Ausgabe 
8.9.1908 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

W,

Technik"® Mitleid

ktl f. Sütbe u. fai, ^e6miby?tup;c

Äs\

ersNebn.

ein

L1&» foßTfüJns^ ÜKLnLH c Verkäof^

1Mietern FSa®

- Sie

cStaS/L^' iN

i Mk., n.w*' ierb. v. vlUim-A. tl. Angeboic uM - Gießener Wjs^ »lOOOögfg m zweiter SieUfP^

B**si tfffr* -rrZ lNt 'Stellung

gel-Kürsüi

5 Bügeln ton gründlich erlen» Lunllh in kurzer^

Mii W>W nch. Danm7.!

lsLeicheutvart.^. pf.sichHch.J-il: Auch werden r

ttnen zur

ui MM an in 4 Wachs r jxünblid). ÄaÄ p )itb anßenonuuc.

Ludwigsvlatz lt cht-Güter von 50 Morgen Morgen, in (tns d direkt von den itgünitaSebra^ vacklen, durch,r.t»h genlnr.FraukM«.. 123, Tel. M

M id bequem zu rttir üaus unbSertnek- es. Gr,ordert. M ^durch H- ®ötftr- ße 3. -----

NrSLI

Redaktion, Expedition und Tnickerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e^a>5L Redaktion, 12. Tel.-2ldr^ AnzeigerGießen.

Zweites Blatt 158. Jahrgang Dienstag 8. September 1908

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. d Q _

_______ /5 Ma a a a aa RotationSdnick und Verlag der Brühl'schen

Die ehener Zamillenblätter" werden dem A S M ijQ O g B gU4> 1* Universität--Buch- und Eteindruckerei.

»Anzeiger* viernral wöchentlich beigelegt, das H M 1L Ifl 18 8 S f£ H |ß^ I Lange, Gießen.

Kreisblatt für den Kreis Stehen" zweimal E? V fc V V V® v

wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit- e -4B6r

fragen" erscheinen monatlich zweimal. General-Anzeiger für Gberheffen

politische Tagesschau.

Kleinere Mitteilungen aus der Türkei.

Eine ernste Bewegung gegen die neue türkische Verfassung i|t in kurdrsche m Lande südlich von Ersiirdjan ausgebwcl-en, wo der Kurdenchef Ibrahim Pasck-a mit den Ha- inidich-Regimcntern den türkischen Truppeit Gefechte liefert Die Truppen haben bisher anscheinend wenig Erfolge und nicht unbe­deutende Verluste erlitten. Es sind Befehle zu rüclsict-islosem Vorgehen erlassen wotden. Ter neue Kommandeur des 4. Korps, Abdul Pasckza, findet ernste Arbeit. Einem weiteren Telegramm derKöln. Ztg." zufolge, ist Pertew Pascha, Unterstaatssekretar im Kriegsministerinm, zum Chef des Stabes des 2. Armeekorps in Adrranopel ernannt worden. Prinz Jussuf Jzzedin, der zwntältesbe Tlwonsolger, hielt im türkischen Theater in Slam- bul eine patriotische Rede, die mit grobem Jubel von Den Anwesenden ausgenommen wurde. Der einflußreichste Stern­deuter des Sultans 'Abdul Hamid, der arabische Sheikh Llbn Duda, der unter. Polizeiaufsicht steht, hat seine sämtlichen Be- sihungm ausgeliefert. Gegen drei politische Blätter sowie gegen ein Witzblatt wurde wegen ihres aufreizenden Inhalts, sowie wegen Beleidigung des Offizierkorps das gerichtliche Verfahren emgclcitct Die Stadtratswahlen verlausen wegen schwa­cher Beteiligung ,ehr ruhig. Gewählt wurden bisher 5 Griechen, 3 Türken und 2 Armenier. Die Vorbereitungen für die Paria- mentswahlen iverben eifrig betrieben. Prinz Saban Eddin hat jede Kandidatur abgelehnt. Zum Parlamenlspräsidenten ist der Altwesier Ferid Pascha ausersehcn.

