Ausgabe 
10.3.1908 Erstes Blatt
 
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Dienstag

158 t Jahrgang

Erstes Blatt

Der Vries der Kaisers und das englische Parlament.

ungewöhnlichen Angriffe,

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Vergleich der alten und der jeljt angestrebten Sätze

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80 M, hrl. Zinszahlung, c i Giesen, ist dow.i zu vcrknuicn W Schnsli. ÄW

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Eine Posttarifreform für Drucksachen

soll jetzt nach einer ä)üttet(ung derDeutsch. Nachr.^ geplant sein. Es sollen erhoben werden für gewöhnlich zu bestellende Drucksachen die bisherigen Sätze, süc eilige hingegen folgende

am 18. Februar Dieser Brief ging mir

jeder Anfrage, die gestellt werden Es ist Tatsache, daß ich einen Brief vom Kaiser erhielt.

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Anslanv.

Wien, 9. März. Es gilt alS sehr mnvahrscheinlich, daß gelegen l l i ch des Besuches Kaiser Wilhelms beim Kaiser Franz Joses auch der 9! e i ch s k a n z l e r F ü r st Bülow in Wien cmtresscn wird, um den Minister des Aeußeren Frh. v. Aehrentlml den verschobenen Gegenbesuch abzustatlen.

Bern, 9. März. Die bernische Negierung richtete an den B u n d e s r a t das Gesuch, er möge aui Aufhebung der Sperre gegenüber dem ber nischen Exportvieh bei Deutschland b i n w i r k e n , da der Kanton Bern schon seil langer Zeit von Viehseuchen völlig srei sei.

Paris, 9. 'März. Ein Telegramm von d' A m a d c von gestern abend meldet, daß seine Truppen in zwei Kolonnen operieren. Eine hatte die Medakra g e s ch l a g e n und ihnen schwere Verluste beigcbracht; die andere habe das Lager der- Ata dal la Mnlay Hafids mit Zelten und großen Mengen Mnnition evbeutc r. Die französischen Verluste sind gering.

löt März 1908

Bezugspreis: monatlich 75Pf.,viert el- jährlich Mk. 2.20; durch <lbhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch drePostAlk.2.viertel- jährl. ausfchl. Vestellg. ZeilenpreiL: lokal 15Pf^ auswärts 20 Pfennig.

Verantwortlich für den politischen Teil: E. Anderson; s. Feuille­ton undVermischtes* P. Witiko; fürStadt u.Land" undGerichts-

für Drucksachen ergibt demnach folgende Skala: jür gewöhnliche für eilige Drucksachen:

Im englischen Unterhause ist gestern der Briefwechsel des deutschen Kaisers mit Tweedmouth zur Sprack)e gekommen. Tas Oberhaus war in Voraussicht einer Erklärung Tiveedmouths von den Mitgliedern dicht besetzt. Lord Tweedmouth sprach unter lautloser Stille und mit sichtbarer Bewegung:Ich habe gehört, daß einige Mitglieder des Hauses gesonnen sind, über die ungtiu,ui)ntuu>cii «tjiyui |C, die in der Presse im Laufe der letzten Tage erhoben sind, eine Anfrage zu stellen. Ich möchte könnte, zuvorkommen.

Arss Stadt rind Land.

(Sieben, io. März 1908.

Weiterführung der Bie bertal bahn. Der Weiterbau der Kleinbahn GießenBieber nach dem 6 Kilo­meter von der Endstation entfernten Hohensolms, der früher schon ins Auge gefaßt war, ist neuerdings von der Deutschen Kleinbahn-Gesellschaft beim zuständigen Landratsamt in Bieden­kopf angeregt worden. Das Landratsamt hat sich Bereit finden lassen, das Projekt höheren Orts zur Genehmigung zu empfehlen und die nötigen Verhandlungen mit den Gemeinden erforderlichen Falles einzuleiten. Es ist eine bekannte Tatsache, daß die Bewohner von Hohensolms und Königsberg eine Verbindung mit Gießen sehnlichst wünschen, und auch die zahlreichen umliegenden Ortschaften Vorteil davon haben werden. Zweifellos liegt in der geplanten nur 6 Kilometer langen Fortführung der Biebertalbahn ein großer wirtschaft­licher Fortschritt für die ganze Gegend.

