Aus Stadt rrnd Land.
Gießen, 9. Januar.
•• äJet Srstv diesjährige Hofball in Darm- $abt war, wie uns von dort drahtlich gemeldet wird, von etwa 350 Personen besucht. Der Treppenaufgang dem prächtigen Saale im Alten Palais, in dem der Ball stattfand, und der Saal selbst waren mit Palmen, Blumen usw. herrlich geschmückt. Das Großherzogspaar beteiligte sich lebhaft am Tanze. Anwesend waren Prinz und Prinzessin Friedrich Karl von Hessen mit Gefolge, ferner Fürst und Fürstin Jsenburg-Birstein, Prinzessin Dorothea zu Solms-Lich, Fürstin Büdingen mit drei Prin- zessinnen-Töchtern, Fürst Stolberg-Roßla, Graf und Gräfin Adalbert Erbach-Fürstenau, Graf Goertz und Gräfin- Tochter, Prinzessin E^ Solms-Laubach, Prinz und Prinzessin Friedrich Solms-Braunfels, Prinz und Prinzessin Karl Jsenburg-Birstein, Prinz Viktor Jsenburg-Birstein, Prinz und Prinzessin Alfons Jsenburg-Birstein, Graf und Gräfin Kuno Stolberg-Roßla mit Prinzessin-Tochter, Graf Ernst Solms-Laubach und zwei Gräfinnen-Tüchter, Graf und Gräfin Arthur Erbach-Erbach, Felix Graf zu Sayen- Wittgenstein, Viktor Graf zu Sayn-Wittgenstein, Prinzessin Marie Solms-Braunfels, Prinzessin Helene Solms-Braunfels, Prinzessin Antoinette Jsenburg-Birstein, die Mitglieder des diplomatischen Korps, die obersten Staats- und Hofwürdenträger usw.
** Vom Großh. Hofe. Die st an desherrlich en Familien, die gestern zum Hofball eingeladen waren, nehmen beute an der Hof täfel teil, zu der 38 Personen geladen sinö. — Die langjährige Großh. Hausverwalterin Berbenich, die heute nacht noch auf dem Hofball be- fchäftigt war, wurde beim Nachhauseweg vom Alten zum Neuen Palais von einem Schlaganfall betroffen und war sofort tot.
** Die hessische Landwirtschaftskammer hält am kommenden Samstag und Montag Vorstands- sitzungen ab.
•• Hessische elektrotechnische Gesellschaft. Info lge einer Anregung, zu der die Feier des 25jährigen Professoreu- JudiläumS des Geheimerats Dr. Kittier Anlaß gegeben Halle, Hal sich nun auch in D a r m st a d t im Anschluß an den .Verband Teulscher Elektrotechniker' eine ,Hessische Elektroteclnnsche Gesellschaft" gebildet, die die im Lande wohnenden, an der Elektrotechnik interessierten Personen vereinigen w«U. In der am 3. Jan. abgehaltenen Gründungsversammlunä sind der Gesellschaft 29 fDlit- glieder beigetreten und in den Vorstand Oberposldirektor Geh. Lberpostrat Kabelt, Professor Senget von der Technischen Hochschule, Ingenieur Hesse, Direktor der elektrotechnischen Werke Darm- lladt, und Obewostpraktikant Herdt gewählt worden. Ter neue wissenschaftliche Verein will an den Bestrebungen der deutschen Elektrotechnik, deren gemeinsamer Vertreter — der Verband der deutschen Elektrotechniker — namentlich auch die Fragen des Wirtschaftslebens und der Gesetzgebung auf elektrotechmschem Gebiete bearbeitet, Mitwirken und als Landesgruppe durch Zusammenschluß der Interessenten, burd) Vorträge, örtliche Besichtigungen u. s. w. seine Mitglieder über die Fortschritte der elektrischen Wissenschaft und Praxis unterrichten. Ter Mitgliedsbeitrag beträgt für ein Halbjahr 10 Mk., wofür gleichzeitig die Einzelmitgliedschaft des Verbandes erworben wird und die kostenlose Lieferung der wöchenl° litt) erscheinenden Elektrotechnischen Zeitschrift erfolgt. Aufnahme- fähig sind nach den Verbandsstaluten alle Deutsche und in Deutschland Wohnende, die aus dem Gebiete der Elektrotechnik rind verwandter Berufszweige ein wissenschaftliches oder praktisches In- tereffe haben. Auch Behörden, Firmen und Korporationeii können, und zwar als ein Mitglied zählend, ausgenommen werden.
