Ausgabe 
7.12.1908 Erstes Blatt
 
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Montag 7. Dezember 1908

158, Jahrgang

Erstes Blatt

General-Anzeiger für Overyessen

Die heutige Nummer umgabt 12 Seiten.

Italien und der Dreibund

em

Unseres ^mcnö arbeiten auch noch zwei größere Buhnen

Akademischer Gesangverein.

(Gcgr. 19. Februar 1819.)

Nr. 288

Ter Siebener Anzeiger erscheint täglich, außer KonntaqS. - Beilagen: viermal wöchentlich Sithcner.^amilienblätrer; Iroeunol ivöcheirll.Ureis-

latt färben H:#is@k6tn (Dienstag iindFrciiaqi-, zweiinal monail Land- wtk.Ichafrliche Zeitsragrn Fernsprech Anschlusse*. bu die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse tüt Depeschen:

-tnzetger «letzen.

wollen. Dafe bei diesen V^ eifrig t> on b r i t ter (Seite eilte Trompete nntgebwcht und, bläst aus dieser Abg. Hallum hinter den Kulissen gearbeitet wird, steht außer Frage, denn du will gegeii^ine Prundententrwune sturmen, kmiL daran leooch Gegner deS Dreibundes lassen augenblicklich alle Äiiuen spttngen, durch tue ^ranöe, Oie um die Trwune erridytet ist, gehindert.

Beethovens M i s s a To~l c m nls^nädmllitagS um üVs Üt/r voraus-1 gcmadst, und roa» soll nuin id-lnßttch mit demangebrock>enen iidptlidt. Äm 17. Februar 1909 findet die Hauptprobe zu Bee- Abeno ' ansangen? Der Herr Direktor aoer macht durch seilte t Hove nsChorphan.asie" und Sjobert SchumannsMan I großmütig zu vielen Aauicnocn versandtenFreibttlettS ein fred" statt, acdack>t als Schulerkonzert nachmittags um xbA Uhr sehr gutes Geschäft.

Deutjches Resch.

Das Schiedsgericht wegen Casablanca. Emer Blättermeldung zufolge hoben Frankreich und Deutschland

derselben Weise.

- Ein interessantes Gespräch mit Mareoni, in dem der Erfinder von den manuigiach^n Lchivierigkeiteii erzählt, die sich an'angs seinem Unlernebmen entgegenfiellien, und in dem er seine weiteren Pläne erläutert, veröffentlicht G. Emanuel tm Govuere della Sera". ,ES ist lvahr," so äußerte sich Mareoni, daß unsere öiadiotelegraiume von London nach Neivyork Mehrheit erfordern, als ein Slobeltelefivomm, aber diese Verspätung Hal ihre Ursache in den maniug'achen Ui»ischallunge>l, die heule noch nölig sind. Eni Diadiolelegramm von London nach Neivyork muß erst von London nach unserer Station Clilden mit Irland gegeben werden, geht von da z»lr kaimdischen Slalion am Rap Breton und wird erst von hier aus nach Neivyork wellergegeben. Am Aniang hallen mir mit unseren neuen Appaialen manche prakusche Scbivie- ngfcilen zu überwuiden. Ein sellsames physlkatisches HmderniS slcUte sich uns in den Weg. In gewissen lu'otgen* oder Abend­stunden, wenn oui Grund der verschiedenen Längengrade au' der einen Seite des Ozeans noch Tag »var, ivährend jenseits die Nacht betens berembrod), zeigten bie radiolelegraphischen Signale eine unelllärllche Schivache und bisweilen Höllen sie nach einem oer- zweiiellen Todeslampie ganz ans. Tie lichlen Lullräume bieten den elektrischen Wellen eine andere Strahlenbrechung als die dunklen, ani den Uebergang von der einen Sphäre in die andere wurden die Wellen geiiori, gebrochen und verstreut. Wir haben lange mit dieser geheimnisvoUeli unbekannten Macht känipsen miissen, aber schließlich haben wir auch sie überwunden.* Tie groge ualientsche Marcoul-Slalion, die bei Eoltano im Bau ist und die stärkste Station der Welt ivctöen wird, ist soweit lertig gestellt, daß die eifien praktischen Versuche bereits nach Weihnachten be­ginnen werden Sie sollte ursprünglich nur dem buchen radio- telegraphischen Verkehr mit Kanada dienen; der Plan ist jetzt er­weitert, sowohl in New-Bork wie in Buenos Ayres werden große Marconi-Stationcn errichtet, die einen direkten drahtlosen Tele- grammoerkehr erlauben. Zugleich richtet die italiemsche iKcgiening unter der Benutzung der Station von Eoltano eine drahtlose Ver- binbiing mit dein Bciiadir und dec ertträtsche» Kolonie cm. Auch zwischen England und Italien wirb jetzt eine direkte drahtlose Telegrapheiiveibinbung hergestellt, die eine iveieutliche Verbillig'.mg des schnellen Llachrichtenvcrkehrs bringen soll. Tie Zeit der drahtloien Telephome halt Alarconi noch iticht für gekommen; insbesondere in den gcrmanischen Landein gibt die Lautüberlragung zu vielen Irrtümern Anlaß, während die lateinischen Sprachen zur lelcphonijchzn tzernvcritändigung sich ungleich beijer eignen.

