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6.6.1908 Erstes Blatt
 
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General-Anzeiger für Sberhrffen

die

Festschrif

die vom Gießener Unioersitäts-Buchdrul

;) Nach Erkundigung bei einem Mitglieds der Wiesbadener .scheu Kurhaus-Lepitation (jeder öffentlich beamtete Wies-

Bildern erwähnen Der Auszug der Staufenberg", eine ein Bildchen aus stellt auf der einen

wir als besonders beachtenswert zwei: Gießener Studenten 1846 nach dem seltene Lithographie von Gastauec, imb Kloster Arnsburg stammend. Legeres Seite, auf Pergament gemalt, die Drei-

DtrSlehener ZamilienblStter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das Hrdsblatt für den Kreis Stehen" zweimal wöchemltch. DieLandwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

HauShaltungs-Kochschule.

einigen Jahren durch das Vorgehen unserer ins Leben gerufene Haushaltungs - Kochschule

Die seit Kreisbehörde sindet überall

Redaktion, Expedition und Druckereir Schul- straße 7. Expedition und Verlag: esS 6L Redaktiome^il^Tel.-Adr.'.AnzeigerDießen.

ki§i1Iata-Schale, die von dem nahen Pfahlgraben wohl s. Zt. nach hier verschleppt worden war. Auf einer Höhe, süd- westlich desNeuhofs" bei Leihgestern, wurde Mauerwerk aufgedeckt. Tie Steine waren durch äußerst festen Mörtel verbunden. Da aber keinerlei Kleinfunde vorkamen, so war eine zeitliche Bestimmung dieser unmittelbar beim Pfahlgraben liegenden Anlage nicht angängig. Eine zertrümmerte große Kugelurne, die im März von Lehrer Boßler in Klein-Linden aus einer Sandgrube gerettet wurde, konnte wieder zusammen­gesetzt werden. DaS Gefäß stammt aus der Steinzeit. Durch diesen Fund konnte eine ununterbrochene Besiedelung dieses Teiles der Lindener Mark bis zur Völkerwanderung nunmehr festgestcllt werden.

Die zahlreichen Geschenke, der lebhafte Besuch des Museums an Sonntagen lassen die Wertschätzung erkennen, der sich diese Bildungsanstalt in dec Bürgerschaft und in weiteren Kreisen erfreut.

not, daß Mädchen und junge Frauen in der Kochkunst mehr Uebung und Erfahrung bekommen, als dies nach Lage der Umstände seither möglich war. Die jungen Mädchen be­suchen nach der Konfirmation die Fabrik und verbleiben meist in dieser Beschäftigung bis zu ihrer Verheiratung. Von einer Beteiligung an der Führung des Haushaltes kann kaum die Rede sein, noch viel weniger von der Erlernung der Kochkunst. Bei den jetzigen Preisverhältnissen darf sich die Familie glücklich preisen, in der eine tüchtige Hausfrau mit wenig Kostenaufwand doch ein nahrhaftes und wohl­schmeckendes Essen zubereiten kann. Wo daS nicht der Fall ist, da ist bei allem Fleiß und gutem Verdienst des ManneS doch immer Mangel und Not in der Familie vorhanden. Der Gedanke, den erwachsenen Mädchen auf dem Lande in Führung des Haushaltes praktische Unterweisung zu geben, ist schon vor mehr als 60 Jahren aufgetaucht und von dem Geh. Oberforstrat Zaniner in Nr. 40 derLandwirtschaft-- lichen Zeitschrift" uom Jahre 1839 ausgesprochen worden.

