Aus Stabt und Land.
Gieren, 9. November 1908.
"Vom Gros; herzoglichen Hofe. Zur gestrigen FrühstückStasel im Neuen PalaiS war am Samstag, wie die „Darinst. Ztg.* meldet, der Landgraf Alexander Friedrich von Hessen geladen. Im Gefolge befinden sich Hofmarschall v. Strahl und Oberstleutnant v. Strubberg. — Prinz Waldemar von Preußen traf am SamStag nachmittag zum Besuch im Neuen Palais ein.
"Unser Erbgroßherzog wurde gestern 2 Jahre alt. Zur Feier seines Geburtstages fand eine größere Familientafel im Neuen Palais statt.
" Pfa rrv e rs o n a l i c n. Se. Kgl. Hol), der Großherzog haben dem Pfarrverwalter Will). Schwalm zu Burg-Gemünden die cvangel. Pfarrstelle daselbst übertragen.
" Lehrerpersonalien. Überträgen wurde dem Lehrer Gg. Kn ab zu Gau-Weinheim eine Lehrerstclle an der Geineindeschule zu 9!eu»Isenburg. In den Ruhestand versetzt wurde die Lehrerin an der Volksschule zu Offenbach Kath. Stauch unter Anerkennung ihrer treuen Dienste.
" Den Doktorhut der philosophischen Fakultät an der Universität Basel hat sich Herr F. Krümmel dein erworben, dec früher Oberleutnant beim 5. hessischen Infanterie-Regiment gewesen war.
** Kirchliche T i c n st na chri ch t e n. Ernannt tourten Pfarrassistent Sattler zu Wackernheim rum Pfarrverwalter in Staden: Pfarrvikar Mayer zu Münzenbcra zum Assistenten der Pforrci Nicder-Jngelhcim (mit dem Wohnsitz in Wackernheim) ; Pfarrvikar Haustein zu Pfungstadt zum Pfarrassiltenten in Gießen: Pfarrassistcnt Ruhl zu Wöllstein zum Pfarrvermalter daselbst: PfcrrramMandidat N a u m a n n zu Grvßen-Buseck zum Pfarrvikar in Dolgesheim; Pfarrverwalter Marguth zu Steinbach zum Pfarrassistenten für Griesheim und Arhcilgen mit dem Wohnsitz in Griesheim); Pfarrvikar Korell zu Neckar- Steinach zum Pfarrverwalter Daselbst; Pfarrvikar Hofmann, zuletzt in Büdingen, zum Pfarrvikar in Wingershausen; Pfarrvikar Schellmann zu Ober-Ingelheim zum Pfarrvikar, in Appenheim; Pfarrverwalter Döring zu Wallenrod zum Pfarrvikar in Obev-Hngelheim. Gestorben sind Pfarrer Ludw. Karl Fabricius in Wöllstein, am 28. Sept.; Pfarramtskandidat Herrn. Röder, zuletzt Pfai-rverivalter zu Wolfsheim, in Marburg a. d. Lahn am 2>3. Oft. Zur Wiederbesetzung wird ausgeschrieben die erste evangelische Pfarrstelle zu Beerfelden, dem Grasen zu Erbach-Fürstenau steht das Präsentationsrecht zu.
•* P o st - P e r s o n a l n a chr i ch t e n. Verliehen: Ter javanische Perdienstorden der Auigehenden Sonne fünfter Klasse lind das Lifizierkreuz des serblschen St. Cavaordens dem Ober- Postinspeklor M ü 11 e r in Darmstadt. Bestanden: bie Post- assistentenprüiung: die Postgehilfen Emme lins in Büdingen, Gerhard und Tönges in Gießen. Angenommen: als Telegraphengehilsinnen Erna Heyer und Lydia Nuppel in Friedberg; als Poslagent Gärtner Leonhard in Niedererlenbach. Gestorb en Postagent Ullman n in Niedererlenbach.