** Ein neuer Eilzug von Kassel nach Frank­furt a. M. hat jetzt nachträglich die Genehmigung des Eisenbahnministers gefunden. Er geht von Kassel morgens ungefähr Uhr, so daß er 10 Minuten nach 11 Uhr in Frankfurt a. M. eintreffen wird. Als Eilzug ohne Zuschlag führt der neue Zug alle drei Klaffen und hält an den

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Berlin, 9. März. Die Zusammenkunft des deutschen Kaisers mit König Viktor Emanuel wird, wie die B. Z. aus angeblich sicherer Quelle erfährt, schon auf der Reise nach Korfu erfolgen. Der Kaiser verläßt am 24. März abends Berlin und begibt sich mit dem Hof­zuge direkt nach Venedig, wo er am Abend darauf eintrifft. Tort nimmt der Kaiser auf der Hohenzollern Wohnung und für den 26. März ist di e Zu sa m m e n k uns t der beiden Herrscher geplant. Alsdann wird sich der Kaiser direkt nach Korfu begeben.

Gegenüber anderslautenden Mitteilungen ist daran fest- zuhaltcn, daß ein Ausflug des Kaisers Wilhelm von Korfu aus in das Innere von Albanien, insbe­sondere nach Janina, nicht beabsichtigt ist.

__Das Abgeordnetenhaus hat heute den Eisenbahn- Etat erledigt. Morgen Masurischer Kanal, Ansiedelungs- Kommlssion, kleinere Etats.

ie vielen GM und Wenfrl

v anläßlich untere Hochzeit ;u!£.| sind, jagen wni lern besten DM nders danken ik|! wackeren Langen gellten der Hem des BauerM reins für die w chteu Ständchen.

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Für die eiligen Drucksachen sollen besondere Zuschlag- markcn hergestellt werden, die den gewöhnlichen Marken hin-

ltc^rdHü^r gebügelt.

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gegen England nur dann erhalten, wenn die Gefühle der deutschen Nation so überreizt find, daß sie weitere friedliche Beziehungen unmöglich machen. (Allgemeiner Beifall.) Hie­rauf verließ das Haus den Gegenstand der Tagesordnung und vertagte sich.

Im Unter hause erklärte der Schatzkanzler Asquith, daß er seinen Ausführungen vom letzten Freitag nichts weiter hinzuzufügen habe, als daß Lord Tweedmouth sofort nach Emp­fang des Briefes Kaiser Wilhelms diesen Brief dem Staatssekretär des Aeuß-ecn Grey gezeigt und sich nrit Grey darüber verständigt habe, daß der Brief keinen offiziellen Charakter trage und als Privatmitteilung zu behandeln sei. (Beifall.) Es könne absolut keine Rede davon sein, eine private, persönliche Korrespondenz auf "beim Tisch des Hauses niederzulegcn.

Mit dieser Debatte im englischen Parlamente wird nun hoffentlich die Erörterung der Briefafsäre überhaupt beendet fein. Tas läge im Interesse aller, die nicht absichtlich Miß­stimmungen Hervorrufen wollen.

nehmen zu festig en."