Welchen Anklang die Anregung,für eine Unterweisung der Bauerntöchter in der zu ihrem künftigen Berufe gehörigen Haushaliungsgeschäften", bei dec Landbevölkerung fand, geht aus einem Bericht hervor, der im Jahre 1844 auf eine dies­bezügliche Verfügung Großh. Kreisamtes Gießen von dem damaligen Bürgermeister W. m Kl. abgefaht wurde und uns im Konzept vorliegt. Der Bericht lautet:Die erlassene Verfügung vom Großh. Kreisamt Gießen wegen des rubri­zierten Gegenstandes ist inir zugekommen. Es ist nicht zu verkennen, daß der Wohlstand der Familie wesentlich von den Hausfrauen abhängt, und cS wird auch zum wahren Wohle führen, wenn alle Bauerntöchter in aller bezüglich dec bäuerlichen Wirtschaft vorkommenden Arbeit zu Tätigkeit, Ordnung, Reinlichkeit und Sparsamkeit angeleitet werben. DieL aber zur Ausführung zu bringen, scheint mir mit vielen Schwierigkeiten oerbunben 511 sein, wie Widerspruch, Eigen­sinn unb Neid. Wenn auch in jedem Orte, woran ich nicht zweifle, solche Frauen sein werden, die den guten Ruf einer tüchtigen Hausfrau genießen, und die auch geneigt sind, die

einigfeit bar; auf ber anderen Seite befindet sich ein sauber geschriebenes Weihe-Gedicht an Abt Peter zu dessen Namens­feste am 3 0. Mai 1770 (Chronodistichon). Nach Professor Dr. Noeschen ist als Verfasser des Gedichts der gelehrte Prior Willigisius Petrelli zu vermuten, dec auch 1774 beim sechshundertjähcigen Bestehen des Klosters ArnSburg eine

in musterhafter Weise gedruckt wurde. I Die hiesige Ruder­gesellschaft hat ihre wertvollen Preise 'in einem besonderen kunstvollen Glasschrank im Museum aufgestellt.

Die wissenschaftlichen Sammlungen erfuhren durch eine Ausgrabung im März er. in Leihgestern einen erheb­lichen Zuwachs. Beim Abtragen eines Ackers zwecks Er­richtung von Neubauten wurde nämlich eine größere siem- zeitliche Siedelung angeschnitten. Zahlreiche Steingeräte, Beile, Aexte, Meißel, Schleif- und Mahlsteine wurden mit einer Menge von Gefäßteilen, deren Außenseite mit Spiral- und Winkelbändern verziert war, gefunden. In geringerer Tiefe lag der Unterteil einer verzierten römischen Terra

irrtümlich ist. . ... _

3) Dec frühere Kurdicektor Hey'l war em von ,ich auvmt eingenommener Herr. Als jemaiib einmal fragte, warum er in seinem Namen ein Häkchen vor benti l habe, gab man zur, Ant­wort:Weit er einen Haken zu viel hat."

großen Beifall. Noch mehr als in den aus­gesprochenen Bauerndörfern sollte die Hochschule namentlich in den Jndustrieorten Eingang finden. Hier intS am meisten

churg, 1;rrauSEab, Joh. Jac. Braun

und der russische Vertreter, wie man hört, sichtlich bemüht sind, nach allen Seiten beruhigend zu wirken und ernste Verwicklungen fernzuhalten.

Korea. In den letzten Tagen fanden zwischen japa­nischen Truppen und koreanischen Insurgenten eine Reihe von Gefechten statt, in denen 372 Insurgenten getötet 1 und 55 gefangen genommen wurden. Die japanischen Ver­luste sind nicht bekannt.

Im Weißen .Hause wird mit Bestimmtheit erklärt, Roosevelt reise im April 1909 von Newyork nach Kairo, ' um in den Wildnissen Afrikas ein Jahr lang aus

