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Dte ..Gketzener Zamilkenblätter" werden dem ,AnzetgerE viermal wöchentlich beigelegt, das „Krdsblclt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die ..Landwirtschaftlichen Seit- frage«'' erscheinen monatlich zweimal.
am 4. schien das Wetter noch günstig. Es wehten schwache Weit-, später Mrdwinde, die dem Luftschiss keine Schwierigkeiten bereiteten. Tatsächlich gingen aber in der Atmosphäre schon Veränderungen vor sich, die verhängnisvoll werden sollten. Ter Luftdruck war über Mitteldeutschland start gesunken, und ver- äiidcrlichc Winde deuteten aus Regen- und Gewitterböen hin. Dion kann kaum annehmen, daß Zeppelin von feiten der Meteorologen nicht auf die Unsicherheit der Wetterlage hingewiesen worden ist. Jedenfalls aber wollte er den einmal festgesetzten Ausltreg
Redaktion. Expedition und Druckerei: Schul« straße 7. Expedition und Verlag: es^öL Redaktion: es© 1U Tel.-Adr.'AnzeigerDießen.
— Zeppelins Vater. Wenig bekannt dürste sein, daß Gras Zeppelin um ein Haar Preuße oder doch Hohenzoller wäre, wenn sein Vater zwei Jahre länger als Hvsrnarichall in Diensten des Fürsten Karl von Hohen-ollern-Siamaringen geblieben wäre. Graf'Friedrich) v. Zeppelin stand bis 1834 als Aos- und Rcgierungs- rat in fürstlich Hechingenschen Diensten. Die Chronik von $)cd)ingen sagt kurz unter 1830: „Kübinettssekrctär war Gras Friedrich v. Zeppelin." 1834 bewarb er sich mit^ einer Empfehlung des Fürsten Friedrich Hermann £tto, eines Freundes des Konstanzer Weihbischoss v. Wellenberg um die Stelle eines Hofmarschalls in Diensten des Fürsten Karl von Hohenzollern-Sig- maringen. Anfang April 1831 bekam er diese Stelle und heiratete. Schon nach zwei Jahren gab er aber seinen Hosmarsch.allsposten wieder ab und widmete sich seinen persönlichen ^Geschäften. Cr erbte von der Familie Macarne d'Hogguer das Schloßgur Giers- berg in der Gemeinde Emmishofen, Kanton Thurgau, heute noch
21115 Statt itttd Laut.
Gießen, 7. August 1908.
' Kolosseum. Die gefeierte Diseuse 9)1 iji Gizi vom Metropol-Theater in Berlin wirb ab 8. August im Kolosseum ein kurzes Gastspiel absolvieren. Tic gesamte Presse bezeichnet Mizi Gizi als bic bedeutendste Künstlerin der deutschen Varietö-Bühne. Ihr Vortrag ist ineisterhast. Die .Aachener Post', wo Mizi Gizi zuletzt gastiert hat, schreibt: Im Mittelpunkt deS Interesses steht Mizi Gizi, ein Komet vorn Firmament des Himmels der leicht geschürzten Muse. Da für die geschätzte Gästin die Nellametrouiinel so eifrig gerührt wurde, so will ich m erster Linie konstatieren, daß bie gehegten Erwartungen auch erfüllt wurden. Mizi Gizi ist vor allem eine schöne Frau, so ein Stück „Vollblut- Nasse" in Type jener, von denen Millöcker singt: „Nase hat sie griechisch-römisch, Gliitaugcn von der Spanierin" u. s. iü. Die Künstlerin zeigt sich zunächst in einer Salon-Soloszenc, iüic sie im Champagnerrauschc leicht angeäthert nach Hause kehrt. Die- Szene bildet eine Art Gegenstück zu der Heimkehr des Gefängnisdiccktors in dec „Fledermaus". Man inuß
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Erklärung stimmt die Versammlung dem Anirage zu,'wegen eines Vergleichs nickt weiter zu vcrbaiideln, und cs Darauf ankoinmen zu lassen, wre die Instanzen in der Frage entsrt>eiden.
Vorbereitilngen zur elekrischcn Bahn.
