Nr. 31 Zweites Matt 158. Jahrgang
Donnerstag. V Februar 1908
Erscheint tSgNch mit DuSnahme bei Sonntag».
Die „eiebener LamMenbliitter" werden dem „Blnjetfler* otcrmal wöchentlich beigelegt, das „Kretsblatl für den Kreis Sieben" zweimal wüchenUrch. D« ^hessische Landwirt* erscheint monatlich einmal.
Giehener Anzeiger
General-Anzeiger für Gderheffen
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8t 8 a a 0 <, Dießen.
Redaktion. Expebition an6 Druckerei: Schul» strotze 7 CErpebttion and Beriag > 6L Redaktion: 112. Let-Adr^ An-eioerGietzen.
Deutscher Reichstag.
95. Sitzung, Mittwoch, den 5. Februar.
Am Tische deS Bundesrats: v. Armin, v. Ballet deS B a r r e s, Frhr. b. Gebsattel, Frhr. b. Salza, b. Dor - ter u. a.
Präsident Gras Stolberg eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 15 Minuten.
Der Militnrelat.
(Dritter Tag.)
Abg. Dogt-Hall (wirtsch. Bgg.)' begründet den Antrag seiner Parteifreunde auf Einführung bc8 freiwilligen landwirtschaftlichen Unterrichts. Er beruft sich auf die Erfahrungen der bayerischen Militärverwaltung.
Bayerischer Militärbevollmächtigter Frhr. v. Olebfattcl:
Unsere Erfahrungen sind allerdings noch äußerst gering. Im letzten Winter wurden an der landwirtschaftlichen Winterschule in Augsburg von Januar bis April 20 Dorträge gehalten an 50 Mann. Der dritte Jahrgang davon kehrte ohne Ausnahme aufs Land zurück, neun blieben Landwirte und sieben andere blieben wie bisher Handwerker mit landwirtschaftlichem Nebenberufe. Dns Ergebnis ist also nicht ungünstig, aber weitgehende Schlüsse wird man daraus nickt ziehen können. Der Oekonomierat, der den Unterricht erteilt, gestand ein, daß es nur der allerhöchsten Anstrengung möglich ist, am Abend nach anstrengendem Dienst die nötige Aufmerksamkeit zu bekommen. Die Versuche werden außer in Augsburg auch in Landshut und Passau fortgesetzt werden. Die Vorträge sollen auf den dienstfreien Sonnabend-Nachmittag und in frühere Wintermonate gelegt werden. Es ist vielleicht ein kleiner Schritt, der Landflucht zu steuern. Die Militärverwaltung steht dem mit vollstem Wohlwollen gegenüber, macht aber zur Bedingung: absolut freiwillige Meldung zum Unterricht und seine Verlegung in durchaus d i e n st f r e i e Stunden. Die Heeresverwaltung ist auch nickt in der Lage, Mittel zur Verfügung zu stellen. Da ich das Wort habe, mutz ick auf meine vorgestrige Rede zurückkommen. Zu meinem Erstaunen und Bedauern ist mir mitgeteilt worden, datz einzelne Herren den Satz, den ich an die Spitze gestellt hatte, rnitz- berstanden haben und zwar dahin, als habe ich dem Abg. Häusler die Eigenschaft als Sachverständiger abgesvrcchen. ES kann mir nicht im Traume einfallen, einem Herrn der auf eine 30jährige Dienstzeit zurückblickt, Sachverständnis abzusprechen. Ich würde es damit ja auch mir gegenüber tun. Ick habe gesagt, seine Ausführungen würden als die eines Sachverständigen ausgenutzt werden. Aber natürlick habe ich damit nickt tagen wollen, daß seine sachverständigen Ausführungen rick- fig sind. Ich bin der Ansicht, daß die Ansicht, die der Abg. Häusler sich auf Grund seiner Erfahrungen in 30jähriger Dienstzeit erworben hat, eine grundfalsche ist. (Große Heiterkeit.)
