Ausgabe 
9.7.1908 Zweites Blatt
 
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,85 455 Mk. Zuschuß auS der Brandoersicherungskasie. Von den im ganzen 122 164,92 Mk. betragenden Ausgaben wurden 8 455,97 Mk. zu Unterstützungen an verunglückte Feuerwehrleute (in Oberhessen 3733,07 Mk., Starkenburg 3358,40 Mk. und Rheinhessen 1364,50 Mk.) und zu Bei­hilfen an Gemeinden und Feuerwehren zur Anschaffung von AuSrüstungSgegensländen 102 050,85 Mk. (in Starkenbug 52 836,35Mk., Oberheffcn 41690 und Rheinhessen 7524,50Mk verwendet.

* * D e rt e u r e" S o m m e r h u t. Die Passagiere des nachmittags von Frankfurt nach Kassel fahrenden Personen­zuges waren kürzlich nicht wenig erschrocken, als plötzlich zwischen den Stationen Treysa und Kirchhain der Main-Wesrr-Bahn auf freiem F-eidc sämtliche Bremsen des Zuges unter großem Geräusch m Tätigkeit traten und den Zug mit plötzlichem Ruck zum Stehen brachten. Geschäftig eilte das Begleitpersonal des Zuges hin und her, um festzu­stellen, in welchem Abteil die Roth bremse gezogen sei. Bald sollte sich das Rätsel lösen. Es öffnete sich ein Abteil dritter Klasse und herausspazicrt kam mit heiterem Lächeln eine junge Tarne, die erklärte, daß sie dicZNotbrcmse ge­zogen habe. Beim Heraussehen aus dem Fenster sei ihr durch einen heftigen Windstoß der neue Sommer- Hut entführt worden. Um das Objekt, das einen Wert von etwa 12 Mk. habe, wiedcrzuholen, sei von ihr die Notbremse rn Tätigkeit gesetzt worden. Tie Männer vom geflügelten Rad zeigten indessen für derartige Argumentationen wenig Verständnis und waren ungalant genug, ohne den Hut weiterzufahren. Für die junge Dame aber, welche den Aufenthalt veranlaßt hatte, dürfte die Geschichte noch un­angenehme Folgen haben, da die mißbräuchliche Benutzung der Notbremse unter hohe Geldstrafe gestellt ist.