" Im Kriegeroerein sprach am Mittivoch abend oor einer sehr zahlreichen Zlihörcrschaft, unter der sich auch viele Damen befanden, Oberlehrer Prof. Ko ob über: .Eine Stunde in der Gräberstadt Pompeji." Zuerst gab der Vortragende einen kurzen Ueberblick über den Untergang dieser Stadt und wies darauf hin, daß Pompeji lediglich durch den Sand-, Stein- und Aschenregen und dnrch den bei einem vulkanischen Gewitter entstehenden Schlamm verschüttet worden sei. Keine Spur zeige von einer Zerstörung durch Lava. Dartlm stehe auch noch fast sämtliches Mauerwerk. Nur die Dächer seien eingedrückt, die hölzernen Türen und Treppen von der Glitt der Asche oder der Feuchtigkeit des Bodens zerstört worden. Ta die Bewohner bei dem gewaltigen Ausbruche des Vesuv gerade im Theater gewesen seien, sei nur eine geringe Anzahl von ihnen umgckonuuen. Durch Sorgfalt beim Allsgraben sei eS gelungen, durch Ausgießung mit Gyps eine Wiedergabe de§ ursprünglichen menschlichen Körpers zu liefern. Atif den vorgeführten Lichtbildern waren die letzte Stellllng und Bewegung der Unglück- lichen Opfer recht gut zu erkennen. Auch gewann man autz den verschiedenen anderen Bildern einen vollständigen Einblick in das Leben und Treiben der Pompejancr. Besonders fielen die engen Straßen mit dem hohen Trottoir auf, ebenso die Bauart der Häuser, die dem dortigen Kluna angepaßt ist. Man erblickte die Malereien, womit die Wände geschmückt waren, und lernte aus einem vorgeführten Grundriß die einzelnen Räume des pomp.janischen Hauses kennen. Allch die Einrichtung der Kaufläden erweckte großes Interesse. Man sah noch die großen Amphoren stehen, die emst mit Korn und allerlei Hülsenfrüchten gefüllt waren. Ein anderes Bild machte uns mit dec Einrichtung einer Badeanstalt bekannt. In der Nähe des Hauptforums mit dem Tempel des Zeus, von dem freilich nur noch die Ruinen stehen, gewahrte man das große Theater. Sehr gut erhalten ist auch das Amphitheater, an dessen Wänden noch die Ankündigungen der Gladiatorenkämpsc zu lesen sind. So entrollte sich vor unseren Augen ein hochinteressanter Abschnitt des römischen Kulturlebens. — Der lebhafte Beifall, der dem Vortrage folgte, bewies, wie sehr es der Vortragende verstanden hatte, das Interesse seiner Zuhörer zu erwecken. Allgemein wurde der Wunsch laut, bald wieder einmal einen solchen Vortrag zu hören. Prof. Koob erklärte sich gern dazu bereit.
" Der letzte .Andreswirt", Herr Wilhelm Kalt- wasser, hat kürzlich das Hotel-Restaurant WeberSberg bei Weilburg übernommen. Dieser Tage besuchte ihn die hiesige Burschenschaft .Frankonia", wobei es recht lustig und gemütlich in dem schöngelegenen Etablissement zuging.
" Die Maul- und Klauenseuche ist aus- gebrochen im Dominium Grombowko, Kreis Mogilno (Regierungsbezirk Bromberg).
|| Vilbel, 8. Nov. Tie von unserer Stadtvertretung beschlossene Einführung der Wertzuwachssteuer hat die kreisamtliche Genehmigung erhalten und tritt am 15. d. Mts. in Kraft. Bei unbebauten Grundstücken beginnt die Steuer bei einer Wertsteigerung von 10 bis 15 Proz. mit 4 Proz. Steuer, sie steigt in Skalen von 5 Proz. Wertsteigerung um je 1 Proz., um mit 30 Proz. Steuer btt 140 Proz. und mehr ihren höchsten Satz zu erreichen. Bei bebauten Grundstücken beträgt die Steuer die Hälfte.
---- WormL, 7. Nov. Bei der gestrigen Wahl zur Handelskammer wurden gewählt: Rentner Wilh. Kölsch mit 245, Direktor Josef. Braun mit 237, Fabrikherr Frei- Herr Heyl zu Herrnsheim mit 233, Fabrikherr Fritz Dörr mit 232, Brauereidireklor Ludw. Lerlge mit 229, Kau'inann Hcmr. Rud. Hüttenbach mit 226, Direktor Heinr. Aug. Becker mit 215, Kaufmann Adam Laubenheimer mit 208, Kaufmann ^udw. Lohnstein mit 207, Kaufmann Wilh. Rauch mit 160, Kommerzienrat M. Baruch mit 150, Fruchthändler Ludw.
