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9.7.1908 Erstes Blatt
 
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Nr. 159 Erstes Blatt 158. Jahrgang Donnerstag 9. Juli 1908

Der Gtetzener Anzeiger MM. Bezugspreis:

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General-Amnger für Oberhessen r«tzS

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ö! wmSlTuiJJ Rotationsbrud uttö Verlag der vrMschen Untv.'Vuch. and Zteindruckeret. R. Lange. Retaftion, Expedition unb Druckerei: Zchulstratze 7. Ame:genteU°? H."Äck!

Die heutige Nummer umsaht 10 Seiten.

politische Tcrgesschan.

Profeffor Bernhard.

Man schreibt unS aus Berlin:

Professor Bernhard, dessen Berufung an die Universität Berlin ebensoviel Aufsehen erregte, als sein post festum an die Fakultät gerichteter Unterordnungsbrief, ist auf Grund eines aus Kiel an ihn gerichteten Telegramms von Berlin an die Stätte seiner bisherigen Lehrtätigkeit gereist. Allerdings, wie seine Familie versichert, nur um dort einige Angelegenheiten privater Natur zu regeln. Vor seiner Ab­reise empfing Professor Bernhard Ihren Mitarbeiter. Gleich im Anfang deS Gespräches äußerte sich Professor Bernhard: ,Gs ist doch jammerschade, eine so prachtvolle Stellung mchl antreten zu können!* Auf den Vorhalt, warum er denn den Brief an die Fakultät gerichtet habe, erklärte Bernhard: ,Ja, ivas tut man nicht alles der Anständigkeit wegen. Ich konnte nicht anders handeln!* Hoffentlich findet die plötz- liche Abreise Professor Bernhards, der in Berlin viel mit Lem Nachbarn des feudalen Herrensitzes seiner Mutter, einer imens reichen Fabrikantenwitwe, dem einflußmächtigen Pro- lefsor Harnack verkehrte, nicht ihre Erklärung in dec Nück- herufung des jungen Gelehrten nach Kiel.

An die Stelle, die Profesior Ludwig Bernhard an der Kieler Universität inne gehabt hat, war der Jenenser Na­tionalökonom HarmS berufen worden. Nun hat Professor Harms an die Kieler Fakiiltät wie an das preußische Kultus- ininifletiuin ein Telegramm gerichtet, in welchem er bittet, Bernhard in Kiel zu belassen, beziehungsweise dorthin zurück zu berufen. Er selber stehe mit Freuden zurück, um Preußen einen so tüchtigen Gelehrten zu erhalten.

*

Die Ergebnisse des französischen Tabakmonopols.

Nach der soeben veröffentlichten amtlidjen Statistik hat das Tabakmonopol im letzten Jahre einen Ertrag von 377 Millionen Franks gegeben, was eine Zunahme von 6 Millionen gegenüber dem Vorjahre bedeutete. Es wurden 2Vs Millionen Kilo Zi­garren verkauft, fast ebensoviel Zigaretten und 281/2 Millionen Mo feingeschniltener Rauchtabak im ganzen also 331/2 Mill. Kilo Tabak geraucht. Die Schnupfer haben fast 5 Millionen Kilo Schnupftabak verbraucht, woraus hervorgeht, daß die Sitte deS Schnupfens doch noch viel verbreiteter ist, als im allge­meinen angenommen wird. Schließlich habet: die Freunde des ,,Priemchen" ettvas mehr als eine Million Kilo Kautabak ver- dcaucht auch eine überraschende Zahl. Vor allem aber er­freut sich die Zigarette der Bevorzugung durch die Tabakfreundc, und zwar in immer steigendem Maße. Der Zigarettenverkauf ergab im Jahre 1872 kaum eine Million Franks, er erreichte int Jahre 1882 17 Millionen und blieb dann einige Jahre auf derselben Höhe; im letzten Jahre aber brachte er nicht weniger als 72 Millionen. Ebenso wurde seit brct Jahren eine merk­liche Zunahme int Verkauf des Schnupftabaks festgestellt: da- (jcncn weisen die Zigaretten, besonders die billigen, der Rauch­tabak und der Kautabak eine leichte Abnahme auf. Der durch­schnittliche Verbrauch von Tabak hat sich in Frankreich im vorigen Jahre genau auf ein Kilogramm pro 5Tot>f gestellt, 122 Gramm

