sie ins Zeug. Der Minister verwies nur auf die noch schwebenden Erwägungen. Dann stellte sich auch der Nachfolger des jetzigen Kultusministers Holle im Unterstaatsstkrclariat der Bauverwaltung Herr von Eöls dem Hause vor, indem er mitteilte, daß die Vorarbeiten zur Netzeregulierung beendet seien. Herr Jürgensen empfahl die Halligen dem Schutze des Ministers, während Dr. S ch r b d e r - Kassel lebhafte Klage darüber führte, daß die Submissionsbestimmungen von der Bauverwaltung zum Schaden der Kasseler Handwerker angcweudet würden. Schließlich wurde der Gehalt des Ministers bewilligt. Am Samstag wird man sich dann weiter mit dein Bauetat bc- ischästigen.
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Ans StaM uttö €anö»
Gießen, 7. Febr. 1908.
Die Finanzlage Hessens.
Das Großherzogtum Hessen (Größe 7681 qkm, Einwohnerzahl 1.2i Mill.) hatte am 1. April 1907 eine Staatsschuld von Ms. 398.„ Mill. (i. V. Mk. 381.95 Mill.). Davon sind Mk. 243.1S Mill, (wie i. V.) mit 3 Proz., Mk. 115.ii Mill. (Mk. 114.§z Mill.) mit 3^/z Proz. und Mk. 4O.i3 Mill. (Mk. 23.9i Mill.) mit 4 Proz. verzinslich. Von der am 1. April 1907 vorhanden gewesenen Staatsschuld entfallen auf die 3^/zproz. Landeskreditkassenschuld Mk. 12.70 Mill, (wie i. V.) und auf die Staatsrentenschuld Mk. 1.62 Mill. (Mk. 2.11 Mill.) mit 4proz. Verzinsung, während sich die eigentliche Staatsschuld aus Mk. 317.S4 Mill. (Mk. 309.77 Mill.) Eisenbahnschuld und Mk. 66.5S Mill. (Mk. 56^r Mill.) sonstigen Anleihen zusamniensetzt. Von der Staatsschuld waren 14.47 Mill. (Mk. 15.24 9)1 i(L) durch sichergestellte Forderungen und Mk. 16.i7 Mill. (Mark 13.^2 Mill.) durch noch nicht verwendete Anleihe-Erlöse gedeckt, sodaß als eigentliche Staatsschuld Mk. 367.79 Mill. (Mk. 353.li Mill.) blieben. Für die Verzinsung sind insgesamt Mk. 12.33 Mill. (i. V. 12.2, Mill.) aufzuwenden, davon für die eigentliche Staatsschuld All. 11.g4 Mill. (Mark 10.94 Mill.), außerdem Mk. 879 220 (Mk. 881 000) für Tilgung. Hierfür bietet der werbende Besitz des Staates reichliche Deckung. Das staatliche Aktiv-Vermögen besteht hauptsächlich aus dem Anteil an den preußisch-hessischen 'Staatseisenbahnen, ferner aus den Kaineral- und Forstdomänen (einschl. Familieneigcntum des Großh. Hauses), "Saline und Badeanstalt Bad Nauheim, Bad Salzbausen, Braunkohlenbergwerk Llidwigshoffnung, Aktienanteil an der iHessischen Landeshypothekcnbank und den Aktien des Do- mänen-Akquisitionsfonds und der Hauptstaatskasse. Das Gesamt-Anlagekapital der Staatseiscnbahnen beläuft sich am 1. April 1907 auf Alk. 315.„ Mill. (Mk. 311.55 Mill.). Die Reineinnahmen der Eisenbahnen betrugen 1906/07 Mk. 14.(5, Mill. (Mk. 13.,, Alill.), wonach sich das Anlagekapital mit 4M7 Proz. (4.435 Proz.) und das Kapital der ^Eisenbahnschuld mit 4.45 Proz. (4.63G Proz.) verzinst. Der Reinertrag dec Eisenbahnen allein reicht mithin vollständig aus, um den Dienst der hessischen Staatsschuld zu decken. Dazu kommt aber noch der sich schätzungsweise auf Mk. 285.6i Mill. (Mk. 273.32 Mill.) beziffernde Vermögenswert der Forst- und Kameral-Domänen, sowie des Familieneigentums des Großh. Hauses, dessen Reinertrag ebenfalls in die Staatskasse fließt. Aus diesen Quellen ergab sich für 1906/07 ein Reinertrag von 3.Si Mill. (3<S4 Mill.), sodaß aus den: gesamten werbenden Staatsvermögen ein Reinertrag von Mk. 17.