S i c will c ft i m i c r t fein. Unsere Auguste ist- so erzählt der Tgl. SiLsch. eine Leser in auf bruigeiibe Eiw labung ihrer in Salve verheirateten icufine dort einige Tage zu Befudj gewesen. Jicci} ihrer jjiüdfc&r jragte ich sie:'Nun Auguste, wo ist es beim fujöner, in Berlin oder ut (Salbe?"2lch^ gnuvuije Frau, in Gaioe: Da wird uw.n ganz anders estimierr, ivic hier. Ich habe nou) bie .Arme voll blaue Fleche, jo habe« mir d ie Herren gcEnie^L/'

Präsident Dr. Weisllrd'iier bctradjtct die Lärmmacher ruhig bino) sein Opernglas, zieht ftann ein Papier hervor und beginnt ihre 'tarnen zu notieren, was die Erregung der Tschechen noch mehr steigert. JnzwisckZen hat der erste Redner das Wort ergnsien, und da die Tsd^chisd-Biadikalen das Skntzloie ihres Bi'ginnens einsehen müssen, hören sie nach einiger Zeit mit dem Skandal auf.

©eju g8p rel i: monatlich 7äPs., viertel­jährlich Akk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePosl 3)11.2. viertel» jährl. ausschl. Beitellg. Zeilenpreis: lokal 15'1% ausivurts 20 Pienniq.

Verantwortlich fiix den politischen Teil, für .Feuilleton' und .Vermischtes': Ernst Anderson, tür .Stadt

^arL^LncuLarischcs.

Der Seniorenronvent,des Reichstages bat am SamSlng über den Arbeitsplan für die nächst' Wvcl-e Gernten. Es wurde beschlossen,die briite Lesung der Getoerbeo.dnnugslwvelll am Mitlivvü- oder Donnerstag auf die Tagesordnung zu setzen Die W-eihnaclitsserien dürften am Tontteis.ag beginnen, da man hofft, biä dahin die erste Lesung des EllttS zum ÄbjckXuß gebracht zu haben.

Bei der Ersatzwahl zum preußischen Abgeord- neteuhaus im Wahlk<eise Gmnbinncn-Pillkallen 2. wählten von 302 Wahlm-änncrn 238 den Gutsbesitzer E >vald Loser (ton[j zu Schmilgen, 57 den Rittergutsbesitzer Srchmalz (kons.) zu E^öer stärkte Budget ko mmission drS preußi­sch e n Abgeordnetenhauses hat die Einführung der Ge­el l s ch a s t S stc n e r gegen die Stimmen der Konservativen a b - gelehnt. Jrn Vianlllgesctz wurde der Vorsclstag der Regierung, schon für 1908 30 Millionen an Stcnerzuichlagcn zu erl-eben, ebenfalls gegen bie Stimmen der Konservativen abgelebt und Dafür die bei den Steuergesetzen besd-tossene Erhebung von Zu­schlägen von 25 Prozent znm EinL)nrmen der Erganznngsstener für 1909/1910 eingcfugL

