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Nr. 186 Zweites Blatt
158. Jahrgang
Montag 10. Angnst 1908
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Die „Giehener Zamilienblätter" werden dem »Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, da» „Kreisblatt für den Kreis Eietzen" zweimal wöchentlich. Tie „Landwirtschaftlichen seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Gderhesftn
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversitätS - Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: 51.
Redaktion: e-sA 113. Tel.-2ldruAnzeigerTießen.
Die Monarchenbegegnung in ^riedrichrhof.
An diesem Dienstag findet in Fricdrichsbof ähnlich wie im vorigen Jahre eine Begegnung des deutschen Kaisers mit König Eduard statt, der sich bekanntlich auf der Durchreise nach Marienbad befindet. Trägt diese Begegnung auch in der Hauptsache einen privaten und familiären Charakter, so liegt es doch auf der .Hand, daß tu den Besprechungen der beiden Monarchen auch die Politik zu ihrem Rechte kommen wird, zumal sich ja auch im Gefolge Vertreter der beiderseitigen auswärtigen Aemler befinden. Aber auch ohne das liegt in der Zusammenkunft überhaupt ein bemerkenswertes politisches Moment, indem die Begegnung überhaupt stattsinden und, wie ausdrücklich von englischer Seite betont worden ist, auf Anregung König Eduards erfolgt, weshalb die Reisedispositionen seines kaiserlichen Neffen eine Abänderung erfahren mußten. Nachdem eine Zeitlang in den Beziehungen zwischen Deutschland und England eine erneute Spannung einzutreten schien, dank der uiiermüblicben Hetzarbeit gewisser Leute an der Themse, ist in den letzten Wochen ein wesentlicher Umschwung ein* getreten, und die englischen Staatsmänner haben fast geflissentlich jede Gelegenheit gesucht, um in ihren Reden zu beteuern, wie sehr man eine Freundschaft mit Deutschland wünsche und bedauere, daß ein intimeres Verhältnis noch nicht hergestellt werden konnte. In der Tat auch widersprechen sich die beiderseitigen Interessen auf dem Gebiete der Politik kaum, irgendwelche Neibungsflächen sind nicht vorhanden, wenn man sich den ernsten Willen gibt, sich gegenseitig zu verstehen. Nun tvird es von englischer Seite geflissentlich immer so dargestellt, als wenn Deutschland ich mit Angriffsabsichten gegen England trage und zu )iefem Zweck seine Kriegsmarine bedeutend vermehre, so daß auch England seinerseits nicht Zurückbleiben könne, wenn es die Uebermacht zur See behalten wolle. 9tun denkt aber bei uns kein Mensch daran, die Seemacht Englands überflügeln zu wollen, ganz abgesehen davon, daß Deutschland eine derartige finanzielle Belastung gar nicht tragen könnte, und es wäre an der Zeit, ivtitn man endlich jenseits des Kanals dieser Mär keinen Glauben mehr schenken möchte. Gewiß rivalisieren beide Länder auf wirtschaftlichem Gebiete sehr stark, dies ist aber noch lange Eoin, Grund zu politischen Differenzen, denn die Welt ist so groß, daß beide bequem nebeneinander gehen können. Daß eine Verständigung zwischen Deutschland und England sehr wohl möglich wäre, beweist der Abschluß der Entente in den Beziehungen zwischen England und Frankreich, die früher die schärfsten Gegner waren, und desgleichen der Wechsel in den Beziehungen zwischen England und Rußland, die sich jahre- und jahrzehntelang in Asien schroff gegenüberstanden, so daß man inehr als einmal an den 'Ausbruch eines Weltbrandes glaubte; warum sollte daher zwischen Deutschland und England, zumal die Interessen einander absolut nicht widerstreiten, nicht etwas ähnliches möglich sein? Zudem hat die Weltlage jedenfalls an Spannung verloren, seitdem die Dinge aus dem Balkan eine so unerwartet günstige Wendung durch Gewährung der Verfassung durch den Sultan genommen haben, so daß sich England genötigt sieht, seine Vorschläge für Mazedonien überhaupt zurückzuziehen, während Rußland zwar mit feinen Vorschlägen herauskommt, gleichzeitig aber eine abwartende Haltung befürwortet. Damit ist einem Konflikte, der infolge der Meinungsdifferen^en hierüber leicht hätte ausbrechen können, für absehbare Zeit
vorgebeugt und gar mancher Sonderwunsch mußte zurück- gestellt werden. König Eduard hat vielfach als der spiritus rector der deutschfeiirdUchen Politik Englands und der Jsolie- rungsbestrebunaen gegenüber Deutschland gegolten, aber wenn das wirklich der Fall gewesen sein sollte, so ist auch hierin seit längerer Zeit ein Wechsel zu verzeichnen und darum wird man die Begegnung der beiden Monarchen bei uns in Deutschland allenthalben willkommen heißen.
