nach beredten, Griedel sehr ehrenden Worten die von Sr Majestät unserem Kaiser dem Kriegervereine huldvoll't verliehene Ehrensckleise der neuen Fahne angeheftet. Nach einer weiteren Ansprache beS Vorsin.nben des Ha'fraver- bandes, Medizinalrat Dr. Sogt aus Butzbach, vergnügte sich die Menge bei Konzert und Tanz bis spät in die dcacht hinein. T<i5 ganze Fest verlies, vom herrlichsten Wetter begünstigt, in sehr schöner, würdiger Welse und auch am zweiten Festtage waren viele Gäste von nah und fern er schienen. v _
Bad-Nauheim, 7. Juli. A,n 30. Mai d. Js.,
I während der Anmeldefrist, hat die Stadt Bad-Nauhein, durch Rechtsanwalt Stahl verschiedene Rechte gegenüber dem
Grundbesitz des Großh. Landeigentums amneldcn
lasten. Diese angemeldeten Rechte werden van Großh. Landes- cigentum bestritten und die Stadt von Großh. Amtsgericht auf den Klageweg verwiesen. In der letzten Sitzung der Stadtverordneten-Versammlung wurde beschlosten, zur Wah- rung dieser Rechte bei Großh. Landgericht Gießen Klage gegen das Landeigentum zu erheben.
Friedberg, 7. Juli. Ein Eisenbah^izug der Friedberg-Homburger Bahn geriet in der Fauerbacher Gemarkung dadurch in Gefahr, daß von unbekannter Hand eiserne Schienen auf das Bahngleis gelegt mürben. Es geschah dies kurz vor dem Passieren des Zuges von Friedberg nach Homburg. Landwirt Seng, der qu§ dem Felde kam, bemerkte das Hindernis und konnte cs noch rechtzeitig beseitigen.
R.-B. Darmstadt, 8. Juli. Ter wegen Unter,chlag- lingen verfolgte Eheniiker Dr. Emil Zimmer hat sich gestern abend der hiesigen Polizei gestellt und wurde in Untersuchungshaft verbracht.
Offenbach, 7. Juli. Ter Verbandstag der Schützen- vereine Mittelrhein, Pfalz und Mden beschloß in seiner gestrigen Sitzung, das nächste V e r b a n d s s ch i e ß e n 1910
I in Karlsruhe abzuhalten.
x Kirchhain, 6. Juli Auch der heutige letzte Festtag des Lahntal-Sängerbundfestes nahm einen programmäßigcn Verlauf. Als nächster Festort wurde vom Sängertag Butzbach bestimmi Im Jahre 1910 werden es 50 Jahre, daß in Butzbach der Lahntal-Sängerbund ge- gründet wurde.
einen Jsoliersckemel gesetzt wird, wo er von niemandem an-t gesprochen werben kann. _ . . .,
Fischer Jakob Ernst an? Starnberg bemerkt, er scr schwer herzkrank und »ehe sich genötigt, die Heimfahrt annnrelen und bitte dringend um sofortige Vernehmung. Ter Gerichtshof beschließt, Ernst zuerst zu vernehmen. Dem Vernehmen nach hält der Zeuge eine Aussagen, die er in dem Münchener Beleidigungsprozeß Harden-Städele gemacht, voltändig aufrecht. Er bekundet, daß er bereits zu Anfang der 80er Jahre mit dem Angeklagten „vielfach Schmutzereien getrieben* habe. Er sei jetzt Kastellan der dem Angeklagten gehörenden Villa am Starnberger See. Er bedauere, in die Sache hineinqezogen worden zu sein, da er den Angeklagten als seinen Wodltätcr betrachte; ober über alles stehe ihm doch der Eid. Er könne nicht meineidig werden und müste die Wahrheit sagen. . v. ai
Ter Fürst bestreitet mit großer Entschiedenheit die Aussagen. Er könne sich nicht denken, wie der Zeuge zu seinen Aussagen komme. Er habe allerdings viele Feinde; es sei immerhin möglich, daß aui den Zeugen non feindlicher Seite cmgcroidt morden sei. Ihm selbst seien solche Schmutzereien aus tiesster Seele zuwider.
