Ausgabe 
8.7.1908 Zweites Blatt
 
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Evangelische Landersqnode.

Darmstadt, 7. Juli.

Die Lanocssynodc jetzt heute bii Debatte über die beiden Anträge Wahl Scklitz, inbctrcff der

wiffeuschaftlicheu VorbUdung der Geistliche« und der Dienstpragmatik fort. ...

Zuerst erklärt Prä-iocnt N e b e ?, das CberEonititonum werde die bei der gegenwärtigen Besprechung über die Besetzung der Pfarrstellen von den Rednern geltend gemachten Gesichtspunkte in ernste Erwägung nehmen. , .

2yu. Dornseiff meint, die beiden Anträge Dahl icicn Nicht zweckmäßig - cs sei richtiger, an das Cbcrfonnftorium das Ersuchen zu richten, baß an der Landes - Universität auch Theologen ber positiven R^ckiung zugelassen werden möchten, ^yn. Fischer ist erstaunt borüber, daß Prof. v. Eck in ^seiner gestrigen Rede ein nicht für die Leffentlichk.it bestimmtes Schrist- stück des Ministeriums an die Landesunioersitat mit einer Ver­ordnung verwechselt l-abc. Syn. S t a m m - Swckstab: bespricht die unrechte Art der Besetzung ber hessischen Pfarrstellcn. Er zweifle nicht, bast beim Fakultät-eramen an der Lanbesuniversitäl auch diejenigen vollauf gerecht behandelt werden, bie nicht aus schließlich in Gießen studiert hätten, aber man müsse bod) das Verlangen aussprechen, daß auch den berech.igtcn Wünschen ber positiven Richtung cntgegengckommen werden sollte. Es seien beide Richtungeil im Lande vertreten, sie arbeiteten auch beide gemeinsam in ber Synode zusammen unö da müßten auch beiden die gleichen Rcchie gewährt iverden: vor allem dürfe die positive Richtung nicht länger in Gießen ausgeschlossen bleiben. Er^ er­suche, wenigstens den zweiten Antrag Wahl anzunchmeii. 5nn. Dr. Lucius wendet sich in id)arren Worten gegen die gestrigen Darlegungen bcs Pros. D. Eck. Er stehe als Jurist aus einem anderen Standpunkt und könne bie Eckich.'n Ausiühnmgen nur als ein blendendes dialektisches Wortspiel bezeichnen. Prälat U. Flöring bemerkt, die vom Lberlonsistorium vorgctragcnen Anschauungen seien mit Ausnahme des Antragstellers von allen Ausschußmitgliedern als richtig anerfanni worden. Es sei durch­aus im Interesse der Lanbeskirck^?, daß die Kandidaten ilwer Psarrstellen von einer Veho.be geprüft werden, die o?m Kirchen refliment in ihrer Tätigkeit genau bekannt sei. Tas CberEonii- ftortum habe auch für die den Antragsteller bewegenden Gründe volles Verständnis, bod) könne dasselbe ohne zwingenden Anlaß kein Gesetz ändern, das sich seit langen Jahren bewährt habe.