Abg. Dr. Müller-Meiningen (frei]. Vp.):
Ich vermisse von der Militärverwaltung eine Erklärung auf die- Bemerkiingen, die in erfreulicher Hcbereinftimmung von meinem Parteigenossen Mugdan und Herren auf der rechten Seite abgegeben sind, nämlich über die notwendigen Ersparnisse. (Sehr gutl) Dir werden jene Erklärung des Reickskanzlers nicht bergeff en und sie immer wieder in die Erinnerung zurückrufen. (Beifall.) Wir können jetzt eine Antwort beanspruchen, (Sehr gutl), nachdem der verantwortliche, der leitende Staatsmann das in sein Programm aufgenommen hat. Zur Reform des Beschwerderechts und des M i I i t ä r ft r a f« rechts liegen nun schon drei mit großer Mehrheit des deutschen Parlaments gefaßte Beschlüße vor. Was haben wir bisher erreicht? Gar nichts. (Lebhafte Zustimmung.) ES liegt abermals eine Fülle von Fällen vor, die die Notwendigkeit der Reform zeigt. Es ekelt mich allmählich, diese Geschichten hier immer wieder in voller Breite vorzutragen. Jahrelang mußten wir sie in ihrer ganzen Scheußlichkeit vorbringen, schon um die öffentliche Meinung etwas mobil zu macken. Aber was hilft es? Denke ick an den Fall des unglücklichen Leutnant? Diez — der Kommandeur siebt heute noch bei der Truvpe, der meiner Meinung das Leben dieses jungen Mannes auf sich hat — so muß einen der Unwille ergreifen. Wir können mit der Reform des Beschwerderechts nicht mehr warten. Die Herren von der Militärverwaltung versichern immer, daß sie auf? äußerste denMilitärmiff- Handlungen entgegentreten. Aber was haben sie Positives getan? Den Worten folgen nicht Taten. Der Kampf gegen Militärmiß- bandlungen wird rein mechanisch geführt, es wird lediglich auf Symptome kuriert. (Hört! Höril) Ist das eine Behandlung der Volksvertreter? Immer wieder haben wir die Dringlichkeit der Reform des Militärftrafreckts erklärt. Ich frage: Welche Vorbereitungen sind getroffen, daß Hand in Hand mit der Reform des Miliiarstrafprozesies auch eine Reform des materiellen Militärftrafreckts erfolgt? Was gibt es jetzt für Strafminima, wenn es Vorkommen kann, wie noch vor kurzem, dgß zu zehn Jahren Zuchthaus als Minimum erkannt werden mußte und nachher in weiterer Instanz vier Docken Arrest wegen einer Lappalie herauskommen? Wie darf man da noch mit der Reform zögern? (Sehr gut!) Weshalb kommen wir nicht weiter? Ich will die Frage mit aller Offenheit beantworten, wenn sie auch etwa? kitzlich ist. Wer von unS batte nickt die vollste Syrn- baffne mit dem Auftreten de? leider erkrankten .Kriegsminister? in dem Falle Moltke-Harden! Wir alle. (Abg._ Stadthagen ruft: Nee! Heiterkeit.) Wir hatten alle das Gefühl, daß her Kriegsminister eine verlorene Sacke geradezu mit Selbstaufopferung vertritt. Wir werden den Eindruck nicht To5, daß auch auf diesem Gebiete ein konstitutioneller Fremdkörper die Hauptrolle spielte. (Sehr gut! links.) Mit ganz seltsamer Erregung hat der Vertreter der Militärverwaltung Herrn Sckrader erwidert, als er vom Militärkabinett sprach, es sei ein sehr gefährlicher Weg, den Grundpfeiler zu untergraben, auf dem rnifer ganzer Staat beruhe. (Lachen links.) Woher diese Erregung?
