Ausgabe 
8.10.1908 Erstes Blatt
 
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cyn -n daktion desSwjet" sandte dem Fürsten Ferdinand eine Glück- volttommen bekannte -wunschdepesche. Das Blatt schreibt, Fürst Ferdinand habe große tinTt bentfrher ©rite Sttratswcisheit bewiesen, und gerade das getan, was er hm

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Entgegen Seit in einem Teil uer auswärtigen Presse immer wieder ausgesprochenen Verdacht, das; Deutschland die österreichisch- ungarische Regierung zu ihrem Vorgehen in der Angliederungs­angelegenheit angeregt und ausgestachelt habe, bemerkt ein Ber­liner Telegranrm derKölnischen Zeitung" tischen Dingen unterrichteten Kreisen ist es i dass Oesterreich-Ungarn ohne jede Anregung von deutscher Seite

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stattung klug und wirksam zu steigern roeijj, die Schwierig­keiten kaum entdecken läßt. Aber damit geht auch der leise tragische Grundton verloren und es bleibt einSalonstück" übrig, das schließlich von der Güte der Aufführung ab­hängig ist.

Tie gestrige Aufführung nun brachte einen guten Ein­druck heraus, denn die führenden Rollen waren durchgängig gut verteilt. Mit der dankbaren Aufgabe, die die Gmditta stellt, hat Claire Albrecht schon m der vergangenen Spielzeit einen sehr schönen Erfolg gehabt und es gelang ihr auch diesmal, eine ungemein reizvolle Erscheinung zu schaffen. Mit tiefer, inniger Wärme gestaltete sie die vernachlässigte Gattin, die des Herzens überreiche Empfindung wehmütig auf ihr Kind überträgt und so immer mehr von ihrem Manne abirrt, mit schelmischem Liebreiz und gewinnender Herzlich­keit ihre eigene Doppelgängerin in dem herben Zwiespalt zwischen Glück und Schmerz. Klar und melodiös sprach sie die glatten Verse, die sie mit einem selten schönen Wohllaut zu behandeln verstand. Rudolf Goll, der auch die Regie sicher führte, spielte flott und frisch und verlieh der an sich nicht gerade entzückenden Gestalt des liebetollen Orlando eine lebenvolle, gutmütige Menschlichkeit, die recht angenehm be­rührte. Max Kronert hatte im dritten Aufzuge einige hübsche Augenblicke, blieb sonst aber recht matt und gab an­statt eines lebenslustigen, weiberfrohen Lebemannes mehr eine allgemeine Skizze, der die belebenden Kleinigkeiten fehlten, was aber einigermaßen dadurch entschuldigt wird, daß er die Rolle, wie ich höre, erst in letzter Stunde übernommen hat. Erich Lau ter mann als Baumeister sprach die Verse sehr gut, war aber in feinem Spiel stellenweise allzu zurück­haltend. Ein wenig mehr Beweglichkeit wäre da recht gut am Platze gewesen. Lore Scholz war eine recht nette Lisa, nur hätte sie besser in eine zeitlicheGesellschaft" ge­paßt denn in eine bäuerliche Hütte. Gerade der Gegensatz zwischen den verschiedenen Frauen hätte hervorgehoben werden müssen, um nicht nur die Uebersättigung Orlandos mehr heroorzuheben, sondern auch eine abstechende Komik zu er­zielen. Der Iägermrnu u Paul Kohl manns hätte eben­falls etwas derber sein dürfen, war sonst aber recht gefällig. Etwas mehr Abrundung in Sprache und Spiel wäre aller­dings wünschenswert. In der kleinen Rolle des Beppo traf

Gietzener

Die Zwiüittgsschwester,

von Ludw. Fulda.