Syn. Bogt erklärt sich für den Antrag Turnst ist. - Syn. Stamm Stockstabt stellt den Antrag, die Synode wolle bas Oberkonsistorium ersuck^en, bei fick) ergebender Vakanz an der theo­logischen Fakultät in Gießen den LehrstuA mit einem Vertreter ber positiven Richtung zu besetzen. Syn. D. Sch losser wenbet sich in längeren Ausführungen gegen diesen Antrag, da derselbe nur Zwietracht in das jetzige fricbttdje Verhältnis hinein­tragen könnte. Syn. I a u b t erklärt sich für den Antrag. Syn. D. Diehl ist bagegen. Es müsse vor allem die Einheit­lichkeit ber Fakultät erhalten bleiben. Audi die Anträge Wahl feien, nur geeignet, eine Zerklüftung in ber Fakultät herbcizu- sülweil. Syn. D. Eck gibt bie Erklärung ab, die theologische Fakultät in Gießen werde sich auf keinen^Fall die Freiheit ihrer Entschließung nehmen lassen, möge die Synode beschließen, was sie wolle. Die Fakultät werbe etwaige Wünsche,und Ersuchen io weit als ntöglid) berücksichtigen, aber einer bestimmten Fest­legung werde sie nicht zustimmen. Syn. Widmann bemerkt, gerade das forlgesctzte Verweigern ber Zulassung der positiven Richtung fei geeignet, Mißstimmung und Zerklüftung hervor­zurufen. Syn. Dinge I dey erklärt sich gegen die Anträge, während Präs. Stamm Gießen es für erwünscht hält, den An­forderungen des Antragstellers in irgend einer, Meise cntgegen- zukommen und im Falle einer Vakanz einen Lehrstuhl der Fakultät mit einem Theologen positiver Richtung zu besetzen.

Rach der Frühstückspause gibt Präs. N c b e l bie Erklärung ob, baß für das Ober'onsistorium ber Antrag Wahl unannehm­bar sei. Es sei auch gar nicht nötig, bas Gesetz zu andern. Das Oberkonsistorium habe cs schon früher als empfehlenswert be­zeichnet, angesichts ber vorhandenen Beunruhigung int Lande, im Falle einer Vakanz auch die positive Richtung zu berücksichtigen. Man verlange keine Zwangsproseisur, sondern man erwarte, daß die Fakultät aus eigener Initiative mich einen Sknretcr der positiven Richtung wählen werde. Es sei an ihr, für diesen Lehr stuhl eine Persönlichkeit zu bestimmen, mit der ein fricblidjcs Zusammenarbeiten gewährleistet wird.

Syn. T o r n j e i f f ändert darauf seinen Antrag dahin ab: Die Synode richtet an das Obcrkonsistorium das Ersuchen, dahin zu wirken, daß bei Vakanzen an der theologischen Fakultät auch 'Vertreter der positiven Richtung Berücksichtigung sindcn."

Tie Anträge Slam m - Ltockstadt und W a l> l und Gen., Über die wisscnschaslliche Voroildung der Geistlichen, werben hieraus zurückgezogeu. Bei ber 91 b ft i in in u n g wird der A n t r a g Wahl unb Wen., b c t r. den Gesetzesvorschlag über die Di e n stprag ma 1 i k usw. mit 2 6 gegen 25 Stim­men a b g e l c b n t unb bccabgcänbcrtc Antrag Dorn­sei f s mit allen gegen 7 Stimme it angenommen.

Zur Beratung kommt nun die Vorlage des Oberkonsistoriums, belr. die Bildung einer Filialgemeinde Schlierbach, Kreis Die­burg. Der Ausschußberichterstatter R ö m l-e 1 b-Nidoa teilt hier­zu mit, baß sich bie -sackstage insofern geänbert habe, als bie bürgerliche Gemeinde Sdxtajham gegen die Trennung der Ge­meinde Schlierbach von ^djcafljcint Widerspruch erhoben habe. Der Ausschuß erachtet aber den Widerspruch für mibegriinbct unb beantragt bie Bilbung ber Filialgemembe Schlierbach zu geneh­migen. h

