seit
stellen.
Abg. Singer (Soz.)
gemeint.
beantragt namentliche Abstimmung über § 7. Das ganze HauS unterstützt diesen Antrag; die Polen wollen für ihre Anträge ebenfalls namentliche Abstnnmn'g. werden aber von Zentrum und Sozialdemokratie im Stich gelassen. Auch bei der Abstimmung über ihre Anträge selbst bleiben sie allein.
Dann erfolgt unter großer Bewegung des vollbesetzten Hau;eS die namentliche Abstimmung. Es werden 383 Stimmzettel abgegeben. Das Ergebnis ist, daß der Sprachenparagraph mit 200 gegen 179 Stimmen bei 3 Stimmenthaltungen angenommen wird. Mit dem Gegenblock stimmen von den freisinnigen Gruppen (der Abg. Gothein ist wegen Krankheit abwesend) die Abgg. Potthoff, Dr. Lohrn, Dr. Reumann-Hofer von der Vereinigung, und Haußmann von der Süddeutschen Volkspartci.
Als der Präsident das Resultat verkündet, herrscht eine große Stille. Dann braust ein Beifallssturm des Blocks durch den <s-aal> der einen Orkan von Pfui-Rufen beim Gcgenblock auslöst.
Unter nachhaltigen Pfui-Rufen der Polen verkündet der Prä. svdent die Tagesordnung der nächsten Sitzung: Montag 1 Uyr: Wciterberatung.
Schluß 8% Uhr.
Abg. Dr. Müller-Meiningen:
Hätte die Sozialdemokratie unseren Antrag nicht in erster Lesung zu Fall gebracht, wir hatten wahricheinlich.sehr viel besser der Regierung gegenüber abgeschnitten. Roch eine Bemerkung gegen den Staatssekretär. Seine Erklärung in bezug aus me christlichen Arbeiterorganisationen scheint uns sehr bedenklich. Er sprach von loyalem Beitreben. Eine erartige Scheidung lehnen wir ab. Wir wollen,.da« alle Arbeiterorganisationen dieselben Rechte erhalten wie dw christlichen Der Abg Vonderscheer hat gemeint, die Liberalen seien genche v°n der Geschichte. Wir warten ruhig das Urteil des liberalen Bürgertums ab. Wir wißen ganz genau, dag Jbre Wut die der betrübten Lohgerber ist, denen die Felle davongeschwommen sind. (Geiächter im Ztr. Lebhafte Zusttmmung beim B ock.) Dieser Ihr vor nichts znrückschreckender rz-anatismu» verpflichtet uns, die Mehrheitsparteien, alles zu tun, um Ihnen die Macht unter allen Umständeii abzuschneiden. Wir wollen nach dem Willen der großen Mehrheit des deutsch-n Volke s __(Tosendes Geheul des Ztr., das die letzten Worte de»
Redners erstickt.)
Staatssekretär v. Bethmann-Hollweg:
Meine Antwort ist offenbar mißverstanden word-n. Ich habe nicht nur die christlichen Arbeiterorganisationen allem im Auge gehabt, sondern die ganze christliche Gewerkschaftsbewegung
die Zentrumsbartei uns nt Elsaß-Lot^ingen in dem politischen Kampfe stets bewährt hat, nichts anders astet werden konnte. Die Sprachfreiheit wird in Elsaß-Lothringen von Reichs wegen unterdrückt; darin liegt eine jähe Störung der versöhnlichen Politik, die sich dort allmählich geltend gemacht hat. Ich danke dem Staatssekretär für seine Erklärung, aber rechtsverbindliche Kraft hat sic doch nicht und wenn auch, das würde mich nicht abhalten, gegen den § 7 zu stimnicn. (Beifall bei den Polen und im Zentrum.) Mir ist hier ein Brief zugegangen von der Redaktion des „Generalanzeigers des Judentum Der Redner verliest ihn. Es wird darin 'die Befürchtung ausgesprochen, daß die liberalen Parteien auch den Juden gegenüber das Prinzip der Gleichberechtigung nur nach gewissen Prozenten zuteil lassen werden. (Hörti hört! im Zentrum.) Diesen Brief übermittele ich der liberalen Fraktions- gemeinschaft. Sie möge hierauf feierlich die zutreffende Antwort geben. (Beifall im Zentrum.) Ihnen ist es beschieden; dem deutschen Volte die Kette des § 7 anzulegen, wohlan und viel Glück dazu! (Beifall im Zentrum.)
