„Wer ist Papa?" und „Güte anständige Frau", welche an Situationskomik und Humor den beiden bisher gegebenen in nichts nach stehen uni) den vorzüglichen rheinischen Ko- nriker in Fülle Gelegenheit bieten, seinen urwüchsigen Humor zu entfalten. Außerdem wartet die reizende Voriragskünst- lerin Mary Walter, sowie der Berwandlungskomiker Erich Eharton mit neuen Couplets auf. Morgen Donnerstag ist Familienabend mit Geschenkc-Berteilung.
•* Stenographie. Der Gabelsberger Stenographen- Verein (E. 93.), gegr. 1861, hat seit Beginn des laufenden Vereinsjahres die Einrichtung getroffen, daß in jeder zweiten MonatSversannnlnng ein Vortrag über stenographische oder allgemein interessierende Themata zur Belehrung und Fortbildung seiner Mitglieder gehalten wird. Ter diesinalige Vortrag behandelt das Thema ,5) t c Systeme Gabels- berger und Stolze-Schrcy", das gerade jetzt, wo die gesamte stenographische Welt mit Spannung auf den Aus» gang der demnächst stattfindenden Regierungskonferenz zur Schaffung einer deutschen Einheitsstenographie wartet, allgemein interessieren dürfte. Der Vortrag findet öffentlich, am 8. ds. Mts., abends 9 Uhr, im oberen Saale des Cafe Ebel statt. (Siehe auch Anzeigenteil.)
♦♦ Von der Süd -Anlage. Durch die Erbauung unseres Stadttheaters und des Gebäudes der Mitteldeutschen Bank, durch die es möglich lvurde, die Joyannesstraße in ihren: letzten Teil bis auf die Iohanneslirchc durchzulegen, hat die Süd-Anlage eine erhebliche Vergrößerung erfahren. Der Schoorgraben konnte auf der ganzen Strecke von dem Neuemvegertor bis zur Goethestraße überwölbt werden, so daß die in die Anlage einbezogenen Gelänoe- flächen, zusanunen zirka 3500 Quadratmeter, mit dieser zu einem einheitlichen Ganzen verschmolzen werden konnten. Stadtgärtner Balser hat es verstanden, nachdem er den Teil der Anlage beim Stadttheater zu einem Glanzpunkt umgeschaffen, auch den anderen neuen Anlageteil zwischen Plock- und Goethestraße gärtnerisch wirtfam zu gestalten. Unsere Süd-Anlage gleicht nunmehr, nachdem sie vergrößert ist, einem vornehmen Park, dessen günstiger Eindruck durch die Häuserreihe der vollkommen ausgevauten Iohannes- straße gehoben wird.
*• Diebstahl. Heute vormittag wurde in der Frankfurter Straße ein Fahrrad, Marke Superior mit der Fabr.- Nr. 64878, gestohlen. Der Eigentümer hatte das Rad kurze Zeit unbewacht stehen laffen, um in einem Hause etwas zu besorgen, und dies hat sich ein Dieb zu nutze gemacht und ist mit dem Rad davongefahren.
4- Klein-Linden, 6. Oft Einen Menschenauflauf rief die Verhaftung eines Betrunkenen hervor, der im Verdacht steht, hier Diebstähle begangen zu haben. Ein Gendarm verbrachte ihn nach Gießen ins Gefängnis. — Die Felddiebstähle mehren sich. So ließ gestern ein Arbeiter zwei Säcke Kartoffeln auf dem Acker stehen. In aller Frühe wollte er sie heute holen, aber der Acker war leer.
? Watzenborn, 7. Oft Der Turnverein Watze n- born hatte am vergangenen Sonntag sein Abturnen, das zahlreich besucht mar und, vom schönsten Wetter begünstigt, einen sehr guten Verlauf nahm. Am Vormittag fand Wettturnen der Zöglinge statt. Preise erhielten: 1. Karl Happel, 2. Ludwig Happel, 3. Karl Schmandt, 4. Heinrich Burger, 5. Ernst Häuser. Am Nachmittag entwickelte sich bei einer- gut besetzten Tanzmusik ein fröhliches Beisammensein bis in die späte Nacht.
