Ausgabe 
9.6.1908 Erstes Blatt
 
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33 ordentliche Professoren, 1 ordentlicher Honorarprofessor, S außeck ordentliche Professoren 36 Lehrer und Prioatdozenten unk 52 Assistenten. Die Gesamtzahl der Hörer aller Art belief sich auf 1532 gegen 1874 im Wintersemester. Davon waren Studierende 1306 (1476) Hörer 155 (183) und Gäste 71 (215), darunter 33 (126) Damen. Es studierten Architektur 342, Jngenieurwesen 274 Maschinenbau 465, Elektrotechnik 211, Chemie 130 und in der all­gemeinen Abteilung 39.

. Die Gräfin, Dr. Maria von Linden wird aus ihrer Stellung als Assistentin am Bonner anatomischen Institut ausscheiden und unter Ernennung zum Abteilungsoorsteher mit der Leitung einer neuen für das Hygienische Institut dort in Aussicht genommenen parasilologischen Abteilung ernannt werden.

Das Kuratorium der bei der bayr. Akademie der Wissenschaf­ten zu München bestehenden Liebig-Stillung hat den Professoren R u b n e r-Berlin und Kön ig-Münster die goldene Li e big- rn e d a i l l e verliehen.

In Greifswald ist der Professor der Geographie Geheimrat Professor Dr. med. h. c. & phil. Rudolf (See Öner gestorben, geb. 1850 zu Gotha.

Der Professor für römisches Recht an der Universität G raz Dr. Wenger hat einen Ruf an die Heidelberger Universität er­halten und wird ihn: Folge leisten.

vom Roten Kreuz bieten. Die badischen, bayrischen, hessischen 'und preußischen Kolonnen werden gemeinschaftlich in Aktion 'treten.

X. Hanaus 8.Juni. Das unvorsichtige Hantieren mit Petroleunr beim Herdfeuer hat in den letzten Tagen im Landkreise Hanau zwei Menschenleben gefordert. In Ravolzhausen erlitt die 26jährige Ehefrau Klein durch die Explosion der Petcoleumkanne schwere Brand­wunden, an denen sie bald darauf verschied. In Langen­diebach verunglückte auf ähnliche Weise die Witwe Heck, die ebenfalls an den erlittenen Brandwunden verschied. In Lichenroth bei Birstein durchschnitt sich der begüterte Landwirtssohn Löffert mit der Sense den Kehlkopf. Unglück­liche Liebe soll der Grund für die entsetzliche Tat sein.

Kassel, 6. Juni. Bei einer bei Wilhelmshöhe schon seit längerer Zeit vorgenommenen Bohrung stieß man auf eine Solquelle bei 1300 Metern Tiefe. Das Wasser hat 40 Grad Wärme und 20 Proz. Salzgehalt.

** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den N a ch b a r st a a t e n. In Nauheim ist der Berliner Musik­verleger Adolf F ü r st n e r, der dort zur Kur weilte, am Pfingst­sonntag g e st o r b e n. In W i e s b a d e n entgleisten am 6. d. M. oberhalb des Hauptbahnhofes infolge falscher Weichenstellung mehrere leere Personenwagen 3. Klasse, einer stürzte um. Mehrere Gleise sind gesperrt. Auch der Güterverkehr mußte umgeleilet werden.

vermischter.