Lord Landsdowne hob den privaten Charakter des Brieses hervor, seine nichtamtliche Form, wie seinen freundlichen Ton gegenüber England, wie sie die Erklärung Tweednwuths dartut, und sagte dann ein derartiger Brief sei ein völliges Gegenstück $u den Mitteilungen, wie sie zwischen einem großen Souverän und einem englischen Minister bei Gelegenheiten vorkämcn, nrie sie sich von Zeit zu Zeit ereignen, wenn englische Minister mit Herrschern anderer Reiche in Berüvrung gebracht würden. Nie­mand würde eine Unterredung dieser Art so ansehen, als ob sie irgend ein unpassendes Betragen auf feiten des daran beteiligten Ministers dartue. Es sei von vielen Seiten dem dringenden Wunsche Ausdruck gegeben worden, den Brief- ivechsel zu veröffentlichen. Ich bin zu der Erklärung verpflichtet, daß wir auf Lord Tweedmouth keinen Druck ausüben werden, die Korrespondenz zu veröffent­lichen, wenn es nicht in seiner Absicht liegt. Lansdowne vertrat alsdann die Ansicht, daß außeramtliche Nitteilungen nur in seltenen Ausnahmefällen Vorkommen sollten. Er ivünsche nicht so verstanden zu werden, als ob keine Ausnahme von dieser Regel gestattet »ein solle. Wenn Briefwechsel' dieser Art überhaupt stattsinden, io sollte niemals zugelassen werden, daß sic eine diplomatische Situation schaffen, die verschieden ist von der, die durch amtliche und aktenmäßige Dokumente geschaffen ist. Lansdowne führte weiter aus: es gibt eine Regel, die gegenwärtig beobach­tet werden sollte, bezüglich dieses etwas unregelmäßigen Brief­wechsels, nämlich, wenn er tatsächlich als privater zu behandeln ist, so sollte dieser private Charakter als solcher beachtet werden. (Beifall.) Ich bin sicher, daß Alle, die ernstlich wünschen, daß die deutsch-englischen Beziehungen einen freundschaftlichen Charakter tragen sollten, den Ztvischen- sall bedauern müssen, der die Erregung und die Beunruhigung der öffentlichen Meinung zur Folge gehabt hat. _ Wir aus dieser Seite des Hauses ivünschen weder etwas zu sagen oder zu tun, was die Erregung irgendwie vermehren, oder die Verlegenheit irgendwie steigern könnte, die dieser Vorfall den britischen Ministern, wie ich fürchte, verursachen muß. vicrauf ergriff Rosebery das Wort und sagte: Ich habe aur eine Befürchtung bezüglich der Angelegenheit, nämlich, daß wir als Nation uns etwas lächerlich machen könnten durch den Lärm, der über diese Episode gemacht roirb. So- biel ich davon weiß, ist gar nichts geheimnisvolles an ihr und die Tatsachen sind genügend klar. Wir haben die ganze Welt die unsinnigen Schlüsse ziehen sehen, nämlich, daß der deutsche Kaiser versucht hätte, auf Tweedmouth zu dem Zwecke euren^ Einfluß auszuüben, um das Marinebudget einzuschränken, den Fortschritt unserer Rüstungen zu hindern, die Vecteidigungs- krast unserer Flotte zu lähmen und die ganze Grundlage der englischen Regierung gleichsam zu untertvühlen und umzu­stürzen. Ties bringt sicherlich uns, unsere Regierung und unwre Einrichtungen in eine höchst lächerliche Lage. Es gibt einen Seit der Presse, der cs zu seiner Aufgabe -u machen scheint, schlechte Beziehungen zwi- schen Teutschland und England zu schaffen, und ch) snrclste, obwohl ich in dieser Beziehung weniger gut unter- bin, daß es auch einen entsprechenden Teil der deut- icyen Presse gibt, der sich ebenfalls die Herstellung schlechter Beziehungen zwischen den beiden Ländern zur Aufgabe macht, ferner scheint die Empfindung vorzuherrsä)en, daß wir nvt- wenorgerweife eine schroffe Haltung Deutschland gegenüber ein- neymen müßten, weil wir zu freundschaftlichen Gefühlen Frank- r gegenüber gekommen sind. Derjenige Teil der Presse, ° rn England als auch in Deutschland, der derartige Ideen fordert, fit geneigt, jedes alltägliche Vorkommnis zu ergreifen, um ein kranthastes Mißtrauen zu erwecken zwischen den zwei Kanonen, was sich nach meiner Meinung allmählich zu einer ^whr sur. den europäischen Frieden entwickelt. Es ist auf Ikern Gruud vorhanden, warum unsere Freundschaft mit L notwendigerweise eine feindliche Haltung gegenüber Deutschland zur Folge haben sollte. Unsere infulare Stellung unsere großen Handelsbeziehungen mit der ganzen Welt SRnm!? Hn'ere auswärtige Politik so weit wie möglich zu einer -Politik der Freundschaft machen. Wir haben ferner in Ver- innp9 S dieser Politik uns der wichtigen Tatsache zu er- n, daß unsere Freunde von heute morgen unsere Feinde rPm.H -eiL Welches ist nun die Lehre, die ich aus der Er- ftpri öiefic, die durch diesen sehr unbedeutenden Zwischenfall qcrvorgerusen wurde? Es ist die, daß die V e r a n t w o r t l i ch - pinnL; Presse sowohl in England wie in Deutschland werden sollte durch diese Presse und daß sie nicht

7 Gallonen in einen Zustand der Reizbarkeit stur- hipL-'Ä dn eines Tages sich zur Erbitterung steigern und ^-bjNfite Gefahr für den europäischen Frieden Hervorrufen könnte. 2-5 l|t das, eine Erwägung, die sich ergibt gerade aus der mäch- «Sr-deutschen Armee, die etwa vier Millionen Mami zählt d-n ern keinen aufmerksamen Beobackster übersehen wer- Kh'? r eine Armee, die tatsächlich aus der deutschen

W? « x und bevor eine deutsche Regierung, Wie mächtig i p ^ä) Jc\n irgend einem Lande den Krieg erklärt, mutz kann -. Unfirilutzung des Volkes hinter sich haben, und sie q .lluterstützung des deutschen Volles is einem Lrreae

SkTtSän»«! Kotationsi>ruS und Verlag der vriihl'schen Unw.-Vuch- und Steiadruckere!. R. Lange. Keöaftion, Expedition und Druckerei: §chu!s!raße 7.

bis vormittags 10 Uhr. ____________________________

auf dem gewöhnlichen Wege der Post zu. Ter Brief war ein privater und persönlicher. Er war sehr freundlich gehalten, und sein Ton war gans ungezwungen. Ich zeigte ihn Grey, der mit mir einer Meinung war darüber, daß er als Privatbrief und nicht als ein amtliches Schreiben zu behandeln sei. Demgemäß sandte ich dem Kaiser am 20. Februar ein Antwort­schreiben, daS in demselben Sinne gehalten war. Wie sein eigener an mich gerichteter Brief, nämlich in einem freundlichen und zwanglosen Tone. Alles, was ich weiter sagen kann, ist: Ich bitte das Haus, sich versichert zu halten, daß ich der festen Mei­nung bin, daß der von mir befolgte Weg ein guter und darauf berechnet war, das zu tun, was wir alle so sehr wünschen, näinlick) alles zu tun, was in unseren Kräften steht, um zwischen dem Deutschen Reiche und uns das gute Einver-

GietzenerAnzeig

General-Anzeiger für Gberheffen

T Ullln L s u^etdele^ I

Der Siebener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich SietzenerFamilienblätter; zweimal wöchentl.ttreis- blatlfürdenUreirGieben (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land- virtfchastliche Zeitfragen Fernsprech - Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag ».Expedition öl Udreße für Deveschen:

Anzeiger Gießen.

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wichtigsten Verkehrspunkten der Strecke. In Gießen trifft er um 10 Uhr 5 Min. ein. Ein Gegenzug ist nicht in Aus­sicht genommen. Der neue Zug wird mit dem Sommer­fahrplan zur Einführung gelangen.

- Ein Dammrutsch erfolgte in der Nacht auf Mon­tag zwischen Großen - Linden und Lang - Göns , etwas nördlich von der Station Lang-Göns. Die nötigen Vor- sichtsmaßregelii wurden von der Bahnvecwaltung sofort getroffen und der Betrieb der die gefährdete Stelle nur lang­sam befahrenden Züge zwischen Butzbach und Gießen eingleisig gestaltet. Gestern nachmittag 41/) Uhr war der Schaden tn»j soweit beseitigt, daß der zweigleisige Betrieb wieder auf­genommen werden konnte. Die Ursache des Dammrutsches ist wohl in dem fortgesetzten Regenwetter zu erblicken.

** Unsere landwirtschaftlichen Preis aufgab enu In unserer Notiz über die Preisverteiinng für die beste Be^ antwortnug unserer ersten landwirtschaftlichen Preisfragen ist leider der Name eines Preisträgers durch einen Druckfehler? entstellt. Den zrveiten Preis erhielt Herr Wilhem Bopp V.s in Bellersheim.

** In der Freidenker-Vereinigung sprach am Sonntag abend Professor Dr. Bruno Wille über die Mythe' vom Kreuz. Der hier bestens bekannte Redner erörterte in fesselnder Darstellung die Frage, ob Christus eine geschichtliche Persönlichkeit sei und kam zu dem Schluffe, daß ein bündiger Beweis hierfür nicht vorhanden sei. Aus dem Inhalt der viel später entstandenen Evangelien sei zu entnehmen, daß die Schilderttng von Christi Leben und Lehre vielfach eine auffallende Uebereinstimmung mit den Anschauungen des israelitischen Philosophen Philo in Alexandrien erkennen lassen, der seinerseits von der griechischen Philosophie beein­flußt ist. Danach ist Jestts der ^Menschenkind^, dasLicht der Welt^ oder der Fleisch gewordene Logos, unter welcher Bezeichnung die die Welt durchwaltende göttliche Vernunsi zu verstehen ist Mit der Anschauung von diesem Logos ver­band sich dann die uralte Rchthe vom Kreuz, um in der Lehre vorn Kreuzungsthode Christi die Offenbarung der er­lösenden Gnade Gottes zu erblicken. Dein geistvollen und mit Beifall ausgenommenen Vortrag folgte eine lebhafte Dislussion.

** Der Bürgerverein Gießen hielt gestern abend unter dem Vorsitz des Lehrer Val. Müller im Einhornsaat seine Hauptversammlung ad. Der vom Vorsitzenden erstattete Jahresbericht wies nach, daß auch im vergangenen dritten Vereinsjahr der Verein nach Kräften sich bemüht habe, die Interessen der Stadt und der Bürgerschaft zu fördern. Er gedachte u. a. des Universitätsjubiläums, aus dessen Anlaß der Verein eine besondere Versammlung abhielt, in der Prof. Dr. Sommer ein Referat erstattete. Zum Jubiläum selbst stiftete der Verein eine Glückwunschadresse. Bei den Stadt­verordnetenwahlen ging der Verein mit einer Anzahl anderer Vereine gemeinsam vor und hatte dann auch die Genugtuung, daß die von dern Bürgerausfchuß vorgeschlagenen Kandidaten fast ausnahmslos gewählt wurden. In einer weiteren Ver­sammlung beschäftigte sich der Verein mit dem Fall Dr. Düllo in Offenbach, wobei Prof. Dr. Biermer einen Vortrag hielt. Der Vorstand hielt 11 Sitzungen ab, in denen er zu allen wichtigen Fragen des kommunalen Lebens Stellung nahm« Die Mitgliederzahl beträgt 450, es starben 6, verzogen sind 8 und ausgetreten 34, wogegen 33 zugingen. Der vom Kommerzienrat Mueller erstattete Kassenbericht schloß bei 405,35 Mk. Ausgaben mit einem Einnahme-Ueberschuß von 283,42 Mk. ab. Die von den Herren Jnderthal und Petri ILE geprüfte Rechnung wurde für richtig befunden und dem Rechneo Entlastung erteilt. Die durch das Los auZscheidenden Vor­standsmitglieder Konnnerzienrat Mueller, Horst, Jaskowsky, Troß, Grünewald und Jnderthal wurden wiedergewählt und an Stelle des Herrn O. Schmidt, der freiwillig ausschied^ Apotheker Schmieder.

lieber die Wertzuwachs st euer erstattete sodann Rechtsanwalt Raab ein ausführliches und sehr anschauliches Referat, dessen wesentlichster Inhalt morgen an anderer Stelle wiedergegeben wird.

An den mit Beifall aufgenommenen Ausführungen des Vortragenden schloß sich eine Diskussion, an der sich Stadto. Dr. Ebel, Stadtv. Plank, Generalagent A. Schmidt, Stadtv. Troß, Gastwirt Jaskowsky und der Referent beteiligten. Erft nach 12 Uhr erreichte die leider nicht Übermäßig stark be-i suchte Versammlung ihr Ende.

"Zum Vüdinger Bankkrach. Der hinter dem flüchtigen Hofrat Rothschild erlassene Steckbrief lautet: Gegen den unten beschriebenen Bankier Ludwig Rothschild von Büdingen, geboren am 28. Mai 1863 zu Ober-Seemen (Obcrhessen), Jsraeltt, verheiratet, der flüchtig ift oder sich verborgen hält, ist tue Untersuchungshaft wegen betrügerischen Bankerotts und bedeu­tender Depotunterschlagungen verhängt. Es wird ersucht, ihn 51t verhaften und in das nächste Amtsgerichtsgefängnis abzllliefcrn, sowie hierher Mitteilung zu machen. Beschreibung: Alter 45 Jahre, Größe 1,74 Meter, Haare grau (Glatze), Bart: dunkler Schnurr­bart, Gesichtsfarbe blaß. Besonderes Kennzeicheir: Trägt Zwicker. Der Untersuchungsrichter beim Landgericht Gießeii.

lieber das Verhalten des BürgermeisterZ Knas nach dem Bekanntwerden von Rothschilds Manipulationen sind vielfach unrichtige Mitteilungen durch die Zeitungen gegangen, wes­halb mitgeteilt sei, daß der Bürgermeister nicht vom Amte dispensiert wurde, sondern freiwillig vorläufig vom Dienst zurücktrat. Auch die behauptete Beschlagnahme seiner Möbel fand nicht statt. Vielmehr wurde auf Veranlassung der

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