Ausgabe 
9.3.1908 Zweites Blatt
 
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Noranöi'ichtliche Witterung sirr He,je» am Dienstag den 10. Marz 1908: Meist trüb. Regeufätte. Temperatur wie heute. Stürmische westliche Winde. ___

stehenden Falle zu.

E. hat durch Leistung seiner Arbeit in seiner Wohnung die Möglichkeit gehabt, seine Ehefrau und seine Tochter als Hilfs- staste heranziehen zu können. Diese Möglichkeit ist auch der Ton ihm selbst angegebene Grund zum Arbeiten in seiner eigenen Wohnung gewesen. In der Tat hat gerade die Tochter des Wägers mach den Angaben des Schneiders Sch. den Kläger bei dem Fertigen der Stofen in nicht unwesentlichem Umfange un- tcrftützt, so baß es ihm! auf diese Weise möglich ioar mehr Losen in einer Woche zu fertigen und zur Ablieferung zu bringen, als ihm beim alleinigen Arbeiten möglich gewesen iväre. Es stand ihm völlig frei, mit der Arbeit zu beginnen md aufzuhören, er konnte, wenn er auch tatsächlich nur für die Firma Sch. u. Co. zu G. gearbeitet hat, nach Belieben die .Arbeit aussetzen und während dieser Zeit für andere Leute tätig sein; einer Beaufsichtigung, wie dies bei einem Werk- stLttearbeiter der Fall ist, war er nicht unterworfen. Tie ihm überwiesenen zugeschnittenen Hosen bearbeitete er völlig selb­ständig ; sein Arbeitszeug mutzte er sich selbst stellen, jedoch bekam er alle Zutaten zu den Hosen, mit Ausnahme des Näh­garns, das er sich, wie dies bei den Schneidern in G. übltd), selbst verschaffen mutzte, geliefert.

Die ganze Stellung des Klägers war somit von der eines Werk- slättearbeiters ober sog. Heimarbeiters verschieden.

Von einem Heimarbeiter kann nach der konstanten Necht- sprechung des Reichsversicherungsamts und nach der Anleitung dieser Behörde zum Jnvalidenversicherungsgesetze nur dann die Rede sein, wenn das Arbeiten in eigner Betriebstätte (Wohnung) auf mehr zufällige und vorübergehende Gründe zurück- zusühren ist, wie z. B. Raummangel in den Fabrik- oder Geschäfts­lokalen, Behinderung des Arbeiters durch persönliche Umstände, wie Krankheit. Die Heimarbeiter werden hinsichtlich der Kündi­gungsfrist, Auslohnung, Arbeitsleistung, Beaufsichtigung usw. genau so behandelt, wie die in der Fabrik beschäftigten Arbeiter und sind daher versicherungspflichtig.

Diese Voraussetzungen treffen, aber im konkreten Falle nicht ?u, vielmehr liegen die charakteristischen Merkmale eines Haus­gewerbetreibenden vor. Spier an vermag auch der Umstand nichts zu ändern, daß Sch. die rechtzeitige Ablieferung der Sachen überwachte, denn diese Art Kontrolle ist insofern durch die Natur der Sach- Lebaigi, als die Firma Sch. u. Co. ihre Verpflich­tungen den Kunden gegenüber zur rechten Zeit erfüllen mutzte, sofern sie sich nicht der Gefahr, einen Schaden zu erleiden, aus- ietzen wollte.

LrnSVertziLcgLs-NactzvschteN.

Wie u n s aus München mitgeteilt wird, hat der Geheime- rat Proiessor Tr. Johannes von Kries, Ordinarius und Direktor des physiol. Instituts an der Universität F r e i b ii r g i. Br., einen Rus an die Universität München als Nachfolger des berühmten Physiologen Karl v. B o i t, Vater des Gietzener Internisten, er­halten. Professor v. Kries hat die an ihn ergangenen Berufungen nach Leipzig 1895 und nach Berlin 1897 abgelehnt. 1904 ernannte ihn die Marburger juristifche Fakultät zum Ehrendoktor.

OvLgänaL-DrahtsneLdunsen«

London, 'J. März. Tie chinesische Regierung drückte ihr' tiefstes Bedauern .über die Herabholung der japanuchen Flagge auf der Tatsu Maru aus und versprach, datz die verantwortlichen Beamten angemessen bestraft werden sollten. Auch übermittelte fic Japan ihre Entchmldignng und fügte hinzu, eine weitere Er­widerung bezüglich der beschlagnahmten Waffen und Munition roetiie gesendet werden.

