[als gemeinsamen Schiedsrichter für die Casablanca-Angelegen- check den Schweden Hammersjoelf gewählt.
Gas- und Elektrizitätssreuer. In einer Protest- Versammlung von Handwerkern, Gewerbetreibenden und In* dustriellen in Köln gegen die von der Reichsregierung geplante Gas- und Elektrizitätssteuer wurde die Absendung einer Eingabe an den Reichstag beschlossen, worin dieser ersucht wird, den Vorlagen auf Besteuerung von Gas und Elektrizität die Zustimmung zu versagen, weil dadurch die Handwerker und kleinen Gewerbetreibenden schwer geschädigt würden.
Huslanfc.
Zur Lage in Harm. Dre revolutionäre Armee ist in Stärke von 8000 Mann feierlich in Port au Prince einge- zogen. General Simon, der sich an der Spitze der Truppen befand, wurde lebhaft begrüßt. Bis letzt ist die Ruhe und Ordnung nicht gestört worden. Expräsident Lord Alexis und Gefolge haben den französischen Kreuzer verlassen und sich an Bord des deutschen Sampiers Kingstone aus Jamaica eingejchifft.
Neues amerikanisches Zollgesetz. Der Vorsitzende der ZoUkommission teilt mit, daß Aussicht vorhanden sei, das neue Zollgesetz bald zu veröffentlichen. Der Entwurf enthalte statt, fester Sätze Maximal- und Minimalzölle und ermögliche, den Ländern Konzessionen zu machen, die Amerika Vergünstigungen gewahren.
ziotteuverein für Hessen.
R. B. D a r m st a d t, 6. Dez.
Der Flottenverein hielt heute vormittag eine sehr mit besuchte Hauptversammlung unter dem Vorsitz des Dr. W. Merä? ab. Unter den Anwesenden befand sich auch General Keim. Der Vorsitzende legte die Gründe der späten Einberufung dar und teilte ein Schreiben des Staatsministers mit, in dem gesagt wird, daß die Regierung geglaubt habe, von der Entsendung eines amtlichen Vertreters absehen zu sollen. Da eine Angabe von Gründen hierfür fehlte, so erregte diese Mitteilung umso mehr Befremden, als früher stets ein Regierungsvertreter anwesend war. Umso freudiger wurde dagegen die Mitteilung ausgenommen, daß der Großherzog dem Vorsitzenden erst vor wenig Tagen sein lebhaftes Wohlwollen für den Verein versichert und der heutigen Versammlung besten Verlauf gewünscht habe. Der Vorsitzende schloß mit einem dreimaligen begeisterten Hoch auf Kaiser und Großherzog. Nachdem daraus Beigeordneter E kert die Versammlung namens der Stadt freundlich begrüßt, wurde der gedruckt vorliegende Jahresbericht beraten, der int allgemeinen eine Rekapitulation der bekannten Vorgänge und den Verlauf der außerordentlichen Versammlung vom 19. Januar in Kassel gibt, in der mit überwältigender Mehrheit der auch von den hessischen Vertretern unterstützte Antrag angenommen wurde, worin dem Präsidium in der Ueberzeugung, daß dasselbe getreu den Beschlüssen der Kölner Tagung gehandelt und das Gedeihen des deutschen Flottenvereins gefördert hat, der Dank und das volle Vertrauen ausgesprochen wird. Ueber die Organisation wird bemerkt, daß die Zahl der Gruppen seit Mai 1906 von 114 auf 138 gestiegen ist. Von den neu hinzugekommenen Gruppen sind in Starkenburg 10, in Oberhessen 6, und in Rheinhessen 8. Die Zahl der Körperschaften stieg auf 132 mit 18453 gegen 16 242 Zugehörigen. Die Bruttoeinnahme aus Mitgliederbeiträgen stellte sich auf 20332 Mk., wovon abzüglich der 25 Prozent für die Gruppen 16 000 Mk. als Einnahme erscheinen. Vertrieb und