Mittwoch 8. Juli 1908
Zweites Blatt
Nr. 158
Urlchetnl tSglich mit Ausnahme des Sonntags.
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i. Die Ernte
158. Jahrgang
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Schüler höherer Lehr n Tn e. Laudviarrbau! ci Alsfeld., BomglA gung, gewiiienhaile. «c-
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen UnwersitätS - Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, ExpedMon und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition imb Verlag: Redaktion:e-^11^. TeU-Adr^AnzeigerGießen.
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Die „Stetzener Zamilienblätter" werden dem ,Anzetger' viermal wöchentlich beigelegt, das „KreUblatl für den Kreis Sichen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit- fragen'' erscheinen monatlich zweimal.
Der liberale Kongreß in München, btt von dein Rat io naive rein füv das liberale Deutschland riirberuien ist, ist zahlreich, auch von deutschen Frauen, besucht, ytfannllid) ist die Hauptaufgabe dieses Vereins der Ausgleich unter den liberalen Fraktionen, deren gegenwärtige Berechtigung (i anerkennt. Der Kongreß nahm am ersten Verhandlungstage u_ a. folgende bedeutungsvolle und hossentlich auch von allen Bc° ,-iligten beachtete Resolution an:
„Die wachsende Bevormundung der deutschen Studentenschaft, wie sie in Norddeutschland — wir denken NA Marburg und Berlin — seitens der staatlichen Hochschullehrer seit einiger Zeit beliebt wird, entspricht nicht dem Gerste, der injere deutschen Hochschulen grou gemacht hat. Insbesondere ist iie Unterdrückung studentischer Organisationen, die kein umberer Vorwurf trifft, als daß sie neue Organisationsformen im s„identischen Leben einsühr.cn wollen, ein schwerer Fehler. Wenii der deutsche Akadeiniker seine Pflichten als Staatsbürger richtig erfüllen soll, so muß er als Student an weitgehende Selbst- leriDaltuiig gewöhnt werden."
Arbeiterftkretcir V a r n h ol t-Nürnberg referiert über Fragen der Arbeilerpolitik.
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— Pfarrer und Theaterbirektor. Im Ost- biftrikt von Brooklyn befindet sich die .himmelfahrts- kirche und an diese Kirche angeschlchsen ein Theater. Der Pfarrer dieser Kirche, W. E. Bently, war früher Schauspieler und leitet jetzt gleichzeitig die Kirche und das Theater. Er sucht unter seinen Pfarrlindern Männer und Frauen mit dramatischem Talent auf, lehrt sie sprechen und sich aus der Bühne bewegen, und zeichnet ihnen die auf der Bühne zu tragenden Kostüme vor. In den letzten drei Jahren wurden unter der Leitung des Pfarrers in diesem Theater fünfzig Vorstellungen veranstaltet. Er spielte hauptsächlich Shakespeare. Gleichzeitig verschaffe der Pfarrer besonders guten Schauspielern seiner Bühne Engagri.rents an großen Theatern, wahrend er andererseits durch eifrige Propaganda trachtcr, redegewandte Schauspieler dem gefir- lichen Berufe züäüfüh.ren, o* iüm b.is Mr zwolfmat ge-. Mngen i& v
Der Liberale Kongreß sieht in der Frauenbewegung den Kampf um das volle Vienschen- und Bürgerrecht der Frau. Er wirb die Frauen in ber Erreichung biefeS Zieles nachbrücküch unterstützen, weil eine höhere Entwicklung ber Ration ohne höhere Entwicklung ber Frau unmöglich ist. Au alle Frauen aber, welche die Entwicklung ihres Vaterlandes wollen, ergeht die Ausforberung, in die liberalen Parteien ein^utreten unb innerhalb derselben kräftig weiterzuarbeiten an ber Stärkung unb Einigung des Liberalismus. Der Kongreß fordert alle Frauen aus, energisch für bas Frauenstimmrecht zu agitieren.