Ludwig Fulda ist vor allein ein ausgezeichneter Sprach- kknstl-tr, der mit einer erstaunlichen Leichtigkeit seine an- inutigen, feinen Verse webt. Es klingt und gleitet mit leichtem, betäubendem Schwünge dahin, wie eine flüchtige Welle über nioofige Steine und lurlt und lurmt in sinniger Schönheit. Leicht und lebendig fließen die Worte, glatt und klar reiht sich dec Reim dem Reime, so daß man sich behaglich des Wohllautes unserer Sprache erfreut, wenn sie auch nicht immer tiefsinnig oder auch nur gescheit sind. An seiner Sprache drohte Fulda zu scheitern; seine leichte Versgestaltung ließ ihn, dessen dichterischer Charakter ohnedies in sehr schwanken Bahnen geht, sich eine Zeitlang in Künsteleien be­ilegen, die sein frisches und flottes Talent zu untergraben schienen. Ec hat sich letzten Endes bewahrt, aber bei allen seinen Werken ist die Sprache das anziehendste, schönste, und sie bedarf deshalb auch einer sehr zarten, feinfühligen An- xasfung und eines sicheren, einschmeichelnden Vortrages, um ihrer freundlichen Wirkung nicht verlustig zu gehen. Vorn Aortrag hängen Fuldas Stücke weit niehr ab denn von der Darstellung, weil seine außerordentliche Sprachkunst leicht und gefällig über die Mangel seiner Dichtungen hinweggleitet und sie so geschickt zu verdecken weiß. Aber diese berückende Schönheit bleibt häufig etwas rein äußerliches, seelenloses; es iit eine schöne Gewandung mit klug gelegten Falten, mit blitzendem Geschmeide und Flitter besetzt, aber der Träger ist nicht groß genug, es mit zierlicher Leichtigkeit zu tragen, wie etwas Alltägliches, und so wird da§ Gewand zum Prunk, unter dem der Leib und nicht selten auch die Seele ver­schwindet, so daß nichts übrig bleibt als schöne Farben und leuchtender Glanz. So ähnlich ist es mit seinem schelmischen Lustspiel von der Zwillingsschwesier, die sich ihres Mannes Liebe durch eine kindliche Mummerei zurückgewinnt und den nach galanten Abenteuern Lüsternen glücklich wieder zum liebeooüen Eheherrn bekehrt. Das alles ist so unwahrschein­lich wie nur möglich und doch geht man mit deut Dichter lächelnd darüber weg, weil er mit harmloser Freude sich selbst so kühn darüber hinwegsetzt und weil uns die blendende Terskunst und die innige Schönheit, die er durch die Aus-

von ausgesprochenen panslawistischer Richtung aebilligt. Die Rc- ~ sandte Sein Fürsten Ferdinand eine Glück-

zwecks Tätigkeit in ln rar höh. Lebensberuf. ndwirtschaft o. Gärinert

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Sie Angliederung Bosniens und der Herzogoivtna vorgenommen hat. Dieses selbständige Vorgehen Oeftcrreichs-llngarns ändert nichts daran, daß man auf deutsche Seite dem bestehenden, seit 30 Jahren bewährten BunSesverhältnis Rechnung trägt und so­fern es nötig sein sollte, Oesterreich-Ungarn in dieser Frage unterstützen wird. Was die Einberufung eines Kongresses anbelangt, die anscheinend jur Zeit zwischen Ruß- laird, England und Frankreich besprochen wird, so würde Deutsch­land keine grundsätzlichen Bedenken tragen, an einem solchen Kongreß teilzunehnren. Man darf sich aber nicht ver­hehlen, daß dem Plane doch recht erhebliche Bedenken entgegen­stehen, und daß, wenn man nach Aeußerungen der österreichisch- ungarischen Presse urteilen darf, in Oestzrreich-Ungarn sehr geringe Neigung vorhanden ist, einen solchen Kongreß zu beschicken, zum wenigsten, als er sich mit der Frage der okkupierten Provinzen befassen würde. Sobald man der Frage praktisch näher tritt, zeigen sich auch m>ch Schwierigkeiten anderer Arr. So würde zum Beispiel die Türkei auf einem solchen Kongreffe vielleicht nicht geneigt sein, den Bulgaren als gleichberechtigtes Mitglied anzuerkennen und anderseits würden die Bulgaren, nachdem sie ihre Unabhängigkeit ausgesprochen haben, es ablehnen, anders denn als gleichberechtigter Staat mit der Türkei auf dem Kongreß zu erscheinen. Im übrigen sind wir der Ansicht, daß es wohl vor allen Ser Türkei zukommt, Anträge über die Behandlung der schwebenden Frage zu stellen, denn schließlich ist doch die in erster Linie beteiligt. Bisher ist eine türkische Wcote, Sie die Einberufung des Kongresses fordert, den Mächten aber nidjt zugegangen.

Nach dem Lokal-Anzeiger ist anzunehmen, daß K a i s e r W i l - Helm über die Annexion von Bosnien durch Oesterreich-Ungarn bereits während der Klaisermarwver in Elsaß-Lothringer durch den Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand- unterrichtet worden ist. Die deutsche Regierung dürfte daher früher als Frankreich über die Absichten Kaiser Franz Josephs Kenntnis erhalten haben.

Die Konferenz.

So wie die Dinge sich bis jetzt entwickelt haben, erscheint es in

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Willibald Völker gut den richtigen Ton, der seinen Bauernburschen ein lebensvolles Gepräge gab.