Guggenheim mit 126 Stimmen. Von 430 Wahlberechtigten stimmten 255 ab. Im Bezirk Osthofen wurde Malz- fabrikant Karl Schill gewählt. — Dem Gesangverein Harmonie — einem der ersten Vereine unserer Stadt der nächstes Jahr einen großen internationalen Gesangs- Wettsireit veranstaltet, wurde vom Kaiser ein Ehrenpreis gestiftet. Es ist unseres Wissens das erstemal, daß ein solcher Preis an einen außerpreußischen Verein verliehen rourbe. Für viele Vereine dürfte dies ein Ansporn fein, sich an dem Feste zu beteiligen, zumal der festgebende Verein keine Mühe scheut, das Fest würdig zu gestalten.
(:) Kinzenbach, 6. Nov. Die Beteiligung bei der Gemeind er atswa hl war eine rege wie noch nie zuvor. Von den 65 Wählern der 3. Klasse machten 51, mithin 60 Prozent von ihrem Wahlrecht Gebrauch. Dabei ging Landwirt Hch. Schäfer mit 34 Stimmen als Sieger hervor. Trotz ihrer rührigen Tätigkeit brachten die Sozialdemokraten nur 17 Stimmen auf. In der 2. Klasse wurde Landwirt Jak. Mandler mit 15 Stimmen gewählt und in der ersten Klasse einigte man sich einstimmig auf Landwirt Gg. Mandler. Es scheiden aus der Gemeinde-Vertretung aus: Ludwig Mandler, Karl Bepler und Philipp Schäfer, die sämtlich eine Wiederwahl oblehnten.
s. Hohensolms, 6. Nov. Ein großer Teil bet männlichen Bewohner unseres Dorfes sucht alljährlich auswärts, zimi Teil in weit entfernten Gegenden Rheinlands und West» salens Arbeit. Die gegenwärtige gedrückte Lage auf dem gesamten Arbeitsmarkte bringt es wohl mit sich, daß diesmal früher als sonst die Arbeiter gezwungen sind, an den häuslichen Herd zurückzukehren. Sonst kamen sie meist erst m den Tagen vor Weihnachten zurück, um im zeitigen Frühjahr wieder auSzuwandern. In den Waldungen siichen nämlich viele dann als Holzhauer während der Wintermonate ein Unterkommen.
Gießener Strafkammer.
Gießen, 6. Nov.
Zado, der falsche Zigcunerhauptmanu.
Im letzten Frühjahr erhielt die Witwe K. in Ober-Seibertenrod einen mit ZigLunerhauptmann Zado unterschriebenen Brief, in dem sie unter Bezugnahme auf ihren „fürchterlichen" Reichtum aufgefordert wurde, 500 Mark zu einer bestimmten Zeit an der Friedhofsmauer niederzulegen: im Weigerungsfälle, oder falls sie jemanden von der Sache Mitteilung mache, werte sie sofort erschossen. Eine umfangreiche Untersuchung, bei der man einen Verwandten der Frau im Verdacht hatte, verlief ergebnislos. Bald daraus bekam die Frau einen weiteren Brief, in welchem „Zado" 600 Mark verlangte: er schwur: so wahr fein Name Zado und er Zigeunerhanptmann sei, könne jetzt keine Gnade mehr walten. Mit Hilfe seiner vier Gesellen seien bereits 600 Meter Zündschnur: gelegt und bald werte ter „rote Hahn" auf dem Dache krähen: ein Pfiff genügt und das Feuer brennt. Sie, samt ihrem Kinde sei dem Tod geweiht, da Zado mit feinen Spießgesellen schon manchen Gendarmen erschossen und vielen anderen das Licht ausgeblasen hätte. Infolge dieser Briefe, war die ganze Ortschaft in Aufruhr; die Witwe schlief nicht mehr und getraute sich nicht mehr allein auszugehen. Tie Vergleichung ter Handschrift machte den 19 jährigen Knecht W. F. aus Bo ben hausen II, der in Obev-Seibertenrod bedienstet war, verdächtig, der nach anfänglichem Leugnen auch ein Geständnis ablctLe. Im Lause der Untersuchung stellte sich weiter heraus, daß F. an sich selber einen Brief geschrieben hatte, in Dem er von einem Jugendfreund gebeten wurde, ihm doch 250 Mk. zu leihen, da er einen Betrag in dieser Höbe verloren habe und fein Vater davon nichts wissen dürfe. Mit diesem Bries, in dem noch herzzerreißend geklagt wurde, begab sich F. zu dem Landwirt B., der mit der Famiue des angeblichen Jugendfreundes bekamst war, und sie einigten sich dahin, daß ihm B. 150 Mk. gab, den Rest wollte F. dazu legen und das Geld dem Freund abliefern. Das auf diese Weise erhaltene Geld benutzte F. zur Zahlung von Schulden, die er durch seine leichtsinnige Lebensweise gemacht hatte. Nach seinen Angaben ist er durch das Lesen von Romanen zu ter Tat verfuhrt worden. Die Unter- luchungsbehörte nahm Veranlassung, den Angeklagten auf seinen Geisteszustand untersuchen zu lassen. Der Sachverständige sand ihn geistig und körperlich gesund und es bestand für ihn keinen Zweifel, daß die Angaben des Angeklagten, nach denen die Straftaten auf das Lesen von Schauco- und Schundliteratur zurückzuführen sind, richtig sind. Für die zwei Erpressungsversuche wurden je 6 und für den Betrug 4 Monate Gefängnis angesetzt und diese Strafen auf 1 Jahr reduziert. Das Geständnis berücksichtigend, erfolgte die Anrechnung eines Monats Untersuchungshaft.