$- Mill. (Mk. 17.o; Mill, resultiert, d. i. Mk. 6.2f, Mill. (Mark 6.08 Mill.) mehr als für den Zinsaufwand der Staatsschuld erforderlich ist. Die Staatsrcchnung für 1906/07 ergab [für die Verwaltung Mk. 58.55 Mill. (Mk. 57.0T Mill.) Einnahmen und Mk. 58-22 Mill. (9Nk. 56.73 Milt.) Ausgaben;
für das Vermögen Mk. 36* *j5 Mill. (Mk. 29.59 Mill.) Einnahmen und Mk. 16.9S Mül. (Mk. 11.73 Mill.) Ausgaben.
,'Der Voranschlag für 1908/09 balanzicrt für die Verwaltung lin Einnahmen und Ausgaben mit Mk. 60.23 Mill. (Mark 59.56 Mitt.) und für das Vernwgen mit Alk. 21.-0 Mill. (Mk. 22-15 Alill.'). Die Begebung einer neuen Anleihe des hessischen Staats steht nach den Informationen der „Frkf. Ztg." vorerst nicht in A>rssicht. Zuletzt hat Hessen im ^Dezember 1906 Alk. 20 Mill. 4proz. Anleihe emittiert.
*
•* Tageskalender für Freitag, 7. Febr. Stadt - .Ihealer: „Zwei Wappen". Anfang 8 Uhr.
Eine städtische Galerie in Frankfurt.
Aus Frankfurt wird uns geschrieben:
Augenblicklich sind Kunst und Wissenschaften bei Tr. Adickes, der itüd) Oberbürgenneister von Franfiurt ist, im Schwünge. Die reiche Pfungststistung hatte unsere Kommune anfgerüttelt. Man sah sich auf einmal vor Millionen gesetzt, die man in ganz bestimmter Form zu verwenden hatte. So ging man dann gleich weiter: Der Ausbau einer städtischen Galerie wurde beschlossen.
500000 Mark verlangt, wie wir bereits kurz meldeten, Dr. Adickcs zum Anlauf von Kunstwerken, Bildern und Skulpturen. Finanziell begründete er seine Antrag", wie immer, in elegantester Weise. Er hat sich wieder einm-al stillschweigend einen Fonds gesammelt. Vermutlich ttud den Uebers chü s se n d e r W c r t z u - wachs steuer, i>ic auch deshalb nicht herabgesetzt werden kann. Dieses „Fondschen" ist im Wechsel der Jahre auf 252 000 Mark angewachscn. Nun kv'.mnt Adickes wie der gute Onkel und bringt eine wohlgefüllte Sparbüchse. Aber es laugt ja noch lange nicht. Wir legen uns nach berühmten Mustern auf Jahre hinaus fest. Wir schaffen ein Qnalernat für Künst. 103 000 Mark nehmen wir neu für den diesjährigen Etat und für die drei nächsten Jahre je 50 000 Mark, die wir auch gleich herausnehmen. Tie fehlende viertel Million ist somit da. Man wird fragen: Es stehen doch bereits 150 000 Mark in dem diesjährigen Etat für Kunst und Wissenschaften? Ja, diese ;inb aber bis auf ganz verschwindende Reste schon vergriffen. Die Wissenschaften haben sie aufgebrauchl. Tic Akademie an der Viktoria-Allee und das Völkermuscum, das von dieser Summe allein 90 000 Mark für Schauschränke verwendete. Die zehntausend Märkclchen für Ankauf von Kunstgcgenständen, die im Haushaltsplan lährlich sigu- xieren, machen die Suppe nicht fett.