Abg. Graes-Weimar ^(wirtsch. Vgg.^:
<ivir betrachten es als selbstverständlich, daß in Deutschland -^öffentlichen Versammlungen deutsch gesprochen werden mutz.
deshalb mit tiefster Beschämung festzustellen, daß im Teut- . r oiriaWan über diese Frage überhaupt noch cm so lebhafter
•i stattfinden können. (Mnfall rechts und Ohol-Rufe bei Polen.) Sie haben natürlich kein Verständnis für deutsche nart Dem Deutschtum im Auslande ist mit diesem Streit
1 Icin' Dienst geleistet worden. ES handelt sieh hier um eine sterbattungsfrage des Staates gegenüber der großpolnischen L und in Selbsterhaltungsfragen geht Macht vor Rech t. ' h'ftes Hört! hört! beim Gegenblock.) Wir befinden unS in ! Notwehr (Lachen bei den Polen, im Zentrum und den Soz.), ; wir wären politische Kinder, wenn wir uns nicht zur Wehr .. tpürhen Tas Naturrecht auf die Muttersprache ist ein ,-r Ladenhüter des Zentrums. (Gelächter im r -um.) Tie Öffentlichkeit hat ein Recht darauf, zu wissen, . Zu öffentlichen Versammlungen verhandelt wird, und um das tiwn, muß die deutsche Sprache vorgeschriebeu werden.. Der . Radzilvill hat einen Appell an das Christcn °
■‘.E gerichtet. Die christliche Lehre enthält auch den Satz: Liebe ■rcn Nächsten wie Dich selbst. (Gelächter bei den Soz.) Die ■xi schlagen aber mit ihrem Fanatismus der christlichen Lehre v- ins Gesicht. Das Kompromiß befriedigt uns nur kehr V\ Vor allem haben wir große Bedenken gegen die völlige -assung der Wahlversammlungen. Wir stimmen aber dem i-'romiß zu, um dem Block treu zu bleiben. Die Vertreter der ■ .'st Iieb; nationalen Arbeiter befürchten, L,cy sj«.
hen ü 7 Schwierigkeiten haben werden, sich mit ihren aus, .vschcn Arbeitsgenossen ivegen der Lohiibedingungen in Vcrbin- -q ,u setzen. Vielleicht kann die deutsche Arbeiterbewegung von । s 7 ausgeschlosseii werden. (Hört! hört! bei den Soz.) Wir rartcn von dem § 7 eine erhebliche Stärkung des Deutschtt'MZ ■ -:n Ostmarken. (Lebh. Beifall.)
Abg. Dr. Gregoire (Els.):
^cr Kompromißantrag zu § 7 bedeutet eine Verschlechterung Mheriqen Rechtszustandes in Elsaß-Lothringen. Trotz- r sind wir weit davon entfernt, dem Zustandekommen dieses sstzhes Schwierigkeiten zu bereiten. (Lebhafter Beifall beim Scdunb Hört, hört! im Zentrum.) Denn dieses Gesetz — ba5 ''einen wir gern cn — bringt manchen Fortschritt gegenüber ft jetzigen Zustande. Wir hoffen auch, daß Elsaß-Lothringen riet die in dem Paragraphen bewilligten Ausnahmen gestellt rtb so daß wir die jetzige Sprachfreiheit beibehalten können.
-all.)
Staatssekretär v. BetlMann-Hvllweg:
Abg. Delsor (Zentrumselsässcr):
Wir sind im Gegensatz zum Abg. Gregoire Gegner des § 7 und des Gesetzes. Wir fallen auf schone Worte nickt herein. Man will unser Haus retten, wenn wir das Haus der Polen an- zündcn. (Lebh. Zustimmung beim Zentr. u. b. d. Polen.) Es gibt Grundsätze, die kein Ehrenmann aufgeben darf. Wer solche Grundsätze verschachert, ist kein Ehrenmann mehr. (Lebh. ^.eifall beim Gegenblock.)