Zu ber Vorlage, beir. bie b i e n stp r a g in a t t s che n V e r- h ä l t n i s s e oer von Anstalten und Vereinen ber Inneren Mission und verivandlen Bestrebungen angcstellten Geistlichen, beantragt ber Ausschuß, Synvbe wolle mit Dani von der Erklärung des Ober- lonjistoriums Kcnnüüd nehmen, baß dasselbe bereit sei, zu ge­gebener Zeit mit einer bereits ausgearbetteren Vorlage an bie LanbeSsynobe heranzutteicn. Die Synobe sieht wegen ber Not- lucnbigteit des Gegenstandes oiiier diesbezüglichen Vorlage bis zur Tagung der nächsten Synode entgegen. Die Synode stimmt diesem Antrag zu und genehmigt auch die vom dkusschuß ge­wachten Vorschläge, bez. des im Dienste der Inneren Mission arbeitendeti Psarrassistcnten Schlosser, erteilt aucki, insoweit die Regelung der Verhältnisse von sinanziellcr Bedeutung ist, ihre (Genehmigung zu ber Zusage des Oberlönststoriums an den Vor stand des l .Nischen Diakonievereins, inbetreff ber Anstellung als Sekretär. /

Ein Antrag Sl cil unb :i o I b, betr.

Sonntagsruhe in den Gastwirtschaften

bchorde dahiit zu wirken, baß bas Verbot, bei» Einh?imisck)eu ivälircnb bes Vormittagsgottcsdienst?>? in ben Schankwirtschaften geistige Getränke zu verabreichen auch auf bie Gastwirlschaston ausgebehnl ivird. Das Oberkoniistoriu>n erklärte zu diesem Antrag u. ä.: Wir billigen alle Bestrebiingen auf diesem Gebiet und haben für bie in dem Antrag zum Ausdruck kommeubc» Wünsche volles Verständnis. Trvtzdem müssen wir ben Antrag in ber vorliegenden Form für unannehmbar erklären. Ter Ausschuß holt es für erwünscht, daß für die bevorstehende Revision des Polizei-S'rafgefrtzbuüis seitens der Lanbesjyn.'bc ber Staats-Re­gierung Wünsche unterbreitet werben, welch? aus einen ausreichen ben Schutz der Sonntagsruhe gerichtet sind itnb schlägt desl-alb eine Resolution vor, in welcher an die Regierung das brüigcnbc Ersucheit gerichtet wirb, den Art. 228 bes Polizei-Straf-Gesetz- Bachs uttier Berücksichtigung b?r geänderten Zeitverhältnisse zwcck- inüi,ig umzugcstalten unb diejenigen Bestimmungen aus zunehmen, eiche bcz. des Besuchs der _2d«nnr unb Gastwirtschaften die tiufeerc Feier unb Würbe be5 Sonntags, namentlich währenb ber Stniiden des VormiltagsgottesdiensteS gc; .il rlciftcu und auch auf die pietätvollen Emps.nd. u i n k eiter Mr e n e Bevölkerung Rück licht nehmen." Diese Resolution wird mit allen gegen eine Stimme angenommen.

Der SonberauSjckmß für Innere Mission hat einen Bericht erstattet über ben Stand der

Fürsorge für die schulentlassrnc Jugend

rind über b. U i.i v. ^.rt ... de evangcl.

.unfereä Volkes. Er beantragt, zu desckjlicßeL, an das Ober-

konsistvrium bas Ersuchen zu richicn, dasselbe möge auch fernerhin ben Unternehmungen, welche sich die Fürsorge für die Jugend zur Aufgabe machen, feine freundliche Stellungnahme bewahren unb durch die Superintendenten, Dekane unb Pfarrämter, wo angängig, zur Einrichtung von Jünglings- unb Jungfrauen ver­einen, sowie zur Vertiefung ihrer Arbeit anzuregen: ferner den Ausschuß für Innere Mis'ion zn beauftragen, am Schluß ber Tagung über bie Wirkung der in der Jugendpflege arbeitenden Anitalten unb Vereine Bericht ;u erstatten. Tie Synode stimmt nach längerer Tebatte auch diesen Anträgen zu und vertagt sich barauf 1 2 Uhr auf morgen früh 9 Uhr, voraussichtlich zu ihrer letzten Sitzung. Heute abenb findet auf der Terrasse des stöbt. Saalbaues ein geselliger Lierabenb der Srmobalmitglieber statt.