London, y. März. Wie Daily News meldet, habe Roose­velt nunmehr endgültig beschlossen, eventuell zum dritten­mal e die Präsidentschaft a n z u n e h m e n.

London, 9. März. Der militärische Korrespondent der Times ist der frühere Oberst Albert Court Repington, einer der allerverbissensten Teutschenhetzer in der englischen Pub­lizistik. v

P aris, 9. März DerMalin" glaubt mitteilen zu können, daß der englische Botschafter in Berlin, Sir Franc Lascelles schon in Bälde von seinem Posten zurücktreten werde. Sein Nachfolger lvürde Mr. Lowther.

Teheran, 9. März. Ein neuer Konflikt droht zluischen dem Schah und dem Parlament auszubrechen. Der Schah richtete an dieses ein Schreiben, worin er sich über die ungenügenden Maßnahmen beschwert, die im An­schluß an den gegen ihn gerichteten Attentatsversuch ge­troffen worden sind. Der Schah wirst dem Parlament unbeschreibliche Untätigleit vor. Man befürchtet iviebcrum Unruhen.

>^Ein schlauer Detektiv. Bostoner Blätter erzählen folgendes Geschiclstchen als Beweis von dem Scharfsinn eures Detektivs: Samuel Webster, ein sehr reicher Seidenhanbler, hatte in seinem Testament seine illegitime Tochter, um die er sich zu Lebzeiten nicht gekümmert hatte, zur Umversalerbcn ein­gesetzt. Das Nachlatzgericht beauftragte das Puikerton-Jnftitut mit der Aufsuchung der Erbin, deren Aufenthaltsort unbekannt war. Das! Institut betraute einen jungen Tetektiv mit der Aufgabe. Nach kaum sechs Wochen stellte er sich seinem Chef wieder vor.Nun," fragte dieser,haben Sie das Mädchen gefunden?"All right, schon vor einem Monat als Arbeiterin in einem Putzatelier."Wo ist sie jetzt?"Bei mir zu Hause ich habe sie geheiratet." . .

* Eine hübsche Anekdote aus dem Leben des altern­den Victor Hugo erzählt der Figaro. Nach feiner Rückkehr aus der Verbannung pflegte der greife Poet mit Vorliebe endlose Omnibusfahrten zu unternehmen. Fast nie hatte er dabei ein bestimmtes Ziel, er fuhr um des Fahreiis willen und um all die verschiedenartigen Menschen zu beobachten, die da un­ausgesetzt das beliebteste Pariser Verkehrsmittel besteigen und ver­lassen. Oft kam es dann, datz er während der Fahrt fein Notiz­buch hervorzog und anfing, die Verse aufzuschreiben, die ihm einfielen. Sehr erstaunt konnte er bann aufblicken, wenn bet Schaffner ihn nach stunbenkanger Fahrt barauf aufmerksam machte, datz das Endziel erreicht sei. Einmal passierte es, datz eine junge Frau den Omnibus bestieg und an Victor Hugo vorbei mußte, um den einzigen iwch leeren Platz zu erreichen. Das Gefährt hielt plötzlich an, es gab einen heftigen 3iuck und bic junge Dame fiel auf den Schoß des greifen Poeten, der gerade in seine Verse vertieft war. Verwirrt und errötend murmelt die Dame:Ich bitte Sie vielmals um Verzeihung." Mit einem galanten Lächeln aber erwidert der Dichter desHernani":Und ich, gnädige Frau, danke Ihnen sehr."

Kleine Tageschronik.

Am 7. d. Mts. erschoß auf einer bei Stettin belegenen Chaussee der 22jährige Steuermann Werner Fischer, Sohn eines Professors, seine Berlobte, die 19jährige Stcnerinspekiorstochter Albrecht und sich selbst.

Nach Unterschlagung von amtlichen Geldern ist seit dem Rosenmontag der P o l i z e i w a ch t in c i st c r Schulz aus Hamborn (Niederrhein) verschwunden.