Alldeutscher verbandrtag.

8. a. H. Berlin, o. September.

Mit einer Vorstandssitzung begann heule vormittag 10 Uhr im Hotel »Römischer Hos" der diesjährige Alldeutsche Verbandstag. Ten Vorsitz führte als Nachfolger des anfangs dieses Jahres ver­storbenen früheren Neichstagsabgeordneten Pros. Tr. Hasse (Leipzig) das langjährige Vorstandsmitglied des Alldeutschen Verbandes Rechtsanwalt Elaß (Mainz).

An erster Stelle referierte Rechtsanwalt und Notar Tr. R a l j e n (Hamburg) über Erwerb und V e r l u st d e r R e ich s a n g e h ö r l^g k e i t. Hauptschristlctter Eichler (Berlin) referierte über die S t r a f v e r s ch i e! u n g. Zum Schlüsse legte der Redner folgende Resolution vor:

In Erivägung, daß der neue Entwurf einer Strafprozeß­ordnung erschienen ist, der in den §§ 402 bis 484 die Straf­vollstreckung behandelt, in Ansehung mehrerer StriinmaliäUc der Letztzeit, die lebhafte Erörterungen über unsere Strasrechtspraxis hervorgerusen haben, und in Erwägung endlich, daß zeitgemäßere Aesormeu unseres Strafgesetzbuchs sicherlich bevorsleheii, empsiehlt die Vorsiandslagung des Lllldeutschen Verbandes den Versuch mit einer fakultativen Verschickung von 500 Sträflingen nach einer unserer Inseln in der Südfee oder int Stillen Ozean."

Tie Resolution wurde einstimmig angenommen.

, Hierauf referierte Landrichter Hahn (Flensburg) über die Lage In Schles w ig - Holstein. Er führte aus : Durch den Ctaals- verlrag mit Tänemark vom 11. Januar 1907 sind die Nachkommen Der Optanten, dänische Untertanen in Nordschleöwig, zu Teutschen !$emad)t worden, obivohl deren Naturalisation durch Tänemark nahegelegen hätte, iveil es seit 1398 das. Nattonalilälsprinzip für im Auslande von Dänen Geborene angenommen hat. Ter Ver­trag bezweckt durch Entgegenkommen gegen dänische Wünsche die ' leiderfeiligen Bevölkerungen zu beruhigen, entl)ielt also eine 'ilenbeumg in dem straff nationalen Kurse, der nach einem Kopen- Ijagencr Zeugnis dem nordfchleswigschen Dänenturn verderblich ivar. Der Systemivechfel ist dem nordmärkischen Deutschtum zum Unheil auSgeschlagen. Die zahlreichen Neubürger sind zur großen .Mehrzahl der inländischen Tänenpartei zugefallen, die nunmehr in ihrer Agitation auf diese bisher siaatsfremden 'Angehörigen nicht incljr Rücksicht zu nehmen braucht. Tie dettlsche Arbeit eines Menschenalters ist dahin. Trotz zähen WtderstandeS drohen Ver­luste. 'Möge die Umkehr zu einer Politik der Strenge und Ge­rechtigkeit, die dem Deutschtum Rückhalt gewährt, den Uebermut des fremden Volkstums aber bricht, nicht zu spät erfolgen. ,Aiark- Qwaf werde hart!"

Den letzten Vortrag hielt Superintendent Klingemann (Essen- über die Lage in E l s a ß - L o t h r i n g e n. Der Redner legte dar, daß eine elsaß-lothringische Frage im internationalen Sinne, als könne von irgendeiner Rückgabe irgendwelcher Ge­bietsteile an Frankreich auch nur die Rede fern, nicht bestehe. Eine neue brennende elsaß-lothringische Frage sei dadurch ent­lauben, daß neuerdings die Bildung eines Bundesstaates Elfaß- Lothringen erstrebt wird, während gleichzeitig französische Gesinnung mb französische Sprachbestrebungen in überraschender Weise sich zeltend machen.