Mit Bezug auf die bevorstehende Eiurevue zwischen Kaiser Wilhelm und König Eduard erklärt die „Daily Gra- )hic" in einem sehr sympathisch gehaltenen Leitartikel: Die Zukunft werde die Befestigung der Detente-Stimmung in den deutsch-englischen Beziehungen fördern, welche die jüngste Erklärung Greys im Unterhaus hervorgerufen hätten. Tie große Masse der öffentlichen Meinung auf beiden Seiten habe ihre Dankbarkeit und Befriedigung über die Aussicht einer Rückkehr der herzlichen und vertraulichen Beziehungen, wie sie vor 10 Jahren bestanden, sehr entschieden dargetan.
Deutsches Reich.
Der Nachfolger Stablewskis. Dem „Hambg Fremdenbl." geht aus zuverlässiger katholischer Quelle die Mitteilung zu, daß Bischof Dr. Voß wegen der Nachfolge- schast Stablewskis zwischen dem Vatikan und der preußischen Regierung verhandle und daß der Nachfolger des Dr. Boß wahrscheinlich Prinz Max von Sachsen sein werde.
Keine Einladung nach Norderney. Die „N. A. Z." erklärt gegenüber anderweitigen Mitteilungen, daß keinerlei Einladungen an Parlamentarier und Journalisten nach Norderney zu Besprechungen mit dem Reichskanzler ergangen und auch nicht beabsichtigt gewesen seien.
AufdenHamb ui: gerund Altonaer Werften ist am Samstag durch Anschlag bekannt gemacht worden, daß sämtliche Hamburger und Altonaer Werften vom 12. d. M. ab bis auf weiteres ihren Betrieb einstellen, da die Meter des „Vulkans" der Aufforderung, die Vorschläge der Direktion anzunehmen, nicht nachgekommen sind. Tie den nationalen und gelben Arbeitergewerkschaften angehörigen Arbeiter sind auf Veranlassung des Vereins zur Bekämpfung der Sozialdemokratie von dieser Maßregel ausgenommen.
Der Kaiser und der Herzog von Cumberland. Bezüglich der Meldung, daß der Kaiser Wilhelm mit dem Herzog von Cumberland in München zusammentreffen werde, berichtet die „Augsburger Postzeitung", angeblich auf Grund von Mitteilungen von bestunterrichteter Seite, daß diese Zusammenkunft, wenn auch erst im nächsten Jahre, so doch bestimmt erfolgen wird. Die Vereinbarung, daß Prinz Ernst August, der zweite Sohn des Herzogs von Cumberland, nach einer mehrjährigen Dienstzeit im ersten Bayerischen schweren Reiter-Regiment die Tronfolge in Braunschweig antreten werde, sei schon im Monat Mai dieses Jahres in Wien anläßlich des dortigen Besuches der deutschen Bundesfürsten besprochen worden. Der Prinzregent von Bayern und der österreichische Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand hätten dabei als Vermittler fungiert.
AnrLand.
