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Donnerstag 9. Juli 1908'
Nr. 159
Zweites Blatt
Giehener Anzeiger
Lrjchetnl täglich mit Ausnahme deS Sonntags.
Eeneral-Anzeiger für ©berufen
10
des
158. Jahrgang
Millionen .beteiligen.
Erst in der nächsten Woche sind weitere Auffahrten Luftschiffes zu erwarten.
Das außerordentliche, von Nervosität nicht freie Jnter-
Major Pcrscval in Berlin stellte einen neuen lenkbaren Ballon fertig nach dein unstarren System in abweichender äußerer Form, indem er den Ballon vorn dick und hinten spitz, also birnenförmig gestaltet. Probefahrten stehen unmittelbar bevor.
Rotationsdruck und Verlag der Drühl'schen Unioersiläts - Buch- und Sleindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Redaktion. Expedition und Druckerei: Schul» straße 7. Expeditton und Derlag: e^5L Redaktion:e^ll». Tel.-AdruAnzeigerGießen-
Dl« „Lietzener §amtllenb!3tter" werden dem »Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das „Krdsblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Ausland.
In der französischen K a nt m e r beantwortete der Kriegs- noinister eine Interpellation über die Einberufung ixr Reservisten.
führte aus, das; trotz der Schwierigkeit der Einberufung, die i'Hcservisten die Hauptbestandteile devnationalen Werte idigung darstellen. Sie hätten in diesem Jahre einen recht erfreulichen Anblick geboten und tatsächlich Dcriücni>bare Re- 'Menter gebildet. .Der Kriegsminister schloß mit der Versicherung, baß er alles tun werde, um eine Einberufung nach Möglichkeit 1) in aus zu schieben. Sodann wurde eine Tagesordnung, in in tlcher der Regierung das Vertrauen ausgesprochen wird, angenommen. Wie Tourner darlegie, urnsassc bad laufende Etatsjahr lii 1. Juli 59 364 200 Frants Ergänzungsausgaben, denen 41)689 156 Frunls Mehreinnahmen gegenüberstehen. Sobald man tic marokkanischen (30 Mill.) und andere Ausgaben in Rechnung sicht, erreicht das Defizit jedoch eine Höhe von 9 5175045 ißlLNk.
Einem Telegramm der „Köln. Ztg." ans 'Tanger zufolge,
Aus Stadt ittid Land.
Gießen, 9. Juli 1908.
" Die Brandoersicherungskasse hatte im Jahre 1905, von dem jetzt die Abrechnung veröffentlicht wird, einschließlich eines ans der vorhergehenden Rechnung übernommenen Kassevorrats von 2 309 095,43 Mk. eine Einnahme von 3 823 225,53 Ml. An ausgeschriebenen Beiträgen befanden sich darunter 1 366 036,26 Mk., nämlich 568 398,55 Mk. aus der Provinz Starkenburg, 476 165,09 Mk. aus Rheinhessen und 321 472,62 Mk. aus Oberhessen. Die Ausgabe belief sich auf 1 834 533,30 Mk., so daß 1 988 692,23 Mk. Rest verbleiben. Reu ausgeliehen wurden von der in der Ausgabe enthaltenen Summe 823 457,70 Mk., so daß die eigentlichen Ausgaben rund 1 Oll 000 Mk. betragen. Darunter betrugen die Ausgaben für vergütete Brandschäden und Abschätzungskosten 535 566,77 Mk. und zwar in Oberheffen 118 692 Mk. (Kreis Friedberg 31 689 Mk., Lauterbach 26 177 Mk., Gießen 20 849 Mk., Schotten 18 577 Mk. und Alsfeld 3 483 Mk.), Besoldungen und Pensionen 78 631,45 Mk., Erhebgebühren 34 225,25 Mk., Zuschuß an die Landesfeuerlöschkasse 81 868 Mk., Brandabschätzungskosten, Diäten und Reisekosten 12 786 09 Mk. und Vergütung für erhöhten Feuerschutz 211 574 Mk. — Die Landesfeuerlöschkasse hatte im gleichen Jahre 125 636,58 Mk. Einnahme, darunter 35 912,42 Mk. Zuschuß aus der Hauptstaatskaffe unb,
legte der Generalinspektor der marokkanischen Polizeitruppe, Oberft Müller, beim diplomatischen Korps Protest gegen die Ueberfül> rung der Polizeitruppe von Mazagan nach A 5 emmur ein, als gegen bie Algecirasatte verstoßend. Dem Pariser „Tcmps" wird aus Caasablanca gemeldet, daß General d' Am ade im 6. Juli das Gebiet des Schtukastammes verlassen habe u nb etwa 25 Kilometer von Azemnr in der Richtung aus Casablanca lagere. Nach den letzten Meldungen der Agence Havas halten die Truppen des Sultans Abdul Asis Azemur besetzt.
