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10.11.1908 Erstes Blatt
 
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Dienstag 10. November 1008

Erstes Blatt

General-Anzeiger für Oberheffen

158. Jahrgang

Bezugspreis: monatlich 75 PI., viertel« lährlich Äck. 2.20; durch Abdole- u. Sroeiflfiellen monatlich 'BL; durch die Bost All.2.viertel« täbrl au5|d)L iBcftcllfl. SeilenoreiS: tokat 15'Bt< LuSivartS 2U Blemitg, iberantrvorllich !üt Öen oohttldien teil, üi .Feuilleton* und .Bernnlchtes* r Ernst Slnöerlon. tüi .Stadt u. tianb" und.Gerichts«

bii oo^nmag^'U'ö'üh^ Rotationsbrud und Verlag bet YrSHNchen Untv.-Vuch. unö Steinöruderet H. tauge. Bebaftton, ExpedMon nnb Drudereh Schulstratze 7. ^°zc,genieck° H''^ck.

Nr. 265

Der Otetzenei Snzelße» erschein! läßlich anuet Sonniag» - löedaflen; Dtetmal wöchentlich ktebenerZomlliendlätter. Irocirnal roöcbenil.KreUi

laN für den Uretr Stehen <Diens»ag und Jreitaq) groeunal monatl Land- wtrllchaftltch« LetNragea yermpiech Anichluhe i füi öte rneSaktion 113. Ilerlag u. Exvedltlon 61 flöteflt tüt Deveichenr

Etn;ctger Älchen.

Annahme ton Snjetge«

Die heutige Nummer umfahr 10 Seiten.

Casablanca.

Durch den Staatssekre-ör v. Sdjucit war Ende Oktober, wir die Norvd. Allg. Ztg. offiziös mitteilr, dem französischen Bot­schafter Herrn Eambon eine akienmäßige Darstellung der Vorgänge bei der Festnahme der Deserteure in Casablanca übergeben und dabei die Bitte ausgesprochen worden, daß der deutschen Negierung and) die französische Daistellung der Angelegenheit Übermittelt werden mögt. Am Samstag ging nunmehr dem Auswärtigen Amte das französische Material in Gestalt eines Berichts des Polizcikommissars SÖorW in Casablanca zu. Aus diesem Bericht ergaben sich hinsichtlich der Borgänge bei dem Zwischenfall eine Reihe wesentlicher Abweichungen in der deutschen und in der französischen Darstellung. Die franzö­sischen Zeugenaussagen gehen dahin, daß mit den Tätlichkeiten von dem Konsulatcholdatcn und von dem Konsulatssekretär be­gonnen worden sei. Weiter wird angegeben, daß der Beamte deS deutschen Konsulats die Deserteure gegenüber den französischen Riarincsoldaten als seine Lairdsleute bezeichnet und ihren Cha­rakter als Deserteure ausdrücklich verneint habe; auch würde cs nach dem französischen Bericht zweifelhaft sein, ob die franzö- sisclfen Soldaten schon im Beginn des Zusammenstoßes klar dar- r.bcr waren, daß sic Angestellte des dcutscfen Konsulats vor sich halten. Ferner sollen gegen den deutschen Beamten französischer­seits überhaupt keinerlei Ausschreitungen oder TLtlichlecken statt- gesundcn Haden. Die beiderseitigen Darstellungen des Zwis-chen- falles stimmen hiernach so wenig überein, daß der tatsächliche Hergang weiterer Aufklärung bedarf durch erneute Erhe­bung e n, sei eS der bcidcrseltigcn Behörden, sei es erucs Schieds­gerichts.

Es bestehen also, wie man sieht, noch große Schwierigkeiten, und nach einer Meldung des Tally Telegraph aus Casablanca scheint General d'Amade die Absicht zu haben, weitere Schwierig- keitcn zu machen und eventuell den friedlichen Absichten seiner eigenen Negierung entgegen zu arbeiten. Der General soll er* klärt haben, er wolle unter keinen Umständen irgend einen Aus­druck seines Bedauerns gegenüber den deutschen Konsulatsbeamten tun, lieber wolle er Marokko verlassen, als ein solches Opfer bringen. Die französischen Offiziere unterstützen diesen Stand- punfc und erklären, sie würden, falls der Ausgang der Kontro­verse ihnen nicht zusage, ihre Unzufriedenheit demonstrativ an den Tag legen.

