Ausgabe 
5.12.1908 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 287 Zweites Blatt

158. Jahrgang

Samstag 5. Dezember 1908

Erscheint-Nch mit Ausnahme de- EonmagA.

TteGtetzener $aralltcnbl8tter werden dem ,91n$etflcve oiermal wöchentlich beinelegt, das Krehblatl für den Kreis Eichen" zweimal wöchenNich. Die ,.£anöa)irlfd}aftltd)cn Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Eeneral-Anzerger für Gderhesftn

Rokanon-druck und Vertag der Ar übliche» UnurerluatS »Blich- und Stembrudectu 8L Lange. Eieben.

Redaktion, Ervedition und Druckerei: Srf'ut« [trüge ?. Erpedckion und Verlag: e-- LI. Redaktion: l 12. Let.-Adr»AnzeigerGletzen.

Lehrerbildung.

Kürzlich hielt in Der Tarmsicvcer Hochschule Studienrat Dr. Andrea vvn Kaiserslautern einen Borlrag über Lehrer­bildung, der sehr gut besudst war. Der Vortragende ist scl»n mehrere Fal-rzelinte an Lci-reruckhung._austucken tätig, gilt au) diesem Gebiete ai5 einer der tudftigiKn 5aü),nunncr und inspiziert in den lebten Jahren im Auftrage der Kunigl. Bat-er.scheu Re- gterung ore pfälzischen und srünkischen Praparandcn-ckilstaltcn und Seminare. Dr. Andrea fbcljt eine veicl-e Erfahrung zur Üktfüguiig; er spridst den Lchr.cn kecneÄvcgs zu Gefallen, und manajeo auS feinem Vorträge dürste in feilen weitere iTrcqe inlereslieren: ^n den Zeiten der LreaLion suchte man in Prcußcn durch die Besi.nrrnung.n der iogciuui.ucn incguiü.tot btc Aus­bildung der Lehrer und damit auch die Bildung des Vvlb.s gc- watlfam znrnckzuhaltcn. Dadurch luurde der Lchrerstand ver- anlubi. mehr als seitl)er für eine ridxige ixraiiuiDung seiner Glieder zu sorgctr. Einen Hauplmißsirno citaiuüni die Lehrer in dec mangel horsten Einrichtung in och geringen Leistungen der Seminarien toeule nach lassen diese Anstalten niandjcd zu wuu- sclxn übrig. ES ist ovllschnbig verkehrt, wenn di? zukünftigen Lehrer nicht bläh jnr die Sd>uic, joiioint auch für Bienen- und Obstbau, für den Äantvrcn- und Lrganistcndienst, für d.n Hanix acbetlsuniccricht, jur lh.u.og.|ckie Arueckcu u,iu. ausgebildet mer- den, und ivenn sie auf all diesen Gebieten Hccooriagmbcs lcisl.n satten. Das ist nia>t möglich. Die Lehrer sollen und nwlicn Lute Vielwisser werden. Sie sind mit ihrer Ausbildung keims Uxud zufiiUrcn, und eine Umgestaltung der Seminare ilmix ganz crm Platze. Die Acbeiislast ist eine allzuacoße, Rian nuißie auu, in tzcsicn die Seminarzeit von T m i n b c ft e ii 3 a u j -j 3 o bjr e verlange tu. Die Lchvcr sollen beim Eintritt in ihre Schule wie Beamte ansinten, sircd axr dafür iwch zu jung. Gei ade die Lehrer müssen bei ihrer Ausoildnng in die <öUo- uuuineu txS LebenS hineingi stellt werden. Man fall biß Sciui- uui ifcru auch aus bat bceatjchulcn, Gi^iniia,ien usw. uchuien. Du Vaui.tiJdx in ben Seminarien ist die Erlernung der Paiiagogil in Lchrvicc und Präzis. Biel Zeit geht eben m den Lehrer- bilduiigSanstallen durch den Musikun.ercia/i verloren. Rian braucht van den Lehrern die wenigsten zu Organisten, deshalb soll man auch nur die musilaliich ^ranmgtcn un Sigcljpiete auSoi.ven. Die S^lninarisUn müssen unbedingt in den grasten Konzerten und in den Ifratmi gute Musik hören. Die Fertigkeit al.ciii genügt lucht LX-sl-ulb eccirhtc man die Lehrerseminare nid>t an Leuten Oiien. Wv sind denn die audkren hoher«, Le hüt n statten, die Madchenp.njwnate usw.? 9iid>l in der Sotmnersrische, sondern in den Sstidten. Valistaxdig zu verweilen ist das Jnietiuilstebcn, das erinnert an das Küster und an die Kaserne. Ziuangserziehung taugt fuc die Lehrer nichts, iic geh. ren itis Volk, unlir ümh sie zu arbeiten habe tu Man soll den Lehrern die Möglichkeit geben, dast sie srd- auf der Hod-schule weiter bilden falls der Serris bas verlangt. Die Lehrerinnen erhielten ja auch diese Vergünstigung. Tie Professoren rühmen ja den austeroroentlichen Ficch und die guten Erfolge der Lehret a.S Studenten. DaS beicksust Volk uiad-t groste F-vrtsd-rrlte, Die sind aber auf Die Lauer nicht möglich ohne eine tüchtige, sstckid-e Erziehung. Dcslwlb braucht unsere Zeit eine gründliche R e f ot in bet L e h re r b 11 0 u n g.