Im Anschluß an die Sitzung fand ein gemeinsames Mittags- »101)1 und darauf eine Rundfahrt durch den Grünewald statt.

Da§ Zest der 5tolze-5chrey'schen Stenographen.

Gießen, ö. Sept.

/^L Mrttclwesr deutsche Stenographenbund ^",^chrey, der bk Vereine in Dessen, Hessen-Nassau, Waldeck und Wetzlar umfaßt, hielt von Samstag bis Montag hier seine 22. Jahrcsversannnlung ab, die dank der umsichtigen Felworbereüungcn des hiesigen Vereins und des EnlgegenkonunenS der Behörden, insbesondere der Landesuniversital, einen schönen Verlauf nahm. Ueber 3CU jünger der Kurzschrift hatten sich dazu aus allen Teilen 'des Veroandsgebictes eingefundcn. Der gesck-äftliche Teil der Ver­anstaltung wurde am Samstag abend durch eine Sitzung der Dundesvertreter im Hotel Schütz eröffnet, in der u. a. die Be­ratung über die Satzungsäirderung einer Kommission überwiesen und neue Bestimmungen über die Verleihung des VereinSwandcr- preises angenommen, wurden. Als Ort der nack>stjährigen Bundes- Hauptversammlung wurde-M ar b urg beflinnnt unt) der alte Vor­stand einflimmig wiedcrgewählt.

Am Sonntag vormittag 8 Uhr begann dann das öffent­liche Wettschreiben, das im Kvllegiengebäude der Landcs- universität stattfand. Die Beteiligung war ungewöhn­lich lebhaft: im ganzen nalpnen 232 Tarnen und Herren an dem Wettkampf teil, der in Abteilungen von 80 bis zu 300 Silben vor sich ging. Die, die beim Wettkampf nichts zu tun hatten, konnten während desselben eine ebenfalls im Uni- versitätsgebäude nntergebrachte sehr interessante stenographische Aufteilung besichtigen. Sie umfaßte Sdfrmittel, Unterhaltung^ schnften in stenographischer Sckwift, Schülerarbeiten und hüvsch ausgesührle sonitige ste,wgraphisck)e Arbeiten, z. B. ein Ansichts- karten-Album von Wiesbaden mit stcnogr. Beschreibungen der ein­zelnen Sehenswürdigkeiten, ebensolche Ansichten von Kassel, ö?r> gleichende Ardciten von Kurrent-- und ftenogr. Schrift usw.

Um 11 Uhr vereinigte sich eine statiliche F-eswersammlung zu einer Festsitzung in der Neuen Aula. Neben den Mitglic- derit des Ehrenausschusses und den Anhängern von Stolze-Schrey waren auch dieGabelsöcrger" gut vertreten.

Der Verbandsvorsitzende, Lehrer Puff von Frankfurt, hieß die Festversmmnlung herzlich, willkommen und stattete der Uni­versität und den Mttgliedern des Ehrenausschusses Tank für die Unterstützung der Tagung ab.

Es folgte die Begrüßung der Gäste durch den Vertreter der Stadt, Beig. Keller, und den Rektor der Landcsuniversität, Pwf. Dr. Leist.

