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. Oktober 1908.
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Nr. 23« Erstes Blatt
158. Jahrgang
Mittwoch 7. Oktober 1908
Der Gießener Anzeiger m jfe. -wdf* A Bezugspreis:
erichetni täglich, außer RSi ” monathd)75^i.,mcrte(-
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tüt die Tagesnummer Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'fchen Univ.-Vuch und Zteindruckeret R. Lange. Redattion, Expedition und Druckerei: Zchulstrahe 7. Anzeigen'leck^ 'H'Eck.
bis vormittags 10 Uhr. ,
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Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.
Die neuen Umwälzungen aus dem Bolton.
Die Annexion Bosniens und der Herzegowina durch Oesterreich-Ungarn ist nunmehr eilte vollendete Tatsache geworden. Kaiser Franz Josef hat gestern eine Proklamation an das bosnisch-herzegowinische Volk gerichtet, worin die Angliederung dieser Länder an Oesterreich-Ungarn mitgeteilt wird. Auch der Pforte ist gestern die offizielle Mitteilung gemacht worden, daß Oesterreich-Ungarn seine Eouveränttätsrechte auf Bosnien und Herzegowina aus- Lehne. Der Gesetzentwurf über Bosnien und die Herze- goloina wird die Bestimmung enthalten, daß die Souveräni- lätsrechte des Kaisers und die pragnatische Sanktion auf Bosnien und die Herzegowina erstreckt werden, sowie die weitere Bestimmung, daß im übrigen das Verwaltungs- gesetz von 1880 weiter zu gelten hat. Bosnien uni) die Herzegowina erhalten die Bezeichnung „Gemeinsames Verwaltungsgebiet". Die ungarische Presse ist einmütig der Ansicht, daß Bosnien auf Grund der historischen Entwicklung und auf Grund unanfechtbarer Rechte an die Länder der ungarischen Krone angeglicdert werden müsse. Die Schlvierigkeit der Klarstellung der staatsrechtlichen Form der Angliederung hat zur Folge, daß zunächst in den Delegationen ein Provisorium geschaffen, die definitive Regelung aber beiden Legislativen Vorbehalten wird. Die ungarische Presse nimmt jedoch gegen die direkte Einverleibung Bosniens Stellung, weil sie eine Stärkung des slawischen Elements für bedenklich erachtet. Die Form der Angliederung werde wahrscheinlich ein getrenntes Verwaltungsgebiet mit einer hochgestellten repräsentativen Persönlichkeit, einer Art Vizefö'uig, an der Spitze sein. Dieses besondere Ver- waltungsgcbiet soll sofort die Autonomie auf breitester Basis erteilt erhalten. Angeblich soll das Wiener Kabinett Ler Zustimmung aller Großmächte mit Ausnahme Englands sicher sein.
In Belgrad hat die Annexion Bosniens und der Herzegowina gro^e Erregung h^rvorgerufen. In allen Städten wurden VollSversaunnlungdil abgehaltcn, wobei Schmüh- rufe gegen Oesterreich und Bulgarien laut wurden. Man ließ die Revolution in Bosnien hochleben und verlangte den Abmarsch der Truppen an die bosnische Grenze. Tie Stellung des Kabinetts ist erschüttert und es dürste noch vor dem Zusammentritt der Skuptschina zurücktreten. Nach «n Wien eingetroffenen Privatnachrichten fanden in Serajevo große Demonstrationen der herzegowinischen Bevölkerung statt. In Wien sucht man die Sache zu leugnen und zu vertuschen. Auch Rußland, England und Frankreich scheinen »cm der Annexion Bosniens und der Herzegowina sehr Irrenig entzückt zu sein. Namentlich russische Blätter bringen lehr gehässige Artikel gegen Oesterreich-Ungarn und natürlich and) gegen Deutschland, das doch an den jetziger: Vorgängen auf dem Balkan auch nicht den geringsten Anteil )iat. Deutschland hat bis zur Stunde nock) nicht einmal Stellung zu diesen Vorgängen genommen.
Der Temps kennt bereits die dem Vorschläge Frankreichs zugedachte Antwort Rußlands. Sie soll, jo heißt es, im wesentlichen lauten: Bon Oesterreichs Absichten bezüglich Bosniens und der Herzegowina wurden wir wohl so un- -gesähr unterrichtet, aber wir ahnten nicht, daß der Zeit- rpunkt dec Verwirklichung so nahe sei. Tie Konferenz oder der Kongreß erscheint uns absolut notwendig. Englands Antwort werde ähnlich gefaßt sein. _ Bon Italien sei feine Störung zu erwarten, lieber Deutschlands Stellungnahme fehlt jeder Anhaltspunkt.
WSW _
lUcinci Feuitteton.
— D i c Polizei als Gesch in acks Hüterin. Der preußische Kultusminister hat die Polizei in einem besonderen Erlaß zur Erhaltung eines schönen Ortsbildes zu Hilfe gerufen, rmd zwar aus folgender Ursache: In Staaten und ländlichen Ortschaften werden neuerdings zur Eindeckung der Dächer von Wohn- und Wirtschaftsgebäuden vielfach Zementplatten verwendet. Aus diefen werden durch verschiedene Farben allerlei Figuren, Jahreszahlen und Buchstaben im großen Maßstab gebildet. Der- 1 artige Tücher gewähren nach der Ansicht des Ministers durch ihre bunten und unruhigen Flächen einen geradezu häßlichen Anblick. Besonders auf dem Vlatten Lande scheinen diese Dach- nndeckungen immer gebräuchlicher zu werden. Die oberen Vcr- valtungsbchörden werden nun ersucht, den Ortspolizeibehörden entsprechende Anordnungen zugehen zu lassen. Tas Gesetz gegen die Verunstaltung von Ortschaften vom vorigen Jahre bietet tinc Handhabe, um derartigen Bauausführungen entgegenzutreten, ivcnn sie die Straßen der Ortschaft oder das Ortsbild gröblich verunstalten. Tie Polizei soll die Frage der Tacheinveckung schon bei der Erteilung der Bauerlaubnis prüfen. Es soll so vermieden werden, daß ein Verbot zur Benutzung von_ Zementvlatten erst nach der Beschaffung des Materials erlassen wird. Dian kann diesem Erlaß nur mit Vergnügen zustimmen.
— Von M i ch c l a n g c l o s Arbeitsweise. Man hat sich die Arbeitsweise Michelangelos bisher als eine dämonische Wut des Schaffens vorgestellt, als eine aus dem Unbewußten geborene leidensckiaftlichc Vision. Tas beste Bild solchen Produzierens bot sich in den Beschreibungen seiner Arbeit mit Meißel und Hammer, die von der außer'ordcntliclxm Schnelligkeit und der wilden Gewalt,beim Heraushauen der Figur aus dem Stein erzählte. Aber wie bei jedem großen Genie so ist auch bei Michelangelo der innere Schöpserdraug von einer höchsten geistigen Üeberlegung geleitet, und die eingehende Betrachtung erkennt in der Konzeption und Produktion seiner Werke eine kluge Berechnung und Ordnung. Dies erläutert 'Adolf Gottschewski in einem ciugehenden Aufsatz, den das nächst: .Heft der von Dr. Georg ' Äiermann heraus gegebenen inhaltsreichen Monatshefte für Kunst- Wissenschaft veröffentlichen wird. Die Riefenunternehmungen des Meisters erforderten umfassende Kalkulationen über W.gebauten, Transporte und über die Verwendung eines ganzen Arbeiter- hecreS. Aber auch bei der einzelnen Statue schuf der Meister Richt etwa, wie man bisher aunahm, nach einem kleinen flüch- • jigen Modell und überließ durchLus nicht alles der genialen Ein-
Eine halbamtliche englische Note an die Blatter besagt, die englische Regierung könne das Recht einer anderen Macht, einen internationalen Vertrag ohne Zustimmung der Signatarmächte zu brechen, nicht anerkennen. Tie Regierung werde ihre Zustimmung für jede Ucberschreituttg des Berliner Vertrages ablehnen und die veränderte Tatsache erst anerkennen, wenn die übrigen Mächte und besonderes die Türkei, die in diesem Falle am meisten interessiert ist, ihre Zustiminung gegeben haben. Man denkt also ernstlich daran, die Orientfrage einer neuen Konferenz vorzulegen. In Wiener diplomatischen Kreisen soll man diesen Plan jedoch für wenig praktisch halten. Zu einem solchen Kongreß fehle ein eigentliches Substrat. Die bulgarische Unabhängig- keitserkläruug und die Ankündigung dec Souberiinität über die okkupierten Provinzen seien Vorgänge, gegen die ein Kongreß durch Beschlüsse kaum etwas ausrichten könne. Ueberdies wäre zu fürchten, daß wenigstens eine Signatarmacht, nämlich Oesterreich-Ungarn, wenn sie durch die Richtung des Kongresses sich getroffen fühlte, sich zurückzichen könnte, so daß ein Beschluß gar nicht zustande kommen könnte. Es würde daher dec Kongreß höchstens Anlaß geben, Schwierigkeiten zu schaffen und Gegenjätze zwischen den Mächten herauszubilden.
Inwiefern diese Ansichten richtig sind, mag hier unerörtert bleiben, auf alle Falle ist uirgends große Neigung zu einem Kriege zu verspüren; am wenigsten in Konstantinopel. Dem türkischen Blatte „Tanin" zusolge hat die Pforte von den übrigen Balkanstaaten deren Ansichten über die Unabhängigkeitserklärung Bulgariens erbeten. Dem Redakteur der Zeitung erwiderte der Großwesir aus die Frage, ob die Unabhäugigteitserklärung Bulgariens Krieg bedeute, die Pforte warte die Entscheidung ab, die von den Großmächten getroffen würde. Tie größte Kriegsgefahr, soweit die Türkei in Frage kommt, ist das gegenwärtige Kabinett. Verständige türkische Kreise sagen, daß die Verfassung nicht aufs Spiel gefetzt werden dürfe wegen der Ungeschicklichkeit der Regierung. Kiamil gilt als Kriegsfreund; je früher er gehe, um so eher werde sich eine ruhige Auffassung der Lage einstellen. Auf türkischer Seite sind übrigens bisher keine Mobilisierungsmaßregelu angeordnet worden.
In den Kreisen der bulgarischen Politiker verlautet, für den Kriegsfall hätte Fürst Ferdinand eine Anleihe in Oe st erreich gesichert. Dieselben Kreise sind überzeugt, daß die Unabhängigkeit noch vor dem Besuch. Ferdinands in Budapest planmäßig vorverlitet war. Inzwischen hat die bulgariiche Regierung die amtliche Anzeige der Proklamierung des Königreiches allen diplomati-chen Vertretern der fremden Staaten übermittelt.
Aus Sscadt und Land.
Gießen, 7. Oktober 1908.
** Für die Sitzung dec Stadtverordneten- Versamnilung am Donnerstag, 8. Off., nachm. 4 Uhr, ist folgende Tagesordnung aufgeslellt rvorden: 1. Mitteilungen. 2. Antrag Winn und Genossen wegen Aufstellung eines umfassenden Bebauungsplanes. 3. Straßen- bahn. 4. Schlachtha'usum bau und Kühlanlage. 5. Erweitern ng der städtischen Kaserne. 5. Verlauf des Spritzenhauses in der Löwengasse. 7. Anfauf von Grundstücken zur Verbreiterung dec Weidengasfe. 8. Uebcrgang der Grundstücke Asterwcg 9 und 13 auf die Stadt. 9. Heber- lassizng städtischer Räume an Vereine. 10. Bachschau der Wieseck, 11. Fuhrverfehr in der Dammstraße. 12. Stiftung Der Konrad Balthaser Lang Erben. 13. Bildung der Wahl- fonrmission für die Wahlmännerwahl zur Landtagswahl.
** Arbeiter mangel auf dem Lande. Auf Anregung des Oberpräsidenten der Provinz Hessen-Nassau ist im April v. I. unter Beteiligung insbes. auch der Großh. Hess. Regierung der Mitteldeutsche Arbeitsnachweis-Verband gegründet worden. Hauptziel des Verbandes ist die Schaffung eines Ausgleiches zwischen dem Arbeiterüberfluß in den Städten und dem Arbeitermangel in den kleineren Gemeinden und auf dem platten Lande; also die Versorgung der kleineren Stadt- und Landgemeinden mit Arbeitern aller Art, insbesondere auch mit laudw. Arbeitern (Tagelöhner, Knechte, Mägde). Die gesteckten Ziele sucht der Verband in der Weise zu erreichen, daß an möglichst vielen Orten kleine Arbeitsnachweise ins Leben gerufen werden, sei es in Anknüpfung an gut geleitete Her- bergen und Verpflegungsstationen, sei es einsach in der Art, daß sich der Bürgermeister bereit erklärt, auf Ersuchen eines Arbeitgebers oder eines Arbeitnehmers, der stellenlos ist, bei den übrigen Arbeitsnachweisen telephonische oder auch schriftliche Anfrage zu stellen. Es wird also der größte Wert nicht auf Bureauarbeit, Ausfüllen von Tabellen usw., sondern einfach auf recht häufigen Gebrauch des Telephons gelegt; und die ganze Vermittlungstätigkeit kann für gering bemittelte Arbeitgeber wie Arbeitnehmer kostenfrei geschehen. Neben diesen mehr für den lokalen Arbeiter bedarf und zur Versorgung der Wandernden dienenden Ortsarbeitsnachweise haben bann die bereits seit längerer Zeit organisierten paritätischen Arbeitsvermittelungsstellen der größeren Städte die Aufgabe, allo von den kleinen Arbeits- nachweisen ihres Bezirks dort eingehenden Meldungen in Listen zusammenzustellen und diese an die Städtische Arbeitsvermittelungsstelle zu Frankfurt a. M. einzuschicken, die auf Grund dieser Einzelmeldungen Sammel-Vakanzenlisten und Zusammenstellungen der freien Arbeitskräfte herausgibt, die einen gewissen Ueberblick über den Arbeitsmarkt in ganz Mitteldeutschland gewähren. Ortsarbeitsnachweise sind zurzeit an etwa 100 Orten eingerichtet, Bezirksarbeitsnachweise bestehen oder es steht ihre Gründung unmittelbar bevor in Frankfurt a. M., Mainz, Wiesbaden, Darmstadt, Worms, Bensheim, Kassel, Eschwege, Marburg, Hersseld, Friedberg, Gießen, Hanau, Nüoesheim, Oberlahnstein, Bingen, Herborn, Weilburg, Limburg, Wetzlar, Usingen, Kreuznach und Offenbach. Durch diese Organisation glaubt der Verband Arbeitgebern, die Arbeiter suchen, und den Arbeitnehmern entgegenzukommen. Ganz besonders wird er mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln dahin wirken, daß die Leutenot der Landwirtschaft auf dem flachen Lande beseitigt und daß vor dem leichtsinnigen Abwandern nach den Städten gewarnt wird, das nur zur Vermehrung des Arbeiterüberflusses in den Großstädten führt. Zu jeder Auskunft steht die Geschäftsstelle des Verbandes, Frankfurt a. M., Saalhos, zur Verfügung und werden auch die Kreis- und Landräte sowie die Bürgermeisterämter gern bereit sein.
»• 4 7 Einjährige sind am 1. Oktober bei unserem Regiment zur Ableistung ihrer Dienstpflicht eingetreten.
” Aus bem Surc.au des StabttHeaters. Da am 14. Oktober Nüa Säcchetto hier in ihren berühmten ^Tanzpoesicn" auftritt, durfte folgende Besprechung aus den „Münchener Neuesten Nachrichten" vom 21. August d. I. von Interesse sein. „Der Prachtsaal des Künstlerhauses war von vornehmem Publikum —an der Spitze die Kronprinzessin von Rumänien — gefüllt. Was die Künstlerin gestern wieder bot, das waren reine ästhetische Genüsse. Menuette voll vornehmer Anmut, ungarische Tänze mit gut stilisierter Zigeuner- lcideuschaft, spanische Tänze in einem wirklich großartigen altkastllianischen Kostüm nnb mit meisterlichem Kastagnettenspiel, endlich die berühmten Frühlingsstimmen von Johann Strauß, wo un§ die Erinnerung an Schwind oder Thumann unwitlfürlich kommt, wo uns immer aufs neue das Malerisch« der Tanzkunst unserer Sacchetto fesselt und entzückt: ,Du bist der Lenz". — „Man hat den Eindruck von etwas bezaubernd Malerischem, Bildhaftem bei ihrem Tanze und anzuschauen ist sie immer zum Entzücken. Rita Sacchetto gewährt dem Auge die wundervollstett Reize und wer zu ihr geht, genießt dankbar, was sie und wie sie es gibt."
•* Für auswärtige Theaterbesucher hat, zu- nächst versuchsweise, die Omnibus-Gesellschaft die angenehme Einrichtung getroffen, daß an den Mittwoch-Abenden nach Schluß der Vorstellung ein Omnibus vom Theater zum Bahnhof fährt.