Aus Statt und Land.

Gießen, 8. Juli 1908.

Ordensverleihungen. S. K. H. der Groß Herzog haben dem Major Tiehsen, aggregiert dem 3. Lothringischen Infanterie-Regiment Rr. 135, seither im 5. Großh. Hess. Infanterie-Regiment Rr. 168, das Ritter kreuz 1. Klasse unb dem Postsckretär, Postverwalter Johs. Winter in Beerfelden das Ritterkreuz 2. Klasse des Vcr- »ienstorbens Philipps des Großmütigen verliehen.

* * E i s e n b a h n p e r s o n a l i c n. S. K. H. der Groß- Herzog haben den Obergütervorsteher in der Hessisch-Preu- ßischen Eisenbahngemeinschaft Karl Bonn zu Tarmstadt auf sein Nachsuchen wegen geschwächter Gesundheit in den Rnhestanb versetzt, dus Mitglied einer Eisenbahndirek-ion der Hessisch-Preußischen Eisenbahngemeinschaft, Geh. Bau­rat Georg Schobert, zum Oberbaurat und den Eisen- bahnbauinsp.ktor und Vorstand einer Werkslätteninspckiion, Eugen P r i e st e r zu Darmstadt, zum Vorstand einer Ma- schincninspcktion in der Hessisch-Preußischen Eisenbahn-Ge­meinschaft ernannt: dem Bahnmeister Hch. Beck zu Sterb fritz, dem Bahnhofsvcrwalter Karl M u l ch zu Ed;zell, dem Kassenporstcher Gg. Ehristiau Rapp ztt Betzdorf, dem Bahn­hofsvorsteher Gust. Louis Otto Schulze zu Hanau, dem Eisenbahuassisteuteu Karl Steitz zu Lich die unkündbare Anstellung verliehen. Ferner wurde den Lokomotivführern Mart. Becker zu Asckwffeuburg, Hch. Will). Körle zu Ober-Rodeu, Aug. Friedr. L a in b e r tz zu Obcr-Rodcn, Joh. Hch. R a i ß zu Hanau unb Ludw. Scherbt zu Gebern, )en Zugführern Adam Boll zu Friebbcrg, Peter Lorenz Herzog zu Gemünben, Will). Köhler zu Gießen und Heinrick) Peter Ncuwcger zu Friedberg, den Bahnhofs­aufsehern Friedr. Diehl zu Bermuthshant und Kour. Weiß gerb er zu Grund-Schwalheim, den Wcickienstellern 1. Klasse Ludw. Hofmann zu Bad-Nauheim unb Steph. Max. T o n y zu Bieder, die unkündbare Anstellung verliehen.

* * Tagesordnung für d i e Sitzung der Stabtverorbnetcn-Versammlung am Tonuers- tag, 9. Juli, tiad)m. 4 Uhr: 1. Mitteilungen. 2. Straßen­bahn. 3. Ankauf von Steins Garten. 4. Verkauf eines Bauplatzes an den Verein Abclphenhaus. 5. Antrag wegen Aufstellung eines allgemeinen Bebauungsplans. 6. Gesuch bcs Kaspar Stein uni Erlaubnis zum Betriebe einer Gastwirtschaft auf dem Grundstück Bergstraße 20 (Steins Garten). 7. Gesuch des Heinrich Rusch um Er­laubnis zur Veranstaltung von Tchaustelliuigeu im Hause Kanzleiberg 5. 8. Ferien der Stadtverorbneten-Versamm- lung.

