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6.5.1908 Erstes Blatt
 
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Stadtverordneten- 7. Mai, nachin. 4 Uhr,

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raler werde man selbstverständlich nicht' alles verwerfen, was von der Sozialdemokratie komme, aber man könne doch auch nicht in jedem Falle mit den Sozialdemokraten dnrch Dick unb Dünn Zusammengehen. Ein solches Zusammengehen wolle die Sozialdemokratie ja nicht einmal. Wollte aber der Freisinn mit der Sozialdemokratie zusammengehen, dann müßte _ er ja seine eigenen Grundsätze verleugnen, und der Freisinn ist doch schon zu Richters Zeiten wenigstens immer national gewesen, und hat auf dem Boden der bürgerlichen Gesellschaftsordnung gestanoen. Statt, wie Barth es will, zwei große extreme Gruppen zu bilden, müssen wir eine Mittelpartei haben, die den ge­samten Liberalismus umfaßt. Wir müssen eine Mittelpartei haben, um die Gegensätze von links und rechts auszugleichen. Redner beschäftigte sich dann mit der Politik des Barth nahestehenden Dr. Strecker. Leider sei die reale Welt doch ganz anders als die Herren Dr. Strecker und Barth sie sich in ihrer Phantasie aus- maltcn. Redner meint, daß Barth ganz anders handeln würde, wenn er jetzt im Reichstag säße. Barth und Gerlach hätten ehemals die liberale Einigung gewollt und seien jetzt dagegen, weil sie nicht die Herrschaft in dieser Gemeinschaft hätten. Ihr Ehrgeiz sei eben maßlos. Indem ich, so führte Herr Riedel dann weiter aus, mich so eingehend mit den Herren Barth und Genossen beschäftigt habe, wollte ich nur zeigen, wie der Libe­ralismus nicht sein soll. Sind die Vorwürfe gegen den Libe­ralismus mit Bezug auf den Freisinn nicht berechtigt, jo sind sie es auch weit weniger mit Bezug auf den Nationalliberalismus. Mair wirft dem Liberalisinus vor, daß er beim Vereinsgesetz seinen Grundsätzen untreu geworden sei. Aber was ist daran denn besonders Eharaktervolles, wenn man starr an den Prin­zipien sesthalt, die vor 40 Jahren unter ganz anderen Verhält­nissen aufgestellt worden sind. Das Vereinsgesetz hat indessen Vorteile gebracht, die nicht wegzuleugnen sind. Es ist ja richtig, daß der Liberalismus Zugeständnisse gemacht hat, aber die Kon- servativen haben doch beim Vereinsgesctz noch weit größere Zu­geständnisse gemacht. Redner wies das im einzelnen nach. Wir ivollen, so führte Herr Medel weiter aus, leine Blockpolitik um augenblicklicher Vorteile willen, etwa um Bülow im Amte zu erhalten, sondern um positive Arbeit zu leisten. Im weiteren Verlaufe seines Vortrages untersuchte der Redner nun die Ur­sachen, die den Antiblockparteien so viele Wähler zuführten. Wie kommt es, so fragte er, daß die große Mehrheit der deutschen Wähler sich als antinational hinstellt, und daß Zentrum und Sozialdemokratie so mächtig sind? Sie haben eine großzügige

Oktober 1891. Dort wurde er zum außerordentl. Professor und Direktor des philologischen Seminars im Juli 1895 er­nannt. Als ordentlicher Professor an unserer Landes- universität wurde er am 3. April 1897 berufen.

* Licht-Luftbad. Arn Montag versammelten sich ungefähr 40 Herren im Hotel Einhorn, um über die Errichtung eines Licht-Lttftbades zu beraten; einige Herren, die am Er­scheinen verhindert waren darunter hervorragende Vertreter des Aerztestandes, teilten schriftlich mit, daß sie der An­gelegenheit sympathisch gegenüber ständen. Es wurde be­schlossen, das Licht-Luftbad neben die Müller'sche (früher Rübsamen'sche) Badeanstalt 511 bauen. Bezüglich der Kostendeckung war die Mehrzahl der Amvesenden der Ansicht, daß es am vorteilhaftesten sei, Schtildseheine in Hohe von 5 Mk. auszugeben; es wurden sofort rund 100 Stück gezeichnet. Vor­erst ist die Errichtung eines Bades für Personen männlichen Geschlechts beabsichtigt; falls es die Mittel erlauben, wird auch ein solches für Frauen gebaut. Eine Komnnssion, be­stehend aus 6 Herren, wird im Lattfe der Woche alle Einzel­heiten beraten und das Ergebnis ihrer Besprechungen nächsten Montag, 11. ds. Mts., einer zweiten Versammlung zur Ge­nehmigung unterbreiten. Diese Versammlung findet wiederum im HotelEinhorn" um ^9 Uhr abends statt. Alle Inte­ressenten sind hierzu euujelaöcn.