* Bei eine m Gewitter schlug der Blitz in. Conrads- waldau bei Lübeck in em Hans. Ter Besitzer wurde getötet. Zwei andere Personen, die sich in der Stube befanden, wurden betäubt. Bei einem überm Ahrtal stehenden Gewitter schlug der Blitz in den Kirchturm von N e u e n a h r. Ter 2nvm brannte in fernem oberen Teil vollständig aus. Schlimmere Meldungen kommen aus O e st e r r e i ch. Namentlich die Stadt Mödling lvurde von einer furchtbaren Wetterkatastrophe heimgesucht. Ein Wolkenbruch setzte in einer halben Stunde alle Straßen unter Wasser. Keller- und Souterraimvohuungeu mußten geräumt werden. Durch Hagel wurden viele Fensterscheiben zertrümmert. Tie Schloßen erreichten die Größe einer Walnuß. Auch in den Weinbergen richtete der Hagel enormen Schaden an, ebenso in den Garten und an den Obstbäumen. In Brun eck (Tirol) ist die ganze Ernte vernichtet. Die Hagelschloßen lagen stellenweise 20 Ztm. hoch, viele Wildbäche sind aus den Ufern getreten. Zn Außerfern ist der Verkehr stellenweise unterbrochen. In Oedenburg wurde»: durch Blitzschlag mehrere Gebäude in Brand gesetzt. In Wien gerieten einzelne Straßenteile unter Wasser und tiefer ge­legene Wohnungen wurden überschivemnrt. In Höhen über 3^00 Mtr. traten Frost unb Schneefall ein: In Hoche nofen (Böhmen) wurden zwei Personen burch Blitzschlag gelötet. In Peters­burg herrscht heftiges F r o st w e t t e r, die Stadt ist schneebedeckt. Blüten, Saaten und Laub sind verdorben. Ein verheerender W i r b e I ft it r m wütete am 5. Juni im südlichen Nebraska und im nördlichen Kansas (Nordamerika). Ei»: »oeites Gebiet liegt verlvüstet. 21 M e n f d) e n w urde n getötet, 75 Häuser liegen in Bryon, Geneva und anderen Städte»: in Trümmern, wo­hin obdack)lose Farmer, vor: Sck)reckei: ergriffen, geflohen rvareu, um Zuflucht zu finden. I»: (Slnbfloue (Colorado) schätzt man die Zahl der ums Leben Gekommenen auf 23.

* Petersburg, 6. Jun:. Im M a r i n e-M iniste- riuin lvurde ein großer Betrug aufgedeckt. Es wurden die Sparkas senge lder der in der Seeschlacht von Tschu- schima umgefbmmenen Marine-Offiziere durch einen Beamten des Marinemiittsteriums, namens Sergejew, mit Hilfe anderer Per­sonei: veruntreut. Acht Damen gebildeter Kreise erhielten aus gefälschte Briefe der umgekommenen Offiziere, die Sergejew stets als echt bezeichnete, viele taufend Rubel. Auch fälschte er die Unter,christen des Gehilfen des Marineministers, Admirals Bo- stroem. Ter größte Teil der Beute wanioerte in Sergejews Kasse. Schließlich wurde das Finanzministerium auftnerksam und teilte sein Mißtrauen dem Marineministerium mit. Dieses nahm An­fangs keine 9Lotiz von der Sache, schließlich aber verlveigerte der Finanzminister die weitere Auszahlung der Sparkassengelder. Ganz systematisch war die Zurückforderung der Gelder, stets in Beträgen von 2 bis 3000 Ruoel gefordert »vovden. Als Sergejew merkte, daß feine Betrügereien entdeckt worden waren, floh er unter Mit­nahme von 40 000 Rubel, einer Summe, die ein Lieferant als Handgeld für Siefcrungen eiugezahlt hatte. Ta auch einige Vor­gesetzte Sergejews in die betrügerischen Manipulationen verwickelt sind, spielten sie jene 40 000 Rubel de»»: Sergejew absichtlich in die Hände, um ihm die Flucht zu ermöglichen. Im ganzen sind 200 000 Rubel Sparlassengelder veruntreut. Von 15 Tamen, die Sergejews Komplizen »varen und in verschiedenen Städten Rußlands wohnren, sind einstweilen drei verhaftet worden.

