\ber Schule entlaßenen Alädchen ui der Haushaltung zu unterweisen, so möchten doch aus der anderen Seite Neid Und Mißgunst es nicht zugcbcn, ihre Tochter einer anderen Frauensperson au3 denl Dorfe in Lehre und Unterweisung zu geben. Indessen wäre meine 2lnsicht, für solche Mädchen, die int Alter von 16 Jahren und darüber sind, sich in Betziehung auf rubrizierten Gegenstand fleißig, reinlich, sparsam Und sittsam zeigen, durch Belobung oder ausgesetzte Prämien vufgemuntert und ausgezeichnet werden, was andere zur Nacheiferung antreiben soll."
Durch die treffliche Organisation unserer [)cntigen Kochkurse, sind alle Schwierigkeiten, die Bürgermeister W. damals /ins Feld führte, überwunden. Da, wo seither Kochkurse ab» gehalten wurden, ist man mit bem Ergebnis recht zufrieden igewesen, und es ist zu hoffen, daß im Laufe der Jahre «uch im kleinsten Dörfchen des Kreises von der gemeinnützigen Einrichtung unserer Kreisbehörde gerne Gebrauch gemacht worden ist.
L.-U. Landesuniversität. Dem Assistenten an der hiesigen Ohrenklinik Dr. med. Franz Nuernberg wurde die venia legendi für das Fach der Ohren-, Nasen- und Kehlkopfkrankheiten, und dem Dr. phil. Hans Reichelt aus Baden bei Wien die venia legendi für die Fächer Sanskrit, vergleichende Sprachwissenschaft und vergleichende Religions- wiffenschhft von Se. Magnifizenz dem Rektor der Landes- universität erteilt.
* * Ordensangelegenheit. Se. Kgl. Hoheit der Groß Herzog haben dem Obeckonsistorialprästdenten Nebel die Erlanbnis zum Tragen der ihm verliehenen Roten Kreuz- Medaille 3. Klasse und dem Knappschaftsarzt a. D. Dr. Ferd. Klein zu Bensheim die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm vom König von Preußen verliehenen Roten Adler-Ordens 4. Klasse erteilt.
* * Kircheuvor st a n d. In der gestrigen Sitzung der Hirchcngemeindevertrctung der Matthänsgemeinde wurde tut Stelle des von hier verzogenen Herrn Rektors Hahn Herr Hauptlehrer Kuauß zum Mitglied des Kirchenvor- [tanbe5 gewühlt.
** Saalbauverein. A!an schreibt uns: Ter Verein chat sich gestern nach eingehenden Beratungen — nicht weniger als jdrei Mitgliederversammlungen haben innerhalb dreier Monate stattgefunden — auf Grund neuer Satzungen als Eingetragener jVerein neu konstituiert. Tie Beratungen sanden unter der Teil- ttahnw der einflußreichsten Männer «der Gießener Bürgerschaft statt. Zum 1. Vorsitzenden wurde Stadtverordneter Fr. Habe- nicht gewählt. Ta heißt es nun mit frischen Kräften an die Arbeit gehen! Möchten sich recht bald zahlreiche neue Mitglieder zur Förderung der guten Sache melden, zumal der Verein 'wohl städtischer Unterstützung sicher sein kann, wenn es seiner Werbetätigkeit gelingt, den Grundstock für den Saalbau zu legen. Taß ein solcher aber bringenr-eo Bedürfnis geworden ist, heute mehr denn je, das kann fein Einsichtiger leugnen. Haben wir doch, nachdem, der sog. Neue Saalbau (Steinä Garten) völlig zurückgegangen ist, keinen einzigen Raum mehr zu größeren Versammlungen der Bürgersck)aft zur Verfügung, der billigen An- ckordeimngen entspräche. Auch dürfte das letzte Chorkonzert unwiderleglich erroiefen haben, daß im Theater ein großes Cho. r- tonzert mit Orchester nicht möglich: trotzdem der Orchesterraum voll ansgenutzt rvar — was übrigens nicht wieder geschehen darf, da die trfte Reihe Hörer, auch noch die zweite und dritte dann viel zu nahe davor sitzen müssen — füllte der Chor den Raum der Bühne völlig ans, denselben Raum, der auch bei dem letzten modernen Orchester ko nzert vom Orchester allein völlig ansgenutzt roeroen mußte. Beide Klangkörper, Orchester und Akademischen Gesangverein (ea. 170 Sanger und Sängerinnen) zugleich auf die Bühne zu stellen, ist einfach unnfogliä)!" Mfvi ein neuer Saalbau im iveitesten Sinne des Wortes wird und muß kommen. Alle Teile der Gießener Bürgerschaft haben hieran gleichgroßes Interesse.