* * Gabelsberger Stenographen. Am 4. und 5. Juli beging der Hessen-Nassauische (Main-Rheingau-) Verband Gabelsbergers'cher Stenographen seinen 2 9. Ver- dandstag m Aschaffenburg. Er wurde cingcleite. durch die Vertreter-Lersammlung am Samstag abend. Ter 1. Vorsitzende des Verbandes, Realschuldirekior Tr. Pitz Alsfeld, stellte fest, daß 65 Vereine nut 146 Stimmen ver­treten waren. Ter Verband ist in 9 Bezirke eingeteilt und zählt 118 Vereine (gegen 100 im Vorjahre) mit rund 4300 Mitgliedern. Tic Wahl des Vorstandes ergab: als 1. Bor fitzenden die Wiederwahl des Rcalschuldireltors Tr. Pitz- Alsfeld, als 2. Vorsitzenden Lehrer Müllcr-Ofsenbach. Im Laufe der Verhandlung sprach der Vorsitzende des Teut schen StenographenbundesGabelsbergcr", Prof.s or Pfaff Darmstadt, sich eingehend über die derzeitig.' st.uogr..p,i.,che Lage aus. Tic Versammlung nahm hierauf folgende Bcr trauenskundgebung einstimmig an:Tic Versammlung billigt mit dem Ausdruck des herzlichsten Tantes in vollem Umfange die Haltung des hochverdienten Bundesvorfitzenden bei den Verhandlungen wegen Schaffung einer deutsck)en Einheitsstenographie und spricht ihm üjr vollstes Vertrauen aus." Schließlich wurde als Ort des nächsten Stenogrep en- tages Bad Ems gewählt. Sonntag morgen 9 Uhr sanden in den Räumen des Kgl. Gymnasiums die Wettschreioen in Abteilungen von 100 bis 280 Silben statt, an welchem sich 278 Teilnehmer beteiligten. Auch die dem Verbände angehörigen Gießener Vereine errangen eine Anzahl Preise, und zwar der Gabelsberger Stenotzraphenvercin (1861- zwei erste, zwei zweite und einen dritten, die Stenograpyen- .Gesellschaft einen ersten, zwei zweite und der Tamen-Verein einen dritten Preis. Ten Festakt, der 11 Vs Uhr im deko­rierten Teutschhaussaale abgehalten wurde, eröffnete der Verbandsvorsitzcnde Realschu'.direktor Tr. Pitz. Namens des Stenographen-Vereins Gabelsberger von 58 Aschaffenburg, welcher das Jubelfest seines 50jährigen Bestehens beging, bewillkommnete Expeditor Aulbach die Gästc^ Bürgermeister Tr. Matt überbrachte die besten Wünsche der Stadt Aschaffen­burg, Prof. Pfaff gratulierte dem festgebenden Verein im Auftrage des Bundes. Ter Aschaffenburger Tamen-Verein überreichte durch Frl. Jos. Köhler einen Lorbeerlranz und Lehrer Müller-Offenbach überbrachte die Glüawanschc des Bezirks. Anschließend hieran hielt Amtgerichtssetretär Steller einen fesselnden Vortrag über-das Thema:Zeit ist Geld, Kurzschrift ist Gold." Tas Mittagsmahl wurde in dem Saal des Turnvereins eingenommen. Bereits hier war man in der angenehmen Lage, die Namen der Preis­träger, deren es 145 waren, zu verkünden. Nach Rückkehr von einem Ausfluge wurde die Verteilung der Ehrenpreise bei Gelegeiiheit der Festfeier, welche der Jubelverein abends im Saale des Turnvereins veranstaltete, vorgenommen.

* * Hessische Sänger in Wien. Ter in einer Stärke -ovn 200 Mitgliedern auf einer Wiener Sängerreise begriffene Mainzer Mannergesangverein fand begeisterte Aus- nafjme. Nachdem ihn am Dienstag ein Festabend mit dem Wiener Männergesangverein vereinigt batte, fand am Mittwoch anläßlich einer Einladung der Stadt Wien ein glänzender Empfang statt mit enthusiastisch ausgenommenen Gesangsvorträgen der Mainzer, hieran schloß sich ein von der Stadt Wien im Rathaussaale ge­gebenes Bankett. 'Aach einer Rede des Vizebürgermeisters Neumayer, und einer Antwort des Präsidenten des Mainzer Männergesangvereins Itnirbcn H n l d i g n n g s t e l e gr a in nt e an Kaiser Wilhelm, Kaiser Franz Josef und Großherzog Ernst Lud- wng von Hessen gesandt.

0 Mücke, 8. Juli. TasI u g c n d fc st" zu Mücke, ,vuf das man bereits in der Umgegend sehr gespannt war, weil man ihm mit Interesse begegnet und dieses Interesse neuerdings wachgerufen ward, wird nun doch nicht st a 11- finden. Erst zogen die Wirte nicht zu den Forderungen des F-estkomitees, nun fehlt diesem die Haupikraft, die durch eine Versetzung wcggctommcn ist. Ta niemand bereit ist, der Kutz' die Schelle anzuhängen, so unterbleibt das gep.'ante Jugendfest zum Bedauern der umwohilcnden Jugend und Erwachsenen.

§ AuS dem Vogelsberg, 8. Juli. So eintönig her Ruf der Wachtet auch ersckallt, so hört man ihn doch 'besonders gern aus dem Getreidefeld erklingen. Deshalb l'trebte man auch früher der Wachtel sehr nach und fing sic. Kein Vogelliebhaber war früher ohne Wachte,korb, Wachtel- gam und Lockpfeife. In den Törfern sah man deshalb die Wachtelkörbe sehr häufig an den Häusern hangen. In letzterer Zeit sind sic fast verschwunden und die Fanggarne vermodert. Tie Wachtel selbst war aber auch viel seltener zu vernehmen. In diesem Jahre aber ertönt der Wachtelruf ungewöhnlich häufig. Tic Wachteln sind demnach wieder einmal ausnahmsweise stark vertreten. Wenn es viele Wach­teln gibt, dann freuen sich unsere Jäger, weil dann auch die Rebhühner gedeihen Tic Aussichten für die Jagd sind überhaupt günstig. Tic Hasen zeigen eine starke Vermehrung. Der trockene Sommer war ihrer Entwicklung förderlich.