21 u» 5taOt unO Lcnrö.

Gießen, ö. Dezember 1908.

** Tage Skal ende r. Stadltheater: am Sonntag, 6. T<-z., naannittagd oVs. iihr Diaoame Sans Gene: abenb» 7Vs llhr: 2x2 5.

jk o n z e r l v e r e i n. StammermufiMJlatiucc: Sonntag vor> mittag 11 Uhr in der Neuen Aula.

Kolosseum: Täglich Boi siellung.

K inernatograp Heu--Theater: Programmwechsel.

Kaiser-Panorama: Progranun - Wechsel: Wanderung durch Acghvtcn.

E v a ü g. Bund. Famitienabenh am Sonntag abend 81/» Uhr in Steins Garten (Vortrag von Professor Dr. Schi an: Der Friede zwischen Den Konsejsionen).

Di i l i t ü r - 5co n z c r t in Steins (garten, eonntäg nady mittag 5 Uhr.

Gieücncr Ktc,dttye^tcr.

Der Paragiaphenschuftcr.

Volks stück von X). bi a u u> e n c y q c c uno K. Dreher.

Die für Gießen neue Posse von dem unklugen Para- graphcnschustcr, der mit den Gesehesparagraphen nur so herumtvirhelt und in allen schivereren Angelegenheiten in seiner Gemeinde als oberste Behörde angesehen ivtrb, ha.'tc gestern einen vollen Erfolg. ES lohnt sich nicht, über das Stück selbst viel Worte zu machen, denn trvh alt seiner derben Spaße und belustigenden Geschehnisse ist die mit Mühe und Musik auf vier Auszüge ausgedehnte Handlung kehr dürftig. Wenn es nicht zusällig in der oberbayrischen Mundart abgesagt wäre, sondern in hochdeutschem Schrift­sprache, wäre es wohl unerträglich. Die Darstellung aber bemühte sich nicht vergeblich um die Gunst der Zu- fd)tiuer. Besonders Xaver Terofül wurde ausgezeichnet und sein Spiel ist denn auch unter Berücksichtigung der in meiner gestrigen Besprechung llargelegtcn Spielweise dec Schliersccr ganz vorzüglich gewesen. Wie er sich gibt und wie er spricht, das allein schon sichert ihm den Er,olg und macht ihn zum umjubeltcn Heiden, und wenn er als Zigeu- neriu, als FeuertoehrCommandaut oder als Tschardasch tanzender Magnat deutsch-ungarisch quasselt, dann liegt er aus der ganzen Linie. Von den übrigen Mitwirkenden feien erwähnt: Georg Vogelsang, Rest Dero fal und Maria Erharht.

Karl Neurath.