* Karl Neurath.

Die Heilsarmee greift um ihre Versammlungen M füllen, zu immer absonderlicheren Mitteln. Durch drastische. Einladungen mit rätselhaften Andeutungen soll die Neugier erweckt werden. Während z. B. die Einberufung einer Versammlung mit dem Thema:Was denkt Gott von Berlin?" nur geschmacklos ist, erscheint die jüngste Leistung der Heilsarmee auf diesem Gebiete doch recht be­denklich. Im Osten und Nordosten von Berlin wurden massenhaft Handzettel folgenden Wortlauts verteilt:Pro­phezeiung! Weissagung! Ein neues Unglück steht Berlin bevor! Tausende werden davon betroffen wer­den! Vielleicht auch du! Wer näheres erfahren ivill, der komme in die Tonhalle des Ostens zur Heilsarmee usw."

Von der Coo kschen Nordpolarexpedi­tion. Nach einer Aieldung aus St. Johns (Neufundland) ist der Begleiter des amerikanischen Polarforschers Dr. C o.o t, Franke, von der im Sommer durch Grönland unter­nommenen Expedition mit dem Dampfer Erik zurückge­kehrt. Wie er mitteilt, ist Dr. Cook im Februar d. I'. nach dem Nordpol ausgebrochen. Cook sandte ihm unterwegs durch Eskimos einen vom 17. März datierten Brief, in dem er die Hoffnung aus sprach, im Juni wieder zurück zu sein. Aber noch Mitte August d. I., als Franke sich auf dem Erik" einschiffte, war Cook nicht zurück. Franke befürchtet daher, daß ihm ein Unglück zugestoßen ist.

Kleine Chronik aus Kunst und Wissen­schaft. Die er ft e n S tu d e n t in n e n an der Be r l in e r Universität wurden auf Grund der neuen Ministerial- verfügung immalrituliert. Der erste weibliche Student der Berliner Universität war Frl. Agnes Harnack, die Tochter des berühmten Kirchenhistorikers Adolf Harnack. Die Monumentalbüste Goethes, ein Werk des Berliner Bildhauers Ernst Freese, die die Kaiserin der Sencken- bergischen Naturforschenden Gesellschaft zu Frankfurt am Marn widmet, ist jetzt vollendet und erhält ihren Platz in der Vorhalle des neuen Senckenbergischen Museums. E<^"n->re Düse erklärte einem Korrespondenten des

Tageblatt", sie werde künftig ausschließlich Ibsen spielen.John Gabriel Bortman" führt die Düse nach achttägigen in Wien abgehaltenen Vorproben mit einer neuartigen, modernen Ausstattung auf, die sie bei den deut­schen Künstlern Waldrasf und Mere in Paris bestellte.

der Tat zweifelhaft, ob eine Konferenz noch imstande sein totrb, die vielen Streitfragen im Orient zu lösen. England und Ruß­land verharren jedoch hartnäckig auf dem Standpunkt, daß nur eine Konferenz alle Schwierigkeit beseitigen könne. Das russische Ministerium des Auswärtigen glaubt durch Einberufung einer internationalen Kouftrenz zur Revision des Berliner Vertrages einem bedrohlichem Ausgang der Verwickelungen auf dem Balkan vorbeugen zu können. Der Vorschlag über die Einberufung dieser Konferenz soll in einer Zirkularnote des russischen, Ministeriums des Auswärtigen an alle Kabinette formuliert werden. In dieser Note soll der russische Standpunkt in den Balkan-Angelegenheiten auseinandergesetzt werden. Es wird er­wartet, daß eine offizielle Mittelung Oesterreichs heute erfolgt, Jo daß die Note sogleich verschickt werden kann. Das russische Ministerium des Auswärtigen ist fest davon überzeugt, daß die Türkei als Resilltat der russischen 9tote sich zu einer abwartenden Haltung verstehn und dadurch der Friede erhalten werden oder der Krieg wenigstens hinausgeschobcn wird.

In Wiener unterrichteten Kreisen wird bezüglich der projek­tierten Balkankonferenz folgendes mitgeteilt: Oe st erreich -Un­garn wird sein Zustimmung zur Abhaltung einer solchen Kvnferenz nur dann geben, wenn es die Gewißheit hat, daß auf dieser Konferenz das Recht Oesterreich-Ungarns auf Bosnien und die Herzegowina sowie die jetzt vollzogene Annexion nicht in Diskussion gezogen wird. Das Recht Oesterreich-Ungarns auf Bosnien und die.Herzegowina unterliegt nach hiesiger Auffassung in keiner Weise der Sanktion der Mächte.