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** Fürstliche Reisende. Die Großherzogin Mutter von Luxemburg traf gestern nachmittag 1,07 Uhr von Luxemburg kommend hier ein. Im Gefolge der hohen Dame befand sich Oberhofmarschall von Gieskau und die Hofdame Gräfin 51t Lynar. Die Herrschaften begaben sich in das Fürstenzimmer des Stationsgebäudes, too ihnen vom

Versammlung am Donnerstag, ist folgende Tagesoronung vorgesehen: 1. Einfriedigung bei

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durchaus unverächtlichen Bruchteiles unserer Voltsgenosjen er­warten darf.

Im Anschluß an tue öffentliche Versammlung fand bann noch eine geschlossene Vereinsoerjammtung statt, in der die Rechnilngs- legnng für die beiden letzten Jahre, soivie die Vorstandswahl er- iolgle. Fünf statutengemäß ausjchetdende Vorstandsnutglieder tvurden durch Zurui wieder- und anstelle des nach Nattheim ver­zogenen Rektors i. P. Hahn Hauptlehrer Knauß in den Vorstand gewählt.

In allgemeinen, an weiteste Kreise der Bürgerschaft zu er­lassenden Aufforderungen hofft der Vorstand auf ein Anwachsen des Vereins, sowie auf eine regere praktische Betätigung geeigneter Per­sonen int Kampfe wider den Mißbrauch des Alkohols. Vor allein hofft er auf die mitleidsvolle Fürsorge seiner Mitglieder in durch Alkoholiker moralisch und materiell Schweres ertmlöenöen Familien

Gin Mann a lsJungfrau von Orleans". Den Petersburger Theaterbesucherndroht" ein eigenartiger^Gemttz. Der Schauspieler GlagoUii ivtrd eine weibliche Rolle spielen, Schillers Jungsrau von Orleans". Schon vor Jahren hat Glägolm.die Berechtigung des Schauspielers, Fräuenrollen zu spielen, mit vielen psychologischen Motivierungen verteidigt und unter anderem daraus htngewiescn, daß Schauspteiermnen ja Matmerrollen spielen. Warum nicht umgekehrt? meint Glagolin und führt aus, daß er Verlangen habe, gerade diese Schillersche Fralienfigur zu verkörpern. Am 17. Mat wird also den Petersburgern der Anblick einer männüd)cn ,,Jungfrau" geboten werden.

Kleine Kun ft chr 0 nik. InFrankfurt a. 9)1 wurde der 25jährige Bestand des R a f s - K 0 n s e r v a t 0 r i u m s , an dein etnft Hans v. Bülow als Lehrer wirkte, dnrch eine akademische Feier, ein Festkonzert mit Werken Rasfs, Bülows unb llrsprucys mideinem Festessen gefeiert. Der bekannte Berliner Schriitsteller und Kritiker Leopold S ch ö ii h 0 f i ist in Wicsbade n gestorben. Er war lange Zeit Mitarbeiter derFreis. Ztg." in Berlin, bann derFrank'. Ztg.", zuletzt Theatertriuter desTag". Er stammle aus einem bayerischen Dorfe unb war armer Bauern Kmd. Cin Geistlicher, der ihn auf ber Straße anrcbctc, fanb an den klugen Antworten bes Knaben Geialleii unb nahui sich feiner an. ©0 tonnte Schönhosf bie Schitlen besuchen und später das Prtesler- seminar. Taitn erwachteli literarische Neigungen in ihm und er wurde Schriftsteller. Für David Friedrich St raup *0 L.n! seiner Gebtirtsstadt Ludtvigsbnrg ein Denkmal errichtet ivcrdeii. In Frankfurt a. 9JL hat sich zu dieseni Zweck em Komitee gebildet. Tie öffentliche Aufführung des Lustspiels in einem A» D e r P h i l 0 s 0 p h von Saiissoiicl u n d d i e I u n g s e r 'A n t 0 i ii e 11 e" von Dr. Otto W e d d i g e n in Eharloltenbmg, m dem Friedrich der Große dargestellt wird, ist genehmigt worben. Der bet'annic 'Dinier und Prolesior an der 'Akadeniie 5iönigsberg 1. Pf- ßnill kleide ist un 66. Lebensjahre an Herzschlag m -tresöcn gestorben. Neides Name ivurbe vor etwa'20 Jahren bekannt durch die SensationsbilderAm Ort der Tat",Tie Lebensmüden uno Vitriol". Tr. Ludivig lln e r ist von der köuigt. Akademie der iDhifit in Skvckyoliii 511111 Mitglied ernannt worden.