Die Abteilung für Schul- und B i l b u n g s w e so n trat unter dem Vorsitz bes Rechtsanwalts Kohl - München zusammen. Hauptlehrer Turtur-München verlangte organisierte Jugendfürsorge unb Wohlfahrtspflege, bic Entwicklung ber Jugend zu selbsloer- antwortlichen Persönlichkeiten. Pros, Glenk - Aiüncben forderte Gleichstellung aller Mittelschulen und Gleichstellung ihrer Lehrer mit den übrigen Staatsbeamten, ferner Forderung der Bestrebungen ber Lehrer nach Weiterbildung. Der Zwang der Schüler zum Besuch des Gottesdienst es und religiöser Hebungen sei aufzu heben. Er wünscht weiter systematische Pflege des Körpers, mehr Naturwissenschaften für bas Gymnasium, Gründung von Reformschulen, Stoebnfation Die Sorge für höhere Bildung ber weiblichen Jugend ist Staatspflicht.
Holitssche Tagesschau.
Arbeitsersparnis in der Landwirtschaft.
Die Arbeiter not ist die bittere Klage der Landwirte. Rittergutsbesitzer Dr. Dyhrenfurth in Petershof bei Liegnitz gehört -u denen, die den 9totftnnb nickst: für eine bald vvvübergehenbe Ersä-einung halten. Er zieht daraus die Folgerung, daß die Landwirte, iveun es möglich ist, sich noch mehr aus Produktionsarten einrichten sollen, bei denen sie Arbeiter sparen können. In der Zeitschrift für Sozialwissenscl-ast (herausgegeben von Prof. Julius Wolf in Breslau) entwickelt er seine Gedanken. Die Hauptsache ist etwa das Folgende: .Heute muß das Ziel des Landwirts sein, die Wirtschaft so viel tote möglich mit Kapital zu befruchten und an Arbeitskräften zu sparen. Ganz nahe dieseut unter den obwaltenden Umstünden aufzustelleitden wirtschaftlichen Ideale (daß von anderem Standpunkt aus, z. B. vom politischen, sich Bedenken dagegen erbeben, kann wohl nicht verhehlt werden) sind die Marschbauern an dem Gestade der Nordsee. Sie haben dank dem Klima, das dem Gvaswuchse günstig ist, fast ihr ganzes Land als Weide liegen, lassen auf dieser Weide das allerhervorragendste Vieh laufen, für dessen Verbesserung ihnen fein Preis zu hoch ist, und lnnuchen nur wenig Menschen^ zur Pflege des Weidevtehs. So ein Weidegut von etwa 150 Hektar kann mit 3 Märschen bewirtschaftet werden, während eine mittlere Rübenwirtschaft von gleicher Größe mindestens 35—40 Menschen braucht. Für eine Anpassung an die Weidewirtschaft sind nach Dyhrenfurth noch manche Striche geeignet, in denen heute mit Ackerbetrieb nur geringe Erträge erzielt werden, so die Vorberge des Riesengebirges und manches Landstücr des Bober-Katzbach-Gebirges, wo reiche Niederschläge in Tauform ganz ersichtlich den Graswuchs fördern.
In der Entscheidung über die Art der anzubauenden Früchte werden noch immer Fehler gemacht. Die Rücksicht auf günstige Verteilung der Erntezeiten und dadurch erzielte Ersparnis an Gespannen und menschlicher: Arbeitskraft rann noch erhöht werden. Man muß beachten, daß die Leistungssähigfeit des Arbeiters durch lange Hebung bedeutend erhöht wird, und man muß nach Dyhren- furths Ansicht trachten, durch Stückarbeit sie weiter zu steigern. Der Verfasser hat die Stück-Löhnung auch für daS Legen der Kartoffeln hinter der Lochmaschine, das Einfahren, des Getreides, das Auf- und Heb erlaben der Rüben, daö Dreschen mit der Dampfmaschine, das Flachsentknoten, Düng erfahren und -breiten ünd viele andere Arbeiten cingesührt. Es wird dann durch wenig Leute, die gut verdienen, viel geleist.t. Bei ein- lelnen Arbeiten hat sich die Leistung des Arbeiters durch Einführung der Stückarbeit und durch Spezialisierung im Laufe von 20 Jahren um 100 Prozent und mehr gesteigert. Auch mit der Leistungs- Prämie, namentlich einer solchen, die die Heberleistung hoch belohnt, hat Dyhrenfurth gute Erfahrungen gemacht.
