Nr.8Ä Erstes Blatt 158. Jahrgang Montag G. April 1908
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& ,om^<?gTiöutS «»ta«snrdnick und Verlag dervrühl'schen Unlv.-Vuch. und SteindruSerel. 8. rang«. Rtd-Mon, LxpMtlsn UN» SruSerel- Schulstrstze 7.
Die heutige Nummer umfaht 12 Seiten.
Stimmungsbild aus dem Reichstage.
Die Annahme beS § 7. Berlin. 4. April.
Nach neunstündigem, überaus aufgeregtem Kampfe, in dem daZ andauernd vollbesetzte HauS seinen gepeitschten Nerven nur einmal Abspannung gönnte, wahrend der Pole BrejZki mit heftigen Geberden unendlich oft gehörte Anklagen und Beteuerungen in den Saal herunterschrie, fiel die Entscheidung über den Sprachenparagraphen des BeretnsgesetzeS und nach einem Augenblick lautloser Stille erfüllte ein ohrenbetäubendes Getöse den Sitzungssaal und drang in die Wandelgänge und den Vorraum der Tribünen: die donnernden BelfallZsalven und Jubelrufe der Zieger, gepaart mit dem Wutschrei und Pfuiruf des unterlegenen Gegenblocks. 200 Mitglieder stimmten für den A 7, eines mehr als die Mehrheit des Reichstages Überhaupt. 383 Abgeordnete, eine bis dahin in den Annalen des ReichSparlamcntes wohl noch niemals verzeichnete Anwesenheitsziffer, beteiligten sich an der Abstimm- iing, und 21 Stimmen nur betrug die Mehrheit. Nur vier Mitglieder der linksliberalen Fraktionsgemeinschaft trennten sich von den Blockparteien: neben dem greisen Stettiner Dohrn die Abgeordneten Potthoff und Namncmn- hofer, die noch vor wenigen Wochen ihr Hospitantenverhältnis zur freisinnigen Bereinigung mit dem festeren Bande der Mitgliedschaft getauscht hatten, weil es in der kritischen Zeit darauf ankomme, die fraktionelle Geschlossenheit nach außen zum stärksten Ausdruck zu bringen; bann der Württemberger Demokrat Haußmann, der schon vorher seine Stellung in der ötuttgarter Landesversammlung genommen hatte.
Die Gastwirtegewerde- uni) Uochkunst-Aurstellung.
, Die Preisverteilung
™ am Sonntag vormittag durch den Ausstellungsleiter
^crn Jaskows'ky in Gegenwart der Gießener Mitglieder
4?arlamentarifd?e$»
Berlin, 4. April. Der Seniorenkonvent des Reichstages kam dahin überein, die Beratungen am hreilag den 10. April zu vertagen und am 23. April die Ätzungen wieder aufzunehmcn. Zn der nächsten Woche soll, wenn möglich, das Börsengesetz in zweiter und dritter Lesung durchberaten und am Donnerstag den 9. April mit der dritten Lesung des Vereinsgesetzes begonnen werden. — Wie in parlamentarischen Kreisen verlautet, soll die An- r a h m c d e s B ö r s e n g e f e tz e s in der Form ooo nakiounl- liber^n Kompromisses noch keineswegs sicher sein. 6s heißt, daß die Antisemiten und die Sozial- lemotraten-gegen das Gesetz stimmen werden, auch iie Konservativen und Polen werden sich jedenfalls an der Abstimmung nur lau beteiligen, und ob die Stimmen der Na- lionalliberalen und der Freisinnigen dann genügen werden, um eine sichere Majorität zu schaffen, scheint zweifelhaft zu fein.
— Das preuß. Abgeordnetenhaus erledigte heute eine Anzahl kleinerer Vorlagen. Montag stehen aus rer Tagesordnung Rechnungssachen und Petitionen.
— Die Polen haben mit Unterstützung des Zentrums inb der beiden Dänen im Abgeordnetenhause beantragt, auch iiepolrrischeund d i e d ü n if ch e Sprache wie die nicht- ßiavrjche (nach einem Anträge Kreth) als Ver,ammlungs- Ip rache in Preußen zuzulassen.
Dezrtiches Aeich.