O Laubach, 8. Juli. An einem der letzten Abende sand im Schützenhofe eine Generalversa m m lung des Verkehrs- und Verschönerungs-Vereins statt, lieber bie von diesem beabsichtigte Färber.-Markierung hielt der Vorsitzende des ZweigvereinL V. H. El., Ober- lehrer B-ctLbart, einen ctnflünbigcii Vortrag, sich dahin aussprechend, daß die OrtS-Farbcn-Markierung unzeitgemäß,

unzweckmäßig und unangebracht fei; nur die vom Gesamt- verein V. H. El. durchzuführende Farben - Markierung für die größeren Touren im Vogelsberg sei zu empfehlen. T^e Versammlung lehnte demgemäß die früher gefaßten Beschlüsse ab, behielt sich aber die nochmalige Besprechung für den Winter vor. Im weiteren wurde für daS Rhem-Main- Verbandstheater der Zuschuß genehmigt, sowie dessen En­gagement für zwei Vorstellungen im nächsten Winter ge­billigt. Tie Mitglieder deS Verkehrs- und VerschönerungS- Vereins werden in Zukunst an den Beratungen des Zweig- Vereins V. H. El. teilnehmen und umgekehrt. Erne Verschmelzung beider Vereine wird angestrebt und läßt sich bei gleicher Mitglicderzahl und bei gleichem Zwecke leicht durchführen. Für den Zweigvecem V. H. El. ist der erste Clubabend im Lolmser Hof auf Mittwoch den 8. d. M. festgesetzt.

sd. Mainz, 8. Juli. Ter heutige Begrüßungs- abend zur Feier deS 25jährigen Bestehens des Re ichs- Verbundes der Deutschen Landwirtschaftlichen Genossenschaft, dargeboten vom Verband der Hess. Landw. Gcnoffenschaslen in Mainz, erfreute sich eines außerordentlichen guten Besuches. Ter Präsident, Geh. Regierungsrat Haas, Der Gründer und Generalanwalt des Verbandes, begrüßte nach einem Imbiß die Versammlung, worauf nach einem gereimten Vortrag des Herrn Direktors Haas jun. der Roden- Heiner in echtem Kostüm mit zwei Knappen erschien und in ausgezeichnetem, von dem bekannten 5<arncoalsredner Kneip m Mainz verfaßten humoristischem, oft von Beifall unter­brochenen Begrüßungs- und Willkommenspruch die Rcichs- verbändler aus den verschiedenen deutschen Gauen bewill­kommnete und schließlich dem Präsidenten Haas einen mach- tigen silbernen Humpen überreichen ließ, den die beiden Knappen auf einer Tragbahre herembrachten In der An­sprache waren humorvolle Anspielungen auf einzelne hervor­ragende Persönlichkeiten des Verbandes sehr geschickt verknüpft, Die lebhafte Heiterkeit hervorriefen. Von bekannten Persön­lichkeiten bemerkte man außer den bekannten fremben Gälten u/a. Ministerialrat Tr. Usingcr, sowie Provinzialdirektor Geheimrat Frhr. v. Gagern.

Mainz, 8. Juli. Tic Naturhistorische Gesell- schäft hat der Stadt Mainz ihre wertvodeii__itaturtvij|cufd)aft» lichen Sammlungen g e s ch c n E l Ferner hat S. K. H bcr Groß- l ryjg der Stab, den kostbaren Ehrenbürgerbrief geschenkt, ben Die Stad, im Jahre 1839 seinem Urgroßvater, dem Prinzen Friedrici) Wilhelm Karl von Preußen, der zehn Jahre Gouver­neur von Mainz gewesen ist, ausgestellt hat.