Mg. Dr. Müller-Meiningen (freis. Vp.):
verliest unter fortgesetzten Hört! hörtl-Rufen des Zentrums noch einmal die von Legieii verlesene Rede des Mg. Müller-Hof aus dem bayerischen Landtage. Natürlich kamen aus der Mitte kräftige Hört! hörtl-Rufe (Zentrumschor: Hört! hört!), wie das ja immer Ihre Eigenschaftist, wenn irgend etwas gegen mich gesagt wird. (Zentrumschor: Hört! hört!) Die Hört! hört! aus der Mitte steigerten sich dmin zum wilden Huh I (Ben. trumsckor: Hört! hört! Huhu!) In wilde Begeisterung ger.eten Sie bei der schönen Rede, die ich im bayerischen Abgeordneten hau sc gehalten habe. (Zentrums, chor: Hört! hört!) Sie hat nur den einen Fehler,, daß n t e m a I s von mir auch nur ein Wort davon gesprochen worden ist. (Stürmisches Hört! hört! beim Block.) Herr Leglen ist ehrlich genug, da-s zuzugestehen, er hätte es sofort unterm Ausdruck des Bedauerns zurückgenommen, wenn er jetzt zum Worte gekommen wäre. Nicht gegen Legten erhebe ich den^Vorwurf, daß in einer derartigen Weise wieder gegen mich Stimmung gemacht wird, nein, gegen den namenlosen Leichtsinn, mit dem Sie auf eine derartige Sache hineingefallen sind. (Zentrmns- chor: Hört! hört!, höhnisches Gelächter der Soz. Dr. Muller- Meiningen wendet sich zu diesen.) Freilich, auch meine neuesten Freunde hier: Der Fanatismus, die Leidenichaftlickkeit gegen den politischen Gegner! (Zentrumschor: Hort! yortl) Die Rede deZ Abg Müllcr-Hor aus dem bayerischen Landtage ist nämlich e i n A r t i k e l i n der „Frankfurter Zeitun g , unter sck rieben Profesfor Quidde. (Sturmnches Hört! hört! beim Block.) Das ist eine bodenlose Ge. m c i n h c i t.
Präsident Graf Stolberg:
Ich nehme an, daß Sie nicht einen der Herren Abgeovdneten meinen. (Schallende .Heiterkeit. Das Haus mitsamt dem Präsidenten schütteln sich vor Lachen.)
Abg. Dr. Müller-Meiningen (freis. Vpt.)
Wg. BrejSki (Pole)'k
Auf sozialem Gebiete bestehen zwischen dem Fürsten Radzi- will und dem Abg. Korfanty keine Gegensätze. Sie sind beide fortgeschrittener als die Herren vom Block. (Gelächter.) Wie soll es bei uns werden, wenn eine Epidemie ausbricht? Wie sollen die Leute belehrt werden? Die Bazillen kümmern sich nicht um den § 7. Selbst die Littauer und Masuren, die so viele Freunde hier haben, sind beunruhigt. Das geht ans einer Petition hervor, die der Abg. Schwabach hier eingereickt hat. Bedauerlich ist es, daß die schönen Reden Trägers, Müller-Meiningens, PayerS aus der Kommission nicht stenographisch festgelegt sind, denn sie schlagen ihrem jetzigen Verhalten inS Gesicht.