Berlin, 5. April. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Durch die Meldung eines hiesigen Blattes aus Venedig über einenangeblichenBesuchdesFürstenNikolaus ton Montenegro bei dem Kaiser waren in in- inb ausländischen Zeitungen Artikel veranlaßt worden, in tenen die politische Bedeutung dieser Zusammenkunft er- irtert lvi'.rbe. Inzwischen hat Fürst Nikolaus in Frankfurt am Main einem Miiarbeiter der „Frankfurter Zeitung" bereits erklärt, daß er den Kaiser in Venedig nicht gesehen habe. Tatsächlich hat eine Begegnung nicht Iattgefunben und es war auch von einer Absicht des «fürsten, dem Kaiser einen Besucy zu machen, in Venedig nichts bekannt.
— Am Freitag, den 10. April, tritt der Gesamtvorstand Des Bundes der Industriellen in Berlin zu einer Sitzung zusammen mit der Tagesordnung: Die F-rage der Beteiligung des Bundes der Industriellen an den bevor- srehenden Landtagswahlen.
— Der General der Infanterie z. T. von Lattrs, Zuletzt Direktor der Kriegsakademie, ist gestorben.
— Wie ein hiesiges Miltagsbiatt erfahren haben will, pt der Abschied des Herzogs .Heinrich Borwin SU M e ck l e n b u r g fein ganz freiwilliger. Vielmehr hätten desolate Vermögensverhältnisse den jungen Herzog ge- Svunaen, auf seine militärische Karriere zu verzichten und auf Reisen zu gehen.
München, 4. April. Gegen die Ze it s ch r i s t „März" nnb infolge Verbreitung des erfundenen Briefwechsels Kaijer Wilhelms mit Lord Tweedmouth eine Reihe Strafanzeigen
der kgl. Staatsanlvaltschaft eingelaufen; ein Ernntte- umgsversahren wegen groben Unfugs ist eingeleitet.
Dresden, 5. April. Der gestern hier abgehaltene Außerordentliche sächsische Rich ter tag beschloß mch Vorträgen des Oberlandesgerichtsrates Dr. Lvbe-Tres- und des Landgerichtsoiretrors Dr. Anger-Leipzig der -r-erlreform des Gerichrsversassungsgesetzes «ud der Zivilprozeßordnung zuzustimmen, tdench der Erweiterung der Zuständigkeit der Amtsgerichte
800 Mark nach dem Vorschläge der Novelle. Der Iustiz- nmnifter wohnte der Verhandlung bei. _______
beS Preisrichterkollegiums statt. Herr JaSkowsky gab zuerst bekannt, baß die Entschlüsse der Preisrichter bindend seien, daß also ein Einspruch gegen sie nicht erhoben werden könne.
„Der gnädigste von allen Richtern ist der Kenner*, sagt Schiller. DaS PreiSrichterkollegiiim setzte sich zum größeren Teile aus namhaften Fachkennern zusammen, und cB darf wohl von sich sagen, daß eS, unt mit Schiller zu reden, aufS „gnädigste", jedenfalls mit möglichster Objektivität, seines Amtes gewaltet hat. Seine Entschlüsse sind die folgenden:
Ernst Niemann, Bahnhoisrestauratenr Gießen (Katalog- Nr 120), silb. Staatsmed. — H. Hettler, Konditorei, Gießen (114), silberne Staatsmed. — Selterssprudel Augusta V i'c to ria (82) bronz.SlaatSmed.—Metzgermstr. Friedr. Sch reiner, Gießen (78), gold. Medaille der Provinz Oberhessen. — Schmidt- Mamz, Weinkelterei (18), gelb. Medaille des Kreises Gießen. — A l i c e - H a u 3 ha l t u >i g s j ch u l e (115) gold. D!ed. der Stadt Gießen. — Herm. M e t t e n h e r in e r, Gießen (27), goldene Medaille des Rhein-Main-Gastm.-VerbandeS. — Rich. Hauser, Küchenchef und Verfertiger des Ausstellungsobjektes von tiubiv. Feidel- Gießen (112) goldene Medaille und Ehrenpreis von F. W. Sonntag- Barmeit. — Ernst Ludwig Sack-Gießen goldene Medaille des Rheln-Main-Gastwirte-Verbandes. — Phil. Reihet (Hotel Schütz), Gießen (121), Ehrenpreis der Fürstin von SolmS°Lich. — Internat. Verband der Koche in Frankfurt a. M. (107) Ehrenpreis der Landesuniversität. — Heinrich Reger in Lich, Eisschrcml- sabrik (89), 1 Ehrenpreis des Brauereiverbandes Gießen. -Frank- f u r t e r K ü h l- u u b G e f r i e r - A n l a g e (7ö), 1 Ehrenpreis des Brcuiereiverbandes Gießen. — Lang & Wiederstein- Gießen (2) Ehrenpreis des Verkehrsvereins Gießen. — Kellner- u it b Lohnkellner-Verein Greßen (61) Ehrenpreis der Bank für Handel und Jndristrie Gteßen. — Heinrich Schön, Schlosjernteisler, Gießen (71), Ehrenpreis des Konrin.-Rats Henligen- staedl. — Herrn. Bertels, Küchenchef im Hotel Schütz in Gießen, Ehrenpreis des Ober-Sraatsamv. Theobald uub goldene Dtedarlle. — Adam Reini g-Gießen <10) Ehrerrpreis der Fleischer-Innung Gießen. — Friedr. L a i H-Gießen (119) Ehrenpreis der Bäcker- Innung Gießen. — Wilh. Al a y e r-Greßen (18- Ehrenpreis des Bürgervereins Gießen. — Jakob Leos f-Alzey (91) EhrenprerS deS Schützenvereins Gießen. — Ernst Niemann-Gießen (ohne Nrumner) Ehrenpreis deS Gasiwirtevereiirs Alsfeld. — Zeitung „D e u t s ch e r G a st m i r t" (ohne Nummer) Ehrenpreis des Gast- wirteveremS Bingerr. — Karl Schmidt- Gießen, Oberkellner im Hotel Schütz in Gießen, Ehrenpreis des Gastivirtevereink Butz- bach. — N. F r o Ni iii-Frankiurt (77) Ehrenpreis des Gastmirte- vereins Darnrsladt. — I. M. S ch u l h o i-Gießen (69) Ehrenpreis des Gastwirteverems Franksilrt. — Will). A m e n d-Greßen (107) Ehrenpreis des Gaslivirtevereiiis Logelsbera. —( Bäckermslr. Fritz Schreine r-Gießen (81) Ehrenpreis des Gastwirtevereins Main; — Enge.. W u 1 i e u i v.'i) Ei.»e»ip?s»s b. •: GasNvrrte ■
Vereins Marburg. — A. V o ru d r a n-Frankfurt (6) Ehrenpreis des Gastmirkevereitis Narlheim. — Ehr. Inbcrt h a l-Gießen (7) Ehrenpreis des Gastivirlevereins Offenbach. — I. ftanu Söhne, Gießeii (84), Ehreiipreis des Gaslivirtevereiiis Welteran. — F. W. Sonntag- Barnten (60) Ehrenpreis des Gasiw'.rtevereins Gießeii. — Konrad Köhler, Gießen (116) 2. EhrenpieiS des Gast- kvirtevereins Gießen. — Will). Beuchert, Hotel »Prinz Karl", Gießeii (111), Ehrenpreis der Kaiser Friedrich-Quelle Offenbach. — N e x - K o ii s e r v e n g l a s - G e I e l l j ch a f r in Honiburg v. b. H. (641 Ehrenpreis des Herrn H. Aiettenhemier-Gleßeri. — Otto Fritzsche, N i n d l, - G e s e ll sch a f i (68) Ehrenpreis der Nex- Geseilschait. — I. F. S ch ü l e-Plüderhaujen (11) Ehrenpreis von Oskar Schöfiler in Braiinschwejg'. — Heinr. S ch iv a n-Gießen (4) Ehrenpreis des Metzgermslrs. Schreiner in Gießen.