Der Lulenburg-prozeh.

IX.

Hd. Berlin. 8. Juli.

Tas Befinden des Angeklagten scheint beute fchlech.er als gestern zu sein. Wenigstens klagt der Fürst lebhaft, und seine Beine find so d:cl angeich.vollen, daß er keine Stiefel anziehen konnte, fönt)cm in Hausschuhen bleiben mußte. Tic Fürstin, die bis 5reitag beiiriauut ist, ist trotzdem wieder int Gericht gcbäude criü;iencu, begleitet von ihren beiden Söhnen, und be­sucht den Fürsten in dem Zimmer neben dem Schwurgcrichissaal. Es werden alle Zeugen mit Ausnahme von Fischer Ernst, Cb er» hostnarichall Gras August von Eulenburg, Kunstmaler Gran-Starn­berg, Justizrat Lümmel and Neu-Ruppin und 4 bayerisck-en Poli­zeibeamten, wieder entlassen. Auch während der heutigen Ver­nehmung des Ernst wird Justizrat Bernstein aufgeforoert, den Saal -u verlassen.

Tic Verhandlung beginnt mit der weiteren Aussage des Er n st. Ta man seinen bayerischen Tialekt gestern zum Teil felyr schwer verstanden hat, ist heute als Dolmetscher Tr. Hans Fischer, Arzt aus Karlshrrst, anwesend, der die mundartlichen Ausdrücke des Ernst ins Hock/deutsche übersetzen und den Verlehr zwischen dem Gericht und dem^verhörigen Ernst vermitteln soll. Ernst ist von seiner geitrigen Vernehmung Ijer twch außer­ordentlich erregt. Augenzeugen erzählen, daß die gestrige Szene zwischen dem Fürsten und Ernst mit zu den bewegtesten und drama- tischsten gehörte, die jemals in einem Gerichtssaal sich abge­spielt haben. Ernst muß noch einmal alle die Einzelheiten seiner Beziehungen zu Eulenburg darlegen.

Nach der Vernehmuiig des Ernst werden Bürgermeister Ratelr- berg, Fischer Franz Schropp (Starnberg) und ^chlossermeister Nieder vernommen. Während diese Zeugen gehört werden, bleibt Justizrat Bernstein im isaolc. Sie alle können nur aussagen, daß gegen Ernsts und Riedels Glaubwürdigkeit nichts einzuwenden fei. Schlosser Rieder gibt an, es fei ihm so vorgekommen, als ob der Vorsitzende des Stgdeleprozesses, Oberlandesgerichtsrat Meyer, aus Eriist und Riedel die Aus­sagen h c ra u s g e pre ß t habe. Auch sei es ihm so gewesen, als wenn diese beiden Zeugeir in Gegenwart Bernsteins nicht unbefangene Erklärungen abgeben könnten.

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Ein Gerichtsberichterstatter meldet dem offiziösen W. T. B.: Ernst soll bereits gestern bekundet haben, Hofrat Kistler habe an ihn geschrieben, wenn er etwa nach Berlin kommen sollte, solle er von Schmutzereien nichts sagen. Ter Vorsitzende soll dem Zeugen vorgehalten l-aben, eS habe den Anschein, als ob er iinmer noch mehr wisse, a 15 er sage. Ernst soll versichert haben, daß er mit Eulenburg über die zu machende Aussage nicht gesprochen habe, wohl aber mit Hofrat Kistler, der ihn wiederholt mündlich ausgefordert habe, in Berlin einfach zu sagen, er wisse gar nichts. Hofrat Kistler sei in einer Woche zwei- bis dreimal bei ihm gewesen; er habe ihm nicht direkt Geld angeboten, und auch das' im letzten Jahre ihm, dem Zeugen, gewährte und noch nickst zurückgezahlte Darlehen von 2 0 0 0 Mark hänge damit nicht zusammen. Heute soll Ernst nochmals über den Beeinflussungsversuch des Hofrates Kistler eingehend verhört worden sein. Dieser Teil seiner Aussagen soll außer­ordentlich sorgfältig sestgelegt worden sein.

