Ausgabe 
7.5.1908 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

"E

Zweites Blatt

Nr. 107

Donnerstag 7. Mai 1008

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

158. Jahrgang

Rotationsdruck und Verlag öer Brühl'schen Univcrsitäts - Buch- und Steindruckerei. yt Lange, Gießen.

Die ..Siegener Zamtlienblätter- werden dem .Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, daS Krdsblati für den Uretr Siegen" zweimal wöchentlich. Die ..Landwirtschaftlichen 3rtU- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Redaktion. Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Berlag: e^s^öL Redaktion; ? ra. Tel-Adr.-. ZlnzeigerGießen.

pnm «I iinnnCTm, 11 mMag»

parlamentarisches aus Qejfen*

RB. Der Finanzausschuß der Zweiten Kam­mer tagte gestern abermals. Als Vertreter der Regierung wohnten die Staatsminister Ewa l d, Geheimerat Wil brand, Ministerialrat Dr. Becker und Geh. Oberfinanzrat Fuchs der Sitzung bei. Die Vorstellung des Forstmeisters Hoff­mann zu Butzbach, welcher sich darüber beschwert, daß ihm seine Militärdienstzeit nicht angerechnet und ihm dadurch eine Schädigung zu teil geworden sei, wurde mit der Re­gierung eingehend besprochen, jedoch noch kein Beschluß darüber gefaßt. Eine längere Debatte rief auch der Antrag des Abg. Noack, betr. Neuregeluiig der Witwen- und Wa i sen v e r s o rg l» n g der Beamten hervor. Der An- trag bezweckt die Erhöhung des Witlvensatzes von 30 auf 40 Proz. der Besoldung. Soioohl die Negierung wie der Ausschuß waren der Meinung, daß eine Erhöhung der Re- liktenbezüge sehr wohl als geboten erscheine. Da durch die­selbe jedoch eine starke Belastung der Mehrausgaben herbei- geführt werden würde, so war man einmütig der Meinung, daß diese Frage nur in Verbindung mit der Revision der Besoldungsordnung gelöst werden könnte. Weiter wurde auch die Vorstellung der Steueraufseher wegen Gehalts­erhöhung eingehend zwischen Regierung und Ausschuß be­handelt, doch wurde auch hierüber noch kein endgültiger Be­schluß gefaßt. Gelegentlich einer anderen Petition wurde von der Regierung noch betont, daß das alte Provinzial- ArresthauS in Mainz für kleinere Beamtenwohnungen um­gebaut werden soll. Der Ausschuß nahm alsdann auch noch den Bericht des Abg. Dr. Osann über den Gesetzentwurf betr. die Fürsorgekasse für die Beamten der Landgemeinden und weiteren Kommunalverbände entgegen und genehmigte ihn. In der am nächsten Dienstag stattfindenden weiteren Beratung soll in erster Linie die Regierungsvorlage über die Strafanteile behandelt werden.

Deutsches Reich.

Staatssekretär Dcrnburg verläßt ain Sonntag Berlin, um sich zunächst nach London zu begeben. Von dort aus schifft er sich am 16. d. M. nach Südafrika ein. Der Aufenthalt in der Kapkolonie ist auf etwa fünf Wochen, der Aufenthalt in Deutsch-Südwestafrika auf annähernd zwei Monate berechnet.

Graf Posadowsky, der gegenwärtig in Lausanne weilt, wird im Saufe dieses Monats in Ra um bürg an der Saale eintreffen, wo ec ständig Aufenthalt 511 nehmen gedenkt.

Die Kommission des Reichstages für die GewecbeordnilngSnovelle (Heimarbeit) beschloß, den Reichstag zu ersuchen, er möge 1. den Präsidenten ermächtigen, diese Kommission in» Herbste schon vor Beginn der Plellarsitzungen einzuberufen und 2. den Wechsel im Mitgliederbestände der Kommission zu genehmigen.

Ausland.