T e r v e r h a f t e t e P r o f e s s o r. Der Professor der Theologie Svelozar Pribicevic in Kanowitz wurde wegen Hochverrats verhaftet. Er scheint in dem Nastic- schen Hochverratsprozeß verwickelt zu fein.
Der finnischeLandtag beschloß die Bildung von 10 Kommissionen, darunter solche für Grundgesetze, Agrarfragen, Kommunalwesen und Kulturfragen. Mit der Wahl der Koinmissionsmitglieder ist eine Wahlkommission betraut, die aus 12 Altfinnen, 6 Mitgliedern der Schwedenpartei, 6 Jungfinnen, 2 Agrariern und 19 Sozialdemokraten besteht, die zu ihrem Vorsitzenden den Altfinnen Listo wählte.
Der Zar hat zum erstenmal seit mehreren Jahren beschlossen, zu den großen Auerochsen-Jagden in den Belowesch-Forsten in der Nähe der deutschen Grenze zu gehen. In Hofkreisen wird dabei ernstlich von einem Zusammentreffen Kaiser Wilhelms mit dem Zaren gesprochen.
In Serajewo verlautet, daß demnächst seitens der Regierung Maßnahmen wegen Schaffung eines Bosnisch- Herzegowinischen Parlaments eingeleitet werden soll.
Im Prager Stadtrat wurde ein Mittag eingebracht, die großen Lieferungen für die städtischen Wasserwerke unter keiner Bedingung einer deutschen Gruppe, sondern französischen Firmen zu übertragen.
Au f der Nias-Jnsel (Niederländisch-Jndien) ist ein Aufruhr ausgebrochen. Kriegsschiffe sind dorthin abgegangen.
Die Einberfung des persischen Parlaments ist verschoben worden. Der Schah- hat 350 angesehene Persönlichkeiten, Angehörige seiner Partei, dazu bestimmt, regelmäßig im Bagschagarten Beratungen in parlamentarischer Form abzuhalten und den Schah über die Vorgänge in den Provinzen und die Wünsche des Volkes zu unterrichten. Das Kriegslager außerhalb des Bagscha- gartens ist noch täglich im Anwachsen. Der Geschützpart steht unter dem Kommando der persischen Kosaken-Btigade. -In Teheran selbst ist nur ein starkes Wachkommando stationiert. Beim Schah findet>am nächsten Dienstag der erste größere militärische Empfang statt.
Aus Stafct und Land.
Gießen, 10. August 1908.
Die Trennung von Schlacht- und Biehhöscn.
Die räumliche Trennung von Schlacht- u n b Viehhöfen durch Anordnung des Bundesrats, von welcher Oberbürgermeister Mecum in der vorletzten Sitzung der Stadtverordneten sprach, hat in den interessierten Kreisen berechtigtes Aufsehen erregt und im gewißen Sinne eine Beunruhigung bcrüorgcrufcn. — Tie amtliche Zeitung des Deutschen Fleischerverbandes ist der Ansicht, daß es sich hierbei seitens der Gießener städtischen Verwaltung Um eine mißverständliche Auffassung der Ziffer 12 des § 17a der Regierungsvorlage betreffend die Abänderung des Reichs-Viehseuchen-Gesetzes handelt, der da sagt, daß zum
Professor Joseph lN. Gldrich 's.
Tcr Telegraph brachte uns am Samstag vormittag die Meldung, daß Professor Olbrich nicht unbedenklich erkrankt sei und sich einer schweren Operation unterzogen habe. Und bereits am Nachmittag kam aus Düsseldorf die Trcuertuube, daß er, der Mitbegründer und Führer der Darmstadter Künstlcrkolonic, gestorben sei. Tie Meldung ist umso überraschender, als der in der Blüte der Atannesjahre stehende rastlos wirtschaftende Künitlcr ein Bild strotzender, kernfester Gesundheit und unerschütterlicher Widerstandsfähigkeit zu bieten schien. Noch vor acht Tagen teilte er Bekannten mit, daß er zu seiner Erholung rm „Weitzen Hirsch" bei Dresden weile und Mitte August nach, Darmstadt kommen werde. Tic Intimeren wußten sreilich, daß Professor Olbrich an einem Gallenstein^ oder Milzlciden laborierte, wahrscheinlich an der sog. Leuuimie, einem Blutzersetzungsprozeß, bei dem die weißen Blutkörperchen sich stark vermehren und eine allmähliche Erschöpfung des Körpers herbnführen. Dieses Leiden soll plöistich zu einer Entzündung der Mzbrüsen geführt und die sofortige Operation in Dresden erforderlich gemacht haben. Wie Olbrick bald daraus nach Düsseldorf reifen und dort so schnell vom Tode ereilt werden konnte, ist bis zur stunde noch nicht aufgeklärt. _ „ , ...