Lieferung der Vercinszeitschrist erforderten etwa 12000 Mk., so daß zur Bestreitung aller sonstigen Ausgaben nur etwa 4000 Mk. übrig bleiben. Der Voranschlag sieht in Einnahme 15 560 Mk. und in Ausgabe 16 200 Mk. vor. Die Zahl der Einzelmitglieder betrug Ende 1907 10873. Der Vorsitzende erstattete darauf einen Bericht über die Hauptversammlung in Danzig und schilderte die schweren Zeiten, die der Verein damals durchzumachen hatte. Die dort gefaßte Resolution sei inhaltlich eine der schönsten und wertvollsten, die je beschlossen wurden, und das neugewählte Präsidium gebe die volle Gewähr, daß im alten Kurse fortgefahren werde, wenn auch die bewährten alten Kräfte nicht mehr seien. Man dürfe jetzt wieder mit Ruhe und Zuversicht der Zukunft entgegensehen, und der schwer errungene Friede werde ein dauernder sein, wenn man nach dem Grundsätze arbeite: Ueber allem das Vaterland. Ter Vorsitzende gab später noch aus eine Anfrage die Erklärung ab, daß oer bayrische Landesverband unter den neuen Verhältnissen mit den Zielen des Hauptvereins völlig einig fei und auch nach dieser Seite der Friede völlig gesichert sei. Nach kurzen Berichten über die Schüler- und Lehrerfahrten nach der Wasserkante hielt Generalleutnant z. D. Korwan einen Vortrag über: „Das Schreiben des Präsidiums vom 26. September und unsere weitere Tätigkeit." Aufgabe des Vereins müsse es sein, das Verständnis für Flotte und Marine im Volke zu heben, bis wir eine deutsche Flotte haben, die uns in Ruhe der Dinge harren läßt, die da kommen können. Ter Redner ging dann des näheren auf das Schreiben des Präsidiums ein und stellte fest, daß dieses hinter keiner Auslassung der früheren Leitung in Bezug auf die Ziele und Arbeiten zurüctbleibe. Tas Schreiben biete die Gewähr dafür,-daß der alte Kurs wcitergesteuert werde. Es werde nun Sache des Vereins sein, unter Ausschluß aller Parteistreitigkeiten für das große gemeinsame Ziel zu wirken, und besonders im Reichstag für eine kräftigere Flottenpolitik einzutreten. (Lebhafter Beifall.) Die Versammlung nahm im Anschluß daran einstimmig folgende Resolution an: „Der hessische Landesverband des deutsthen Flottenvercins stimmt in seiner am 6. Dezember in Darmstadt abgehaltenen Hauptversammlung der in Danzig gefaßten Resolution zu. Er nimmt Kenntnis von dem Präsidialrundschreiben vom 26. September d. I., erklärt sein volles Einverständnis mit den darin entwiaelten Ansichten und beschließt, in ihrem Sinne zu wirken." Bei der darauf erfolgten Neuwahl des Lanüesausschusses wird Dr. W. Merck als erster Vorsitzender einstimmig wiedergewählt. Zum zweiten Vorsitzenden wird, da Herr Oberst Becker seine Wiederwahl ableyut, Generalleutnant Korwan gewählt. Für den Landesausschuß erfolgt im allgemeinen Wiederwahl. An Stelle des ablehnenden Kreisrats Schliep- hake wurde der Fürst zu Erbach-Schönberg und für Kommerzienrat Aveuarius-Bingen Ingenieur Hoburg-Bingen als Vertreter von Darmstadt Geheimccat Freiherr v. Biege- leben gewählt. — Der Sitzung folgte ein gemeinsames Mittagessen.
Proviuzial-Ausschrrß oer Provinz Lberheffen.
L. Gießen, 5. Tez.
Der erste Gegenstand der Sagcsuixntung: Beschwerde dcS Rechtsanwalts Raav in Güßen gegen b.c Veranlagung des Loni)' scheu Hauses in der Bahnhofstraße zur Kanalsteuer wurde ausge- - fetzt.