Was das bedeutet, läßt eine Unterredung deutlich erkennen, die ein Vertreter des französischen BlattesPatrie" dieser Tage mit einer hochgestellten militärischen Persönlichkeit hatte. Ter Gewährsmann äußert sich dahin, daß der Zwischenfall durch die Haltung Italiens 511 einem ernsten oder aber zu keinem Konflikt sich zuspitzen werde. Bott der Haltung Italiens hänge cs tatsächlich ab, ioelchen Berlaur die (Sreignhfe nehmen werden. Frankreich rechne darauf, daß Italien, falls Deutfchland einen Angriff auf Frankreich unternehmen würde, sich sofort seiner Verpflichtung als Dreibundmachtentzieht. Durch eine solche Enthaltung im Falle eines Krieges würde Oesterreich gezwungen werben, seine Armeekorps längs der südlichen Grenze aufzustcllcn; andererseits würden zwei österreichisckie Armeekorps in Anspruch genommen werden durch den wahrscheinlichen Angriff Serbiens und Montenegros sowie gegen einen etwaigen Einfall russischer Truppen. Die Bewachung der Stämme würde zwei weitere Armeekorps beanspruchen, so daß Oesterreich tatsächlich die Defensive einhalten müßte. Deutschland würHe mit Jemen 23 Armeekorps gegen die vereinigte fran.zösisch-russiscl)c Armee, welche wahrscheinlich auch noch durch englische Truppen verstärkt wird, Front mack)en müssen. Angesichts dieser Lage würde Deutschland seine nummerische Ueberlegenheit einbußen. Infolgedessen betrachten die französischen GcncralS- stabskreise die Zukunft mit größter Ruhe. Der Gewährsmann

Goethe und Jerusalem.

Tas nahe Wetzlar bietet noch heute eine Fülle inter­essanter Erinnerungen an Goethe und die Zeit, die er dort dort zugebramt hat: man lese nur das kleine Schriftchen, das eine Gießenerin, Frau Rosa Kaulitz-Niedeck, kürzlich hierüber veröffentlicht hat.*) Manchem mag nun beim Lesen dieses Büchleins wohl der Wunsch anfgestiegen sein, näheres über den unglücklichen Jerusalem zu erfahren, den Goethe als Werther unsterblich gemacht hat. Mer war dieser rätsel­hafte junge Mann eigentlich? Frau Rosa Kaulitz- Riedeck hat in ihrem soeben int v. Münchowschen Ver­lage in Gießen erschienenen BucheGoethe und Jeru­salem" eine Antwort auf diese Frage gegeben. An der .Hand eines umfangreichen Materials hat |ie in anregender und fesselnder Weise das Lebensbild eines Menschen ge­schildert, der sicherlich kein gewöhnlicher Alltagsmensch war.

Sieht man sich den kurzen Lebensgang Jerusalems naher an, dann wird man mit Ueberraschung gewahr, daß man es mit einem interessanten und keineswegs alltäglichen Cha­rakter zu tun hat. Wäre Jerusalem ein Dutzendmensch ge- wesen, dann hatte ein Lessing ihm schwerlich seine Freund- schaft geschenkt, dann hätte auch Goethe ihn wohl kaum zum.Helden seines Romans gemacht. Gewisse Seiten seines eigenen Wesens hat Goethe in dem jungen Jerusalem wieder­gefunden, und das mag vielleicht der Hauptgrund gewesen sein, warum Goethe und Jerusalem nicht Freunde geworden sind. Jerusalem war ein Mensch, der das Leben schwer nahm und der schwer am Leben litt. Goethe hat auch seine schwarzen Stunden des Leidens am Leben gehabt, aber er suchte sie zu überwinden und er überwand sie, well er das Leben nur von der heiteren Seite zu sehen bemüht war.

In dem vorliegenden Buche über Goethe und J'rusalcm ist, wie die Verfasserin sagt, alles zusammengetragen, was über den jungen Jerusalem auszuiinden war. Der Leser findet hier ein Lebensbild ohne die geringste Schönfärberei. Er erfährt hier alles nähere über die Beziehungen Goethes zu Jerusalem, die eigentlichen Motive des Selbstmordes des jungen Jerusalems, and es entrollt sich vor seinen Augen ein farbenvolles Bild jener Zelt. Daneben lernt der Leser in dem unglücklichen Jerusalem einen Menschen kennen, edel und treu und gut uüd voll unerbittlichen Dranges nach Klarheit und Wahrheit, einen Menschen, der es wert ist, daß man ihn kennen lernt, auch wenn nicht

*) Tas Urbild von Goethes Werther (Karl Wilh. Jerusalem.