Bücher für den Weihnachtstisch.

L

Deutschland beschenkt man sich im Lause dcS JahrcS oder zu b.'wnbecen Gelegenheiten nur sehr selten und nur fehc wenig mit Büchern. Man wählt dazu leider die billigen 11110 fuc leocu euttgecmasten geschmaüvollen Menschen unausstehlichen Gegenst nav o.c Der Kunstwact jüngst mit Der irtfienDen <»ej:idx nungvansgreucl" bewertet hat. Es ist aber bennod) eine alte, Itcbv Gewohnheit, |id) wenigstens zur Wechnacht gegenseitig mit einem guten Buch zu erfreuen, und vielen, besonders den reg- amen Lindern, ist es nidst selten bad liebste Gesä-enk. Mit uu nn11^111 J*U9C11 und roten, glühenden Backen werden während >cc M-eihnachtsiecien all die avsonderlid/cn Gei,.chten ucridilungcn, die uns liebe Lumde auf den geschiniäckten Tisck) gelegt haben. Aber auch vielen Erwack/fenen geht es ähnlich. In der Wah. entscheiden habet vor allem Bildung und Neigung, während ,ich die Zugcnd Haut7lsuck)>iid) vvn dem rein stofflichen reizen uno mandpnal auch blenden lästt. LieleS wirb ivohllos gekauft, nach dem Umfang ober den Bildern, meistens irnd) dem Eimand, und der Budthändler ist nur selten in der Lage, für den Gehalt des empfohlenen Buck-eS einzustehen.

9icigiuig und Bildung sücd, wie schon gesagt, hie bestimmenden

Familien-Konzcrt im NestaurantMetropvl". tag abend 7 Uhr.

Anlage-Musik am Sonntag vormittag in der Süd-An­lage. Spielplan: 1. Ouvectuce zur Oper Norma, von Bellini: 2. Schaukel-Walzer von ÖJlkmber; 3. Am staiserhose: B-adcb tanz, von Z-öcster; 4. Armee-., iarsch Nr. 145, von Lrause.

L U. Landesuniversität. Dem Assistenten am zoologischen und vergleichend anatomisck-eu Institut der Laudcsuniocrsität Tr. phil. Reinhard D e m 0 1 l aus Ken- zingeu (Baden) wurde die venia legendi bei der philosophi- scheu Fakultät für bas Fach der Zoologie erteilt. Seine Ha- bilitationSschrist ist bcti.ck: Ueber die Augen und die Augen- sticlreslcxe von Squilla mantiS.

* D i e Frequenz uu>crer Landeöuniversi- tat hat gegen das vorige Wintersemester abermals zuge- nomnien. Es sind nämlich 11JG Studierende eingeschrieben gegen 1150 im Wintersemester lJOi/08. Wenn man die zs Damen, die im lausenden Semester zum ersten A'^le immatrikuliert werden tonnten, in die Frequenz nicht ein- rechnet, sind immer noch 23 Studiecenoe mehr vvrhandin wie im lehtcu Wintersemester. Das Sommersemestcr weift hier immer einen ftärlerett Besuch auf wie das Winter­semester, lrohdem steht die Winter,rcquenz nur um 17 Stu­dierende gegen das Svmmersemester 1ÜU8 zurück.

* * He 1 | e n i m Reichsetat. Die lchte Diäte für das Postdienstgcbciude in Bensheim ist nut 142 uüü Mk. einge­stellt. Fuc ein Postdienstgebäude beim Bahnhof m Dai in- stadt werden 215 000 Ml. angefordert. Das Postgebäude am Braud in Mainz soll mit einem Aufwand ouu luu Mark umgebaut werden. Das Postamt 1 soll in den Neubau verlegt iverben. Ja dem alten Gebäude veculeibt nur her Fernsprechbetrieb und die Paketannahme. Für den Piontec- tasernenbau in Mainz sind 335 00) Mk. und für Oie Gr richtung eines Garni,vnexerzterplahes, einen Kasernenneu. bau, für eine Waschanstalt und einen Fahrzeugschuppen und lür em Gebäude des B.zirksksmmandos m3juuj Mt. gesoc- oert Tie Schlustrate für die llebumjepldyC des Mainzer Pionierbataillons, das im I ihre l'Juu errichtet wird ist nm 202OvO Mk. anQC,cs t Für uie Er cihbauten i.< Kastel i,. em sechste Rate von 1 300üuü Mk. angesordert.