Freigesprochen.
Ter 14jährige K. D. von ^rieooera war geständig, mittels Einsteigens einem Milchhündler 3 Mark entwendet zu Haden. Tas Geld hat er durch seinen Bruder wieder in die Wohnung tes B-cstohlenen bringen lassen, wo es am folgenden Tage in einem Schrank gefunden wurde. Trotzdem der Angeklagte auf Grund eines früheren Gutachtens für seine Tat verantwortlich gemacht werden sollte, konnte das Gericht mit Rücksicht auf den unentwickelten Eindruck, den der Junge machte, und die Tatsack)e, daß er schon einmal an einer Gehirneutzünonng erkrankt war, nicht zu der Ueberzeugung gelangen, daß er die zur Erkenntnis Der Strasoarkeit erforderliche Einsicht besessen hat, weshalb Freispruch erging.
In dem Zuchthause Marienschloß hatten einige Sträflinge das Aussichtsperjonal verschiedener Unregelmäßigteiten bezieq- tigt. Eine umfangreiche Untersuchung führte zur Anklage gegen den Aufseher Ä. E., dem die EntwenDung eines übriggebliebenen Stückes Linoleum und eines Stückes Gummischlaucu zur Last gelegt ist. Das Schöffengericht Butzbach, dem die Aburteilung ter Sache übertragen war, hielt die Aussagen der Sträflinge nicht für ausreichend, um darauf eine Verurteilung zu bauen und sprach den Angeklagten frei. Infolge Berufung Der Staatsanwaltschaft sand eine wiederholte, sehr umfangreiche Beweisaufnahme statt, aber auch das Berufungsgericht konnte auf die sich widersprechenden Angaben der Sträflinge kein verurteilendes Erkenntnis gründen, weshalb das Urteil bestätigt wurde.
Bahnerlebiusse.
Gegen den Schreinergesellen A. N. in Vilbel war wegen Beleidigung eines Eiienbahnschafsners Anklage erhoben worden. Als ter in Frankfurt a. M. Abends abgehende Arbeiterzug sich in Bewegung gesetzt hatte, sprang trotz Warnung noch ein Reisender auf das Laufbrett und stieg in ein Abteil, das ihm von einem anderen Reisenden geöffnet wurde. Der den Schaffnerdienst bet» sehente Wagenwärter wurde beauftragt, ben Namen des Reisenden festzustellen, und als er das Abteil betrat, rief ihm ter Angeklagte „Drecksack" entgegen und bemerkte ihm, er werde ihm hinter die Ohren schlagen. Vor dem Schöffengericht bestritt der Angeklagte, ben fraglichen Zug benutzt zu haben, und behauptete, es läge eine Perfonenverwechslung vor. Er begründete seine Behauptung wörtlich: „Ich weiß von der ganzen Sack)e nichts, unD bestreite,, den Beamten beleidigt zu haben. Wenn zu mir em Wagenwärter gekommen wäre, so hatte er gleich „eine" auf Den Backen bekommen. Wenn ich sage: du kriegst eine, so hat er auch schon eine." Mit dieser Unschuldmotivierung hatte er aber kein Glück, denn das Schöffengericht diktierte ihm 6 Wochen Gefängnis zu, intern es feine vielen Vorstrafen berücksichtigte. Der Angeklagte focht das Urteil an und behauptete immer noch, das Opfer einer Perionenverwechslung geworden zu sein. Er versuchte nachzuweifen, daß er den fraglichen Zug nicht benutzt hat: es konnte aber keiner der Zeugen seine Angaben bestätigen. Da ihn sowohl der Beleidigte, als auch mehrere Mitreisende bestimmt erkannten, war bas Gericht über bie Identität Der Person
nicht in Zweifel. Wenn auch nicht verkannt wurde, daß die Strafe recht hoch ist, so mußte mit Rücksicht auf bas unveranlaßte Vorgehen bes Angeklagten unb im Interesse ter Sicherheit bcs Verkehrs und bes Ansehens ter Beamten, sowie unter Bc^ rücksichtigung ter vielen Vorstrafen von einer Ermäßigung der Strafe abgesehen werben, was bie Bestätigung des Urteils zur Folge hatte.
vörkcn-Wochcnbericht.