Während der Aussage des Ernst soll eS wiederholt zu hoch- dramatischen Szenen gekonitnen jein. Ernst wurde von dem Vorsitzenden in zu Herzen gehender, säst väterlicher An ermahnt, die Wahrheit zu sagen. Schließlich ersuchte ihn der Vorsitzende, bei Golt dem Fürsten ins Gesicht zu sagen, daß alles ivahr ist. — Zeuge Ernst: .Bei Gott dem Allmächtigen, Turchlaucht, das können Sie nicht leugnen, daß mir zwei das gemacht haben. Ist das nicht ivahr, Turchlaucht ?* Als Antwort soll der Angeklagte, kreide-
somit nicht ungestraft ausgehen.
*’ Für Blumenfreunde. Zwei prachtvoll b l ü hende Kakteen schmüeken schon einige Tage den Balkon Nordanlnge ytv. 18. Etwa 40 Blüten von 15 bis 20 Zentimeter Durchmesser leuchten ivie ein brennender Feuerball in die Nordanlage. Ta die gleichmäßige Entwickelung dieser reichen, fdwncn Blnmenpracht eine Seltenheit ist, jo erregen die beiden Blumenstöcke die allgemeine Bewunderung aller vorübergehenden Blumensreude.
— Lang-GönS, 7. Juli. Ter hiesige Turnverein feierte am Sonntag sein zehnjähriges Stiftungsfest, verbunden mit Ba nn erweihe. Das schöne Wetter hatte zahlreiche Gäste auf den geräumigen Festplatz gelockt. Mit dem Feste fand zugleich ein Hüttenbergcr Trachtenfest statt. Alle Turnvereine der Umgegend verschönten daS Fest durch ihre titrnerischen Vorführungen. Am Nachmittag fand ein Trachtenreigen statt, der von hiesigen Jungfrauen in Hüttenberger Tracht ausgeführt tvurde, der allerseits sehr interessierte. Nicht unerwähnt darf die Musik der Kapelle des Dragoner- rcgimentS 91r. 24 bleiben.
? Hungen, 6. Juli. Bei dem anr Sonntag in Büdingen veranstalteten Gesangswettstreit miirbe bem hiesigen Gesangverein Lieberkranz in Klasse Bll der achte Preis, ein prachtvoller silberner Pokal nebst Diplom zuerkannt. ES sangen in dieser Klasse 13 Vereine, eine verhältnismäßig hohe Zahl. Die Vereine waren in den letzten Wochen in lebhafter Tätigkeit und war es daher für die Preisrichter keine leichte Ausgabe, die Gesangsleistungen der einzelnen Vereine richtig zu bewerten, zumal fast alle durch- ,veg gut gesungen haben. Da in dieser Klasse neun Preise | vorgesehen waren, mußten einige Vereine, die ganz gut ge- 1 hingen hatten, ohne Preis nach Hause ziehen.
Cvm. Butzbach, 7. Juli. In der hiesigen Kaserne gerieten zwei Soldaten der dritten Kompagnie aus ganz geringfügiger Ursache in einen Wortwechsel, der bald in eine regelrechte Schlägerei ausartete. Der schwächere Soldat griff nach einem Holzsessel, um sich gegen den andringenden Gegner zu verteidigen, der Angreifer wurde aber von dem Schemel so unglücklich getrosten, daß er zusammenbrach und im Militäclazarett zu Gießen den Verletzungen an der Schläfegegend erlag. (Nach einer anderen uns zugegangenen aJlitteihing erfolgte der Schlag mit einem Besenstiel. Als Todesursache komme ein Bluterguß im Gehirn in Frage. D. Red.)
X. Griedel, 7. Juli. Sonntag und Montag hielt der K r i e g e r v e r e i n anläßlich der Einweihung seiner neuen F ahne ein großes Volksfest ab. Fast sämtliche Häuser unseres Dorfes hatten eine neue „Uniform" angelegt, so daß der Ort kaum wieder zu erkennen war. Zur Teilnahme am F<ste waren 19 auswärtige Kriegervereine des Verbands „Hassia" erschienen und eine überaus große Teilnehmermenge hatte sich am Sonntag eingefunden. In warm empfttndenen Worten begrüßte der Präsident des Kriegervereins Wetz die Erschienenen; von seiner Tochter wurde danach die durch freiwillige Gaben der Frauen und Jungfrauen angeschasste Fahne mit sinnvoller Ansprache dem Vereine überreicht. Pfarrer Egel hoff von hier hielt die allgemein sehr beifällig ausgenominene Weiherede. Von Geh. Rcgierungsrat Fey von F-riedverg wurde alsdann
Der Lulenburg-prozeh.
VIII.
Hd. Berlin, 7. Juli.