Abg. Hue (Soz.):
Hefen Sie, Herr Müller-Meiningen, was die „Deutsche Post", das Organ der Hirsch-Dunckerschen in Rheinland und Westfalen, über Sie und den § 7 schreibt. (Zurufe aus dem Zentrum: Vorlesen!) Nein, ich will die Gesundheit des verehrten Kollegen Müller-Meiningen nicht schädigen. (Heiterkeit.) Ich will ihn nicht aufregen. In meinem Wahlkreis Bochum hat der frei« sinnige Verein vor einigen Tagen ausdrücklick die freisinnige Partei aufgeforbert, gegen § 7 zu stimmen, weil diese Ausnahme- bestimmung in unserem Jndustriebezirk die Gewerkschaftsbewegung zum Stillstand bringen würde. Gelten die fret- sinnigen Wähler draußen im Lande gar nichts mehr für Sie? Eine solche Autokratie der Gewählten steht nicht im Einklang mit dem allgemeinen gleichen Wahlrecht. Dieser Paragraph trifft nicht die O st marken, sondern die Westmarken. Ich wiederhole die Frage Legiens: Herr Staatssekretär, ist es richtig, das; vor einigen Monaten der Reichskanzler der Deputation des christlich-so- zialen Arbeitervereins e r k l ä r t h a t, § 7 s e i nicht v o n d e r Regierung gewünscht, sondern von den rheinisch- westfälischen Großindustriellen, er sei nicht auf Veranlassung der Regierung, sondern auf Veranlassung der nationalen, insbesondere der nationalliberalen Partei aufgenom- men worden? Herr Behrens und Herr Nieseberg, Mitglieder der Deputation, sind hier. Ich warte die Antwort des Staatssekretärs ab und bebalte mir vor, nachher — es v>rd ja noch Gelegenheit sein — nötigenfalls mit Aktenstücken herauszn- k o m m e n. I ch behaupte positiv, § 7 i ft bestellt v o m Zentralverband deut sch er Industrie Iler und die Freisinnigen sind über die Entstehungsursache falsch unterrichtet worden. Der Redner wendet sich an die Freisinnigen. Sie haben sich in der preußischen Volksvertretung wirklich volksfreundlich verhalten. Da-s ist Ihnen von allen freiheitlich Denkenden hoch angerechnet worden. Hier haben Sie Gelegenheit, das, warm Landtage von Konservativen und den Nationalliberalen durchgesetzt ist, im Reichstage zu Falle zu bringen. Dieser Paragraph "ist nichts anderes als die Fortsetzung der preußischen P o l e n p o I i t i k. (Stürmischer Beifall im Zentrum und bei den Polen.) Gerade in den allergefährlichsten. Situationen, wo lüir bei uns im Ruhrgebiet mit Anspannung aller Kräfte die aus allen Weltteilen zusammengewürfelten Massen in Ruhe und Ordnung zu halten versuchen, wird uns geradezu die Möglichkeit genommen, in diesem Sinne zu Ivirfcn. Ich sage e5 den Freunden des § 7 ins Gesicht: Bisher haben Sie nur in den Ostmarken Unfrieden gebracht; nehmen Sie den § 7 an, dann erregen Sie die Leidenschaften in unserem Industrie- a e b i e t. Die gesamte Bürgerschaft im Ruhrgebiet fordert die Ablehnung dieses Paragraphen wegen der wirtschaftlichen Folgen. § 7 ist weiter nichts als eine Verbeugung d e r Regierung vor den S v n d i k a t s h e r r e n , von denen Sie sich haben verhöhnen, die Hibernia-Afsäre art den Hals hängen, w i e Schuljunge ns haben behandeln lassen. Naumann hat int vorigen Jahre eine wunderschöne Rede über die schwere Industrie gehalten. Wollen Sie das in die Prayis umsetzen, Herr Naumann, dann legen Sie unS nicht die Fesseln des § 7 an. (Hört! hört!) Wer für den § 7 stimmt, stimmt gegen die Ge. Werkschafts-, gegen die Arbeiterbewegung, knüttelt uns,nieder zu. gunsten der Syndikatsherren. (Stürmischer Beifall bei den Par, teien des Gegenblocks, Zischen.)
Staatssekretär v. Bethmann-Hollweg verliest folgende Erklärung: Die angebliche Aeußernng des Reichs. kanzlerS ist schon früher durch die Blätter gegangen und infolge, dessen am 13. Dezember in der „N orddcutschen Allge. meinen Zeitun g" ausdrücklich dementiert worden. Ein gleiches Tementi ist von dem Teilnehmer an der Deputation Ve'hrtznS unter Zustimmung aller Teilnehmer durch die Presse gegangen. (Hört! hört!) Er erklärt die Behauptung weder dem Wortlaut noch dem Sinne nach für richtig. I ch selber bin der Verfasser des Entwurfs, habe daran mit. gearbeitet. Ich habe aus den Gründen, die ich in Mer Ehrlichkeit und Offenheit angegeben habe, die Notzvendigkeit erkannt,, den Sprachenparagraphen zu regeln. Tas wiederhole ich. (Beifall.) Wünscht Herr Hue durchaus ein Dementi der Behauptung 'wn der bestellten Arbeit, so gebe ich es ihm: e s i st eine Fabel. (Leb, Hafter Beifall.)