Nun soll aber diese Sumine beileibe nicht auf einmal aufgebraucht roerben. Man will ein Kapital haben, mit dem man zugreifen kann, wenn sich auf dem Kunstmarkte etwas bietet. Frankfurt den Frankfurtern, und Frankfurter Kunst den Frankfurter Museen und Galerien. Nach diesen Prinzipien will Adickes die städtische Galerie schaffen.
Die geforderte halbe Million soll für Ankäufe guter und bester Bilder mtb für Beschaffung wertvoller Skulpturen verwendet werden. Wir haben in Frankfurt im Prioatbesitz reiche Sammlungen von Bildwerten berühmter Meister, die mit Frankfurt in innigstem Connex finnben und noch stehen. So haben wir hier immer noch die vollständige Thoma-Sammlung. Durch Verhandlungen des Generaldirektors Dr. Swarzenski ist es der Galeriedeputation möglich gewesen, eine große Anzahl von Bildern sich zu sichern, d. h. sich das Vorkaufsrecht zu erfechten. Es find dies Wcrke ' h0 m a s und Trüb ner. Von Verstorbenen hat mon sich Werke von Buruitz und Otto Victor Müller gesichert, neben verschiedenen Bildern von Anton Burger und
*• 2Iuf der Suche nach dem ReichSschatzsekretar. Die „Darmst. Ztg." dementiert die Nachricht der „Mainz. VolkSzig.*, daß mit Finanzminister Dr. Gnauth Verhand- hingen über die Nachfolge des Reichsschatzsekretärs Stengel schwebten. — Für jeden, der die Verhältnisse einigermaßen kennt, war die Nachricht des Mainzer Blattes von vornherein unglaubwürdig.
** Eine Gruppe der Zionisten hat sich vor einigen Tagen in Gießen gebildet, obgleich in einer einige Tage vorausgegangenen Versammlung sich die israelitischen Bürger unserer Stadt ablehnend gegen den zionistischen Gedanken und dessen Verwirklichung verhalten haben. Ganz besonders scharf hatte sich Rabbiner Dr. Sander dagegen erklärt, daß es im Interesse der deutschen, resp. hessischen Juden läge, in Palästina wieder einen nationalen Staat für die Juden zu schaffen. Er erklärte, man sei bereit, den bedrängten und verdrängten Glaubensbrüdern in Rußland re. in jeder Weise zu Helsen und die deutschen Juden betätigten dies auch, aber das Programm der Zionisten, so ideal deren Bestrebungen auch seien, könne man nicht billigen. Die in Gießen wohnenden Israeliten seien Hessen und Deutsche und dächten nicht daran, ihre Nationalität aufzugeben. Der zionistischen Gruppe sind in der Hauptsache junge Akademiker beigetreten.