Kreise feiner Berufsgeiwsjen darlegle. Atif Vorschlag des Buch- druckereibesitzers Lange kam man endlich ju dem vorläufigen Ziel, den bereits bestehenden Arbeitsausschuß durch die Zuwahl von Direktor Dr. .Dietz, Pro'. Dr. Sommer und Medizinalrat Tr. Haberkorn 311 erweitern und diesen mit ber Vorarbeit zur Schaffung einer Fürsorgestelle für Trinker in Gießen zu betrauen. Man verhehlte sich keineswegs bie Schwierigkeiten, die bis zur Errichtung einer solchen zu überwinden sein werden; namentlich ist die Beschaffung der dazu notweiidigen 'Mittel keineswegs leicht, ziunal man leider, wie Oberstaatsanwalt Theobald hervorhob, von Seiten ber Stabt Gießen auf ein Entgegenkommen nicht hoffen darf. Diese hat sich vielmehr in bedauer­licher Gleichgiltigkeit gegenüber dieser sozial keines­wegs zu nnterschätzenden Frage stets vollkommen ab­lehnend verhalten und hat bisher nur in wenigen Fällen zur Aufbringung eines Teiles ber Sofien für bie Fürsorge von Trinkern gezwungen werben können. Oberstaatsanwalt Thcobatb ist aller­dings der Ansicht, daß sie unter Umständen zu solcher Fürsorge durch G e r i ch l s e n t s ch e t d ii n g genötigt werden könnte, wenn die Annahine bestehe, daß durch diese Fürsorge die Wieder­herstellung der Arbeitsfähigkeit des Patlenteil erreicht luerDcn könne. Jedenfalls sind die persöiilichen Bestrebungen des Gießener Ober­staatsanwalts zur Schaffung voii Arbettsgelegenheit für durch Trunk- sucht zu rechtlichen Verfehliingen verführte entlassene Straf­gefangene äiißerst dankenswert. Es steht zu hoffen, daß der unter seiner Leitung stehende Verein es mit der Zeit wenigstens hier in Gießen erreichen wird, daß man zu humanerer Auffassung der z.T. mWahrheit als schtver traute und nicht als sittlich verworfene imd moralisch minberivertige Menschen atizusehenden Akoholisteii gelangen, daß man ihnen das rechte Ai i 11 e i d und die rechte Pflege in Familie, Gemeinde und Staat augebeihen zu lassen hat. Dir. Dr. Dietz erklärte sich auf Aufforderung bereit, unab­hängig von ber von ihm geleiteten Provinzial-Siechenanstalt ihm zugewiesenen Alkoholkranken nach Kräften physische und psychische uil'e zuteil merben zu lassen. Es steht ztt erivarten, baß sich aus diesen Anfängen eine größere unb wirksame Fürsorgestelle für Trinker gestalten wird. Vielleicht läßt sich nut der Zett auch an die Lungenheilstätte eine solche für Trinker angliebern. Sehr von Röten bei einer solchen aber ist außer dem Arzte bie Wirksamkeit einer, wie Kirchenrat D. Schlosser sich ausdrückte, seeliorgerijch ver- ai,tagten Persönlichkeit, bie durch moralische Einwirkung die Heilung wesentlich zu förbern vermöchte. Das mürbe allgemein, auch ärzt­licherseits, anerkannt.