Gießen 1908. Verlag der v. Münchovfchen Druckerei.

fügte noch hinzu, die französische Armee sei bereit und die Aus- biwung der Truppen lasse nichts zu wünschen übrig.

Interessant ist in diesem Zusammenhänge sicherlich auch eine Aeutzerung des neuen ersten Lords der Admiralität in England. Bei bem Diner zu Ehren des neuen Lord-Majors von London sagte der erste Lord der Admiralität Mc Kenne, er sei zu dem ÄuSspruch berechtigt, daß niemals in der Geschichte das Land eine stärkere Flotte als in dem gegenwär­tigen Augenblicke besessen habe. Die Aufgabe, die Herr­schaft zur See zu behaupten, sei schwer. England besitze diese Hcriscfest zur Zeit und hoffe, sie für alle Zeiten zu bewahren.

Wer sich bemüht, zwischen den Zeilen zu lesen, wird aus obigen srolizösisclfen und englifdjen Aeußerungcn eine recht deut­liche Aufklärung darüber erhalten, wie es jetzt um das An­sehen des Dcutfcfen Reiches am Auslande steht. Bisher batte man uns gefürchtet, und jetzt erfdpint unseren rocftlidjen Nach­barn Der Krieg mit Deutschland offenbar gar nicht mehr so aussichtslos. Angesichts solcher Stimmungen unb Absichten, wird der Reichstag heule, so weit es an ihm liegt, gut zu machen ver­suchen, was von anderen Stellen auS ^ur Schädigung dcs deutschen Ansehens geschehen ist Es wäre ein Vervrechcn am deutschen Volke, wenn der Rem-stag die jüngsten Vorgänge möglichst scho­nend behandeln wollte, wie es die bekannten Beftlfwichtigungsrätc anraten. Den Schaden, den wir am deutschen Ansehen im Aus­lande erlitten Hasen, kann man nur dadurch einigermaßen repa­rieren, daß wirkliche Garantien für die Zukunft gegeben werden, Damit unicre auswärtige Politik vor schweren Fehlern und Ver­säumnissen bewahrt bleibt.

Sitmmungsbilö aus dem Reichstage.

Berlin, 9. November.

Weingesetz nnb Morktnotierunz des Schladts.eys.

Wenn das, was die Redner am Samstag zum Vortrag brach­ten, reiner Wein gewesen ist, so haben sich die heutigen Wein- rebner arg gegen das neue Gesetz vergangen; denn der vorgestrige Wein wurde um mehr als Die zuläisigen 20 Prozent gcftrecit. Alle Parteien und alle Weinbaugcbicte waren am Sonnabend audgiebig zu Wort gekommen, ein Dutzend Redner kam heute hinzu. Den Reigen eröffnete der Vertreter eines hessischen Wahl- kreiies, der antiscmitiscfe Reformer Werner. Er hat eine an­dere Meinung vom Weinhandel als Herr Kämpf, der als dritter g-rei) inniger in dieser Debatte das Wort nahm. Als Präsident der Acltesten der Berliner Kausmannschaft sah er sich berufen, den Weinhandel gegen allzu ungerechte Verallgemeinerung in Schutz zu nehmen, und aus seine national-wirtschaftliche Be­deutung hinzuweifen; et betonte, daß es der beuifd# Weinfendkl sei, der dem deutschen Wein neben dem franzch licken Rotwein einen ehrenvollen Platz als Getränk des Norddeutschen verschafft habe. In der Dauptsad)e stellt auch Herr Kämpf sich auf den Boden des Entwurfs, wie es überhaupt dessen Verfassern ge­lungen ist, nickst nur eine annehmbare Mittellinie zu ziehen Mischen den einander widerstreitenden Interessen der Pfalz und Der Mosel, sondern abgesehen von Einzelheiten, über die man sich in der Kommission wohl einigen wird, ihm die Zustimmung aller Parteien des Reichstags zu liefern. Herr Kämpf glaubte diesen guten Erfolg darauf zurückführen zu können, daß man den Entwurf in seiner ursprünglichen Gestalt der öffentlichen Kritik übergeben hatte. Daß dies nicht die einzige Urfache sein kann, zeigt die Unzufriedenheit mit dem dieser Tage verhandelten Werk der Reichsjustizverwalmng, die das von dem freijinnigen Redner empfohlene Verfahren bei jedem ihrer Enttoürfe zur Anwendung bringt. Es ist wohl in der Hauptsache die Unhaltbarkeit der bis­herigen Verfeltnißc, die alle Parteien einschließlich der Sozial­demokraten nötigt, sich zur Beseitigung der Mißstände auf der Plattform der Regierungsvorlage zusammenzufindcn.