* * Der Hessische R i ch t e ro e r e t n hält am 19. De­zember, nachmittags 31/2 liijr, in Darmstadt eine außer­ordentliche HanplversammliiNg ab. Aus der Tagesordnung steht u. a. 1. der Bericht über die Verhaiwlnngen betr. Gr.^t Dung eines Deutschen Richterbundes, und 2. die Bescqlußfasiung wegen Beitritts zu dicsem Bund.

** Stab Hl)ea t er. Es sei darauf hing»wiesen, daß die morgen, Sonntag nachmittag/24 Uhr, bei kleinen Preisen italifuibeiibe Anffühiung von ,M adame Sans (Se ne" die legte des Sardouschen Weckes überhaupt ist. Gustav Wieds übermütige 5ioinöbie2x2= 5, die am Sonntag Abend cbensaUS bet Heinen Preisen gegeben wnd, dürste das niet|lgegcbenc Werk der dieSsährigcn Spielzeit in Deutschland sein. In Berlin z. B. stehl die Lomddie im Kleinen Theater" fortwährend auf dem Repertoire und sieht bald der 300. Aufflihiung entgegen.

Vortragsabend im Ortögewerbeverein. Tei erste Voitragtzabcnb im neuen Geiverbehaus vertief in an- regender Weife und ,var zahlreich befucht. KonnUerzierat He ii i; g en sta ed t eröffnete dre Monatsversaunnliliig mit herzlichen Worten beß Willkommens und machte die 'Dlil- glikder darauf aufmerksam, baß künftig an jedem einen Mitt- woch cinrö SDloiiatS im Winterhalbjahr eine solche Vecsamm-

Sonn- | hing stattfinde, in her handivcrketcchiitiche, wie wirifchastliche Frag.» behandelt werden iollten. Aus eine rege Beteiligung glaube er nach der heutigen Versammlung schließen zu dürfen. 9iuinnehc erteilte er Ba»imemcr Traber daS Wort zum Vortrag über den (leinen Befähigungsnachweis, der ui Haier Weise hie seit 1. Oktober d. Z. in Straft getretenen Bcstnnmungen über die künftige Berechtigung z»ir Anleitung von Lehrlingen darl.gie uno um Schlüsse oie Ancragssorrnu- larc zur Erteilung der bez. Betechiigung an die aniuqeiioen Haiidwerler verteilte. E.ne lebha,te Diskussion über daS Le h r l i n g S tv e s e n, insbesondere über die lünftigen Ge­sell e n p r ü f u n g e n belebte in nubbringender Weise den Abend, und es ist gewiß ein jeoer besriedtgt und mit der Ueberzeugung geschienen, daß solche Abende nüblich und not- weiidig sind. Ter Lorichende dankte dein Vortragenden und machte vor Schluß Der Versammlung darauf au,merk­sam, daß alle Mitglieder des OrlsgetverbevereinS im Ge- werbehause Formulare für den Antrag zur Verleihung der Berechtigung zur Anleitung von Lehrlingen erhalten tonnen, woselbst auch jede Ausknuit hierüber erteilt werden wird.

M Naturwissenschaftliche ^or träge. Den zweiten her allgemein verilänbllchcii nalurivisseiischasthchen Boiliäge, die von der obcihessischen Gesellschaft für Natur- und Heukuiide veranitallet weiden, ivirö Pcoi. Dr. Kassel am 12. Tezegibtr in der allen Aula der Universität über koloniale Belire bungen uni medizinische Forsch- u n g halten. Einzelkartcn werden an der Abendkasse zu be* touuucn (rin.