* * Kolossen Ni. Dem Spezialitätentheater ist nunmehr Luch ein Cafe sowie ein Sommergarten hmzugefügt ivorben. Siehe Llnzeige.
* * Stenographisches. Auf der am 4. ds. abgehaltenen M onatsve rsamm lung bes Gabelsberger Stenographen-Bereins von 1861, an ber auch bie übrigen hiesigen Gabelsberger Körperschafteli (Gesellschaft, Danienverein, unb bie beiden Schülervereine) teilnahmen, hielt ber 1. Vorsitzende, Sekretär Loh, einen 33o l- trag über bas Thema: „Die Geschichte ber Stenographie". Rebner beleuchtete in seinem einstünbigen Vortrag bie Stenographie von ihren Uranfängen an bis zur neuesten Zeit. Lauter Beifall lohnte die wirtlich interessanten Ausführungen. Direktor Bergen, [ein Mitbegrünber unb langjähriges Ehrenmitglieb bes G. St.-V. sprach bent Redner ben Dank für ben vorzüglich ausge- larbeitcien Vortrag aus unb gab baran anschließenb noch (einige Erlebnisse ans bem stenogr. Leben zur Zeit 2llt- nreisters Gabelsberger zum besten. Er machte u. a. auch auf ein Kleinob aufmerksam, bas ber G. St.-V. besitzt, nämlich ein Blatt ans ber Urschrift vom Gabelsberger PZerke „Die Rebezeichenkunst". Die Anwesenben folgten seinen Worten, die ab unb zu mit Humor gewürzt waren, mit großer Auf- tmertjamfeit und gaben ihre Anerkennung burch lebhaften Beifall funb. Herr Loh bankte für bie von Herrn Bergen gegebene Ergänzung zu feinem Vortrag unb brachte ein Hoch auf ihn, als ben ältesten Gabelsb. Stenographen in Gießen, aus. Erst gegen Mitternacht erreichte bie wirklich anregenb verlaufene Versammlung ihr Ende.
* * Hessische Laubes ausstellung. Nachbeni burch die Ausstellungsleitung bei ben Besuchen geschlossener Vereine unb Korporationen ber einmalige Eintritt auf 50 Pfg. festgesetzt worden ist, hat bie Hanbw erkska m mer zu Dar nist abt ben 226 Korporationen in ihrem Bezirk unter Mitteilung bieser Vorzugsgewährung bas Slnerbieten gestellt, bei derartigen gemeinsamen Besuchen für eine fachgemäße Führrtng burch bie Ausstellung Sorge zu tragen, um solche gemeinsamen Besichtigungen für bie Teilnehmer möglichst nutzbringenb zu gestalten. Mehrere Korporationen haben ber Kammer unmittelbar im Anschluß an beren Runbschreiben bereits ben Besuch ber Ausstellung angemelbet und um Uebernahme einer Führung durch die Kammer gebeten. Es kann deshalb mit Sicherheit auf eine zahlreiche Beteiligung gerechnet werden. Die Handwerkskammer nimmt weitere Anmeldungen gewerblicher Korporationen entgegen unb erteilt jebc weitere Auskunft.
X Steinberg (Kr. Gießen), 5. Juni. Zur Erwiderung auf das „Eingesand" in Nr. 129 fei mitgeteilt, daß es unrichtig ist, baß bie Behörbe nicht für bas Einwalzen ber Orts- unb Kreisslraße in Steinberg für bas Sängersest, bas am zwecken Pfingslfeiertage Hierselbst stattfinbet, Sorge getragen habe unb alle Anfragen und Gesuche des festgebenden Kereins erfolglos geblieben seien. Das Einwalzen ivar, als
der Artikel im Blatt erschien, schon angefangen unb ist gestern vollständig beendet ivorden. Die Behörde hat auf bas an sie gerichtete Bittgesuch ihren Walzplan sofort geändert und die Veranlassung getroffen, daß das Walzen der Straßen in Steinberg vor bem fraglichen Feste beenbet werben sollte.