Ag ra ru nr u h e u i n I r a l i e n. In Apnlien. sind ähn­liche Agrarunruhen ausgebrochen wie in der Provinz Parma. In Ruvo griffen Bauerii mehrere Pächter all, die vorn Bezirls- gericht zurückkehrten, wo sic gegen aufständische Bauern als Ge- fchwoveue fungiert hatten. Mehrere Personen wurden verwundet. Einschvcitende K'arabinieri wurden von den Bauern mit Stein-- würsen empfangen, doch gelang es ihnen, die Ordnung wieder- herzuftellen.

Unter den Me hrfo rderun g e n des französischen Krieg sm i nist e rs für 1909 befindet sich an erster Stelle ein Posten von. 15 Millionen Frank für Mitrailleusen. Es handelt sich darum, nach und nach alle Infanterie-Regimenter mit je zwölf der neuartigen Mitrailleusen zu versehen, lieber die der Kavallerie zuzuteilenden Maschinengewehre ist noch nicht endgültig entschieden.

Eidesleistung des Königs von Portugal. Am 6. Mai sand in Lissabon die feierliche Eidesleistung und die Prok­lamation König Manuels II. im Parlamenr statt. Sobald er Platz genommen hatte, bv. ihm der Präsident das Evangelium und das Kruzifix dar. Hierauf leistete der König, der das Zepter trug, unter Verlesung der entsprechenden Artikel der Verfassung den Eid. Alsdann proklamierte der Oberbannerträger, von He­rolden begleitet, den König von: Balkon herab. Die Menge vor dem PalaiS brach in Zuruse aus. Artilteriesalven aus den Schiffen und der Festung verkündeten die Proklamation des..igs.

Aus C a sa b l a n c a wird gemeldet: Die Franzosen wurden von den Mcdatras nach längerem Kampfe unter Ver­lusten zurückgeschlagen.

Aus M 0 nastir luirö berichtet, daß am Tiensiag 2 von einem, außerordentlichen Gericht kürzlich zum Tode verur­teilten Griechen hingcrichtet worden seien. Die Leichen blieben 10 Stunden lang am Galgen hängen. Die türkischen Behörden hatten kurz vor der Hinrichtung einen Priester nach dem Nichtplatz rufen lassen, ohne biefent mirzuteilen, um was es sich handle. Man zwang den Priester, den Verurteilten im letzten Äugeirblick den geistlichen Beistand zu leisten. Die Aufknüpfung der Delinquenten erfolgte trotz der Intervention her griechischen Regierung. Die Angelegenheit hat unter der Be­völkerung von Monastir große Erregung hervorgerufen.

Zur Eulenburg-Affäre.

Die Gegenüberstellung des Zeugen Ernst, der -bereits nach Berlin abgereift ist, mit dem Fürsten Eu len - bürg findet wahrscheinlich am Donnerstag statt. /Vor seiner Wreise hat Ernst dem Starnberger Amtsgericht einen sehr gra- bierenden Brief von einem hochge st eilten B er - liner Absender übergeben. Wenn dieser Brief echt ist, voran nicht gezweifelt wird, so wirft er auf den Moltke-Harden- Lrozeß ein eigentümliches Licht und es dürften neue Untersuchungen tevorstehen. Der Milchhändler Riedel wird ebenfalls zur Konfrontation mit Eulenburg von München abreifen. Die jüngst beschlagnahmten Briese weisen auf Situationen hin, dec wahr- Icheinlich Verhaftungen im Gefolge haben werden. Der Zeuge .Srnst hat übrigens feine .Stellung als Verwalter der Eulen- 2urgschen Villa niedergelegt. Geheimer Medizinalrat Dr. H 0 f s- Ttann weilte heute wieder bei dem Fürsten Euttnburg auf !ßchloß Liebenberg und stellte fest, daß fcer Fürst wem» einer schmerzhaften Stelle am Knie noch nicht transportfähig "ei, so daß dec Haftbefehl gegen den MrsM^Ld.K nicht

Aus Stadt Und Land.

Gießen, 7. Mai 1908.