kommen aus den Schnupftabak und 872 auf den Rauch- und Kautabak. Im ganzen wurden in Frankreich für den Tabak- genuß fast eine halbe Milliarde Franks, genau 493 457 099 Franks, d. h. 12,66 Franks auf den Kopf der Bevölkerung verbraucht. Von dieser Summe erhält der Staat 92 Prozent, 11,66 Franks pw Kvpf. Angesichts dieses kolossalen Gewinnes fragt ein Blatt mit einigem 9ied)t, ob cs -em Staat nicht möglich wäre, die Qualität seiner Erzeugnisse etwas zu verbessern.

Evangelische Landersynode.

Darmstadt, 8. Juli.

Nach Eintritt in die Tagesordnung saßt die Synode aus An­regung des Syn. Dor ns ei ff und Gen. den Beschluß, eine kleine Bibliothek für die Synode anzulegen, lieber die Ver­wendung der Mittel für die Zwecke der Inneren Mission und für Reisestipendien hat das Oberkonsistorium Rechnung gelegt. Der Berichterstatter D. Schlosser spricht demselben für das von ihm betätigte Interesse den Dank der Synode aus, wünscht aber, daß in finanzieller Hinsicht noch mehr getan werden möchte. Oberkonsistvrialrat Euler bemerkt dem Vorredner, man dürfe versichert sein, daß das Oberkonsistorium der Sache der Inneren Sion stets ihr volles Interesse zuwenden werde. Allerdings er dabei bemerken, daß für eine zu weit gehende Vcr- kirchlichung der Inneren Mission kein Anlaß vorliege. Die darauf erfolgte Abrechnung über die dec Verwaltung des Ober- konsistoriums unterstellten Fonds für 1905 gab zu Beanstan­dungen keine Veranlassung. Dem Anträge des Ausschusses ent» sprechend wurden zur Forderung freinnlliger Unternehmungen für kirchliche Zwecke aus dem Zentralkirchensonds 2238,80 Mk. unb für Reisestipendien 2800 Mk. genehmigt. Zu dem Bericht des Synodalausschusses über die Vorlage, betr. die Rechnungsablage über die unter der Verwaltung des Oberkonsistoriums stehenden Fonds für die Finanzperiode 1900/05 beantragt der Ausschuß, die Synode wolle die Rechnungsablage genehmigen und die Kvedit- überschreitung als gerechtfertigt anerkennen, auch den auf die Rechnungsperiode 1905/09 zu übertragenden Kassen Vorrat aus 258 319 Mk. festsetzen. Die Synode stimmt auch diesem Antrag zu.

Der Vorlage des Oberkonsistoriums, betr. die Trennu ng der Pfarreien Lindenfels und Schlierbach und Er- richtung einer selbständigen Pfarrei Schlierbach (Dekanat Erbach) stimmt die Sylwde zu, da Schlierbach bereits eine eigene Kirche besitzt und auch schon die Mittel für die Errichtung eines Pfarr­hauses aufgebracht hat.

Es folgt dann die zweite Lesung der Vorlagen des Großh. Oberkonjistoriums, betr. den Nachtragsvoranschlag für den Zcittralkirchenfonds, sowie die zweite Lesung sämt­licher beschlossener Gesetze. Abgelehnt wird nur der Zusatz zun: § 2 des Gesetzentwurfs, betr. die Dienstpragmatik für die Geist­lichen der eräug. Kirche, welcher lautet: Ob und inwieweit bei Beurlaubung eines Geistlichen über einen Monat hinaus die Ver­tretungskosten auf der: Zentralkirchenfonds zu übernehmen seien, bleibt dem Ermessen des Oberkonsistoriums Vorbehalten.

Die Synodalen B e r n b e ck unb Gen. richten eine Anfrage an das Oberkonsistorium, wie sich dasselbe zu der Frage stellt, ob der Zwang für Geistliche, den Vorsitz im Schulvor­stand zu übernehme::, noch weiter fortbestehen solle oder nicht.