Auf Einladung des -! orsitzenben waren auch einige Mitglieder des Blauen Kreuzes und der Giittemplerloge erschienen, die in erfreulicher Weise mit dem Gießener Verein gegen den Mißbrauch geistiger Getränke ziisamnien arbeiten und durch persönliches Wirken jchoti manchen erfreulichen Erfolg aufzuweiseii haben.

9)lan hat also, und das ist als das erfreuliche Ergebnis dieser Alontags-Versanimlung anzusehen, vorerst wenigstens deir Weg ern- gefchlagen zur Erreichung eines allgemein unterstützenswerten sozial ivichtigen Zieles, von dem ans man die körperliche unb geistige Gesundung eines nicht geringen, heute unterschätzten und doch

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** K ßachbat Richters Mitten, ndbenberg mit seiner ;iim, das zwischen^ ewnigelild) vttsario st tidjiifl >I> ih>, eine

Bahnhofsrestaurateur Niemann ein 1

Diner serviert wurde. Um 1,30 Uhr wurde die Reise nach Dessau fortgesetzt.

Bezahlung von 55 Mk. Jnseratkvsteu wird dLmontsprechend gut- Weltanschauung. Das Zentrum ist von der großartigen papistisch. aebeißon zentralistischen Weltanichanung, von dem Gedanken der Welt-

Dre von einem privaten Psandverl.'-Hcr angeregte Errichtung Herrschaft der katholischen Kirche erfüllt. Bet der Sozialdemokratie eines" städtische n P f a n d ha u s e s wird abgelehnt. spielt die materialißtsche Weltanschauung, der heilige Glaube an

Die Versammlung erklärt ihr Einverständnis damit, daß das die Herrschaft des Arbetteritandes, eine ähnliche Rolle. Em hohes dem Zi eg enzu ch t 0 er e i'i gewährte Darlehen nur mit 1 °o Ziel reißt hier und dort die Massen mit sich fort. Demgegenüber zuzüglich "ber ersparten Zinsen amortisiert wird, so daß dem stehen bie bürgerlichen Parteien ohne eine solche großzügige Welt- Vereiu von bei.: städtischen Zuschuß jährlich IUI) Mk. bleiben, anschauung da. Aber auch hier ist sie zu erwecken; es ist bie Ter Verein soll sich aber vernfiiclncit, die der Stadt obliegende nationale und ideale Weltanschauung. Das Vaterland muß über Verpflichtung der Ziegenbockhaltuug zu tragen. die Partei gestellt werden. Deutschlands Macht, Ehre und Größe

Für die H u n d e a u s ste l t u 11 g werden nachträglich 50 Mk. sollte die Parole sein, unter der die nationalen Parteien bie aitti- für Ehrenpreise gestiftet. nationalen bekämpfen ,

Em Gesuch Schumanns @ man der eine Stelle An diese mit (cbOattem Appl-ns aulflen^mene Webe bei beer Offenbacher Schutzmannschaft angenommen hat, um Ab- nch eine längere Drnkustion an, in^dcr namentliche rer Ge- hir'una ieiner K ündiaunasfrist wird genehmigt. danke zum Ausdruck tani, daß bie äugend, Ulib invbcfonbere

tur.ungf.imr ^mtoigungskri,^wiio gcneymigi. ........bic akademische, den nationalen Gedanken sesthalten müße.

Der verein der nationaMberalen Zügen- in Giehen----unFcattö?

hielt gestern abend imEinhorn" eine sehr gut besuchte öffent- (Sic ft en 6 Mai 1908

Uche Sersommlung ab. Nachdem der Barsitzende des Vereins, tSletzen, b. jj(ai l»ua.