Den Rest der Sitzung füllte die erste Lefuna des Gesetzent­wurfs über die Marktnotierung des Schlachtviehs. Die Vorlage war schon vor einem Jahre eingebracht worden.

der Name Goethes mit dem feinigen für immer ,iit der deutscher! Literatur verbunden wäre.

Saröou t.

Wie wir gestern schon kurz mitteilten, ist Victorien Sard 0 u nm Sonntag srüh 4 Life gestorben. Der Dichter war seit Wochen nicht unbedenklich erkrankt, und die hoffnungs­losen Meldungen von feinem Befinden ließen es nicht mehr zweifel­haft erscheinen, daß es zu Ende gehe. Im Alter von 7? Jahren ist er geschieden, nachdem er erst vor acht Tagen auf Veranlassung seines Sohnes und feines Schwiegersohnes von Marly, wo er Maire war, nach Paris übergefiedelt war. Noch kurz vor feinem Tode diktierte der greife Dichter seinem Schwiegersöhne und dessen Gattin den Schluß seines letzten Werkes, das im nächsten Nionat am Theater Pone St. Matin zur Ausführung gelangt.

In Sardou hat nickst die Welt, wohl aber Frankreich, seinen letzten großen Dramatiker verloren, den letzten aus der Reihe derer, die noch im Kaiserreich gedichtet fetten. Bei uns ist er am betannteften geworden durch seine krassen, blutrünstigen Dramen, wie Theodora, Tosco, Sorciere unb dann durch Cyprienne, Fedora und Madame Sans Gene, bei uns wurde er aber auch am schnellsten erkannt. Man sah, daß seine Erfolge vor ollem durch seine technische Meisterschaft bebingt waren. Durch seine fast ohne jede psychologische Ver­tiefung und LebenSeckstfeit berechneten Gestalten, die nur Bühnen- mcnschen waren, durch seine äußerliche, blendende Mache und die stets auf Spannung bedachte Handlung konnte er in Deutsch­land nur die große Allgemeinheit gewinnen, der auch die Hinter­treppenromane willkommene Leckerbftsen sind. In Frankreich aber, wo die technische Meisterschaft bedeutend höher gewertet wird als bei uns, fette er mit feinen 55 Stücken jahrzehntelang einen starken Einfluß ausgeubt und da, wo er es verstanden fette, seine theatralische Mache in festen Grenzen zu halten, war iljm auch bei dem kritischen Zuhörer ein starker Eindruck bcfchiedcn. Die Stoffe zu feinen Dramen entlehnte er meistens alten Romanen und Theaterstücken, so daß er häufig des Pla­giates bezichtigt wurde. Er fette sich dagegen in einer Schrift, MeinePlagiatc, verteidigt. Ursprünglich Mediziner, wandte er sich als 23jähriger der Bühne zu, erntete aber mit seinen ernsten Stücken nur Spott. Erst als er durch seine Verheiratung mit einer Schauspielerin mit der Theaterwelt in engste Berührung lam, begannen feine Erfolge, die rhm bis zu seinem Lebensende treu blieben. K. N.