Wir verwahren uns gegen den Vorwurf, daß wir in ver. sasiungswidriger Weise in Kronrechte eingreifen wollen. (Sehr richtig! links.) Der Abg. Erzberger hätte nicht nötig gehabt hier seine Partei als die Partei der Kronrechte hinzustellen. (®ehr wahr!) Aber wenn wir auf der einen Seite auf das gewiffenhas- teste vermeiden wollen, in die verfassungsmäßigen Reckte der ober, sten Kommandogewalt einzugreifen, so haben wir auf der anderen Seite die verdammte Pflicht und Schuldigkeit, auch die verfassungs. mäßigen Rechte des Parlaments auf diesem Gebiete unter allen Umständen zu wahren. (Bravo!) Gegen die exzeptionelle Stellung des Militärkabinetts laßt sich nichts sagen. Aber die Ausführungen des Vertreters der Kriegsverwaltung darüber waren äußerst zweifelhaft. (Sehr richtig! links.) Der Erlaß von 1861 spricht
mit keinem Wort vom Militärkabinett, sondern lediglich von dem Unterschied der reinen Kommandosache und der reinen Militärverwaltungssache. Für die letztere ist die Gegenzeichnung des Kriegs. Ministers nötig, während für die andere nicht. Tas sind staats- rechtliche Verhältnisse, über die wir uns vollkommen klar sind. Aber das Studium dieser ganz besonderen Behörde hat geradezu etwas Deprimierendes für das Parlament. Ich bin in der Geschickte dieses Militärkabinetts bis 1809 auf Selmrnhorst zurückgegangen. Dieses Militärkabinett war stets dem Kriegsministerium untergeordnet. Das fordern auch wir. Im Jahre 1896 wurde, da der General v Einem älter war, al? der kommende Kriegsminister, eine vollständige Trennung de8 Militärkabinetts von dem Kriegs, ministeriiim borgenommen. (Hört! hort! links.) Aus dem Erlaß von 1863 geht hervor, daß die bisherige Abteilung für persönliche Angelegenheiten im Kriegsministerium völlig ausgesckieden wurde urnb jetzt gleickterechtigt neben da? Kriegsministerium gestellt wurde. (Hört! hört! links.) Im Jahre 1896, bei der bekannten Differenz zwischen dem Militärkabinett und dem Kriegsminister, die damit endete, daß der Kriegsminister in Pension ging, spielte bereits diese Frage eine sehr große Rolle, ob das Militärkabinett tatsächlich über dem Kriegsministerium steht ober nicht. Damals war die ganze öftentlicke Meinung fick darüber einig, daß das Militärkabinett einen völligen Sieg über das KriegSministerium babontrug. Den Vertreter deS Kriegsministeriums möchte ick dringend bitten, nickt an Gefühle zv Dpi .fieren, wie er es gestern getan hat, deren Ver letzung wir abiolut perhorreszieren wollen. Ick glaube deswegen, daß der Ton, den gestern der Vertreter des Kriegsministeriums gegenüber unserem Freunde ergrabet anscklug. nickt am richtigen Vlatze war. (Sehr richtig! links.) Die Verantwortlichkeit des Kriegsministers ist in einer Weise beschränkt, wie kein anderes Rcsiort. In den Ausführungen des Vertreters des KrieqSministe. linms habe ich die volle Klarheit bar über vermißt, welche Zuston digkeit nun eigentlich das Militärkabinett hat. (Sehr richtig! links.) Er sprach nur davon, daß es eine Bureaustelle, keine Be Hörde sei mit Befugnissen nach außen. Dem stelle ich folgendes gegenüber: Var einiger Zeit lief durch die ganze Presie ein Artikel der „Frankfurter Zeitung", der Vorschriften für das Militärkabi. nett der Oeffentl'ckkeit übergab. Da heißt es: Das Militärkabinett bat die Bearbeitung der Offizierspersonalien der Armee, alle den Offiziersersatz betreffenden Angelegenheiten au§atfübren. Ferner liegen demselben die Kommandoangeleaenheiten der Armee, die ge, ricktlichen Angelegenheiten ustv. zur Bearbeitung ob. Wenn das richtig sein sollte, was bleibt denn da noch überhaupt dem Kriegsministerium übrig? (Sehr richtig! links.) Wenn wir hier Kla. gen über die Zurückstellung des bürgerlichen Elements, über ehrengerichtliche Verfahren, über Duelle, über die kostspielige Pensions wirtschaft, über die Uniformierung der Kavallerie, die nach dem Ausspruch eine? bedeutenden Generals in ihrer jetzigen Verfassung geradezu eine sinnlose Blutsteuer sein soll. (Hört! hört!) Wenn wir diese Fragen hier behandeln, so kann immer eine Zuständigkeit des Militärkabinetts geltend gemacht werden. Danach ist der Kriegs, minister nichts anderes mehr als der parlamentarische Prügelknabe (Sehr richtig! links.) Tie formelle Verantwortlichkeit des Krieg?. Ministers wird durch derartige Vorschriften geradezu gelähmt. Darum fordern wir, daß das Militärkabinett wieder dem Kriegs, Ministerium untergeordnet und als eine besondere f’rbteilung in das Kriegsministerium etngesckialtet wird. Der formellen Verantwortlichkeit muß auch der materielle Zustand entsprechen.. Unter, schätzen Sie die Wichtigkeit dieser Frage für die Armee w nicht. Auch in Offizierskreisen, wie ich aus Zuschriften weiß, surcktet man sich vor dieser Kabinettsregierung und bringt ihr Abneigimg ent. gegen. In diesem Militärkabinett sehen wir den Hauptgegner jeber modernen großzügigen Reform, die wir vor allem auf dem Gebiete des Militärrechts anstreben. (Sehr richtig! links.) Auf unsere Bitten, das Beschwerderecht zu reformieren, haben wir trotz jatjre. langen Mickens nicht ein einziges Mal eine Antwort bekommen. (Sehr wahr!) , ,