Der Präsideni deS preußischen Abgeordneten­hauses tjat eine Sitzung auf nädLten Donnerstag, 10. d. Mts. anberaumt. In dieser Sitzung werden lediglich Die Zntcrpellatlon und bie AntAige der schnservativen und Freisinnigen, bctrcfienb Die Arbeitslosenfrage, zur Verhandlung konnnen. Die WeihnachSfericn beginnen voraus, ichll äh am 18. Dezember.

Tschechen-Slaudale im österreichischen Abgevrdnetenhause.

Zn der Santstag-SrAung des oster reich. lajcn Aogeordneten- Hauses »rächten die Tschechen einen ungeheuren Lärm wegen der Kwlsc-Asfäee. Als wenige Minuten nach 10 Uhr der Präsident Dr. AeiSkirchner im Saale erscheint, wird er mitAl^ug Weis- riramer"-bluten und ohrenbetäubendem £ärm von den Tsched>i,d-- Raditaten empfangen. In oem Augenblicke, da die Gdyreicr müde geworden zu sein schienen, zielen sie Pfeifchen hervor, nnd beginnen auf diesen ein schrilles Kpnzcrt. Einer hat sogar

fred" statt, gebad/t als Schülerlönzert nachmittags um '/-4 Uhr im Theater, aber ebenfalls für Jedermann zugänglich, und am 18. Februar 1909 abends 6 Uhr folgt die Lauplaussalwung im Theater, an die sich eine gesellige Abendunterhaltung in ben Räumen des Gesellschas.Svereins anschließcn wird. In Beetho­vens C^)rPhantasie hat 5xrr Pvosejsor G. Trautmann in dankens­werter Weise bie Ausiuhrung des Klavierparts übernommen. 0-ür dOe drei Kvn^rte, die im Rahmen der 10 Konzerte des ztonzertvereins statlfinden, wird auch ein Sonderabonne- me n t au5gegcbciu Alles nähere wird noch später bekannt ge-

Slawentum und Germanentum in Oesterreich.

An Prag ist es seit Verlegung des Slandred>ls ruhig, aber nach einer Prager Meldung wurden auf dem Bahnhof Adelst berg drei deutsche Kaufleute von slovenisck-en Marti- besuchern insultiert, weil sie Spenden für den slawischen schul'- verein oer weiger lat Der Kaujurann Julius Göhl wurde zu Boden geschlagen, und während er bewußtlos dalag, feiner Bao- schast beraubt. Einer der Täter konnte verlostet lvcrden. Auf Der Rückreise von Prag wurden die 'r e i chs de n t s che n Stdenten in den festlich beflaggten Städten Lobo,iß und Aussig vorn Stadtrat und von einer tausendkopsigen 'jJicnjaKiunengc be­grüßt. In Aussig fand ein Fcstöommers statt, bei dem die Reiä-sdeuiichen lebt-aft gefeiert würben. Der akadeutisä-e Senat der 6eutiaxn Uniuerjüät Prag ljal tvegen des Verbots der Grnnp- fteinlcgung des Universilälsniubanes und wegen deS Surbenr Verbots befchlosfen zu demissionieren.