Mit Professor Olbrich scheidet cm Mann aus dem Leben, besten Lod einen außerordentlichen Verlust sür das Kunstgcwerbe bedeutet, nicht nur für Hessen, sondern für Deutschland und die gesamten Kulturländer. Der am 12. Dezember 1867 in Troppau (Böhmen geborene Künstler studierte zuerst an der K. K. Kunstakademie in Wien, der Architetturschule des Barons v. Haienauer und bei Otto Wagner, dem Hauptbegründer der modernen Wiener Bau- richtung. Er lenkte zum erstenmal die Aufmerksamkeit am |tcb durch das von ihm entworfene sczesswnistische Ausstellungshalle aus der Wiener Kunstausstellung 1898, mit dem er em Zeugnis für seine originelle Gestaltungskraft aus dem Gebiet der Jnnen- architetlur ablegte. Er hatte damit auch «ml Grog her zog Ernst Ludwig Eindruck gemacht,, und als der Gedanke der Begründung einer Darmstädter Künstlerkolonie festen Boden gewann, war der junge, mit ungewöhnlichem ^6>tum der Ge- staltnngskraft begabte Olbrich der erste, der zu der Kunstlergruppe auserwählt wurde. Auf der 1901 iunx ,cr’tel!?L° wie
anftaltcten Ausstellung, dem ,,Dokument deuticher Kumt. , ww sic sich dem hochstrebenden Olbrich ent,prechend nannte, übernahm er auch sogleich die Führung der tlemen Kunstlerrepublik. Er erbaute das Ausstellungshaus, das „Ernst-Ludwigs-Haus, unb mehrere Villen auf ber Künstlerkolonie, dann für die Jusitellung 1904 drei Häuser mit voller Inneneinrichtung. Bnzwstchen baue er and) bei der großen Konkurrenz für den |chweizeri|chen Brrnde^ bahnhof in Basel den ersten Preis davongetragen und irch» als Künstler wie als Ausstellungskomissar in St. Lom- "nd Mailand sehr verdient gemacht. Viel Ehre und Anerkennung land Olbrich auf der Kölner Kunstausstellung 1906 durch die Errichtung der originellen ^onbcrabteilung „Der Frauen Rchenhos , wobei er eine große Anzahl Kölner Damen zur Aniertigung wertvoller künstlerischer Sd)mudgegenftünbc und 3icrgcratc veranlagte, und durch seine Entwürfe .für Salon- und Äabiiunausitattungen am mehreren Prachtdampsern bes Nordbeutichen Lloyd, ferner durch seinen Prunkschreibrisch, der eine Ehrengäbe, der g
peller für den Reichskommistar Lewald bildete, den Webteppich
für das Musikzimmer des Großherzogs, nanientlich bet uns in Gießen, durch die reizend anheimelnde Gestaltung der oberen Räume des Gießener Schlosses am Brandplatze. Auf der Darm- täbler Gartenbauausstellung vor zwei Jahren hatte Olbrich durch drei Farbengärten unb bic eigenartigen Gartenpläne Aufsehen gemacht unb lebhaften Disputen über natürliche Farbenwirkungen unb Architekturgarten Veranlassung gegeben, und an ber gegenwärtigen hessischen Lanbesausstellung Tarmstabt 1908 beteiligte er sich durch die Erbauung bes wunderlichen Hochzeitsturmes, bes städtischen Hauptgebäudes für die freien Künste unb bas Ober hessische Haus. Einen ber größten Triumphe errang Olbrich im vorigen Jahre bei ber Preiskonkurrenz für ben Millionen - Prachtbau eines Warenhauses für die Firma Tietz in Düsseldorf, wosür ihm nickst nur ein erster Preis zuerlannt, sondern auch die gesamte Leitung des Riesenbaues übertragen wurde: er war zu dessen Ausführung im vorigen Herbst nad) Düsseldorf überge- siedelt, ohne jedoch fein fchönes, behaglickjes Heim in Darmstadt aufzugeben. In Darmstadt bilden wohl die beiden mit Gartenanlagen umgebenen und vor wenigen Tagen im Beisein des Großherzogs der Stadt übergebenen Zierbrunnen auf dem Louifcn- platz das letzte Zeichen feiner reichen Wirksamkeit.