Um während der Ferien un den Borarbeireii für das Badn- projckt Herangehen zu können, gencbmM d:e Versammlung die Zuziehung des Direktors Gußmann in liegen als ^aaverium- digen neben dem Leiter unseres städtiscln Elektrizitätswerkes Stolle für die Vorbereitungen und während der Bauausmhrung sowie für das erste Vierteljahr der Inbetriebsetzung. Dalür wer- den 7000 Mk. inklusive aller Nebenkosten bewilligt. Ferner lvird die Verkehrskommission, die Kommissionen für das Gas- und Wasserwerk und für das Eiektn uaiswcrk crmäckligl, einen 5cd)- niker für die Ausarbeitung der Pläne ic. zu engagieren und dessen Geheilt scstzusctzen. Endlich wird als vorlüuliger Kredit für Bureonmiethe, kleine Anschassungen k. 6003 Mk. bewilligt.
Bauliches.
K. Bänningcr hat unmittelbar bei seiner im Bau begriffenen Fabrik am Erdkauterweg einen Holzschuppen errichtet: der dazu nölige Dispens wird nachträglich erteilt und jivar soll der schuppen widerruslick stehen bleiben. - Louis Kohlinger will an seinem im Bau begriffenen Hause an der Wetzsteingasie einen Balkon ^an> bringen und erl)ält den dazu ersorderliwcn DispcnS. — p-ür die Unterhaltung eines 9iebcngebäudes an der früheren Gewerbeschule, Afterweg, werden 500 Mk. verlangt mit der Begründung, daß man dessen Räume für 300—320 Mk. jähr loch vermieten kann. Der Betrag wird bewilligt.
Verschiedenes.
H. Noll VIL hat verschiedene von Larnpus für den Stadt- crweitcrungssvnd erworbene Wiesen für jäl-rkich 77 Mk. in Pacht und wünscht, diese weiter zu behalten. Tie Versammlung ist mit der Verlängerung des Vertrages cinveritandcn. — Tie srei- händige Vergebung von Drucksachen wird nachträglich gutgeheitzen. Die Vergebung einer Liejerung von Platten an Dern u. Co-, ivclches der zweitbilligste Submittent luar, findet ebenso die Zustimmung der Stadtverordneten. Tie Beratung bc- treffcnd Belenck)tung deS Weges nach dem Bootshause der Gießener Rudergesellschast fällt aus.
' Tas Kolosseum
»WhiLKL teile in bürsil.w. vr-J Schmidt, Neuen ÄM 5.
Sitzung der Stadtverordneten.
1h. Gießen, 7. Aug.
Anwesend sind: Oberbürgermeister Mecum, die Beigeordneten Keller und Georgi; die Stadtverordneten: Brück, Tr. Ebel, Eichenauer, Faber, Gabriel, Tr. Haberkorn, Helm, Huhn, Jughardt, Krumm, Loder, Loos, Orbig, Petri, Simon, Schassslacdt, Troß, Wallenfels, Tr. Wimmenauer und Wmn.
Dor Eintritt in die Tagesordnung naljm Cberbürgcnnciftcr Mecum das Wort und feierte in kurzen Worten die Tat
des Grafen Zeppelin.
Dessen Fahrt nach Mainz sei als ein Triumph des deutschen Er- sindungsgenius zu bezeichnen. Leider hätten die tückischen Elemente das Werk des mutigen Mannes zerstört und dieses Mißgeschick habe die Teilnahme aller Deutschen erregt. Es handle sich jetzt darum, das Unglück schnell wieder gut zu machen, und hierzu müsse ganz Deutschland beitragen. Man könne nicht erst ab- warten, sondern unverzüglich sei hier Hilft nötig. ,Der Lbev- bürgermeister beantragt deshalb, die Versammlung wolle beschließen, dem Grasen zur schnellen Wiederherstellung seines Luft- schisfes die Summe von 3000 Mk. zur Verfügung zu stellen und daß demselben der Glückwunsch für seinen Ersolg und die Teilnahme an dem Mißgeschick, tvelches sein Werk getroffen, namens der Stadt ausgesprochen werde.
Die Stadtverordneten nahmen diesen Anttag einstimmig an.
Mitteilungen.
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nicht nochmals verschieben.