Die Auswahl der Arbeiter will er auch im Großbetrieb vom Besitzer selbst vorgenommen wissen, damit sie nicht mechanisch oder nach Gunst erfolgt. Neben den kleinen Mitteln ist die M aschine als Ersatz der menschlichen Arbeitskraft hochbebeut- sam. Allerdings ist dieser Ersatz sehr teuer. Die Kvsten würden sich verringern, wenn das Bedienungspersonal in die Zuiammcn- setzung und Reparatur der gebräuchlichen landwirtschaftlichen Maschinen eingeweiht würde. Lehrgänge für Leiter und landwirtschaftliche Arbeiter sind daher in ALaschinensabriken eingerichtet worden.— So kann durch Organisation, zweckentsprechende Lohnform und die tägliche Betriebsführung in der deutschen Landwirtschaft noch an menschlicher Arbeitskraft gespart werden.
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General-Anzeiger für Gberhesien
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übertriebene Schutzzollforderungen ebenso energisch zurückzuweisen. Tas Hauptaugenmerk isiauf das landwirtschaftlicheSchul- wesen zu richten, denn nur eine fortschrittliche, mit dein Geist der Zeit vertraute Jugend kann die Schwierigkeiten im modernen landwirtschaftlichen Betrieb überwinden. Taher muß der Ausbau landwirtschaftlicher Fortbildungsschulen gefördert werden. (B e i - f a 11.) An die Zollirage, so führt der Referent weiter aus, bin ich mit einem gewissen Zögern herangegangen. Man sagt immer, der Liberale müsse Freihändler fein. Der Liberalismus i st eine Weltanschauung, die mit den wirtschaftlichen Verhältnissen nichts zu tun hat. Der Landwirt kann sich n i ch t d e m F r e i h a n d e l a n s ch l i e ß e n. Auch Marx war theoretisch Anhänger eines mäßigen Schutzzolls.
Dr. Romer (Württeniberg) erklärt, daß in Württemberg nicht die Landflucht, sondern die Landnot das größte Elend sei. Tort frage man mit Sorge: Wohin mit den Kindern, von denen es fast in jeder Familie zu viel gibt ? (Heiterkeit.) Er meint im Gegensatz zum Vorredner, daß der w ü r 11 e m b. B a u e r von den landwirtschaftlichen Zöllen keinen Vorteil hat. Deshalb fei er Gegner solcher Zölle, besonders der G e- t r e i d e z ö 11 e, die nur die Futtermittel verteuern. Auch er hält die Schlllfrage für die wichtigste Frage des Bauernstandes.
Rittergutsbesitzer Becker (Pommern): Wenn die Bildungssrlwe die wichtigste ist, so ist es auch richtig, daß die preußische Wahlrechtsfrage eine deutsche Angelegenheit ist. (Beifall.) Wenn wir die Landwirte liberalisieren wollen, so muß die Devise heißen: Gegen den Bund der Landwirtel (Beifall) Er schlägt vor, eine Kommission zu wählen, die einen Niederschlag der Meinungen der Landwirte der verschiedenen Teile Deulichlands sammeln solle.