Vorgest.rn abend haben sich auch in Pilsen die antiixnitfd)ert Kundgebungen in großem Umfange wiederholt. Eendarnnr.e mußte ciilschreiteu, die Polizei war niachtlos. Auch aus 9iachod und Olinütz iverdeu blutige Auösck)a.eiluiigeii gegen Deutsck-e geineldet. Eine von der In eien Wijscusü-asllichen Vereinigung an der Universität Berlin einbcrufenc, außerordentlich stark besuchte A ka- d c m i ke r v e r j a m m l u n g nahm gcfUim miilag im großen^aalL oer Phill-arnwiiie Stellung zu den jüngsten Vorgängen in Prag. Auch der Lehrkörper der Universität war zahlreich vertreten, so durch Proeetwr Smmps, die Prvscfsoren von Sckmwller, Elick) -inidt, Sxmmrf, Virjchseid und viele andere. Die ißciiam uv- lung leitete der Student Deine. Es sprachen zumlck)st die Pro­fessoren bioetbe, Lenz. Adolf Wagner uiw von Lifzt, sowie oer Generalsellelar des Vereins zur Erhaltung ves DeutschtuniS im Austanoe, Geifert, wobei die ylebner zuni Sck>uh bes Teiiifchtuuis aufforderten unb die Kämmiliwnen baten, die osterreichifck/en Doch- schulen melx Ivie bisl)er aufzusuchen. Der erire Vorsitzende der Freien Wi,ienjä-aftliä)en Vereinigung, cani>. jur. Loewenthal, er­zählte seine Erlebnijse in Prag. Die Versammlung nahm nach 2y2 stünoiger Dauer eine von Professor v. Liszt eiugebrachle Reso­lution an, in der sie aussprach, datz sie den Vorgängen in Prag mit größter Entrüstung gefolgt ist uni> in der sie es für die Pflicht eines jeden Dcutscl)en erklärt, den bedrängten Stanrrnesbrubern: zu helfen. Demgemäß fordert die Verfammlung zum Bcllritr in den Verein Zur Erhaltung bes Deutschlums im Auslands auf und versichert znm Schlüsse bie Deutschen in Oesterreich ihrer größten Sympathie. Die Resolution würbe mit großem Beifall einstimmig angenommen unb em Synipathictelegrainm an bie Prager bcutid^e Stubentcnfdiaft abgesclnät. Mit einem Lwd) auf das deutsche Vaterrnnb sd-loß die eiiro-rudsoolle Kundgebung. Pracht­voll dura>vrauste das LiedDentschiano, Deulsdstan.), übet allcö" ben Saal. Der Rektor der Universität Berlin, Professor D. Kahl, hatte der Versammlimg ein herzliclMs Begrüßungslelegramm go- >u,iclt, in dem er seine Sympathien und die der Universität fün bie Kundgebung gegen die Prager Vorgänge zum Ausdruck bringt

um uns das Terrain streitig zu machen. So ist es in Konstan- tiiwpel und so ist cs in Slum. Es ist vielleicht nicht von ungefähr, bafe die französische Botschaft in Rom mit nicht weniger als 300 000 Franks im französischen Etat figuriert, obwohl der französische Bot- sckiaslcr in Rom kaum in die Lage kommen wird, viel Geld für repräsentative Zwecke auszugeben. Es wäre daher interessant, nachzusorschen, wo daS ganze Geld bleibt .

Eharakteristisch ist auch die Ausnalmie, die die Debatte m der französischen Presse gefunden l-at. Es wird auSgcsührt, daß man icßt in Wicn über die wahren Gefühle in Italien au-geklärt sein dürste Es habe sich vor aller Welt offenbart, daß die Alliierten in Wahrl-eit Spinnefeind sind. Man sieht es mit Schadenfreude und man rechnet anscheinend damit, daß über kurz oder lang Italien sick) offen an England und Frankreich ansd,ließen wirb. Es ist selbstverständlich, daß die Lattung Italiens geaenubcr Ceilerrcid) aus die Beziehungen zum Dreibund nicht ohne Einfluß bleiben tonnen. In Deutschland würde man wahrscheinlich den unzuverlässigen Italienern keine Träne nadyoeinen, und es wäre weit besser, reinen Tisch zu mache», als diesen Zustand nod) weiter hiuauSznschicben.