Frankfurt a M., 6. November.
In Amerika ist die Emstheidimg nunmehr gefallen, Taft ist mit großer Mehrheit zum Prästdenten gemählt worden und damit ist endlich die Unsicherheit, mit der auch das Wirlschafisteben im Hinblick auf die Präsidentenwahl erfüllt war, gewichen. Seit Monaten hat man an dieses Ereignis in der Union große Hoffnungen geknüpft und es ist zum allgemeinen Schlagwort geworben, daß der Sieg der Republikaner das Signal zu einem neuen Auifchwimg der Geschäfte in Amerika geben würde. An der New^Poikcr Börse trat diese Auffassung auch schon seit langem in die Erscheinung; von kurzen Rückschlägen abgesehen, foimte sich die feste Tendenz stetig behaupten. Unterstützt wurde diese allerdings durch den billigen Geldstand und die »ach und nach stärker hervorgetretenen Anzeichen einer Wiederbelebung von Handel und Industrie. Im Hinblick auf bie Wahl hatten sich jedoch seither die maßgebenden geschäftlichen Kreise große Zurückhaltung auierlegL Nachdem nun die Wahl vorüber ist, dürite vor allem der lange zurückgehaltene Bedar' der großen Eisenbahnen, nicht länger hinian- ae ha heil werden, man erwartet vielmehr, daß sowohl von diesen Gesellschaften als auch von anderen größeren Unternehmungen nunmehr namhafte Bestellungen erfolgen werden. Die großen Trustgesellschaften hoffen gleichfalls von der Erwählung Tafts insofern stützen zu ziehen, als das zu siüimische Vorgehen Roosevelts gegen bie Trusts nicht in dem Maße fortgesetzt iverden soll. In der Tat spricht fo manches ba'ür, daß sich die großen Erwarinngen, die auf den Sieg Tafts gesetzt ivorden siiid, ersiillen iverden. Da aber die New-Porker Börse das Ereignis bereits in hohem Maße vorweggenommen und in der Kursbewertung reichlich eseonivtiert haben'dürfte, setzt man die Hoffnungen jetzt weniger auf eine Hausse an der Börse als vielmehr am eine Besserung der wirtschaftlichen Lage. Daß ein Aufschwung in den Bereinigten Staaten auch eine Besserung der industriellen Situation m Europa, speziell m Deutschland, nach sich zu ziehen vermag, ist eine schon häufig beobachtete (Sijcbcimmg. Fraglich bleibt mir, ob so schnell, wie die Börse es hofft, diese radikale Besserung in der Union emtreten wird. Ans der heimischen Industrie, namentlich vom Kohlen- und Eisenmarkt, lanlen bie Nachrichten noch immer recht peisimistisch, und es hat den Anschein, als ob auch vorerst noch nicht auf eine wesentliche Besserung zu rechnen sei.