x Staufenberg, 6. Oft. Bei dem am 4. Oktober abgehaltenen A bturne n unseres Turnvereins erhielten folgende Preise: I. Riege (Oberstufe): 1. Preis Ludwig Zecher mit 96 Punkten; 2. Ludwig Eckhardt, 84; 3. Friedrich Haidt, 81; 4. Ludwig Braun 1 und Heinrich Zecher mit je 79; 5. Louis Deibel, 75; 6. Wilhelm Reuter, 70; 7. Karl Müller, 63' :1; 8. Heinrich Benzler, 58. — I. Riege (Unterstufe): 1. Preis Wilhelm Kraft mit 137 Punkten; 2. Ludwig Braun, 131'/,; 3. Heinrich Heibertshausen, 130; 4. Heinrich Rühl, 113; 5. Karl Grölz, 108; 6. Will). Grölz, 107'/a; 7. Johannes Kraft, 91. — II. Riege: 1. Preis Philipp Grölz mit 102 Punkten; 2. Heinrich Reeb, 977„; 3. Herrn. Rühl und Karl Zecher mit je 89’X; 4. Louis Bier, 817,; 5. Heinrich Schwalb, 81; 6. Heinrich Eckhardt, 80. — III. Riege: 1. Preis Ludwig Grölz mit 109Punkten; 2. Wilhelm Deibel, 1027,; 3 Louis Becker, 1017s; 4. W. Mayer, 81.
Ettingshausen, 6. Oft Der Rentenbezieher Franz Starck nahm gestern von seinen Verwandten Abschied mit der Angabe, verziehen zu wollen. In seinen: Sonntagsanzug verübte er dann im nahen Walde Selbstmord durch Erhängen. Heute früh fanden ihn Arbeiter. Den bereits 73 Jahre alten Mann kann nur Schwermut oder plötzliche Geistestunnachtung 51t dem Schritt getrieben haben; seine Frau war vor einiger Zeit gestorben, und er» wohnte ganz allein.
? Butzbach, 6. Oft. Gegenwärtig befindet sich in der hiesigen Zellenstrafanstalt der Standesherr Graf Friedrich zu Leiniuge n-Westerburg auf Schloß Ilbenstadt, zur Verbüßung einer h a l b j ä h r i g c n G e f ä n g u i s- stra fc. Vor mehr als 10 Jahren wurde nämlich der Graf von der Strafkammer zu Gießen auf Aitkrag seiner geschie- denen Gemahlin wegen Ehebruch zu dieser Strafe verurteilt, floh aber sofort nach Wien. Jetzt hat er sich, vom Heimweh getrieben, freiwillig dem Gerichte zur Verbüßung der Strafe gestellt, um nachher wieder auf sein Stammschloß zu Ilbenstadt zurückkehren zu können.
□ Butzbach, 6. Oft Lebhaften Widerspruch findet der neue Fahrplan für die Bahnlinie Butz- bach-Ltch, enthält er doch nur 2 mal 4 Züge, während bisher je 5 Züge von hier nach Lich und zurück verkehrten. Schon jetzt ruft der neue Fahrplan den Protest der Bevölkerung unserer Stadt und der in Betracht kommenden Orte hervor. Auch der kaufmännische Verein hat sich mit dem neuen Fahrplan befaßt und wendet sich in einer Eingabe an die Firma Lenz & Co. und an die Handelskammer gegen den neuen Fahrplan. Auch seitens der Ortschaften werden Eingaben gemacht. Die Baufirma Lenz & Co. will jedenfalls sparen, da die Bahnstrecke mcht rentiert
x Rockenberg, 6. Oft Der Gemeinderat hat das hiesige Hofgut nebst den Gebäulichkeiten für 425000 Mark an gekauft. Es umfaßt etwa 5000 Normalmorgen, der Morgen kostet 860 Mark. Unter den Nicht-Landwirten werben Stimmen laut, die statt dieses Gutskaufes die Errichtung einer Wasserleitung für dringender halten.
* Friedberg, 6. Oft Die Stadt beabsichtigt, au der Hagstraße auf dem Vordergelände des Volksbadgrundstücks ein Gebäude zu errichten, dessen Erdgeschoß für Zwecke einer öffeutlichenLese halle und Volksbiblio- thek und dessen beide oberen Geschosse für die Gewerbe- schule bienen sollen. Eine im Gebäude vorgesehene über
baute Toreinfahrt wird von der Hagstraße aus den Zugang zum Volksbad dienen. Das Projekt ist dem Erbauer des Volksbades, Architekt Hans Meyer-Gießen, in Auftrag gegeben. Die durch, die Provinzpresse laufenden beunruhigenden Nachrichten, daß durch die Entdeckung eines unterirdischen Ganges auf dem Volksbadgruudstück die Fundamentmaueru der in der Errichtung begriffenen Anstalt, besonders die des Kesselhauses, gefährdet seien, entsprechen nicht den Tatsachen. Die Bauleitung hat vor Beginn der Arbeiten die eigentliche Baustelle gründlich durch Bohrungen untersucht, so daß die Fundamentierung des Baues auf sicherer Grundlage vorgenommen wurde. An der Stelle, wo sich der Gang hinzieht, zirka 15 Meter vom Gebäude entfernt, werden Gartenanlagen ihren Platz finden.
? Aus der Welterau, 6. Oll. Ein drolliger Miß- griff, der sich unlängst in einem Orte der Wetterau ereignete, wurbe, da kein Schaden durch ihn entitand, viel belacht. Früh morgens — es war noch ganz düster — ging ein Landmann htnauS zu in Mähen, denn es sollte an bem Tage ein orbentlichcs Stück , ab "kommen. An ihrem gc- wohnten Platz hängt bie Sense, die er auf die Schulter nimmt uub frohgemut ins Wiesengelände zieht Draußen angekommen, soll es ans Mähen gehen, aber nach den erneu Streichen merkt der Mäher, daß etwas nicht richtig ist, und als er genauer hinsieht, gewabrt er zu seinem nicht geringen Aerger, daß er statt der Sense den — Honigrührei herausgetragen hatte, der neben ihr plaziert war.
):( Renzendorf, 5. Oft. Gegenwärtig wird auf unserer Station, nahe am Stationsgebäude, ein neuer Brunnen erbohrt, da das von dem seitherigen gelieferte Trinkwasser nicht mehr allen hygienischen Anforderungen entsprach.
! Lauterbach, 5. Oft Der nasse kühle Sommer war für die Sommerfrischen, Touristenwirtschaften, sowie für alle Etablisseliients, die auf Reisende »verkehr angewiesen sind, in wirtschaftlicher Hinsicht meist ungünstig. Besonders im August ist so manche schön geplante Wanderung frühzeitig abgebrochen ober gar nicht ausgeführt worben. Nun bieten bie schönen Oftobertage noch Gelegenheit, das Versäumte nachziiholen. Tagtäglich wird Misere Stadt zum Ausgangspunkte für wanderlustige Damen und Herren, bie, vielfach noch in Heller Sommerfoilette, in bie Berge ziehen. Welche Gegenb sollte auch für eine Spätherbsttonr geeigneter fein als ber Vogelsberg! Während andere Gebirgslandschaften mit ihren düstern Fichten- und Kiefernhainen jetzt schon eintönig, melancholisch dreinschauen, verleihen unsere Laubwälder mit ihrer herbstlichen Farbenpracht der Gegend neue Reize. Ja, der Herbst ist hier die schönste Jahreszeit Diesem Urteil wird jeder beipflichten, der Gelegenheit hatte, in Ruhe das wundersame Farbenspiel zu genießen, das sich vom flammenden Rot ber Berggipfel bis zum zarten Grün der Matten, auf benen die Herden weiden, bem trunkenen Auge darbietet. Wie herrlich wandert sichS am Ufer der Lauter entlang nach bem reizcnb gelegenen Schlosse Eisen- bad), durch das idyllische Schadges nach Stockhausen mit seinem wohlgepflegten, ber Familie von Riebesel gehörigen „Herrengarten-, unb über baS weltferne Rudlos zurück nad) Lauterbach. Wer jemals an schönen Herbsttagen diesen Weg gewandert (in 5 Stunden mit ein paar Nickeln in ber Tasche :sts geschehen), der wird begeistert bem Vogelsberg neue Freunde werben.
W. Nidda, 6. Oft. Heute fand hier die Synode des Dekanats Nidda statt. In dem den Verhandlungen vorangehenden Gottesdienst predigte Pfarrer Wiegel-Bingen- heim über Matth. 5, 13—16. Er sprach über den Beruf, den ber Herr uns zumeist, und zeigte 1) worin er besteht und 2) wie er geleistet wirb. Die dem Gottesdienste folgenden Verhandlungen eröffnete Dekan Fisd)er-Eichelsdorf mit einer Begrüßung. Er wies auf den Ernst ber Zeit hin unb verband damit die Aufforderung, wachsam und regsam zu sein. Der Bericht über den kirchlichen unb religiös-sittlichen Zu- ftanb bes Dekanats zeigte keine großen Aenderungen. Es folgten nun Berichte: lieber die äußere Mission Pfarrer Wiegel-Bingenheim, über innere Mission Pfarrer Brill- Ober-Wibbersheim. Zwanzig Kinber sind im Dekanate durch den Erziehungsverein untergebracht. Der Erfolg ist beiden Kindern gut, bei Konfirmierten weniger gut. Daher solle man darauf sehen, daß verwahrloste Kinder frühzeitig in Fürsorge gegeben würben, lieber den Gustav-Adolf-Verein berichtete Dekan Fischer unb über ben Evang. Bunb Pfarrer Hermann-Nibba. Der Evang. Bunb zeige einen Fortschritt nach innen unb außen. Es folgte nun ein Referat über Gemein beabenbe von Pfarrer W e i ß-Wallernhausen. Als Ziel zeigte Referent religiös-sittliche und belehrende Einflüsse. In der Diskussion ergab sich im allgemeinen Zustimmung zu den Thesen des Referenten. Es folgten nun noch bie Wahlen des Dekans, Dekanatsstellvertreters und in den Dekanatsausschuß, bie bie Wiederwahl ber seitherigen Mitglieber ergaben. Mit Gebet würbe sodann bie Synobe burch ben Dekan geschlossen.
O Laubach, 7. Oft. Am letzten Sonntag fanb bas Abschießen (letztes Sommerschießen) unter starker Beteiligung statt. Tie Ehrenschcibe, sowie bas hiermit oerbunbene Geschenk, ein silbernes Tintengeschirr, errang Dr. Otto Dietz. Am Abend folgte im Hotel „zum Schützenhof" ein Tanzvergnügen unb bie Verteilung der Preise, zu denen ein jeder Schützenbruder ein Geschenk stiftet. — Mit dem Bau des Alumnats wird augenblicklich begonnen. Die Fundament- unb Maurerarbeiten finb an bi M urermeifter Seitz hier unb Schmibt in Queckborn übertragen.
Worms, 6. Oft. Die Stabtverorbneten beschlossen bie Errichtung einer Schulzahnklinik, ferner bie Erhebung einer Besitzwechselabgabe unb Wertzuwachs st euer.
4- Krofborf, 6.Oft. In tiefe Betrübnis wurden gestern abend zwei hiesige Slrbeiterfamilien versetzt, deren Familienhäupter in dem Valentinschen Steinbruch bei Gießen arbeiteten. Die beiden Männer sind zwischen 4 unb 5 Uhr von einer 7 Meter hohen Stelle burch abrntschenbes Gestein abgestürzt unb blutüberströmt und bewußtlos liegen geblieben. Die Unglücklichen, bie allein in bem Steinbruch beschäftigt waren, würben burch einen anberen, zufällig bort- hin fommenben Arbeiter hülfloS aufgefunben. An bem Auskommen bes einen, bet in bie Klinik getragen werben mußte, wirb gezweifelt. Den anbem, bet zwar ebenfalls $per
verletzt ist, hofft man bald wieder Herstellen zu können. Tie Arbeiter heißen Karl Wagner und Heinrich Koch. — Auch m dem benachbarten Gleiberg verunglückte am Samstag der älteste Sohn des Burgwirts in seiner Arbeitsstelle in Gießen dadurch, daß ihm bei der Handhabung ber Stanz, maschine bic 2 letzten Finger der rechten Hanb gequetscht
würben.
[] Marburg, 5. Oft. Die sog. .Verschandel u n g Marburgs', bie in ber schon so oft erwähnten Broschüre eines früheren Marburger Studenten, des Referendars Emanuel Benda aus Lübeck, burd) dessen „Offenen Brief an Herrn Tobias Knopp" zum Ausdruck gebracht worben war, beschäftigte heute wieder einmal die Strafkammer. In dem Briefe war die Tätigkeit des Verschönerungsvereins und auch das neu errichtete Kurhaus auf dem Frauenberg arg kritisiert worben. Ter Erbauer bes letzteren, Architekt Dauber, strengte mit Erfolg gegen Benda eine Beleidigungsklage an unb als der Herausgeber der Zeitschrift „Die Kunst unserer. Heimat", Dr. Graincr in Jugenheim, bic Auslassungen nachdruckte, richtete fid) eine neue Klage gegen diesen, wie auch nochmals gegen Benda. Letzterer erzielte Freisprechung, ivährenb Dr. Grainer zu 20 Alk. Geldstrafe verurteilt wurde. Heute erfolgte auf ben Einspruch Danbers hin bie Verurteilung des Benda wegen Bcihülje zu 15 Mk. Geldstrafe.
w. Frankfurt a. M., 6. Olt. 'Da das im Osthufcn- gebiet borge,ehrne Industrieycläube sich schon während d.s Baues als unzureichend crwtc|cn yai, genehmigte die heutige S t a d 1 v e r 0 r d n e t e n v e r 1 a m m l u n g die Hinzuziehung von 950000 D-naoratmeiern der Gemarkung Seckbach zum Osthc.sen. Dadurch erhöht sich bie Bausumme des Osthasens von 57 auf 70 Millionen Mark, doch haben ich für einen Teil des Geländes schon Käufer ge.unocu, während für einen anderen Teil Kauflustige vorgemerkt sind.
h. Frankfurt a. M., 6. Oft. Der um 8 Uhr 5 Min. morgens im Ostbahnhof fällige Personenzug v 0 n G r i e s- h e 1 m stieß beim Einlaufen mit einer Rangier-Abteilung zusa tu m e n. Außer bem Zugführer Göhring, ber Kon- tufionen erlitt, würbe niemanb verletzt, ber Schaben ist nicht bedeutend. — In bem (Schäube ber Stadtkämmerei am Rote n Ham m, bas an einen Lanbwirt vermietet ist, entstand gestern abend nach 6 Uhr Feuer. Das Gebäude brannte bis auf die Umfassungsmauern nieder. Das Vieh tn den Stallungen konnte gerettet werden. 1000 Zentner Heu unb Stroh würben ein Raub ber Flammen. Die Ent- stehungsursache bes Brandes ist unbekannt.
** Kleine Mitteilungen u s Hessen unb den Nachbarstaaten. Im Dl a i nz er Kr e ma t0 ri um fanden im 3. Quartal 1908 76 Einäscherungen statt, gegen 46 im gleichen Zeitraum des Vorjahres. 36 waren aus Wiesbaden, 8 aus Mainz. Unter den eingeäschericn Personen waren 56 männlichen und 20 weiblichen Geschlechts. DerReligon nach waren 57 evangelisch, 9 katholisch, 4 freichristlich, 4 israelitisch nub 2 Dissident.
GeriehtsßaaL.
RB. Darmstadt, 6. Okt. Vor dem Schwurgericht kam heute jenes Rot zücht s v e rbre chen zur Wurteilung, dessen sich in der Nacht zum 16. August Hierselbst in der „Sanne" sechs, meist verheiratete Rohlinge schuldig gemacht hatten. Angeklagt waren der 23jährige Roßwärter Wehrum aus Mbach, der 29jährige Spengler Ludwig Bansa aus Neubrandenburg, der 26 jährige Fuhrmann Friedrich ^Schmidt, der 31jährige Heizer Peter Trietsch von Ebcrstadt, der 29jährige Taglöhner Georg Bräunig von Sticrbach und der 27jährige Weißbinder Vbert Allmeritter von Frankfurt. Tie sechs Angeklagte^ hatten sich in der Nähe des Exerzierplatzes umhergetrieben und um Mitternacht daselbst auf einer Bank ein Liebesparchen ange- ttoffcn. Die beiden erstgenannten MgeNagten traten zu dem Paar heran und sichren den Liebhaber, einen Sergeanten aus Rastatt in Uniform, in barscher Weise an, wobei sie sich als Kriminalbeamte aufspielten. Der Sergeant machte sich barauf ans dem Staube, auch die anderen fanten hinzu und es lvurde dem Mädchen, einer Tienstmagd aus Frankfurt, die den letzten Zug nach Frankfurt verpaßt hatte, von allen Gewalt angetan, trotzdem sie heftig schrie unb sich wehrte. Dabei war denr Mädck)en auch das Portemonnaie mit ca. 5 Mark und eine silberne Taschenuhr abhanden gekommen, die sich später im Besitz von Wchrunt und Schmidt vorfanden, resp. von ihnen in Mainz verkauft: worden war. Die beiden waren deshalb auch der Unterschlagung angcklagt. Für die Verhandlung war die Oefsentlichkett ausgeschlossen worben; nur einige Vertreter der Presse wurden zu- gclassen. Die Zeugenvernehmung bestätigte die Tat. Die Ge- schn^reuen bejahten die Frage nach gemeinschaftlicher "Notzucht und Unterschlagung und billigten mir Allmeritter mildernde Um*- stände zu. Das Urteil lautete für Mehrum auf 5 Jahre 7 Mionate Zuchthaus, für Bansa auf 5 Jahre 6 Monate, für Schmidt auf 4 Jahre 67» ÄLvuate, für Bräunig und Trietsch auf je 4Vr Jahre Zuchthaus und für Allmeritter auf 2 Jahre Gefängnis, für bic erftji 5 Verurteilten auch auf je 5 Jahre Ehrverlust.
F v a n t f u r t a. M., 6. Okt. Vor ber Strafkammer hatte sich heute der 25 Jahre alle Bankbeamte Gottlob Seliger von hier wegen Erpressung zu verantworten. Er hatte au drei alleinstehende Damen eingeschriebene Bvieie gerick)tet, in denen sie um Ueberfenbung von Geld, insgesamt 2400 Mark ersucht würben, andernfalls er mit Veröffentlichungen aus ihrem Leben drohte. Die Strafkammer hatte Zweifel an dem Geistes- zustand des Fellger unb kam zur Freisprechu u g.
Leipzig, 5‘. Okt. Das Reichsgericht hob heute auf Revision des wegen Sittlichkeitsverb^chens in zwei Fällen und wegen Verleitung zum Meineid zu vier Jahren Zuchthaus verurteilten Rcntuevr Dr. Vikwr Riedel dieses Urteil auf, soweit eS wegen Sittlichkeitsverb reche ns ergangen ist; zugleich wurde die Gesamtstrafe und die Ncbcnstrafen aufgehoben. Im übrigen wurde oie Revision verworfen.
Lüneburg, 6. Okr. Die Strafkammer verurteilte den praktischen Arzt Dr. G a r m s e n aus Ncul-aus a. d. Elbe wegen zahlreicher Sittlichkeitsv erbrechen an Schulknaben tzu drei Jahren Zuchthaus.
München, 6. Okt. Jrn Beleidigungs-Prozeß des Reichs- und Landtags - Abgeordneten Dr. Schädler gegen den Münchener Rechtsarnvvlt Kohl kam heule ein Vergleich zu Stande. Dr. Schädler erklärte, daß ec die Ueberzeugung gewonnen habe, daß die Vorwürfe gegen Kohl wegen Beleidigung des Altar- Sakramentes nicht berechtigt seien. Rechksanwall Kohl nimmt den Vorwurf der Lüge gegen Dr. Schädler zurück, beide Parteien ersuchen das Gericht, diesen Veraleich zur Kenntnis des Reichstags- Präsidiums zu bringen. Jede Partei trägt ihre Kosten._________
Universitäts-Nachrichten.
ho. Marburg, 6. Okt. Der Archivar Dr. phil. Otto Gr 0 tefend ist von hier an das Staatsarchiv in Stettin versetzt worben. Er tritt dort an Stelle des Archivars Dr. Hememann.
— Der Prozessor der Ohrenheilkunde an der Universität München, Holrat Dr. Bezold, einer ber angesehensten Taub- stummen-Aerzle, ist im Aller von 46 Jahren g e ft 0 r b e n.
Mußt. =
— Margarethe, die melodienreichste Oper, bildet den Inhalt des soeben im Verlage Ullstein und (So., Berlin, erschienenen neuesten Heftes der Nolenbibliolhek „Plnsik für Alle". Der große Dteister Charles Gonnod hat sich in diesem Werk mit einer solchen Fülle ber wunderbarsten Eingebungen verewigt, daß eS nur mit Freude zu begrüßen ist, daß bie „Musik für Alle" sich jetzt des WsrM angenommen hgt.


