Ausgabe 
9.6.1908 Erstes Blatt
 
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Der russische Marineetat und die Duma.

Ausland.

Deutsches Reich

1835, er erhielt seine Erziehung und Ausbildung als Berg­mann und Kaufmann in England und wirkte zuerst selb­ständig in Nassau, um dann als Mitdirektor des dem Herrn E. W. Fernie in England gehörigen Gießener Bergwerks be­rufen zu werden. In dieser Stellung verblieb er bis zum Tode des älteren Direktors Wilson, der 1892 starb und an dessen Stelle Herr PaScoe nunmehr aufrückte. Er blieb alleiniger Leiter des großen Werkes, bis eS von einer Ge­werkschaft 1898 übernommen wurde, der er ebenfalls noch geraume Zeit als Direktor vorstand. Alter und angc-

B er li n ernannt worden. m

Einfuhrverbot für Heu und «tr.oh. Nach> dem Neichsanzeiger" veröffentlicht der Rcgierungsswa ident von Aachen eine Bekanntmachung belr. die Aushebung des Verbots der Ein­fuhr von Heu und Stroh aus Belgien und den Niederlanden.

Die V o r u n t e r f u ch u n g g e g e n d e n F ü r st en Eule n bürg ist nunmehr abgeschlossen und die Anklage ist dem Fürsten bereits zugestcltt worden. Bn dieser^. Sachlage: e scheint es nicht ausgeschlossen, dass 6'ürst Eulenburg sich bereu» Anfang Juli vor dem Schwurgericht zu verantworten haben wird. Der gesundheitliche Zustand des Fürsten hat sich e was gebchert, dagegen hat sich die seelische Depression m den letzten -E.oa,en sehr verstärkt^ .Eine ganze Reihe von Persönlichkeiten der Aristo­

kratie und der Wiener Gesellschaft, darunter mehrere Abgeordnete, ind als Zeugen in der Affäre Eulenburg zum Wiener Landes­gericht geladen, durchweg Persönlichkeiten, von denen man weiß oder von denen man behauptet, daß diese während der Wiener Botschafterzeit Eulenburgs von 1896 bis 1902 in irgendwelchen Beziehungen zu ihm gestanden haben.

Die Debatten über den russischen Marineetat und ins­besondere über den Bau neuer Panzerschiffe, die am Sams- ; tag in der russischen Duma beendet wurden, sind nicht ' uninteressant. Interessant war es, daß die Duma die Ein­setzung einer Revisionskommission verlangte, die die Zu­stände in der Flotte und im Marineministerium untersuchen solle. Interessant war aber vor allem die Rede des Mi­nisterpräsidenten Stolypin. Er führte aus: er trete mit dem Gefühl der Hoffnungslosigkeit an die schwere Aufgabe heran, für den Bau der Panzerschiffe die notwen­digen Kredite zu retten, und damit für eine fast verlorene Sache zu plädieren. Dennoch könne sich die Regierung der Meinung der Dumamehrheit nicht anschließen. Wie der Feldherr nach verlorener Schlacht die Zersprengten sammle, so müsse auch die Regierung sich nach überstandener Kata­strophe nicht dem Gefühle der Empörung Yingeben, und die Schuldigen suchen, sondern müsse Zerstörtes wieder auf­bauen. Tie Kommission der Duma habe ausgeführt, zu allererst müßten die Fragen der Landesverteidigung ent­schieden, ferner müßte die Reorganisation des Marine­ressorts unternommen und erst dann dürste zum Wieder­aufbau der Flotte geschritten werden. Ter Minister fuhr fort: Ich bin bereit, alles dies zu unterschreiben. Ich gehe sogar weiter. Ich bin überzeugt, daß selbst die verantwort­lichen Repräsentanten der Flotte, die sich vor dem Kaiser verantworten müssen, dies nicht abstreiten werden. Doch sind die Schlußfolgerungen für die verantwortlichen Per­sönlichkeiten nicht so einfach. Ihre erste Aufgabe ist die Lösung der Frage, was mit den vom Feinde zersprengten Ueberresten anfangen, ihre zweite, sich tlar zu werden, wie lenes Ressort zu reorganisieren sei, das nicht aus der Höhe der Situation gewesen, ihre dritte, sich damit zu befassen, m welcher Weise die Verteidigung zur See im Zusammen­hänge mit der Landesverteidigung zu organisieren sei. Es sei unmöglich, eine unverzügliche Lösung der allgemeinen Fragen zu erwarten. Tie allgemeine Staatsverieidigung berühre die Interessen sämtlicher Ressorts und sei zu einer Frage von außerordentlicher Bedeutung für den Staat her- ongewachsen, die vom Ministerrate geprüft worden sei. Auf das Protokoll des Ministerrats habe der Kaiser am. März folgende Bemerkung geschrieben: Der allgemeine Berter- digungsplan muß turz und tlar ausgearbeitet werden für ein oder zwei Dezennien. Redner zählte sodann eine Reihe vom Marmeressort durchgeführter Reformen auf unb führte aus, vieles sei noch zu machen und vieles werde gemacht werden, doch gebe es feinen Zauberstab, durch dessen Be­rührung ein ganzes Ressort im Augenblick reorganisiert werden fönne. Wolle man eine definitive Reorganisation des Ressorts aforoarten, so müsse man sich mit einem längeren Aufschub aussöhnen, um die Flottenreste in Ordnung zu bringen. Dabei führe jeder Rückschritt auf diesem Gebiet zur Zerstörung der ganzen Sache. Redner wies aus die Notwendigkeit hin, einer Stockung der Arbeiten auf den Schiffswerften vorzubeugen, hob weiter das Bedürfnis her­vor, die Mannschaft auf Schiffen von einheitlichem Typ einzuüben und betonte schließlich die Möglichkeit einer lang­jährigen hilflosen Lage Rußlands in der Frage der Ver­teidigung zur See. Trotz der vollsten Friedensliebe Ruß­lands entspreche eine derartige Hilflosigkeit nicht der Welt­stellung des Landes. Tie Mehrheit der Tuma wolle augen­scheinlich das Marineressort auf chirurgischem Wege von seiner Krankheit heilen. Ihre Angrisfe uno Enthüllungen hätten der Flotte wie auch dem Reiche einen großen Dienst erwiesen. Er sei überzeugt, daß angesichts der Duma die­jenigen Mißbräuche, die früher stattgefunden hätten, jetzt unmöglich geworden seien. (Anhaltenoer Beifall.) Ich glaube, so schloß der Redner, daß Euer Entschluß, wie er auch sein möge, von Eurem Gewissen und reinen Patriotis­mus diktiert ist. Klagt nicht, wenn auch die Regierung Euch gegenüber ihre Meinung offen und unumwunden ausge­sprochen hat. Für die Wiedererneuerung der Seemacht gibt es nur eine Parole: Vorwärts! (Beifall.)-