* Der französische Nation alism u s, de»»: in seiner lächerliche»: Extremität ohnehin Krankhaftigkeit anhastet, führt manchen Ueberpatriotei: zu bei: dümmsten Streiche»:. Der frühere Oberst des 138. Jnfanlerie-Reglments in Bellar, Bonlenger, traf unverhofft ii: der Kaserne bei fernen: frühere»: Regiment en: und befahl bie so­fortige Mobilmachung des Regimeius. Es »varen bereits ver­schiedene Kompagnie«: angetreten, als man merkte, daß der Oberst

Militärinvalide'n. Im Jnvaliden-Hause in Berlin kann eine größere Anzahl unverheirateter Militärinvaliden, denen ein dauernder Rentenanspruch zu erkannt »vorbei: ist, Aufnahme finden. Bei Aufnahme ruht die Jnvalidenpension, «Dagegen wird neben freier Beköstigung eine monatliche Löhnung usiv. von rund 17 Mk. für Gemeine, für Unteroffiziere rund 30 Mk. gewährt. Bei guter Führung können die Aufzunehn»ende»: die Erlaubnis erhalten, sich eine ihrer Fähigkeit entsprechende, geivinnbringende Neben­beschäftigung 311 suchen. Die nähere»: Aufnahmebedingungen können beim zuständige»: Bezirksfeldwebel eingesehci: werden, wohin auch Anmeldungen möglichst bis 15. Juni zu richten sind.

Stadterweiternng. Mittwoch, 17. d. M. ver­anstaltet die hiesige Ortsgruppe des Bundes deutscher Boden­reformer im Gasthaus zum Einhorn eine öffentliche Ver­sammlung, in der Staatsschuldbuchführer und Stadtverordneter Henrich aus Darmstadt über Stadtbebauungspläne und Stadterweiterung spreche»: wird. Das Thema, das in letzter Zeit wiederholt auch in der Stadtoerordneten- Versammlung angeschnitten worden ist, darf bei feiner großer» Bedeutung für unsere Stadt und namentlich für unser Bau­gewerbe das allgemeine Interesse beanspruchen. Da nach dem Vortrage freie Aussprache stattsindet, ist jedermam: Ge­legenheit gegeben, seine Meinung zu äußern. Das Nähere wird im Anzeigenteil bekannt gemacht werden.

* Von der Dar:nstädter Ausstellung. Das oberhessische Haus ist nunmehr fertiggestellt und seit dem 1. Feiertag allgemein zugänglich.

x Steinberg (Kv. Gießen), 9. Juni. Schon wochen­lang vovhev war unser Ort in eifriger Tätigkeit, um die Vor­bereitungen zu dem für Pfingsten vorgesehenen Gesangswett­streit zu treffen. Ter GesangvereinIugendfreund" feierte sein 20. Stiftungsfest und gab dabei gleichzeitig einer grö­ßeren Anzahl Gesangvereinen Gelegenheit, eine Probe ihrer Leist­ungen in Form eines Wettsingens abzulegen. Tev Verein hatte alles aufgeboten, um den auswärtigen Sängern und Gästen den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen und so nahm denn das Fest trotz der etwas kühlen Witterung (einen schönen Ver­laus. Eingeleitet wurde es durch einen am 1. Feiertag Abend abgehaltenen Kvmmers, bei dem die verstärkte Kapelle Harnisch wesentlich zur Verschönerung des Abeirds beitrug. Am 2. Feiertag gegen 6 Uhr morgens wurden unsere Einwohner durch den Weck­ruf aus dem Schlafe getrommelt. Gegen 8 Uhr kamen die ersten der am Wettsingei: teilnehmenden Vereine, die mit Sang und Klang in aller Frühe m unseren Ort eiuzogen. Bald herrschte in der WirtschastZur Krone" buntes Treiben bis der Beginn des Wettsinge»:s, das in diesen: Lokal stattfand, die teilnehmenden Sänger an die Erfüllung ihrer Aufgaben erinnerte. Tie von den einzelne»: Vereine»: zu Gehör gebrachte»:, vorgeschriebenei: bezw. selbstgewähltei: Chöre legte»: Zeugnis davon ab, daß man es in letzter Zeit auch 'auf den: Lande nut der Pflege des Gesangs fehr ernst meint. Fast sämtliche Vereine boten verhältnismäßig gute Leistungen. Während sich d:e am Wettstreit teilgenommenen Vereine von ihre»: Strapaze»: etwas erholten, kamen noch eine Anzahl sonstiger Gesangvereine von auswärts an. Ter Feftzug stellte -sich in der Schulstraße auf und zog nach dem auf der Mockswiese" gelegenen FeftplaN. Hier angekommen, wechselten Ansprachen, Konzert, GesangSvorträge und Tanz in bunter Reihen­folge, auch für Volksbelustigungen war bestens Sorge getragen. Tie vor: bei: GesangvereinenHarmonie" Watzenborn,Ger­mania Lang-Göns,Eintracht" Steinberg undGermania" Watzenborn vorgelragenei: Einzelchöre fände:: allgemeinen Beifall. Gegen Abend erfolgte die Verkündigung des Resultats vom Wett­singen sowie die Verteiluirg der wertvollen Preise an die siegen­de»: Vereine. Tie Stimmung war bis ii: späte Stunde eine äußerst gute, so daß sich die Teilnehmer nur schwer von dem Fest trennen konnten. Ter heutige letzte Tag des Festes ist besonders für die hiesigen Einwohner sowie die nächste Umgebung bestimmt. Vormittags fand Frühschoppen, Konzert und Gesangsvorträge auf dem Festplatz statt, wahrend an: Nachmittag ein Festzug durch den Orc nach den: Festplatz ging. Tor: angekommen, bot sich bei: Teilnehmern genügend Gelegenheit, bei Konzert, Tanz und Volksbelustigung nocy einige fröhliche Stunden zu verbringe»:. Hoffentlich sind sowohl Festgeber, sowie Teilnehmer mit dem Verlauf des Festes zufrieden.