Beigeordneter Keller: Hochverehrte Amvesende! Die 22. Jahresversannnlung des Miltelwcstdeutschen Stenographen­bundesStolze-Schreh" heiße ich im Namen der Stadt Gießen herzlich willkommen. ES wäre überflüssig, in dieser ansehnlichen Versammlung von der Nützlich)keit Ihrer Bestrebungen zu sprechen und Ihnen, den Wissenden, die große Wichtigkeit darzulegcn, welche der Stenographte in unserem heutigen Kulturleben zukommt und zukomnten muß. Als ein, im öffentlichen Leben Stehender, inöchte ich aber gedenken der hohen Vedeutttng der Stenographie für das öffentliche Leben und der mächttgen Kraft, mit der sie die Tätigkeit unserer öncntlidjen, Körperschaften und die der Presse befruchtet und ausgebreitet hat. Ohne Uebertrcibung darf ich es aussprechen, verehrte Anweseitde, daß ohne Jl/re Kunst unser öffentliches Leben sich nicht in dem Maße und in der Weise hätte enhuideln können, wie dies tatsächlich der Fall gewesen ist, daß Ihre Künst ein ntt chtiger Level des Fortschrittes, eine unentbehrtich>e Helferin in allen Fragen der Kultur, und mögen die Systeme sich auch noch trennen, doch ein gewaltiges Mittel zur Vereinheitlichung und Verallgemeinerung der Ideen ist und immer bleiben wird. Darum, verehrte Anwesende, ist es mit großer Freude zu begrüßen, daß diese bedeutsame Kunst so unab­lässig, und so sorgsam gepflegt und vervollkommnet wird, nicht nur in Vereinen, auch in größeren Verbänden, sogar auf Inter­nationalen Kongressen. Verehrte Anwesende! Mögen die Ver­handlungen Ihrer diesmaligen Jahres Versammlung einen ge­deihlichen Verlauf nehmen, alle Ihre Erwartungen erfüllen und Sie Jlfven Zielen immer näher bringen, denen die Anerkennung niemals fehlen wird. Doch ich hege noch einen weiteren Wunsch. Wie ich meiner lebhaften Genugtuung darüber Ausdruck gebe, daß Sie gerade Gießen zuni Ort Ihrer diesjährigen Versammlung enrählt haben, so möchte ich herzlich wünschen, daß es Ihnen in unserer Stadt und ihrer Umgebung, die viele Vorzüge bieten, wohl gefallen, daß Ihnen die Stadt Gießen eine Stätte freudigen Gedenkens alle Zeit bleiben möge. Auch in diesem Sinne herz­lich willkommen. (Lebhafter Beifall.) 1

Rektor Prof. Dr. Leist: Hochverehrte Damen und Herren! Gestalten Sie mir als Vertreter der Landesuniversität ein Wort des herzlichen Grußes und des Ausdruckes der Freude, daß wir Sie in diesen Räumen begrüßen dürfen. Die Landes­universität und die Deutsck>e Universität sind sich bewußi und immer mehr bewußt worden, daß sie nicht eine weit- und lebens­fremde Wissensck-aft allein zu pflegen, sondern daß sie nutzbringend und mittoirkend einzugreifen haben in das gesamte kulturelle Leben

kleines Feuilleton.

Ein neuer Fall von Verschleppung eines Üu ii ft b e n f in a I s. Man schreibt uns aus Stuttgart: In Württemberg vollzog sich roieber einmal ber Verkauf eines Wapvcn- sleines an einen Aniiqnitälenhänbler. Es ist bic Tafel vom Gasthos , jum Ritter" in Hall, ber alten Johanniter-Kommenbe, auf welcher btc Komtur Friebrich von Enzberg 1502 als Bauherr genannt ist. Ism Münchener Hänbler hat beit Besitzer bes Gasthofes zum fBer- kuf überrebet. (Es wirb hohe Zeit, baß ber Bunb H ei in a l- l huh allenthalben sich organisiert unb durch Aufklärung über ben 'Bert ber heimischen Schätze und durch Wachsamkeit solche Vor- fmnnnisse für die Zukunft im ganzen Reich unmöglich macht. Bei i oi3 in Hessen ist glücklicherweise mittlerweile auch ber Kleinstäbter uib Dörfler wiberstanbäkräftiger gegen bic klangvollen Lockungen ber Großsladthänbler geworben unb bewahrt seine altertümlichen Paritäten mit zäher Pietät für sich und seine Nachkommen zur bmernben Zierde und Freude seines Heimatortes. D. Red.)