bienfte dagegen hat ber Oberbürgermeister Dr. v. Jbell, der durch fein vornehmes, gelassenes, würdevolles Wesen die Stadt bei feierlichen Gelegenheiten sehr würdig repräsentiert und ganz an­ders als Persönlichkeit zu wirken vermag, als dies dem Kur- direktoc und dem Intendanten überhaupt möglich ist. Er hielt auch die Rede vorWilhelm dem Schweigsamen". Was dieses Standbild betrifft, so sind nach meiner Meinung die Beine zu dünn und wirken unkünstlecisch. Im Haag steht derselbe Wilhel- mus als 50 jähriger Mann in Erz gegossen; man hat ihm dort nicht komisch sich ausnehmende Strippenschuhe, sondern Rciter- stiefel angelegt, bie damals doch schon erfunden waren. Der neue Wilhelmus" in Wiesbaden dagegen erinnert mich an die Fast­nachts-Tracht römischer Imperatoren, oder an das Kurfürpen- denkmat in Kassel. Dieser Kurfürst sitzt in einem schottischen Hochland-Kostüm mit Feldherrnstab zu Pferde, trägt Allonge- Perrücke und, horribile dictu, Knie-Hosen. Das muß schon bei ber Denkmal-Sitzung komisch gewirkt haben.

Für das kgl. Theater hatte die Stadt Wiesbaden zwei Millionen zu spenden, und sie muß noch einen alljährlichen Zu­schuß leisten, neben den 7080 000 Mk. Zinsen. Dafür hat sie in den Personal-Verhältnissen des fiskalischen Institutsnix tau seggen". Die Schulden ber Stabt sind burch bies und bie neue, sehr kostspielige Kanalisation auf fünfzig Mil­lionen gestiegen! Das Kurleben verzinst sich nicht selbst; der Kurhauspächter zahlt noch nicht einmal 60 000 Mk. Pacht, während der Bahnhof zu Frankfurt 105 000 Mk. Jahrespacht einbringt.

Was berTraiteur" Rittbe zahlt, wirb von ben zahlreichen, wohlgenährten Portiers des Kürhauses alljährlich verichlungen.-) Der Kurdirektor bekommt 11500 Mk. jährlich. Ter ideenreiche Magistrats-Assessor Borgmann, ber neues Leben ins Kur­haus brachte (nachdem berKurfürst" Sey ' l °) gestorben war, blieb jahrelang alles beim Alten) erhält aber nur 4000 Mk. So find die Güter dieser Welt ungleich verteilt. In der Firma Ora et labora besorgt das letztere im Kurhause der Kurinspektor Mäurer.

Von den Künstlern des Hoftheaters kann ich Ihnen mancherlei erzählen. Ter Sänger Kalis ch, 56 Jahre alt, ruht au; wohl­erworbenen Lorbeern. Er ist heute öfters heiser, auch war er diesen Winter monatelang deshalb im Süden. P. W. nennt ihn einen Poseur, ein grausames, aber treffendes Wort.

städtischen Kurhaus-Deputation (jeder öffentlich beamtete Wres- badener befleißigt sich des größten Entgegenkommens aller Art gegenüber Angehörigen der Presse) kann nicht verschwiegen werden, datz, wie vorauszusehen war, diese Angabe oes Herrn Versagers auf durchaus falschen Voraussetzungen beruht und vollkommen

Muley Hafid. In einem Briefe, ber von dem Dele­gierten 9Mei) Hafid an den französischen Minister des Auswärtigen, Pichon, gerichtet wurde, heißt es, daß Muley Hafid demnächst in Fez ein zieh en wird. Die Delegierten erneuern das Angebvc Muley Hafids, sreundfchastltch mit der französischen Regierung zu unterhandeln und erklären, daß alle Verträge, welche mit den verschiedenen Mächten abgeschlossen wurden, aufrecht erhalten bleiben würden. Die letzten aus Fez und Mel'ines in Tanger angeiangten Nachrichten besagen, daß der Marsch Muley Hafids nach Fez uu s u n b e st r m m t e Zeit h i n a u s g e s ch 0 b e n ist.

Die Nachrichten aus Samos berichten, daß die Lage unverändert ist. Die Einwohner kehren nach Vathy zurück. Eine Barke, in der sich Flüchtlinge befanden, ist gesunken, wobei mehrere Personen ertrunken sind. Der Vorsitzende der Natronal-Versammlung, Sophoulis, hat bei den Vertretern Frankreichs, Englands, Rußlands und der Türkei eine Audienz nachgesucht, um diesen ein Memo­randum über die Lage zu überreichen. Der neue Komman­dant Reouf Pascha ist in den Palast, den der Fürst ver­lassen hat, eingezogen.