Tas Verdienst Zeppelins bleibt trotz der letzten Katastrophe naiürlid) dasselbe. Er hat das Problem des lenkbaren Motor- lustschisfeS gelöst und bewiesen, daß seinem Fahrzeug auch Fern- sahrtcn möglich sind. Tas Interesse, das die deutsche Nation an seiner Leistung nimmt, beweist, welchen Wert unb^ welche Bedeutung sie seiner großen Erfindung zuerkennt. <-o ist denn zu erwarten, daß ihm die Mittel zum Bau eines neuen Luft- schisses reichlich zusließen werden. W. P.
angenommen hat.
Die Platzfrage der Stadtverordneten
hat diese schon häufig beschäftigt. Tie Berater der Stadt sitzen nämlich zu beiden Seiten an einem langen breiten Tisch, an dessen oberem Ende, etwas erhöht, der Oberbürgermeister, als Vorsitzender, und die Beigeordneten ihren Platz haben. Die am unterem Ende sitzenden Stadtverordneten haben wiederholt geklagt, sie verstehen nicht, was oben gesprochen wird. Das Bauamt hat 12 verschiedene Pläne vorgelegt, wie das Stadtparlament anders untergebracht werden kann und cs werden zwei dieser Pläne zur Auswahl empfohlen. — Stadlv. Löb er erklärt: Es wird gelassen wie es ist. Jeder Redner spricht für die Folge was lauter und die Anoern verhalten sich so lange ruhig, dann könne jeder verstehen, was der Redner sagt. — Beigeordn. Georgi vertritt den gleichen Standpunkt. — Stadlv. Huhn erklärt, die Vorschläge, die gentackst werden, bringen keine ncnnensjverte Verbesserung. — Stadlv. Schaffftaebt bemerkt, da es sich ja doch nur um die Beschallung von Tischen handelt, die Stühle seien ja da, so meine cr, man solle doch den Versuch machen, die Kosten können doch nicht erheblich fein. — Demgemäß beschließt die Versammlung.
Gießens Anteil an den Kosten der Nebenbahn Lollar-Londorf.
Bekanntlich wird von der Stadt Gießen, die bei der Erbauung der Bahn Lollar—Londors gar Nicht gefragt wurde, auch an dieser Linienführung nicht das geringste Jntereffe bat, für den Geländeerwerb ca. 80 000 Mk- verlangt, und dteserhald fdjroebt beim Verwaltungsgericht im Steife Friedberg em Prozeß, well sich die Stadt weigert, überhatipt was zu bezahlen. Man war aber bereit, im Wege des Vergleiches seitens der etabt ein Entgegenkommen zu zeigen. Mit diesen Verhaiidlungen mar Oberbürgermeister Mecum und Stadtv. Tr- Gutfleisch beauftragt. — Ter Oberbürgermeister teilte gestern mit, daß der Vertreter der klagenden Landgemeinden in der Verhandlung erklärt habe, er könne feinen Auftraggebern nicht empfehlen, weniger als 50 000 Mk. von der Stadt Gießen zu nehmen. Nach dieser
resp. dessen Unternehmer, war schon einmal vorstellig geworden, wegen Lieferung von Elektrizität zum Kraftpreis, tvcil er fic zum Betrieb seines Geschäfts haben muß, und weil cr sehr viel gebraucht. Tie Versammlung hatte diesen Antrag damals abgc- lehnt. Direktor Rappmann ist nun mit einem neuen Antrag gekommen und stellt die Kommission den Antrag: Die Versammlung wolle crklären, daß sie sich mit diesem Anträge nicht erneut befdiäftigen will. — Stadlv. Löber hält es für einen Akt der Gerechtigkeit, dem Kolosseum einen billigeren Preis zu mackieu, cs würden dort jeden Monat für 1000 Mk. Strom verbraucht- —, Ter Oberbürgermeister erklärt, daß wenn Rappmann starken Gebrauck) habe, et ja behandelt werde wie jeder andere Großabnehmer und Rabatt erhalte. — Beigeordn- Georg t steht aus beut Standpunkt, die Stadt habe keine Veranlassung, Ausnahmen zu machen, am allerwenigsten dem Kolosseum gegenüber. Im Gegenteil hätte er den Wunsch, daß man dies Unternehmen so viel als möglich erschivercn sollte, wenn man dazu die Nlacht hätte. Tas Bestehen dieses Lokals sei nachteilig für junge Leute, die es besuchen: cr würde das Fortziehen des Kolosseums-Unternehmers von Gießen nicht bedauern. — Stadtv- Löbcr zieht nach diesen Ausführungen seinen Antrag zurück, der der Kommission wird angenommen.