Feriier ivurde ziigesprochen die Goldene Ai e d a i l l e:
Ernst Ludwig Sack, Gießen, feine Fleisch- und Wurstwaren. (88). — Friedr. Schreiner, Fleisch- und Wurstmare>ifabrik, Gießen (78). — Frankfurter Kuhl- und Gefrieranlagen, G.m. b. H. (7ö). — Heinrich Reger, Fabrikant, Lieh (89). — Wilhelm S t ü tz, Stendal (35). — Fritz B u s ch, Gießen (65). — F. W. Sonntag, Barmen (60). — Konditor-Zeuung, Trier. — Zeituiig „Deutscher (San- wirt" m Tarinstadt (102). — Imernal. Verband der Köche, Frankiurl a. M. (107). — Wilhelm Mayer, Gießen (18). — Toris Bariheil, Köln (82). — Selters-Sprudel Augusta Viktoria, Löhnberg a. d. Lahn (87). — Rex-Koniervenglas-Gesellschaft, Homburg (24). — Kellner- und Lohnkellner-Herein, Gießen (61). — Otto Fritzsche, Nmdii-Bomllon-Exlrattfabrik, Brannschtveig (68). — I. M. Schulhof, Gießen (69). — Oskar Schösfler, Bouillonfabrik, Brauii- jchweig (80). — Lildwig Fe r del, Hotel - Restaurant Kaiserhot, Gießen (112). — Kochschule der 'Alieeschule, Gießen (115). — Friedr. La i h, A. Koch 9tad)L, Gießen (119). — Ernst OH em an n jun., Gießen (120). — Philipp Reitzel, Hotel Schlitz, Gießen (121 und 121a). — Earl Schmidt, Gießen (123). — Lang u. Wieder- sl e i ii, Gießen (2>. — Adam Reinig, Gießen (10). — Gießener Stempel- lind Schmelzsarbenfabrik Kremer & C o., Gießen (10). — Emmi B u r in ester, Berlin S (2u). — Hermann Ätetten- Heimer, Gießen (27). — Eugen Brehm, Gernsheim a. Rh. (86). — Jakob L e o ) f, Alzey Rheinh. (91). — L. Ehr. Lauer, G. m.b.H., Nürnberg (92). — Fritz Schreiner, tiädeuneil'ier, Gießen (81). — Wilh.'Ameild, Gießen (109). — Heinrich Het tler, Gießen (114). — Wilhelm S ch e l i n g, Aiainz a. Rh. (122). — I. F. Schule, Plndershansen i. Wüniemb. (11). — August Saame, Gießen (16). — 91. F r omm, Franksurt a. Al. (77). — I. Kann Söhne, Gießen i84). - Ehr. Inderthal, Gießen (7). - Fritz I iicke- möller, Steinhagen i. Wests. (23). - H. C. K ö n i g , Steinhagen i. Wests. (19). — Hemrick; Schwan, Greßen (4). — A. Bornbran, Frankfurt a. M. (6». — August K rö l l, Gießen (22). — Emil Pistor Rach f., Gießen (4u). — Wilhelm Heye, Fabrikant, Leipzig. — Rösch & Frank, Koburg (59). — I. Häuser, Gießen (67). — Heinrich Schon, Gießen (71). - B rü der S ch m i t i, Gießen (88). — Heermann & Co., Hamburg (42). — Aug. Karre, Göttingen (38). — L a u r e,i z e üc C o., Großkarben (o). — Frankl. Milsikwerke'abrik I. D. Philipps & Sö h,i e, Bockenhemi. — Eonrad Kühler, Aietzgers Weinstuben in Gießen. — Eugen Wallenfels, Gießen. — Adam Schmidt, Weinkelterei in Mainz. — U n i o n b r a u e r e i, Gießen. - FriebelLAsprion, Brauerei, Gießen. — Gießener Brauhaus A. L W. D eniiing h o ss. — Chemische Fabrik Silicium, Frankfurt. — Gebrüder Al eurer, Dortmund (70).—I. H. Jhring, Brauerei, Lich. — C. F. M e 1 ch i o r, Brauerei, Butzbach. — Freiherr!. R > edesel'sche Brauerei, Lauterlach. — Louis Becker, Gärtnerei, Gießen. — Rudolf Rüdiger, Elektr. Lichtanlage, Greßen
Tie Silberne Medaille:
Wilhelni Beuchert, Gießen, Hotel Prinz Carl (Hl). — Wanderhaushaltungsschiile von Kreis ßriebberg (117). — Wander- haushaltmigsschule von Kreis Gießen (118). — Fr. W. Schmidt, Gießen, Hotel Victoria (124). — Ernst Challier, Gießen (86, 97, 100). — August Frees, Gießen (9). — Carl G a u j ch e m a n n, Frankfurt a. M. (50). — Wilhelm Dürbeck, Gießen (127). — Adle r & Gauß, Frankfurt a. Ai. (15). — Wilhelm Fricke, Halberstadt (37). — B. Sander, Barmen-Ritlershausen (54).