Tie Nachricht, daß der Fürst Eulenburg gestern nacht einen bedenklichen Schwächeansall gehabt habe, wird heute als unzn- trefsend bezeichnet. Ter Fürst ist auch heute bereits vor 11 Uhr in Moabit eingetrosfen.
Nach der Vernehmung des Ernst soll bem Oberstaatsanwalt und der Verteidigung Gelegenheit gegeben werben, Riedel in ein Kreuzverhör zu nehmen. Tte Vernehmung Riedels dürste noch eine geraume Zeit dauern, da der Vorsitzende erklärte, noch etwa 50 Fragen an den Zeugen richten zu müßen. Ta Riedel gestern nach feiner Vernehmung mit Justizrat Bernstein und einem Journalisten tn einem Automobil nach einem Restaurant gefahren ist, at der Vorsitzende heute verfügt, daß Riedel heute sozusagen aus
bisher am vorherigen Samstag eröffnet und findet von da ft an täglich von 11—1 Uhr ftott
** Burschenschaft sfeier am Nrederwald- Denkmal. Anläßlich des 25. Jahrestages der Enthüllung des Nationaldenkmals auf dem Niederwalds beteiligte sich die Gießener Burschenschaft am 4. und 5. Juli, geschlossen an einer imposanten burschenschastlichen Feier. Eingeladen hatte die Vereinigung alter Burschenschafter zu Bingen und alte und junge Burschenschafter waren dem Ruf in überaus stattlicher Zahl gefolgt. Außer Gießen WEN beionders stark vertreten die Universitäten Bonn, Heidelberg, Marburg und Straßburg. Den Höhepunkt bildete der Festakt am Denkmal am Nachmittag des 5. Juli. Prof. Tr. Roj en- Nl und (Germania-Berlin) feierte hier in tiesdurchdachter uni> begeisterter Rede die Einigung unseres Vaterlandes und wies hin auf die Verdienste, welche sieb dre Deutsche Burschenschaft an dem großen Werke erworben hat. Nach der Rückkehr versammelten sich die Teilnehmer zum Kommerse im großen Saale des Bahnhofes Bingen, der raum I die über Erwarten große Zahl der Anwesenden faßte. Tas Präsidium führte Amtsrichter Hausmann (Germania- Gießen). Ter Oberbürgermeister Bingens überbrachte diel Grüße der Stadt, Cand. Ruppert dankte im Namen der ())äste für die Einladung uno Eand. Neub rech toastete auf die Teutsche Burschenschaft. Am nächsten Morgen traten sich die Gäske auf der Burg Klopp, von wo man dann hinunterzog zum Frühschoppen im Hotel Disteh der durch ernste und heitere Ansprachen gewürzt wurde. schonen Schluß der Feier bildete ein Ausflug der Alten Herren und Aktiven mit den Damen nach Aßmannshausen.
♦* Im Kolosseum erfreut der Opernsänger Adolf Plate aus Frankfurt a. M. allabendlick) die Besucher durch einige mit Eleganz und guten Stimmitteln vorgetragenc Lieder. Am Donnerstag abend wird er unter Mitwirkung der Kolosseumskapelle ein neues Opus von Fritz Kutschern „Das Mutterherz, dein Zufluchtsort", zu Gehör bringen. Dieses Lied ist soeben dem beliebten Sänger eigens gewidmet worden. — Der für heute abend angesetzte Sommer- nachtsball wird auf Samstag, 11. Juli, verlegt und findet dann auch bei ungünstiger Witterung statt.
** Der Verein ehemal. Jäger und Schützen von Gießen und Umgegend hielt am vergangenen Sonntag auf dem Schützenhaus sein diesjähriges Krcisschießen ab. Tas Schießrcsultat war folgendes: 1. Preis Förster Hell-i Niann-Bieber, 2. Preis Förster Miehe-Frankcnbach, 3. Preis Kaufmann Jullmann-Gießen, 4. Preis Förster Echternacht- Krofdorf, 5. Preis Kaufmann Poschmann-Gießen; aus erste Ehrenscheibe 1. Preis Kaufmann Wienhold-Gießen, 2. Preis Mufmann Jullmann-Gießen, 3. Preis Förster Klinge-Bieber; auf zweite Ehrenscheibe 1. Preis Förster Miche-F-ranlenbach, 2. Preis Förster Echternacht-Krofdorf, 3. Preis Kaufmann ö. Nußbaum-Gießen.