<Schluß folgt.)
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Der Oberbürgermeister macht Mitteilung von ver- chiedenen Dankschreiben für von der Versammlung beschlossene Bewilligungen, darunter and) vom Schützenverein für die Stiftung eines Stadtpreises für das Jubiläums schieße n. — Stadtv. Karl Brück knüpft daran auch seinen persönlichen Dank und sprichst den Kollegen auch den Dar^k aus für die ihm und dem Verein geworbenen Gratulationen. — Es wird dann Kenntnis gegeben von einem Schr c i b en des Rektors der Universität betresfend Subvention der Stadt in Höhe von 100 000 Mk. zur Erbauung einer Haut- und Ohren- Klinik. Der Rektor teilt mit, daß das Ministerium mit Bo- riedigung Kenntnis genommen von dem Opfermut der Stadt und dem Interesse, welches diese dadurch für die Universität an den Tag gelegt hat. TaS Ministerium teilt mit, daß bisher über die Bedingungen und die StoftcnaufiDcnbung, die der Staat für die zu schaffenden Jnstttute machen werde, ein Beschluß noch nicht gefaßt 'sei. Oberbürgermeister Mecum knüpft daran die Erwartung, daß l'ie Staatsregierung nach Lage der Verhältnisse ihre Pflicht erfüllen wird, die sic dem Lande und der Universität gegenüber in dieser Frage bat und daß sicher zu erhoffen sei, daß die BercitsteUung der Mittel re. erfolgen wird. — Der Beigeordn. Georgi bemerkt, daß eigentlich nach dem Schreiben des Rektors das Ministerium die 100000 Mk. von der Stadt noch nicht
i]lcteorologi)d)cs zu Zeppelins zernsahri.
(Originalbeitrag des „Gieß. Anz.")
Nachdruck verboten.
Die Fahrt Zeppelins hat burd) einen Zufall einen _nglück- lirfjcn Ausgang genommen. Die in meteorologischen Kremn wohlbekannte Tatsache, daß die größten Feinde der Motarluttschinahrt in der Atmosphäre iclbcr zu fud/cn und,. hat ftch leider al- begründet erwiesen. Lange bevor Zeppelin leine Ferniahrt antrat, wurde in Fachkreisen daraus hingewiesen, daß leine daljrt nur bei ruhigem, stabilem Zustand der Atmosphäre erfolgreid) Jem könne sJiad) den ersten kleineren Unglückssällen hat man denn and) mit Hilft der Drachenstationen und Wctterdepefchcn lange aus geeignete Witterung gewartet. Es dürfte am Platze lein, einmal auf diese äußeren Sd)wierigkeitcn hinzuwciun.
In unserem Klima beträgt die mittlere Wmbgeichwinbigkeit ca. 4 m. s. am Boden, , lie erreicht in oOO -^ter Hohe bereits 10 m. s-, kommt also sehr bald der EigengcschwindigKit des Zeppelinsd)cn Fahrzeuges gleich, -pn bieien schon die Schwierigkeiten aus, denen einJ;p3cl’:e$tc?- begegnet. Nun hat aber die Motorluftichiftahrt nicht mit mitt lercit Windstärken, sondern mit den gerade herrschenden zu rechnen. Tie foltere Jahreszeit mit ihren häufigen ^türmen elgnet ftch für die Luftschiffahrt sehr wenig, nur der ^ommer ist einiger maßen geeignet. Dann und Sturme, abgesehen von Gewitterböen sehr selten, und die Windgeschwindigkeit halt erhebl^ unter der Eigengeschwindigkeit des Motorlustichiftes.
dagegen tann es raodjenlang unmögltd) iem, eine f?
unternehmen. Wenn sich wahrend >ugerer Zeit Lic Windftarkc über 15 m. s. hält, würde eine Auftahrt mit grogei lichteit su ernster Schädigung, wenn nidst Zerstörung des Luftschiffes führen, da es tbm nicht möglich 00 im Sturme ju landen, oder andererseits fid) in der jreien ^moiPbarelanger su bcbmipten. Außerdem wird bet großen Windstärken die Lenkbarkeit illusorisch, denn nut 12 m. s. Geschwindigkeit kann kern Luftsdstss mit Erfolg gegen eturme anfnmpTen. Es kaun^ UM also nur darum handeln, unter gewlften Bedingungen die ^enr barfeit auszunutzen. Hauptbcdmgung ist eine ruhige, ft/here Wetterlage, bic aber in unserem Mrma zu den Seltenheiten gehört.
jrf 'Sounta/nichtkA- c n sondern 3
Das transatlantische Pennpporto.