Klein-Linden, 4. Dez. Unser Crt hat in den kfiteh Jahren jtch in mandjer Bczjehuug sehr zu seinem Borieü urt* ändert. Wenn auch die Gemeiuoeuinlagen hoch >uid, 10 ist dveh nach unb nach viele) geichchcn. Ganz wesentlich hat nd) bie Frankmcterstraße verjclwnert: |ic hat G-ssurpstaircruug erhAteu, Da früher häßliche Straßengraben ivurbc beseit.gt und die Stcuße taiialiiierL Zn bteien Tugen Hut nun aud) noch bie Nceis- lUiibuiuenualtmio au| der einen Seite bet Straße, bem iujcil Sommerweg eine Liubenultee burd) bas Ton angelegt. Wenn diese Buummcn er ft cui.ge Fuhre stehen, werden |ie in ihrem ireimblichen Grün das Dorsbitü wejentlid; sd/muder gestalten. Die Wevlarcrstraße hat aud) mancherlei Verheuerungen eriuhccu. Dazu tomml, daß die Gemeinde vor nicht langer Zeite eine Melirkinderjchule erbeute. Zn bem irad) Gießen zu gelegenen Dors teilBernhardtshausen" herrscht seit voriges Jahr eine rege Bautätigkeit. Lier würben bereits zwei neue Straßen an­gelegt. Tie Hauser finden rasd) Liebhaber unb Mieter, zumal |ic in einem schmucken Stil gel-alten sind. Es herrscht ein an- bauernder Zuzug. Auch bic Schulerzalst steigt fvrtgeseßt. Da cme der sün, itarlen Schulklassen schon UO Schuler zählt, so wird man bald zur Errichtung einer icchstcn Schulktane schreiten müssen. Dann heißt es aud) wieher bauen, ba alle Lehrsäte besetzt snU>. Nur brei Dinge fehlen uns iwch unb es iväre im Fiitereise her Gemeinde nur zu wünschen, baß sic bald kämen: bic elektrische Buhnverbiubung mit Gießen, e.ne Äasterleitung unb eine Straßeic- bcleudjtung.

x Grnnberg, 4. Dez. Seit einigen Tagen hat sich hier und in der Umgebung em so ftarfec Ranhrelf ge­bildet, wie man ihn seit Fahren nicht sah. Infolge der Eis- mafien, ivoimt die Bäume belastet sind, haben bieie in Watd und Feld vielsach durch Einbruch der dleste großen Schaden erlitten. Die Telephondrähte sind auch so schwer nut EiS belastet, daß das eiserne Gestänge auf bem hiesigen allen AnitsgerichtSgebäude, das fast die gesamten Drähte von der Post nach der Stadt zu tragen hat, infolge der Last sich uingelcgt hat. Tcc Truck war so stack, daß die Verankerung deS Geiiänqes, bie an einem eichenen Dachsparren beseitigt

-----t iniiii 11------ r iimiiii irriirwiiiiiiiwim------

und entscheidenden Ralgeoer, aucr iimelchalb dieses Rahm.ns ist die AuSrvahl derart groß, st.ht bas minder.oerttge rasch vergessene iv aiimaßeiib neuen bc.n gediegenen vvn dauerndem Wert, baß dem Uiirunbigen kchr leicht Werke in bie £>aud geip.eck loerbcn, die er niemals gecausl h.üte, wenn er sie gekannt h^ttc. Zch will deshalb aus einige Bm^er htMveisen, bie in ben letzten Fahren ersdstencn sind unb allgemeines Interesse beansprnci-en büncii