In Innsbruck kam cs wieder einmal zwischen freiheitlichen und klerikalen Studenten zu einem Zusammenstoß. Einem freiheitlichen Studenten wurde das Nasenbein zerschmettert; andere Hochschüler wurden durch Stockhiebe verletzt.
Der türkische General Schemsy Pascha ist in Mo- nastir durch einen türk. Offizier erschossen worden. Ter Mörder flüchtete. Schemsy Pascha, der Truppenkommandant von Mitrowitza, war nach Nionastir gesandt worden, um meuternde Truppen zu bewältigen. Er war der energischste türkische Offizier, dem cs wiederholt gelungen ist, unbotmäßige Truppen zu unterwerfen.
Der Vizekönig in Mulden erließ eine Proklamation, in der verfügt wird, daß der deutsche Handel nach Teng- wangscheng die gleiche Behandlung zu erfahren habe, wie der japanische Handel nach diesem Platze.
Das amerikanisä-e Kongreßmitglied Richmond Phobson hielt auf dem demokraliscl>en Konvent zu Denver eine leidenschaftliche Rede, deren wesentlicher Inhalt die Forderung nach Ausgestaltung der Marine war. Er begründete feine These damit, daß der Krieg init Japan unvermeidlich sei, und daß der Marineverwaltung daher die Verpflichtung erwachse, den Stillen Ozean zu überwachen. Die Annahme dieser Resolution soll ziemlich sicher sein.
Eine Konferenz der australischen Arbeiterparteien in Brisbane entschied sich für allgemeine Wehrpflicht und eigene Marine.
politische Tagesschau.
Tie F.uanzen Oesterreichs.
Im österreichischen Abgeordneten Hause totes der Finanzministcr darauf hin, daß das Cisenbahnmini- ftcrium für die nächsten vier Jahre 160 000 000 Kronen beanspruchen würde. Äußer diesen Anforderungen und bereits ieststehenden 45 Millionen für Offiziersgagen iifip. würden Mehransorderungen von mehr als 200 Mill, erhoben, welchen im ganzen eine voraussichtliche Mehrbe- »ectung von nur 97 Millionen gegenüberstehe. Solchen Erfordernissen nachzukommen, könne kein Finanzminister mit Heinern Gewissen vereinbaren, wenn er nicht die Bahn des Defizits betreten wolle. Wir sind, erklärte der Finanz- Fnnister, hart a n diesem Rande. Er werde daher «uf die einschneidendste Reduktion dieser Neuansprüche dringen. Wollen Sie, fuhr der Minister fort, ernstlich daran zehen, eine Jnvaliditäts- und Altersversorgung zu schaffen und die zweijährige Militär- Dienstzeit ernzuführen, und wollen Sie ernstlich Wasser- Itraßen bauen und Flüsse regulieren, dann müssen Sie Ihre .gewöhnlichen Anforderungen und die auf so verschiedenen Gebieten vorgebrachten Lieblingswünsche zurückstellen, dann nüssen Sie es aber dem Finanzminister überlassen, ob und :ivann die Steuer reduziert werden und ob und wann die Steuer erhöht werden kann. (Zustimmung und lebhafte Zwischenrufe.) Herabsetzungen einzelner oder ganzer Steuer- Gattungen dürfen Sie nicht in Angriff nehmen, das Budget Lürfen Sie nicht stören, sonst stehen Sie vor dem Gespenst Les Defizits und des finanziellen Ruins des Staates.