In Anknüpfung an die Tatsache, daß vom 1. Oktober 1908 ab im Verkehr zwischen England und Amerika das Penny-Briesporto cingesührt wird, sept sich in den „Mitteilungen des Handclsvertragsvereins" Arved Jürgcnsohn für entsprechende Abmachungen im deutsch-amerikanischen Postverkehr ein, und zerstreut die Bedenken, die gegen eine solche Verbilligung angeführt worden sind.
Me groß würde nun der rechnerische Ausfall sein, wenn unser Inlandsporto von 10 Ps. auch nach den Bereinigten Staaten in Geltung träte? Und welche Rolle spielt der Briefverkehr dahin im gesamten Auslandsverkchr? Tie Reichspoststatiftik für 1906 gibt darauf folgende Antwort. Die Zahl der nach der Union verschickten frankierten Briese beträgt 9 943 000 jährlich; nach dem ganzen übrigen Amerika aber sind es bloß 2.548 000; nach Afrika insgesamt nur 2 175000; nach Asien 2 176000, nach Australien 533 000. Also die Union empfängt allein weit mehr Briese von uns, als alle 4 außereuropäischen Weltteile zusammen genommen. Sie empfängt etwa ebensoviele, wie die dicht an uns grenzenden Länder Holland (10117 000), Rußland (10 777 000). und die mit uns gleichsprachige Schweiz (9 907 000). Bloß folgende große Staaten empfangen poch erheblich mehr: Frankreich (14 088000), England (14 996 000) und Oesterreich (35 298 000). Der amerikanischdeutsche Briesverkehr wäre also noch sehr steigerungsfähig angesichts des regen Handels- und Personenverkehrs sowie der 7—8 Millionen gleichsprachigen deutschen Einwohner in der Union. Me sehr dieser Umstand mitspielt, ersieht man daraus, daß Ungarn (20 Millionen Einwohner, davon 2y* Millionen weit abgeschiedene Deutsche) trotz, des billigen Postvereinsportos von uns nur 5 455 000 Briefe empfängt, Oesterreich aber 35 000 000. Zum Briefwechseln gehört eben in erster Reihe eine beiden Parteien gemeinsame oder verständliche Sprache.
Durch Ermäßigung der 10 Millionen deutscher Briefe nach der Union von 20 auf 10 Ps. entstünde bei Außerachtlassung der zu erwartenden Verkehrssteigerung ein Ausfall der Reichspostkasse von 1 Million Mark. Da aber nach den Erfahrungen mit Luxemburg und anderen schon im «rsten Jahre ein Mehrverkehr von 30—40 Prozent eintreten durfte, so wäre der wirkliche Ausfall bloß etwa 6—700000 Mark, nach drei Jahren aber wurde voraussichtlich schon eine beträchtliche Mehreinnahme eintreten.
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->m. Sommer ist die Atmoiphäre zwar ruhiger, aber es tritt 3. August die Windverhältnisse sehr günstig waren, mbem nur ber Lustschiffahrt ein neuer Feind entgegen in den Gewitterböen, schwache westlidft Winde über Süd- und Westdeutichlaud wehten. Der'labile Gleichgewiditszustand der Atmosphäre im Sommer und I wurde die Fahrt für den 4. August sehr aussichtsreich. Auch häufige lebhafte vertikale Luftsttömungen erschweren besonders ‘ .....x
bie Höhensteucrung des Motorluftschisfts sehr. Wenn erst das Fahrzeug in freier Atmosphäre ober bei einer unfreiwilligen Landung in eine Gewitterböe gerät, können Verheerungen fiel) ein- stellen, wie am 5. August.