** Ter alte Aktuar. In. einem oberhess. Landstädt- chen lebte bis vor kurzem ein Aktuar, ein alter, leutseliger, freundlicher Herr. Regelmäßig machte er feinen Spaziergang nach einem benachbarten Orte. Da er Gesellschaft und ein gutes Glas Bier ober auch Wein liebte, so kehrte er stets hier ein. Nicht selten kam es bann vor, wenn die Gesellschaft recht und der Trunk echt, baß der Heimweg recht spät angetreten warb. Das war denn auch einmal der Fall so, baß der Herr Aktuar er stgegen Mitternacht sein Heimatstädtchen erreichte, ba er unterwegs längere Zeit über bas Gleichgewicht nachgebacht hatte. Das Heimat- stäbtchen schien dem alten Herrn aber so verändert, daß er absolut seine Wohnung nicht finden konnte. Bei diesem vergeblichen Bemühen hörte er den Nachtwächter die Zwölfe blasen. Er ging auf ihn zu und fragte ihn: „Können Sie mir vielleicht zeigen, wo der Herr Aktuar Soundso (er nannte seinen Namen) wohnt?" — „Gewiß, recht gern!" erwiderte der Nachtwächter. Auf dem Wege nach der gesuchten Wohnung kamen aber dem Nachtwächter Person und Stimme seines Begleiters so bekannt vor, baß er ihm herzhaft in bas Gesicht sah unb sagte: „Ei, soagt a mol, seid Ihr bann nitt sealwer der Herr Aktuar Soundso?" — „Ja", entgegnete dieser, „baß ich der Herr Aktuar N. N. bin, bas weiß ich; ich weiß aber etz. nicht, wo ich wohne!"
Saasen, 5. Febr. Heute fand dahier zum zweiten Male Bürgermeisterwahl statt, da die erste Wahl für ungültig erklärt worden war. Bei der ersten Wahl erhielt Landwirt und Wirt Max Stark 54 und Maurermeister und Wirt Wilhelm Schepp 41 Stimmen, bei der heutigen Herr Stark 57 und Herr Schepp 46 Stimmen.
[] 9)1 ar bürg, 5. Febr. Hier ftarb im Alter von 74 Jahren ein ehemaliger kurhessischer Offizier, Oberstleutnant z. D. v. Lengerke. Der Verblichene, ein geborener Hanauer, entstammt einer bekannten althesfischen Adelsfamilie.
* A u f hoher See. Das Linienschiff „Hessen" ist auf der Fahrt von Kiel nach Wilhelmshaven bei nebligem Wetter unweit Cuxhafen bei Glemevers Stack mit dem Heck festgekommen. Sechs Seeschleppdampfer und Bergmigsfahrzeuge sind ausgelaufen, um bas Schiff wieder flott zu machen. — In Rouen herrscht Befürchtung wegen des Ausbleibens des Dampfers „Tiberghien", der seit längerer Zeit überfällig ist und von dem man vermutet, daß er an der tonkinesischen Küste gesunken ist. Die Besatzung betrug 32 Mann.
* Das Schicksal eines „preisgekrönten"Tier» arzneibuches. In jüngster Zeit wurde in der Mark Brandenburg und int angrenzenden Niederschlesien das „Allgemeine Vieharzneibuch von Rohlwcs" von dem angeblich Bevollmächtigten eines landwirtschaftlichen Verlages zu Oberschöneweide bei Berlin an kleinere und mittlere Grundbesitzer zum Preise von sechs Mark abgesetzt. Ein Exemplar dieses Werkes fiel dem Kreistierarzt Nowag zu Sprottau in die Hände, und dieser hielt es nach erfolgter Prüfung des Inhalts für seine Pflicht, in der Sprottauer Versammlung des land- und forstwirtschaftlichen Vereins für die Kreise Sprottau und Sagau das Werk einer vernichtenden Kritik zu unterziehen und aufs eindringlichste vor der Anwendung der in dem Buche cmp- Schulderer. Auch ist cs gelungen, Bilder des früheren Hanauer Akademie-Triektors Haußmann an Händen zu haben. Natürlich ist man bestrebt, diese Sammlung Frankfurter Künstler zu vervollständigen.