Präs. Nebel erklärt, die oberste Kirchenbehörde werde seinen Zwang mehr auf die Geistlichen in dieser Beziehung ausüben, er hege jedoch die Erwartung, daß die Geistlichen nach wie vor, zum Segen für Kirche und Schule freiwillig dieses A:nt übernehmen werden.

Auf eine Anfrage, inbetreff der neuen kirchlichen Bau­ordnung erklärt Präsident Nebel, das Oberkonsistorium sei in letzter Zeit mit den Arbeiten für die Synode so überhäuft ge­

wesen, daß dieselbe die Vorlage noch nicht in Angriff nehmen konnte.

Es folgt Besprechung der Interpellation Loos und Gen., ob dem Oberkonsistorium bekannt sei, daß am 1. Psingstseiertag in der Landesausstellung Konzert abgeD-ilien mürbe und daß am selben Tage auch der Zirkus Henry öffenclicl-e Vorstellung gab. Tie Interpellanten fragen an, was das Oberkonfistormm zu tun gedenkt, wenn in dieser Weise die bestehenden Vorschriften über die Heiligkeit der <yc:crtagc umgangen wird. Präs. Nebel er- wiedert den Interpellanten, daß der Anlaß zu ihrer Interpellation recht unglücklich gewählt sei. An der hessischen Landesausstellung seien weite Kreise des Volkes beteiligt unb es könne nicht ange>- nommen werden, daß durch die Veranstaltung des Kvnzertes die religiösen Gefühle des Volkes gestört würden. Im übrigen habe das Oberkonsistorium schon in: Oktober v. I. den Anlaß benutzt, darauf hinzuweisen, daß die Ersten Feiertage, Karfreitag usw. von der Veranstaltung von Lustbarkeiten freizubleiben hätten. Die Jnterpellatio:: ist damit erledigt.

Nachdem die Synode dann noch einer Resolution der Syn. Dingeldey 'unb Gen. zugcstimmt, iveldje dahin geht, int An­schluß an die Erhöhung der Gehälter für die Geistlichen auch die Bezüge fiir die Witwen und Waisen zu erhöhen, ist die Tages­ordnung erschöpft.

Syiwdale Graf spricht den beiden Präsidenten für ihre mühe­volle Tätigkeit den Dank der Synode aus und das Haus beEunbcfr denselben durch Erheben von den Sitzen.

Nach Dankesworlen des Präsidenten D. Stamm, schließt die Synode mit einen: Schlußgebet ^des Pfarrers Bernbeck.

Herr Prof. Dr. Eck legt Wert darauf, festzustellen, daß es in dem Bericht über seine Rede in der Landessynode nicht heißen muß, die theologische Fakultät, sondern d ie H e s s i sche Landes­kirche habe cs nicht nötig, denen in anderen Bundesstaaten Bücklinge zu machen, sie schreite hinsichtlich der Organisation der Prüfung und der Anstellungsverhältnisse schon jetzt vorcu:, und es könne nur empfehlen werden, daß sich die andern Landest kirchen ihr anschließet:.

Ans Statt und Land.

Gießen, 9. Juli 1908.

Hessische Staatsanleihe. Die von den: Kon­sortium für die 4 % ige Hessische Staatsanleihe vom 1. Juni 1908 über nom. 20 000000 Mark kürzlich veranstaltete Sub­skription auf diese Anleihe hat einen vollen Erfolg gehabt, indem insgesamt Zeichnungen über 26 361000 Mark einge­laufen sind. Hierunter befinden sich, nach der Darmst. Ztg^ 2 253 000 Mark Zeichnungen über zum Eintrag in das Staatsschuldbuch bestimmte Stücke.

Ordensverleihung. S. K. H. der Gcoß-j Herzog haben den Mitgliedern der Preußisch-Hessischen Eisenbahndirektion zu Mainz Oberbaurat Herm. Schneider das Komturkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen und Negierungs- und Baurat Max Matth a efi das Ritterkreuz 1. Klasse dieses Ordens anläßlich ihre Aus­scheidens aus dem Eisenbahndirektionsbezirk Mainz verliehen.