Bad-Nauheim, 8. Juni. Dashiesige Eleon oren- hospiz ist bereits feit 14 Tage»: vollständig besetzt. Die Gäste fühlen sich sehr »vohl, obwohl das Haus eigentlich auf solchen unerwarteten Andrang noch nicht völlig gerüstet »uar. Damit ist der Beiveis erbracht, baß diese Gründung einem wirklich große»: Bedürfnis entsprach.

fc. Gedern, 6. Juni. Anläßlich der Einweihung des Fransecky-Denkmals hier richtete Fürst Christian Ernst zu Stolberg üoi: hier aus namens der Festversammlung ei»: Telegram»»: an den Kaiser. Folgende Antwort traf darauf ein:Ich danke Dir und der Festversammlung für den Gruß do»: den Stufen des Fransecky-Denkmals. Dieser aus­gezeichnete General, der heldenhafte Führer der Magdeburger Division im Swiep-Walde bei Sadowa, hat mit vollstem Recht ein Denkmal verdient, welches der Nachwelt seinen Ruhm verkündet. Wilhelm."

_sd. Darmstadt, 9. Juni. (Tel.) Die 9. Jahres­versammlung des Deutschen Vereins für Schul­gesundheitspflege ivurde gester»: durch einen Be­grüßungsabend eröffnet. Heute vormittag ^10 Uhr begänne»: die geschäftlicher: Verhandlunge»: unter Vorsitz von Prof. Griesbach aus Mülhausen i. Elsaß. Begrüßungsansprachen hielten u. a. Geh. Obermedizinalrat Dr. Neid Hardt für die Ministerialabteilung für Gesundheitspflege, Bürgermeister Dr. Glässing für die Stadt Darmstadt, Geheimerat Delius aus Berlin für das preuß. Arbeitsministerium, Vertreter der Regierungen von Dänemark, der Schweiz und Belgien, des deutschen Architekten- und Jngenieurvereins sGeh. Baurat Hofmann), der Techn. Hochschule (Prof. Walbe), des Landeslehrervereins, der Ortsgruppe Darmstadt des deutschen Frauenvereins, des hessischen OberlehreroereinS, des Vereins hessischer Zahnärzte usw. Sodann wurde in die Tagesordnung eingetreten.