* * Tie Baugenossenschaft des Evang. Ar­beitervereins hielt am letzten Samstag im oberen Saale der Herberge ihre Generalversammlung ab. In Verhinderung des Vorsitzenden des Aufsichtsrats Kom­merzienrat Heyligeustaebt eröffnete der Tirektor der Ge­nossenschaft Cparkasjcnbireltor Döring die Sitzung unb teilte u. a. mit, daß bie Genossenschaft zur,zeit 115 Mit­glieder zählt, sowie daß die Bebauung der Olrunbstücke am Erbkcmterweg wohl in Kürze in bie Wege gcleit.t werben könne. And) die. Clisab?lhenkleinkindcrsd)Ule, die ci i wesent­liches Glied des Evang. Arbeitervereins bildet, erfreut sich einer guten Entwicklung dank der von verschiedenen Seiten erfolgten finanziellen Zuwendungen. Ta die Jahrcsrech- nung für 1907 keine Anstände aufweist, wird dem Rechner Entlastung erteilt. Ter sick, aus der Bilanz der Baugenossen­schaft ergebende Gewinn soll zur Verteilung einer 4proz. Dividende unter die Mitglieder und zur Zuweisung zum Reservefonds verwendet werden. Die aus dem Vorstände und Aufsichtsrat ausscheidenden Herren Architekt Hamann. Laudgerichtsrat Schmeckenbecher unb Prokurist Wolf werben einstimmig wiebergewählt.

* * D e r B a u e r s ch e G e s a n g v c r e i n unternahm am Sonntag einen wohlgelungenen Familienausflug nach der S a a l b u r g und Bad H v m b n r g. Trotz des wenig ein­ladenden Wetters versammelten sich früh 6>;_> Uhr etwa 90 Teilnehmer am hiesigen Bahnhof, um über Friedberg- Friedrichsdorf nach Station Saalburg zu fahren. Nack) kurzer Frühstücksrast auf der Lochmühle ging es bergauf ziun Kastell, das unter kundiger Führung besichtigt wurde. Ter Nachmittag bereinigte die Teilnehmer mit den Sanges- ürübern des Blumenthal scheu Mannerchors Homburg v. b. H. im RestaurantZum Römer", nachdem man bereits vorher das Kurhaus, ben Park, die Erlöserkirche usw. in Augen schein genommen hatte. Hier kam nun bald der frohe Sinn unb Humor dc§ Sängers zu seinem Rechte. In bunter Reihenfolge wechselten Chorgcsängc der beiden Vereine, SoliS und komische Borträge und nur zu bald kam die Abschiedsstunde, die bie GießenerBauern" wieder an die Heimkehr mahnte. Alles in Allem eine schön verlaufene Veranstaltung.

a. Dutenhofen, 6. Juli. AIS ein segensreiches In­stitut erweist sick) immer mehr unsere Kleinkinder- anstatt. Dutenhofen mit seinen vielen Bahnarbeitern, woselbst aud) meist deren Hausfrauen in den Fabriken be­schäftigt sind, konnte eine solche Bewahranstalt nicht länger entbehren. Gestern feierte in aller Stille die junge Anstatt ihr Jahressest. Die Kleinen zeigten vorerst ihr Können und wurden dann mit Kaffee unb Kuchen bewirtet.

X. H c r m a n n ft ein, 6. Inti. Der Gesangverein E i n t r a ch t" trifft schon die ersten Vorkehrungcn zu feiner 25jährigen Jubelfeier, die er im nächsten Jahre zu feiern gedenkt. Ta ber Verein während seines Bestehens schon manches auswärtige Sängerfest besucht hat, darf er woht auf eine große Beteiligung rechnen. Während früher über ein Jahrzehnt Herr Py. Gorr aus Heuchelheim dem Verein als Dirigent Vorstand, leitet nunmehr Lehrer Menz ben Gesanguuterricht. Viele Ominber gehören dem Verein heute noch als Sanger ober Ehrenmitglieder an.