Die Duma hat nun trotzdem bei der Beratung des Etats des Marineministeriums mit 194 gegen 78 Stimmen den geforderten Kredit von rund elf Millionen Rubel für den Öau neuer Panzerschiffe abgelehnt.

Der Fall Wahr mund. In parlamentarisdsen Kreisen Oesterreichs verlautet, daß die Regierung beabsichtige, dieWahr - mund-Affäre in der Weise zur Lösung zu bringen, daß sie die Schließung sämtlicher österreichischer Hochschulen wah-,.v renb des Somniersemesters ohne Anrechnung des Semesters sur gristene Gesundheit veranlaßten Ende 1901 die Niederlegmig die Studierenden und die Einstellung des Rechtsverfahrens gegen der Stellung, die er 46 Jahre lang bekleidet hatte. Bi­den Professor Wahrmund verfügt. Professor Wahrmund soll 1903 funnierte Herr Pascoe als Mitglied des Gruben- (ÄS

Regierung, Raum für fruchtbare Arbeit zu gewinnen und das unb beschrankte sich auf die Erfüllung der ^schäfte cmc Koalitionsmiiiisterinm vor einer Erschütterung zu bewahren. 93ertraucn§mannc§ der Knappschaftsberufsgenossenschaft unb 8.ä*w» iSRrguns *Ä. Ä«........»... den Monat Mi 1907. seiner Lebenskraft zehrenden Leiden erlegen. Die hervor-

Protektionistische Politik und Landwirt- stechendsten Eigenschaften des Verstorbenen waren Treue unb schäft. Der französische Ackerbaimiinistcr Ruau betonte in ,, epische Heimat, deren Einrichtungen,

test S«» ÄÄS ** «HA ? "»s *'S verhindert zu haben, daß den Erzeugnissen des Landes.eine tinner der seiner Verwaltimg unterstehenden Werke, treue Konkurrenz erwachse durch die neuen Länder, die zu billigeren Hingebung an seine Familie. Der Verstorbene mcir ausge- Preisen ihre Produkte ausführen. Die protektionistische . it ;$acfetn Verstände und umfangreichen berg- unb

P°Utik habe die Landwirtschaft zu neuem Leben ^nntnissen, er wurde in früherer Zeit von