Herr Klingspor, die Versammlung eröffnet hatte, sprach Herr "Professor Dr. Dieter ich in Heidelberg -s. Q. Riedel überBlockpolitik und Liberalismus". Aus Heidelberg erhielten wir heute früh die drahtliche Trauer- Wer sich den Llusführungen dieses jugendlichen '^dners gesterii fun^t ^ort Professor Albrecht Dieterich, der bekannte aus­übend vielleicht auch Nicht ttt allen Punkten hat anfchließ.en .r.. _ 1 , , , ' - r,

können, wird doch seine herzliche Freude an dieser zündenden gezeichnete klassische Philolog, gestern im Kolleg von einem Beredtsamkeft gehabt haben, die getragen war von echt nationalem Schlaganfall betroffen wurde und heute früh gestorben ist. Empfinden. Herr Riedel bemühte sich, auch den politischen Geg- Prof. Dieterich hat bekanntlich jahrelang als Ordinarius nern Gerechtigkeit wiederfahren zu lassen und entwickelte in seinen cin der hiesigen Universität gewirkt, bis er zum Sommer.

femefter 1903 nach Heidelberg berufen wurde. Ter Eich, der Zolltarif, so führte er einleitend aus, angenommen worden Tod des ausgezeichneten Gelehrten un allerbesten Jlanne§alter war, erlosch im Deutschen Reiche wieder einmal das Interesse ec war erst am 2. d. M. in sein 42. Lebensjahr getreten an der inneren Politik und man wandte sich wieder mehr der bedeutet für die Wissenschaft einen außerordentlich schweren

Verlust, u^ 'mrb hier .n westen Kreisen ..bh-ft. Teilnahme des Blocks zurückzuführen. Wenn die innere Politik wieder ein- finden. Albrecht Dieterich stammte aus Hersfeld in Heßen- nial fähig ist, den deutschen Michel mehr als ein Jahrlang zu Nassau. Ec studierte von 18641886 klassische und deutsche interessieren, so muß etwas Außerordentliches geschehen sein. Man Philologie und daneben Theologie in Leipzig, von 1886 bis war dem Block gegenüber anfänglich von Mißtrauen erfüllt und 1RQo m mnnn ,1t-ninnniprtp hnrt 1888 bei der vbilosovbifcken meinte, baß er bei der ersten Belastungsprobe auseinandersallen ^8 n -Bonn, promovierte dort 1888 bei der pyuoiopy Mn werde. Das ist aber nicht eingetrofsen. Der Block hat Stand Zaknltat Bonn. Er war Probekandidat am Gymnasium zu gehalten. Redner ging dann näher auf die Verhältnisse ein, Elberfeld von Herbst 1889 bis Herbst 1890 und habilitierte die Barth, Gerlach und Genossen zum Llustritt aus dem liberalen sich füc klassische Philologie an der Universität Marburg Wahlverein veranlaßt haben, und geißelte in scharfen Worten - " ' -

die Stellungnahme dieser Herren zur Sozialdenwkratie. Als Libc-

ALeines Fe^iUeton.

Die Schaffung eines Werkes von sozialem Werte wurde am Montag ui einer Versammlung besprochen, die im großen Saale des HotelsEinhorn" zu Gießen slattiand. Unter dem Eindrücke der betrübenden Tatsache, daß eine nicht ge­ringe Anzahl von Existenzen auch bei uns in Gießen unendliche Leiden durchzumachen haben, ja zuweilen ganze Familien zu Grtmbe getjen durch die auf epileptischer Grundlage erwachsene Trinke r= keibenfchaft eines Angehörigen, plant ber Verein gegen beu Aiitzbranch geistiger Getränke bie Errichtung einer Gießener Trinker- fürsorgestätte. Um biejem Plane möglichst viele belienbe, ratenbe unb förbernbe Freunbe zuzuiühreu, ^atte ber Vorstanb bes Vereins ben neuen Direktor ber Provmzial-Siechenanstalt, Dr. Dietz, ben Nachfolger Dr. Nlarkwalbs, gebeten, einen öffentlichen Vortrag zu halten über Trinkerfürsorge, unb Direktor Tr. Dietz fanb sich dazu bereit. Am Montag spcach er vor einem leiber nicht sonberlich großen Kreise von Zuhörern. Alan hätte wünschen mögen, bau namentlich mehr Al ütter zu bem Vortrage erschienen wären, mehr Frauen, bie verantwortlich finb für bic geistige Ent­wickelung einer fommenben Generation unb bie, sofern es ihre sozialen Verhältnisse gestatten, sich mit in ben Dienst ber A11- gemeinheit stellen sollten zur Förberung eines georbneten Familienlebens im Kreise ber Tlmberbcnüttelten. Tr. Tietz warm bie Mütter, ihre Kinber vor Eintritt ber iDiaimbarfeü auch bes geringsten Alkoholgenusses teilhaftig werben zu lassen. Er empfiehlt ber Jugenb wie ben Erwachsenen tägliche Leibesübungen unb Wanberungen, bie Teilnahme an Vereinen wie bemWanber- oogel" u. a. Er bebauert bie vorläufig noch zu geringe Zahl von Trinkerheilanstalten unb bie viel zu hohen Kosten für bie Verpflegung in ihnen (6700 Mk. im Jahr». In Hessen sei s. E. an bic Er­richtung einer staatlichen Trinkerheilanstalt innerhalb ber nächsten 10 Jahre leiber nicht zu beuten. Darum füllten alle anberen Krankenanstalten auch Trinker aufnehmen, von benen zahlreiche Epileptiker, also Kranke feien. Notwendig fei auch bie Einführung um bie Hälfte uiebrigerer Verpslcgimgsfätzc für Trinker in Kranken­häusern, empfehlenswert berÄlnsschank von alfobolircicn Getränken unb bas Verbot ber Einführung jeglichen Alkohols m staatlichen unb privaten Arbeitsbetrieben, bie Verteilung von Alerkzettelii über bie verwüstenben Wirkungen bes Alkohols bei Vergebung ber Jn- valibitätskarten. Den Ortsvorstänben füllte es zur, Pflicht gemacht werben, ben Mebizinalbehörben Vorschläge zu machen zur Unter­bringung von Trinkern in Heilstätten für Alkohülisten, bie z. Zt. vorerst zumeist nur von Wohlfahrtsvereinen ins Leden gerufen worben finb.