Das Scheitern der Kongo-Vorlage. Dem Brüsseler Soir zufolge sind die Unterhandlungen in Wies­baden zwischen den Ministern und dem König Leopold nicht günstig verlaufen, da der König angeblich den Wortlaut des Zusatzanlrayes der Kongo-Vorlage aufrecht erhält und kein Zugeständnis machen will. Aus diesem Grunde dürfte die An g l ied e r un g in die Brüche gehen, da die Rechte darauf besteht, die Vorlage alsdann nicht anzunehmen und auch verlangt, daß die Mehrzahl der liberalen Partei sich zugunsten der Angliederung ausspreche. Andernfalls wür­den auch sie die Annexion der Vorlage nicht annehmen.

Eine Meldung aus Teheran vom 4. ds. besagt, daß die politischen Klubs mit der Entlassung von sechs beim Volke nicht beliebten Hosleuten aus der Umgebung des Schahs nicht zufrieden sind, sondern ihre Verbannung fordern. Der Schah hat Donnerstag vormittag Teheran verlassen, um sich nach seiner Sommecrefidenz zu begeben, wie er das alljährlich, wenn auch früher als im Juni, zu tun pflegt. Die diesjährige Verzögerung der Uebersiedlung wird dem am 28. Februar gegen ihn verübten Bomben­anschlag zugeschrieben. Die persischen Kreise in London er­klären das Gerücht, daß dec Schah außer Landes geflohen sei oder die Flucht beabsichtige, für voll­kommen unbegründet. TerKöln. Ztg." wird aus Berlin telegraphiert: Sollte der Schah sich wirklich, wie man vermutet, in die russische Gesandtschaft geflüchtet haben, so könnte dieser Schritt leicht Anlaß zu schweren Verwicklungen geben und würde von der Mehrheit des Parlaments vermutlich als Annahme einer russischen Schutz­herrschaft gedeutet unb bekämpft werden. Die Lage in Te­heran und der nächsten Umgebung ist verworren und un­sicher. An der Grenze stehen russische Truppen zum Ein- rücfen bereit. Es läßt sich nicht leugnen, daß Persien am Vorabend schlimmer Verwicklungen zu stehen scheint. Unter Hefen Umständen muß man anerkennen, daß der englische

Ausland.

Das Attentat auf Dreyfus. Die Untersuchung über das Attentat auf Dreyfus hat ergeben, daß auch die erste Äugel Treyfus verletzte. Die rechte Schulter weist einen blutigen Streifen auf. Der Untersuchungsrichter hat in der Wohnung GregorieS eine Haussuchung vorgenom­men. Der Attentäter Gregorie verlangte, daß man bei Ihm Line Haussuchung vornehme. Man werde sehen, daß er das Kriegsrninislerium über gewisse militärische Privat­studien in Deutschland unterrichtete unb daß er von fran­zösischen Generalen eine Anzahl Zuschriften erhielt.

Hensel, ein jüngerer Mann von kurzer Gestalt, wirb Kalisch nach unb nach bes Wasser abgraben. Er prätendiert mit Recht, ein tüchtiger Wagner-Sanger zn sein, und läßt sich gern als Lohcngrin photographieren. Ich habe ihn n. a. einmal als Siegmund neben ber schönen Sicgelinde Frau Deneca gehört. Nach dem anstrengenben Akt, als Winterstürme dem Wonnemond gewichen waren unb er bas heilige Schwert herausgezogen hatte, ging ihm ein wenig bie Luft aus. Aber für den Almaviva langt sein lyrischer Tenor vollkommen unb weit herüber hinaus.