In Würzburg wurden wegen Blutschande der verheiratete Heizer und Schmiedegeselle Georg Höfling sowie seine beiden 23 und 24 Jahre alten Stieftöchter verhaftet. Die Verhafteten hatten seit vielen Jahren sträflichen Umgang gepflogen, au5 dem sieben Kinder heroorgegangen waren. Von diesen Kindern ist nur noch eins am Leben, das sich in fremder Pflege befindet, die andern sind höchstwahrscheinlich ermordet worden. Eine Tochter be­hauptet, daß mindestens drei Kinder tot zur Welt gekommen seien. Wie die eine Tochter gestand, ist ein Kind von ihrer Schivester getötet uiid von dem Vater im Keller vergraben worden. Die Anzeige wurde von einem Bruder des ver-

* Berlin, 8. März. Tie Schreckenstat einer Mutter hat gestern mittag im Schönhauser Viertel großes Aufsehen erregt. Aus ihrer im vierten Stock gelegenen^Woh- tiung hat die Arbeiterfrau Lina Bock iyren vierjährigen ^ohn aus die Straße geworfen und sich bann selbst auf die Straße gestürzt. Mutter und Kind waren sofort tot. Wahr­scheinlich hat Frau Bock in einem An,alle von Geistesstörung gehandelt. Wegen Familienzwistig recken gab der Oberschweizer Köhnel auf seinen Kollegen Rubin drei Revolverschüsse ab und machte dann einen Selbstmordversuch. Während der Attentäter im Sterben liegt, ist Rubin anscheinend leichter verletzt. Seit einiger Zeit wurden weite Kreise der Reicyshauptftadt unb ihrer Vororte durch den großen Umfang beunruhigt, welche Schadensfeuer angenommen hatten und die offensicytlich auf Brandst.stung zurüazus'üyren waren. Nun ist cs gelungen, einen der Brandstifter zu überraschen und zu verhaften. Am Samstag früh bemerkte' ein Dienstmädchen, datz eine Person ver­suchte, einen an der Wand eines Holzschuppens errichteten Stotz Papier unb Dachpappe mit Streichhölzern in Brand zu setzen. Sie benachrichtigte ben Portier, der das Feuer löschte und bann bie Jagd auf ben entfliehenden Verbrecher ausnahm. Derselbe wurde bald eingehoU und der Polizei übergeben. Es ist her Tekorakeur Otto Bauer aus Schöneberg. Er macht den Eindruck eines Geistesgestörten und ist auch bereits in einer Irrenanstalt gewesen Aus ein Brautpaar wurde im Grünewald heute abend ein Raub anfall verübt. Ein Unbekannter feuerte mehrere Schüsse ab und verletzte bas Mäbchen schwer. Er ent­riß ihr ben Pompadour und entfloh. Ter Inhaber eines kleinen Banttommissionsgeschäftes stellte die Zahlungen em; er ist verschwunden. Tie Börse ist unbeteiligt.

* Ein eigenartiger Vorgang ereignete sich un Neuen Theater zu Halle an dem Benefizabenb der jugendlichen Lieb­haberin Hedwig Reinau. Kurz vor Beginn der Vorstellung kamen 22 Leute, E ck e n st e h e r und H e r b e r g s l o g i e r g a ft e, in das Theater und besetzten, unter Vorzeigung von gültigen Eintrittskarten, beide Proszeniumslogen. Selbstverständlich er­regten die Leute, die ohne Hemdenkragen und weiße Wäsche, duftend nach Herbergsodeur, einen Kontrast zur Eleganz der Logenplätze bildeten, großes Aufsehen, .und das Publikum geriet, da die Leute zum Teil angetrunken waren, in einige Erregung. Der Theaterdirektor griff energisch ein und veranlaßte durch den Hinweis auf Bestrafung wegen Hausfriedens­bruchs die seltsamen Logeninfassen, mit ihm auf den Hof des Theaters hinauszukommen, wo er erfuhr, daß em Teingetleibeter Herr ein Student, sie unter Ueberreichung der Viermart- billetts und eines Trinkgeldes für den Theaterbesuch engagiert hätte Gegen ein Trinkgeld räumten die Leute schließlich das Feld Alsbald fand sich jebod) der Student selbst em unb ver­langte vom Direktor, er solle ihm bas Eintrittsgeld für jene 22 Billetts zurückzahlen. Es ergab sich, baß der tfrembe ein studierender Agronom ist, dem es darauf angekommen war, die Benestzvorftellung des Fräuleins Reinau zu stören. Es ist,, wie wir in derVoss. Ztg." lesen, der Sohn des österreichischen Abg Schönerer. Selbstverständlich folgte der Herr sehr bald feinen weniger elegant gekleideten Spießgesellen an die frische Luft Die Sache wird wahrscheinlich noch em gerichtliches Nacy-

