigt eine erfreu­liche Weiterentivickelung ber Vollsbildungsarbeit im ganzen Ge­biete ; bie Zahl ber körperschaftlichen Mitglieber ist auf 140, bie ber persönlichen Mitglieder auf 500 gestiegen. Leiber hat aber ber Verdanb durch den Tob seine? Schatzmeisters, Charles L. Hallgarten, einen großen Verlust erlitten.

Die B e r l i n e r L i e b e r t a s e l, bie sich bekanntlich zur­zeit auf einer Orientrcise befinbet, würbe am 6. b. 9JI. in Kon- st a n t i n 0 p e l, wie von boxt gemeldet wirb, zum Sultan ge­loben. Rach bem Tiner, an bem 200 Personen teil nahmen, hörte ber Sultan im Theater Vorträge be§ Vereins. Allen Mitgliebern wurde bie Mebaille für Kunst unb Wissenschaft und den Vorständen unb Chormekstern wurden Orden verliehen. Nachher ließ ber Sultan bnrch ben beutschen Botschafter Frhm. 0. Alarschall ben Sängern sagen, er sei erfreut, sie gehört zu haben; feit ber Zeit, ba er mit Kaiser Wilhelm I. in Koblenz war, habe er so schönen Männergejang nicht mehr gehört. Er ivibine bem Verein zur Er­innerung an ben Abcnb eine Vase, die m bem Vereinslokal auf- gestellt werben möge, unb er ivünsche ihm Glück unb ferneres Gedeihen.

Kleine Kunstchronik. In Bonn fand am 5. Mai eine ,Tasf o"-Aufführiing des Arannheimer Ensembles vor völlig ausverkauftem Hause statt unb verlief hochbefriedigenb. Die Prager Maifestspiele brachten eine Aufführung vonHebba Gab­ler' bnrch bas Berliner Lessingtheater. Tas ausverkaufte Haus bereitete ben Darstellern, insbesonbere Irene Trie ch, eine enthusiastische Aufnahme. - Am Friebr,ch-Wilhelmstäbtischen Schau- pielhaus m Berlin würbe »Frei ist der Bursch", Stubenten- schauspiel in 4 Aufzugen von Paul Grabein, aufgeführt. Es ist eine Nachahmung vonAlt-Heidelberg".