Noch weiter ist man aber in der Skulpturensamm- lung gegangen. Daß unsere Skulpturen sehr vernachlässigt sind, beweist unsere recht kärgliche Abteilung im Städcl'schen Museum. Tr. Swarzinsky hat sich nun in den Mittelmeerländem eine große Zahl wertvoller Skulpturen und Holzschnitzereien der italienischen und französischen Kunst des 13. bis 18. Jahrhunderts gesichert. Ja man hat schon für 30 000 Mark angekauft. Tas Geld entnahm man dem Merton'fchcn Vermächtnis. Weitere 70 000 Mark sind noch nötig, um das Gesicherte endgültig an- zukausen. Also sind 100000 Mark flüssig zu machen, da die 30 000 Mark dem Merton'schen Vermächtnis zurückerstattet werden müssen. Die Bewilligung muß schnell vor sich gehen. Händler, Liebhaber und namentlich anoeve Museumsöirektionen sind sehr dahinter. Hat doch Bode für die Berliner N a t i 0 n a l g a I c r ie vor kurzem ein Werk unseres viel verheißenden und viel gepriesenen jungen Boe h le (Porträt eines Zungen Mannes) für 16 0 0 0 M a r ka n g e k a u f t. Die jetzt zuiammengestellte Skulpturensammlung weist 51 Stücke auf. Sie ist vorderhand in der Pfungslschen Villa untergevracht, die Pfungst der Stadt vermacht hat. Vorderhand, soll hier nach geringfügigen Umbauten die Galerie ihre Aufstellung finden. Man beabsichtigt später die städtische Galerie an das Stadel-Museum anzugtiedem. Tie Aufstellung im Pfungstschen Hause soll nach moLerner Manier erfolgen. Bilder, Skulpturen und Kleinkunst, alles zusammenvereint und -gefaßt.
Und nun zum Schluß noch die Pfungstsche Stiftung. Auch hier schweben, schon Projekte, mit denen man demnächst herauskommen w iiD. Es handelt 1 ich um den Ankauf der B 0 h l e a u s st e l - lung lnsgesamt. Man stellt sich auf den Standpunkt: Wer Bühle sehen will, der muß nach Frankfurt kommen. Ebenso wie Basel seinen Böckliii, Bersin seinen Menzel hat. Turch ein Entgegenkommen des Künstlers, ist die Gesamtausstellung verhält- msmäßig billig zu haben (250000 Mk.). Bei aller Achtung vor der Boehnschen Künst erscheint es uns noch fraglich, ob diese Art der Verwendung des Pfungstschen Vermächtnisses im Sinne des Stifters ist; der Philanthrop Pfungst hat sicher nicht nur den einen künstlerischen Zweck dabei gehabt, als er Frankfurter Künstler bedacht wissen wollle, sondern auch den Grundsatz strebsamen Künstlern auf die Beine zu helfen. Boehlebraucht man nicht mehr zu helfen. Der hat sich selbst geholfen, und eine recht laute, ,',11111 Teil sogar abstoßend aufdringliche Reklame hat das Ihrige besorgt. Sicher wäre nichts dagegen einzuwenden, wenn mau Hauptstücke der Sammlung sich sicherte und ankaufte.
Hoffen war, daß die halbe Million auch, wirklich das An-
fohlenen Rezepte zu warnen. Was darin an Heilmitteln angepriesen werde, erinnere lebhaft an die Quacksalbereien des Mittelalters. So wurden gegen Viehräude, die nach der Entdeckung des Verfassers durch schlechtes Futter hervorgerufen! werde, Hühnermist, gegen Wunden durch Nageltritt Kuhmist mit ungelöschtem Kalk, bei Rotz der Pferde Fontanal, bei Milzbrand lviederholte Aderlässe, bei Schu-terlahmheit Schwalben- oder R e g e n w ü r m e r ö l , bei Behandlung von Wunden zu Pulver geriebene S ch u h s 0 h l e n empfohlen. Da dieses sogenannte Vieharzneibuch deshalb so viele gutgläubige Abnehmer gefunden hatte, weil es nach einer Bemerkung auf der Titelseite ein preisgekröntes Werk der „Märkisch-Oekonomischen Gesellschaft zu Potsdam" sein sollte, so erklärte sich in b>:r erwähnten Versammlung der Landrat von Klitzing-Sprottau bereit, auf amtlichem Wege zu recherchieren, welche Bewandtnis es mit der Preisschrift habe. Daraus ist ein Bescheid eingegangen, in dem es unter anderem heißt: „Ein Preis und eine Empfehlung ist dem Vieharzneibuche für seine erste Auflage allerdings zuerkanut worden, aber — schon int Jahre 1802. Das jetzt in den Handel gebrachte gleichnamige Buch, als 65. Auslage bezeichnet, ist total veraltet, die darin empfohlene Behandlung der Tierkrankheiten entspricht in vielen Fällen nicht mehr den Feststellungen der neuen wissenschaftlichen Forschung und den gemachten praktischen Erfahrungen, kann sogar oft höchst nachteilig wirken."
