toutbc mit 15 'gegen 14 Stimmen abgelehnt. Wenn nun von anderer Seite nichts geschieht, dürste zunächst der Ausgang des Mainzer Streitfalles abgekartet werden.
Nach der Sachlage ist unseres Erachtms die Sache nicht tzweifeihaft: unsere Städteordnung ist ihrem Sinn nach gar nicht anders auszufassen, als daß sie solche Privilegien nicht will. Dieser Ansicht scheint übrigens auch die Großh. Regierung zu sein, denn der von ihr den Land ständen unterbreitete Entwurf Über die Reform der Städteordnung enthält ebenfalls nicht allein feine Bestimmung über ein solches Privileg des Höchstbesteuerten, sondern sieht auch noch ausdrücklich die illuf Hebung des Gesetzes von 1858 vvr, auf die sich das Privileg zurzeit einzig aufbaut. Zurzeit hält allerdings die Regierung noch das Gesetz von 1858 feit Recht bestehend, ber.it sie sagt in der Begründung der bean- rrügtett Aushebung des Gesetzes von 1858: „Tas Gesetz gilt noch insoweit, als es Bestimmungen über das dem höchstbeiteuerten Grundbesitzer zuftehende Recht auf Sitz und Stimme in der Stadt- Vevoddueten-Versammlung und im Gemeinderat enthält. Von einer Uebernahrnc dieser Bestimmungen in den vorliegenden Entwurf ftutn abqesehcn werden, da genügende Garantien dafür geboten sind, das; in Gemeinden mit Städteordnung den Interessen des ^chstbesteuerten Grmrdbesitzers in gleicher Weise wie die der üb- rtgen Steuerzahler durch die Stadtvertretung nach jeder Richtung hm gewahrt werden." Ter ganze Rechtsstreit über die Sache sollte aber für alle Beteiligte ein Ansporn sein, das grobe Werl der Reform nuferer Verwaltungsgesetze möglichst bald durchzu- fLhren, damit derartige antiquierte lieberblcibfcl einer rückschrittlichen Gesetzgelmng, die jetzt gerade ihr fünfzigjähriges Jubiläum feiert, beseitigt werden.
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* • LandeSuniv ersität. Am Geburtstage Philipp Melanchtons wurde Pastor Jul. Hofmann von dec Zions- kirche in Baltimore (ein Sohn des früheren Unioersitäts- dieners Hofmann in Gießen. Red.) von der theologischen Fakultät der Landesuniversttät zum .Licentiaten honoris causa“ ernannt, nachdem er bereits unlängst von dem Kaiser mit dem Kronenorden ausgezeichnet worden war.
"Neue Regierungsassessoren. Durch Entschließung deS Ministeriums des Innern wurden die Referendare Max Ludw. Becker in Friedberg, Ferd. Schäfer in Offenbach und Kurt Strecker in Mainz zu RegierungS- affefforen ernannt.
• * Stadttheater. Am morgigen Dienstag findet die letzte der Benefizvorstellungen statt, die für Herrn Regisseur- Rudolf Goll. Herr Goll hat als Schauspieler durch seinen liebenswürdigen Humor sich zahlreiche Freunde erworben und auch in ernsten Aufgaben seinen Mann gestellt. Wir erinnern nur an seine Wiedergabe des Starchenski in der gestrigen Elgaaufführung, die auch von dem berühmten Gast aufs Wärmste anerkannt wurde. Das beliebte Mosersche Lustspiel »Krieg im Frieden", das für den Dienstag gewählt wurde, dürfte zahlreichen Besuch finden. Bemerkt sei noch, daß die Aufführung im Abonnement stattfindet.