-j- Kes selb ach, 4. Juni. Jni Saale bes Gastwirts Meißinger fand gestern unter ber Leitung bes Vorsitzenben Schomber bie Generalversammlung ber Spar- unb Vorschußkasse statt. Die Rechnung würbe vom Rechner Linbenstruth vorgelesen; aus ihr war zu entnehmen, baß ber Umsatz ivicber gestiegen war und über 1 Million betrug. Bemerkungen würben keine gemacht unb bem Rechner Entlastung erteilt. Der Aufsichtsrat schlug eine Divibende von 15 Prozent vor, was angenommen wurde. Ein Antrag auf Erhöhung des Stammguthabens wurde nach kurzer Debatte, weil er nicht rechtzeitig eingelaufen war, zurückgezogen unter ber Bedingung, daß er bei ber nächsten Generalversammlung auf bie Tagesorbnung kommt. Den schönen Abschluß ber Versammlung bilbete bie 25jährige Jubelfeier bes Kontrolleurs Becker, eines Mitbegrünbers ber Genossenschaft. In einer kurzen Ansprache schilberte Lehrer Ziegler, wie ber Jubilar sein ihm anvertrautes Amt stets treu, gewissenhaft, uneigen- nützig zum Wohle ber Genoffenschaft geführt habe. Daß bies anerkannt worben sei, beweise seine mehrmalige Wieberwahl, aber zu seinem Jubelfeste wollten es sich bie Mitglieder nicht nehmen lassen, ihm in Anerkennung seiner Verdienste als sichtbares Zeichen des Dankes ein Sopha zu stiften. Tiefbewegt dankte ber Jubilar, unb nun gingen einige gemütliche Stunden dahin, in deren Verlauf der Gesang auch zu seinem Rechte kam. Von dem Kontrolleur wurde ein Rückblick auf die Entwicklung ber Genossenschaft von ihrem Entstehen bis jetzt gegeben.
△ ©rünberg, 5. Juni. In ber heutigen Gern e i n d e r a t s i tz u n g waren sämtliche Mitglieder, mit Ausnahme des burch einen Unfall erkrankten unb am Erscheinen verhinberten Metzgermeisters Spanier erschienen. Zur Anlage einer Dam pfheizung im Schulhause entspann sich eine längere Debatte. Bürgermeister Rimmer hatte bei ber Firma Schaffstaebt in Gießen unb zwei süddeutschen Firmen Kostenvoranschläge eingeholt, bie zur Kenntnis gebracht wurden. Danach stellt sich der Kostenpunkt für die Einlage einer Dampfheizung auf ca. 5500 Mk. Bürgermeister Zimmer befüriuortcte bas Projekt als zeitgemäß unb im Interesse ber Schule unb Gemeinbe licgenb. ©cmeinberat Sauber äußerte Bebenken wegen des hohen Kostenpunktes. Gemeinderat Ranft erwiderte, daß für Schule und Schüler bieL Opfer gebracht werden müsse und man seither ja auch ansehnliche Beträge für Heizung geopfert habe, ohne damit vollen Erfolg zu erzielen. Gemeinderat Schmidt erkennt bie Bebenken des Gemeinderats Sauber bezüglich des Kostenpunkts an, hält es aber für nötig, baß im Interesse ber Schule das Opfer gebracht wird. Gemeinderat Sehrt befürwortet ebenfalls warm das Projekt unb wirb bann einstimmig beschlossen, daß während der Sommerferien die Schule mit Anlage der Dampfheizung versehen ivird. Vom Kreisbauamt Gießen sollen Voranschlag und Pläne entworfen merben. — Das Gesuch des Direktoriums des germanischen Nationaliiiuseums in Nürnberg um einen Jahresbeitrag wurde abgelehnt.
w. Münzenberg, 5. Juni. Heute gerieten ein Vorarbeiter und ein ihm unterstellter Arbeiter voir dein hiesigen 'Hofgute auf bem Felde in Wortwechsel, der schließlich in Tätlichkeiten ausartete. Ter Vorarbeiter Ivars den Arbeiter zu Boden, kniete sich auf seinen Brustkasten unb Würgte ihn am Halse, so daß er über größere Schmerzen auf ber Brust klagt. Der Bedauernswerte ist erst vor kurzer Zeit wegen heftiger Brustschmerzen ans ärztlicher Behandlung entlassen ivorben. Anzeige soll berselde bei ber Ge'n- barmerie in Rockenberg bereits erstattet haben.
b. Darm st adt, 5. Ium. Gestern wurde ber Polizei- revierschrelber Wilhelm Fröhlich üom 4. Polizeirevier, ber seit längerer Zeit Stempelgebühren gegen gefälschte Quittungen zu Unrecht erhoben unb für sich vmuenbet haben soll, verhaftet. Die Untersiichling ist eingeleitet.