DerSchönheit-Abend,deram Sonnabend vor Mit- glicbern des Reichs- und Landtags, der Behörden und einem Kreis von anderen Gästen in Berlin stattfand, nahm einen unerwarteten Verlauf. Die Herren von den Parlamenten, die in einer stattlicfen Anzahl erschienen waren, kargten, wie die Boss. Ztg. mitteiü, nicht mit Beifall und selbst die Tatsache, daß fee Hauptdarstellerin Olga Desmond plötzlich erkrankt war

im Drange der größeren Geschäfte fiel fic, ohne auf bic Tagesord­nung zu kommen, der ©ommcrDcrtagung anheim. Die ausgiebige Erörterung in der agrarischen Prene und in der Fachprcsie des Sdstächtergcwerbes hat zu einem Ausgleich der Interessen bis­her nicht geführt, und auch in der beutiacn Debatte trat den Ver­tretern der Viehzüchter, dem nationalliberalen Abg. W a ck) 0 r ft de Wente, dem Direktor des Bundes der Landwirte, Dr. R ö s i ck e, unb dcm bayerischen Zentrumsabgeordncten Ger­stenberger, mit dem Sozialdcnwkraten Scheide mann auch der Obermeister der Aiagdcburger Sdrlächteriniiuiig, Herr Ko - bclt, entgegen, unterstützt durch den Abg. Fifchbeck^der vom Standpunkt der Berliner städtischen Verwaltung eine digung der Schlachthoftntcressen befürchtet. Ter Staats,ckretär von Veth mann-Holl weg suchte sowohl diefc Be>orgnlpe zu zerstreuen wie der Annahme den Boden zu ciitziehen, daß mit der Vorschrift einer Prcisnoticrung nach Lebendgewicht auf die eingebürgerten Formen des Handels gewaltsam eingewirkt wer" den soll. Der preußische Landwirtschastsminister von Arnim hielt es nicht für erforderlich, das Wort zu nehmen. Tie Mehr­heit dcS Hauses sah sogar von einer ^cvmmlssionsbcralung ab.

2lii» S-tafct und Land.

Gießen, 10. November 1908.

Dom Hohcrodskopf.

Zur E i n w e i h n ii g des Wasserwerks für Las Klubhaus auf bum Hoherobslops hatte |id) am Icb.cn Sonntag eine stattliche Anzahl von Mitgliedern des Vogelsberger Hölnuiklubs ans die Auisordermig des Gießener Zweigvcrems T a u f st e i n zusammen- gciunden. Die Feierlichkeit begann mit der Ucbcrgabc deS vollen­deten Werkes durch den Bauleiter Kulturinaenicur Steinbach an den Zwcigvcrcin Taufstein, der den Bau ausgeführt fet, worauf Zahnarzt Jäger, der erste Vorfttzende des Zweig­vereins, das Werk dem Gefamtvcrcin übergab. Sodann wurden die Anlageii unter Führung des Kultur Ingenieurs Steinbach be- fichtigt. Die gefaßten Quellen liegen etwa zehn Minuten uv- ter dem Klnbfeus und liefern selbst in der trockensten Zeit Wasser im Ueberfluß. Der dort aufgestellte Benzinmotor hebt das Wasser in ein etwa 15 Meter über dem Klubhaus auS dem Fels gefpr-engtes Bassin, das fünf Kubikmeter Wasser faßt unb von dem iNotor in cinfelbftünoiger Arbeit gefüllt iverden kann. Von dort aus wird das Waiser in einfacher Leitung in das HauS geführt. Die Wasserleitung ermöglicht es dem Klubwirt nüf)t nur, das Haus nunmehr in der Weise zu führen, wie es unser heutiges, an eine gesteigerte Bequemlichkeit gewöhntes Publikum verlangt, sondern erhöht auch in hervorragender Weise die Feuer - sid)erheit des ganzen Baues. Eine vor den versammelten Fest- teilnehmern angefteUte Probe mit der Feuerspritze führte das deutlidi vor Augen. Nach der Besichtigung begaben sich die Tellnehmer zum Festmahl in den im Schmuck seines neuen Anstrichs glänzenden und mit Fichtenkränzen reich verzierten freundlichen Hauptfaal des Klubfeufes. Währeiid des Mahls, für dessen Anrichtung der Klubwirt Stein allseilige Anerkennung fand, sprach Oberamtsrichter N i f p e l auS Schotten namens des Zentralausschusses den Dank des Gcfamtvcrems für die Aus­führung und Uebcrgabc der Anlage seitens des Gießener Zweig­vereins Taufstein aus, worauf Zahnarzt Jäger seinerseits im Namen dieses seinen Tank für die anerkennenden Worte aussprach und dann in feiner Ansprache derer gedachte, die an dem gelungenen Werke den grüßten Anteil hätten, zunächst des Kommerzienrats Schirmer, von dem die Anrcgnng zum Bau stamme und der auch bis jetzt schon eine sehr beträchtliche Summe zur Bestreitung der Kosten aufgebracht habe, dann der Spender, der beiden bau* leitenden Herren, sowie der Großh. Forstverwaltung, die der Anlage das dankenswerteste Entgegenkommen gezeigt habe. End­lich sprach er die Hoffnung aus, daß die übrigen Zweigvereine des V. H.-C. und die befreundeten touristischen Vereine in unserer Gegend, soiveit das nock> nicht geschehen, nach ihren Kräften bei*