2er zweiten Sache: Rekurs des Johann Sann zu Bu r g - G e m ü ude u gegen einen Polizech.i hl cz-roßh. m sanus Msseld liegt folgender Sachverhalt -ugruudc: Samt hat, ohne
die baupolizeiliche Genehmigung cinzuholen, einen Anbau an sein Wohnhaus errichtet, der unten _als Stall benutzt wird. Im zweiten Stock befindet sich ein Schlafzimmer und im Dachsttrck wird Heu, Stroh usw. für eine Kuh und eine Ziege aufbewahrt. Tas Kreisamt veranlaßte Sann zur nachträglichen Einreichung eines Saugcfutf^, erteilte auch nachträgliche Genehmigung, legte ihm in dem Vaubcscheid jedoch Cie Bedingung auf, daß in dem Anbau Heu, Stroh usw. in größeren Mengen nicht gelagert werden Dürften. Sann widersprach der Bedingung nicht, bei einer Revision sand sick aber, daß der Dachstock weiter als Heu- und Strohboden benutzt wurde. Darauf wurde Sann zur Räumung aufge» fordert und zwar schließlich mit Polizeibeseyl, gegen den er Rekurs erhob. Da sich in der heutigen Verhandlung Zweifel bariiber ergaben, ob Heu, Stroh usw. .in größeren Mengen gelagert werde, wurde die Beschlußfassung ausgesetzt, um zunächst Ermittelungen in dieser Hinsicht zu veranlassen.
Aus Statt und Land.
Gießen, 7. Dezember 1908.
** Tageskalender für Montag, 7. Dez. Vortrag von Jens Lützen im kaufm. und im Ortsgewerbeverein: Korfu. 8* l/z Uhr int Neuen Saalbau.
Hess. Vereinigung für Volkskunde. Vortrag von Pfarrer Mo ser aus Wohnbach: Sitten und Branche bei Taufen, Trauungen und Beerdigungen in der Grafschaft Stvlbera-Roßla. 81/* Uhr tnt Cafö GbeL
•
• * LandeSuniversitat. Folgender Anschlag ist heute am schwarzen Brett der Landes-Universität angeheftet worden: Die an die LanbeS-Unioersität gerichteten Schriftstücke, insbesondere die Eingaben enthalten fast durchweg eine tm Verhältnis zum Ganzen überreiche Zahl von Ergebenheitsbeteuerungen. Aus Gründen der Deutlichkeit und auch deS guten Geschmacks empfiehlt eS sich, auf diese Art von Redeschmuck zu verzichten. Er ist zudem zwecklos, da selbstverständlich alle Entscheidungen nur auf Grund sachlicher Erwägungen getroffen werden.
Gießen, 7. Dezember 1908.
Bartholomae, Rektor der LandeS-Universität.
Juristische FakultätsPrüfung. Der in der vergangenen Woche beendigten juristischen FakultätSprüfung unterzogen sich 25 Kandidaten. 3 Kandidaten bestanden die schriftliche Prüfung nicht. Von den übrigen Kandidaten erhielten nach Abschluß der mündlichen Prüfung 2 die Note »gut*, 8 die Note ,im ganzen gut*, 7 die Note .genügend', 5 die Note „ungenügend".
* * Stadttheater. Zu der Premiäre von FellingerS „Pfarrerin* am Dienstag sei noch das Resuinö einer weiteren Darmstädter Besprechung hier angeführt; eS lautet: .Das Stück zeichnet sich durch hohen sittlichen Ernst, Tiefe der psychologischen Behandlung des Problems und sichere Technik im dramatischen Aufbau und der Zeichnung der Hauptcharaktere aus. Die Aufführung machte einen tiefen Eindruck und erzielte einen starken Erfolg.« Auf verschiedene Anfragen wegen Ki n d e rv o r fiel l u n g en sei mitgeteilt, daß das Kindermärchen .Goldhärchen« in Vorbereitung steht. Auch die „Puppenfee«, die zunächst in einer Abendvor- stellung vorgeführt wird, wird einige Male nachmittags für die Kleinen gegeben werden. Die Tage der Aufführungen werden in den nächsten Tagen veröffentlicht.
" Hessische Vereinigung für Volkskunde. Es sei nochmals auf den heute abend im unteren Saale des Cafß Ebel stattsindenden ersten Vortragsabend in diesem Winter hingewiesen (Beginn 8% Uhr). Pfarrer Maser, Wohnbach (Wetterau), wird über Sitten und Bräuche bei Taufen, Trauungen und Beerdigungen in der Grafschaft Stolberg-Roßla (nicht Selketal, wie es im Programm am vorigen Montag hieß) sprechen.