Das Haus lehnte sodann die Dringlichkeit des sozialdemokratischen Antrages betreffend die Einführung des allgemeinen Wahlrechts in einigen Landtagen ab.
Deutsches Reich.
D i e deutsche Kaiserjacht „H 0 henz 0 ller n", mit dem Kaiser an Bord, ist nach vortrefflicher Fahrt bei Rittern Welter am Mittwoch in der norweg. .Hafenstadt Odde e ingetroffcrr.
Wie eine Berliner Korrespondenz erfährt, soll das Slvancement des Kronprinzen zum Ober st und Kommandeur des Kaiser-Alexander-Garde-Grenadierregiments 1 b'worstehen.
Reichskanzler Fürst v. B ü low richtete an die Witwe d'.'s verstorbenen Generalseldmarschalls Frhrn. v. Los ein Beileidstelegramm, in dem es heißt, der verewigte Feldmarschall verkörperte die unlösbare Zusammengehörigkeit 15 cr Nheinlande mit der Monarchie.
Der preuß. „Staatsanz." gibt die Verleihung des Roten Mlerordens 2. Klasse mit Eichenlaub an den jlnterstaats- ; fekretär im Ministerium der öffentlichen Arbeiten, Frhrn. lEwels von der Brügghen und an den außerordent- j lechen Gesandten und bevollmächtigten Minister in München, v. Schlözer, bekannt.
Generalleutnant v. Liebermann teilte auf einer Tagung des Kasseler Flottenvereins mit, heute, z Donnerstag, werde in Berlin der Gesamtvorstand des Flot- lcnVereins zusammentreten. ES sei Hoffnung vorhanden, btn Groß-Admiral v. Köster zu bestimmen, das Präsidium zm übernehmen. — Der Landesverband Schwarz- burg-Rudolstadt, Vorsitzender General Kleist, erklärte seinen Austritt aus dem Flottenverein.
Die Düsseldorfer Regierung versagte der Wahl des sszialdemokr. Stadtv. Räuber zum Mitgliede der Schuldeputation ihre Bestätigung.
esse, womit man in England auf den Erfolg Zeppelins zurückblickt und ferneren Erfolgen entgegenficht, findet charakteristischen Ausdruck in einem Artikel der „Daily Mail" über die BerwcrtungSmöglichkeiten des deutschen Lustschiffes im Kriegsfall. Darin wird auseinandergesetzt, daß das Zeppelinsche Fahrzeug schon bei seiner jetzigen Leistungsfähigkeit, die sich zudem bald steigern dürfte, zu einer Invasion desenglisch enLu st meeres von einem norddeutschen Stützpunkt aus durchaus imstande sei, und daß eine Flotte von solchen Schiffen nicht bloß unschützbare Kundschafterdienste im Hinblick auf die Bewegungen der britischen Kriegsschiffe leisten, sondern diesen sowie den englischen Hafenanlagen und Küstenbefestigungen den schwersten Schaden zufügen könne, noch dazu ohne eigenes Risiko, da die Marineartillerie vorläufig auf mehr oder minder vertikales Schießen nicht eingerichtet sei. Der einzige Trost für England bestehe bis auf weiteres in Anbetracht der Entente eordiale darin, daß dem Zeppelinschen Schiffe, gleichsam dem „Dreadnought der Lüfte", der französische Le- baudy-Typ vermöge größerer Leichtigkeit und Beweglichkeit seinerseits vielfach überlegen sei und das deutsche Riesenschiff bequem von oben herab vernichten fönnc. Als ob das Konstruktionsgeheimnis beider Typen bereits öffentliches Eigentum wäre, wird deshalb dazu geraten, daß England selbst eine aus Luftschlachtschiffen ä la Zeppelin und Lusilreuzern a la Lebaudy gemischte Flotte baue und inzwischen seine Marinegeschütze den Anforderungen der neuen Aera anpasse. Von anderer Seite wird die Einführung einer Arc Paßzwang für Luftschiffe r verlangt, um militärische Abstecher frem^ der Nationen in den Luftbereich der englischen Küsten schon in Friedenszeiten zu verhindern. Darüber, wie man sich die Grenzwachen zwischen Himmel und Erde denkt, verlautet noch nichts.