Ueber Frauenarbeit bei den Indianern Dordwest - Brasiliens hat soeben in einer Authropvl. Zett- kirift Dr. Th. Koch-Grünbera vom Berliner ^Nuseum für Lölkerkundc, ein Sohn Hessens, berichtet. Der Mann be- htäftigt sich dort nur mit Jagd und Fischfang, während bic Frau die schwere Last der Feldarbeit, d. h. des Pflanzans und Einertens der Mandioka, zu tragen hat. Diese Arbeit erfordert Diel Zeit, und so erhebt bic fleißige Hausfrau sich schon vor Tagesanbruch, eher als der Herr Gemahl, der in der Hängematte ii bleiben pflegt, bis die Fvau bas Frühstück bereitet hat.

jj<bt sie auss Feld und bleibt dort, bis die Sonne nn Zenith steht. Die halbwüchsigen Mädchen helfen der Mutter. Nach der veim- Ichr zur Hütte beginnt sofort die Verarbeitung der initgebrachien Vorräte zu Mehl und des Mehles zu dünnen, runden 6'laben. Muh zur Herstellung einer Reihe von Getränken wird das ge­rüstete Mandiokamehl benutzt. DaS beliebteste von ihtten, das bei keinem Feste oder Besuche fehlen darf und von den, Tettnehmern ui ungeheuren Mengen genoffen wird, ist das auch sonst uij^ub- anerita bekannte Kaschin', eine Art leicht alkoholischen Breres. De Bereitung ist ebenfalls Sache der Frauen und geschieht am Stana und Caiary)Uaup6s auf folgende Weise: Stark ungebrannte M-andiokafladen werden zerkleinert in einen Holztrog geworfen urb mit srischem Wasser anaesetzt. Um die Gärung zu pefchleu- lliaen, fügt man getaute Mandiokasladen hinzu. Blätter eines Wissen Baumes, biÄveilen auch Zuckerrohrsaf't, liefern die be-,

rauschenden Zutaten. Das Ganze wird sorgfältig durchgeknetet, der Trog wird daraus gut zugedeckt und steht in dein enormen Haufe neben dem Herdfeuer, das die ganze Nacht über tüchtig unterhalten wird. Am nächsten Tage schon kann das durch ein Sieb gedrückte Gebrvu getrunien werden, doch ist es in diesem Zustande noch harmlos. Eigentliches Kaschirl wird eS erst nach zweitägiger Gä­rung; es schmeckt dann säuerlich prickelnd und ist berauschend. Mit der Tätigkeit der Frau im Haushalt hängt enge zusammen ihre große Geschicklichkeit in der Verfertigung und der künstlerischen Ausschmückung von Hausgeräten, besonders in der Töpferei, die in ganz Nordwest-Brafilien, wie überhaupt in Süd-Amerika, aus­schließlich Dkonopvl der; Frauen ist. Ueberall ist hier die Frau bic Künstlerin, unb manche Stamme haben die Kunst der Töpferei erst von ihren Frauen, die sie aus anderen Stämmen nahmen, gelernt. Tie Erzeugnisse sind nicht nur schmucklose Gesäße unb ötvchtöpfe, sondern auch Töpfe und Schalen von wahrhaft klassischen Formen und mit reijenben Mustern bemalt Die Töpferei wirb ohne Drehscheibe aud'geübt Bei der Arbeit kauert die Frau am Boden und wälzt mit beiden flachen Händen auf einer Matte oder Holzunterlage lange, möglichst gleichmäßige Tonwülste, die sie dann zu der Gestalt, die das Gefäß bekommen soll, in Spiralen übcreinanberlegt. Dabei drückt sie die Wülste mit der linken Hand leidji aneinander und verbindet dadurch den weichen Stoff. Die Rinnen zwischen den einzelnen Wülsten werben zunächst mit dem Fingernagel oder einem Holzbrettchen, danach mit einer Ka- labafsenscherbe innen und außen sein verstricheir, womit dem Ge­fäß zugleich die elegante Fomr gegeben wird. Endlich wird es mit einem Kiesel geglättet Nach.6- bis 7 tägigem Trocknen im Hause unb in der Sonne nrirb das Gefäß mit den Malereien versehen unb dann gebrannt. Das Material ist im Rio Negrogebiet ein feiner, fetter, glänzender Ton, der nicht allzu häufig vorkommt, so daß die Stämme, in deren Gebiet er fehlt, ihn sich auf oft weiten Handelsreisen beschaffen müssen.