Reallehrer Haber st ock «Bayern) stellt sich als ba5 17. Ktnd eines Bauern vor. (Heiterkeit.) Er bedauert, daß der Liberalismus das Emporkommen des Bayrischen Baiiernbundes nicht genügend beachtet habe. Er habe den Vorsitz dieses Bundes niedergelegt, iueil er nicht weiter Vorsitzender eines Vereins fein wollte, ber nur nach höheren Getreide- und Viehvreisen strebte, und der für den Fortschritt nicht zu haben war. (Beifall.)
Pfarrer Korell: Der Liberalismus muß sich mehr um landwirtschaftliche Fragen kümmern a(§ bisher. Zn beklagen bleibt der Mangel an landwirtschaftlichen Arbeitern. Es werden da gesetzliche 'Diabregeln nötig sein. Tabei fei nicht an eine Beschränkung der Freizügigkeit zu denken Wohl aber könne auf dem Gebiete der Bettelei, des Herbergs- wesens usw. etwas geschehen. Der Liberalismus müsse sich aber hüten, das Rezept des Bundes der Landwirte zu unterschreiben. Auch in den Städten müsse das Verständnis für die bäuerlichen Fragen wachsen. Wenn der Zustand der U e b e r r e i z t h e i t in den bäuerlichen Kreisen geschwunden fein wird, bann wird auch der Bauer für ben Liberal ismus gewonnen werden. Wir Beamten, Geistlichen, Lehrer usw. sollten ein paar Jahre länger auf dem Lande bleiben unb uns nicht ebenfalls an ber Landflucht beteiligen.
Schließlich wurde folgende Resolution emflunmig angenommen: Tie Abteilung für Landwirtschaft des Liberalen Kongresses stellt mit hoher Freude fest, daß die Aussprache der liberalen Landwirte in voller Einmütigkeit zu dem Resultat geführt hat, daß nur auf liberalem Boden deutsche Landwirtschaftspolitik mit Erfolg getrieben werden k a n n. Sie beklagt bic demagogische Tätigkeit des Bundes der Landwirte unb des Zentrums, die den laiidwirtfchaftlichen Interessen zuwiderläuft. Sie beauftragt eine sofort einzusetzende Kommission damit, dem nächsten liberalen Kongreß Richtlinien für eine liberale landwirtschaftliche Pol itik vorzulegen. — Somit war die Aussprache ber liberalen Laubwirte beendet.
Ferner sprach noch Rechtsanwalt Wölz-Stuttgart über den gegenwärtigen Stand ber
Privatbeamteusrage.
Er legte eine Reihe von Leitsätzen vor, bie daraus hinaus geht, daß die P r i v a t a n g e ft e 111 e n or g a n i f a t i o n gewerkschaftlich sein müsse.
Unter dem Vorsitz von Frau Weber-Heidelberg trat endlich die Abteilung für
Fraueusragen zusammen. Frau Martha Z i e tz-Hamburg forderte für die Frauen eine gleiche Bildung wie sie ber männlichen Jugend geboten wird, ferner Beseitigung aller gesetzlichen Bestimmungen, welche ber doppelten Moral für Mann unb Frau Vorschub leisten unb weiterhin das aktive und passive Wahlrecht für die Frauen in Staat und Gemeinde unter denselben Bedingungen, unter denen es den Männern zusteht. — Frau v. Forster-Nürnberg bezeichnete es als eine nationale Aufgabe, bie beutsche #rau »ur eine liberale Sß o l i t i f ju crjieljeii. Die Beteiligung der Frau am politischen Leben sei ein kultureller Fortschritt, ihre Mitarbeit auf sozialpolitischem Gebiete sehr wertvoll. Ten Fratren müssen alle kommunalen unb staatlichen Bürgerrechte gewahrt werden. — Schließlich wurde folgende Resolution angenommen:
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frie Aussichten de; Pflanzenbaus in unfern Kolonien.