Mg. Korsant» (Pole):
Ich erkläre, daß der Reichskanzler an die Arbeiterdeputatton die Worte gerichtet hat, es sei nicht die Msicht der Regierung gewesen, diesen § 7 in den Gesetzentwurf aufzunehmeii. Dieser § 7 sei auf Wunsch der sogenannten nationalen Parteien, insbesondere der nattonalliberalen Partei in den Gesetzentwurf auf. genommen worden. Das sage ich, ein'Teilnehmer der Deputation. (Stürmisches Hört! hört! beim Gegenblock. Der Staatssekretär sollte den Mut haben, das, was er aus dem Munde, des Reichskanzlers gehört hat, hier öffentlich zu bestätigen, (etür. mische Kundgebungen beim Gegenblock.) . .
Nunmehr wird nach 8 stündiger Sitzung ein Schlutzantrag zu § 7 vom Block gestellt und angenommen.
In einer persönlichen Bemerfttng erklärt
Graf Oppersdorfs (Zeiitt.):
Es ist im Verlauf der Debatte gesagt worden, Dr. Spahn habe eigentlich gegen seinen Parteigenossen Grafen Oppersdorff polemisiert, der in der Kommission eine bezügliche Aeußerung getan habe. Ich habe mich damals auf eine Aeußerung des Grafen Mirbach aus dem Herrenhause berufen. Der berief sich .ruf den früheren Kultusminister Goßler, der auf Napoleon III., und der hatte die Gewohnheit, sich auf Napoleon I. zu berufen. (Große Heiterkeit.) Ich Durfte erwarten, daß ich durch die lange Reihe erlauchter Namen vor der Polemik meines verehrten Fraktionsgenossen gesichert sei. (Heiterkeit.)
Es wird abgestimmt. Es beharr einer längeren Geschäft«, ordnungsdebatte, um die Reihenfolge der Mstimmnngen festzu-
Sie werden c5 begreifen, wenn ich nicht in eine eingehende « Icntil in diesem Augenblick eintrete. (Zuruf bei den Sozial- t.traten: Lauter!) Ich spreche, glaube ich, noch etwas beut« her als der Aba. Seine neulich. (Lebhafte Zustimmung beim hl) Ich habe bei der ersten Lesung Dargelegt, daß hier bei dem j.urf dem Charakter des Deutschen Reiches als eines Na- :na!staates Rechnung getragen werden müsse. Ich habe weiter ‘■:aiif bingetorefen, daß diese Verpflichtung um so ernster ist, je V. öfter einzelne fremdsprachige Bevölkerungsteile des Deutschen Lies feinen nationalen Charakter bestreiten und die eigene •:ntbe Nationalität in den Vordergrund stellen und nur das, was ;r,atfi übrig bleibt, gezwungen und widerwillig dem Deutschtum ui Opfer bringen. Meine Herren! Umgekehrt ist das Ver- >niis. Das Deutsche geht voran, und das Fremde t s i ch i h m a n z n p a s s e n und e i n z u f ü g e n. (Lebhafter ; ir'üE beim Block.) Die Kommission hat einen anderen Weg für
Fassung des § 7 gewählt, als es der Entwurf getan hat. Sie neben die Landeszenttalbebörde, welcher der Entwurf allein Bewilligung von Ausnahmen zuteilen wollte, die Landesgesetz- ring geilent. Die Notwendigkeit der Bewilligung von Aus- tirnen ist in der jetzigen Fassung schärfer betont. Die Aus- r6iT.cn sind für die Teile mit überwiegend ftemdsprachiger alt- besessener Bevölkerung auf einen Zeitraum von zwanzig ' inen bestimmt worden. Diese Seite der Sache ist von den s.zicrn des § 7 auch heute beiseite gelassen luorDen._ Schon in 1 erst en Lesung habe ich ausdrücklich anerkannt, oaß Dispense : erteilt werden können und müssen, wo der Gebrauch des ; inten Idioms nicht zu dem ausdrücklichen Zwecke stattfindet, i: Ibkehr vom deutschen Vaterlande oder deutschfeindliche Be- feßungen zu fördern.