Kleine Tageschronik.
Bei Haspe in Westfalen ist ein 27jähriger Bäckergeselle beim Rodeln tödlich verunglückt.
In W e i ß e n s e e bei Berlin versuchte der Schlächter Adolf Müller seine Frau und Kinder und sich selbst durch Leuchtgas zu vergiften. Es gelang, die Kinder zu retten, während die Eltern in Lebensgefahr schweben. Ter Grund war Arbeitslosigkeit.
In London und Glasgow fordert eine starke Influenza-Epidemie viele Opfer.
Die Zahl der im S ch n e e st u r m bei Fort Hassa in A l g i e r umgekommenen Fremdenlegionäre beträgt definitiv 34.
Die ungarische Ortschaft P ö l c e s k e ist nachts total nieder- gebrannt. Fünf Personen sind in den Flammen umgekommen.
TeSefomscIhß SlMirsteerächte
des Giessener Anzeigers, mitgetcilt von der Bank für Hande] und Industrie. Giessen.
FrankInrter Börse, 7. Februar. 1.15 Uhr.
3^°/0 Beichsanleihe . . 93.30 3% do. . . 83.20 3V'O Konsols .... 93.40 3% do 83.20 3%°/o Hessen 92 40 3^°/0 Oberbessen . . . 92.00 4% Oesterr. Goldreute. 99 50 4l/8 % Oesterr. Silberreute 100.10 4 % Ungar Goldrente . . 95 25 4% Italien. Reute . . . 104.50 3% Portugiesen Serie I 62.00 3% Portugiesen „ III 62.70 4>5°/0 russ.Staatsanl. 1905 94 80 4%°l0 japan. Staatsanleihe 89.50 4 % Conv. Türken von 1903 96.20 Türkenlose 147 20 4% Griech. 3Iouopol-Anl. . 49.90 4% äussere Argentinier . 86.00 3°/0 Mexikaner .... 66.00 4ü% Chinesen .... 96.60
Aktien:
Bochum Guss 199.50
Buderus E. W 111.10
Tendenz: ruhig.
Berliner Börse, 7.
Canada E. B 147.40 Darmstädter Bank . . . 126.70 Deutsche Bank .... 236.00 Dortmunder-Union C. . . —.— Dresdner Bank . . . 138.90
Tendenz- unglei
Elektriz. Lahmeyer . . 121.25
Elektriz. Schlickert . . . 106 75 Eschweiler Bergwerk . . 206 90 Gelsenkirchen Bergwerk 186.00 Hamburg-Amerik. Paket!. 11->.3O Harpener Bergwerk. . . 201.00 Laurahütte 218.50 Nordd. Lloyd 107.10 Obeischles. Eisen-Industrie 97.50 Berliner Handelsges. . . 159.00 Darmstädter Bank . . . 125.90 Deutsche Bank .... 236 40 Deutsch-Asiat Bank . . 143.00 Diskonto-Kominandit. . . 175.60 Dresdner Bank .... 139 00 Kreditaktien 201.60 Baltimore- und Ohio-
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Februar. Anfangskurse.