Dieser Einsicht wurde auch in fast allen in jüngster Zeit stattgehabten töeneraloertammlungen unserer großen Bergwerks- unb Hüttengesellschaften rückhalislos Ausdruck verliehen. Wie das Geschäft zum Frühjahr sich entivickeln wird, ist jedeiisalls noch recht ungewiß. Anzunehmeii ist ja, daß bas jetzige Preisnivea»l bie Käufer veranlassen wird, aus ihrer Znrückhaitung herauszutreien, ttimal die M e t a l l p r e is e seit einiger Zeit wieder anziehende Tendenz verfolgen. Emen Heniinschuh für die Unternehmungslust bildet vorerst allerdings bie politische Lage, bie zurzeit fortgesetzt Anlaß zu Besorgnissen gibt. Neben der Orientkrisis halten in dieser Woche Die Eafablanca-Affäre und die Vorgänge in der inneren Politik größere Perstinimiiiigen hervorgerusen. Dazu kam die Veröffentlichung der neuen großen Steucrforöer- n n gen, die vielfach auf großen Widerstand stoßen unb auch int Reichstag unerquickliche Erörterungen zur Folge haben dürften. Polnische Besorgnisse veranlaßten denn auch an der Börse größte Zurückhaltung, so daß man selbst den uon New-Port gegebenen Anregungen nur zögernd folgte und auch in den fortdauernd günstigen Geldverhältiiissen fernen Stimulus erblicken konnte. Einige Teckungskäufe fanden vorübergehend in Montanwerken und S ch i s f a h r ts a f t i e n statt; für erstere Simulierten die Zukunftshoffnungen auf eine Besserung der industriellen Lage, für letztere Meldungen von einer Zunahme des Auswandererverkehrs. Bon Bahnen waren Baltimore und Penn- iylvania etwas gefragt unb höher. Banken teilwesse etwas schwächer. iDfattcr lagen auch heimische und trembe Fonds im Zusammenhang mit den politischen Meldungen. In Kassa- I n dust r i e p a p i e r e n blieben die Umsätze nur gering unb größere Kursverändermigen sind nicht zu verzeichnen. Prwat- Tiskonto 2"/,^.
Airchttche Nachrichten«
Evangeüsche Gemeinde.
Montag den 9. November, abends 8 Uhr im Johannessaal: B i b e t st u iibe.Pfarrer Ausfetd.
Telefonische Kursäericide
des Giessener Anzeigers, miteeteilt von der Bank für Handel
Frankfurter Bör*e 3^®/0 Reichsanleihe . . 93.951 3% do. . . 84 30 3 e/e Konsole . . . . 93 95 3% do.....84.35
->^°/e Hessen.....92.85
3>$ °/0 überliessen . . . 92.00 1 % Oesterr Goldrente. 97.80 4l/8 % Oesterr. Silberrente 99 10 4% Ungar Goldrente . . 92.75 156 Italien. Rente . . . —.— 3 Portugiesen Serie I . 57 40 3% Portugiesen „ III 58.80 1 xa °,'e russ.Staatsanl. 1905 97 le 4'A°i0 japan Staatsanleihe 90.95 1% Conv.Türken von 19U3 91.10 Tiirkenlose......141 20
\% Griech. Monopol-Anl.. 4910 4% äussere Argentinier . 86.00 u°/0 Mexikaner . . . — 4»*7o Chinesen .... 97.10
Aktien:
Bochum Guss.....214 50
Buderus K W.....112.50
Tendenz: fest
Berliner Börse, 9
Canada E. B. . . . . . 175.40 l ’armstädter Bank ... —
Deutsche Bank .... 238/ 0
Dortmunder-Union C. . . 57.90
Dresdner Bank . . . 145.20
Tendenz: fest
ie. Giessen.
, 9. November, 1.15 Uhr.
Elektriz. Lahmeyer . . . 117.00 Elektriz. Schlickert . . . 119.30 Eschweiler Bergwerk . . 188 50 Gelsenkirchen Bergwerk 187 70 Hamburg-Amerik. Paket*. 109.80 Harpener Bergwerk. . . 193.. 5 Laurabütte......193.75
.Xordd. Lloyd . ... 87.20
Obeiscliles. Eisen-Industrie 97 50 Berliner ilandelsges. . . 165.50 Darmstädter Bank . . . 125 90 Deutsche Bank .... 238.50 Deutsch-Asiat Bank . . 138 00 Diskouto-Komuiandit. . . 177.50 Dresdner Bank .... 145.20 Kieditaktieu.....Ib9 25
Baltimore- und Ohio-
Eisern abu.....105.90
Gottuarduahn.....—.—
Loniuard. Eisenbahn . . 22.30 Oesterr. Staalsoubn . . . 14700 l'nnce-üeim-EiBenbahn . 123.00
November. Anfantrskurse.
Harpener Bergwerk, . . 193 00 Laurantttte .....193.70
i.ombarden E. B. ... 22.20 Xordd. Lloyd.....87.40
l’ürkenloee......141 SO
Hir;d sr in der En twicklung bedürfen der Fürsorge."
Man folcre dem Rate der Aerzte
und gebe denselben einige Zeit (b,2,u
als ZuMmg BIOSOH, blühende* Aussehen und Fröhlichkeit wird die Eltern belohnen. Erhält!, in Apotheken, Drog. usw. das '/? Kilo 3 M-
Wo'»laefailen <Vr.cnt stets ein gesunder, blütenreiner Zenit
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