^Der internationale Kongreß der Handlungs- den Gerichten häusig als Experte gehört, so "i großen reisenden in Paris hat in seiner gestrigen Vollvenamm- Schwurgerichtsprozessen der 70er und 80er Jahre. Als Ber- lung die Gründung eines internationalen Verban-l^^ m bem großen Konkurse der Lahnhütte hat Pascoe be%boeinff»?SU iften St'al 1 ' Set Kongreß h-rvorrag-nbeS geleistet. Mit den Beamten unb Arbeitern

des Verbandes landwirtschaftlicher Vereine Nordostsrankreichs be- des Gießener Bergwerks stand der Verstorbene: auf gutem schloß, polnische Landarbeiter in der fr an z ö fischen Fuße, vielen vermittelte und gewahrte er Förderung und Landwirtschaft zu verwenden. Viel Vergnügen. Unterstützung, viele wohltägige Spenden in Stadt und Land

Liga der Menschenrechte. In L y on wurde der na- - , <yßirfen -urückzuführen. Eine eigenartige, scharf gS=1CtoÄaw?IC^=^9as ^ÄLgeprägie Jnbivfbuafität, streng das für Recht Erkannte

Ansprache, worin er, gestützt auf das jüngste Attentat gegen verfolgend, ausgestattet nut unabhängigem Smn, mit eifernem Dreyfus, darauf hinwies, daß der Nationalismus noch nicht ge- ^, für sich selbst anspruchslos, einfach und schlicht lebend, storben ist. , . . .«ird in dem Tabinaeschicdenen von Vielen betrauert; ein

fcÄSÄ'Ä LÄe an Erfolg, ist mit ihm erloschen,

oorf und Duisburg wurden vön den Behörden per Erty emgc- »i @jn Mitglied der Ersten Kammer Am laden, am Freitag den Zentral-Strafgerichtshvf und das Man,wn F-ieUaa früh verschied im Erbacher Schloß

Äoufe zu besuchen und in der Gmldhall zu sruhstucken. -si eines Herzschlags Graf Arthur zu Erbach-Erbach,

haben bi^ ^tn a ung^ h?dessen Briefwechsel mit dem deutschen Graf Arthur, ein jüngerer Bruder des Inhabers der Standes- Kaiser kürzlich so großes Aussehen erregte, soll geisteskrank Herrschaft Erbach-Erbach, des Grasen Georg Albrecht, war fein. DieB. Z." berichtet nämlich aus London: .ine Rach- Nj^lied der Ersten hessischen Kammer unb hat ein Alter richt über die Geisteskrankheit des Lord Tweedmouth bestätigt eo V,

sich Der Lord wird einstweilen aus seinem schloß von seiner von 08 Jahren erreicht.

Umgebung bewacht und von der Außenwelt fern gehalten. Seme * Ordensan gelegen hei t. Se. Kgl. Hoheit , der Kranklieit verhindert ihn, feine Demission einzureichen, so datz I Großherzog haben dem ordentlichen Professor der Staatswissen- der König wahrscheinlich gezwungen sein wird, ihn zujur. et ph.il. Biermer zu Gießen die Erlaubnis b°r ÄÄ Md Ue&° M «nn.nni unb "zum Trugen bes ihm von bem Kon.g von

Festung Boerikom genommen. Auf Seiten,der Holländer fielen Preußen verliehenen Kronen-Ordens 3. Klasse erteilt, dem ein Soldat und ein Eingeborener. Ein Offizier und drei Sol- Vorsitzenden de§ Vereins Deutscher Papierfabrikanten Rich, baten würben verwundet. Der Femd hatte 35 ^.otc. Brückner zu Calbe a. d. Saale das Ritterkreuz ,1. Klaffe

iufol Safibm^etä ««taffen. befinbBfich bes Verbienstorbens Philipps b-s Großmütigen verliehen dem

auf bcm^Marsch nach Ullabkil und Ulanftcr Oberpostschaffner Jak. Orth ui Darmstadt und dem Ober-

Eine fürstliche Verlobung? In St. Petersburg M hEräger Karl Schneider m Grebenhain die Erlaubnis das Gerücht verbreitet, daß die Herrscherhäuser ,uc Annahme unb zum Tragen des ihnen von dem deutschen

; fallen6 Sei"ÄL^^eeMa^, Life.-, Komg von Preußen o-rstehenen Allgemeinen Ehren.