Nach bem Vorträge entivickelte sich eine angeregte Debatte. Der Dorsitzeiibe Oberslaaisanwalr Theobalb, Proi. Tr. SDliftermaier, KirchenratO.Schiüsjer, Pfr. i.P. Hofmann, Pir. Abolph u.a. beteiligten sich an ihr, wie auch Tr. Tietz. Außerorbenlliche Begclstecuiig für bas gemeimiüytge Werk unb flammcnben Glaudensciicr offenbarte em Mann aus bem Volke, bem Anscheine nach ein Eisenbahn-Unter-- beamter; er vertrat bie Ansicht, baß bic Rückkehr zu (Sott, baß das Evangelium allem hier zu helfen vermöchic, baß cs Heine noch Wunber tue unb Heilungen bewirke, was cc an Beijpielcn aus bem

LmnmmLen Grundbesitzer wegen Einbezrehmig des Geländes Awrschen Frankfurter Straße und

Aulweg in die Feldbercinigung bevor der Bebauungsplan scstgestellt ist, der für die nichtöffentliche Sitzung vorgesehen war, össciitlich zu verhandeln.

Dor Vorsitzende bemerkt dazu, die Beratung der Bebau­ungspläne ujiv. würden von ihm für die nichtössentliche Sitzung vorgesehen, um nicht durch die öfsenlliche Verhandlung der Speku­lation Dür und Tor z>n össnen.

Stadtv. Grüne w al d meint, gerade da könne die Spekulation einsetzen, iuo na gewisse Verl>ältnisse herrschen.

Alsdann wird die Eingabe verlesen. Es unrd darin von 50 Grundbesitzern, die zusammen 145 000 Quadratmeter, also zusanrmen 14/is des in Betracht kommenden Gellürdes besitzen, Einspruch gegen die Einbeziehung des Geländes in das im Gang befindliche Feldberciiiigungsoersahren erljobcn, vor Feststellung des Bebauungsplans, da es sich um Baugelände handle, bas schon in absehbarer Zeit zur Bebauung kommen werde. Es wrrd weiter in der Eingabe gebeten, den ^t'adtcrwciterungsplan für jene Gegend seftznstellen, damit bei der Feldbereinigung hinsichtlich der Weg­gestaltung und Geländezuteilung aus die zukünftige Straßensüh- rung Rückicht genommen werden könne.