** Fremdenanmeldung. Die Unterlassung der Anmeldung eines in Schlafstelle genommenen Arbeiters brachte eine Familie in der Edcrstraße zu nicht unerheblichem Schaden. Tie Persönlichkeit wurde von der Polizei wegen Diebstahls gesucht, nächtigte aber mehrere Tage unangemeldet bei der Familie und verschwand dann unter Mitnahme einer Taschenuhr, eines Portemonnaies mit 9 Mi. und einer Anzahl wertvoller Kleidungsstücke spurlos.
** Gasthausdieb. In einem hiesigen Gasthaus logierte sich am verflossenen Sonntag abend em Fremder ein und ein aus Oberhessen zugereister Arbeiter wurde in demselben Zimmer bei dem Fremden untergebracht. Am andern Morgen, als der Arbeiter erwachte, war der Fremde bereits verschwunden und mit ihm auch das Geld des Arbeiters. Ter Fremde verlor eine Legitimation und dürfte
Märkte.
fc. Frankfurt a. M., 8. Juli. Sch weine markt. (Crg/ Tel. des Gieß. Anz.) Zum Verkante stauben 1250 Schweine. Beza bst würben: für Schweine 1. Qual. 65—66 Pfg., Lebendgewicht 51,0 bis 51,5 Pfg.; 2. Qualität 64—00 Pfg., Lebendgewicht 50,5—00 Pfg., 3. Qiial. 56—58 Pfg. Gefchäst gut, Ueberstand unbebeutenb.
Voraussichtliche Witterung jur veiicii am Donnerstag den 9. Juli: Teilweife austjenernd. Meist trocken. Etwas wärmer.
Wafferwärme der Lahn 17 °R.
Grigittal-Drahttticldungen.
sd. 2arm nabt, bi. Jult. Ter bekannte und vielfach verdienstvolle Hos-Möbelfabrikant Ludwig Alter ist gestern abend VslO Uhr gestorben.
sd. Bensheim, 8. Juli. Die hiesige Holzindustrie von Klctn ist in der vergangenen Nacht vollkommen niedcrgebraiilit. Ter Schaden beträgt 50000 Mk. Es soll Selbstentzündung des Wärmeschrankes Vorgelegen haben.
Berlin, 8. Juli. Als letzter Tag der Nordland- reife des Kaisers ist der 31. Juli in Aussicht genommen. Vorn 3. bis 5. ober 6. August wird baS Kcuserpaar Gast beS schwebischen KönigßpaareS fein.
R o m, 8. Juli. GeneralstabSchef Pollio hat große Mannover im Tiber-Tale angcorbnet, welche ben Zweck haben, bic Befestigungen zu prüfen, welche gegen Angriffe von ber MceieSfeile aus bienen. Es fei wahrjchcinlich, baß neue Befestigungswerke errichtet würben.
Paris, 8. Juli. Echo be Paris inclbct aus Tanger, baß bic fra nzofi fchen Truppen zur Enttäuschung der Eingeborenen (? I) Azemur räumen. Neue Unruhen würben befürchtet. Tie Anhänger Abbul AsiS verbreiten baS Gerücht, baß bic Franzosen von Deutschland auf* gefordert worben seien, Azcmuc zu räumen.
Zeppelin und Einem.
lieber ben Vorfall zwischen bem preußischen KriegS- minifter v. Einem unb bem Grafen Zeppelin überläßt dieser ber Presse folgcnbe Erklärung zur Veröffentlichung:
Grundlos ist bie Anschuldigung, Herr v. Einem habe von mir das Ausfahren währenb des herrschenden starken Sturmes geior- dert. Einem Manne aber, ber, wie Seine Exzellenz, durch fein Vertrauen zu meinem Vorgehen mir bie Lotterie in Prenben verschaffte unb dabnrch allem mein Unternehmen vor dem Untergänge rettete, bet stets bic größte Unparleilichleit zwischen ben drei deutschen Luftjchiffiystemeii zu üben bestrebt war, einem solchen Manne vergebe ich es von ganzem Herzen, wenn er mit ben Tagen unb Stunben wachsenbem U n m n t über bas Femgchaltcn- fein von seinem verantwortungsvollen Amt, ohne ben Zweck seines Verweilens bei mir erfüllt zu fchen, unb kaum erholt von Erkrankung, in Erregung geriet, bie ihm für einen Augenblick die ruhige Beurteilung ber Lage unb die richtige Auffassung bes ihm Gesagten entzieht. Mir bleibt kein anberes Empfinden für ben hodwerbienlcn, kräftigen Mann als bas vollkommenster Hoch- sehätzilng unb kamerabschastllchcr Zuneigung.