Fürst Bülow hat einmal, als Italien fich in auffallender Weife Frankreich genähert hatte, erklärt, daß man sich über eine solche Extratour nicht gleich aufzuregen brauche. Tic jüngsten Vcrhaiid- liuigen der ilalienijchcn Kammer, auf welche man sonst sehr wenig zu achten pflegt, haben aber in der ganzen Well das grüßte Auf- sehen erregt, weil sic auf das deutlichste zeigen, von welcher Ge-- Hiinuitg die Lcvöllerung des italienischen Reiches beseelt ist. Nad>- dem in den letzten Jahren die Gegensätze zwischen Oesterreid; unb Italien zu schwinden schienen und die herzlichsten Aussprad-cn zwischen den bisherigen leitenden Staatsmännern ftnttgcfunixn haben, l-at der Verlaus der Balkanwirrcn, den Trahtzichern hinter den Kulissen willkommenen Aillaß gegeben, erneut gegen die Tonau- Monarchie zu Hetzen, nnd zwar mit einem Erfolg, den wohl nie­mand geahnt hat. Tie gesamte Bevölkerung, alle Parteien ohne Ausnahme, ist wie mit einem Schlage von der ticssten Abneigung gegen Meilen eich erfüllt. Tiefe Stimmung hat in der Kammer-- bebattc ben schärfsten Ausbruck gesunden. Lat doch kein geringerer als der srühere Minister des Aeußern über das Verhältnis zu Oesterreich in einer Weise gesprochen, daß es ben Eindruck mad-en müßte, als ob der Bündnisvertrag nur noch ans dem Papier bc- stäiide, und seine Worte haben einen Jubel sondergleickicn geweckt, wie man ihn im italienischen Parlament, wo es bei der Heißblütig­keit der lateinischen Slasfe an Lebhaftigkeit nicht fehlt, kaum je gehört hat. Dieser Beifall tarn einem Mißtrauensvotnin gegen xiltoui nahe, dessen dreibundfremibliche Politik ohnehin schon in den letzten Monaten den schärfsten Atlgriffcn ausgesetzt ge­wesen war; Lcrr Tittoni hat ben Wink, den ihm bie Kammer- Verhandlungen vom Donnerstag gaben, verstanden. Er ist sosort eingeschwenkt, und hat Lerrn Fortis osterttativ die Laiid ge­brückt, jodann hat er auch in ben nächsten Tagen eine längere Rechtsertigungsrebc über seine ausivärligc Politik gehalten, die ztvar in der Tonart wesentlich milder war, aber doch burchblidcn Liefe, bafe er von der österreichischen Aalkanpöliiil nid)t sehr er­baut sei, unb bah Italien seinerseits berechtigt sei, aus^dem Ver- trage gewijse Ansprüche auf den Balkan herzulcitcn. Tutoni er­klärte ausdrücklich, dafe bie Jntercsfcu in Mazebonici unb Al­banien burd) ben Dreibund garantiert feien, und hieraus gehe hervor, dafe diese Garantie bie Eventualität neuer Oklnpationeii ins Auge fasse. Auch fügte der Minister hiiizu, bafe fich Italien mit ben interessierten Macksten üerftänbigt habe, um eine schnelle Fertigstellung der Donau^Abria-Balsti zu erreichen, von der Serbien unb Montenegro ihre wirtschastliche Setbitanbigkell erwarten.

Da es sich hier bekanntlich um ein Konknrrenzprojelt gegen bie österreichischen Bahnplänc hanbelt, stellt sich also Italien ausbrücklich auf bie Seite ber Ballanstaaten gegen Oesterreich. Unter biefen Umständen war es begreiflich, bafe Tittoni ein Ver­trauensvotum erhielt, aber cs verdient hervorgehoben zu werden, daß feine Siebe mit eisigem Schweigen angchort wurde, und daß das Vertrauensvotum gegenüber der Siegiccuug lediglich von tak­tischen Grüiiden diktiert- war, und bafe ein anderer Ausfall der Debatte leickst verhängnisvolle Verwicklungen auf dem Gebiete bar auswärtigen Politik hätte nad) sich ziehen können.