Markte.

re. Frankfurt a. M., 9. März. (Orig.-Telegr. desGießen. 2(111.") Amtliche Notierungeii der heutigen Friichtmarktprelse. Weizen Mk. 21.7500.00, Kurhessischer Alk. 21.7500.00, La Plata Alk -3.2524.00, Kansas Alk. 00.0000.00, Roggen (hiesiger) Mk. 19.7520.00 Gerste (Westerauer) MC. 20.7521.75, Frauken- selder Mk. 21.^522.75, Hafer 17.5018.25, Mais Mk. 15.7516.00. Weizenmehl Lik. 31.0031.50, 0000, 2. Qualität Mk. 30.00 hjs Mk. 30.50, 3. Qualität Mk. 28.5028.75, Noggeumehl o

Mk. 31.5032.00,1. Qualität Mk. 30.5031.00, Weizenkleie Ast. 11.50 bis Mk.1l. 75, Noggenkleie Mk. 13.2513.50, Maiskeüne Mk. 12.50 bis Mk. 13.00, Franken, Pfälzer, Nied Alk. 21.7522.75. Alles pe, 100 Kg. ab hier. .

fc. Frankfurt a. M., 9.März. (Telegr. Orig.-Bencht des .Gieß. Anz."). Amtl. Notierungen der heutigen Viehmarktpreise. Zum Verkauie standen: 514 Ochsen, 134 aus Oesterreich, 48 Lullen, 0 aus Oesterreich, 0 aus Dänemark, 834 Kühe, Fersen, Stiere unb Rinder, 0 aus Dänemark, 325 Stoiber, 338 Schafe und Hämmel, 00 Schafe aus Oesterreich, 00 Ziegen, 18 >8 Schweine. Bezahlt wurde für lOOPsund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qiialität 7476 Mk., 2. Qual 7072 Mk., 3. Qual. 6064Mk.; Bullen 1.Qual. 64 biä 67 Pik., 2. Qual. 5961 Pik.; Kühe 1. Qual. 7072 Mk., 2. Qual. 6466 Pik., 3. Qual. 48- 50 Mk, 4. Qual. 0000 Mk., 5. QuaL 00OOMk. Kälber: 1. Qual.9294 Psg., Lebendgewicht5456 Pf., 2. Qual. 7684 Pfg., Lebendgewicht 4449 Pfg., Schlacht­gewicht 6065 Psg. Schafe: 1. Qiial. 8082, 2. Qual. 72 75 Pfg., 3. Qual. 0000 Psg.; Schweine 1. Qual. 5859 Pfg., Lebdgew. 46 000,0 Pfg., 2. Qu. 57-00,0 Pfg., Lebeudgeiv. 45,000 Pfg., 3. Qual. 4852 Psg. Lebendgew. 00 Pfg. Geschäft bei Hornvieh langsam, Ueberftanb erheblich; bei Kleinvieh gut, kein Ueberstand.

ArdcsterbervegLLNS*

C r o n b e r g , 8. März. Hier sand heute eine Besprechung ber Mitglieder des Verbandes baugewerblicher Unternehmer des Obertaunustreises stall. Den Mitgliedern sollte ein Einblick ge- neben werden in die Verhandluiigei' der Generalversammlungeii des Llrbeilgeberbundes unb des Mitteldeutschen Arbeitgeber­verbandes. Teiunach sollen auch hier am 1. April die B au- geschäste geschlosseii iverden, falls die im rZruhsahr ad- lausenden und zu erneuernden Verträge auf der Basis ber be­stehenden Tarifverträge n i ch t z nstande kommen.

Da bis jetzt bie Versicherungspflicht durch Bunbesratsbeschluß (8 2 des Jnvalibenversicherungsgefetzes) nur ausgebehnt worben m: 1. auf bie Hausgewerbetreibenden der Tabakfabrikation, 2. auf bie Hausgewerbetreibenden der Textilindustrie, so war die Tätig­test des Klägers als Hausgewerbetreibender des Schneiderge- werbes ber Versicherungspflicht nicht unterworfen.