Sun bin ich heute sowohl von dem Abg. von Putlitz, Ivie auch dem Abg. Sieber befragt worden, wie es mit denjenigen '!n)sprach:gen Bevölkerungsteilen gehalten werden soll, bei denen Ab Voraussetzung nickst zutrifft. Ich nehme keinen Anstand, zu Aaren, daß die Landesregierungen, in deren Gebiet diese Ve- d!«rcungsteile vorhanden sind, entschlossen sind, ihrerseits, sei ' i Wege der Landesgefetzaebung, sei es durch eigene Anord- '-n das Nötige zu veranlasseii, um dem vorgebrachten Wunsche entsprechen, daß jede Störung der Sitten und Ge- l'äudj e (0 Haler Bevölkerungsteile vermieden li.ib. (Lebhafter Beifall.)
Zum Schluß eine Antwort auf die Anfrage deS Herrn 4bg. ‘■tioirc. Ec hat seinerseits selbst darauf hingewiesen, daß im tiÄSauSschuß in Straßburg seitens der Landesverwaltting die *toruiig abgegeben worden ist, daß, „falls der § 7 des Gesetzes r-Ptc Fassung der Kommission zur Annahme gelangen sollte,, die ptcSbcrtoalhmg von Elsaß-Lothringen durch den Erlaß eines Irr>sgcsetzes den bisherigen RechtSzustand hinsichtlich des Ge- . -‘UÜc5 dec französischen Sprache in Verhandlungen aufrecht er- lUi kii will." Herr Gregoire hat Zweifel geäußert, ob selbst, Ivenn
Landesgefehgebuiig von Elsaß-Lothringen die? zu tun beab- Ivtchte, sie mit ihren Absichten durchdringen werde. Soweit bei W- Gesetzgebung für Elsaß-Lothringen die Reichsregie- ;r$ beteiligt ist, kann ich erklären, daß sie diesem Vorhaben der . tsuerivaltung von Elsaß-Lothringen nichts in den Weg
(Beifall.)
| Ich hoffe, daß diese kurzen Ausführungen dazu beitragen, e de 1, tnng des § 7 nach verschiedenen Richtungen hin richtige Licht ;u setzen, und damit dazu helfen werden, daß tiefem Paragraphen das ganze Gesetz zur Verabschiedung itagt. (Lebhafter Beifall beim Block, Zischen beim Gegenblock.) ; ^'chsischcr Vundesbevollmächtigter Graf Vitzthum v. Eckstädt:
Mit Rücksicht auf die Erklärung des Staatssekretärs habe ich --«.-klären, daß die sächsische Regierung beab- ' 9t i g t, von den Be'"gn:sftn Gebrauch zu mackxn, die ihr
8 7 zustehen und Ausnahmebestimmungen zu "l-rssen.