• * Naturwissenschaftliche Vorträge. Der Vortrag des Herrn Prof. Koffel findet nicht, wie am SamStag mitgeteilt wurde, am 12., sondern am 10. Dezember (Donnerstag) 8V2 Uhr, in der alten Aula der Universität statt. Wir machen darauf aufmerksam, daß er durch zahl- reiche Lichtbilder illustriert werden wird.
• * Vorträge über Armenpflege. Dem ersten für unsere Gemeinde - Frauenvereine gehaltenen Vortrag von Pfarrer D. Schlosser wird nächsten Mittwoch Abend der zweite folgen, der nun die Praxis der Armenpflege behandeln soll. Bei dem neuen Eifer, der in unserer Frauenwelt erwacht ist, ihre Kräfte und die ihnen eigentümlichen Gaben in den Dienst der Gemeinde und ihrer Aufgaben zu stellen, ist eine solche aus der Erfahrnng der Arbeit geschöpfte Anleitung ein lebhaft empfundenes Bedürfnis. Es wird darum angesichts der drängenden Arbeiten der Adventszeit auch an dieser Stelle auf diesen Vortrag, über den das Nähere au§ dem Inserat zu ersehen ist, ausnlerksam gemacht.
* • Kupferner Sonntag. Der gestrige Sonntag, der in der Geschäftswelt der kupferne Sonntag genannt wird, hatte, begünstigt vom guten Wetter, eine förmliche Lawine von Menschen in die Hauptverkehrsstraßen der Stadt gelockt. In der Bahnhofstraße, in der Neustadt, der Marktslraße, Marktplatz und der Mäusburg, sowie am SelterSweg waren die Schaufenster in den Nachmittagsstunden von Menschen belagert, die die Herrlichkeiten betrachteten, die die Geschäftsleute als geeignete Weihnachtsgeschenke für Groß und Klein ausgestellt hatten. In den Geschäften, in denen die Landbevölkerung zu kaufen pflegt, war auch schon Kundschaft ein- gekehrt, aber auch dort wurde über nicht befriedigende Um- mtze geklagt. Am SelterSweg, in den Läden, in denen mehr die städtische Kundschaft verkehrt, war von einem lebhaften Handel nichts zu spüren. ES hat dies feinen Grund barm, daß die Gießener Kundschaft ihre Einkäufe lieber an Wochen- tagen macht. Jedenfalls steht zu hoffen, daß die Wochen, die uns von dem Weihnachtsfeste trennen, unserer Geschäftswelt noch lohnende Umsätze bringen werden.
** Ein Kesseltransport mit Hindernissen bewegt ich seit Samstag morgen durch die Stadt. Es ist der große Kessel der Brauerei Friedel & As Prion, der von 12 Pferden von der Brauerei zur Bahn gebracht werden soll. Der Transport nahm seinen Weg durch den unteren SelterSweg und den Neuenweg unb mußte schon hier mehrfach halten da der ungefüge Zug stecken blieb. Am ehemals Neatzschen Besitztum erreichte die Fahrt ihr vorläufiges Ende. Ein Kanalbeckcl wurde eingefahren und der Transport blieb endgültig stecken. Wann er weitergebracht werden kann weip man noch nicht. *
" 0b|tbauüatinif. Herr Leidich, Langsdorf, bittet ilnS uni Aufnahme nachstehender Notiz: Wie wir hören, z-r- fulietcii soeben wieder bei unseren Bürgermeistereien die Frage- lacten oes Obstbautechnikers Herrn Wiesner, welcher m»t der
Obsternte 1908 die zehnjährigen Versteigerungserlöse feststellen will. Die mühevolle Arbeit wirb jebensalls sehr lehrreiche Ertragsziffern bringen. Ist boch schon bie Zusammenstellung Der sechchährigen Ergebniffe bis 1905 nach dem Urteile eines hochangeschenen Fachmannes in Württemberg eine einzigartige Arbeit, wie sie noch in keinem anderen bestimmten Bezirke deS ganzen Reiches so genau wie hier gelöst worben ist. Aller Voraussetzung nach werben bie Gemeinden deS KreiieS Gießen — wie schon bis 1905 — mit ihren Erträgnissen an der Spitze bleiben. Hatten doch einzelne Gemeinden speziell im letzten Herbste trotz der verhältnismäßig niederen Preise, bei der Masse von Aepseln, die man erntete, selten hohe Einnahmen, ja oft mehr, als in den drei Jahren vorher zusammen. Einige Beispiele mögen dieses beweisen:
ES erlösten:
Bersrod tm vor. Herbst 1800 Mk., von 1905-1908 = 1078 Mk.