Olbrichs künstlerische Zätigteit ist leider auf ein einziges Jahrzehnt begrenzt gewesen; es war ihm nicht vergönnt, ferne weitreichenden Pläne unb Prinzipien zu verwirklichen, über die er bisweilen vorlauten Freunden gegenüber gern seiner kühnen Phamosie die Zügel schießen ließ. Aber er war eine vielseitige, selbstschöpferische unb fruchtbringend auf seine Milmenschen ein- wirkende Kraft, die in ihren großen Zügen unb Gedanken auf Jahrzehnte vinaus ihren bestimmenden Einfluß kennen ^laffen wirb. Sein Hauptverbienst liegt barin, freier natürlicher Jnnen- ausgcstaltung, wie der Flächenraumkunst neue, selbständige Bahnen gewiesen, unb überhaupt ber Kunst im bürgerlichen Leben dem praktischen Bedürfnis dienstbar gemacht zu haben. Olbrich hat sich in seinen zahireick>en monumentalen Werken selber das schönste Denkmal geschaffen. Seine bewundernswerte Jdeenfülle unb feine pocficcollc, farbenreiche Vortragsweise fesselten jedermann unb erschlossen ihm dermaßen das Ohr seines kunstbegeisterten Hess. Landesherrn, daß er ihm nicht nur ein eng vertrauter sondern ein ihm vielfad) stark beeinflussender Kunstberater gewesen ist. Professor Olbrick) erhielt von ihm als Anerkennung seiner Leist- uitgen um Hessens Kunst die goldene Medaille für ihmft und Wissenschaft und das Ritterkreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen. Er besaß ferner die goldene Medaille ber Ausstellungen zu Paris, St. Louis, Dresden, den Königsprcis Turin 1902, war Ehrenmitglied ber Akademie der Künste zu Mailand, Ehrenmitglied der „American Institute of Architeets" in Washington usw. Tie Reproduktion seiner Kunsdverke erfolgte nm wenig Ausnahmen in ber im Verlag von Alexander Koch in Darmstadt erscheinenden Zeitschrift „Deutsche Kunst unb Dekoration".
Olbrichs jähes Hinscheiden ist um so tragischer^ als ihm feine schwerkrant daniederliegende Gattin erst vor 14 Tagen nach 6 jähriger Ehe das erste Kind gebar.