** Erledigte Lehrerstellen. Eine mit einen/ kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeinde' schule zu Zornheim, eine mit "einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Herrns -- heim, eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrer­stelle an der Gemeindeschule zu Wörrstadt. Mit der

Vie neue Grogherzogliche porzeilansammlung.

R.B. Darmstadt, 8. Juli.

In dem kleinen, schn'.ucken Prinz Georgs-Palais am Herren- eirten wurde heute eine neue bauernde Ausstellung er- - Sifnet, die Darmstadt um eine lucitcrc künstlerische Sehenswürdig­keit bereichert und jeden Kunstkenner in Entzücken versetzet: wird. 2luf Veranlassung des Großherzogs sind dort durch den Direktor wer Großh. Privatsammlungen, Dr. Ostermann, die alten, urn- I faugreichen und wertvollen Bejitzstücke be5 Großh. Hauses in Porzellan und Fayence, sowie zahlreiche Schetttungen unb Leih­gaben des Landcsmuseums 51: einer einheitlichen Sammlung ge­ordnet worden, wie sie ihresgleick)en itirgends wieder zu finden j Iwin dürfte. Die kostbare:: alten Kunstschätze, darunter Prunkstücke, b«ie überhaupt in feiner anderen Sammlung enthalten find, sind tron Kenncrhand sorgfältig geordnet und mit Anmerkungen ver­suchen in bei: Hellen freu.Glichen Räumen des Palais zur Auf­hellung gebracht, das früher zu Künstlerateliers benutzt wurde, ob Tr. Ostermann hat dazu einen kleinen, vortrefflich v rientierenben Katalog geschrieben. Im Erdgeschoß sinb in weißen j Schränken hauptsächlich Porzellane aus den: Ende des 18. bis j Kitte des 19. Jahrhunderts aufgestellt, darunter ein großes sran- 5 ziösisches Tafelseroice aus dem Jahre 1780, ferner Service ans ixt englischen Fabrik Wedgwood aus der Zeit um 1800 und schwarze Tonwaren aus derselben Fabrik von 1770, ein präch- ' icges Wiener Service mit reichen: Blumen- und Golböekor von 1815, eine Anzahl feiner deutscher unb französischer Porzellane aas der Empirezeit, ein kostbares Nymphenburger Service mit bunten Ansichten bayerischer Schlösser, mehrere bemerkenswerte saycnecn aus Flörsheim, Ofienbach, Höchst u. a.

Die herrlichsten alten Porzellanstücke enthalten die vier Glas- iecjränfe in: Mittelsaal des oberen Stocktvcrks. Gleich der erste Schrank lnirgt die Erzeugnisse der Meißener Manufaktur, darunter L.y frühestes Stück der 1710 gegründeten Porzellanfabrik ein braunglasicr-es Kännchen mit eingeschliffenen Barockornamenten und Krone, hergestellt aus dem zuerst benutzten roten Böttger- sLinzeug, ferner eine Anzahl weißer Geschirre aus sog. Sck-iwrr- scher Erbc. Unter den plastischen Kunstwerken ist besonders in- iLtessant eine Porträtgruppe: König August ber Starke als Gicht­kranker, ber von der Gräfin Orsz-elska burch Fußreibung 2c. gepflegt wird. Die um 1735 nach den: Modell des Bildhauers

I. Köndlcr angefertigte Gruppe gehört zu den originellsten Stücken ber Sammlung. Aus derselben Zeit flammt auch ein gelbliches Fäßchen mit ausgesparten bunten Miniaturbildern, ein Geschenk ber Prinzessin Charlotte von Hessen-Darmstadt an ihren Bruder, Landgraf Ludwig VIIL Schrank 2 birgt die Erzeugnisse der Frankenthaler Manufaktur, die 1755 von dem S.raßburger F-ayencefabrikanten Paul Hannong errichtet und 1762 Dem Kurfürsten Karl Theodor übernommen wurde, bis 1800 ihre Auflösung erfolgte. Einer ber hauptsächlichsten Modellmeister war arißer bem geiwnnien Begründer ber Fabrik ber außerorbentlich fruchtbare Meister b. P. Melchior aus Höcker, der in zehn Jahren ufcet 300 prächtige Kunstwerke schuf, von. denen mehrere ber bejten hier zur Schau stehen. Vorher war der Meister bei der