In ber O b e r h e f f if ch en Gesellschaft für v! a t u r - und Heilkunde, Naturwissenschaft- li_che Abteilung, hielt unlängst der Privatdozent 3~r. W. F. Bruck im Hörsaale des Botanischen Jn- siütuts einen Vortrag über: „Die Aussichten des Pflanzenbaues in unseren Kolonien". Der Borst agende wies zunächst auf einige Aufgaben des Pflanzen- bciues in unseren Kolonien hin. Während sich unsere Ausfuhr innerhalb der letzten 20 Jahre von 2,9 Milliarden ÖtarE im Jahre 1887 auf 6,4 Milliarden Mark im Jahre 1906 gehoben, also mehr als verdoppelt hat, ist in dem gleichen Zeitraum die Einfuhr von 3,1 auf 8,0 Milliarden i'Jiart gestiegen, sie hat sich also verdreifacht. Während früher (iic Ausfuhr aus Deutschland landwirtschaft. Erzeugntsse, zur Einfuhr Jndustrieerzcugnisse und fertige Trvpenp-rodurte gelangten, hat sich neuerdings dieses Bild verschoben, ^etzt bilben Fabrikate die Hauptausfuhr, während land- !o-irtschaf tliche Produkte und vor wiegen dindu st rielle Rohstoffe die Haupt einfuhr aus machen. Unb oter biefen sind es gerade die kolonialen Rohstoffe, bre immer mehr an Bebeurung gewinnen. An bcrartigen Roh- ilhlwffeTt führte Deutschlanb 1906 u. a. bereits ein: Baum- iDoUe für 480,50 Millionen Mark, tierische Probukte (Haute, Elfenbein, Hörner, Wachs) für 515 Millionen Mark, Nah- rungs- unb Genußmittel für 433 Mill. Mark, Oelprobukte jiic 214 Mill. Mark, Hanf für 172,75 Mill. Mark, Kautschuk fiic 153,50 Mill. Mark und Gerbstoffe unb .Hölzer für 39Mrll. '.liart Da zurzeit unsere eigenen Kolonien noch nicht ge- iiiigenb entwickelt sind, decken sie erst ben Bebars an ben eben genannten Einsuhrprobukten zu einem geringen Bruck)- tei. So betrug ber Gesamtexport ber Kolonien: in Baunv- IöloHc 0,34 Mill. Mark, an tier. Probulten 4,63 Mill. Mark, an Nahrungs- und Genußmitteln 2,25 Mill. Mark, an Oel- probuiten 10,43 Mill. Mark, an Hanf 1,28 Äüill. Mark, an üoutschuk MUl. Mark, an Hölzern 0,13 Mill. Mark. Demnach bliebe noch ein jährlicher Bebarfvon mehr als 2 Milliarden Mart übrig, ben mir £3 Iuslanp Lah.len fflMtot- S^tragesbe
ist bereits auf gegen I1/2 Millionen Mark gestiegen. Weniger Glück haben die Kasfeepflanzer in Ostafrikä; bas qualitativ nicht besonbere Produkt wird dort im Werte von V2 Million Mark exportiert. Weit wichtigere Ausfithnverte schaffen Hanfe von Agaven (Sisal) und Sansevieren, deren Export aus Ostafrika sich bereits weit über U/2 Mill. Mark beläuft. Weiterhin wurden noch Bananen, Panille, Getreidefrüchte und Hölzer, welche Aussichten versprechen, erwähnt. An Demonstrationsmaterial wurden die einzelnen Kulturge- wächfe und ihre Produkte erläutert. In dankenswerter Weise hatten verschiedene Firmen und der bekannte Tropenforscher Reg.-Rat Busse vom Reichskolonialamt zu einer kleinen Tropensammlung Objekte geschenkt. — Hieran schloß sich unter Beteiligung des Herrn Garteninspektor Rehnell eine Führung durch den Botanischen Garten zur Demonstration ber vorhandenen tropischen Nutzvflanzen. — Die Sitzung war recht gut besucht. Noch sei bemerkt, daß am 18. Juli abends Herr Pros. Kaiser auf dem Gleiberg ber Gesellschaft bie geologischen Verhältnisse ber Hingegend erklären wirb. Näheres wirb durch bie Zeitung und Karten bekanntgegeben.