In Anwesenheit des Grasen Zeppelin stiegen am 7. bS. Nits, nachmitlags in Friebrichshafen bie Rnnbballons ber sübbentschen Lnstjehiffvcreinc au1, gefüllt mit Gas bes Zevpelin'fchen Lnstschiffes. Den Riindbatton des Alünchener Vereins führte Prinz Georg von Bayerii. — In Konstanz würbe gestern abenb Zeppelin ein Factelzng dargcbracht. — Graf Zeppelin wurbe zum Ehrenbürger Stuttgarts ernannt.
Sport.
D i e p p e, 7. Juli. Tie l'J ersten Wagen int Auto- mobil renn en um ben Granb Prix waren: 1. Lauten- jchläger auf Aiercebes (6 Stb. c3 Min 43 */6 Sek.). 2. Hcinery auf Benz (7 Stb. 4 SDlin. 24 Sek.). 3. pannol auf Benz (7. Stb. 5 Min. 13 Sek.). 4. Rigal auf Bayaib Element. 5. Poege auf Mercedes. 6. Joerns auf Opel. 7. Timitrievitfch auf Renaillt. 7. Heath auf Pattharb-Levossor. 9. (ingno auf Jatala. 10. Jenatzi auf Mors. Tie mittlere Gcfchwinbigkeit ber Wagen betrug 111,50 km. Der Wagen Eissacs verlor die Tireftion, da er einen wesentlichen Teil eingebnßt hatte; er lief mit einer Geschwindigkeit von 100 Kilometern einen 'Abhang zur Seite bes Weges hinaus, riß zwei Bäume um unb überschlug s i ch sodann. Die Fahrer kanten unter den Wagen zu liegen unb blieben sofort t o t, Eisfac wurbe bei Brustkasten eingebrüdt, seinem Ehauffeiir Schaube ist ber Schäbel gespalten worden. Bei der Ankunft Lantenschlägers spielte bie Mstilärntiisik bie deutsche 91 a t ion o l- Hymne. Tie deutschen Sieger würben von bem Unterstaals- i sekretar Maujan unb bem Präsibenten bes beiilschen Autoniobil- llubs Grasen Sicrpatorff beglückwünscht. Wie verlautet, hat auch Thery einen Unfall erlitten; es wirb jeboch versichert, basi er nur nncrl)eb(id) verletzt ivurbe. Tie biirschnittliche Geschwinbigkeit des Siegers beträgt 111'/, km pro Stunbe.
Gcrichtsfaat.
Berlin, 7. Juli. In dem Prozeß gegen den Grasen Arx zu Vasegg und Frau Lewandowski wurden heute beide Angeklagten wegen fortgesetzten Betruges verurteilt. Ersterer erhielt ein Jahr Gefängnis; vier Monate wurden auf die Untersuchungshaft abgerechnet. Frau Le- ivandowsl'i erhielt ein Jahr und sechs Monate Gefängnis.
München, 8. Juli. Vor dem Schwurgericht begann gestern der Prozeß gegen den Erpresser Imhof, der durch Briefe an den Kommerzienrat Ludowiei- München und durch ein Attentat auf dessen Söhne Geld von Ludowiei zu erpressen versuchte. Geladen sind 22 Zeugen und 4 Sachverständige. Bei Beginn des Verhörs gab der Antzeklagte zu, die Briefe geschrieben und die Knaben veranlagt zu haben, die Söhne Ludowieis mit verdünnter Salpetersäure zu begießen. Er sagte, er habe lediglich einen Sck)erz machen wollen. In der 3. Morgenstunde wurde nach 18stündiger Verhandlung das Urteil gesprochen. Ter Angeklagte wurde zu 10 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust verurteilt. Ter Staatsanwalt hatte 14 Jahre beantragt. Ter Angeklagte brach bei Verkündigung des Urteils völlig zusammen.
bleich, mit ber Faust auf ben Tisch geschlagen haben unb eine Bewegung gemacht haben, als ob er sich erheben unb sich aus ben Zeugen stürzen wolle. Emst: „Turchlaucht, eS ist wahr! Wir zwei sinb auf ber Welt verloren
Gegen 1 Uhr werben bie Verhandlungen auf eine halbe Stunbe unterbrochen. Tann erklärt Fürst Eulenburg, daß ihm absolut nichts von ben Schmutzereien bekannt sei. Ernst ruft in höchster Exstafc aus: „Aber Herr Fürst, es nützt uns beiden boch nichts mehr, bie Wahrheit ist nunmehr heraus, unb ich kann nicht anberS!* Tie Geschworenen richten an Emst mehrfach bie Frage, ob er sich nicht in bet Person bes Fürsten irre. Emst erklärt mit großer Sicherheit: „Ich schwöre beim allmächtigen Gott, eS war der Angeklagte Fürst Eulenburg/
Gegen */,3 Uhr wird Emst vorläufig entlaffen unb darauf die Vernehmung des Riedel fortgesetzt.