Der b e st b e z a h 11 e Komiker der englischen Bühne büche Harry Sauber fein, der für 20 Wochen nach Amerika engagiert ist unb für die Woche eine (Sage von 16 000 Mk. erhält. Außerdem haben feine Agenten ber Theaterfirma Howard and Wyndham, die den Künstler für ihre Christmas-Pantomimen ge­wonnen hatten, eine größere Entschädigungssumme zu zahlen, so daß sich das Honorar für das amerikamsche Gastspiel auf ins­gesamt 400 000 3)lf. stellt. Der vor einigen Jahren verstorbene Komiker Dan Leno erhielt in ferner Glanzzeit 4000 Mk. in der Woche unb Marie Tempest erhielt im Palace-Theater eine wöchent-

unserer Nation, und wir wissen tvohl zu idxii>cn die großen Ver­dienste, die die Sienographte dem Leben, der Wissenschaft, der Tcc^tik, dem Handel und dem Verkehr zu leisten in der Lage ist. Sie hat das schon auf ben vcrschtedensten Gebieten und Zweigen seit Jal)r^:hnten auf baS Glänzendste erweisen können. Nun gestatten Sie mir, als altem Stolzeaner, ausmsprechen, daß ul) mich persönlich von diesem Nutzen seil langer Zeit überzeugt habe uno herzlich wünsche, daß auch auf bcutfd>cn Universitäten diese gute und nutzbringende Kunst weitere Verbreitung sinde, und mit diesem Wunsche lassen Sie mich Sie hier in diesem Raume der Unwersität herzlich begrüßen. (Lebl>ttter Beisatt. >

Der Verbandsvorsitzende bankte beiden Herren für die anerkennLnden Worte und machte dann einige S'.'uttcilungcn über den Stand des Stolze-Schreyschen Systems. Es habe sich bcnxifrrt und sich im letzten Jahre weiter ausgebreitet. _ Aus einigen Gebieten habe es das ältere Gabelsbergei.sch? System Vcjiabe erreicht, so -. B. bezüglich ber Zahl ber in einem Jahre Unter­richteten. Sie betrage bei Gabelsbcrgcr 86 500, für Stolzc-Schrcy 84 500. Auf einigen Gebieten stehe Stolze-Schrey nunmehr an der Spitze. Im Bundesgebiet beständen 89 Vereine (51 in Hesi'en- üicifau, 32 in Hessen und 3 in Waldeck) mit 3230 Mitgliedern (2300, 800 und 80) und 3460 Unterrichteten (2700, 680 unb 52), darunter 1916 Schüler und 398 Angehörige des Heeres. 22 Vereine sind im letzten Jahr neu int Verbandsgebiet entstanden.