; Großfürst 9Jt i d) a e 1 Alexandrowitsch soll angeblich d^e Prm- Zeichens erteilt.

zessin Viktoria Patricia von Großbritannien nnb ^rlanbI Personalien. S. K. H. der Großherzog haben ' Giraten. hnn mpriien ^findet sich noch im Bagscha- den Notar mit dem Amtssitze in Lorsch Gg. Balzer auf ' (Unr4it vor der Stadt Teheran. Er wird wie verlautet, nicht inLcin Nachsuchen seines Dienstes entlassen. Ernannt wurde die Stadt zurückkehren, sondern sid) voraussichtlich heute aus ^ec Gefangenaufsrher am Landeszuchthaus Manenschloß Joh.

Wegen außerhalb brr Stabt unter starker mllrtar.fcher Bebecknng Ekfongenwörter am Haftlokat in Bad-Nauhemi

ÄÄ« W dL AmtstitefsGesangenauffeher-.

mierminifter unb Minister bes Innern Muschir, Saltaneh, bem D i e n st j u b i l ä u in. Am 1. Pfingsttage feierte ber Quästor Minister bes Auswärtigen Alaslasteh, bem ^u^uultcr 9^11. Qanbeauniöer^^tät, Kreis- unb Provinzialkasserechner Kauß, anyib Saltaneh ^ 9)^^ ^usta- Dienstjubiläum. Herr Kauß ist am 7. Juni 1883

Ls? F N^ ML in Sen Be°- 'bet Großh. Kreisamt Gießen als Gehülfe eingetreten und hat,

Kriegs, dm i nachdem er später als Gehülse bei einigen anderen Stellen

9iach einer Blättermeldung aus Peking vom 5 Ium würbe sich zu seiner jetzigen Stellung emporgearbeitet-

^^^trfffLtLtV6anb" » Erfebigt ist die Stelle eines S.-u-ransfeh-rs

__ 11,1 | h?j ber Zuckerfabrik Groß-Gerau.

Aus Statt und Land. Als Gaben znm bOjahr. Jubiläum unseres

Gießen, 9. Juni 1908. DiakonissenmutterhausesElisabethenstift" in

Tageskalenb-r stir Dienstag, S.Juni: Konzert Darmstabt gingen ferner ein: Bei Schwester Julie von unserer Regimentsmusik auf ber .«hohe" um 5 Uijrhu. 20 4,.

nachmittags.) # c* 20, Pfr. Be. 10, Fr. D. 1, Fr. Schm. 1, Fr. So. 2,

.. Vom Eroßh. Hofe. II. M. HH. ber Groß. W.'3, Fr Pf. Fe. Ml, Fr Schm, s Summa 91 Mk t

Ruffifchen Gefanbtfchoft teil, welche zur Fe.er d-s Geburts. Frf. S. 1, W. s, U. Ug. 10 M S,

W0eS..%u\uffriTe'^Teein6 nb Ttmat ^aXf(Äm^e^"=^mit ben früher guiftierten hpr eJlf Ot"- büüte die Kaiserin von Rußland mit ihren -- 243 Mk. - Wir möchten am 18. Ium gerne nut einer «mbern im*^uli nach Jagdschloß WolfSgarten kommen und noch größeren Gabe zum Feste kommen. Es ist m unserem . - H.. W.Ä Ä.L - »ass

Uck in de^ Kresten ber Berg- unb HÜtteninbuftrte, bekannte ein- Anleihe bei ber Vergnügungskafft. Daraus wollen mir, L geachmkLsnUchkei. bohmgegangen. Herr S. Pascoe ehe wir b.e Sammlung schließen, noch war geboren zu Gewinear in Cornwall am 20. September! ©cgioneu

Nr. 133 Erstes Blatt 158. Jahrgang Dienstag 9. Juni 1808

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M vormittag» 10 Uhr. ________________________

Verlängerung ber Dienstzeit in ber flotte. Im Reichs - 9Rarineamt schweben Erwägungen wegen einer Vorlage an ben Reichstag, wonach, bic aktiv e Dienstzeit ber 9Rannsch asten in ber F l o t t e u m 6 9R o n a t e ver­längert werben, in Zukunft also Jahre be­trag e n s o l l. Ob eine solche Vorlage schon nut dem.nächsten Rcichshaushaltsetat oder erst später eingebracht werden wird, steyt anscheinend noch nicht sest.

Der Prinzregcnt von Bayern hat den Grafen von Grote, Hausmarfchall des Herzogs von Cumberland, in beson­derer Audienz empfangen, wie verlautet, um mit ihm über den Eintritt des zweiten Sohnes des H er z og s, P r i n z Ernst August von Cumberland, in die bayerische Armee zu verhandeln.

Baron Sutcmi Chinda, bisher Vizcniinister im 9Nuu- fterium des Aeußern, ist zum Botschafter Japans in