h. Frankfurt a. M., 6. Juni. Die beiden Aus­stellungen, die mit dem 1. internationalen Kongreß für Rettungswesen verbunden sind, wurden heute vor­mittag durch Oberbürgermeister Adickes eröffnet. Die Zahl der Teilnehmer am Kongreß wird sehr groß sein, die Re­präsentanten von 27 Regierungen werden auf ihm vertreten sein. Der chinesische Delegierte ist bereits hier eingetroffen. Außerdem haben 72 staatliche und städtische Behörde»: ihre Beteiligung zugesagt. Ebenso werden die Vertreter von 96 Organisationen, die sich mit dem Rettungswesen beschäf­tigen, an dem Kongresse teilnehmen. Großes Interesse wird die am Freitag dem 12., nachmittags, auf den: Griesheimer Exerzierplätze stattsindeude Uebitng der sämtlichen Kolonne»:

Universitäts-Nachrichten.

* 2 e d)»: i f ft) c Hochschule zu Darmstadt. An der I Darmstabtädter Hochschule sinb in: lausenden Sommersemester

A«nst «nv Wissenschaft.

Donald Wedekind, ein jüngerer Prüder von Erika und Frank Wedekind, bat sich in: Wiener Prater erschossen. Wahrscheinlich aus Existenzsorgen. Ter Siebenunddreißigjährige hatte in einem vielbewegten Leben mancherlei erprobt, ohne dabei zu -einem festen Ziel und iragsähigen Tode»: zu kommen. Er »var einer schweizerischen Schule entlaufen, um ii: Amerika zu aben­teuern, hatte sich dani: katholisch in einen: Jesuitenkolleg betätigt, später einige Skizzen, Novelle»: und auch eine»: katholisierenden Bekehrungsroman geschrieben. In der Boheme und im Experimen­tieren ist ihm das Lebe»: zerronnen, ohne daß seinem Talent die Früchte gereift wären.

Kleine K u n st ch roni k. L a »n b e a n x,^ der größte Bildha»:er Belgiens, ist gestorben. Er ist der Schöpfer der Gruppedie Macht der Leidenschaft", welche in den meisten Groß­städten Europas ausgestellt gewesei: ist. In: Fairmontpark zu Philadelphia fand an: 7. d. Mts. unter Teilnahme von Vertreten: der Stadtbehörden, sowie des deuischen Konsuls »mb Offiziere»: und Mannschaften des deutsche»: Kreuzers Bre»nei: die feierliche Ent- hüllllng einer H a y d >: b ü st e statt, bei der 1000 Sänger mitwirkten In Straßburg wurde an: 6. Juni eine A n s ste l lui: g. üoi: Werken jungelfaß-lot Höingischer Künstler eröffnet. Unterstaatssekretär Mandel erklärte, eine solche Landes­ausstellung wäre ein Wagnis gewesen, aber dank des Interesses! der Künstlerschafc sei es geglückt. Tie Künstlerausstellung fülle। regelmäßig olie zwei Jahre stattsinden. Namens der Künstler- schafr daukte Maler Stoskops der Regierung, daß sie den heimische»: Künstler»: eine eigene Ausstellung ermöglichte. Hierauf hob der Statthalter hervor, er sehe in Kunst und Wissenschaft eil: Baro-, mietet der Kultur und hoffe, daß die Künstler sich hier zu Ehre»: des deutsche»: u»:d da»:»: des elsaß-lothringische,: Namens ent­falten. Selma Lagerlöf, Schwedens größter Dichterin, ist eine große Ehrung zuteil geivorden. Ma»: hat die ehemalige Voltsschullehrerm in: Tome zu Upsala feierlich zum Ehren­doktor gekrönt.

Literarisches.