Alles das zeigt deutlich, wohin der Kurs in Italien geht, und da es ja nicht das erste Mal ist, bafe sich biefer sogenannte Verbündete" eine Extratour gestattet, so werden sich die beiden an­deren Mitglieder des Dreibundes wohl zu verständigen haben, toiddje Ladung sic gegenüber einem solchenFreunde" einnchmcn

In der Mitgliederversammlung der Vereins sind letzthin Mit- teUungei: gemadst worden, die auch eine breitere Oefstnllichkeü interessieren. Eine kurze Erinnerung an die Gesckstchte des Vereins mag vorauSgehen. Ter Verein ist im Jahve 1819 als einer der ersten gemiiastcn Lhörc Deutschtruids. gegründet worden unter dem damaligen Musikdirektor Dr. Gafencr und hat bereits 1820 ein zweitägiges Musikstst veranstaltet, bei dem Rombergs Glocke" und ein Tedcum von Gottfried Weber zur Aufführung kam. Das Fest fand in ber alten Burgkirche statt. Von 1826 an stand der Verein unter der Leitung von Leinrich Lofmann. 1830 würbe WebersFreischütz" aufgcsiihrt uno bis 1859 folgten n. a. LaybnsSchöpfung",Aleranderfcst" von Ländel, erste Watpurgisnadir" von M e n d e l s s o h n, endlick) L ä n b e l s SRessias" (unter Mangolds Leitung). 1859 wurde R. v. Jhenng Lorsitzellder des Vereins, 1863 Wilhelm. Makler sein Dirigent. Unter seiner Leitung wurden n. tu aufgeführt: SAende 1 s - sohlisPauluS",erste WiilptirgiSnadst",Elias",42. Psalm" : Hänsel sSamson",Messias",JudaS SAaccabaus",Josua Saul"; St. SchumannsTas Paradies und bie Peri"; MozartsRequiem"; LaybnsJahreszeiten"; Brahms TeutsdpeS Requiem" (1872) und I. S. BachssN.atthäusz'aiswn" (1866 unb 1867). Seit 1874 war bis 1896 Dirigent Aböls Seid)»er. Zahlreicl-e Werke sind von ihm neu cinftubicct und aufgcjührt worden; hervortzuheben süid u. a. Beethovens IX. Symphonie, Schumanns Manfred (1886: auch damals wirkte E r n st v. P o f f a r t mit),Der Rose Pilgerfahrt", kteincrc Bachsche Werke, auch die Mattl>iU§passwn (1883) u. a. m Seit 1896 ist Derr Prof. G. Tvautmann Dlligmtt und bie Äuuuh- rnngen unter feiner Leitung stellen wohl nocy in aller Erinnerung; wir erwähnen nur als vorher noch nicht anfgeführtc Werke n. a.: R. Sck'umannsFausts-encn"; L. van Beethovens Missa folernniL"; I. S. B a chs D^moll Messe; Brahms urnpslied"; Ä o l s r u m sWeihnad)tSm:;sterium"; V c r d i sSie- quicm"; BerliozKindheit Christi"; Liszts ..Heilige Elisabeth", nebst Miederholnngen vonEliaS",Panl-s erste WalpurgiSiiachl" von Mendelssohn^, von AachsSturtihur.spaifion"; BeethovensIX. Sym­phonie", BrahmsDeutsches Requiem" ufw. Und nun jllht ber Verein vor der 90. LLeocrtehr seines G^andungStages, den er in voller Kraft, reich an Mitgliedern zu be­gehen gedenkt. Dank dem engen Zusammenschluß mir dem Gießener wonzertverein, mit dem seine Geidsichtc aufö engste verknüpft ist, ist es möglid) geworden, die Feier in Form eincS Mufikfestcs zu planen, wie es für Gießen wohl noch nicht bageroefen ist. Und um nun audj ben weitesten Kreil en bie Teil­nahme zu ermöglichen, sollen die Hauptprooen zu den Ehor- Linzertcn ausgcstattcl werden atsVo l?ö- u n d S ch ü l c r^K o n- zerte". Die Feier beginnt am 1-1. Februar 1909 im Theater mit einem Qrch.stert-onzert, in welchem o'cau Erika Weoe- ti n b als Sängerin mitwirtt A-.u 15. Februar 1909 abends wirb in der Siarrkirche Drn-.'llw)oe zu L. ran Beer Hove u s ^Oiissa folemniS" ftullfinbcu. Die a.S Volks fonzert gedacht ist, aber auch iebermann sonst zugänglich sein wird. Am 16. Februar 1909 folgt in, der Suchtrch^e bie Hauptauflilhrung Wil