** Ein Kursus im Maschinenschreiben für Damen beginnt nächste Woche wieder. Der Kaufm. Verein für weibl. Angestellte hat mit seinem ^Unterricht in allen kaufm. Fächern bisher die besten Rc- siiltate erzielt. Die Kurse werden von bewährten ersten Lehrkräften geleitet und sind gut besucht. Die Ausbildung, welche der Verein den Teilnehmerinnen an dem 'Unterrichte bietet, ist vollkommen und nicht zu verwechseln mit den Erfolgen, die ein Handelskurs in wenigen Stunden für alle Fächer bringen kann. Der gegenwärtige Unterrichtskurs in Buchführung usw. naht seinem Ende, und es dürfte sich empfehlen, Anmeldungen für das neue Schuljahr baldigst an den Vorstand des Vereins gelangen zu lassen.
** Konzertverein. Zu der gestrigen Notiz, betr. die 93er- anstaltungen des Konzertoereins wird uns geschrieben: Die über die Tätigkeit des Gießener Konzertvereins gemachten Mitteilungen verleiten unwillkürlich zu einem Vergleich mit den musikalischen Veranstaltungen benachbarter Universitäten. In Ai ar bürg finden, wie eine von der Musikalienhandlung W. B r a u n herausgegebene Zusammenstellung ergibt, während des Wintersemesters 1907,08 nicht 10 Konzerte (wie in Gießen), sondern 16 Konzerte statt. Allerdings stehen diesen eine, höchstens zwei Theateraufführinigen in der Woche gegenüber. In Heidelberg find, wie das Konzerthaus Eugen Pfeiffer daselbst mitteilt, während des Wintersemesters 2 6 Konzerte (davon 15 vor Weihnachten) angezeigt, vom Bachverein 10 Symphonie- und Chor- Konzerte, dazu vier Kammermusikabende. In Göttingen und gerade Jena ist die Zahl der Konzerte, die die neuesten Zusammenstellungen ergeben, nicht zurückgegangen, sondern erweitert worden. Diese kurzen Mitteilungen sollten u. E. zur Genüge beweisen, daß man in Gießen von einer „Ueberproduktion an Konzerte n" wahrhaftig nicht reden kann. Hoffen wir, daß die drei bis zum Semesterschluß geplanten Konzerte des Konzerl- vereins (der Kammermnsikabend 12. Jan., das Wüllnerkonzert 2. Febr. und das Orchesterkonzert 25. Fedr.) die ihnen gebührende Würdigung seitens des musikliebendeii Publikums Gießens und der Umgegend er'ahren werden!
** Zum Tode Kruses wird dem „Leipz. Tagebl." aus Großenhain noch geschrieben: Kruse erfreute sich großer Beliebtheit bei dem hiesigen Theaterpublikum. Das zeigte sich u. a. auch darin, daß man dem ans Bett gefesselten Patienten zum verflossenen Christfest ein Bäumchen geschmückt hatte.
** Erledigt sind: Die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrer stelle an der Gemeindeschule zu Unter-Reibertenrod. Mit der Stelle ist Organisten- und Börleserdienst verbunden. Eine mit einem ev. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindcschule Lu Köddingen. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Ihrem Inhaber kann eine Ortszulage bewilligt werden.
** Ernannt wurden der Kanzlist am Landgericht der Provinz Rheinhessen Joh. Schäfer zum Kanzlei-Inspektor am Landgericht der Provinz Oberhessen und Karl L a u t e n s ch l ä g e r in Darmstadt zum Känzleigehilfen bei dem Gcneralstaatsanwalt am Oberlandesgericht.
** Verloren. Am verflossenen Sonntag wurde hier eine M a n s ch e t t e mit w e r t v o l l e m K n o p f, bestehend in mattgoldener Scheibe, in deren Mitte eine Perle M
befindet, verloren und vom Finder nicht abgeliesert. Vor Ankauf wird gewarnt.
** Diebstahl. Einer alten Witwe wurde vor einigen Tagen ihre ganze Barschaft aus chrer verschlossenen Kommode mittels Nachschlüssels gestohlen. Verdächtig ist ihr eigener Neffe, der schon vorbestraft und seit dem Tage verschwunden ist.