Das zweite Maihest (No. 14) betN e u'e n Revue", Halbmolmtschtlft für das öffentliche Leben, hetausgegebei: vo>: Dr. Josef Adolf Bond») »mb Dr. Fritz Wolff (Verlag betNeuen Revue", Berlin) bringt u. a. folgenbe Beiträge: Einen programmatischen Artikel des Reichstagsabg. Dr. Siegfned H e ck s ch e r über:Neue Ziele »:nb A»:fgabe>: des Liberalismus" nach der F r a»: k f u r t e r Tagung. Prof. Dr. bu Bois-Reymond: Körperkultur. S. v. H.: Charles Hallgarten. Ferner beginnt bie erste Veröffentlichung uoi: Bernharb Shaws Roman: Der AmateurSozialist.- Pluto: Finanzpolitische Rundschau: Gelbbe­darf des Reiches. Geschäftslage in Spamen. Die stille Börse. Elektrisierung der Bah»»ei». Bankenquele und Dreimarkstück. Russischer Leichtsinn. Chemische Jndustrik. Philipp Stauf: Barth ober Nauman n? Prof. Alfred Birk: Papierene Projekte der Technik. Vierteljahrs-Abonnement Mk. 5,50. Ein­zelnes Heft Mk. 1,.

Gerichtssaal.

Berlin, 6. Juni. In dem Prozeß wider August He:ber bejahte,: die Geschworenen b'e Sckuldftage in dem Sinne des § 214 des Strafgesetzbuches unter Ausschluß mildernder Umstände. Ter Staatsanwatt beantragte 12 Jahre Zuchthaus; der Gerichtshof erfaiuüe auf 10 Jahre Zuchthaus und 10 Iahte Ehrverlust. Ter Vorsitzende bemerfte in der Urteilsbegründung: Ter Gerichtshof hat einmal bte große Rohheit und Gewalttätig­keit, mit der der Angeklagte gehandelt hat, und auch den Umstand erwogen, daß er einen vollständ-g unbescholtenen Mann der Tat unter widerlichen Umständen bezichtigt habe; andererseits habe der Gerichtshof in Erwägung gezogen, daß der Angeklagte ein Epilepttker und seine Widerstandskraft vermindert sei. Auf "bie Frage des Vorsitzenden ai: den Angeklagten, ob Heider bie Strafe sofort abbüßen wolle, bemerkte er, er werde sich das noch über­legen. Alsdann ließ er sich ruhig abführen.

München, 6. Juni. Tas Schöffengericht München ver­urteilte den Kunsthändler Wagner, der eine Serie von Bilder-Reproduktionen erster Meister ausgestellt hatte, auf Anzeige des Landtags-Prä,identen von Ortetet toegei: grober: Unfugs zu 50 Mk. Geldstrafe, die Bildhändler Keller und Rose wegen Ausstellung Heiner Akt-Photogvaphien, Repro­duktionen guter Gemälde, alter Skulpturen zu 20 und 10 Mk. Geldstrafe, im letzten Falle auf Anzeige des Stadtpsarrers von St. Ludwig.

Leipzig, 6. Juni. In: Anschluß ni: den Münchener Pelets- ptozeß brachte dieL e i p z i g e r Volkszeitung" am 3. und 4. Jul: 1907 zwei ArtikelDie blonde Bestie" undEin frecher Verbrecher", die sich in der Hauptsache mit den: Vorgehei: des Dr. Arendt ir: der Wohnung des Kolonialbirektors Kayser be­schäftigten und Arenbt bas Einbringen in die Wohnung und Er- pressung vorwarfen. Gleichzeitig wurde in dem Artikel behauptet, baß Arendt :n München einen Meineid geleistet habe. Heute fand die Verhandlung der Klage des Dr. Arendt vor bei;: Schöffen­gericht slatt. Dr. Peters war als Zeuge erschienen. Die Parteien schlosse»: einen Vergleich. Redakteur Müller erklärte, daß er bei: Vorwurf des Meineids und der Erpressung nach den: Gange der heutige»: Verhandlung und den beeideten Aussagen der Frau Direktor Kayser, die.verlese»: wurden, nicht aufrecht erhalten könne und ihn unter dem Ausdrucke des Bedauerns zurücknehme.

Budapest, 8. Juni. Hier wurde ein früherer Offizier namens W i ck e»: b e r g »oegen unsittlichen Umganges mit ju»:ge»: Mittelschüler»: von: Schwurgericht zu einem Monat Ge­fängnis verurteilt.