(:) Aus bem Kreise Biedenkopf, 5. Juni. Bei bem gestrigen Gewitter gab» strichweise Hage l. In Engelbach tötete ber Blitz zwei Kühe bes Landwirts Achenbach unb in Wiesenbach brannte infolge Blitzschlags bie Pseifsersche Scheune nieder.
kg. Kirchhain, 5. Juni. Heute Mittag gegen 2 Uhr zog ein schweres Gewitter über unsere Gemarkung. In bem unweit der Stabt gelegenen Gutshof Rabenhailsen fuhr der Blitz in den Kuhstall, in welchem 40 Stück Rindvieh eingestellt waren. Hiervon mürben vierzehn Stück sofort getötet. Der Schaben ist umso bebeutenber, als bie getöteten Tiere die besten Milchkühe waren. Die übrigen 26 Tiere sowie ber Viehschweizer kamen mit bem Schrecken bavon.
Giestener Strafkammer.
)( Gießen, 5. Juni.
Eine Wilderergeschichte.
Im letzten Winter sahen Waldarbeiter im Nieder- rvSbacher Wald, wie sich ein Mensch am Waldsaume umhertrieb. Ta in ber dortigen Gegend viel gewildert wird und die Leute ben Auftrag hatten, ihr Augenmerk auf Wilderer zu richten, verhielten sie sich ruhig, bis b:r Mann in ihre Nähe kam. Ihr Verdacht, daß der Mensch ein Wilderer fei, verstärkte sich, nachdem sie einen Schuß aus der Richtung, tvo er sich befand, wahrgenommen hatten. Sie nahmen den Mann fest und erkannten in ihm den 23jährigen Landwirt W. K. von Rodheim v. b. H., den sie auf das Forsthaus brachten. Unterwegs bat er die Leute, sie möchten ihn dock) nicht unglücklich machen, er wolle ja gerne alles in Güte erledigen. Tie Leute riefen telephonisch einen Gendarmen aus Friedberg herbe', der feststellte, daß K'. ein zerlegbares geladenes Gewehr bei sich trug, das er in einem alten Militärmantel, den er an hatte, unb der zum Tragen des Gewehres besonders eingerichtet war, untergebracht hatte. Ans dem Gervehr war kurz zuvor geschossen worden, was durch den frischen Pulvcrschleim und ben Nauchgeruch festzustellen ivar. K. behauptete erst dem Gendarmen gegenüber, er habe das Gewehr auf ber in der Nähe liegenden Seemühle gekauft, um Spatzen damit zu schießen: er Hätte das Gewehr auf dem Hose des Müllers probiert, woraus sich der frische Pulverschleim erkläre. Im Laufe der Untersuchung änderte er seine Angabe und wollte das Gewehr dem Müller zum Verkauf angeboten haben. Er verwickelte sich noch in eine große Reihe von Widersprüchen und gebrauchte Ausreden, die auf fein Schuldbewußtsein schließen ließen. Das mit der Aburteilung der Sache betraute Schöffengericht verurteilte K. zu 4 Wochen Gefängnis unb erkannte auf Einziehung bes Gewehrs unb bes Mantels. Der Angeklagte focht bas Urteil an unter der Angabe, er fühle sich unschuldig. Zwar gab er zu, er habe früher in vielen Punkten bie Unwahrheit gesagt, boch dies sei aus seine große Aufregung, bie sich bei bem Ueberfall durch die Waldarbeiter seiner bemächtigte, zurückzuführeu. Auf Grund der Berusungsverhandlung kam
die Sttafkammer zu der Ucberseugung, daß das Schöffengericht' das Richtige getroffen bat- Alle Umstände sprechen dafür, daß er in der Absicht, dem Wild nachzustellen, ben Gang in ben Wald gemacht hat, unb da dies zum Tatbestand des Jagdvergehens genügt, erfolgte die Zurückweisung seiner Berufung.