* * Ein neuer Touristenverein wurde Freitag übend von einer größeren Anzahl Interessenten im Stotel Einhorn gegründet. Der neue Verein will sich als Zweigverein Gießen dem Vogelsberger Höhenklub an- schließen, aber seine Touren nicht einseitig nach dem Vogelsberg richten, sondern die ganze weitere Umgegend Gierens als sein Wandergebiet betrachten. In der Gründungsversammlung wurden 28 Herren der verschiedensten Stände Mitglieder und eine Anzahl weiterer Beitritte steht in Aussicht, so daß der neue Zweigvereiu unseres heimatlichen Gebirgsvereins mit einer stattlichen Mitgliederzahl ins Leben treten wirbi Ein provisorischer Bprstanh wurde mir,her einstweiligen Führung der Geschäfte, insbesondere auch der Ansarbeii der Satzungen beauftragt und der Mitgtieds- beitrag auf 3 Mk. festgesetzt. Jährlich sollen 12 Touren aus- geführt, und denen, die wenigstens 10 davon gemacht haben, Wanderauszeichnnngen verliehen lverden. Die Gründungs- tour wird am Sonntag, 12. April, nach dem Hoherodstopf ausgeführt werden.
* * Schwindler. Bei einem hiesigen Uhrmacher erschien am Samstag mittags gegen 1 Uhr ein Unbekannter, der sich Maurer nannte und vorbrachte, verschiedene hiesige Herren besserer Stände wollten einem Verwaltungsbeamten gelegentlich dessen 25 jährigen Tienstjubilüums ein Geschenk machen, er wolle eine goldene Uhr aussuchen, den Herren vorlegen und sie bann zurückbringen, damit eine Widmung eingraviert werde. Ter Uhrmacher überließ dem Fremden die Uhr nebst einer Kette im Werte von 250 Mk. und luer nicht wieder kam, war der Unbekannte. Wie sich später herausstellte, hatte derselbe Schwindler vorher bereits bei zwei anderen Uhrmachern den gleichen Trick resultatlos versucht, es handelte sich um einen raffinierten Betrüger. Er ist ca. 40 Jahre alt, 1.70 Dieter groß, hat schwarzes Haar und Schnurrbart und trägt einen Kneifer. Er wird wohl in anderen Städten ähnlich operieren.
** Kreisturntag. Gestern fand unter dem Vorsitz des KveivertrcterS E. Schmuck von Tarmstadt der 70. Kreisturntag ut der Turnhalle des M.-T.-V. Wiesbaden statt. Anwesend waren 37 Mitglieder des Kreis-Ausschusses, 15 Gauturnwarte mib aus 209 Vereinen 354 Abgeordnete, zusammen also 406 Stimmbereck'tiglc. Tie Tagesordnung bot dicsesmal zur Ac- ratunQ und Besckftußsassnng wenig zeitraubenden Stofs, umso ergiebiger war die Berichterstattung, die zwei volle e tunten beanspruchte. Aus dieser wäre hervorzuheben, daß der- s))tu» glietenatni) des Kreises wieder in erfreulicher Weise um mehrere Tausend sich vermehrte und die Reihen der Mrgeler und unruhiger Elemente sich wohltuend gelichtet Haden. Tie turnerische Tätigkeit war allenthalben eine besonders rege, was wohl zum großen Teil die Vorbereitungen zum diechahrigen deutschen Turnfest bewirkt haben mögen. Der Kastenbericht zeigt eine Einnahme von 9920.30 Mk. und eine Ausgabe von 9555.38 Mart, also 364.93 Mk. Ueberschuß nach. Tas Gesamtvermögen betragt 4028.83 Mk. Der Bericht über die Presse und deren leider gar zu schwacher Mithilfe in der Ausbreitung des segensreichen Wirkens der Turnsache erregte ungeteilte Mißstimmung, ifflcm wünschte aus der Versammlung heraus, baß man von dem Zeitungsteil ein gleiches Entgegenkommen, gleichwie den Sportsvereinen gegenüber, erbitten mitte. Die Erhebungen über das' Vereinsvermögen der Vereine des 9. Mittelrheinkreises und zwar an Turnhallen, Turnplätzen in Bar und Wertpapieren ergab das Itesultat von 8 943 7u4 Mk. in Soll zu 4467 796 Mk. in Daten, mit dem reinen Vermögen von 4 505 078 Mk. Der Antrag des geschäftsfülwenden Ausschusses auf Abänderung des § 7 Abs. 2 des Gaugesetzes — „Neue Gaue müssen mindestens 2000 steuerpflichtige (früher 1000) Mitglieder zählen" — wurde ohne wesentliche Debatte genehmigt. Bei ad. 6 der Tagesordnung, das elfte deutsche Turnfest in Frankfurt, ist als be- meiMnSwert zu berichten, daß für die ftstbesuchenten Turner auch Tageskarten zur Berechtigung zum Ein- und Ausgang 3um Preise von 1 Mk. ausgegeben werden und die auch zum M i t - gehen im Fcstznge berechtigen sollen. Tast die Anmeldungen det Turner aus dem In- und Auslande eine ganz 'gewaltige Zisstr aufweifen, kann nicht wunder nehmen.
= 6 b c r ft a b t (Rr. Gießen), 5. April. Die Arbeiten für unsere Wasserleitung sind nunmehr zur Ausschreibung gelangt. Sie sind zu 40 600 Mk. veranschlagt und sollen in drei Losen (Quellfaffung, Hochbehälter und Rohrnetz) vergebe» werden.
tz Friedberg, 5. April. Zwischen den Städten Friedberg und Bad-Nauheim besteht wegen mancher Projekte, z. B. der Wettertatbahn, eine Spannung. Ein neuer Konflikt scheint nun durch das Kanalisations-Projekt Bad-Nauheims bevor zu stehen. Bad-Nauheim hat beschlossen, seine neue Kläranlage wieder in die Ufa zu führen. Dieses kleine Flüßchen ist bereits durch die seitherige Einführung der 2idwässer Nauheims vollständig verseucht. Die Stadt Friedberg hat in der Stadtver- ordnetensitzung einstimmig gegen das neue Nauheimer Projekt Protest erhoben und fordert die Fortführung der Nau- heimer Abwässer in einem Kanal bis zur Wetter, wie es bekanntlich auch die hessische Regierung vorgeschlagen hat. Nun hat sich wieder Bad-Nauheim an den Kreisausschuß gewendet mit der Bitte, die Einleitung der geklärten Fäkalien in die Usa zu genehmigen und um die Aufhebung der polizeilichen Ueberwachung der Kläranlage nachgesucht. Bad-Nau- heim hofft noch in diesem Sommer die Anlage ausführen und im nächsten Frühjahr benutzen zu Eömten.
[] Geiß-Nidda, 5. April. Die früheren Braunkohlenbergwerke zwischen Bad-Salzhausen und hier sollen jetzt wieder in Betrieb gesetzt werden. Die Firma „Nordstern" in Frankfurt hat sie angekauft und bereits mit dem Abteufen der Schächte und Stollen begonnen.
0 Stockheim, 4. April, feilte wurde mit 118 Stimmen Bürgermeister Hermann Koch zum zweitenmal einstimmig auf neun Jahre zum Ortsoberhaupt gewählt. Mit der Amtsführung des biederen und zuvorkommenden ManneS ist die Einwohnerschaft recht wohl zufrieden und die Wahl gestaltete sich zu einem Fest, das in jeder Hinsicht einen schönen Verlauf nahm. Man brachte dem Gewählten ein Ständchen und pflanzte einen Ehrenbaum am Hause auf.
§ Büdingen, 5. April. Im verflossenen Jahre wurde in hiesigem Kreste für eine Anzahl Schulen die schulärztliche Ueberwachung angeordnet. Auf die günstigen Berichte der beamteten Aerzte hin hat der Kreistag einstimmig beschlossen, die ärztliche Untersuchung auf alle Kinder int 1. Schuljahre des Kreises auszudehnen.
fc. Darmstadt, 5. April. Das Konkursverfahren in Sachen des hier in Untersuchungshaft sitzenden Notars Link aus Dieburg wird voraussichtlich wegen Mangels an Masse eingestellt werden. Die Untersuchung gegen Link wegen Unterstchlagungen nimmt ihren Fortgang, täglich tauchen neue Fülle auf. Link gibt alles zu. Die veruntteuten Gelder, die bedeutend sind, hat er verspekuliert und verpraßt. Seine Frau hat ihm dabei getreulich zur Seite gestanden. Als im Februar d. I. in Dieburg ein Maskenball stattfand, ließ sich Frau Link extra aus Darmstadt eine Friseuse kommen und erschien in hocheleganten: Kostüm (als „Henkel trocken") aus dem Balle. Zweimal wechselte sie bann an dem 2lbend noch die Toilette. So was kostet viel Geld. Link hatte in seiner Eigenschaft als Notar alle Hände voll zu tun. Seine Spezialität war: Testamente anzufertigen und sich als Testamentsvollstrecker einzusetzen. Die Testatoren ahnten nicht, daß sie den Bock zum Gärtner machten. Kurz vor dem Zusammenbruch wandte sich Link noch um Darlehen an Frhrn. v. Hehl in Worms, Lanbtags- abgeordneten Reinhart-Worms, Kommerzienrat Göbel- Darmstadt, an einzelne hiesige Anwälte und den Geh. Justizrat Osann, den er veranlassen wollte, dafür zu wirken, daß die Großh. Anwaltskammer für seine Schulden eintrete. Aber Link bekam überall einen Korb. Die von verschiedenen Seiten geäußerte Ansicht, daß der Staat für den durch Link angerichteten Schaden haftbar gemacht werden könnte, ist nach Artikel 79 des hessischen Aussührungsgesetzes zum Bürgerlichen Gesetzbuch nicht angängig. Dieser Artikel schließt klipp und klar Beamte, die ausschließlich auf den Bezug von Gebühren angewiesen sind, und unter diese Kategorie gehören die Notare, von der durch den Artikel 78 begründeten Haftung aus. Ein bekannter hiesiger Rechtsanwalt, den Link ersuchte, seine Verteidigung zu übernehmen, und den er noch vor einiger Zeit um 800 Mk. erleichtert hatte, lehnte das Ansuchen ab.
[J Frankenberg, 6. April. (Tel.) In der Eder bei Harbshausen ist ein Boot gestrandet. Drei Insassen würben gerettet. Fräulein Siebert von Hcrzhausen ist ertrunken.
Provinzial-Ausschuß der Provinz Lberhessen.
L. Gießen, 4. April.
Johannes Bohl zu Lollar bat um die Erlaubnis zum Betriebe einer Sch a n k w i r ts ch a ft nachgesucht. Trotzdem der Gemeinderat das Gesuch befürwortet hatte, lehnte ter Kreis-Ausschuß des Kreises Gießen seine Genehmigung mangels Nachweises eines Bedürfnisses ab. Ter Provinzial-Ausfchuß, an den ter Ge- fuchstettcr gegen die Entscheivung tes Kreisausschusses Rekurs verfolgt hatte, wies heute den Rekurs aus den gleichen Gründen kosten fällig ab.
Gelegentlich der Feldbereinigung in der Gemarkung Utphe wurde im Auftrag der Bereinigungsgesellschaft durch die Großh. Kulturinspektion Gießen ein Meliorationsprojett über die Wiesenflächen dieser Gemarkung links der Horloff entworfen. Es war geplant, das Wasser an der nördlichen Grenze der Wiefen- släche oberhalb der Utpher Mühle der .Horloff durch eine Eilllaß- schlcufe zu entnehmen, welche aus drei nebeneinander liegenden gekuppelten Zemerllrohrdurchläfsen von 60 Zentimeter l. W. bestehen und, die gegen die Horloff mit einer Stirnmauer abschließen sollte. Zur Ersparung einer Stauschleuse in der Horloff würbe die horizontale Mittelaxe der Zementrohre um 16 Zentimeter tiefer vorgesehen, als die Wehrkrone der Utpher Mühle. Die drei Schleusenaiilagen luüroen bei Hochwasser der Horloff bas zur Düngung der Wiesen erforderliche Flutwasser sowohl, als auch bei Trockenheit das zur Anfeuchtung nölige Wasser zuführen. Tie Ableitung des Wassers über die projektierte Stauhöhe des untersten Staurcvieres, sowie die Entleerung der drei Staureviere auf Wiesenober stäche soll durch eine, am südlichen Ende der Anlage vorgesehene Auslaßschleuse nach der Horloff und durch eine ebensolche nach dem Lehngraben ermöglicht werden. Tie Be- rcinigungsgesellschaft suchte um Die erforderliche Genehmigung nach. Während der Offenlegung ter Pläne wurden Einwendungen erhoben von der Gemeinde Berstadt, die erledigt sind, und von Mttillcr Krauß auf der Utpher Mühle. Tiefer behauptete einmal, das Projekt fei unnötig und unzweckmäßig; zum andern fei die be- abstchtigte Wasserentnahme widerrechtlich. Er und fein Vater hätten die Mühle und das Wasser unter großen Opfern gekauft und hätten deshalb ein Recht auf das Wasser, ba£ ihnen nicht entzogen werten dürfe. Einerseits entstehe ihm durch die Entziehung beS Wassers ein bedeutender Schaden, und andererseits werbe iljm das Stauwasser hinderlich fein. In ter mündlichen Verhandlung vor tem Kreisausschuß des Kreises Gießen bestritt der Vertreter der Gwßh. Killturmspektion Gießen, daß dem Müller Krauß ein bedeutender Schaden entfiele, da während der Bewässerungs- zeit feine Mühle bock. still stehe. Soweit jedoch ein Schaden entstehe, solle et entschäoigt werden durch Zahlung einer bestimmten Summe für jeden Tag der Entziehung. Krauß hielt dem gegenüber feine Behauptungen aufrecht, verlangte auch eine höhere, als die angebotene Entschädigung. Ter Kreisausschuß genehmigte das vorgelegte Projekt und wies den Einspruch des Müllers Krauß als unbcgriuibet ab. Hiergegen legt der Amvolr des letzteren Rekurs an den Prvvüiziab-Ausschiiß ein, welcher in seiner heutigen Sitzung beschloß, burch eine Kommission Aug.enschei-r gy O.rt
und Stelle unter Zuziehung 'bet Parteien und etwaiger Lach, verständiget nehmen zu lassen.
Tie Sache: Enteignung von Gelände in der Gemarkung Utphe zur Anlage eines Hochbehälters war auf Antrag ber Gräflichen Rentkammer Laubach ausgesetzt worden.
Gerichtstzaai.
München, 4. April. Maximilian Harden hot durch seinen Münchener Vertreter, Justizrat Bernstein, gegen ben verantwortlichen Redakteur der in München erscheinenden „Neuen Freien Volkszeitung" (das ossizielle Organ des Bauernbundes^ Beleidigungsklage erhoben. In ter genannten Zeitung wat Harden bei Besprechung seines zweiten Prozesses scharf angegriffen worden. Insbesondere wurde ihm Käuflichkeit rorgeworfelt.
VernrSschtss.
* Ein Studentenausstand. Nach einem Telegramm aus Newy01k befinden sich 500 Studenten der New- horket Universität irn Ausstande. Der Anlaß dazu war folgender: Ein reicher „Neuling" (wie man in Deutschland einen „krassen Fuchs" nennt), der in auffallender Kleidung mit einem Automobil und Dienern in Livrö zur Universität gefahren kam und sich sonst protzig benahm, wurde vorgestern von seinen Kommilitonen in seinem schönsten Anzuge in den Um versitätsteich geworfen. Der Rektor hielt eine Untersuchung ab und suspendierte die Rädelsführer an der Teich-Episode. Gleich darauf marschierten sämtliche Studenten unter Absingung höhnischer Lieder aus der Universität.
Kleine Tagcschronik.
Als am Sonntag morgen der V-Zug 41 auf dem Anhalter Bahnhofe zu Berlin ankam, wurde eine Reisende, eine Tarne aus Zehlendorf vermißt, die in Frankfurt a. Ai. eingefliegen war. Durch Rücküage wurde festgestellt, daß die Vernichle bei Langenselbold bei Hanau tot aui dem Gleise aiifgetimbcn worben war. — Die Polizei zu Berlin verhaftete eine spanische Falsch- münzerbande, die feit einiger Zeit fatsche Fünfmarkstücke in in den Verkehr brachte.
Ter Buchhalter des Leipziger Palmengartens, Paul Apel, wurde wegen bedeutender Unterschlagungen und Ur- kundeniälschungen verhüttet.
Herzog Heinrich Bor w in zu Mecklenburg, £eut- nant bei den Ziethen-Husaren, hat seinen Abschied genommen und will sich auf Reisen begeben. Der Grund des Abschieds soll in zerrütteten Permögeusvcrhcitlnisse liegen.
Wahrend einer Abendvorstellung un ungarischen Theater zu Budapest stürzte infolge Reißens des Gegengewichtes plötzlich der eiserne Vorhang herunter. Eine Frau würbe schwerverletzt, eine Schauspielerin erlitt einen schweren Nervenschock.
Wie aus Montpellier (Frkr.) gemeldet wird, wurden zwei schwedische Offiziere namens Wachtmeister und Björneberg, welche sich dort zur Vervollkommnung in der fran» zöstschcu. Sprache aufhalten, ohne jeden Anlaß auf der Strasse von betrunkenen Stellungspflichtigeu überfallen und durch Bisse erheblich verletzt. MinifterprLfident Clemenceau beauftragte den Präfekten, die beiten Offiziere um Entschuldigung zu bitten und ihnen das Bedauern der französischen Regierung auszusprechen. Die Angreifer wurden verhaftet.
Vor einiger Zeit verlautete in Sevilla, daß ein in wilder Ehe lebendes Paar, der Schuhmacher Felix Aiolina unb Franziska Herrera, von ihren 26 Kindern, die sie gehabt haben, 2 4 gleich nach bec (Geburt ermordet und in ihrer Wohnung vergraben haben. Eine Haussuchung ergab das Vorhandensein zahlreicher Ucberrel’te neugeborener Kinder.
HssrHel und Verkehr, VoLksA»Lrtjchast.
R. B. Darmstadt, 6. April. (Tll.« Tie Bank | u r Handel und Industrie hielt heute chre 55. orbcutliche Generalversammlung ab. Vertreten waren 35 Aktionäre mit ^8992 Stimmen. Es würbe eine ^Dividende von 6 Prozent genehmigt.
Die neuen Staatsanleihen und der Rciä>bauk- diskonl. In Fachkreisen ist man der Ueberzeugung, dciß es für die Subskription auf die Anleihen des Reichs unb Preußens nur vorteilhaft sein wirb, wenn schon vorher eine Diskoutermäßigung ftattfinbet. Jebenfalls ist es besser, wenn ber offizielle Ainssuß mit noch 4‘/..0/0 ober boch wenigstens 5°/0 nicht 5l/„°/0 beträgt. Selbstverständlich muß auch die Lage der Reichsbänt diese Möglichkeit zulassen. Eiii zu leichtherziges Vorgehen in dieser Beziehung i|t aber nicht zu befürchten, denn Herr v. Havensiein scheint in bezug aui Distontopolitik dauernd jo vorsichtig vorgeheu zu idoUcu, wie sein Vorgänger vorgegangen ist. Tie Goldivahruligsniänner hegen aber trotzdenr wegen des neuen Reichsbantpräsidenten manche Bedenken, so wegen feiner Zustimmung zur starken Veiinehiuug des Sitbergeldes und der Erleichterungen, die Die Reichsbank bei (Solbimponcn gewähren will. Nach mancher Richtung fommen bev neuen Staatsanleihe boch bie evil. Umftänbc entgegen, so, wenn ber offizielle Zlnsjiiß billiger wirb und auep bic Turchiührung der BÖrjenrefopm in nächste Zeit bürste ber Subskriplioii von Vorteil fein.
Märkte.
ic. Frankfurt a. M., 6. April. (Orig.-Telegr. bes „Gießeii. Anz.") Amtliche Notierimgen ber heutigen Fruchlmarktpre ij e. Weizen Alk. 21.00—21.50, Kurhessijcher Alk. 21.50—OO.OO, La Plata Aik. "3.25—24.00, llansas Alk. 23.25—24.00, Roggen (hiesiger) Mk. 19.75—20.00 Geiste (Wetterauer) All. 20.75—21.75, Franken- selber Mk. 21."5—22.75, Hafer 16.75—17.50, Atais 16.25-00.U0. Weizenmehl Alk. 31.UO-31.50, 00-00, 2. Qualität Alk. 30.00 bis Alk. 30.50, 3. Qualität Alk. 28.50—28.75, Roggeninehl 0
Alk. 30.50—31.50,1.Qualität Alk. 30.50—31.00, Werzenkleie Alk. 11.oü bis Alk. 11.75, Woggentlew Alk. 13.25—13.50, Matskemie Alk. 13.00 bis Alk. 13.25, Franken, Pfälzer, Rieb Alk. 00.00-00.u0. Alles per 100 Kg. ab hier. .
fc. Frankfurt a. M., 7.April. (Telegr. Lrig.-Bericht des .(vics Sing."). Antti. Notierungen der Ijeuhgen Viehmarktpreiie. Zum Vertäute jtanöen; 434 Ochsen, 67 aus Oesterreich, 31 Bullen, 0 aus Oesterreich, 0 auS Lanemark, 922 Still)e, Fersen, Stiere uno Niiider, 0 aus Tänemark, 301 Kälber, 247 Schaft und Hanuneh 00 Schate aus Lcsterreict), 00 Ziegen, 16v2 Schweine. Bezayu würbe für lOOPjmib Schlaehtgeivieyl. Lchsenl. Qualität 80—82 U t., 2. Qual 73—75 Alk., 3. Qual. 61—65Alt.; Bullen l.Qual. 00 vis 68 Alk., 2. Qual. i>8—60 All.; Kühe 1. Qual. v6-68 Mk., 2.Mia• 60-62 Alk., 3. Qual. 44-46 Alk, 4. Qual. 34-36 Alk., 5. L-ucU 00—00 Alk. Kälber: 1. Qual.92—94 Pfg., Lebenbgetvichlo4-ob U, 2. Qual. 80—86 Pig., Lebeiibgeivicht 47—51 Pfg., ^Yiaan gewicht 63— 63 Pfg. Schafe: 1. Qual. 80—00,2. Qual. 72—74 Big-, 3. Qual. 00—00 Pfg.; Schwerne 1. Qual. 60—00 Pig., ^dgen-. 47,0—00,0 Pfg., 2. Qu. 58-59,0 Pfg., Lebendgew. 46-46,0 4' g-, 3. Qual. 50-00 Pfg. Lebeiibgeiv. 00 Ptg. Geschäft bei Hanivi q gut, Uebcrftanb unbebeutenb; beütleinviei) gut, temUcberiuuj
Boransstchtltche Witternng für Hessen am ^^uslag de
7. Avril: Wechjelnbe Bewölkung. Regensälle. Sehr kühl, .'loroncy bis östllche Wrnbe. ___
Orrginat-Dr^htnreldunge«.
Kopenhagen, 6. April. Der Prsfessor ber Chemü an der Berliner Universität Tr. Emil Fi f a) e r würbe zum auswärtigen Mitgliede der tgl. bünifchen Akabemte 0 Wissenschaften ernannt.
L i s s n b 0 n, 6. April. Tie Zensur hält alle Telegramm über die gefangen Wahl-Unruhen zurück, so baß ui Einzelheiten seyleii. Bekannt ist. nur, baß viele P^rjon verwundet und mehrere getötet sind. Tre w herigen Wahlresultate ergaben eine Mehrheit für dte mo^ archische sbonzentration, die von den 146 Sitzen bere.i.i» - eppPerr