Lxamenrnervosität.

Eine Erwiderung.

Wer die Ausführungen Prof. Bornhaks über Examens- iteurasthenie (Val.Gießener Anzeiger" Nr. 119) als be­greiflichen Gefühlsausdruck betrachtet und demgemäß wertet, tut recht daran; weil aber die Darstellung grundsätzlich gehalten ist, bedarf sie einer Erwiderung. Es gibt zwei Arten von Examensnervosität, und in die Schablone der einen hat Prof. Bornhak auch die andere gesteckt. Die erste heißt Angst vor dem Examen und tritt bei solchen Personen auf, die im Betreiben ihrer Studien mehr oder minder zurückhaltend waren. Solche Kandidaten sind meist nicht nervös veranlagt und auch gewöhnlich nicht nervös ge­worden. Sie haben bloß vor dem nicht alltäglichen Akte eines Examens Aügst. gewöhnliche Angst, wie sie ein jeder Mensch vor einem Vorgang hat, dem er sich nicht recht gewachsen fühlt. Daß aber ein starker und andauernder Grad von Furcht auch bei gesunden Menschen nervenüber­reizend wirkt, ist Tatsache und selbstverständlich. Diese Leute geben, ivenn sie sich aufraffe»: was Gott sei Dank nicht allzu selten geschieht, oft recht tüchtige Staats­beamte, waren halt flotte Studentei: und hatten deshalb audy das Pech, sich vor dem Examenstermin wie vor dem Teufel zu fürchten und mitunter auch durchzufallcn. Wenn sie aber nach verbummelten Semestern das Pflichtgefühl schor: vor der Prüfung zu intensivem Arbeiten brachte, dani: ist das nur ein gutes Zeichen und die etwaex hoc labore" entstandenecerebrasthenia" einer guter: Beamten­laufbahn durchaus ungefährlich.

Völlig einseitig aber verfährt Bornhak gegen die zweite Kategorie, und das sind die eigentlich dtervosen, vielfach Neurastheniker durch Anlage oder Erwerbung, oft auch andere Personen (hypochondrisch und hysterisch Veranlagte), vielfach leichte Psychopathen. Es wird ihm ohne »veiteres zugegeben, daß hierunter mancher schwächliche Charakter ist, ohne Selbstbeherrschung, weder willens, die Examens­nervosität, noch andere Schwierigkeiten zu überwinden: Solche Leute sind Ballast für den Staat, als Beamte un­geeignet. Prof. Bornhak »nag aber wohl bedenken, daß gerade ii: dieser Kategorie nach medizinischer Erfahrung vielfach Leute stecke»: mit hohe»: geistigen uni) vor allem moralischen Gaden, Persone»: mit bedeutendem Pflichtgefühl und einer starken, selbstgezogenci: Willenskraft, die trotz ihrer Nervosität dem Staat etwas zu leiste»: Haden. Solche Leute haben keine Angst vor dem Exame»:, sonder»: Examens­angst, eine Nervenerjcheiilung, bei der ihr Wille ins riese»:- hafte verzerrten, krankhaften Angstvorstellungen momentan und relativ unterliegt, nachdeii: er vielleicht schon eine Zeit vorher mit ihnen gekämpft hat. Diesen rein medizinisch­psychologisch zu erklärenden Vorgang setzt Bornhak in ein mathematisches Verhältnis zu de»:viel schwerere»: Pflichtei: des Staatsbeamten". Mit Mathematik aber kvinmt man hier auf eine»: plumpen Holzweg genau »vie mit den: Schlager vom Buttergeschäft auf den Boden der Geschmack­losigkeit. Im Übrige»: passen doch die Berliner Verhältnisse nicht liberal!, in Gießen z. B. ist vo»: einer Epidemie der Terminversäumung nichts bekannt.

Diese Erwiderung ist scharf und mag auch stellenweise einseitig sein; das schadet aber nichts.

B. Joseph.