** Der bevor st ehende Kaiserbesuch. In der Stadt ist das Gerücht verbreitet, der Kaiserbesuch sei nun­mehr enbgiltig auf den 16. Mai bestimmt, wie aus einem Anschlag am Kurhaus in Wiesbaden hecvorgehe. Wir können, auf drahtliche Anfrage hier und in Wiesbaden, dazu rnit- teileu, daß toeder hier noch dort bei den Stellen, die es wissen müßten, etivas über das genaue Saturn des Kaiser­besuches in Gießen bekannt ist. Die hiesigen amtlichen Stellen erwarten, wie wir schon früher mitteilten, den Besuch in den Tagen zwischen dein 16. und 18. Mai. Etwas näheres ist ihnen aber inzwischen noch nicht zugcgangen. Da der 17. Mai auf einen Sonntag fällt und für diesen Tag die Einweihung der Erlöserkirche in Homburg v. d. H. unter Teilnahme des Kaisers, sowie der Großherzogspaare von Hessen und Baden stattfindet, wird also der Gießener Kaiserbesuch voraussichtlich am 16. oder 18. Mai erfolgen. Der Wiesbadener Kuc- direktion ist bezüglich des 16. Mai bis jetzt nur bekannt, daß im Wiesbadener Hoftheater eine der Festspielvorstellungen aus Anlaß deS Kaiserbesuches stattsindet. Sobald der diesjährige Kaisertag in Gießen genau feststeht, werden wir es mitteilen und zwar so frühzeitig wie möglich.

** Landes Universität. Se. Kgl. Hoh. der Gro ß- h erzog haben den außerordentlichen Professor Dr. Wilh. Horn in Gießen zunt ordentlichen Professor für englische Sprache und den außeretatmäßigen ordentlichen Professor Dr. Friedr. S chwally in Gteßen zum ordentlichen Professor für die semitischen Sprachen in dec philosophischen Fakultät der Landesuniversität ernannt.

** Technische Hochschule. Se. Königl. Hoh. der Großherzog haben den außerordentlichen Professor Dr. Henn. Finger in Darmstadt zum ordentlichen Professor für organische Chemie an der Technischen Hochschule zu Darmstadt und den Privatdozenten Tr.-Jng. Gg. Köhler in Darmstadt zum außerordentlichen Professor für Laslhebemaschinen an der Technischen Hochschule ernannt

** Lehramtspersonalien. Se. Königs. Hoh. der Großherzog haben den Oberlehrer an dem Realgymnasium und der Oberrealschule zu Gießen Dr, Adam Ritzert zum Direktor der Taubstummenanstalt zu Friedberg, den Ober­lehrer am Wolfgang Ernst-Gymnasium zu Büdingen Professor Dr. Beruh. Schädel zum Oberlehrer am Realgymnasium und der Oberrealschule zu Gießen, den Oberlehrer an der Oberrealschule zu Worms Dr. Friedr. Kraft zum Oberlehrer an dem Realgymnasium und der Oberrealschule zu Gießen, den Zeichenlehrer an der Volksschule zu Darmstadt Jos. Müller zum Zeichenlehrer am Ludwig Georgs-Gymnasium zu Darmstadt, den Lehrer an der Realschule und dem Pro- gymnasium zu Bingen Hch. Stassen zum Zeichenlehrer an der Oberrealschule zu Worms ernannt.

* Zum Tode des Geh. Rats Prof. Dieterich in Heidelberg erfahren wir hellte folgendes: Professor Dieterich begab sich am Dienstag früh 91/* Uhr in gewohnter Ge­sundheit in sein Auditorium. Nachdem er 5 Minuten frisch und schivimgvoll gesprochen hatte, begann er zu stocken und zu lallen. Ein Student sprang auf und führte Dieterich aus dem Aliditorium in das Studentenziinmer, wo der plötzlich Erkrankte bewußtlos zusammenbrach. 3 Aerzte und 2 Pfleger mären um den Erkrankten bemüht Am Mittwoch früh trat 2lgonie ein und um 1/28 Uhr erfolgte der Tod.