Hofrat Kistler war bis Ende 1902 bei Eulenburg Sekretär und ist jetzt Tirektor einer FeueroerswchrungSgesellschaft.

Ferner soll Ernst nochmals eingehend über den Brief deS Fürsten befragt worden sein, in dem man eine Verleitung zurn Meineid erblickt.

Weiterhin werden der Bahnmeister G e g g e l e und der Vize- wack tmeister Rogat tl aus Tutzing vernommen, wo Riedel früher sein Anwesen ljattc. Diese l. iden geben über R. die beste Auskunft. Vizewachtmeister Schöps, irüher in Starnberg, charakterisiert Riedel folgendermaßen:Riedel sagt geradewegs yeraus, was ihm auf der Zunge liegt, ganz gleichgültig, ob e5 für ihn ein Glück oder ein Unglück bedeutet."

Tic Verhandlungen werden nach 3 Uhr abgebrochen und auf morgen vertagt. Ter Angeklagte, der ziemlich erschöpft ist, wird in sein Krankenauwnwbil getragen. Nach einhalbstündiger Spazier­fahrt kehrte er in die Charite zurück.

Die ,Tre§b. Neuesten Nachr." veröffentlichten, wie wir gestern bereits kurz mitteilten, folgenden Brief deS Fürsten Richard zu D o l; n a-Schlobitten, Vizeoberjägern,eisters und JagdfreundeS des Kaisers, vom 18. Dezember 1901 an den Fürsten Eulenburg:

Geehrter Filii

Es scheint mir Pflicht, Dir über den Verlaus der Angelegen, beit zu berichten, welche der Gegenstand unseres letzten Bric- wechsels war. Wie Tu weißt, geht meine Auffassung von Freundes- pflichten sehr weit und ich rechne ui erster Linie absolute Wahr­haftigkeit gegenjcitig iüv die vornehmste dieser Pflichten. Jeden­falls weißt Tu schon, daß Bolko (Graf Hochberg) sänUliche Be«

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Eine neueSensation" in der Affärs Eulenburg tischt daS Siraßburg erich.'tnendeJournal d'Alsaee^Lorraine" aus. Em

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Tie Meldung einiger Blätter, daß auf Veranlassung des Kaisers d.r Ordcttskanzler Gencralscldmarschall von Hahnke den sZiürsten Philipp Eulenburg einige Tage vor dem Beginn des SchwurgcrichlSversahrens ersuchte, ihm die Abzeichen des Schwarzen Adlerordens abzulicsern und Culenburg diesem Er­suchen entsprochen habe, wird oi'iziöS dahin berichtigt, daß der von Fürst Eulenburg ausgesprock-cne Wunsch, wahrend der Hast die Jnstgitien d.s Schsvarzen Adlerordens im Tresor des Ordens aufzubetvahren, gewahrt worden sei.

Eine Berliner Korrespondenz meldet, daß nun in der Um*

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gcbung des Fürsten Eulenburg sich mit dorn Gedanken trage, Hern» Holstein als Zeugen vorznladen.

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nmte der königl. Generalinteiidanlur darüber hat vernehmen laßen, ob ste irgend jemand gcgeniiber (der Name Hülsen-Haeseler wurde natürlich nienmnbem gegenüber genannt) eme Redensart gleich der, wie Tu sie mir von General Hülsen-Haeseler herrührend unb_ Dir gegenüber in Rominten geladen mitqeteilt halt, gemacht höltew (Tiefe oder vielmehr einige Beamte io Ilten doch zu Hulsen-Haeseler gesagt haben, daß sie die Bücher so führen mußten, wie sie es nicht verantworten könnten.) Nachdem sämtliche Beamte an ihren Tieiifteib versichert, daß sie niemand gegenüber eure solche Reden:- art gemacht hätten, weil sie unwahr wäre, schrieb Bolko an den General,daß ihm dies mitgeteilt worben wäre, haß er die Beamten hätte verhören lassen und ivaS sie geantwortet. Hierauf schrieb Graf Hülien- Haeseler, baß er ' ic Geschichte nicht erzählt unb sagte nur auf ber Hof­jagd in der Göhrde, daß er mich versichern könne, in Rammten kein Wort über Bolko und die fragliche Unteriudjung mit Dir gesprochen zu haben. Tiefe (Seidücbte gemacht respektive criuiibcn zn haben, bleibt also auf Tir sitzen, und so scheint es auch mit ben Enthüllungen ber Fran Aach unb ben nicht bezahlten Rechmmgeu der Kantzkns schließlich auch zn werben. T n b i ft ganz e i u f a ch so verlogen, daß es mir schwer ans das Ge- w i n c n fallen muß, einen solchen Kerl in die i n t i in e Gesellschaft unseres geliebten A l l e rg n ä d i g st e n Kaisers Königs und Herrn gebracht zu haben. Wie soll nun dieser groß unb vornehm, vor allem aber burchaus gerecht benfenbe Monarch von uns denken, wenn bas aller einmal be­kannt wirb? Und baß dies geschieht, wenn Aollo mit semem Pierson bie ©cneralintcnbantur auf Seiner Majestät Beseht ver- laffen müssen, dafür garantiere ich Tir.

Bolko müßte dann, um seine vor der Leffenllichkeit ange­griffene Ehre zu retten, die Machenschaften, bie zu feinem Abgänge führten, anfbccken, unb bie Veröffentlichungen zu verheimlichen. Seiner Majestät gegenüber, wird wohl kaum gehen. Wenn Tu Tir also bauernd die Freuudschait S. 'DL erhalten willst, bist Tu jetzt in bie Zwangslage versetzt, entroeber e. 'DL ober Bolko gegen­über zu erklären, baß Tu Tich geirrt, daß Tu Herrn Gehcuncii Regierungsrat Pierson d u r ch V e r b r e »t u n g bevnitigtr Ger ü ch t e bitter Unrecht getan, weil Tu seine Tätigkeit zu beurteilen gar nicht imftanbe und meinethalben, daß Tu selbst getäuscht worben seist ober Ttch getauscht haltest. Es sind nur Deine innigen Beziehungen zu Eberhard unb bie alte bis jetzt un­getrübte Freunbschast unserer Familien, welche mich vennocht haben, in dieser traurigen Sache noch einmal an Dich zu schreiben. Hoffentlich bist Tu mir für diesen Einschluß dankbar. Ich kann nun einmal aus meinem Herzen feine Mördergrube machen.

Richard Tohna-Schlobitten.

In der gestrigen Verhandlung des Prozesses kam, wie dasBerl. Tgbl." hort, dieser Brief bc5 Fürsten Tohna jur Sprache. Eulenburg soll sich in sehr scharfen AuLbrücken über Tohna geäußert unb gegen seine Hiiieinziehung in den Prozeß protestiert haben. Es sei aud) angeregt worben, ben Fürsten Tohna als Zeugen zu laben. Cb dies beschloßen wurde, ocrlmitet nichts.

Ter Brief des Fürsten Tohna ist als c ch t nun auch von dem früheren kgl. preuß. (öeneralmtcnöanten Gra'eii Höchberg bezeich­net worben. Ter Graf hat bie Genehmigung zur Veröffent­lichung dieses Briefes dein Dresdener Blatte erteilt int Jutereffe der Ehre des verstorbenen Gehenmats P r e r s o n, seines lang­jährigen treuen Mitarbeiters.

I 131 k. v- a '6l<«i rflcrei®1.

Herr EHarles Leconle behauptet, gestützt auf persönliche Erniiicr- upgeu und auf eine im Morilaut mitgcteiltc, an den iranzösifckien Senatspräiiöcnicn gerichte.e Petition von Straßburger Einwoh­nern, Eulenburg ^.ibc sich als ISjäbrigcr Jüngling einer Bluttat schuldig gemacht. Tir In l-alt ih'r Erzählung ist folgender: Eulenburg, damals Einjährig Freiwilliger bet den Bonner Husaren, sci in der Nacht zum 10. August 1865 mit zwei Kameraden, Mitgliedern des Korps Borussia, gegen 1 Uhr von der Kneipe heimkehrend, in den Hofgarten zu Bonn ge­kommen und die Herren hatten sich unterwegs damit vergnügt, alle ihnen Begegnenden zurempeln". Ta bei hätten iic auch drei Invaliden getroffen, die iic behelligten. Oowohl Die drei sich die Belästigungen veroalcu, hatten die Studenten sic nicht loSgclassen. Daraus habe bann der eine, ein Kvch namens Tonic! Ott, den Grasenpolfffon" lGossenjunge^ genannt. In dem­selben Augenblick Ixibc Gras Philipp zu Eulenburg den Sabel gezogen, und dem Kvch, einem 37jährigen, als außerordentlich friedlich und bescheiden gesckjilderteil Manne, einen Schlag über den Kops versetzt, an dem Ott wenige Stunden später verstarb. Nach demFournal d'Alsaee" erregte diese Bluttat seinerzeit in Frankreich und ganz Süddeutschland außerordentliches Aufsehen. Die Bewohner von Straßburg, wo Daniel geboren war, hätte» sich, wie crwälnrt, in einer von mehr als 1800 Unterschriften bedeckten Petition an den französischen Senat gewandt ohne Erfolg. Tein Einfluß Bismarcks fei cd zu danken gewesen, datz die Zeitungen zuerst behauptet hätten, Ott sei nicht bad Opfer des Attentats gciücfcn, sondern sei an derRose" gestorben. Erst im Jal^e 1866 sei eine Bestrafung Eulenburgs erfolgt, und zwar sei er zu 4'. M-onalen Festung verurteilt worden so milde, weil, wie es im Urteil hieß, es sich als unmöglich heraus- gestellt Ijabc, fcstzustcllen, daß cd gerade Eulenburg war, der den tödlickxn Schlag führte. Dao Verlangen der französischen Regierung, den zurückgcblicor.wn Sck>.oestern d.s Ott eine Ent­schädigung zu zahlen, sei cbensalls erst nach langer Zeit er­füllt woroeu. Tic Entschädigung ljabc aber gerade ausgercicht, um die Schwestern nidji Hungers sterben zu lassen.

So weit die Er^hlung des Straßburger Journals. Dazu bemerkt das B. T., dem durckjauS zuzustimmen i|t: Dir können sie natürlich nicht auf ihre Richtigkeit prüfen, wissen vor allen Dingen auch nicht, ob es sich nicht um eine Verwechselung mit einem anderen Angehörigen der Familie Eulenburg handelt, und ob nicht in der Tat die Sackje weniger gravierend für den Tater lag, als sic hier geschildert wird. Eine solche Vcriocchsclung scheint uns um so mehr oorsuliegen, als unseres Wissens Fürft Eulenburg überhaupt nicht in Bonn gedient, sondern vrü 1866 in bad Regiment Gardesdukorps cingetrctcn ist.

Wie dem aber auch sei, wir Ulten cd iebenfalls, u. das fei bei dieser Gelegenheit mit aller Teutlick-keit auSg-esprochcn, für wenig taktvoll und iür wenig human, wenn jetzt gegen einen Wehr­losen, unter schwerer Anklage stehenden Mann von den ver­schiedensten Seiten eine fort lau ' ende Hetze betrieben roirb, der alle Mittel recht find, und die sich nicht sck-eut, allerlei Tinge auszugraben, die mit dem Prozeß in keinerlei Zusam­menhang strl-cn und meist nx-.t jurüefliegen. *

Gerichtssaal.

fc. 5ranfhirt n. 'Dl., 7. Juli. Tas Schöffengericht verurteilte den Milchhäudler Wilhelm Greb aus Rendel, Kreis Friedberg, wegen JDl 11 rf) p a n 11 cf) c r c i zu einer Geldstrafe von 200 Mark. Tcv Staatsanwalt hatte eine Gesäuguisstrase von zwei Monaten beantragt.

Uttivcrsitäts-r7achrichten.

0 Marburg, 7. Juli. Ter Ableilungsvorstehcr deS v. Bchringschen hygicnijchcn Instituts, Pros. Ti. Römer, wurde zum außerordentlichen Professor der medizinischen Fakultät ernannt

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