Tas Motorluftschill ist von der Wftterung, besonders dex Windrichtung kaum weniger abhängig als jeder Ballon. Tag unter geschickter Ausnutzung der £uft)trömunp ein gewöhnlicher Freiballon ein in weiteren Grenzen gestecktes Ziel erreichen kann, haben die Fahrten des Frankfurter Ballons „Ziegler" bewieftn. Einem erfahrenen Luftsdftfser gelang cs damals mit einer steten Norbweftströmung England zu erreichen. Im Sturm ilt .ein lenkbares Luftschiff heute nock) ebenso der Strömung überliefert. Nun herrschen im Winter stürmische Winde vor; die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen und ungefährdeten Fahrt ist alio gering, sie ist nur int Sommer hinreichend groß. Außerdem ist zu bedenken, daß ein durch Sturm zugefügter materieller Schaben w- fort ins Unermeßliche läuft. Die laufenden Materialschaden ftnb jedensalls bei dem Motorlufkschiff erheblich größer als bei irgend einem anderen Verkehrsmittel.
Können nun diese Schwierigkeiten, bic die Atmosphäre per Motorluftschiffahrt entgegenbringt, nicht vermieden werden? Hier wäre es Aufgabe der modernen Wettervoraussage, helfend em- zugreifen. Aber es muß eingestanden werden, daß sie dieser Ausgabe nicht gerecht werden kann. ES ist nicht immer möglich, mit Sicherheit anzugeben, wie sich die Witterung in den nächsten zwei ober drei Tagen abspielen wird, oder gar welckse Wmdc zu erroarten sind. Gleichwohl lassen fick) genug Wetterlagen aup fiirden, die als absolut sicher und gefahrlos für das Mokorluft- schiss gelten können. Welche Bedeutung der prakttschen M^eoro- logic hier zukommt, hat wohl Zeppelin selbst am besten erkannt. Er zog bei seinen Probefahrten sorgfältig die Beobachtungen der Trachcnstationcn und der Seewarte zu Rate, oft mit gutem Erfolg.
I Konnte der Unglücksfall vom 5. August nun vermieden werden?
Seither hatte Zeppelin mit Unterstützung meteorologischer Fachleute alle unsicheren WetterlagrK richtig vermieden. Da am
Ein Gesichtspunkt ist aber noch besonders hervorzu- heben. Wenn man künftig aus England schon für 81/2 Pf- Briefe von 28 Gramm Gewicht nach den Vereinigten Staaten versenden kann, während Deutschland für 20 Gramm 20 Pf. und für 28 Gramm 30 Pf. erhebt, so liegt doch unzweifelhaft die Gefahr nabe, daß die deutsche Geschäftsund Handelswelt sich behufs Portoersparnis daran macht, cinen°Teil ihrer überseeischen Briefe aus England zu versenden, und zwar gerade alle Massenbriefe und Massen- zirkularc. Letztere machen in geschlossenen Kuverts stets mehr Eindruck, zumal wenn sie von einigen Schreib- masck)inenzeilen begleitet werden. Man wird sie künftig also oft aus London oder Southanipton abschicken. Es läßt sich sehr wohl denken, daß zu dem Zweck eigene neue Burcauorganifationen in England entstehen, die die in Deutschland stenographisck) hergestellten, oft nur kurzen -legte für zahlreiche Firmen übertragen, kuvertieren und expe- oicrcii, oder einen bestimmten Text erst dort vervielfältigen. Gedruckte Zirkulare können als Post- oder Frachtpatete ein- gchen und nach einer Liste erst in England adressiert und mit Begleitbriefen versandt werden.
Da nun England ohnehin schon im Verkehr mit allen seinen Kolonien, darunter Kanada, Australien,^ Aegypten Indien, Hongkong, Kapland usw. den Penny-Porto--iari hat, so würden dann auch die nach diesen Ländern zu schickenden deutschen Propagandabriefe und Niassenzirkulare aus London versandt werden können. Firmen mit englischen Filialen werden das gewiß ohnehin schon tun.
Vor drei Jahren schrieb mir einmal eine große Exportbuchhandlung in Bremen, daß sie mindestens 300 000 Trucksachenzirkulare jährlich ver,ende. TaS ist bezeichnend für die Größe des Verkehrs mancher Firmen und gilt oft auch für Briese.
Nr. 184 Zweites Blatt 158. Jahrgang Freitag 7. August 1V08
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