Ä l; i oon llnj'igfl V . u.Land" und.Gerichts-

di?'rmiesn».n,iucr Rofcfions^ntd und Verlag der vrühl'lchcn Unlv.-Vuch- und 5teinvrvuerel 11 Lange. Redaktion, Expedition und vruckerek: 5chu!flratze 7. Anzeigenteil: H. Beck.

bt6 vormittags 10 U()t. n, i,,,.:-Li-.-r v»

geben.

Um daS Haus zu füllen versendet bie Direktion einer Berliner Bühne, bie natüclid) durchaus nicht ersten Ranges ist, folgendes Zirkular, bei dem wir nur den Namen bcS Theaters unb beS Stückes weggclasfen haben.

Loher '2lbel LochelcganteS Publikum.

Waren Sie schon im L-Theater?

Noch nicht?

Tann maren Sie überhaupt noch nirgends nnb wissen Nicht, was Lachen heißt?

T iescS Da^Jnstttut, in welcksem Lach-Krämpfe an der Tages- Ordnung sind, nid>i besuchen? Lächerlich?

Wir enthalten u»S jeber besonderen Anpveisnng unserer Stücke, sondern sagen nur bcfdtcüxn, bafe hnr die beswn und sdwnsten unter ihnen, bie effellvollsten, spannendsten, unlerhaltendften, be­lieb ttfkn, niedagcivesenswn zur Tarstellnng bringen, bie je ein deutsches Did-tcrhirn zutage forbciue.

Tas T-T Heater zählt zu den größten und elegante fern Theatern der ResidcuiL und ist reichlich mit Logen unb gesperrten Sitzen versehen. W beginnen seine Elite-, Sonder- uno Exlrazug-Voc- itellungen an Wvenentagen Vi9 Uhr, Sonntag natürlich um 8 Uhr. Tie SonntasK-SladMittagö-ÄorsvelluriLen um 3y> Uhr.

Tächter und Darsteiler machen feinen Anspruch auf Unsterb­lichkeit im Gegenteil aber sie ersuchen bringend um ein gut gesinntes mti> feierlich geflanmtvfl Publikum, unb jeder Einzelne wird speziell geoeten, recht zahlreick) zu acscheinen.

Aber sollen Sie uno Jpre näcjiftcn Slächsdcn nur allein lackien? Sollen nicht auch 'ingebörige unb Angehörige dieser Angehötigen na, aber felbstoerständlid)! Um Sie vorerst mit unferm Unternehmen oefannt zu madym, senden wir Ihnen mehrere BillcttS zur gütigen jedoch durchgehenden Benutzung. Ja, noch mehr: Sollten vr>tc noch mehr orauchen, so genügt eine dics- oezugllche Postkarte uno alles ist in bester Ordnung.

Mit ficurttiidjcr Empsc^ung

grüßt wie immer

Tie Direttion bc5 T-Theaters."

Dashochelegante Publikum" freut ]iu>, gralls wiilllche Bil­letts zu b-rtomnten unb eilt, wie bie Slltt.-Zlg. mütciU, in bieses ,^Lad>-Jnstillu". Dort nrufe es aber bie oetrüoenbe Erfahrung mau,en, baß eine ganz lleingedruckte ZeileBillettsteuer an der Abendkasse" übersetzen ist. Um nun hineinzulommeu, muß diese Steuer, Oie gewoyuiich 1l,aü Ultarf oetragt, gezahlt roaben, uiö das geschieht fast immer, denü die Fahr Losten sind einmal