Ein wirklich lyrischer Bariton ist Ge i sse-W in ck e l. Seine im Rheingan altangesessene Familie stammt aus Winckel; daher sein Name. Er wirb unter KamerabenNick" genannt, hat aber mit beutNick und Neck" imSang an Aegir" nichts zu tun. Das Wagnern lehnt er ab, er zeigt sich vornehmlich als Wolfram von Eschenbach" und alsHecrruser bes Königs". Als solcher ist er für ben Sommer in bas bereits ausverkaufte Bay­reuth engagiert. Er bekommt nach langem Ringen um An­erkennung seiner Kunst jetzt 12 000 Mk. jährlich. Viel mehr erhält ber bereits ausgesungene Kalisch unb noch mehr bas Ehe­paar Löffler, nämlich 36 000 Mk. Löffler ist bereits ältlich, und man versteht ihn manchmal auf ber Bühne nicht gut. Noch > weniger versteht man, baß für seine Gattin, diese überreife juno­nische Künstlerin, ber Hüter des Kgl.. Hoftheater-Schatzes soviel Geld aufzuwenben bereit ist. Sie ist wohl musikalisch, hat eine starke Stimme, unb hat im Winter vor zwei Jahren viel Urlaub gebraucht. Sie war kürzlich wieder mit Urlaub in Amerika, alles auf Staatskosten. Sie ist inPensionopolis" bauernd engagiert unb singt in Dollarika wochenlang!

Schwegler ist ein Meistersänger von Energie unb eigenem Kopf, ber sich von niemandem dreinreden läßt. Ec hat darum auch diesmal weder Busennadel noch goldene Knöpfe erhalten, im Gegensatz zu den meisten anderen. Ja, zu einem General soll er mit sehr drastischen Worten gesagt haben, baß ihm bes* gleichen Dinge durchaus gleichgültig seien.

Reh köpf hat gar keine Stimme für Kunstgesang, aber Mätzchen macht fv ganz gut. Gleiches kann man auch von Henke sagen, dem Scherasmin inOberon". Durch irgend­welche Jntriguen ist die Rolle dem trefflichen Geisse-Winckel, ber sie jahrelang mit Erfolg gab, abgenommen worben.

Die Gotberga hätte Frl. Eicheis heim minbestens so gut gegeben wie Frau Willig. Sie hat auch eine ganz andere, vollkommen ebenmäßige jugendliche Figur im Vergleich zu ber fünfstöckigen Helbin" aus Berlin, berWendenhauptstadt", um mit Köhler-Langsdorf zu reden. M. B.

Der frühere Rittmeister unb Referendar, jetzige Intendant Dr. jur. v. Mutzenbecher hat ca. 7 Millionen Vermögen, wodurch er sich, wie ein anderer Intendant mir einmal sagte, für seinen Posten qualifizierte". Er kargt sehr mit ben Gagen bei kleineren Geistern, wohl um bie hohen Gagen berStars" einjubringen. Man denke nur an ben .Abgang bes tüchtigen Kapellmeisters .Stolz.

Wiesbadener Allerlei.

Von einem W i e 3 b a b c n e r in Gießen wird uns ge­schrieben:

Sie haben in voriger Woche einen witzigen Brief ausPen­sionopolis", ber großen kaiserlichen Refidenz-Stabt am Taunus, veröffentlicht, ber mir Veranlassung gibt, auch ein weniges von hort zu plaubern. Ich sende Ihnen alsoa piece of my mind", so wiemein Dichter bie Welt sah".

Nach meiner Meinung war bas Gießener S cha u s vie­ler-Ensemble von diesem Winter besser, als das Resibenzliche zu Wiesbaben?) Infolge ber mannigfachen fiskalischen Mängel bat sich nicht nur ein besonberes Residenz-Theater (Direktor Dr. Rauch), sonbern auch ein Volks-Theater (Direktor Hans Wil- helmy) in Pensionopolis auftun können. Bei dieser verhältnis­mäßigen Ueberfüllc von Kunstinstituten, die der dramatischen Kunst aetoibmet sinb, ist es aber zu bebauern, daß Wiesbaden eine Anstalt wie bas Lanbes-Museum zu Darmstabt nicht besitzt; will man von ben Errungenschaften ber neueren Naturwissenschaft etwas sehen, muß man nach Frankfurt fahren.