Wie wichtig da? Deschwerderech t ist. dafür haben wir an den Prozessen 2 b u a r usw. ein klassisches Beispiel Disziplin im Heere ist unerläßlich. Eine Truppe ohne Disziplin stellt einfach eine st a a t S g e f a h r I, ck e Bande vor Aber diese Disziplin darf nicht überspannt werden. Ein? Ueberspannung der Disziplin untergräbt die Gerechtigkeit, und ein berühmter preußischer General hat einmal ausgesprochen, daß nur eine Disziplin Wert habe, die auf Gerechtigkeit aufgebaut sei. (Zuruf des Abg. v. Oldenburg (kons.): Ist fa auck!) W>r wollen auch die Oesfentlichkeit der Militärgerichtsverhandlungen nickt diirch gewiße Tricks illuforisch gemacht sehen. Ist es nicht ein Unsinn, die Presie an der Nase herumzuführen und ne dnrck alle möglichen Schikanen fernzuhalten? Personen dürfen unter keinen Umständen eine Rolle spielen, sondern lediglich die Rücksicht auf die Armee. Wir muffen immer wieder darauf Hinweisen: weder Standes- noch .Konsessionsrücksichten dürfen irgend eine Rolle in der Armee spielen. Auck damit findet der Herr General in weiten Kreisen des deutschen Volkes keinen Glauben, wenn er behauptet, daß keine kastenmäßige Abschließung beim Offizierkorps bestände. (Sehr richtig! links.) Es genügt nicht, daß der Offizier sick gewissen erklusiven bürgerlichen Kreisen nähert, in denen er vielleicht als Tanzoffizier gilt. Es wird so oft davon gesprochen, datz der Offizier Volkserzieher sein soll Das kann er nur. wenn er sich nicht ahschlietzt, was vor allem durch die M i l i t ä r k a s i n o S so sehr gefordert wird, wenn er mit den bewährten Kräften auf allen Gebieten des bürgerlichen Staatslebens zusammenarbeitet. Hauptmann Preiitz hat in seinem Buckie immer und immer wieder hervorgehoben, daß in unserem Offizier Verständnis dafür geweckt werden muff, datz der Wehrstand nur ein Teil des gesamten VerwaltungSapparates deS Staates ist. Geht man diesem Gedanken nack, dann kehrt man zu Sckarnhorst und Gneiftnau zurück. Wir werden unsere Klagen über die kastenmäßige Abschlieffilng des deutschen Offizierskorps nicht eher einstellen, al? bis man endlich in den weitesten Kreisen des Offizierskorps den Satz Cromwells begreift, wir sind zwar Soldaten, aber wir haben niemals aufgehört, Bürger R u fein. In diesem Sinne möge man endlich auch an eine Reform unseres gesamten Militärrechts Herangehen, und in diesem Sinne bitte ich auch, unseren Antrag anzunehmen. (Lebhafter Beifall links.)
Generalleutnant Sixt von Armin:
ES ist mir vorgeworfen worden, daß ich befonderS fcbarf gegen den Abg. Schrader vorgegangen fei. Das hat mir fern- gelegen. Bei einer heutigen Durchsicht meiner Rede habe ich auch keinen scharfen Ausdruck darin finden können. Wenn an manchen Stellen sich die Stimme etwas gehoben hat, so kommt das bei anderen Rednern bei Dingen, die ihnen wichttg erscheinen, wohl auch vor. Nicht das Militärkabinett habe ich als einen Grundpfeiler unseres Heeres bezeichnet, sondern die freie unumschränkte Kommandogewalt des Königs. (Sehr richtig! rechts.) Das ist ein großer Unterschied. Wenn nun der Vorredner sagt, wir wollen an der Kommandogewalt des Königs gar nicht rühren, dann habe ich allerdinas den Abg. Schrader falsch verstanden, dann verstehe
ich auch nicht, was der Abg. Dr. Müller-Meiningen bezweckt. Wenn diejenigen Befugnisse, die jetzt kraft der unumschränkten Kommandogewalt in der Hand des Königs liegen, unter die Verantwortung des Kriegsministers gestellt werden sollen, bann treten sie damit auch unter die Kritik, unter die Einwirkung der gesetzgebenden Körperschaften, und darin erblicke ich eine Beschränkung der bisherigen Kommandogewalt (Sehr richtig! rechts), und diese besteht nach meiner Kenntnis des Rechts und nach dem Standpunkte aller bewahrten Staatsrechtslehrer nach Gesetz und Verfassung. Da ich aus den Worten des Abg. Schrader nichts anderes heraushören konnte, als daß nack dieser Richtttng eine Aenderung eintreten sollte, so habe ich allerdings entschieden gegen eine derartige Absicht Stellung genommen. (Beifall rechts.)