Die falsche llnterfrtirift.
Die Ehefrau des Ttaglö Huers H. O. hier hatte bas auf 70 Mk. lautenbe Einlagebuch der hiesigen Bezirkssparkassc von ihrer Schwester zur Aufbewahrung erhalten. Sie geriet in Not, da ihr Mann krank war und sie entschloß sich, von dem Gelbe zu holen, ohne ihrer Schwester etwas bavon mitzuteilen. Im März und April erhob sie je LVMk., indem sie sich als ihreSchwester ausgab und quittierte auch mit deren Namen. Da die Kasse berechtigt ist, vhne Legitimationsprüfung dem Vorzeiger eines Einlagebnches Rückzahlungen zu gewähren, erhielt sie das Gelb anstandslos, boch als ihre Schwester von ber Sache hörte, erhob sie in b^r ersten Aufregung Anzeige, deren Rückgängigmachung ausgeschlossen war. Der Umstand, daß bie Angeklagte in der Not war uub inzwischen das Geld wieder ersetzt hat, rechtfertigte die Erkennung der Minimalstrafen wegen Urkundenfälschung und Betrugs von je 1 Woche Gefängnis, die unter Erkennung einer Gesamtstrafe auf 10 Tage reduziert wurde.
Unrichtige Steuerdeklaration.
Dem B r a u m e i ft c r F. I. M. zu Nidda gingen durch das Steuerkommissariat wegen Zuwiderhandlung gegen das Kapi -> talrenten-Vermögens- und Einkommensteuerge- s c tz für die Jahre 1906 und 1907 fünf Strafbescheide zu, gegen bie er gerichtliche Entscheibung antrug. Trotz seines Bestreitens hielt ihn bas Schöffengericht ber wissentlich falschen l-ezw. absichtlich unvollstänbigen Steuerdeklaration für überführt unb erkannte auf eine Gesamtbesraubationsstrafe von 405.92 Mk. Das Urteil würbe angefochten unb von der Verteidigung geltend gemacht, ber Angeklagte habe aus Mangel an Kenntnis ber Steuergefetze unrichtige Angaben gemacht; es fei wohl eine Ordnungsstrafe angebracht, eine Hinterziehung fei nicht beabsichtigt gewesen, weö. halb ber Angeklagte nicht wegen Defraudation verurteilt werden könne. Aus dem von dem Angellagten ausgefüllten Steuer» erklärungsformular geht aber hervor, daß er auf klare Fragen, ob er dieses oder jenes Vermögen besitzt, verneinende Angaben gemacht hat, trotzdem er solches besessen hat, so baß kein Zweifel bestand, daß dies absichtlich geschehen ist. Das Urteil wurde deshalbbestatigt
vermischtes.
'Gewitter. In Rheinhessen, an der Bergstraße und im Harz gingen starke Gewitter verbunden mit Hagelschlag nieder. Ein mit Sturm und Hagelschlag verbundenes Unwetter, das über Jena und Umgegend niederging, richtete namentlich im oberen Saaletale furchtbar« Verwüstungen an. In 9! uthe n ivurde von einem Wolkenbruch die Obermühle zur Hälfte weggeschwemmt. Bei Burgau wurde vom Sturm eine Feldscheune weggefegt. In der ganzen Umgegend sind viele Dächer abgedeckt worden; durch den Hagel wurden die Fensterscheiben cinge- schlagcn, Bäume entivurzelt und Telegraphenstangen umge- worfen. Aehnliche Meldungen liegen aus Belgien vor. In Charleroi wurde ein Arbeiter, der mit der Legung von Telcvhondrähten beschäftigt war, vom Blitz erschlagen. In der Umgebung von Grammont sind Hagelschloßen im Gewicht von 35—40 Gramm niedergegangen. Biele Fensterscheiben ivurden zertrümmert und mehrere Häuser durch Blitzschlag in Brand gesetzt. Ein Haus in Brüssel wurde bis zum 1. Stock unter Wasser gesetzt, ebenso eine Anzahl Häuser in benachbarten Straßen. In der Nähe von Brüssel schlug der Blitz in ein Wohnhaus und verletzte zwei Mädchen. In einem anderen Hause dort wurde ein Mann erschlagen. Viele Wohnhäuser sind in Belgien in Brand gesetzt und zahlreiches Vieh ist auf offenem Felde erschlagen ivorden. Auch in Nordfrankreich haben die Geivitter großen Schaden angerichtet. .