Der französ. Luftschiffer Graf de la Vaulx fordert die Regierung seines Vaterlandes auf, angesichts der unleugbaren Ueberlegenheit Deutschlands auf flugtechnischem Gebiet von der Monopolisierung eines Systems abzusehen und neben Lebaudys Ingenieuren auch andere Erfinder zu ermuntern. Ter franz. Kriegsminister, der den beispiellosen Erfolg Zeppelins kenne, werde sich dieser Anschauung nicht lange mehr verschließen können. Ter französ. Graf erklärte, man müsse fick offen ein gestehen, da ßdie De ätsch e n in der Luftschiffahrt bie Franzosen we it überflügelt hätten. Zeppelin habe alle französischen Rekorde geschlagen.
(Bgl. auch die heutige Nr. der „Gieß. Fam.-Bl.")
in hohen Tönen feierndes Glückwunschschreiben, dessen Schluß lautet: „Im Namen der Reichsverwaltung bitte ich Ew. Exzellenz, das beifolgende kleine Kunstwerk, ein Emailbild nach dem Aquarell von Hans Thoma: „Tcn den Lorbeer tragenden, über See und Gebirge frei dahin- schwebenden menschlichen Genius" freundlich aiizunehmen."
Glückwunschtelegramme liefen ferner u. a. ein von dem bayr. Ministerpräsidenten v. Podewils und einer großen Anzahl von württemb. Schulklassen. Ein Glückwunsch kam vom Rektorat und Senat der Techu. Hochschule in Hannover.
Ter bayr. Prinzregent hat an den König von Württemberg folgendes Telegramm gesandt:
„Mit lebhafter Freude habe ich den Bericht über die letzten Probefahrten des Zeppelinschen Luftschiffes verfolgt. Es drängt mich, auch Dir gegenüber meiner herzlichst Freude auch darüber Ausdruck zu geben, daß der unermüdlichen Schaffenskraft ein so reicher, für das gesamte deutsche Vaterland hochbedeutsamer Erfolg bef chic den ist."
Wie einem unserer Berliner Korrespondenten von interessierter Seite mitgeteilt wird, ist für den Fall des Gelingens der Zeppelinschen Luftreisc nach Mainz die Gründung einer Zeppelin-Luft scyiff-Betriebsgcsell- schäft geplant. Diese Gesellschaft soll aus einem Konsortium bestehen, das in Verbindung mit dem Grafen den Bau von starren Motor-Luftschiffen betreiben und die Einrichtung von ständigen öffentlichen Motorluftfahrten ins Leven rufen will. Es sollen, ähnlich wie zu Wasser und zu Lande, auch für den Luftschifsverkehr Stationen eingerichtet werden. Unter den Geldgebern wird die Firma Krupp genannt. Sie soll sich daran mit 5 bis
Leber die Ereignisse in Persien
gibt die offiziöse Petersb. Telcgr.-Ag. einen Bericht, der natürlich in russischen: Lichte die Vorgänge dnrstellt und daher mit Vorsicht ansznnehmen ist. Es heißt darin: Tie letzten Ereignisse waren durch Verschwörung gegen den Schah hervorgernien worden, dem persönliche Gefahr drohte, daher war (der ruf). Kosakenoberst) Liak 0 ss kraft seiner Stellung und seiner Instruktionen verpflichtet, den Schah mit allen Mitteln zu verteidigen. Bei der Belagerung der Moschee am 23. Juni handelte Liakoff, der im ununterbrochenen Verkehr mit dem Palais stand, wo die Minister und der größte Teil der Parlamentsmitglieder Versammlungen abhielten, ans unmittelbaren Befehl des S ch ahs und konnte sich der Erfüllung dieser Pflicht nicht entziehen. Als jedoch der russische Gesandte in Teheran erfuhr, der Schah wolle Liakoff zum Generalgouverneur von