Vor Jahr unb T a g", ein Roman von Wilhelm Hol- zarner. Wilhelm Lwlzamcr, her feine, innige Poet, den em grau- stges Gcschid nidjt zum inneren Frieden ko.umcn ließ, ein Dichter, bcssen ,^lcre Seele vor jedem rauhen Lus.zirge zufa.ini.iisa-rvk. d.it uns a.5 teueres Vermüdstnis feinen letzten und besten Iionian Ointerlaifcn, der kurz nach seinem öasd)cn Tode imTahemr erschienen ist. Im Frühiahr ist nunVor Jahr unb tag - auch un Bud) ha adel erschienen unb -war bei Flc ischel in ^Bertiu, ber aud) bie übrigen Er^h.ungen Holzam ro v-.rlcgt hat. Bor ^ahr unb Tag! Ein mcrkivärvigcS Buch ist cs, bas bem toten Dickster viel neue Freunde weroeii wirb zu den altcu, ein Buch, bas uns mit her leisen öaub zarter Poesie uoer die Scc.> streicht, bas voll ist von Schönheit unb Gruße. W.e ein stiller, klarer Waldsee liegt volzamerS ganze Dichterkunst ba vor bem crstuimenbcn Freund, ber nun ent be5 bleichen scheuen Men­schen, ber ha einsam schrieb unb iiit, ganz versteht. Eni Mensch, uns war L>olzanrer vor allem, ein ringender Pcomcihcus, und Nicnschen und-mpscr sind die, die uns in seinen Werken en:- gcgcntrelcn, vor allem in seinen L-imatroinanen. To ist w.rl- tia-es, pnliierendes Leben, nid-lS Zusamine.tgebachtcs unb Ge­machtes, wie in seinen Fcaucnrvinanen, bie so v.cl Freund, aucr auch so viel Gegner gesunden haben. Echte Sx-imalfmii: ist nun nad) langem Zwischenraum uno nach den 1n.1hse.igen Wander- tahcen inder fremden Ferne" and) Lolzarncrs neuestes Werk, an »dem er JdjDn in Paris gearbeitet halte, das er im vorletzten Frffhjahr beendete als letz:S großes Werk, als Schlußstein seines Lebctts unb Wirkens. Unb bic;c5 letzte Werk stellt sich demArmen Lukas ben wir b.Shcr als sein rvick>stcs unb reifstes Buch zu betrachten hatten, vollgültig zur Seile. Ja, ich glaube, cs v-e Haupt en zn dürfen, als Erz.ihler ist er sogar ruxi) bedeutender, nod) ausgcglid-cuer und geiaiibeter. Es ist da eine Uralt unb ein Können, ein Füblen unb Bei sichen, wic es nur her kann, ber all des Lebens Lust und Leib bis zur letzten scl>alen Neige auggcßofL-t hat. Menschen, bic bem Leuen hart und herb 6'1 Krmpfen Ixiben, jino volzamers Lieblingsgi stallen von scau.n Cisi.-N epischen Versuchen (Aus staubigen Straßen) an bis zu icincm letzten Werke. Wie der arme Lukas Ibunien alle seine Menschen arm genannt werben: bas Leocn zerschlägt ihnen atliö unb jcbes. Und ist keine Üwfinuiig, kein wcgweisciioer Siern Aber sic werchcn doch nickst von ihrem Wi-ge, b.t'ie Menschen, fic erfüllen ifyr Leücir doch, sic wachsen an ihrer Not unb an ihrem Gesch"id und iverben großer ais ihr Verh.mgnis. Unb wenn sic l-art geworden sind unb fest unb stark, wenn alles weil zurualicgi .vaS bie Scknvalbe sang, bann Eiingt cs herauf ans ben Tiefen einer armen, gematteter. Mcnschcnseelc a s ber Fugenbzeit, aus der Zngenbzcit. Dann erzählen sic wohl hr Lcib, bieie Menschen, das ihr Leuen war, rhre Liebe unb ihr Glück, bie am Himmel blühten wie ein kühner Regenbogen tuib uijnc Spur oecg tilgen . . .

nur das Leib blieb .... Der a.te Sialcnbcrmadjer Golberjahn! uraurnt eine Geschichte sür seinen iialcnber, aber was ihm seine Milarbcilcr g.schiut hauen, das ist ihm nicht scl-ön genug, und ba idiccibt er selbst eine Gesd/ichte; seine eigene. Wie er noch nuig mt, unb fdZtUchtern ton- ein scheues, verungstLrlcS Kino, wie