Die Haltung Rußlands.

Die Souveränität Bulgariens wird nur von den Blättern

mußte. Durch die gesamte übrige Presse zieht sich der Gedanke, daß die Prollamieruug Bulgariens zum Königreich sehr unzeit- gemäß erfolgt sei. Bulgarien leistet nur der österreich-deutschen Politik Vor,panndienste,,indem es Oesterreich den Vorwand gebe, Bosnien und die Herzegowina zu besetzen.Nowoje Wremja" meint, die Bulgaren hätten ihre Traditionen verletzt unt> sich bic freundlich gesinnten Völker zu Feinden gemacht.Rsttsch" schreibt: Bulgarien hätte mit der Proklamierung warten können; die Eile Ferdinands sei schlecht begründet. Das führende Blatt der OktobristenGolos Prawdh" allein macht Sie aus Ver­anlassung der Orientkrise erneut in der russischen Presse ausge­brochene Deutschenhetze nicht mit. Es konstatiert, der deut­sche Botschafter in Konstantinopel trage an dem Geschow-Zwischen- fall nicht die Schuld.

Die Krifis im Orient.

Mährend der meistbeteiligte Staat, die Türkei, die letzten Vor­gänge auf dem Balkan verhältnismäßig ruhig ausgenommen hat, zeigt sich gerade bei den übrigen kleinen Balkanstaaten, die Neigung, einen Krieg anzufangen. Die Pfcwtc hat sich einstweilen damit begnügt, durch eine Note bei den Machten gegen die Unabhängig- keitserklärung Bulgariens Protest zu erheben. Der Sultan erhebt nachdrücklich Einspruch gegen die Haltung des Fürsten Ferdinand und appelliert eindring­lich an die Signatar machte des Berliner Ver­trages, entsprechende Berftlgungen zu treffen, beispielsweise die Einberufung einer Kvnferenz behnfs Prüfung der BeSingnngen zur Wiederherstellung der gesetzlichen Ordnung in Bulgarien und Ostrumelien und zur Aufrechterhc/ltung der Interessen der Türkei. Die Pforte könnte zur Gewalt greifen, um ihren Rechten Achtung zu verschaffen, aber sie will dies auS Achtung vor den Verträgen und int Hinblick auf bie allgemeinen Interessen und das einmütige Friedensbedürfnis vermeiden. Sie protestiert formell gegen die eben vollzogene Verletzung des Berliner Vertrages und behält sich ausdrücklich alle iHv durch diesen internationalen Akt verliehenen Rechte vor.

Die Stimmung iu Konstantinopel.

Mährend die türkische Regierung daraus beoacht ist, die Krisis auf friedlichem Wege zu icherwinden, wird die Stimmung der Bevölkerung Kvnstantinopel b und der Türkei immer friegerifdjer. Tie meisten türkischen Blätter vermeiden direkte Angriffe gegen Öesterrcich-Ungarn. DerSerweti Junun" veröffentlicht einen indirekten Angriff, indem es, ohne Oesterreich-Ungarn zu nennen, iuSführt, daß man Denjenigen schaden könne, von dem Bulgarien aufgehetzt worden sei. Die Psortc brauche nicht zu antworten, aber die Nation kömte eine Antwort erteilen- indem jic gegen dessen Waren, Schiffe und Post einen Boykott verhänge. Ärmeniscl)e Blätter meb'-en, daß das armenische Komitee der Pforte für den Fall eines Kcseges 40 000 Freiwillige und große Geld­summen angeboten hab/e.

In Konstantinopel, fanden gestern mittag Kundgebungen doc der englischen, der französischen und der russischen Botschaft statt, sowie vor der griechischen Ge- lanSttchaft und der .bulgarischen Agentie. In einer zahlreich besuchter! Volksversammlung vor dein Kciegsministerium wurde tinc Resolutton angenommen, in der es heißt, daß die Pforte alle nötigen diplomatisck/en Schritte veranlassen müsse, um die Rechte Les Vaterlandes zu wahren.

Ein Demonstrationszug der Jodschas, der ungefähr 2000 Mann stark war, 6icgab ssich gestern nach iocin Dildiz, wo der Sultan am Fenster erschicm. Die HodschaS erklärten dem, Sultan, daß sie zum Kriege b-hxit seien, wenn er sie dazu aufforderc. Sie ersuchten ferner Mm strengstes Vorgehen gegen die Frauen, die nicht genügend verschleiert gingen sowie um Wiedereinsetzung der alten religiösen ^Gesetze, die durch bie bürgerlichen Gesetze ver­drängt worden seieu. Ter Sultan antwortete, solange er und seine Kinder testen, würden die Rechte aller seiner Untertanen geschützt werden

KrisgSgelüste Serbiens und Montenegros.