Amöneburg b. Marburg, 5. Juli. Hier kam es vor einiger Zeit zu einem Streit zwischen bem Bürger­in e i st e r nnb den Stadtverorbneten, ber dazu führte, baß ber Bürgermeister ben Stabtverorbneten bie Abhaltung ber Sitzungen im Rathaus untersagte. Auf bie von ihnen bet ber Regierung hiergegen eingelegte Beschwerde entschied diese, daß die Stadtverordneten ihre Sitzungen weiter im Rathaus abhalten dürften. Es wäre wohl ba bie Frage zu stellen, ob ein Bürgermeister bas Recht hat, eine städtische Körperschaft ans bem Rathaus? hinau; in eisen, resp. wer das Hausrecht in einem Rathaus l-at. (Frkf. Ztg.) ,

Gießener Strafkammer.

X Gießen, 7. Juli. Freigesprochen.

Der zweimal wegen Diebstahls vorocstraftcn Fabrikar­beiterin L. Sch. aus Lanbach sind zwei schwere Diedstöhle zur Lost gelegt. Sic hat die Abwesenheit einer im Hause ihrer Eltern irofmcnbcn Witwe dazu benutzt, um ihr unter Anwendung eines falschen Schlüssels einmal 2 Mark und einmal 1 Mar? zu entwenden. Der Frau war bei ihrer Rückkunft jedesmal aus­gefallen, daß die Wolmung burd:'.td>t war. Das erstemal bat sie das Geld, bas bie Frau unter ben Kopfkissen il/res Bettes versteckt batte, gesunden und bas anbcremal nahm sie bas Geld ans einer Kvmmobschublade. Im letzten Winter hatte bereits eine Scrtanblung staltgesund.n, in ber von ber Verteidigung der Antrag gestellt wurde, mii?^ü?.'icht auf b;? in Der /-antilic der Angeklagten vargekommenen Krankhci ser ck.inuvg n eine Untersuchung auf ihren Geisteszustand ftattfinben ;u lassen. Tic Unter'uchung, ber eine in ber psychiatrischen Klinik hier vorzenornrnttre Beobachtung zugrunde lag, ergab, daß die Angeklagte aus einer epileptischen Familie stammt, ihr: Großmutter unb Mutrer sowie eine Schwester leiben an epileptischen Krämpfen, bie auch bei ihr ausgetreten iinb. Sie ist körperlich »iirüdgcblicben unb störrisch, verlegen, srcch. Nach ben Angaben des 5adiv.T|"tänbigen war sie aus ihr oorgelcgte unangenehme Fragen -u keiner Antwort zu bewegen, was sie auch vor Gericht beibchiclt: auch bat sie sich in der Klinik biebüch und be.rüger.sck) gezeigt. Es wurden an ihr skrofulöse Merkmale unb Zeichen von Epilepsie kabrncnommcrt: angeborener Sdp.vachsinn ließ sick jeboch nickc nachwei en, wenn s e auch geistig beschränkt ist unb in der Schule, in ber sie um zwei Klassen zurück- blieb, bem Unterricht nickt immer folgen konnte. Sic erinnert sich an bie Einzelheiten der Vorgänge unb weiß auch, baß ihre Taten bestraft werden. Auf Grund seiner Dal.rttchmungen hielt es der Sachverständige für jmcifcil.au, daß die Angeklagte ftraf» rechtlich juredmunß5:ü( ig ist, wenn auch eine ous ieprügtc Geistes- krankheit nid-t festzustellen war. Eine bauernde Aufsickt in einer Anstalt hielt er für das geeignetste, da die Angeklagte, ber es auch an bet richtigen Erziehung fehlt , beeinfluß unb bclcbrbar ist. Da bie strafreck iliche Verantwortung der AngeNagtcn frag­lich ist, erging zu ihren Gunsten Freispruch.

Vernachlässigung ber Mutterpflichten.