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Daß kleine Unaüien otze äß.rfiiiißcn anslöscn, das hat die gestrige Reichstagssitzung wieder einmal be- wiesen. Der Abgeordnete Mehlmeier hatte für seine Irak- .WW? tion die große Etatsrede übernommen; er wacht am Morgen yjxSa stockheiser aus unb die Not war groß. Er schickt um die Ecke und läßt eine Schachtel Fays echte SodenerÄllneral-Paftillen holen, nimmt einen Teil sofort in heißer Milch, nimmt den Rest mit in die Sitzung — na, und wie er dann geredet hat, das wissen Sie ja alle. Die Rede war eine politische Tat un& ist erst durch Fays eckte Sodener möglich geworden. a&VW Man tauft solche überall für 85 Pfennig pro Schachtel, lasse sich aber feine Nachahmungen ausschwatzen. hv24/«
uu.wji.i'MHMMMaumm'w/LiLMMMMMaMmmgm-imTiiiiwv.’vwTjr ■■ui 1 mm«——m»
sehen Frankfurts in künstlerischer Beziehung hebt. Wir haben eine Erneuerung unseres künstlerischen Renommees nötig.
I. M. I.
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, — Ein geradezu klassisches Zensurstück- lein, das in seiner Tendenz an die beliebten Sercnissi- rnusscherze erinnert, wird aus Moskau berichtet. In der dortigen Wanderausstellung russischer Künstler sollte auch ein Bild des Malers Bogdonow Belski zu sehen sein, ein Genrebild „Die mutwilligen Knaben", ein entzückendes Bild, das nackteBauernknaben am Ufer eines Flüßchens zeigt, zwei Knaben, von denen der eine die Hand nach einem Krebs ausstreckt, während der andere pfiffig zu- schauend dabei steht. Vor diesem Gemälde erschien vor Eröffnung der Ausstellung der Herr Zensor. In Gegenwart des Malers betrachtete er" lange Zeit aufmerksam das Bild, dann sprach er zu dem Künstler: „Sagen Sie, was ist das für ein Bild?" „Mutwillige Knaben", lautete die Antwort. „Das sehe ich," meinte der Zensor und fügte mit Ueberlegenheit hinzu: „aber die Knaben find doch nackt. Also eine Verletzung der Sittlichkeit." Vergebens waren die Einwände des Malers, der den Zensor vergleichsweise auf andere Kunstwerke hinwies. Das Bild wurde „verboten", d. h. es wurde in der üblichen Form in einen schwarzen Kalikoumschlag gehüllt. Doch es sollte noch besser kommen.^ Schon hatte sich nämlich der Zensor ungeschickt, die Kunstausstellung zu verlassen, als er sich an der Tür noch einmal umwandte. „Ich bin kein grausamer Mensch," meinte er zu seiner Umgebung, „der Künstler ist mir zu sympathisch, so jung und schon Akademiker." Dann trat er noch einmal auf den Maler zu, nahm ihn beiseite und sprach die klassischen Worte: „Ich will Ihnen einen guten Rat geben, lieber Meister — machen Sie aus den Knaben Mädchen, dann werde ich meine Genehmi- «zur Ausstellung Ihres Bildes erteilen." Was der
:r dem Zensor darauf geantwortet hat, wissen wir nicht. Wundervoll ist jedenfalls der Gedanke eines Kunstzenfors, daß nackte Mädchen anständiger fein sollen als nackte Knaben, und wird nur noch von der Geistesschärfe übertroffen, die in der Ansicht liegt, daß man mit etlichen Pinfetstrichen aus iiackten männlichen Körpern nackte weibliche formen kann. Der Mann, der das gedacht und ausgesprochen hat, verdiente ausgehauen zu werden — dann aber nicht auf di Wander-, sondern auf die Wunderausstellung zu komme n:


