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11.1.1908 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

Samstag 11. Januar 1908

158. Jahrgang

Die heutige Nummer umsaht 18 Seiten.

Markylav 17.

Landhaus das Ziel vieler

Die Intendanz des Frank- Tie nächste Olouuät nach der

unter dem Namen Brenlanosches Wanderer unb i'üeratuviveunbe.

Kleine K n n sl ch roni k. iurter Schauspiels teilt mit:

Neueinstudierung von HeddelSMaria Nlagdalene* wird Ende nächster Woche das SchauspielDer A »i d e r t* von Paul Lindau jein. -

Verkäuferin und Delileimn-

Liellr per L gebt a. d. Erocd. d. Bl

> 5^tioD (iie&tD p y.fcUe, A.-V.

d Jitntaj , dc« 12.8««-1 iudenrod-Dieber.

Lvmailch vo"A

St.MMUttgSviLd uus dem Atichstage.

Berlin, 10. Januar.

Der Vogelschutz.

Es war bei einer der Verlängerungen des Sozialisten­gesetzes. Alle politischen Nerven waren auss äußerste ge­spannt. Mehrere Tage hatte die heiße Schlacht im Reichs­tage schon gewährt,. und nach einer vierstündigen Rede Singers war die Verhandlung abgebrochen und man hatte einen Schwerinstag eingeschoben. Der Vogelschutz stand auf dessen Tagesordnung, und Alexander Meyer, es kann auch Munckel oder Träger gewesen sein, hielt eine köst- lictye Rede man wußte nicht, ob über Vogelschutz oder Sozialistengesetz; denn es war vom Schutz der Singer die Rede und jeder Satz hatte eine humorvolle Beziehung. An die zwei Jahrzehnte sind seither vergangen und auch heute stand der Vogelschutz zur Verhandlung, und auch heute demonstrierten sozialdemokratische Massen vor der Tür des Parlaments, wenn auch nicht vor dem Branden­burger Tor, sondern in der Prinz-Albrechtstraße. Der Humor eines Alexander Meyer ist aus den Hallen der Volksvertretung gewichen und soweit er noch vorhanden,

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CUiuviueH^ z, Voba em lülvrige- dtheu "Ul bwb gesucht.

ycichüusslelle ««Uktgers. ,240

Nr. 9

Het Slrtzener Anzel-n crid)emi läßlich, äuget SomuaqS. - Beilagen: viermal roöcbentlld) -tetzener^amiliknblätter; troeimal luÖcbcnil.Ktels«

lall für den Urei, Giehen sTrenslag und Freitag); jmeniml monatl tanb« Dlrlfchaflltche Settfragru

die Vermehrung der Zahl der Geschworenen in St. Pe­tersburg und Moskau, um die Bestätigung des Etats der Auserstehungskathedrale in St. Petersburg und der- gleichen mehr. Die boshaften Krittler dieser dritten Duma, Die sie die Duma der Talentlosen nennen, scheinen dem­nach gar nicht so Unrecht zu haben.

Unter den politischen Ereignissen der abgelaufenen Woche verdient vor allem die Reise des jranzo- s i s ch e n Ministers des Auswärtigen P i ch on n a ch M a d r i d Erwähnung. Diese Reise ist sicherlich kein bloßer Akt der Höflichkeit gegen das spanische Kabinett, sondern hängt in der Hauptsache zweifellos' mit der Ma- rokkosrage zusammen. Es veclautel, daß Frankreich Spa­nien für eine weitergehende Aktion in Marokko gewinnen wolle. Bisl-er war Spanien in Marollo ziemlich zurück­haltend und untätig. Ob es Herrn Pichon gelungen ist, seine spanischen Minislerkollegen jür seine P.äne geneigt zu machen, darüber ist nichts bekannt, aber man weiß, aaß Spanien sich keineswegs leicht dazu bereit erklären wird, die Franzosen aus der marokkanischen Patsche zu Helsen, Denn vor allem sind es d.e gefälligen Kosten eines solchen Unternehmens, die Spanien zu scheuen hat. Ohne besondere Gegenleistungen von selten der Franzosen wird Spanien also vermutlich nicht zu haben sein, und es verlautet denn auch schon, daß Frankreich daraus hrn- arbeite, die bestehende Entente zwischen Spanien, Frank­reich und England zu einem festen Bündnis zu erweitern.

Wir im Deutschen Reiche konnten einer solchen Ent­wickelung der Dinge ruhig entgegen sehen, denn eine Bedrol/ung des Weltfriedens würde em englisch-französisch- spanisches Bündnis ebenso wenig haben, wte es die Entente bisher gehabt hat. Bedrohlicher steht trotz aller Frwbcns- versichernngen die Lage in Ostasien aus, wo sich die Spannung zwischen Japan und Amerika ständig vergrößert. Tie aus ihre kriegerischen Ersolge so stolzen Japaner werden es sich schwerl.cy ge,allen las,en, wenn die Ver­einigten Staaten von Nor^-Kmerika durch irgend welche Ausnahmegesetze die japan.sche Einwanderung von Amerika abzul-alten versuchen wollten. Auch an sonstigem Kon- slit'tsstosse zwischen beiden Völkern fehlt es niajt. Unter diesen Umstünden bedeutet das bevorstehende Eintressen Der amerikanischen Flotte in den ostasiatstchen G-wäs,ern eine nicht gering zu veranschlagende Gewähr ,ur den Frieden im Stillen Ozean.

Eine Swrung des Friedens wird jetzt auch von der abessinischen Grenze gemeldet. Ob mit oder ohne Wissen Mcneiits haben -JOn Abefs.niel' einen Ein,all au, italieniicijeS ®ebict gemacht, siarawanen beraub., d.austeutc gefangen und getötet und den Ort Lugh, wo der italienische r-lesident we.lt, bloaicrt. J.aücn hat vom Negus Menelit jetzt sofortige Genugtuung verlangt. E. A.

politische Wochenschau.

Gießen, den 11. Januar.

Der deutsche Reichstag und das pr eu ß i sche Ab­geordnetenhaus haben in der abgelaufencn Woche ihre Beratungen wieder ausgenommen. Große Ereignisse haben diese ersten Tage nach den Weihnachtsferien im Reichstage noch nicht gebracht, denn man erledigte hier einstweilen nur geringfügige Zachen. Auch im preußischen Lbgeordnetenhause brachte die erste Beratung des Etats noch leine besouoere Ueberraschung. Daß die fetten Jahre der großen Ueberschüsse nun auch für Preußen vorüber sind, wußte man schon aus mancherlei Anzeichen vorher. Die erhebliche Erhöhung der Beamtengehälter machten sich ini neuen Etat recht deutlich bemerkbar, ebenso die ge­ringeren Einnahmen bei der Eisenbahn, die doch bisher in Preußen immer glänzende Ueberschüsse heroorgebracht hatten. Man rechnet nun in Preußen mit einem Defizit Don etwa 60 Millionen. Das erste, große, sensationelle

Ereignis dieses neuen Taguugsabschnittes des preußischen Landtages wurde für den ganzen gestrigen Freitag er­wartet, da die gtegierung sich bereit erklärt hatte, in dieser Sitzung zu dem Anträge der Freisinnigen aus Ein­führung des Steichswahlrcchls in Preußen Stellung nehmen. Tie Aenderung des veralteten und ganz unzeit­gemäßen preußischen LandtagSwahtrechls hat.e sich immer mehr als dringendste Notwendigkeit erwiesen. Das wurde selbst von der Negierung nicht in Abrede gestellt. Die Hauptschwierigkeit bestand aber bisher darin, daß man sich über die Art und den Umfang einer Wahlresvrm noch nicht schlüs.ig zu werden vermochte. An die einfache Ueber- £ragung des Reichswahlrechts auf Preußen, an die Mög­lichkeit einer solchen plötzlichen Umwandlung in unserem größten Bundesstaate hat wohl keiner gedacht, und der freisinnige Antrag sollte gewissermaßen nur eine Richtlinie sein und die Regierung an eine der alten Hauptforde-^ einigen des Liberal.smus erinnern. Auf die Darlegungen Der Regierung gegenüber dem freisinnigen Anträge konnte man immerhin gespannt sein. Nun sind sie durch den Mund des Fürsten Bülow erfolgt, und man muß gestehen, daß sie auch die bescheidensten Erwartungen getäuscht haben. Fürst Bülow gab die Mängel des jetzigen preußi­schen Wahlrechts zu, aber eine durchgreifende Aenderung will er offenbar doch nicht vornehmen. Für die könig­liche Staatsregierung stehe es nach wie vor fest, so führte W ci aus, daß die Übertragung des Reichswahlrechts auf i Preußen dem Staatswohle nicht entsprechen würde. Auch die Beseitigung der bisherigen öffentlichen Abstimmung önne die Regierung nicht in Aussicht stellen. Was ge­prüft werden solle, sei eigentlich nur die Frage, ob die Steuerleistunacn allein oder ob auch Alter, Besitz und Bildung in Zukunft bei den Wahlen in Betracht zu ziehen feien. Für die s en Landtag seieine Wahlrechts­reform jedenfalls noch nicht zu erwarten. Das ist wenig, ja weniger als wenig. Auf die Blockpolitik im Ri eiche wird diese Stellungnahme Preußens jedenfalls nicht

!fc± Umyeycad.

ßiieteui zur Aa­re Filiale ststratze 31 onntflfl stossen Riale !mertt>eg 6 MU» vou U bis

Hcrodot Nyssia heißt, ist eine orientalyche Haremsnatur, in der D.rnminstint'te (dünmmern, die nur geweckt zu werden brauchen, uno Gygrs ist ein haltloser ganz passiver Charakter, der zwisä-en diesen bc.bcn Gewalten hin imD brr sck-ioankt. Am besten gelungen ist die Ejnsichrung des armen Fächers Gi)ges im eilten Akt, oer durch dUs aus DemRing des Pochkrates'^ bekannte Motiv eines im Bauch dcs Fisches gefundenen Ringes »uni Freunde und ©ünfb» liitg des Königs w.rd. Es besteht Nicht der leißste SckMten eures Grundes, aus dem dieses sranzösische Stück iwersetzt und auf-- geführt werden mußte. Es sei denn, daß Uebersetzer und Tirckwr und aus diese Art anschaulich öciveisen wollten, wie groß Hcok-el ist und wie gciual sein Ghgcs.

Zum Gedächtnis einer unglücklichen Dichterin.^ In Winkel un IihemgaWivurdc ans 9lnlab der 100. Wiederkehr des Tages, an dem die Mankiurier Sliäsdcune und Tichlerw W n v o i i n e v. Günderode wegen einer unglücklichen Viebc zu dem Alieriumslorschcr Frdr. Ereuzer sich, ein weiblicher Wen her, dvn eii'oklne, wurde am Veianlasjnng der släduschen Benvaliung die Taiei au dem Grade der Tichlenn, die fiel) an der Ern- 'riedignngsmaner Himer der Kirche befindet, und deren Nameus- (ui'jcbiin im t'nufe der Zeil verwilien war, in würdiger Weise erneuert. Karolme v. v-ündciode lebte in W längere Zeit bei ihrer Freundin Beilina v. Arnim, der .Sibylle der Romantik". Sie |d)Acb linier dem Namen TianGedichte und Phantasien", Poeliiche Fragmente",Austätze und Gedichte-. JhicGeiamineilen Dichtungen" wurden von Götz 1857 heraitSgegeven. Envahnt ict, dag die ehemalige Wohnung der Beilina v. Arnim, wo die Günde­rode so häufig verkehrte, sich noch in ihrem ursprünglichen Zustand am westlichen Ende des Städtchens W. besindel. Tas Haus ist

ICUhees FcuiUston.

UeberdenversloroenenPrv i. ^r. AdolsVogt, Litern Sohn der Stadt Gießen und Äriw.e Karl Vogls, schreibt em iikrner: Prof. 'Moritz Laurus, der in Adolf Vogts Hause verkehrte, sagt von ihm:Er war eifrig in feinem Beruf, allem Guten hingegeben, ein gerader, ausrichtiger Mann, der vüt fein<r Ge.a^l-c-t manchem zuweilen undequein fein mochte." Manche Jahre üble Vogt in Laupen (Kanton Bern) den ärzt­lichen Berus aus und habilitierte sich d.mii in Vern. Er wurde zum Professor für Hygiene an der Universität Bern ernannt. Studenten halte er jedoch keine, die jungen Mediziner wollten seine ^rlei'unncn nickst besuchen, weil ec in Wort und Schrill die obliuawrnchL Impfung gegen ixe Pocken bekämpfte. Emcs Laars benueigerte ihm iiiiolgebeifen der bermsche Finanz- drkwr die Be^hlung des Pco,e,sorengehalles. Vogt strengte Ocg<n den Staat Lern einen Prozeß an und gewann ihn, da er einer der welligen Professoren war, deren Ernennung in d.c Leit siel, da die Professoren noch |iic Lebens.e.l gewählt wur­den. Das ganze Gehalt nwlAc Vogt nickst für sich bellten, er bestimmte einen Teil für Arbeiteczwecke Eine Zeittang fast er als Arbeltervertccter im bcnr.)djeii Stadtrat. Dom Da- Mnu« h-.ttc Steif $0&t, «em- UM »N-,Tod voraus,

gegangenen Brüter, Prokfforc» Karl Logt (qkntL fenrl Bogt (»CCT) und Gustao Vogt (Zürich), eme ent,d)iebeneJBoiliebe |.ür Revolutionäre und Verschwörer al.er Länd.r ßterbt. Sem aus Gießen stammender Vater war in Bern Arzt und Pwse||or siir Pathologie. In diesem Prostssovenhause m jöcr1 |ant> un Jahre IL- und 13ÖU und später m-muher deutscl)e Fluchilmg (xasil-che Aufnahme. Immer war ein Bett für muchttinge bereit, i Zuweilen .and Adolf Bogt sein eigencsMt von einem FuM- hng besetzt. Vogt Ijat mir selbft erzählt, daß etnc3 Tages, als er sia> zur begeben wol.te, derr o te Be cker , in seinem tlc lag. Adolf Bogt war eng befreundet mit

Dokunin, i r 18.38 in Bern lennen lernte. Als Bokumn m Locarno weilt«, besuchte ihn Aooli^DogtemeS Tagcs Cs war Wintersreit, Vogt trug einen Pelzrock. Da sagte Bo-

crhne Einfluß bleiben.

Von sonstigen Ereignissen der Woche ist eigentlich < nur noch der neue Petersprozeß %u erwähnen, der dieser Tage in KÄln begonnen hat und Die aus früheren Prozessen bekannten Taten des früheren deutschen Reichs- stornniissars in Ostafrika aufs neue ans Licht der Oeffent- keit zieht.

Arn Dienstage dieser 'Woche feiert eman im Zaren- ceiche das Weihnachtsfest. Die Duma, die sich auS diesem Anlässe 24 Tage Ferien bewilligte, hat keinen gerade sehr anstreng-Lnden Tagungsabschnitt hinter sich. Große Gcsetzeö- taten hat sie in den 45 Tagen ihrer Beratungen nicht geleistet; mit Mühe und Not sind neun unbedeutende Aesetzchen gemacht worden. Das bedeutendste darunter war die Bewilligung von etwa 32 Millionen Mark für die Rotstandsdistrikte. Das übrige ist kaum wert, erwähnt zu werden: es handelt sich um Umbenennung zweier Mi- iltärgouverneurposten in einfache Gouverneursposten, um

M Siigcln inwn in uni augci i Didißiter «euüja Xlia:tiplae.U Ü-, ".l .Is, in allen HM lyatiieriL AMCbote m». U146 nie weroen lämcfl rücyien. ü-b1UU,c'

F«rMprcch Anlchlüste: füi bte Redaktion 112, Berlag u. ll^pebilion 61

ist er polternder, grober, handgreiflicher geworden. Die Lebensaufgabe des Herrn Veckh, der, solange er noch als freisinniger Vertreter von Koburg Mitglied des Hauses war, Jahr für Jahr eine flammende Rede hielt gegen den Mord der Krammetsvögel, kommt nun endlich zur Er­füllung. Der neue Gesetzentwurf, der freilich schon vor iVa Jahren dem Hause vorgelegt ist, bringt das Verbot des Fanges im Dohnen stieg. Freilich nur soweit, als ihn auch die" Einzelstaaten in ihrem Souder- jagdrccht schon nicht gestatten. Der Forstmann von Wolff- Metternich hatte den Mut, das Verbot zu bekämpfen und mußte fiel) vom ganzen Hause, auch von dem Haupt- oertrcler seiner eigenen Zentrumsfrakiion, den Vorwurf gefallen lassen, ein grausamer Herrenmensch, ein Vernichter der Natur zu sein. Und der Humor des sreikonfervativen Herrn Varenhorst bedrohte ihn mit einem schmählichen Tode, denn er wollte ihn an der Krammetsvogelschlinge, mit der er gefährlich vor seinen Augen herumdemonstrierte, an den Beinen aufhängen und eine Viertelstunde lang baumeln laijen. Vielleicht gelingt es der Kommission, an wclck/e die Vogeljchutznovclle verwiesen würde, Herrn von Wolfs-Metternich zu belehren und damit zu retten.

Und noch einmal betätigte sich der Humor eines Ab­geordneten bei dem zweiten Punkt der Tagesordnung, der Maß- und Gewichtsordnung, aber diesmal in friedsamerer Weise. Unter den Rednern, die ihre Freude lundgabcn über die Belehrung der Regierung zu den Be­schlüssen der ehemaligen Zieichstagskommisswn nahm auch 5>crr von Kap Heng st als Jungsemr.edner das Wort. Er zitierte aus dem alten Testament, weil zu diesem ja manche Herren aus der Linken Beziehungen unterhielten. Es war das Wort Jesus Sirach: Euer Maß und Gewicht sei gerecht das man mit einer kleinen Aenderung viel­leicht sür die noch leere Stelle über dem Portal des Reichs- Hauses empsehlen könnte: Eure Rede sei maßvoll, gewich.ig und gerecht.

Stimmungsbild ui S Orm prenß.^bgco dnelentiarrs Berlin, 10. Jan.

Schon am frühen Morgen verriet die Umgebung des Ab­geordnetenhauses, daß ein großer Tag bevorstehe. Von ! 10 Ul,: ab yicuei. dick)!. Menschen» engen Straße und , Platz vor dem Abgeordnetenhause besetzt, und die Polizei, die auf diese von der So^ialdeinokratie organisierte Wahlrechtsdemvn- stralion als solche erwies sie sich sehr bald nicht gerechnet zu haben schien, vermochte irur mit Mühe den Verkehr aufrecht zu erhalten. Immer neue Polizeiverstärkungen wurden her an- gezogen. Aber es kam zu keinen Ausschreitungen. G.äuldig warteten die Tausende in der Winterkälte vor den Pforten der preußischen Volksvertretung. Jeder Abgeordnete, der erkannt wurde, wurde mit dem tausendstimmigen Ruf: Allgemeines, gleiches, geheimes Wahlrecht!" begrüßt. Djese Demonstration verstärkte sich, als der Wagen des Fürlten Bülow in die Rampe einbog. Mit olwetibetäubendem Zcscyen und Lärm und lebhaften Rusen nach Dem Reichstagswahlrcchl quittierte die Menge sein Erscheinen. _

Auch das Innere des Hauses verriet, daß ein großer ^tag bevorstand. Dicht besetzt waren die Bänke der Volksvertreter, bis auf den letzten Platz gedrängt voll die Tribünen. Am Regierungstisch erschienen nur Fürst Bülow, Staatssekretär von Bethmann-Hollweg, Minister von Moltke und Unterstaatsfekretär von Locbell. Unter lautloser Stille erteilte der Präsident dem Abg. Träger das Wort zur Begründung der Inter­pellation, und während von draußen her die Klänge der Arbeitermarseillaise, die von der Menge immer wieder ange­stimmt wurde, hcreindrangen, begann 5)err Träger zu sprechen. Leider blieb er auf den Tribünen völlig unverständlich, und auch im Hause haben ihn nur diejenigen Volksvertreter ver­stehen können, die sich um ihn versammelt hatten. Auf der Rechten und im Zentrum pflog man lebhafte Privatunterhal­tungen, die der Präsident stillschweigend duldete. AllAe- meines Aufsehen erregte das Verhalten des Minister- präsidcnten: Er würdigte die Darlegungen des liberalen Redners keiner Aufmerksamkeit; Träger den Rücken kehrend, unterhielt er sich lebhaft und in anscheinend heiterster Stimmung mit

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Mmfual4e«""u^ UotafionsbrnS und Verlag dervrlilfl'schen Unin.-vuch- und Steinhruderei. H. fange. ReöaHion, Expedition und Druckerei: Schuistratze 7.

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turtln:Giv m-r den Pelz, mich friert." Vogt tut also, ob- icston er wußte, daß er den Rock nie mehr erhalten nxrde. Am 13. Ium 1876 kam der 63 jährige Bvkunin sck-wer krank nach Bern. Er wandte sich sogleich an seinen alten F-reund Adots Vogt, indem cr zu ihm sagte:Entweder wirst du mich kürzeren oder umbringen." Sck-erzcnd vcr.etzte Vvgt:Es wird wohl das letztere der Fall sein." Am 1. Juli gleichen Jahres starb Bokumn, rocldjcr an Hypertiwphte des Herzens Ltt, ichmcrzlcs im Kocher sck>en Spital zu Bern. Vogt drückte ihm die Augen zu und seine J-rau, Lina Vogt, ließ ihm auf dem Berner Friedhof einen Denkstein cnid)tcn.

Zum Tode von Wilhelm Busch. Aul die an den Kaiser cvnnitete 'Diclbiuifl von dem Tode von Wiluelm Bujch ist dem Gastwirt .Haufimami in Mechtshausen lochendes Anuvorl- Tetemanlm zugcgaiiqcn:Ter Üaijer und König hoben die Meldung vom Henngong des Dichters Wilhelm Busch mit schinerz- sicher Telincihnle entgegen genommen und beflogen mit dem bcuijctien -rotfc den Tod deS trefllichen MeUiers, t>e||en hciicie Mme und cho.olterlsuicher Zeichenmsl |o köstliche Schätze geschgssen und der großen und kleinen Well ztl bleibendem Eigentum geidientt not. eeme 'lUnjefiät lassen den Hmterbllebenen des Enljchlo'enen aller, hochü ihr lumnn,einiges Beileid auSlprechcn. Im ollerhÖchnen Auäroae: v. Lucon.iS, Wirkt. Geh. Rot, Ehe« des Z.v.lkob.nciis.' - T>e B e i s e tz u u g von W , 1 helin Busch findet am Montag, 11 Uhr vormtttagS, ui Mech'shaujen statt.

Ein französischerGyges". Man sckneibl uns auS B e r l i n : DaS alte Märck>cn aus dem Hercdot, dem Hebbel den Stoss zu seinemGygcs und sein Ring" (Din Stcmgoetter kündigte kürzlich be Aufiührung dieier prachtvollen Dtck>ttlng |ur diese Spielzeit an. D. 3vd>.) entnommen hat, t|t auch von dem |va>rzösisä>en Dichter Andrä Gide in einem DramaDer König K a n d a u l e s" behandelt ivvroen, das am Donnerstag imKlc,nen Th.satcr ' seine ErstaussüHruitg erlebte. Er hält sick) völlig an die Erzählung dcsVaters der Geichichtöschreibung". Kandaules ist der gutmütig unbehe-rschte S-nnenmensch, der nur da genießen kann, iuo andere mit ihm b"" Lern; seine Gattin, die hier wie bei