Alsdann ergriff, von ftürmifdyem Beifall begrüßt, der Ver- bandsvorsitzende, Max Bäckl er-Berlin, das Wort zu feinem Fe ft vortrag über die Lage der Kurzschrift, infonber- heit ber Einheitsbestrebungen. Er fuljrtc in seinen oft von glücklichem Humor burchtvehtcn Ausführungen, bic natur­gemäß für die Oesfentlichkeit iveniger Interesse haben konnten wie |ür Fachleute, ans, daß bie öffentliche Diskussion der Einigungs- bcfltt'bungcn zwischen den verschiedenen Slenographie-Shstemen am läßlich des jüngst in Darmstadt abachalteneit internationalen steno­graphischen Kongresses wieder lebhafter geworden sei und wies auf die vom System Stolze-Schrey gefaßte Resolution hin, die etwas Wasser in den Wein, der Einigungsbegeisterung gegossen habe. Tas Nebeneinanderbestxhen der verschiedenen Systeme und der Kampf ihrer Anhänger l-abe zwar manche ^Nachteile l-ervorgerusen, aber der Kampf sei nottvendig gewesen und habe manches gute gebracht. Der Wettkampf trug zur Verbreitung der Kurzschrift bei und förderte ihren Ausbau. Er halte die Vereinheitlichung für wünschenswert, ob man aber jetzt schon auf einem solchen Standpunkt der Entwickelung stehe, daß bic Einheit ohne Sck>aden kommen könne, wisse er nicht. Jedenfalls dürfe aber bie Einigung nicht dadurch herbeigeführt werden, baß man einfach das älteste und verbreitetste System als Das alleinige annimmt, sondern man müsse das System wählen, das in kürzester Zeit zu erlernen ist unb dabei mindestens dasselbe leistet. Man dürfe bie Sache nicht als eine Machtsrage betrachten, sondern man müsse zusammen^ arbeiten, um das beste System zu erhalten. Dem Vorttag folgte langanhaltender stürmischer Beifall.

Nach einem allseits befriedigenden Mittagessen in Steins Saal- bau folgte eine Besichtigung ber Sehenswürdigkeiten, worauf um 7 Uhr ein 3- c ft a b eji o bie Festgästc mit den hiesigen Anhängern Stolze-Schreys in Steins Garten vereinigte. Ein von Fräulein Linbenstruth auSbrucksooll vorgetragener Prolog eröffnete die Feier, worauf Herr Puff- Frankfurt die Vertünbigung des Wett- schreibergebnifses vornahm. Es erhielten:

8 0 Silben.

1. Preis: Albert Müller, Oberursel; Tonau, Gießen; Fritz Preuß, Sachsenhausen; Will). Büchner, Ölarburg; Adolphme Martin, Frankfurt a. Dl., Nordend; Johannes Muth, Gelnhausen; Otto Eimers, Herborn; Heinr. Scharhag, Sachsenhausen; Wilh. Knüppel, Frankfurt a. Al.-Sachsenhausen; H. Enker, Warburg; Henn» Betz, Sachsenhausen; Albohn, Tarmstadt, Train 13; Karl Aul, Frankfurt a. M., Herrenverein; Georg Berberich, Sachsen­hausen; Wilh. Schönborn, Frankfurt a. 9)1., Herrenveiein; F. Jaggle, Gießen; Hugo Riehl, Klub Wiesbaden; Wilh. Pudert, Gießen.

2. Preis: Georg Heß, Frankfurt a. M., Nordend; Ludwig Wolf, Gießen; OttomarFuchs, Büdingen; Malkmiis, Frankfurt a.fDL; Alb. Romdeit, Wiesbaden; H. Krauskopf, Gießen; Elfe Earlö, Worms; Otto Lenz, VKeßen; Anna Auth, Frankfurt--Oberrad; Heinr. Hoerster, Gießen; Theo Storck, Frankfurt a. Al., Herren­verein ; E. Barbehenn, Rödelheim; Heinr. Arndt, Alörfelden.

3. Preis: Schönwerk, Wetzlar; Otto Bach, Sonnenberg: Alb. Schmidt, Gießen; Emil Leutlof, Oberursel; Rob. Kreutz, Sachsenhausen; Heinr. Feußner, Marburg; Max Kropp, Oberrad; Eugen Lmgner, Frankfurt a. M., Herrenvercm; W. (LKoßmann, Frankfurt a. Al., Herrenverein.