** Eigentümer gesucht. Am Wetzlarer Weg wurden gestern abend von einem Schutzmann d r e i B u r - schen betroffen, die jeder ein Bündel Dachkandel- rohre trugen. Als sie den Schutzmann gewahrten, warfen sie jhre Beute fort und ergriffen die Flucht. Die zurückgelassenen Dachkandelrohre befinden sich auf Großh.
Peters: Im deutschen KbloniLlgesetz ist die Todesstrafe für Kettenflüchtlinge enthalten. — Das Gericht beschließt alsdann die Verlesung der Aussagen Vronsarts von 1896 und des Teils des Prowkolls von 1895 über den geschlechtlichen Verkehr Peters mit schwarzen Mädchen. — Nach 10 Minuten Pause wird Graf Pfeil darüber vernommen, ob die Maßnahmen PeterÄ vom Standpunkte des Afrikaners iwtwendig waren. — Graf Pfeil war gänzlich indifferent in die Gerichtsverhandlung gegen Peters eingetreteii und hat nicht einmal die Berichte gelesen. Man müsse bei der Beurteilung von Dr. Peters den Charakter! der verschiedenen Stamme berücksichtigen. Man könne nur anerkennen, daß große Strenge angebracht war, habe aber bei den Kilimandscharobewohnern nicht den Eindruck, daß eine so große Strenge angebracht war. Graf Pscil kann kein abschließendes Urteil geben. Hierauf wurde die Sitzung auf morgen vormittag 9 Uhr vertagt.
Polizei amt, wo sich die Bestohlenen melden wollen.
P Friedberg, 7. Jan. Mit der Renovierung des Rathauses "wurde auch der Sitzungssaal des Stadtvorstandes neu hergerichtet. Die Wiederherstellung ist aufs beste gelungen und vor kurzem konnten wieder die Sitzun- gen darin begonnen werden. Als Sck)muck zieren die Wände die im Besitz der Stadt befindlichen Oelbilder deutscher Kaiser, aus der Zeit, als Friedberg noch freie Reichsstadt war. An den Fensterpfeilern sind die Bilder der früheren Bürgermeister aufgehängt; ferner sieht man die Wappen der Stadt, der Burg, das hessische und das deutsche Wappen. Die Möbelausstattung ist in Eichenholz und altdeutschem Stil ausgeführt.
() Marburg, 8. Jan. Die studentischen Unterrichtskurse für Arbeiter und Unterbeamte nahmen gestern abend wieder ihren Anfang. Die Zahl der Teilnehmer beträgt jetzt über 300.
() Laasphe, 8. Jan. Nachdem es am Sonntag abend bei Langenau seitens der dort beschäftigten Kro a- ten abermals zu wüsten Ausschreitungen gekommen und abends sich niemand mehr auf die Straße wagte, kam gestern die Verfügung, daß sämtliche Kroaten innerhalb 24 Stunden den Ort zu verlassen haben. Der am Sonntag durch einen Schuß seitens der Polizei verletzte Kroat liegt im Krankenhaus. Der Dolchstoß, den er gegen einen Beamten geführt, ist an dessen Brieftasche abgeprallt.
(h.) Frankfurt a. M., 8. Jan. Ein tödlicher Unfall ereignete sich heute früh in einer Fabrik in der Mainzer Landstraße. Während des Betriebs zersprang ein S ch m i r- g el-Sch keifst ein. Bon den Trümmern wurde der an dem Stein beschäftigte 26 Jahre alte Schmied Friedrich Erb in der Magengegend getroffen. Seine Verletzungen waren so schwer, daß sie sofort den Tod herbeiführten.
** SH eine i; t c h ■■ n g e n c ' -5 Hess c n und den N a d) b a r ft a a t e n. Eine Bl u m e n - B i u d e k u n st - S ch n l e (hübscher Name!) wird demnächst m B ü dingen eröffnet werden. — Der Turnverein Fellingshausen, der in diesem Jahre feine Fahnenweihe feiert, besteht nunmehr 3 Jahre.
Fcozeß Fetcrs.