Tie T)ittatunuut der fozialdtmokratffchen Gewerkschaften, die geroaltfamc Unterdrückung feder anderen Aieinung, des Organi- fstionszwanges, sowie die Ueberspannung der Streikbewegung hat bie deutsche Arbeiterbewegung zersplittert und durch die Gründung gelber Gewerkschaften eine weitere Zerfplttlerung ersahren. Tiefe gelben Geiverkfchaften sind eigentlich eine Organisation der Um viganisierten. Wenit man die Arbeiterbewegung nicht nur einseitig o!5 eine Mehrlohnbewegung und die Arbeitersrage nicht nur als tine Magensrage behandelt, sondern als eine Kulturbewegung an- sieht, dann muß man die gelben G e w e r k s ch a s t e n ver- wersen. Reformarbeit bildet das Koalitionsrccht. Die letzte Ü-nsequenz desselben ist für den Arbeiter daS Strcikrecht. Verzichtet er auf dieses, so wird das erstere genau so bedeutungslos ivie die Klinge einer halben Schere. Tie Großindustrie bürgt so w ic so schon durch ihre Kartellierung viele Gefahren in sich. Wenn sich die Arbeiter ihrer Kampfmittel gegen sie berauben lassen, so ti>nnen sie sich nicht gegen Auswüchse wehren. Tie gelben Gewerkschaften hindern die Entwicklung zu Reichstarifverträgen, Tarif- geineinfchasten, sowie die Organisierring des Gewetbewesens. Durch die gelbe Bewegung werden nicht sreie Männer mit offenem unb leftem Charakter erzogen, fondern meist Kriecher und Heuchler. Derjenige, der seine Existenz nur von der Gnade abhaitgig mad)t, wird auch nie der Mann sein, der für politische Freiheiten Opfer langt. Parteien, die Werk auf die Persönlichkeitsbildung legen, muffen es ablehnen, Bestrebungen zu unterstützen, die nur die Unfreiheit zum Ziele haben.
In der Diskussion verteidigten einige Redner die gelben >S ewerkschasten, Psarrer Korell aber führte ans : Die Protektoren ter gelben Gewerkschaften, feien der Landesverband z u r Bekämpfung der Sozialdemokratie, der den politi- schen Kampf fo vergiftet, elend und niedrig führe wie niemand fönst in Deutschland, und die Kr i eg e r u er e i 11 e mit ihren u Elementaren militärischen Bestimmungen und mit ihrer Ge- fninungsriecherei. Diese Protektoren müßten schon mißtrauisch machen. Im übrigen könne er nur sagen: die ungläubige n organisierten Arbeiter seien ihm lieber als die gläubigen Gelben.
Schließlich wurde solgende Resolution angenommen: Der 1 liberale Kongreß lehnt jeden Zusammenhang von Liberalismus unb gelben Gewerkschaften ab, in denen er eine große Gesahr sür die Arbeiterbewegung erblickt. Er hält für das einzig richtige eine geiverkfchaftliche Arbeiterbewegung, die auf dem allein wertvollen '-'3ege der Selbsthilfe in selbstbeivußter Freiheit den Kampf für die höhere Entwicklung der Arbeiterklasse führt.