Teheran ernennen, erhob er dagegen Protest und Muhamed ed Tauleh wurde dazu ernannt. Infolge der Proklamierung des Belagerungszustandes wurde alles Militär in Teheran Ltak 0 ff unterstellt und ihm zugleich der Schutz der Hauptstadt übertragen. Falls Liakoff auf Befehl des Schahs die von ihm unterzeichneten Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Ordnung verpflichtetet«, bat der russische Gesandte den Schah, diese durch von den persischen Behörden ausgehende Befehle zu ersetzet«. Auch unter normalen Zuständen liegt den« Ehcs der Kosakenbrigade der Schutz der Hauptstadt und die Sorge für die Sicherheit der Gesandtschaft und der übrigen Ausländer ob.
Voi« privater Seile wird gemeldet: Eine offizielle Ne Vergabe der Maschinengewehre an die Ko saken-Brigade hat noch nicht stattgenmdcn, da der Schah die Erbitterung des Volkes darüber, daß alles in russische Hände übergeht, nicht steigern will. Gestern entstand im Bazar zu Teheran ein großer Streit zwischen Soldaten und Fleijchmaktern. Die Soldaten überwältigten 18 und führten sie, mit Stricken gefesselt, zum Militär-Gouverneur. In Täbris sind gestern wieder blutige Zusammenstöße erfolgt.
Eras Zeppelin,
der populärste Mann der Gegenwart, hat natürlich aus Anlaß seines 70. Geburtstages eine große Reihe von Ehrungen erfahren. Vom Bvdenfeegeschichtsvereiit wurde er zum Ehrenmitgliede ernannt. Er gehört dem Verein seit 1870 an. Ter Magistrat der Stadt Lindau sandte deut Grasen ein Glückwunschtelegramm. Tie Stadt Konstanz hat, ebenso wie Stuttgart, den Grafen Zeppelin zu ihrem Ehrenbürger ernannt Vertreter der badischen und württem- bergischen Regierung, beider württembergischen Kammern und des Königs Wilhelm von Württemberg brachten Glückwünsche. Berge von Telegrammen sind in Friedrichshafen gestern eingelaufen. Mehrere Schweizer Gemeinden brachten dem Grafen gestern abend große Serenaden mit Feuerwerk. Wie uns ein gestern nachmittag zugekommenes Telegramm aus Tübingen meldete, hat die dortige naturwissenschaftliche Fakultät Zeppelin zum Ehrendoktor der Naturwissenschaften ernannt.
Auch die imturwifsenschaftliche Fakultät der Universität Leipzig hat den Grafen Zeppelin zum Ehrendoktor ernannt
Vom König von Württemberg hat Graf Zeppelin folgendes Telegramm erhalten:
„Arn heutigen 'Tage bringt cs mich. Ihnen ganz besonders warme und innige Glückwünsche darzubringen, indem ich mich eins weiß mit dem ganzen Vaterland, das mit gerechtem Stolz auf seinen im Mittelpunkt seines Interesses und seiner Bewunderung stehenden Sohn blickt. Zu einem Zeitpunkt, da viele sich zu Ruhe setzen, ist es Ihnen vergönnt, den wohlverdienten Lohn eines Lebens der Aufopferung und der Arbeit zu ernten, um im Zenit des Sck-affens zu stehen. Mögen viele glückliche an Genugtuung reiche Jahre folgen. Ich mache mir die Freude, aus dem heutigen Anlaß Ihnen meine große Goldene Medaille für M u n ft und Wissen f rf, a f t am Bande des Kronenordens als äußeres Zeichen meiner Gefühle zu verleihen. Auch habe ich Ihrem kaufmännifa>en Vertreter Herrn Uhland das Ritterkreuz erster Klasse des Friedrichordens verliehen und hoffe auch damit Ihnen eine erfreuliche Ehrung zu erweisen. Wilhelm."