Köln, 8. Jan. Die Verhandlung im Prozeß Dr. Peters begann vormittags um 9 Uhr. Es wird mit der Verlesung der Urteile der Disziplinarlamrner fortgefahren. Beide Parteien stellen dann zahlreiche Beweisanträge, über die eine längere Erörterung entsteht. Sodann wird in die Zeugenvernehmung cingo treten. Der frühere Lazarettgehülfe Wiest wird über die Hinrichtung usw. vernommen und sagt aus, er wisse nichts genaues darüber. Die Jagodja soll Spionage getrieben haben. Er wisse W über sexuelle Motive, v. Bennigsen fragt, auf welche 3öet|e die Leute an die Ketten gebracht wurden. Die Leute
ollten nur als Untersuchungsgefangene an die Kette kommen. Dte ftettengefangenen wußten, daß sie bei der Flucht die Todestrafe zu gewärtigen hatten. Von einem diesbezüglichen Gesetz er . nichts. Wiest kann im Gegensatz zu seiner ersten Aussage über den Verkehr schwarzer Mädchen im Stationslrause nichts sagen Der Zeuge wird von den Rechtsanwälten Justizral Sello und Falk über die Todesstrafe der Keltenslüchtlinge besagt, doch kann Wiest Bestimmtes nicht angeben. Bennigsen betont, daß die Todesstrafe für solche Flüchtlinge absolut nicht brauchbar sei. — Magistratssekretär W i l h e l m aus Schöneberg, öer, m der in Betracht kommenden Zeit Unteroffizier war, sagt auv, daß die vier schwarzen Mädchen zur Station in gar Feinem dienstlichen Verhältnis gestanden hätten. Sie hätten nur mit Europäern verkehrt. Der Zeuge gibt dann auf Befragen eine Darstellung der Station und Darlegungen über den Auftrag ..eters, die entflohenen schwarzen Mädchen aus ihrem Heimatsort zu holen. Der Zeuge macht alsdann Aussagen über die Miß- banblungen der Jagodja. Zeuge batte das Gefühl, indes fei auch allgemein darüber gesprochen worden, daß bei der Hin- .ichtung des Mabruk und der Jagodja geschlechtliche Motive rnit- pielten, und er habe aus dieser Meinung kein Hehl gemacht. Er habe das Gefühl, daß Peters ihn weggeschickt habe, weil er ihm mbequeni war. Die Jagodja habe gar nicht gewußt, warum r in 9r wurde. Peters fragte den Zeugen, ob
dieser ihm sticht selbst die aufgeregte Stimmung der Schwarzen gemelbet hab^ Wilhelm bejaht dies. Um 1 Uhr wurde die Sitzung SiL™ Uhr »erlöst. - Nach 'Siet>eranfnal)me bet
SfpnSder Kolonialeisenbahnbetriebs- ttelstadt - ^harlottenburg, daß Peters ihm sagte,
(St ; seien zu gering, er gebe nicht unter 150 Hiebe ™ fe'kr^etcr5 JQ0tS weil ein Diener ein Mädchen 9eLrauföt Hase, sei der Diener gehängt worden. nrftrnrfJl*9t. Sinter £0^0^01- eute rebellische Bewegung aus- h«a & hAm?rsa b Nicht für jedes Wort aufkommen,
.damals gesagt habe. Auf eine F-rage von Peters be- daß die Lage sehr kritisch war, da der ^, b"mg Kambodscha sehr feindlich gesinnt war. Peters gibt Jta-CA ® Ansichten über die Behandlung der Schwarzen zwischen v. Soden und ihm sehr verschieden waren. - Früherr v. Pechmann sagt aus. Mabruk fei verurteilt worden weil £r, &en ®g6r«<^biebfta&f einaestanden habe. Er, der Zeuge PÄers^bab^^ns?nA?^-E^^ ber Todesstrafe bestanden' - r-x. HE anfangs nicht gewoltt, es fei aber nicht anders moghdj gewesen, weck dem Täter der Tod angedroht wird wenn er den Diebstahl nicht sofort eingesteht. Mabruk fei aber uberfubrt morben durch Peters. Geschlechtliche Motive seien oollstandig ausgefchlofien. Auf Befragen erklärt der Z^ge daß Mabruk, bet eine Vertrauensstelle bei Peters hatte, den VÄ dacht bei fi:uheren Diebstählen auf andere zu lenken gesucht c sei auch eine Gefährdung der Station woglich. Em solches Vorkommnis habe bestraft iverden müssen und die vorher angedrohte Strafe habe ausgeführt werden rnü^en angesichts des gefährlichen Postens. Justizrat Sello nhuL f U£K\ i?1 geschlechtlichen Beziehungen zwischen Mabruk und der Jagodla. P c ch m a n n Derneint dies . , eine Fvage Dr. Sellos erklärt der Zeuge, vvn Brvnsart habe nach der Mitteilung der Hinrichtuiig Mabruks ge aat dem M fei recht geschehen. Justizrat Sello fragt- Wiesern hatten Sie und Peters Anlaß, zu glauben & bie Sagobja fonipmere. — Pechmann erwidert: Die gan^VS Ijaltmfie Iie&en den Glauben zu. Die Mawinpoleut« XilrtS Als der Häuptling Mandaras starb, erfuhren wir mchts davon, weil sie es verschwiegen und sein 16jähriger Sohn erl)ob Tribut, was verboten war. Dies ließ auf benltigleit schließen. Boten des anfangs befreundeten Häuvt- i^aTl°^e Jcicn mißhandelt worden. Pechinann erkl§t mU eine sfrage Sellos, oaß die Station äußerst gefährlich fei SI ^Sr111300 1 S'öil1Fn auch auf anderen Sttionen &ten- mit ber ^oöeöltralc bedroht? — Pech manu
imbett sibt ato bde MHslichkit -
Gericht-saaL.