Schnee tiei iiocr ber Eide lag, wie er tuglity sein halb eod-öppu-en Wein in ber sd>i-nen Ansi-cht trank, nur um bic Durch 6" schm, hie er so lieb hatte, wie er entsagt um bem starken, Itoljen Zörg-Abam nicht vvrzugreifen .... wie bie Lcibenschaft via. st in dein trotzigen, rheinischen Blut . . . unb sich auf- oäumt in siürmischer Ckivait unb alles mit sid) reißt . . . Vom Ärieg 1863, vvn Wingcrtcn unb Feldern, von dicken Blumen- Itoäuüni und langer Sehnsucht.... eine brausende Symphonie oc5 Lebens, das Wad-scn einer Liebe über Leben und Tod unb Fcck.st.rung h.iraus, ein stillcS Entsagen in wunschloscr, weher Einsamkeit. £lki5 soll ich mehr vom Inhalt erzählen: bie beste x>ul);riisangaue isi nicht^ber Ziihalt . . . Auch Holzam:r§ Sch:v. d)e, die in seinem g.oßcii F-rauenromanInge" am |d>aiflcn hervor- getreten i|t, liegt in seinem neuesten Buch: verborgen fast, aber iic ist bou) ba. Ter Schluß ist zwiespältig. Der markige, encr- g.sck-c Ingenieur paßt md). so reust in den Rahmen, der sich so schlicht uno einfach um bad rhcinhesftsche Törfchcn ipannl, unb and) her Bau der Hciiischen L.wwigs^abn ist gar breit behandelt. Aber trotze in, cs ist em prächtiges Buch, bad wie aus einer Itillen Fnsul, fern vvn Ackern irdiiuj-nieouigcn geschriebcn sdstint. iriii Buw für tiefe, reine Menschen, ocien Seele tutc ein blüh-onoer, ItiUcr Garten ist in goldigem, geruhigem S«nnensd)ein, in bem 01c Bienen idjnxiemen und säuseln, uno süße Lasten trageiu Em Buch für harmonische Menschen.

FlM venvandt ist d.r junge schwäbische Arzt Ludwig Finkh, der nach einem schrv.ichlick)cn Gcbichtöanb:Fraue du, bu süße", mit bec Gebrch.samnckungSiojcn" unb bem seinen, zarten Roman T e r N 0 s e n b 0 t 10 r" sich einen gca.d-.etcn Namen errungen bat. BcsonbeiS ber Lioscnbokior ist bcackstensivcn. Ein Buch voll tiefer, reiner Poesie, von erhebenbem S.elenzaubcr unb voll von einer jungen, schönen Liebe, biß über bie Herzen geht wie der Wind un August über bie blonden Saatenfelder. Von einem »ciutbuii erzählt baß Bud-, ber voll Hoffnungen ist unb Träumen uno Lcl-niuchr, vvn einem ilnaben ber ein Mann w:cb und ein ^iKib findet, bas er mit all feiner Seele liebt ... unb auch sie mag ihn wo Ist leiben, bod) ihre Liebe zu seinem Freunde ist g.ugcr . . . Aber her Ftcunb ist krank, unb wenn er ihn nicht ;eilet, wenn er . . . Er käucpit einen farck-teriid-en Mampf unb die Liecht. l>.ngt iceinenb an seinem Hais uub bittet um bad X,ebcn seines . . . seines Freundes. Unb er überwindet sich unb eiitiagt, um fortan nur jeincu zcranken und seinen Rosen zu levcn. davon erzckhck bas Buch unb von vielem anberen noch, was idion und gut unb heilig .ft auf Eiden . . . unb von bem Weibe "zohlt es, wie cs ber Dickster sieht und vvn anderen Meuidieir uiio Dingen die tfiUle.

Tcr Roi'cnbollor ist gegen Schluß hin allerdings etwai ichwulitig, basLob ber Frau ' ist nämlich zu süßlich, aber dennoch ijt cs nn feincs, kluges Buch, das woßi tu um jemaitb ohne ii- ic Frcuhe aus ber Hand legen wirb.

9hui ist nach hrei-ahrtger Pause ein neues Buch des jungeq,