Lobende Anerkennung: Wigbert Fleck, Frankfurt, Hauplverein; Emilie Müller. Homburg v. d. H.; Friedr. Markert, Worms; Hetnr. Becker, Marburg, Kaufmann; Georg Schenk, Frankfurt a. Al., Hauplverein; Georg Schmieder, Friedberg; Phil. Peter, Gießen; Karl Klostermann, Gelnhausen; W. Jungnrann, Mörfelden; Ritzel,' Gießen; Emil Frank, Herborn; Aug. Preußer, Freiendiez, Diez.

W> ', i»l 1 !>T»SBB1 liche Gage von 6000 Mk. Auch andere Bühitensterne haben, wenn auch nur vorübergehend, ähnliche fabelhafte Honorare erzielt, aber: bis zu der schwindelnden Höhe von 16 000 Mk. ist wohl noch kein Mitglied der Varlstsbühne gelangt. Gut bezahlte Komiker der enattfchen Spezialitätenbühne sind die Herren Bobey, Chevalier und Knowles, die mit einem ungefähren Wocheneinkommen vorn 3000 Alk. beständig engagiert sind. Alarie Lloyd erhält mindestens 2000 Alk. und die ^Bühnensterne" ziveiter unb dritter Größe eine Gage bis hinunter zu 1000 Mk. Alan sieht, die fellenc Kunst des Lachenmachen" lohnt sich in unserer Zeit außerordentlich.

Kleine K u n st ch r o n i k. Tie Gesellschaft für ästhetische Kultur in Frankfurt a. M. begeht znm 100jährigen Todestag der Mutter Goethes am 12. Sept, auf einer Naturbühne im Frank­furter Palntengarten eineFrau Rat - Feie r". Zur Aus­führung kommenDie Laune des Verliebten" undDie Fischerin^ mit der Musik von Corona Schröter. In Stuttgart findet am 1. Oktober eineFrau Rat - Feier" statt unter Mitwirlung der Frankfurter Schauspielerin M. Pfeil. Ein neues Werk Gerhart Hauptmanns reift der Vollendting entgegen. Es wird den TitelG r i s e l d a" führen und soll das bekannte Griseldis-Thema in eigenartiger Weise behandeln. Am 6. d. 2)1. nahm sich die int tiefsten Elend lebende, in Neapel geb. Sängerin Sforza, die in Deutschland, Rußland und Belgien Trllunphe feierte, in Verviers (Belgien) das Leben, indem sie ihre Kleider mit Petroleum begoß und anzündete. Ter Kammersänger Gura in Schwerin ist um (eine Entlaffuiig eingekommen, um ein Konzert-Engagement nach Amerika anzunehmen. Ter Großherzog von Mecklenburg - Schwerin hat in seine Entlaffung eingewilligt. Tie schwedische Spitzbergen- Expedition passierte auf der Rückreise Tromsoe. Sie hat wichtige Erfolge zu verzeichnen, Material für eine vollständige Zrrrtcnlegnng des noch wenig bekannten Eisfjords gesammelt und eine genaue Untersuchung seiner Gletscher vorgenommen. Tic letzte russische Mammutexpedition ist zurückgekchrt. Ter Konservator Psitzenmayer vom Petersburger geologischen Institute, ein junges deutscher Gelehrter, hott sie mit dem Geologen Wolloso- witsch nn Auftrage der rufsijchen Akademie der Wissenschaften unternommen. Sre verbrachte an dem Fundorte eines Riesen- Mammuts sechs Tage bei einer Temperatur von 30 Grad unter. Null. Die Expedition dauerte sechs Monate. Ihre 5tvsten be­trugen 33 000 Mk. Die Ausstopfung des DsirmmulS beansprucht etwa ein Jahr.