Düsseldorf, 9. Jan. DaL Kriegsgericht verurteilte den Zahlmeister W. G ö r l e r vom hiesigen Bezirks-Kommando wegen Veruntreuung von 5000 Mk. Osfiziersgeldern und Unundenfälschung zu drei Monaten Gefängnis und Degradation. Der Verurteilte wuche sofort verhaftet..
^Freiburg i. Br., 8 Jan. Das Kriegsgericht der 29. Division verurteilte den Leutnant v. Köckritz, früher beim 4. Gaideregiment, sodann bei den Mülhanfer Dragonern, ivcgen Fahnenflucht und Betrugs zn acht Monaten Gefängnis und Degradation.
Ai a g d e b u r g , 9. Jan. Der Musketiee Paul I ö ck e vorn 36. Jn'anleiie-Regiment, der wegen zahlreicher Vergehen zu acht Jahren Gefängnis verurteilt wurde, später aber Spuren von Irrsinn zeigte, wiirde gestern f r e i g e s p r o ch e n, da er zur Zeit der Begehung der Tat nicht zurechnungsfähig war.
Kopenhagen, 8. Jan. Der ehemalige Direktor der Ropen« hagimer Asphalt-Eompagnie, der Teuüche Alfred Dietrich, der gestern vom höchsten Gericht zu a ch t Monaten Gefängnis wegen Betrügereien gegenüber der Asphalt-Coinpagnie verurteilt worden war, ist heute vor bet Vollstreckung des Urteils ver - s ch w u n b e it. Die Polizei erlief; einen Steckbrief hinter Dietrich.
Newyork, 9. Jan. Unter Führung des ehemaligen Stahltrust-Präsidenten, Eharles 9)L Schwab, hat sich eine Gruppe Pitls- burger Dlillionäre zur Einleitung einer finanziellen Hülfs-Operation für.Thaw verpflichtet. Tie Vermögenslage des Angeklagten in dem gegenwärtigen amerikanischen Atonstre-Prozeß hat sich dadurch g^anz bedeutend verschlechtert, daß seine Verteidigung die gesamten Jahreseinkünfte verschlingt und sein Vermögen auf Antrag des Vaters Thaws mit Beschlag belegt worden ist. Der Hauptgrund für dieses Vorgehen des alten Thaw liegt in dem Ehefcheidnngs- Prozeß, den seine Tochter, bie Gräfin Aarmouth, mit ihrem Manne 'ührt imb ber bisher enorme Summen gekostet hat.