Annerod , , , 1548 , „ 1905 — 1908 == 1516 ,
Rödgen , , , 860 , , 1905—1908 = 850 ,
Gießen Stadt „ , . 2238 , , 1905—1908 — 2197 ,
Großen-Buseck, , , 2165 „ „ 1905—1908 — 1832 ,
Hoffentlich erhält Herr Wiesener bie Antworten recht „fließend« von unseren Bürgermeistereien, damit wir recht bald von der zehnjährigen Gemeindeobst-EctragSstatistlk der Provinz Oberheffen Kenntnis erhalten.
-f- Weickartshain, 6. Dez. Der Schneidermeister Heinr. Hock wurde im Steinbruch von einer herabrollenden Steinmaffe getroffen, so daß er einen doppelten Beinbruch und auch sonstige schwere Verletzungen erhielt, die seine sofortige Ueberführung tu die Klinik benötigten.
R. Ober-Ohmen, 7. Tez. Seit einigen Tagen ist der hiesige 2. Lehrer spurlos verschwunden. Ueber die Ursache sind verschiedene Gerüchte im Umlauf. Dieser Tage war der Großh. Staatsanwalt aus Gießen hier und nahm Vernehmungen vor. Der Aufenthalt des Verschwundenen ist unbekannt.
=- Bad Nauh eim, 6. Dez. Laut Abkommen bet Großh. Kurverwaltung mit Hans Winberstein-Leipzig beginnt die Kurmusik im nächsten Jahre bereits am 15. April unb endet am 15. Oktober.
X Freienseen, 6. Dez. Das 7jährige Töchterchen deS Bergwerksarbeiters Schmidt wollte kurz vor dem Schlafengehen noch eine Tasse Kaffee trinken. Sie entnahm diese einem im Ofen stehenden Kaffeetopfe, wobei er ihr entglitt und der kochende Inhalt über die bloßen Füße sich ergoß. Das Kind erlitt schwere Brandivunden und mußte ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.
O La ubach, 6. Dez. Der Stadtvorstanb bewilligte für den 74jährigeu Schäfer Spuck eine jährliche Pension von 130 Mk. Eine ähnliche Summe wird ihm von der Gräflichen Generalkasse, da er die ersten 36 Jahre in gräflichen Diensten stand, noch zu Teil werden. Am 1. April 1909 tritt er nach 56jährigen Diensten in Ruhe.
Bensheim, 4. Dezbr. An der gestrigen Stadt- v er o r d ne te nw a h l beteiligten sich von 1300 Wahlberechtigten 910. Gewählt wurden die Kandidaten des Zentrums, Dr. Wiegand, F. Jost, F. Seib, Auler, G. Jost unb Mohr, auf die 362 bis 573 Stimmen entfielen.
Wo rms, 6. Tetz. Das Regiment Prinz Karl Nr. 118 beabsichtigt, bie noch lebenden Veteranen, bie am 9. Dezember 1870 unter der Führung des Hauptmanns Kattrein der Erstürmung des Schlosses Cham bord Anteil genommen unb so zum Ruhme des Regiments beigetragen haben, wieder zu vereinigen und ihnen Gelegenbeit geben, nach 38 Jahren ein Wiedersehen in der jetzigen Garnison Worms zu feiern. Tas Regiment hat daher alle Veteranen auf nächsten Mittwoch, den 38. Jahrestag der Wiederkehr des ruhmvollen Gedanklages, zu einem Regime n t a p p e l l aus mittags 12 Uhr auf dem Hofe der Jnfanterio- kaserne eingeladen. Hieran schließt sich eine Begrüßung des Regiments, sowie ein vom Regiment veranstaltetes Mittagsessen, »u dem die Teilnehmer als Gaste eingeladen sind. Nachmittags wird wahrscheinlich der Gvoßherzog die Veteranen begrüßen, worauf noch eine Unterhaltung durch Aufführungen stattsindet.