Die Königin von Württemberg hat folgendes Telegramm geschickt:
„Meine tvärrnften Wünsche für die Zukunft möchte auch ich Ihnen heute ausfprechen, wobei ich nicht nur des großen Erfinders in Bewunderung gedenke, sondern auch in Dankbarkeit des treuen Württembergers und guten Patrioten. Charlotte."
Auch der Großherzog von Baden telegraphierte.
Der Reichskanzler Fürst v. Bülow richtete an Gras Zeppelin nachstehendes Telegramm: „Eurer Exzellenz sende ich zu Ihrem 70. Geburtstage meinen herzlichsten Glückwunsch. Möge Ihnen noch lange die kühne Tatkraft erhalten bleiben, auf deren Erfolge ganz Teutfchland mit Stolz blickt. Bülow."
Vom Staatssekretär des Reichsamtes des Innern, von Bethman, n - H 0 llweg .erhielt Graf Zeppelin ein ihn
Der englische Admiralskonflikt.
DaS englische Unterhaus hat sich am Mittwoch mit dem ^ldrniralskonslikt beschäftigt. Auf eine Anfrage erwiderte Asquith, daß er, abgesehen von unerwiesenen Gerüchten, keine Kenntnis L’on Meinungsverschiedenheiten zwischen Admiralen habe. Wenn die Regierung Grund zu der Annahme hätte, daß ein Zustand bc- r!cf)e, welcher der Disziplin und der ruhigen Arbeit in der Flotte 1 achteilig sei, so werde sie nicht zögern, für schnelle und wirksame -Ibljilfe zu sorgen. Die Leitung der Marinepolitik des Landes liege Gei der Regierung. Die Marineoffiziere hätten diese Politik weder ja erörtern noch zu kritisieren, sondern in Gehorsam gegen die Vorgesetzten und in Uebereinstimmuug mit den Kameraden auszu- f nhren, sowie lediglich die Erfüllung der hehren Aufgabe, der sie s id) gewidmet, int Auge zu behalten. — In seltsamem Gegensatz za diesen ministeriellen Aus'ührungen steht die private Meldung, »aß Admiral BereSs 0 rd, den die „Times" beschuldigten, vor e migen Tagen einen falschen Befehl gegeben zu haben, durch »en ein großes Unglück hätte entstehen können, ein Kriegsgericht über sich beantragt habe.
Der bekannte englische Publizist Stead weilt zur Zeit in P-etersburg. Die englische Annäherung an Rußland wird nach Steads Ueberzeugung von 670 Mitgliedern des russischen Parlaments gebilligt, während nur 59 gegen sie sind. Tie Revaler En- tteoue sei ein Friedenspfand. An einen Krieg gegen Deutschland denke N i e m a it d. Tie englischen Interessen kollidierten nirgends mit Deutschland.
Ein Bericht des englischen Finanzkomites über die Na° t ionalgaran tie s ü r S ch i f s sschäden in Kriegs- zetten giebt der Meinung Ausdruck, es sei nicht wünschenswert, daß der Staat c3 unternehme, Schiffseignern oder Gewerbe- tieibenbeii Verluste zu ersetzen, die sich msolge von Beschlagnahme des Schiffes durch Feindeshand in Kriegszeiten ergeben. Das Komitee sei nicht in der Lage, die Annahme der Nationalgarantie ui irgend einer Form zu empfehlen, mit Ausnahme derjenigen, bie durch die Ausrechterhaltung einer mächtigen Flotte geboten ist.