Dann fand eine sehr zahlreich besuchte Versammlung der liberalen Landwirte halt. Teii Vorsitz führte Gutsbesitzer Dr. Fischer (Landsberg). Er führte aus, daß der A r b e i t e r m a n g e 1 aus b e in Lande mir dadurch behoben werden kann, daß mit staatlicher Hilse tüchtigen Dienstboten Gelegenheit geboten wird, sich seßhast und ielbständig zu machen. Die sog. Fleischnotfrage hängt eng mit der fog. Landnrbeiterirage zusammen, da die Leutenot es vielen Landwirten unntöglich macht, ihre Futterboden voll auszunützen und banüt eine wesentlich größere Anzahl von Vieh zu züchten. Es m»iß auch danach getrachtet werden, daß ein maßgebender Teil der i iehniarktbestimmnng aus den Händen der Zwischenhändler in die Hätide der Landwirte iEcrgeht. Tie zahlreichen ungerechten Bestimmungen des Hast- filichtversicherrnigsgejetzes müssen durch eine neue Kommission, in her auch prakiifche Landwirte sitzen, geprüft werden. Die fortgejetzte Steigerung der Jnvalidenversicherungsbeiträge ist ungerechtferltgt. Die heutige Landwirtschaft kann ohne länen e n t f p r e ch e n d e n Zolls chutz nicht bestehen. üSeim man sich daher auch gegen jede Forderung nach Freihandel w ihren muß, so muß man doch auch politisch weitsichtig genug sein, um
tarn "bann zn bent eigentlichen Thema i Bieten unsere L>lo.s Aussichten jur Kakao(Smnoa, Kam«un, Tog°> nien hinsichtlich des Pflanzenbaues tatsäcklich Ausfrchtcn flt bereits aus gegen U/3 Millionen Mark ge|tiegi dafür, daß wir uns von der drückenden Abhängigkeit vom Auslande werden frei machen können? Zunächst wurde der Baumwollbau behandelt. Es wurde gezeigt, daß unfer Bedarf an diesem Produkt innerhalb der letzten 10 Jahre von 300 000 Ballen auf 1,6 Millionen Ballen gestiegen ist.
1906 zahlte Deutschland für feine Einfuhr an Baumwolle 470 Millionen Mark an das Ausland. In unseren Kolonien find Togo und Ostafrika zurzeit schon jetzt für den Baumwollbau sehr aussichtsreich. Ohne daß dort Bahnen, andere Transportmittel und Bewässerungsanlagen vorhanden sind und dabei die Kultur nur Einaeborenenarbett oder deutscher Kleinsiedler ist, hat sich der Export in einem Zeitraum von 5 Jahren von 82 Ballen aus 3000 Ballen gehoben. Gerade in Deutschostafrika ist ein vorzüglicher Boden für die hochwertige ägypt. Baumwolle. Zurzeit sind jetzt ungefähr 100 000 Hektar für Baumwolle belegt worden. Dank dem emsigen Wirken des Staatssekretärs Dernburg und des kolonialwirtschaftlichen Komitees fängt man jetzt an, dort große Plantagenunternehmungen bis zu 20, 30 000 Hektar anzulegen, die schon in den nächsten Jahren Erträge liefern werden. — Der Kautschuk wurde zunächst, wie überall, durch Raubbau gewoimen, ist doch überhaupt erst 2 Proz. der Weltproduktton Plautagenpro- dutt. In ben Koloni-en (Ostafrika, Neuguinea, Kamerun, Samoa, Togo) sind über 3500 Hektar mit rund 3V2 Millionen Kautschukbäumen bepflanzt. Während sich in den nächsten Jahren die Erträge aus diesen steigern werden, wird das Rcrubbauprodukt zurückgehen. Auf bie botamfchen Einzelheiten, Gewinnung rc. des Kautschuks wurde naher eingegangen, desgl. auch auf bie Guttapercha, die auf Neuguinea gewonnen wird. Unter den Palmen wurden Oel und Kokospalme besonders besprochen. £ogo allein Hihrt an Palm- ferneu und -Oel jährlich ungefähr für 4 Millionen Marl aus. Die Kokosnüsse pnd bejonoery wichtige Exportartikel unserer Kolonien (Kopra). An letzterem Produkt fuyrlen die Kolonien für 5 MUl. Mcark aus. Die Südseeinseln, besonders Samoa, und tPßajrj;^ tzMil -)WHauPtantbU. SMMnAg li?ZM bie
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