* Braunschweig, 5. Juni. Als gestern abend ein im 80 Kilometer-Tempo ans Braunschweig kommendes Automobil bei dem Dorfe Meine vorbeifahren wollte, kam eine Radfahrerin entgegen. Aus Rücksicht auf diese wurde das Automobil derart gebrenrst, daß es sich zweimal um feine Axe drehte und gegen eine Planke sauste. Der Führer des Motorwagens, F-ritsche ans Leipzig, war auf der Stelle tot, ein Insasse, Kapitänleutnant Asch- mann aus Kiel, starb nach 10 Min. an den Verletzungen. Oberleutnant Elmenhorst und der Chauffeur wurden schwer verletzt. Kaufmann Fritsche ist Mitinhaber der Oel-- und Essenzenfabrik von Schimel n. Ko. in Leipzig. Der verunglückte Wagen ist ein ca. 60 pferdekräftiger Opelwagen, gezeichnet „T. 429". Ein kleines Haus an ijev Unfall- stelle, dessen Fenster dicht Verschlossen sind, hat die Verunglückten vorläufig anfgeuommen. Elmenhorst soll nach dem Unfall 'wirre Reden geführt haben, welche auf eine Gehirne rf chütterung schließen lassen.
D i e R e i s e l u ft wohlhabender A m e r i k a n e r n a ch Europa, welche während der letzten Krise einige Monate gänzlich nachgelassen hatte, hat wieder begönnern Die großen Dampfer „Provenee.", „Mauretania" und Vier andere sind mit etwa 1500 Kajülspassagieren und zahlreichen Passagieren 2. und 3. Klasse nach Europa abgedampft.
Kleine Tageschronik.
Irr Lübeck brannte nach der Entdeckung mehrerer Unter» I d) I a g u n g e u der Kassierer des s o z i a 1 d e nr o k r a t i s ch e n Gärtnervereins, Karl Hertmann, durch.
In B e r g h e i m in Oberbayern fand gelegentlich einer Hochzeit eine b luftige Rauferei statt. Em Mann wurde gelötet, zwei Frauen wurden schwer und mehrere Personen leicht verletzt.
Der internationale Antiduell-Kongreß in Budapest beschloß dte Errichtung eures internationalen Zentralbureaus für bie Antiduell-Beweguirg. Als provisorischer Srtz tourbe Budapest gewählt.
In den W a a d l ä rr d e r Alpen wird der Ehemieprosesior Heinrtch D ü r r t r o 11 e l aus Lausanne seit etlicherr Tagen v e t- m i ß i. Der kurzsichtige Professor ist auf einem Ausfluge spurlos verschwunden. Alan fürchtet daß er das Opfer eines Unfalles geworden ist.
In einem von Magdeburg kommenden Zuge wurde in Viersen der Krankenwärter Gustav Schneider bewußtlos ausgefunden. Als er aus der Betäubung erwachte, gab er an, ein in Braunschweig eingeftiegener Herr habe ihm hinter .Krefeld aus einer Kvgnakflasche trinken lassen, worauf er bewußtlos geworden fei. Tem Krankenwärter sind Koffer, Uhr und Gelb geraubt.
In Leipzig ivurden unter dem Verdacht, ein Mädchen namens Heine getötet und zerstückelt zu haben, die 41- jährige Tischlersehefrau Anna Lohmanil rind ihr der Beihilfe verdächtiger Ehemann verhaftet. Es hat den Anschein, als ob bas ÄAädchen nach Vorrtahme ein.r Operation gegen das feimenbe Leben getötet worben fei. Tie Lohmann soll feit längerer Zeit unter bem Teckmaterial einer Kartenlegerin sich mit verbrecherischer Manipulationen, bie unter § "248 R. Str. G. B. fallen, befaßt haben. Tie Frau hatte eine elegant eingerichtete Wohnung inne und erfreute sich einer zahlreichen Kundschaft aus den verschiedensten Kreisen. >
voranojichtliche Witterung für Hefjen am Sonntag, den 7. Ium: Wolkig. Kühl. Meist trocken. Für die Feiertage stehl .votkige, fühle mib trockene Witterung bevor.
Müller'fchc Badeanstalt.
W a ff c r m ä r m c 16°K