Reinhold Eipperl.e, Eßlingen a. Neckar (48). — Emil Lau, Berlin (49). — Wilhelm Burmester, Berlin (21). — Eugen Becker, Ohligs (32). — Julius Lieser, Kaiserslautern (85).— Franz Tschöpe, Gleiwitz (126). — Flirstl. Solms-Braunielsschs Brunnenverivaltung G e r t r u d i S b r u n n c n in BiSkircben (47), — Seliersbrunnen Benediktussprudel in SelterS (130). — Dem Gehilfen Wilhelm Stiel bei Konditor Hettler in Gießen. — Dr. Kaiser in Potsdam, Zilronenmost (17). — The Nugget Polish Co. Ltd. in Berlin (41). — Gustav Seeliger, Llkürsabrik, Waldenbitrg i. Schl. (44).
Außer Konkurrenz hatte u.a.die Maggi- Gesellschaft ausgestellt. Nach dem Urteile der Preisrichter hätte ihr einer der ersten Preist zuteil werden müssen. Sie befinbet sich übrigens bereits im Be« sitze der Großh. Staatsmedaille, so daß diese ihr nicht mehr zu- erkannt werden kann. Gine goldene Medaille aber hat der Staat der gegenwärtigen Ausstellung nicht zur Verfügung gestellt, sodaß man von deren Verleihung zum Bedauern be5 Preisrichterkollegiums absehen mußte.
Herr JaskowSky schloß die Verkündigung der PreiSs richterbeschlüsse mit seinen Glückwünschen an die PreiSge^ krönten und einem Hoch auf diese, sowie seinem Dank an die Preisrichter. 9luS der Mitte der Aussteller heraus ward als Erwtderung darauf ein Hoch auf die AuSstcllungSleitung ausgebracht.
Nun ist die Ausstellung vorüber .und die Turnhalle nimmt allmähltch tvieder ihr alltägliches Aussehen an. Die Arbeit ist getan und der Erfolg nicht gering. Gießen hat sich überzeugt von der Blüte des Gastwirtegewerbes und der ihm vertvandten Berufszweige, sowie seiner großen Bedeutung für das öffentliche Leben. 2)ic Gastwirte aber, die von auswärts kanten, unt zu schauen, was ihre Kollegen hier dem Ptibliktim zu bieten vermögen, diese Männer, die Tag für Tag, Woche für Woche, Jahr für Jahr Wirte find und hier nun Gäste waren, sie, die fachgenösflschen Beurteiler, wie die große Atcnge der hiesigen und auswärtigen Besucher aller Art, werden ein gutes Andenken an diese Ausstellung sich bewahren. Denn über ihr waltete ein guter Stern, und in schötter Harmonie ist sie ausgcklmrgen.
Ans nn- LarnS.
Gießen, 6. April 1908.
Hat der Höchfibestenerte Litz und Stimme als SLadtvevoroueteL?
V'.i W"rmS ii'- Tvriihx i: S?zu •>'. .„.ti9:y.^nrert
Mngiüo ixt StLbwcrordncrrn-VersLMMluns, ohne als Stadt- verordneter gewühlt zu sein. Seine Zugehörtgkett zur L»r-amnr- lung stützt sich aus das Gesetz üb<r Die ottbnng der Ortsvorftände vom 3. Mai 1858, in brhen Arlil.l 1 sotgeiwes bestimmt ift;
„Auß-v den auf Grund des Gesetzes vom 8. Januar 1852 gewählten Mitgliedern des LrlLoorstandes gehört mit voller Stiinrw- bcrechtig)mg zum Gemeinderat auch derjenige höchftdesteuerte Grund- befiper, welcher wenigstens ein Vierteil dec in der Gemeinde auf* zuöringendcrc Gvundsteuern entrichtet, ober in Ermangelung dessen der Hüu)slbestcuerte, welcher ein Grundsteuerlapital von wenigstens 150u Gulden in der Gemeinde hat."