kurmainzischen Höchster Manufaktur tätig, deren plastische Arbeiten im Schrank 3 gezeigt werben. Unter bei: wunderbar zarten Arbeiten ist eine kleine bunte Venus von 1771, die Bis- quitgruppeVenus und Amor" unb bas ReliefmedaillonPorträt Eminentissimo" (beS Mainzer Kurfürsten Emmerich und Protek­tors ber Fabrik) besonders zu erwähnen. In: 4. Schrank sind die Porzellane der hessischen Fabrik Kelsterbach un­tergebracht, die durch Landgraf Subroig VIII. 1758 privilegiert unb zurfürstlichen feinen Porzellan- unb Fayencefabrik" ge­macht wurde. Von diesen Erzeugnissen besitzt bas Großh. Haus eine außerordentlich reiche Sammlung, deren Prachtstücke mit denen anderer Manufakturen in den übrigen Räume:: verteilt sind. Die kostbare Sammlung vcrdieitt die volle Aufinerffamkcit jebed Ausstellungsbesuchers.

<5 ü r ü I i ä) e 23 e v 0 r b n u n g ü b e r b i e U n i d e r 1:1 a 13- serien z n Gießen vom 29. September 1 775. Die Studien müssen in Gießen in früherer Zeit besonders eifrig be­trieben worden sein. Man gönnte ber akademischen Jugend nur 8 Tage Ostern- und 8 Tage Herdstferiei:. 14 Tage nach Ostern, sowie nach Michaelis nahmen die Vorlesungen wieder ihren Anfang. Eine genaue Einhaltung dieses Termins wird durch nachstehende fürstliche Verordnung Ludwigs IX. vom September 1775 zur Nach­achtung nachdrücklich empfohlen: ^Nachdem Wir mißfällig wahr­nehmen müssen, daß verschiedene Unsere Universität Gießen be­suchende Studiosi theils vor Ende der nur jedes halbe Jahr acht Tage dauern sollenden Ferien abgehen, auch nach deren Verlaus wohl manche acht bis vierzehn Tage später als der Termin dauert, ankommen, verfolglich hierdurch Unsere derfalls ergangene Ver­ordnung elibiret wird, als haben Wir gnädigst gut gefunden, durch gegenwärtiges bekannt zu machen, daß die Ferien auf Unserer Uni­versität Gießen zu Osten: und Michaelis nur acht Tage lang dauren, die Leetionen aber jedesmal Vierzehn Tage nach Ostern und Michaelis ihren Ansang nehmen sollen. Wir befehlen demnach hiermit, daß sich hiernach von männiglich geachtet, erinnern anbei) die Eltern innerhalb Unserer Landen ernstlich, ihre Kinder nicht vor dem Schluß ber Eollegien abzurufen, und noch vor dem An­fang derselben hin- und zurück zu schicken, mit der ausdrücklichsten Verwarnung, daß die Contravenienten, so Stipendien genießen, vor jeden Tag eines Außenbleibens über die gesetzmäßige Zeit eine Woche lang die Stipendii cariren sollen/

Aus dem Frankfurter Musikleben Mr lesen in denM. N. N.": Die Geucral-Vevsammlung der M u s e u m s g e s e l l s ch a f t, dieses altvoweHmen Konzerttn- ftitutes, hat beschlossen, daß int großen ganzen alles beim alten bleibt. Wir beziehen nach wie vor bei: Dirigenten für die großen Orchester-Konzerte ber Museumsgesellschaftleihweise" aus Holland. Denn Musikdireklvr Mllem Mengekberg bleibt auch künftig in Amsterdam lvvhnen und uwcht' zu jedem Konzerte eigens die Reise .nach Frankfurt a. M. Aber nicht nur die Museumsgesellschaft huldigt diesemLeihv-erhültnis". Denn auch die beibci: großen Oralorien-Vereine, der Cäcilien-Verein unb der Rühlsche Verein beziehen nun ihre Dirigentenleih­weise". .Der erstere Verein untersteht ebenfalls Meng'"'erg in