Der Vorsitzende mem, daß es sich bei der Eingabe um einen letzten Versuch handle, die Einbeziehung des Geländes in die Fell)beremignng zu verlfindern, sowie Stadtv. Simon machen an der Hand des Jeldbereinigungsplanes längere Aus­führungen über die ^lngelegenheit, von denen am PressetischZiichts zu verstehen ist. 4!ach der späteren Debatte hat Stadtv. Simon die Feststellung des endgültigen Bebauungsplans^ vor Vorpahme der Feldbereinigung geivdinjdjt und mitgeieilt, daß die beteiligten Grundbesitzer, falls diesem Wunsch cntspwchen wird, das Straßen­gelände kostenlos an die Stadt abtreten wollen.

Beig. Georgi meint, dnrch die Aufstellung^ eines Ortsbau­plans werde die Feldbereinigung so erschwert, daß die Könsequenz wohl die sein werde, die Einbeziehung deS Geländes in das Ver­fahren zu unterlassen. Wenn der Bebauungsplan erst einmal festgestellt sei, müsse vom laiü)wrrtsä-aftlichen Wert der Grund­stücke abgesehen werden, sie müßten nach dem Bebauungswert bewertet werden.

Stadtv. Helsrich bemerkt dazu, cs existiere jetzt schon kein Landwirtschaftlicher Wert für das Gelände mehr, da es hoher be­zahlt werde, als die höchste Bonitierung sei.

Stadtv. Winn vegt an, mit der Feldbereinignng Hand in Hand solle mgn einen großsügigen Bebauungsplan aufitellcn. Hierdurch werde für die Stadl die Aäöglichkeit gegeben sein, das Straßengelände kostenlos zu erhalten. Er denke z. B. an die Anlage einer Straße von der Frankfurter Straste hinter der Lvserne her bis zur Marburger Straße. Er beantrage, eine ge­wisse Summe zu genehmigen und eine Konkurrenz für die Ge- winnnng eines solchen Bebauungsplanes auszuschveiben.

Ter Vorsitzende bemerkt dazu, daß ein solä)er Bebauungs­plan in seinen Grundzügen schon existiere.

Stadtv. Löber erklärt es für notivendig, daß die Stadt mit der Feldbereinigung Hand in Hand gehe. Die hier herrschende Geheimniskrämerei bringe der Stadt eher Schaden, wie diutzen. Wecker betont der Redner die Notwendigkeit, auch für Hessen ein Gesetz wie die lex Adickes zu schaffen.

Ter Vorsitzende erwidert, so weit möglich sei, gehe tnan auch seckher schon Hand in Hand mit der Feldbereinigung vor. Schon 1901 hätten die Städtebürgevmcister die Anregung beim Ministerium gegeben, die lex AoickeS unb die Zonenenteignung einzuftihren, cs sei aber noch nichts geschehen. Im übrigen könne er mitteilen, daß Regierungsrat Kranzbühler vor einigen Tagen von seinen sonstigen Arbeiten entbunden woiLen sei, um sich ganz der Bearbeitung der allg. Baiwrdnung widmen zu können.

Stadtv. Huhn tritt ebenfalls für baldige Schaffiung eines endgültigen Bebauringsplanes für das Anlweggeländc ein. Man werde damit das Straßengelände umsonst erhalten und mck der AufichlieMng eines großen Baublocks werde man auch günstig auf die Bodenpreise 1 vir Een.

Nach weiterer Debatte wird die Angelegenheit durch die Er­klärung des Vorsitzenden erledigt, ein solcher Bebauungsplan solle ausgearbeitet werden.

Verschiedenes.

Ter Vertrag wegen des S tädtebu nd-Th ea te rs Giesten-Marburg wirb zunächst auf drei Jahre verlängert. Falls er bis dahin nicht gekündigt wird, soll er auf unbestimmte Zeck weiterlaufen.

Die Omnibusgesellschaft hat 1907 einen Fehlbetrag von 7847,99 Mk. zu verzeichnen «außer dem 3000 Mk. voranschlags- mößigen Zuschuß, der auf bic Stadt übernommen wirb).

Ter Vorsitzende teilt nick, daß das für die Vornahme der Vorarbeiten zu einer elektrischen Bahn beschaffte Material nunmehr gesichert sei, so daß am Dienstag (5. Mai) die verstärkte Verkehrskommission sich mit der Sache befassen Lünne. Die Vor­lage werde bestimmt im Juni an das Plenum gelangen.

Die Kosten für die Lungenkranken-Für sorge stelle sind nach früherer Abmachung von der Stabe zu tragen. Die

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