Pensionopolis soll ca. 2 50 Millionäre in seinem Weich­bild beherbergen. Der prominenteste ist ber Kommerzienrat Abg. K artling, ber auf 52 Millionen geschätzt wird. Ungleich vielen anderen Millionen-Herren mit zugeknöpften Taschen spen­det er oft und viel für milde Zwecke: Säuglingsynlch, Volks-Kaftee- yalle, Kiegervereinsfahnen usw. Für Naturwinenschasten, ^echnn und Volksbildungswesen aber spendet 'niemand. Da kann man mit Seume sagen:Seht, in HHM sind doch bessere Menschen."

Viel Geld hätte die Stndk sparen können, wenn sie voriges Jahr, als das Sieben-Millionen-Kurhaus eröffnet wurde, den damals erkrankten Kürdirektor in den Ruhestand versetzt J)ätte. Nach achtjährigen teueren Kämpfen hat sie ben unfähigen Stabt- baurat allerdings in den Pensions-Orkus gesenkt. Große Ver-

*) Das scheint mir denn doch eine gar kühne Behauptung uyd nur allenfalls insofern einigermaßen zutreffend, als sich in unserem Ensemble dieses Winters allerdings ein paar ausge­zeichnete Talente befanden, die fähig schienen, manche ihrer Rot» legen vom Wiesbadener Hoftheater zu überflügeln. In ber Wahl seiner Künstler beweist Direktor Steingoettcr überhaupt zumeist eine recht glückliche Hanb. Doch das unermüdliche flüchtige Reme- schaffen bei uns infolge des notroenbigerroeife stets wechselnden Repertoires hält eine Parallele mit dem zu Wiesbaden selbst­verständlich keineswegs stand. In MosersBibliothekar bot jedenfalls die Wiesbadener Regie eine Musterleistung, nnt der die unsere im verflossenen Winter überhaupt nicht in Vergleich gestellt werden kann. Auch was ich sonst int Wiesbadener Hos­tbeater sah, erhob sich szenisch wie darstellerisch um, em sehr Bedeutendes über alles bei uns int verflossenen Winter Ge­botene. Das ist ja auch nur natürlich, schon angesichts der hier und dort vollkommen verschiedenen finanziellen Mittel. Vni- vierhin aber darf auf das obenstehende Urteil eines Wiesbadeners Ms er .Theaterensemble stolz feim

Hochwild zu jagen. Ter Präsident wird lein anderes Land besuchen. Diese Ankündigung lvird als bedeutsam angesehen für seine Erklärung, daß er eine abermalige Präsioentschaftsrandidatur nicht annehme.

Ges an Uten wechsel. Ter bisljmge brasilianische Gesandte in Lissabon, da Cunha, ist zum Gesandten in Berlin ernannt worden. Der bisherige brasilianische Ge­sandte in Berlin, da (Sofia Motta, wurde nach Lissabon versetzt.

SradL nrrd Lsnd.

Gießen, 6. Juni 1908.

Von unserem Museum.

Die Sammlungen des Ob er Hess. G e schicht s- VereinS und der Wilhelm Gail-Stiftung haben sich seit dec letzten Berichterstattung in allen ihren Abteilungen erfreulich vermehrt. Unter den Erwerbungen und den reich­lichen Geschenken heben wir besonders hervor: Trachtenstücke, feine Stickereien und Stickmuster aus den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts, gute Marken aus der älteren Porzellan­manufaktur, Terrakotten und Steingutgeschirc. Zwei alte messingene Taufschüsseln, sowie ausgesuchte Zinnware erfreuen das Auge des Kenners. Dec Bauernstube sind viele Er­gänzungen zugegangen, besonders Hausgerät und Be­leuchtungskörper. In dankenswerter Weise haben verschiedene studentische Korporationen Burschen- rc. Mützen gestiftet, die nunmehr die Wände der studentischen Abteilung zieren. Von

Nr. 132 Zweites Blatt 158. Jahrgang Samstag 3. Juni 1808

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. z 4 aa aa Rotationsdruck und Verlag der Drühl'fche«

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