w. F r a n k s u r t a. M., 5. Dez. Heute tagte hier Der Deutsche Luftschiffertag. Dr. Stade-Berlin erstattete den Jahresbericht, wonach der Verband von 12 auf 23 Vereine unb von 4500 auf 7000 Mitglieder gestiegen ist. Oberleutnant a. D. Mödebeck- Berlin berichtete über die Fortschritte seiner Bemühungen bett. Anfertigung von Luftschisfkarttn. Tie Vorstandswahl ergab: erster Vorsitzender Geheimrat Busley-B^rlin, 2. Vorsitzender Generalmajor Neureuther, Schriftsuhr er Dr. Sbade: Beisitzer Lberst- leutnant a. D. Mödebeck, Dr. Banner-Essen, Baumeister Hach- stetter-Wür-burg, Dr. Weißwange-Dresden, Geheimrat Hergeiell- Sttaßburg, Werftbesitzer Oertz-Hamburg, Studiendirektor Ectert- Köln, Professor Dr. Abegg-Breslau und Oberbürgermeister Küh. nach-GraudenK. Zum Synditus wird Rechtsanwalt Esehenbach wiedergewählp Ein Tag für die Wettfahrten im Jahre 1909 wird noch nickst festgelegt. Geheimrat H e r g e f e 11 warnt bei diesem Punkt der spvrclichen Wert der Kugelballonfahrten $u überschätzen. Die letzten Veranstaltungen in Berlin mit ihren Unglücksfallen hätten der Lustschifsahrt außerordentlich geschadet. Man solle auch die Flugtechnik und die Meterlustschiffahrten mehr pflegen. Im nächsten Jahre wollen Berlin und Köln große internationale Wettfliegen veranstalten. Eine Reihe interner Wettflicgen werden angemeldet, -nm Beispiel von Frankfurt a. M. Für die Teilnahme am Gordon-Bennel>Wettfliegen im Jahre 1909 werden Ballons vom Berliner, vom Niederrhcinischen, vom sächsischen und vom Kölner Verein gemeldet. Von diesen iuerben drei ausgewählt. Heute abend sand im g-rau Harter Hof ein Festbankett statt, an dem die Spitzen der vstaats--, der stadttschen und der Militärbehörden teilnahmen.
** Kleine Mitten n g c n ans Hessen und den Nachbarstaaten. Das Amt des Rechners für Belters- hain, bas 60 Jahre lang Rechner Christian Schäfer von Grünberg bekleidete, ist dem seitherigen Beigeordneten Röhng übertragen worden. — Der bei seinem Sohn in Nisterberg bei Betztwrf zum Besuch weilende 82 Jahre alte Förster a. D. Herders, wollte ein Wiesel schießen. Er rutschte aus, wobei sich die Waffe entlud unb den Greis t ö b e t e. — Frau Baronin Mathilde von Heyl, geb. Prinscssin zu Isenburg-Büdingen, ist von einem Töchterchen entbunden worden. — Die Errick)tung eines selbständigen Gewcrbcgerichts wurde in Gonsenheim be- schlossen.
Diedenhofen,5. Dez. In der PrivatNage des Pfarrer- Thrlmont gegen den Bischof Benzler in Di e tz unb Pfarrer und Redakteur Heymes in Walicheid, und Redakteur Paquin, früher in Metz, jetzt in Berlin, wegen Beleidigung durch die Presse, wurde heute abend nach zehneinhalbslünoiger Verhandlung Pfarrer Heymes freigesprochen, weil er preß- gesetzlich nicht verantwortlich ist: die entfallenden Kosten gehen auf Lasten des Klägers. Bischof Benzler wurde auf Grund tx5 § 185 des Strafgesetzbuches zu 20 Mark Geldstrafe und den Kosten verurteilt. Die Platten und die vorhandenen Exemplare der „Revue Eclesiastique" sind zu vernichten. DaS Urteil gegen Redakteur Paquin wurde auf unbestimmte Zeit vertagt.
Vermischtes.
he. Desinfektion oo .. u> e r n unb Papiergeld. In der „Umichau" lesen rjir: Nicht nur das Wasser und die Lust Uno lieber träger der trant'heitserregenden Mikrvorgaiusmcn, fafr-