In oüenbarem Widerspruch zu dieser Bestimmung stehen die Bestimmungen der Städteordnung vom 13. Juni 1874, in deren Artiöcl 11 über die Zusammensetzung der Stadwerordneten-Vep- sammlun.g svlgendes gesagt ist:
„Die Stabw.-Vers. besteht in Stadtgemcinden von 3000 bis 4000 Seelen aus 12, von 4001 bis 10 UuO Seelen aus 15, von 10001 bis 20 000 Seelen aus 18, von 20 001 bis 30 000 Seelen aus 30, von 30 001 bis 60 000 Scwlen aus 33 und über 60 000 Seelen aus 42 Mitgliedern Den statutarischen Anoronungen bst wen abweichende Festsetzungen über die Zahl der Stadwerord-» neten Vorbehalten. Die Hülste der Stadtverordneten muß aus dem höckMesteuerten Drstreil her Wählbaren^ geroühlt werden."
Nach dem Wortlaut dieses Artikels besteht also ein Anspruch deS höckistbesteuerten Gvurrdbesitzers auf Sitz und Stimme in der Sladtverordneten-Berfammlung feit Erlaß der SrädtemLnung nicht mehr, falls nickst durch ortsstarutarische Bestimnmng eine solche Mckgliedschasi: ausdvücklick) cingeführl ist. Das Privilegium des böa^libeftcucrten Grundbesitzers widerspricht aber auch dem Geist und Wohl, aud) bent Willen der liberalen GcsctzgLbung, ton denen die hesssiche Städteordnung getragen ist. Denn ihre Tendenz ist offenbar daraus gerichtet, persönliche Privilegien absufchassen und ein allgemeines Walstveckst für pie Gemeindevertretung zu schaffen. Allerdings sollten die l-öck/stbesteuerten Wähler (im Hinblick darauf, daß sie an der richtigen Verrvendung dec Steuern gerade infolge ihrer hvhen Steuerlecstung ein besonderes Interesse haben) ein gewisses Privileg bei der Zusammensetzung der Stcüstv.-Vers. besitzen, weshalb bic Bestinrmung in die St.-O. ausgenommen wurde, daß die Hälfte der Stadtverordneten dem hüchstbesteuerten Drittel der Wählbaren entnommen werden müsse. Aber gerade diese Fassung läßt daraus schließen, daß der Ge,etzgcber ein persönliches Prwistg bestimnster Personen uichr mehr wollte.
Daß bie Mitgliedschaft des Höchstbesreuevten in der Wormser Stadwcrordneten - Versammlung auf Grund des GesetzLs ton 1858 deurwch so lange tatsächlich bestehen formte, ist daraus zurück- zusühren, daß unter den in der Städteordrmng als aufgehoben bezeichneten Gesetzen das Gesetz von 1858 nicht curgesührt ist. Dies beruht aber offenbar lediglich auf einem Versehen, denn das Gesetz über die gewühlten Mitglieder des Gemeinderais von 1852, auf welches das Gesetz über die Bildung der Ortsvo.stände von 1858 ausdrücklich Bezug nimmt, wird in Artikel 125 der St.-O. von 1874 als aufgehoben erklärt.
Außer in Wvrms ist das Gesetz von 1858 nur m>ch, so bie! uns bekannt ist,in Bingen in Hebung, wv der (vi)enbahnslskus als höchstbesteuerten Gnmdoesitzer einen Verrreler in der Stadw.-Vers. l?at. Auch m Mainz hat der EisenbahnsiSkus kürzlich den gleichen Anspruch erhoben, wurde aver vvm Overdürgernieister Göttelmann abgewiesen. Ob sick> der Fiskus mit dieser 2'vlveisung zufrieden gab, wissen wir nicht bestimmt, doch wurde ger.ieldet, daß er lick) an das Ministerium gewandt habe, um denen Entscheidung herbeizusulwen.
Äe)e VorLmmnisse gaben dem Wormser sozialdemokr. Stadt- vewroneten Engelmann Veranlassung zu einer Anfrage, ob das Stadtverordneten-Mandat des Freiherrn von Heyl durck> das Gesetz begrunbetjü. Die Anfrage gelangte in der letzten Sitzung der Wormser StadtverordnetLn-Versammlung yur Beratung. BeigeordnetevDr. Wevers, der in AbNnffenlMt tov Oberbürgev- meisters die Sitzung leitete, gab zu, daß d.e Frage nicht »weil' e l s f r e i sei. Alleroings lasse auch die (Lirtscheidung des Mainzer Oberbürgermeisters Zweifel zu. Die Stadtverwaltung habe jedoch keinen Anlaß, in der Sache etivas zu tun. Ein Änrrag deS Stadt». Schönfeld, die Angelegenheit an eine Kommission zu veaoeisen/