und der Schönheitsabend im ioefentlichen auf das männliche Ele­ment beschränkt war, schien die Anwesenden nicht sonderlich zu, verstimmen. Der Abend muß am 23. November wiederholt werden.

E i ndr ück e v 0 n Fa rm ans Fc r n f l u g. lieber feine Empfindungen bei seinem letzten großen Fluge nadj JEcimd fet Henry Fattnan einem Pariser Journalisten eine interessante Schil­derung gegeben.Als ich' aufftieg," so erzählt er,war ich fest entschwssen: Du mußt hüikammen, du mußt heute Reims er­reichen. Der Gedanke erfüllte alle meine Sinne. Als ich bann emporstieg und höher und Höfer kam, dachte ich nur an die Handhabung meiner Maschine. Ich erinnere mich noch: einmal tarn mir der> Gedanke, der Motor könne mir einen Streich spielen; allein sowohl Motor wie Aeroplan arbeiteten ausgezeichnet. Aber cs kam doch ein Augenblick eckten Sckwcckens. Ich überflog die erste Pappclreihe. Ich war wohl fefe hoch, denn in dem raschen Fluge sah ick von den Spitzen der Bäume tief unter mir nur ein ungewisses Vorüberchuscfen. In diesem Augenblick hörte ich ein kurzes Knacken am Motor. Mir stand der Atem still. Einen Augenblick lang dnrckfznckte mich der Gedanke: der 9Notor tarnt' versagen. Aber in der nächsten Sekunde arbeitete er wieder regel­mäßig und crleicktert flog ich weiter. Eine gewisse Beklemmung überkam mich, als ich die Tächer von Jvry überflog; doch als ich wieder über freiem Gelände weiterglitt, hatte ich meine Rufe wiedergefunden. Dann sah ich die Turme der Reimser Katfe- brale auftaucken, und während des Restes der Fahrt nahm die Maschine falle Anünerki'amkeit in Ansprna). Ich fette keine Zeit mehr, an Gefahr zu denken. Bon fern efefen erkannte ich den vorbereiteten Landungsplatz und ich machte mich bereit, nie* derzngehen. Als ich niedertauchte, hatte ich fes Geftchl, ich wäre bereits am Erdboden, aber ich schwebte noch in einer Höfe von zehn Metern und geriet beinahe an eine Steinmauer. Ich hätte meinen Flug wohl über Reims fortsetzen können, doch ich hielt cs für unklug, überflüssige Gefahren heraufzubeschchrören unb war vollauf zufrieden, bas erreicht zu haben, was ich mir vorgenommen fette". Jarman beabsichtigt jetzt, fick um den Michelin-Preisi für die größte zurückgelegte Entfernung zu bewerben. Später beabsichtigie er audj, den Kanal zu überfliegen.Aber das foll erst gesd^efen, wenn ich weitere Versuche hinter mir habe und weiß, baß ich mich unbedingt auf den Motor verlassen kann."

Kleine Chronik a u3 Kunst nnb Wissenschaft. E rn st Hacket will dem Vernehnien nach, am Ende des Semesters in den Ruhestand treten. Ter greife Getehrte erfreut sich des besten Wohlergehens. Geheimral Pros. Ed. 0. W 0 t s f l i n, Lat uiift an der Universität in M ü n d) e n, ist nach längerem Leiden in Basel geftorben. TaS Preisgericht für den Bolks- ichitlerpreiS hat dem TramaStuuriS der Narr" von Ernst Hardt den Preis von 3000 Mark zuerlaunt. Zur engeren Wahl standen die Werke (/Blut" von Julius yab,Oedipus und die Sphinx" von Hugo von H 0 f m a n n s t h a l undDas Weib beS Vollendeten" von K. C j e l l e r u p.