* 31 u§ d em Militär Wochenblatt. J lsema nn, Lt im Großh. Art.-Korps, 1. Großh. Hess. Feldart-Regt. Nr. 25, scheidet aus dem Heere aus und wird in der Mariue- Feld-Battr. des III. See-Bats. angestellt Bergsträßer, früherer Großh. Hess. Gerichtsassessor, zum Kriegsgerichtsrat ernannt und der 37. Div. zligeordnet.

* * 2113 Sachverständige an der Bankenquete in Berlin sind aus Hessen vom Reichsschatzamt berufen worden; Dr. Bamberger in Firma Bamberger & Co. in Mainz, Geh. Negierungsrat Haas, Generalanwalt des Reichsver­bands der delltschen landwirtsch. Genossenschaftei', in Darmstadt und Joseph Reinach in Firma Zulauf & Co. (Fabrik für Beleuchtungskörper).

* Aufgeregte Kranke. Die Direktion der Klinil für psychische und nervöse Krankheiten bittet dringend, unter keinen U m ft ä n b e n aufgeregteK ranke ohne vorherige 21 n ni e I b u n g in bic Klinik zu bringen, da sie öfter infolge von Uebersüllung mit chronisch Kranken, die trotz längst geschehener 2lnmclbmig in den Landesirrenallstaltcn nicht aufgenommen werden können, nicht alifnahmefähig ist.

Licht - Luftbad. Tas Interesse an der Errich­tung des Llcht-Luftbades ist sehr rege. Die Kosten der 2lnlagc öer Männerabteilung sind nahezu gezeichnet und werben sicherlich noch vor nächsten Montag zuiarnmen- gebracht sein. Interessenten sei an dieser Stelle mitgetcilt, daß Bankbiceltor Dietz, Kaufmann August Kröll, Selters- weg, Semlnardirektor Quentell, Kepplerstraße 1, Lehrer Schmibt, Ost-Anlage 15 und Rechtsanwalt Dr. Spohr, Neuen Baue jeberzeit Zeichnungen und 2lnmelbungen entgegennehmen. Tie Satzungen und der Gesellschaftsvertrag lueröen der Ver­sammlung vom 11. d. MtZ. abends 81/., Uhr im Hotel Einhorn vorgelegt werden. Auch freie Zuwendungen sind willkommem Insbesondere aber ist auch die Beteiligung der Frauen sehr erwünscht. Hoffentlich ist cs möglich, auch alsbald eine Frauenabteilung herzustellen. Platz ist genug vorhanden und die Verbindung mit dem Lahnbad ist ein Vorzug, dessen sich ucht viele Licht - Luftbäder rühmen können. Eln günstiges Abkyupnen mit dem BadecmsialtS- hesitzec Müller ist gesichert.

** Graf und Stadtverwaltung Aus Schlitz- 6. Mai, wird uns geschrieben: Nachdem sicl> die Presse nunmehr einer zwischen dein Grafen Schlitz und der Stadtverwaltung spielenden Affäre bemächtigt hat, die wohl etwas ruhiger undi sachlicher seitens der Standesherrschaft Härte behandelt roerbert dürfen, haben auch wir keine Ursache, die Sache zu beleuchten, zumal in verschiedenen Zeitungen vollständig irreführende 'jtad)4 richten geschrieben werden. Die Sache ist kurz folgende: Als int, Jahre 1858 die Feldjagden bezüglich der Rechte, die Standes- Herrschaften darauf hatten, abgelöst luorben waren, waren Schlrtz und Willofs die einzigen Gemeinden, die die Jagden nicht ab­lösten, sondern es mit der Normierung der Abfindungssumme (für Schlitz 900 Gulden) bewenden ließen. Diese Summe wurde dem! Grafen v. Görtz verzinst und ihm die Jagd für den Betrag von 40 Gulden überlassen. Erst in den Iriger Jahren erhöhte sich die Pacht auf 200 Mk., um in den .'.en Jahren auf 400 Mk. zu steigen. Daß dies herzlich wenig war, ivird jeher begreifen) der die ausgedehnte Feldmark der Stadt Schlitz kennt. Aller­dings liegen auch sehr viele, der Stanoesherrschast gehörige Aecker und Wiesen darin. Aper nicht dies ist es gewesen, was biri Ablösung und Zahlung der Schuldsumme, barumi handelt e s sich nämlich, herbeigeführt hat, sondern die Unzufriedenheit der Schlitzer Bürger über mangelhafte und ist den meisten Fällen sehr umständlich herbeizuführende Entschädigung bei Wildschaden, der in den letzten Jahren immer mehr zunahm. Zum 1. Mai also wurde Abfindungssumme sowie Pacht der Feld­jagd gekündigt. 2lls Antwort hierauf führt der Gras in einem langen Briefe an jedes Gemeinderatsmitglied die Vorteile auf, bic die.Stadt durch ihn gehabt, sowie bic Nachteile, die durch das rücksichtslose Bestehen auf dem Nechtsftandpunkt entstehen werden. So wird z. B. die Beteiligung an dem geplanten Elektrizitätswerö gekündigt, der Wohnsitz soll auf den Nichthof gelegt werden, die Fcldjagd burrij systematisches und konsequentes Abschießen des stanbesherrschaftlichen Teils dezimiert werben usw. Eine utw mittelbare Folge war weiter die sofortige Schließung und Sper-, rung des Schloßparts, der privaten Waldwege und Ausflugs- Plätze, die Eigentum des Grafen sind. Des weiteren folgtet die Entziehung der Lieferungen von verschiedenen Geschäftsleuten, insbesondere betrifft dies Metzgermeistcr. Ein Gemeinberats- mitglied soll fein Amt nicbergelegt haben. Daß der Fall sett einigen Tagen das Tagesgespräch bildet, ist leicht zu denken.! Bei objektiver Betrachtung der Sache muß man sich sagen, baß eigentlich fein Grund Vortag, ein derartig gespanntes Verhältnis herbeizuführen. Die Stadtverwaltung hat nur bas getan, was schon vor 50 Jahren geschehen sollte, und bic StandesherrschafL mußte sich bei Verpachtung der Jagd bie_ Konkurrenz gefallest lassen, gerade wie der Bürger bei der Holzversteigerung, die: inan früher auch nicht kannte und durch die, dem Durchschnittspreis entsprechend, auch fast alle fünf Jahre eine Erhöhung des Satzes für das der Bürgerschaft zustehende Losholz zu erwarten ifti Sehr zu wünschen wäre es, wenn die Zwistigkeiten beiderseits irr ruhige, sachliche Bahnen gclenit würde, beim zu etwas Gutem! scheint die Sache nicht zu führen. Wenn man von Boykott der Gräsl. Brauerei und Brennerei, deren Erzeugnisse fast einzig? hier konsuiniert werden, hört, und wenn man die Annahme der Lohnmarken verweigert, die hier in sämtlichen Geschäften alH gutes Zahlungsmittel galten, so können noch recht unangenehms Folgen aus dem Falle entstehen.

( R.) O d e n h a u s e n , 6. Mai. Am Samstag, 2. d. M.- sand hier B ü r g e r m e i st e r w a h l statt, wobei ocr seitherige Bürgermeister Lang zum vierten mal gewählt wurde und zwar cinftimmig. Lang ist als ruhiger, tüchtiger und be­sonnener Charakter bekannt, er ist jetzt schon 27 Jahre Bürger-, meister der Gemeinde und ist jeyc von der nationalliberalent Partei als Landtagsländidat ausgestellt. Anläßlich seiner Wieder-, wähl als Bürgermeister brachte ihm der Gesangverein, dessen; Ehrenmitglied er ist, sowie die ganze Gemeinde einen Fackelzug bar. Der Verein sang einige schöne Lieber und der Vorsitzende hielt eine Ansprache und brachte ein Hoch auf den Jubilar aus. Herr Lang dankte in bewegten Worten, für die schöne Ovation^ sowie für das Vertrauen, das ihm die Gemeinde an seinem; Lebensabend nochmals entgegengebracht habe. Bei der Nachfeie', im Vereinslokal ging es bald recht munter und heiter her, es wurden noch versck)iedene hübsche Lieder gesungen und der Vor­sitzende hielt noch eine längere Ansprache, in der er hauptsächlich der Verdienste deS Jubilars gedachte. Er feierte die Einigkeit, die in der Gemeinde herrschte, und sprach den Wunsch ans, baQ dieses schöne Verhältnis aucy ferner bestehen möchte zum Segen der Gemeinde. Sein Hoch galt der Einigkeit des Ortes. Musik-« lehrer Fr. Schweitzer aus Frankfurt erfreute die Versammlung? durch einige recht schöne Musikstücke auf dem Klavier und ft wechselten Musik, Gesang, Toaste und ein guter Tropfen Bichlex bis zur weitvorgerückten Stunde.

- t- Friedberg, 6. Mai. Eine auf beute abend von dep Bürgermeisterei dahier einberufene öffentliche 23crfantuv-; lung zwecks Besprechung über bas Gesnch der Stadt Bad-^ Nauheim um Genehmigung der Errichtung einer neuen Kläranlage war zahlreich besucht und nahm einen- sehr lebhaften ^Verlauf. Bürgermeister Stahl machte Mitteilung! über die Sachlage und den seitherigen Verlauf dieser Angelegenheit, auch darüber, daß Einwendungen gegen bas erwähnte Gesuch spätestens am nächsten Samstag bei. dem Koeisamt einziireichen seien; von den Stadtverordneten sei bereits Einspruch erhoben. Eine Reihe von Rednern ergänzten das Mitgeteilte und legten ihre Auffassung der Angelegenheit bar, die bei allen im Wesentlichen die gleiche blieo. Namentlich kam znni 2lusbruck, baß es für das öffentliche Rechlsbewußtsein unverständlich bleibt, wie ein sola-ev Zustand jahrelang (seit 1895, wie ein Redner mitteilte) bestehen kann, der nicht allein gegen das bürgerliche Recht verstößt, (wie der Prozeß lehrt, den Ndüller Tietz gegen die Stadt Bad-dian-. beim wegen Verunreinigung der Ufa geführt und gewonnen hat)^ sondern der auch ein Hohn sei gegenüber den Vorschriften für. öffentliche Gesundheitspflege und Vollswohlsahrt. Bewnt wurde, daß Friedberg und die ganze.Umgegend ein großes Interesse daran, habe, daß die Badestadt Nauheim die größtmöglichste Entwickelung erlange, daß aber die geplante Anlage, neben der Schädigung an­derer Usaanlvohner, insbesondere nicht geeignet fei, dem Bad- Nauheim zu nützen, sondern cd schädigen müsse, da es dessen Um­gebung schände und ganz gewiß der Stadr eine Reihe von Pro­zessen zuziehe, gleich denen des Viullers Dietz. Recht scharfe Worte waren zu hören, auch das Verhalten der Regierung wurde luenig günstig kritisiert und cs war bezeichnend, daß ein Redner, der für den Notfall als ultimo ratio Selbsthilfe in Llussicht stellte, vielfache Zusttrnmung aus der Periammlung sand, ttine Reihe von Schädigungen nnirbc zur Kenntnis der Versammlung gebracht, zumteil von ben Geschäbigien selbst: auch der Stadtteil Fauervach war dabei vertteten und brachte jeine Beschwerden sehr anschaulich und manchmal drastisch zum Ausdruck. Einmütig wurde Protest gegen die neue ztläranlage beschlossen; Jnteressenten- gruppen wollen jede für sich besonders Einspruch erheben.

W. Rockenberg, 6. Mai. Unser Ort hat durch regen1 Zuzug so an Umfang zugenommen, daß es erforderlich wird, hier ein Schwesternhaus zu errichten, wozu die Gemeinde-, Verwaltung m hochherziger Weise das alte Rathaus an> der Kirche zur Verfügung gestellt hat. Drei Schwestern sollen vorerst berufen werden. Mit dem Schwesternhaus wird gleich- -eitig eine KMttkrixpß uH Leben treten.