Abg. Vonderscheer (ZcntrumS-Elsässer):
Tic Ausführungen deS Abg. Sieber beweisen, daß die Ent- ^»ßungcn in bezug auf den 7 getragen sind zum Teil von , ä s s i g k c i t, L e i d e 11 s ch a f t l i ch k e i l, Partei- iBeifall und Unruhe.) Herr v. Payer bat um Ent- J-Öigung für die Annahme deS § 7, qui s excuse, saccuse! 'k 'all und Gelächter.) Tie liberale Partei ist ge- t c t vor der Geschichte. (Stürmischer Beifall und ^Icndes Gelächter.) Und nun zu meinem Bundesgenoßen 'kkloire. Seine Resolution ist nach den Auslassungen des *®<t§|eIrctärS bei der ersten Lesung und den Erklärungen icv ^staatssekretärS im BundeSausschusse aus der vorigen Woche 'standsloS. Wir wissen ja, daß cS beabsichtigr sei, nach dem ^stttreten dieses Vereinsgesetzes ein spezielles Landesgeich
MS einzuführen, das den alten Reckstszustand wieder her- j" Was mir aber in der Tiefe meines Herzens tve.; getan ^und besonders wegen der Herren de Wendel und Labroise, das .'-ch cr dic Zustimmung der Lothringer, zum ch ankündigte. Ich stehe zum Gesetz ganz anders, für niich A»und fällt es mit § 7. (Beifall beim Zentrum.) Zwisck)ei ; 5 Mid meinen Parteifreunden besieht rückhaltslose Toliearstat fall un Zentrum), lvas ja auch bei der Hilfsbereitschaft, die
Dieser geradezu fanatische Haß, der in diesen Reihen gegen uns immer 511111 Ausdruck gelangt, es ist das nur dic Folge emer
Wochen fortgesetzten geradezu wahnwitzigen Preßhetze. (Zentrumschor: Hört! Hört!) Wie hat diese feine Presse gegen uns gearbeitet, sie hat uns beschimpft, bei ch e Orgien de s Fanatismus! (Zenttumschor: Hort! Hort!) Soll man sich da wundern (Zentrum: Nein,, bitte nickst wundern.), daß eine derartige skrupellose Kampfesweise hier platzgreist nach der Art, wie in der letzten Zeit gegen mcinePerion <Zen- trnmschor: Hört, hört!) gearbeitet ist. Der „Vorwärts' Michi von der Korruption des Freisinns (Zentrumschor. Hört, hört! Lebhafte Zustimmung der Sozialdemokraten), Dann von politischer Schurkerei (Hört, hört! Lebhafter Beifall der Sozialdemokraten), von A u s g e h al t e n e n uc r Börse (Zentrinnschor: Hort, hört! Stadthagen ruft: Sehr wahr!) und politischem Gesindel. (Zentrumschor: Hort, hört!) Nun kommt die schönste Stelle. (Zenttumschor: Hör., hört! Präsident Graf Stolberg: Ich bitte um Ruhe! Minutenlange Heiterkeit.) Skrupellos vom Kopf bis zu den Füßen, ist er fast zu verächtlich, um noch ein Gegenstand des Hasses sein zu konnem (Große Heiterkeit beim Zentrum.) — E i n e f e i n e P r e ;) e — (Zuruf vom Zentrum: Die „Frankfurter Zeitung I) — Nein, die „Frankfurter Zeitung" ist nie imstande, eine derartige Gemeinheit zu schreiben. Wenn man all diese Schmutzerei aus meine Person liest, dann muß man ja abgebrüht werden. (Zuruf ans dem Zentrum: Sind Sie ja!) Vorher ertönte von Ihnen der Zuruf: „Die B ö r s e n g c s e I l s ch a f t!" Das bedeutet eine infame Verlemdung unserer Partei. (Zenttumschor: Hört, hört! Zurufe aus, dem Zentrum: Qui s’cxcusc, s’accusc 1 Große Unruhe, Pfui-Rufe liiitv.) Eine solche Infamie, anders kann man es nickst nennen.
Dr. Müller-Meiningen verliest weiter aus sozialdemokratiichen Blättern: „Ter Reichskanzler werde nötigenfalls der Welt erzählen, wie der Fr ei sinn Regierun g s p ar t c i Id u r b c." Ich kann cs Ihnen sagen, wie der ^reipnn Regierungspartei wurde: es war am 13. Dezember, als die Damaligen Mehrheitsparteien ihre Pflicht und Schuldigkeit nicht getan haben. (Tosendes Zentrumsgeheul.) Diese Frivolität, mit der derartige Vorwürfe gegen uns vorgebracht lvaren, ist ja auch ein Zeichen von der nicht von der kleinsten Sachkenntnis berührten Art, nut der gestern Tr. Sckädler von den bayerischen Reckstsverhaltnißeii sprach. Ich habe Dtitleid mit dem bayerischen Gesandten gehabt (große Heiterkeit), und Die Rüge, die Dr. Sckädler ihm ertei.te, war mir als Bayer ganz selbstverständlich! Wie konnte auch icr Gesandte hierher gehen und diese ichmahliche Block- fr u ch t noch loben! (Abg. Singer (Soz.) brummt: TaS ist doch auch wunderbar! Schallende Heiterkeit.) Die Sozialdemokra.ie war in der Kommission viel polnischer als die Polen jelb|t.