Dbg. Wieland (dtsch. Vp.) halt eine Herabsetzung der Dienstzeit der Kavallerie von drei auf zwei Jahre wohl für angängig und tritt für eine einheitliche Uniformierung bei der Kavallerie ein, wodurch große Ersparnisse möglich waren. Auch die Dienstzeit der Fußtruppen kann verkürzt werden. Württemberg hatte vor 1866 eine niedrigere Dienstzeit bei der Kavallerie als jetzt. Vormittags waren drei <5hinten, nachmittags zwei Stunden Dienst: bann war her Solbat Herr seiner Zeit: unb wer darf sagen, daß die Württemberger 1870/71 nicht ihre Schuldigkeit getan haben! Mit allen Kampsgenoffen bin ick fest überzeugt, daß es ganz gut möglich wäre, den Dienst bei ter Infanterie, wenn auck nickt auf ein Jahr, aber mindestens auf die Zeit wieder zurückzuführen, die wir damals in Württemberg neficibt haben.
Abg. Wieland bespricht bann bie Resolutionen und fordert in?brionbere die Erhöhung des MannsckaftßsolbeS. Wir haben damals in Württemberg sieben Kreuzer gehabt und noch einen Groschen pro Tag gut gemacht, der am Jahresschluß ausgezahlt wurde. Ist es nicht ein Hohn, daß die Lahnung setzt nach dreißig Jahren einen ganzen Pfennig höher ist. (Beifall links.)
Abg. v. Oldenburg (kons.):
Der Kriegsminister wird seine Krankheft und sein Bedauern, diesen Verhandlungen nicht beiwohnen zu können, leichter überwinden, wenn er gesehen hat, wie glänzend er hier vertreten worden ist. (Lebhafter Beifall rechts.) Wir stehen vollkommen auf dem Grunde der Ausführungen seines Stellvertreters, auch in der Frage des Militärkabinetts. (Beifall rechts.) Natürlich: der Kriegs. Minister muß erst noch geboren werden, der ein Reckst des Kriegsherrn hier preisgibt I Auch kann ich nicht zugeben, baß Herr Sixt v. Armin einen erregten Ton angeschlagen hat. Wenn ein preußischer General hier sitzt, ein Vertreter oer preußischen Armee, unb es wird ein Lebensnerv bes Lftizierkorps berührt — baß er ba energisch Spricht, das ist seine Schuldigkeit. (Beifall rechts.) Unb das Verhältnis der Offiziere zu ihrem Kriegsherrn ist ein rein persönliches, daran darf niemanb rühren. Das ist ein so persön. lickes, daß nach meiner Ansicht es eine Hauptaufgabe des Kriegs. minifterS ist, dafür zu sorgen, daß unter feinen Umständen im Offizierkorps die Auffassung Platz greifen kann, daß die Presse, die Oeffentlickkeit, der Reichstag irgendwie Einfluß gewinnt auf die Entschließungen des allerhöchsten Kriegsherrn irgend einem seiner Offiziere gegenüber. (Lebhafter Beifall rechts.) Ich habe ja die Ehre, lange Zeit Mitglied des Hohen Hauses zu sein, weiß, das der Reickstag notwendig ist. (Sckallenoe Heiterkeit.) Als Ofsi. zier — gestehe ich Ihnen offen, war ich von dieser Notwendigkeit nickt überzeugt. (Anhaltende große Heiterkeit, Höril hört! Rufe links.) — Nein, wenn ich mich zurückversetze in meine Empfindun. gen als Leutnant — ich will es Ihnen ganz offen gestehen — e5 war mir etwas wunderbar, datz 400 Herren s i ch berufen fühlten, mit meinem alten großen König und mit seinem großen Kanzler mitregieren zu wollen. (Stürmische Heiterkeit.) Meine Auffassungen haben sich seitdem geändert. (Hört! hört! und fragende Rufe: Wirklich?) Ich bin nicht mehr Offizier, ich bin Mitglied des Reichstags.