Sehr bedelzllictz in der gegenwärtigen Krisis ist das Verhalten Serbiens und Montenegros. Auch die serbische Regierung hat bei den Großmächten energischen Protest gegen die Annexion ein­gelegt. Der König ist gestern nachmittag aus dem Manöverfeld oiirücfgefebrr. Die Juden in Belgrad haben beschlossen, der serbischen Regierung 1000 000 Dinar im Kriegsfälle zur Ver­fügung zu stellen: desgleichen haben viele Millionäre große (Summen versprochen. Durch die Straßen ziehen Tag und Nacht große Pöasschr von Manifestanten, die von ber serbischen Re­gierung i)an Krieg gegen Oesterreich-Ungarn ener­gisch fordern. Der Fürst von Montenegro telegraphierte md) Belgrad: Wenn die serbische Armee nach den Ufern der Drina mc/rjdiicrt, wird mein Hecc gegen die Herzegowina vor- rücken.

Im Hinblick auf die Aufregung in Serbien hat der ungarische Kriegsminister Vorbereitungen für die Mobilisierung der Armee-Korps in Hermanftadt, Temcsvar und Szegedrn getroffen.

Die Regierung von Montenegro hat übrigens an die Vertreter der Berliner Signatar-Mächte eine Note gerichtet, in der die Verfügungen bettefsend Bosniens als eine Verletzung des Berliner Vertrages bezeichnet werden. In der Note wird hinzugefügt, soweit die Mächte diele Tatsache anerkennen wür­den, halte sich Mont-enegro von allen Verpflichtungen aus dem Vertrag, nämlich so weit sie fid) aus Artikel 29 ergeben, für entbunben.

Die Aufteilung der Türkei

scheirtt in der Tat begonnen zu haoen. Infolge des bul- garifdjen Staatsstreiches hat die Bevölkerung Kretas be­schlossen, seine An Gliederung an Gried-enlanb zu proklamieren. Gestern ist dieser Besdfluß ausgeführt wor­den. Auf ber ganzen Insel sind in öffentlichen und kommunalen Anstalten hellenische Behörden installiert roorben. Das Volk von Kreta strömt in Tausenden in Kanea zusammen, um bort seiner Begeisterung für Griechenlanb Ausoruck zu verleihen. In R o m, auf der Consulta, wird erklärt, daß durch bie Ereignisse auf dem Balkan der Dreibund gefestigter beut je sei. In diplomatischen Kreisen will man wissen, baß bie Dreibnndmächte ber italienischen Regierung bic Ausdehnung ihrer Interessensphäre in Tripolis zugestanden haben.

Deutschland und die Vorgänge auf dem Balkan.

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Die Dienftbotennot.

Auf der z. Zt. in Breslau tagenden 8. Generalversamm­lung des Bundes Deutscher Frauenvereine ist unter anderem auch bie DiensLwtenfrage behandelt worden. Vkan hätte erwarten können, daß die Frauen nun erblich eine annehmbare Lösung dieser brennenden Frage finden würden, aber diese Hoffnung hat sich nicht erfüllt. Ja, die Art unb Weise, wie die Dienstbotenfrage von den J-rauer , in Breslau behanSelt nrorben ist, läßt sogar beinahe jede Hoffnung fd>luinbeit, daß von bieser Seite übe# Haupt etwas Ersprießliches zur Lösung der Dienstbvtenfrage zu erlDartei ist. Fräulein Conrad- München meinte, von einer Dienstbotennot im Sin ne eines Mangels an Dienstboten könne nicht die Rede sein. ''Dagegen sei insofern eine 5cot vorhanden, baß fid) viele unqualifizierte Kräfte in ben Stanb hineltdränger. Daher müßten alle Bestreburtgen unterstützt Werber, bie daraus hinausliefen, den Dienstboten eute bessere Vorbildung zu ermöglichen. Die Mädchen sollten aber gewarnt werden vor einer Ueberspannmrg ihrer Forderungen. Besonders au klagen sei über die Wohnungsverhällnisse, unter denen die Mädchen zu leiden hätten. Itr der Diskussion schil- det Fräulein Eich Holz-Hamburg die dortiger Verhält-

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Nr. A37 Erstes Blatt 158. Jahrgang Donnerstag 8. Oktober 1908

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General-Ametger für Obechefsen S3

Annahme von Anzeigen V ® f 1 u.Land^und,Gerichts-

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