Tie Verteidigung wünscht, daß noch eine Reihe von Zeugen geladen werden, bie ungünstiges über Riedel aussagen follen. Riedel mußte nochmals Die Wahrheit seiner Aussage versichern und sich nod)mals den Angeklagten genau betrachten, ob er der 'Mann ist, den er in Starnberg leimen gelernt halte, worauf Riedel antwortet, der Fürst habe cs ja schon selber gesagt, daß ec ihn kenne. Ter Fürst bestreitet auch jetzt noch jebe ber vom Zeugen beschworenen ungünstigen Hanblungen.
Oberstaatsamvalt I s e n b i c l richtet dann noch eine Reihe von Fragen an Ernst. Unter anderem soll Emst an den Ange- flagten lii einem Briefe geschrieben haben, daß er ihn für normal halte. Er wurde gefragt, was er unter normal verstehe. Ter Zeuge soll erklärt Ijnbcn, daß jemand normal ist, wenn er nicht nut deut § 175 zu tun gekriegt hat.
Riedel wurde dann zu seinen Beziehungen zu Emst benagt. Ec kenne ihn schon von Juaend an», habe nie nut ihm gerauft und sei ihm nicht feind. Irgend welchen Groll habe er gegen Eulenburg nicht. Riedel wirb bann nochmals über bie ojenc ui ber Wohnung Eulenburgs vernommen, wo ber „©ra‘ mit bem weißen Gesicht" sich an ihm vergangen habe.
Tie „TreSb. N. N/ veröffentlichen einen Brief bes Fürsten Iiicharb Dohna- Schtobitten, ber ben Fürsten Eulenburg ooll» fonimen bloßstellt. Fürst Dohna nennt Eulenburg so ,ö erlog e n", baß er es lebhaft be bauert, ihn in die Gesellschaft des Kaisers gebracht zu haben. Die konservative „Oslpr. Zlg " in Königsberg wirb autorisiert, mitzuteilcn, daß der Vries a u t'h e li t l s d) ist, daß aber Fürst Totjna der Verösient- lichnng fernsteht und sie weder veranlaßt uod) gewünscht und and) nichts von ihr gewiißt hat.
»Heine TageschrouU.
In M ü n ch e n wurden am 6. d. MtS. sieben Personen v o n A u t o m o b i l c n ü b c r f a h r e ii.
Beim Eud)eii von Alpenrosen ist im Hinter st ei ii er Tal (Allgäu) -der Major v. WÜlfert abgestürzt, wobei er sich schwere Verletzungen ztizog.
In Eleve erhängte sieb ein 13jähriger Knabe, dem wegen A l t o h o l z u s p r u d) e S Borwürfe geinacht würben.
Zwischen Debreezin unb Szcboszlo sand ein Zu- s a m m e n st o ß zwifchen einem Personenzug unb einem L a st- i u g statt. Tas Unglück ist wiederum durch falsche Weidjen- stcllung verursaclü- Bei dem Zusammenstoß sind 2 Personen getötet, 12 jch vor, 10 leidncr verletzt worben.
Tic Stabt Tolar int türk. Vilajet Siwas ist von einer Heber- schweminung heimgesucht worden. Ein Teil der össentluhen Gebäude unb ilngesahr 600 andere P r i va t g c schä st Shä u ser wurden zerstört. Tic Zahl ber Opfer soll 1000 ubenteignt.
AuS Newyork wirb gemclbct, baß der Montag der heißeste Tag seit bem Jahve 1878 war. Hunderte von Personen mußlen in Kmnkenhäuser geschafft werden. Das geschäftliä^e Leben - stockt. Am furchtbarsten leiben bie Pf erbe. Am Dienstag erreichte bic seit vierzehn Tagen hevrsck)enbe Hitze 3 2 Grab Reaumur. Es würben bereits über 50 Tote gewählt.