4.er Umstand, datz er nach Auffassung des Arbeitgebers unb bad) seiner eignen Annahme ber Kategorie ber Lohnarbeiter im engeren Sinne beizuzählen ist, wofür auch bie dem Gesetz ent- l cs Beitragsverteilung für Zahlung ber Krankenkasfen- unb ^ntialibcnbeiträge spricht, unb daß auch tatsächlich seine loziale Stellung von der eines Lohnarbeiters nur unerheblich abweicht, vermag an der obigen, auf objektive Merkmale ge­gründeten Beurteilung nichts zu ändern. Einen Anspruch au atente hat Kläger sonach nicht. Die für ihn verwendeten Bei- stagsstiarken sind daher zu Unrecht verwendet unb es muß deren -ivert auf Antrag erstattet werden." . .,

Gegen dieses Erkenntnis verfolgte E. Revision beim Reichs- ^ersicherungsamte in Berlin. Ter Revision mürbe jeboch ber gJÄt. In seiner Entscheidung führt bas Reichs-Ver- . "Tie Annahme, datz der Kläger als selbständiger Hansge- roerbetreibcnber bet Versicherungspflicht nicht unterlegen hat, ft. rechtlicher wie tatsächlicher Beziehung nicht zu bean- ^"oen. Ter Umstand, baß der Klüger nur für eine Firma Qurtbeitet hat, steht dieser Auffassung nicht entgegen, da ber ff befugt war, auch für andere Geschäftsleute Aufträge aus- r11-' ferner ist auch ber Umstand, daß ber Kläger sich ber JüUe feiner Tochter bebient hat, vom Schiebsgericht zutreffend gewürdigt urotben; ob ber Kläger durch deren Mitarbeit sein "intommen nur um einen geringen Betrag vergrößert hat, xJh-P der Revisionsschriit behauptet, ist rechtlich uner- A mich. Tas gleiche gilt von der Tatsache, daß in früheren ^aijren zwischen dem Kläger und feinem Auftraggeber eine Kündigungsfrist vereinbart war."

brecherischeu Vaters erstattet, der das schändliche Treiben nicht mehr ansehen konnte. Tie Frau des Serbmteten batte bie ^^0116- lichkeiten verschwiegen, aus Angst, von ibrem Manne getötet zu. werden. Zwei vermummte Männer überfielen un Martins­heim bei Wurzburg eine 80jübrige Privatiu, banden sie und raubten ihr für 10000 Mk. Bargeld und Wertpapiere.

Hinter dem flüchtigen Pastor J^a ck aus Neukirchen erließ bic Lübecker Staatsanwaltschaft einen Steckbrief wegen oe- trugs unb Unterschlagungen. . . *

Withcliniiic Wölfling-Adamowitsch, bic geschiedene Gattin des cbem. Erzherzogs Leopold Wölfling, ist in Wien in ein Irrenhaus über- führt worden. Sie hat in einem Anfall von Irrsinn Gewalitatigkesten beaanacn, wodurch ihre Hausgenossen in Gefahr waren. Sic wntzte sich vor einigen Tagen in den Besitz eines Revolvers zu setzen und drohte, ihre Schwester, den RcchtSdeistand ihres Gatten, dessen Frau und sich selbst zu erschießen. Die Schwester rief telephonisch Polizei zu Hiisc^ Al. diese erschien, bekam Fran Adamowitsch einen Tobsuchtsanfall, wollte ihre. Kleider anzünden und sich mit clncr Hutnadel erstechen. Schließ­lich gelang cs, sie im Automobil zur Polizei zu bringen, von wo sie nach "der Irrenanstalt überführt wurde. .

Paris erschoß im Lauie eines Wortwechsels em Schrist- seker eine junge F ra u und feuerte mehrere ©cbüfic auf die ihn verfolgende Alenge ab. Hierbei wurden cm Kutscher unb em Weinhändler lebensgefährlich, mehrere Personen, darunter ber Abg. Lagasso, leicht verletzt. Die Polizei konnte sich schließlich bes Atörders bemächtigen, Halle aber große Muhe, ihn vor der Wut

handel.