* Zu der Offizierstragödre in Wilmersdorf bei Berlin, über die wir kürzlich berichteten, schreibt die Gesellschafterin der Frau Lewandowski, Fräulein L. Supply: „Am 21. September kam ich als Gesellschafterin zu der Frau Oberförster Lewandowski, geb. Freiin v. Kvrff- Schmysing. Am 28. September war Ltnt. P. Schmidt-Phisel- deck aus Spandau, der viel im Haufe verkehrte, von Frau Lewandowski zu Tisch geladen. Aus ihre Bitte, diesen Abend in unserer Gesellschaft zu verbringen, gab dieser an, durch eine Verabredung mit Berliner Herren verhindert zu sein. Frau 15. händigte nun Herrn v. Schmidt die Schlüssel aus mit dem Bemerken, er könnte in ihrem Hause übernachten. Zwischen 10 und 11 Uhr begab ich mich zu Bett. Am nächsten Morgen 7 Uhr wurde ich durch anhaltendes Klingeln aufgeweckt und begab mich" nach der Tür. Sehr erstaunt war ich, als ich mich einem fremden Herrn gegenüber befand, der mich nach seiner Frau fragte. Herr Lewandowski war mir bis dahin unbekannt, doch ließ ich ihn eintreten und begab mich wieder in mein Zimmer. Nach Verlauf von etwa 10 Minuten kam Frau Lewandowski leichenblaß in mein Zimmer gestürzt und rief mir zu, ich hätte den Mann hereingelassen und jetzt hätte er ge- chossen. Als ich hinkam, sah ich derr Oberförster mit der Waffe in der Hand auf dem Korridor auf- und abgehen. Die Scheiben der Türen zum Schlaf- und zum Ankleidezimmer waren zerschlagen. Ter Oberförster forderte Herrn v. Schmidt, der nur notdürftig bekleidet aus dem Ankleidezimmer der Frau Lewandowski heraüstrat, aus, sein Haus zu verlassen. Dies war dem Schwerverwundeten nicht mehr möglich, und er bat mich, in mein Schlafzimmer gehen und sich auf mein Bett legen zu dürfen, was ich gestattete." lieber das Vorleben der Frau Lewandowski wird der „Franks. Ztg." aus Kassel geschrieben: Das Ehepaar L., das hier verwandtschastliche Beziehungen hat, ist in Kassel wohlbekannt, namentlich Frau L. In Berlin heiratete sie einen Fabrikantensohn Naumann aus Dresden. Diese Ehe wurde aber bald wieder geschieden. Die Baronesse machte darauf die Bekanntschaft eines Kaufmanns Erwin Mäher in Kassel. Die vor etwa zsvöls Jahren geschlossene Ehe mit Mayer gestaltete sich im höchsten Grade unglücklich. Mayer glaubte vielfach Grund zu haben, an der Treue einer Frau zu zweifeln, die auch verschwenderische Ausgaben' machte. Wiederholt waren sie auf dem Punkt, sich cheiden zu lassen, aber immer wieder wußte Frau Lewandowski ihren Gatten zur Verzeihung zu bewegen. Endlich kam es doch zur Scheidung. Mayer wurde später geisteskrank und ist vor drei Jahren gestorben. Schon ein Jahr vor der Scheidung hatte Frau Mayer Beziehungen zu einem Forstakademiker, ihrem jetzigen Mann, angeknüpft, der noch eine erhebliche. Erbschaft zu erwarten hat.
* D er verhungerte Pfarrer! Wie der „Lan- )esbote" in Baden-Baden meldet, fand man den Pfarrer der altkatholischen Kirchengemeinde, der nach Ablauf seiner Probezeit von dem Kirchenausschuß nicht gewählt und dessen Versetzung nach Furtwangen auf den 6. Januar vorgesehen war, halb verhungert und erfroren in seinem Bette, so daß die lleberführung ins Krankenhaus erforderlich war. Schon zur Abhaltung der Weihnachtsfeier war der Pfarrer glicht erschienen. Er war damals nirgends aufzufinden, bis am 4. Januar die Tür erbrochen wurde.
Sturm! Infolge heftigen Sturmes sind die telephonischen und telegrciphifcheii Verbinbungen zwischen Belgien unb E n g - La".c^.vollstanbig gestört sowie auch Belgiens mit einen Teile Deutschlanbs unb Frankreichs. — Im Antwerpener Hafen ist bei Dampier ,Auslralta gegen den Rheinbampser „Vereinigung Nr. fnnnh»eronhprl in '’ Rheinbampfer begann sofort zu finken,
« u an,§ Ufer ^bracht werben. — Der Schleppbamwer fltnphrthrtntn X n». ... ... r. . .. . .. Aermelkana 1 zwei französische ^rp^oboote, bcneit er begegnete, den Wellen preis gegeben waren, nahm beibe ins Schlepptau unb zwischen bie Taue gesunke^ist. ' WC )CS ^schwand. Man befürchtet, baß bas letztere
Kleine Tageschronik.
^erhaublang gegen den Hauptmann von Gäben 9Ä LUVfinbct 3anuor
Xrt entmünMgung^crfaVren eto-
ut Knesstfll an Schn^nmn anai toafen in