Amsterdam; ber Nützliche Verein aber, ber seither von Professor! Siegfried Ochs von Berlin ans dirigiert wurde, soll im kommenden Winter von Musikdirektor S ch w i ck e r a t h aus Aachen ge-i leitet werden. Was das heißt, möge in folgendem illustriert wer-- den. Jeder dieser beiden Oratorien-Bereine gibt int Winter drei Konzerte unb probt dazu mit seinem Chor wöchentlich einmal. Nun ist es ben weit auswärts wohnenden Dirigenten einfach uit^ möglich, jede Woche die weite Retse hierher zu machen. Natur-^ genräß muß da für einen Teil der .wöchentlichen Proben eilt Hilfsdirigent einspringen. Dieser impft dem gemischten Chor nun seine Intentionen ein, die der eigentliche ^ttmzert- birigent oft nicht in allem teilt, die er aber cs handelt sich doch um große Chore von Dilettanten in den wenigen Schluß-; proben nicht korrigieren kann. Das gibt dann Differenzen, vorn welchen im vergangenen Winter schon ein Lied zu finaen mar.1' Nun ist die Frage: Sind die Mittel der betteffenden Vereine denn gar so beschränkt, baß sie sich einen ortsansässigen Dirigentenr nicht leisten konnten? Darauf gibt der Bericht an die General-? Versammlung der Museumsgesellschaft eine iniercffante Auskunft. Mengelbcrg bekommt für jedes der 12 Freitags-Konzerte eins Honorar von 1000 Mk., für jedes der 6 Sonntags-Konzerte ein solches von 800 Mk. unb außerdem für jede Nierherrcise eine Vergütung von 250 Mk. Mengelberg bezieht also von der Museumsgesellschaft für die Saison 19 800 Mk. Von dem Cäcilien--, Verein erhält Mengelberg 5000 Mk. Er bezieht also in Frank­furt a. M. jährlich 24 800 Mk. und wohnt in Amsterdam! Sollte für dieses Gehalt wirklich kein gediegener erster Dirigenp nach Frankfurt hinüberzuziehen sein?! Gab es wirklich gar keine andere Lösung?

Die Tantiemen b e rL u st i g e n W i t w e". Seitdem die erste amerikanische Aufführung der.Lustigen Witwe" in Syrakus int September 1907 stattgesunden hat, hat der Manager Henry G. Savage an Tantiemen rund 460 000 Mk. gezahlt. Bis zumj Ablauf dieses Jahres wird die Zahl der Tanttömen sicherlich bi§l auf 600 000 Mk. gestiegen sein, da die Operette jetzt alltäglich in! Newyork gespielt wird. Tas ergiebt einen Durchschnitt von mehr als 2000 Mk. Tantiemen in der Woche. Bedenkt man nun, bau ber glückliche Komponist und seine beiden Mitarbeiter aus Deutsch­land, Holland, Belgien, kurz aus allen irgendwie in BetrachL kommenden Ländern Europas hohe Tantienien beziehen, so ist da­mit der Rekord von 2 00 00 Al ar k in der W 0 ch e gebrochen, den bisher William Gillette mit seinen: Trama .Sherlock Holmes^ gehalten hatte.

Kleine Kunst chr 0 nik. Eine Operette von Her-j mann Gura, einem Sohne des berühmten Liedersängers, wirb ihre Uraufführung in Wien erleben. Das Buch zu der :n modernem^ Milieu gehaltenen breiaktigen Operette ist von Gura vollendet, bv Musik sollte mit einem jungen Wiener Komponisten während ber) Sommermonate fertiggestellt werden. Die Operette führt dem Titel .Piep". Generalmajor Frhr. v. d. G 0 l tz hat nach dem Roman Felix D a h n s .Ein Kamps u in Nom" unter dens TitelWit ich is" ein vieraktiges muf:kalisches Drama' geschaffen, das zu Beginn der kommenden Saison an ber Schweriner) Hofoper seine Uraufführung erleben soll.