Auch dem Vertreter des bahenfeben Heeres spreche ick Dan! aus für feine Ausführungen (Lebhafter Beifall rechts), und zwar tue ich es als alter Kavallerieoffizier, wobei ich allerdings gleich hinzufüge, daß ich in feiner Weise den Anspruch erbebe, Sackver. ständiger zu sein. (.Heiterkeit.) Offiziere, die länger aus der Front sind, beherrschen auch die Fortschritte nicht in dem Maße, die inzwischen gemacht sind. Wir haben ja gesehen, in welches Di. lemmaBebel schon durch dreiSackverständige geraten ist; ich möchte ihn nicht vollständig konfus durch einen vierten machen. (Heiterkeit.) Die Dienstzeit bei ter Kavallerie und Feldartillerie muff dreijährig bleiben. Endlich muff doch eine Linie gefunden werden, sonst kommen wir schließlich zu Ihrem Milizheer, mit dem Sie tert brüten glauben bessere Geschäfte machen zu können als mit dem Heer, wie eS jetzt ist. (Sehr richtig!) Im übrigen, wenn Sie von Napoleon reden, der mit 23 Jahren schon große Schlackten ge. schlagen hat, ober von Cromwell — ganz natürlich, bann_tönnen Sie ebenso gut sagen, weg mit den Universitäten, mit den Schulen, allesBIech ! Newton ist Buckbinderlehrling gewesen und dann der größte Physiker geworden, und Frauendorfer ist, ich weiß nicht was gewesen. (Schallende Heiterkeit.) Ich farm den Herren sagen: in meinem Kriegervercin werden Sie keine Gelegenheit finden, aufzuklären, der ist klug genug, auch ohne Sie. (Heiterkeit.)
Herr Schrader sprach von der 11 ebertregung der Ehrbegriffe durch bie Reserveoffiziere i n s bürgerliche Sehen unb meinte auch bie Duellfrage. Ich habe bie Ehre, Re- gimentsuniform zu haben unb würbe auch, wenn ich sie nickt hätte, Anhänger des Duetts sein; nicht für einen Pappenstiel, aber wenn es fein muß, würde ich diese Konseguenz ziehen, und ich kann Ihnen sagen, baff meine Eigenschaft als Inhaber einer Militär- uniform mir bie Sache erschwert hat. (Heiterkeit und Zustimmung.) Es ist gar nicht so einfach, zu einem Duell zu kommen. (Große Heiterkeit.)
Nun zu Herrn Noske. Ich bedauere, baß fr?rr Bebel mir so wenig Stoff gebracht hat — eS war nichts. (Heiterkeit.) Aus ter Schweiz könnte ich Ihnen eine Broschüre über Soldaten« m'ßhanblungen vorlegen: Sie würden Ihr blaues Wunder haben, welche Antworten die Schweizer Offiziere einstecken müssen. aber auch, wie da einem Rekruten mit dem Säbel dreimal über den .Kopf geschlagen wird. Da? ist die Kehrseite der Medaille. (Sehr wahr!) Zügelloser Freiheit und Frechheit folgt unbedingte Diktatur des Säbelregiments, unb wenn Sie es burch schlappe Bestimmungen bahin bringen, baff bie Offiziere den Mannschaften gegenüber wehrlos finb. bann bricht bieses (Stiftern zusammen. Nun sagt Herr Noske, Sie hätten auch große Stöße, aber Sie wollten es nicht vorlegen. Meine Herren, wer lacht ba? Sie haben nischt! (Große Heiterkeit.) Dieser Etat zeichnet sich baburd) ans, baß nickst eine einzige Mißhanblung hat vor- gebracht werben können, unb wenn bas in einem solchen Riesenorganismus möglich ist, bann ist bas eine kolossale Leistung. Ich glaube nickt, baff eine andere Armee das aufzuweisen hat.' (Beifall.) Herr Noske sagt, ber Ton zwischen Vorgesetzten unb Unter*