Diskontherabsetzung. Tie nach der Londoner! Diskontermäßigung von der Deutschen Reichsbankleitung gar nicht 3U umgehende gleichartige Maßnahme ist^doch noch etwas rascher erfolgt, als angenommen wurde, -sie geschah vor Bekanntgabe des Bankausweises für ben 1. Märzmonat, war jeboch mit ber nur 1/2 prozentigen Ermäßigung von der Berliner Börse ziemlich wenig befriebigt aufgenommen worben. Es zeigte sich bies in ber ungleichartigen Kursgestaltung am Samstag, während man sich in Frankfurt mit ben nun einmal gegebenen Verhältnissen besser abfanb. Präsident Havenstein sprach bie Hoffnung aus, baß die seit Anfang Marz eingetretene Besserung am Gelbmarlt hinreichte, um rprozcnttge Diskont­ermäßigung eintreten zu lassen. Er sagte nichts bavon, datz rasch eine weitere Ermäßigung zu erwarten fei. öanzen scheint Präsibent Havenstein noch zurückhaltenber als Dr. Koch zu fein. Nichtsdestoweniger wächst aber die ^Ennlsionslust zu­sehends und da ja auch bie Deutsche Bank bic Wirtschaftslage in freunblicherem Licht sieht, so wirb hoffentlich bie Wen­dung zu einer Besserung in ber volkswirtschaftlicksen Lage lrotz bes auch jetzt noch immer sehr teuren Gelbstandes nicht allzulange ausbleiben. , t .

sd D a r m st aöi, 8. März. Die bedeutende Eiseugrotzhand- lung G eb rüder Trier hier, deren jetziger Inhaber Adolt Trier fein versteuerbares Vermögen auf zirka 7 Millionen Mark angegeben hat, ivird demnächst in eine Gefells ch a f l m. b. H. uiugewaudelt werden. Als Gesellschafter werben die bisherigen 5 Prokllristen: Adoli Schmidt, Isaak Kleeblatt, Max Humboletz, Willi Bruchfeld unb G. Oppenheimer eingetragen. Herr 3l.-4.ner wird mit einem größeren Kapital beteiligt bleiben.

v. Bode. Dieser kam im Frühjahr des vergangenen Jahres mit noch anderen Schnittern aus Mokra in Russisch-Polen nach Weisin im Amte Lips. Unter den Schnittern befand sich auch Josef Osciewaiz unb bei bieser Familie nahm ber Angeklagte Wohnung. Der Ehemann Osciewaiz verließ im Sommer v. Js. heimlich Weisin und arbeitete bis zum September in Lichterfelbe beim Chausseebau. Am Abenb bes 8. September kehrte er nacp Weisin zurück und ersilhr hier, daß seine Frau und Bode am Morgen weggegangen seien. Als bie beiben auch nach einigen Tagen nicht zurückgekehrt waren, stellte man Nachforschungen an unb fand die Leiche ber Frau Osciewaiz in ben Pasfowcr Tannen. Die Frau war burch zwei Schnitte in ben Hals getötet worben. Spuren beuteten barauf hin, baß ein Geldbeutel, ben die Frau auf ber Brust getragen, gewaltsam entrissen worden war, denn bie Enben des Binbsabens waren noch bemerkbar. Tie Er- morbetc soll über 100 Mk. bares Gelb bei sich gehabt haben. Der Angeklagte hatte zuerst versucht, ben Ehemami ber O. zu verdächtigen, als bieser sein Alibi aber nachwies, behauptete er, der Ehemann habe ihn zur Ermordung angeftiftet. In der Verhandlung legte er dagegen ein volles Geständnis ab und gab an, daß er bie Tat einige Tage vorher geplant,habe. Das Urteil der Strafkammer lautete auf die höchste zulässige Strafe von 15 Jahren Gefängnis. ___

der Menge zu schützen. , . .

Privatnachrichten zufolge nimmt die Hungersnot in Ohina große Timeusionen an. Tas Elend in ber Provinz Kwangfu ist entsetzlich. Die Reisernte ist durch bie Ueberschwemmung ver­nichtet und Hunberttausende finb dem Hungertode preisgegeben. In einigen Orlen wurden bie faijert Magazine geplunbert und zahlreiche Raubaufälle finb an ber Tagesordnung, -tie Behörden sind machtlos, da sich vielfach geheime Gesellschaften ge- bildet haben, bic Raub und Bandendiebstähle m großem Maßstabe

GerichtssaaL.