•• Die sächsische Schweiz ober bas Elbscmbstein- gebirge, bas bie Elbe an der Grenze von Böhmen und Sachsen in einem wildromantischen Tale durchbricht, tritt und diese Woche in entzückenden Ansichten im Kaiserpanoramo vor Augen. In Dresden beginnend, sehen wir bie weltbekannten schönen Punkte, wie bie Bastei, den Aamselgriinb, den Königstein mit Stabt unb Festung, ben Lilienstein, Schanbau, ben Kuhstall, ben großen Winterberg, baS Prebisch- tor, bie jüilbe Klamme, bie Ebmundsklamme und vieles andere. Wer jemals die sächsische Schweiz gesehen hat, der wirb erstaunt sein über bie naturgetreuen Aufnahmen unb mit großer Fceube noch einmal im Geiste die schöne Gegenb durchwanbern; wer sie aber noch nicht kennt, wirb sich ebenfalls an bem Besuch bie)er Serie sehr erfreuen.
** Kolosseum. Ab heute findet vollständiger Pro- grammwechsel statt; Harry Bienenstein mit seinem brillanten Ensemble bringt für die nächsten. Tage zwei neue Burlesken
gebung, sondern er hat große Modelle gefertigt, nach denen dann der Marmor von den Steinmetzen in großen Zügen bereits zugehauen Würbe. Gottschewski hat ein solches Modell für einen der an den Medicäer-Gräbern geplanten Flußgötter entdeckt, und er weist nun des Näheren nach, daß Michelangelo solch große Modelle auch für «bie anderen Gestalten eigenhändig gefertigt hat. Wir besitzen nämlich Siotizen Michelangelos für ein Jahr seiner Tätigkeit an den Medici-Gräbern, die fast täglich seine Arbeiten und Ausgaben verzeichnen; aus ihnen geht hervor, daß diese Figuren-Modelle aus Tonerde und Scheerwolle gemacht wurden. Cellini hat ersählt, daß Michelangelo, „als er erkannte, daß er mit den kleinen Modellen nicht von ferne seinen großen Ideen nahe kam, sich später stets mit größter Bescheidenheit barmt machte, große Modelle KU fertigen von genau denselben Maßen, wie das Werk aus dem Marrnor herauskommen sollte; unb solches haben wir mit unseren eigenen Augen in der Sakristei von S. Lorenzo gesehen." Der ^Neister ließ nun, wie aus den Rechnungsvermerien klar hervorgeht, von Tischlerit zunächst das Gerippe lder Figur aus Hotz ausbauen und legte selbst mit Hand an, um den Gliedern jebon im Holz die von ihm beabsichtigte Bewegung zu geben. Diese große.t Gestelle, zu denen beträchtliche .Holzmengen verwendet waren, wurden dann mit Werg bekleidet" und dieses mit Biitdfaden ober auch mit Draht umschnürt. Aus dem so gewonnenen Kern wird dann die eigentlick-e Modcllier- masse aufgetragen, die aus Ton besteht und mit Kleister, Leim und Scheerwvlle vcrinischt ist. Sechs Wagenladungen solcher Tonerde wurden verwendet, dazu lwch drei Doppelzentner weißer Erde, die als oberste Schicht diente, um dem Ganzen eine Aehnlichkcit mit idem Marntor zu geben. Diese von Michelangelo selbst sorg- fdiit ausgeführten Modelle dienten bann als Vorlage für die Steinmetzen, die die Behauung des Marmors unternahmen. Der WZ elfter behielt sich nur t>ie letzte Vollendung vor.
— „Freiheit, die ich meine", scheint es bei den Londoner Uhrnrachcrn zu heißen. Das „British Horological J,r- stitute" fürchtet nämlich die zwangsweise Einsiihruny einer Normalzeit für alle Londoner Uhren. Der Sekretär dieser Vereinigung ljat an die städtischen Behörden ein Schreiben gerichtet, in dem er behauptet, die Einführung der Normalzeit stände im Gegensatz zu allen englischen Freiheitsideen und würde obendrein die Uhrmacherei empfindlich schädigen!
— M lc i ii e Ehto u i i anS ST u n ft und Wissenschaft. In Bernried ain Starnberger See wurde bas Denkmal des verstorbenen Rtilitärschriststellers Hauptmami Siatl Tanera in Gegenwart einer Abordnung des 1. bayerischen Iägetöataillons sowie zahlreicher alter Kameraden unb Feldzugjoldalen enthüllt.