— Vo n der Saa Iburg. Der Kaiser unb ber König Eduard werden bei ihrem Zusammentreffen im Taunus am 11. August dem Vernehmen nach die Saatburg besuchen Tas Denkmal der Landgräsin Elisabeth kann noch nicht enthüllt wer
den, da es noch nicht gau8 vollendet ist. — Ter dritte Tag der Saalburg-Fahri >vgl. Nr. 1$2, 2. Bl.) galt wieder dem Studium der Saalburg. Oberstleutnant z. T. Ule erläuterte tm Mufeum die dort gefundenen Werkzeuge, besonders emgclxno die komplizierten Schlösser, die nach demselben Prrnzip gebaut )mb wie die modernen patentierten amerikanisck-en Chup-^chlösser, unb Prof. Dr. Oehler von der Groß-Lid^terfelber Hauytladetten-Anstalt erklärte die Ausrüstung des römischen Militärs. Ferner würben ber anmutig gelegene Dreimühlenborn, wo reichliche Funde von Eisen auf desten Ausnützung in römischer Zeit schließen lietjen, und die Preußenschmtze besucht. Hier ist wahrscheinlich die ältcfte römische Ansiedlung der Gegend, älter als bic Saalburg selbst, zu suchen, und ein lanaeö spitzwinkliges Dreieck dieser Anlage läßt sich noch feststellen. Der letzte Tag der Fahrt wav dev Besichtigung des Kastells Felbbcrg auf dem Großen Feldberg und des vorrömischen Ringwalts auf dem Altchnig gewidmet, »stabtral Ende aus Homburg v. d H. führte über das Zwisck)enkastell Heidstock am Limes entlang dem Felbbera hinauf, wo Prof. Oehler die Anlage des Kastells unb des benachbarten Bades erläuterst. Auffällig find bei dieser Iwchstgelegenen Anlage dieser Art im Taunus das starke Gefälle des Kastells unb die Erdhvhleniooh- nungen der Legionen, die an dem gegen Norbwesten abfallenden Bergabhang in dem auch zur Sommerszeit feit alters wind- berühmten Taunus tüchtig gefroren haben mögen. Dst bebaubare Feldterrasse mit einem Flächeninhalt von zwei Millionen Ouadratmeterii zu Füßen des 1300 000 Ouabratmetev" umfassenden ummauerten Gebietes spricht für eine ständige Bewol)- itimg der Riesenstadt, die in ben Grundmauern noch erhaltenen sdpieckenförmigen Torgassen für die Einrichtung zu VeLteibigungs- zweckcn, ebenso nur der eine Zugang in den inneren Maucrring, ber oben mit einem Holzzaun der Plattform zu lonftruieren ist. Mit dem Studium dieser riesenhaften oorgeschichtlickstn Anlage, deren Abmessungen die römischen Ansiedlungen weit hinter sich lassen, schloß die Saalburgfahrt. Bei der nächmäbrigen Veranstaltung wird nun noch ein weiteres kostbares Studienmaterial vorliegen in dem fetzt erst oberflächlich gezeigten Limes-Mufeum, das die Z-unde aus den übrigen Kastellen vereinigt und das der Kaiser bei seiner nächstjährigen Anwesenheit im Taunus eröffnen wird.
— Kleine Kunstchr onik. Ter iveimarische Staats» Minister Dr. Rothe teilte m seiner Rede bei ber Einiveihung des neuen UnioerfitätSgebäubeS in Jena mit, daß die Fürsten des sachsew-ernestinischen Hauses beschlossen Haden, dem verstorbenen Pros. Dr- Abbe in Anerkennung seiner Verdienste um die Universität ein Denkmal zu errichten. Wie jetzt bekannt tvird, handelt es sich dabei um den Entwurf des Professors Hildebrandt in München, der von der Kommission zur Errichtung eines Abbe- Denkmals abgelehnt worben ist. Die Frcunbe bes Hilde- brandtschen Enrwurfcs wollen bieses ober von sich aus zur Ausführung bringen lassen, und so bekommt Jena zwei Abbe- Denkmäler. Denn das Komitee hat sich für ben Entwurf des Bilbhauers Paul in Dresden entschieden. Dieser stellt Llbbe sitzend bar, während der Hilbebrandtsche Entwurf die (ü.-ftilt eines Brunnenmvnuments besitzt. — Das FrankfurterRcsibenz- theater eröffnete die neue Saison mit dem nervenvrickelnden Sensationsdrama „Ein seltsamer Fall" von Stevenson, Riorton und Gunniver. Das Ensemble zeigte sich den Anforderungen gewachsen.
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