H(v ,®üftr°m, 6. März. Tie Strafkammer beschäf- cnilt bcr Bluttat in ben Passower Tannen, wobei die erfran Osciewaiz aus Mokra getötet unb beraubt würbe.

Aiigctlagt i)t her 16 Jahre alte Schnitter Hubert

..nd war von 1872 bis 1894 Landrat des Kreises Bteden- ?opf. Der Jubilar lebt bei feiner Tochter in Hanau.

h. Frankfurt a. M., 8. März. Zur Befchasfung der Mittel für die von den ftäbtifchen Behörden beschlossenen größeren wirtschaftlichen Unternehmungen beabsichtigt der Magistrat der Stadt Frankfurt a. M. e.ne Betriebs­an t c i h e v 0 n-r u n d 5 0 M i l l i 0 n c n aufzunehmen. Tie neue Anleihe soll den Charakter einer produktiven Betriebs- anleihe erhalten, durch die die steuerliche Belastung nicht erhöht wird. , .

Frankfurt a. M., 8. März. Der numw-hr mit dem Charakter als General ber Infanterie in ben R11 heft a n d tretende Generalleutnant Frhr. v. Gay 1 hat seit April 190o an ber Spitze Cer 21. Division in Frankfurt a. M. geftanben.

teilte für das Schneidcrgciverbe wichtige Entscheidung des Schiedsgerichts für Arbeiter-Berficherung in der

Provinz Oberheffen.

Der von ber Firma Sch. u. Co. zu G. in eigener Wohnung leschäftigte Schneider E. hatte unter Vorlage feiner Quittungs- larte 9cr. 7 Antrag aus Gewährung ber JnvalUton-Rente ge- ftcllt. Tie Landes-Versicherungs-Lliistalt Groß!). Hesien lehnte den Änfpruck) ab, weshalb E. bei dem Schiedsgerichte Berufung eui- legte. Tiefes üenoarf die Berufung nach Anstellung weiterer Erhebungen mit folgender Begründung:

Was zunächst den BegriffHausgewerbetreibeiide inr allge­meinen anlongt, fo ist hervorzuheben, daß diese euie Mittel­stellung zwischen den Lohnarbeitern unb ben selb staubigen Ge- tüerbetreibenben im eigentlichen Sinne einnehmen. Tie Haupt- nerkmale der Hausgewerbetteibenden sind:

1. datz sie in eigenen Betriebsstätten,

2. daß sie im Auftrag und für Rechnung anderer Gewerbe­treibender mit ber .Herstellung ober Bearbeitung gewerb­licher Erzeugnisse bef chäftig t w erben.

Tie Hausgewerbetreibenben haben bic wirtschaftliche Abhängigkeit mit ben Lohnarbeitern, bie persönliche Selb­ständigkeit mit den Gewerbetreibenden gemein.

Tie wirtschaftliche Abhängigkeit zeigt sich darin, daß sie von einem anderen Gewerbetreibendenbeschäftigt werden ', tzah sie auf Rechnung eines Tritten arbeiten, daß ihnen bic Möglichkeit eigener Verwertung ihrer Erzeugnisse und damit bie Erzielung eines Unternehmergewinnes regeimätzig genommen ist, ihnen vielmehr nur eine nach dem Stück bemessene Ver­gütung, sog. Stücklohn, gezahlt wirb, bie sich wirtschaftlich we­sentlich als Arbeitsentgelt barftellt.

Tie persönliche Selbständigkeit ist darin zu finden, baß ber Beschäftigte in ber Werkftätte alleiniger Herr ist, er be- fiinrtnt Anfang unb Ende, Umfang unb Reihenfolge ber Arbeit, unb daß er einer Leitung, Disziplin ober Beaufsichtigung nicht unterworfen ist. Ter Hausgewerbetreibenbe kann sonach Hilfs­kräfte zuziehen, er kann Aufträge von verschiebenen Seiten ent» eegennehmen usw. Keine ber Geschäfts Parteien ist gehalten, das Verhältnis nach Erledigung ber Aufträge fortzusetzen ober wie­der aufzunehmen; es besteht in ber Reget auch kein fester Vertrag unb keine Künbigungsfrist.

Tiefe Merkmale treffen im vorliegenden, zur Entscheibung