Unter Ausschluß ber Oesienttichkeil wuroe gegen bie Land- wirtstochker L. W. von Tanncnrob verhandelt, ber zur Last gelegt ist, ben Tod ihres int Februar b. I geborenen KindeS durch Fahrlässigkeit herbeigesührt zu Ixibcn. Aus der Urteils­begründung war zu erfahren, daß die Angeklagte vor bet Geburt ihren Zustanb e.u verhcimltchcn gewußt hat: sie will von ber Geburt überrascht worben fein, unb während einer bei ihr rin- getretenen Lhnmad.t fei bas Kind zugrunbc gegangen. DoS Gc- rid)t hielt eine Kette von Vernachlässigungen ber Mutterpflichten für vorliegcnb und erkannte auf eine Gefängnisstrafe von 4 Monaten.

Vergehe« gegen die Zigarettensteuer.

Der Landwirt L. >1 aut d?m ©rciicnhaincr Hos bei Alsfeld, ber nebenbei aud) eine klein Winidiast betrieb, bekam von einem Friedberger Fabrikanten Zigaretten ausgeschwätzt, von denen er im Herbst 1906 einige verlauste. Er war mit den ge­setzlichen Bestimmungen über die Zigarettensteuet nicht vertraut unb l)aite den Vertrieb ber Steuerbehörde nicht angemeldet: auch war bie Packung nid. mit dem richtigen Steuerzeichen vcrsel-en, n-os er aber später uachholte. Er wurde wegen Zigarettensteucr- hinterziehung angeklagt, aber bas Schöffengericht hielt bie Straf­tat wegen ber Nichtanmeldung für verjährt unb erkannte wegen des P» deren Falles nur auf eine Ordnungsstrafe von 2 Mark, da scftsta.td, daß er feine H:n.erziel ung beoostchngt hatte, iiibcm er sich bie Steuerzeichen zusck iuen ließ. Die Staatsanwaltsdias: fod-t bas Urteil auf Wunsch der Steucrbel-örbe an, da schon der, in dessen Gewahrsam sich unversteuerte Zigaretten besinden, wegen Desranbation strafbar ist. Ein weiterer Absatz besagt aber, es habe nur Orbnungsstrase cinjuirctcn, wenn eine Hinterziehung der Steuer weder erfolgt ist noch bcabiidjtigt war. Diese Be­stimmung mußte auf den Angeklagten Anwendung finben, denn nach feinem Verhalten konnte eine Hinterziehungsabsicht nicht fest gestellt weiHen, and) ist eine solch? nicht verübt worben, ba er bie Steuer entrichtet hat. Im ander n Falle wurde, tuic nm Schöffengericht, Verjährung angenommen, w.-sholb bas Urteil seine Bestätigung fand. Tic Kosten ber Berufungsinstanz unb bie dem Angeklagten erwachsenen notivenbigcn Auslagen, worunter auch die Kosten seines Rcd.sanwalts zu versteifen sind, wurden der Staatskasse auferlegt.

Für Politik in Vertretung verantwortlid): P. W i t t k o.

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Darmstädter Bank . Deutsche Bank . . Dortmunder-Union C. Dresdner 1-uuk . .

Tendenz: ruhig

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Aktien :

Bochum Gus» Buderus £ W

Tendenz: fest

Meteorologische Beodirchtnngcn der Station Gießen.

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Obeischles. Eisen-Iudustrie Bcriiuer daudelsges. . . Darmstädter Bank . . . Deutsche Bank . . . . Deutsch-Asiat Bank . . Diskouto-Kommandit . . Dresdner Bank . . . . Kreditaktieu Baitmure- und Ohio-

LiseuLauu Gotthardbahu Lombard. Eiseubohu . . U es len. Staat» Daun . . . I'nuce-Heun-Eiseubahu

Telefonische Kursberichte

Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank fflr und Industrie, Glessen.

211 25

100.20

. 158 90 . 122.50 . 230.20 . 56.00

136.60

Hör*e, 8. Juli, 1.15 Uhr.

91.50 I Eleklriz. Lahineyer .

Franklurter Reichsanleihe . . do. . . Konsols .... do. .... Hessen

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Juli

1908

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