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5.12.1908 Erstes Blatt
 
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Nr. 287

Tei «lehrner Anzrign erid)cmt läfiltct), oufaet Coruiiafit. - Beilagen: Hier mal roocbcnitid) 6le6tner$amilUnblätttr; troeunal wödicnll.Krels* lattfür &cn Kreis ©itfeen (Dienstag unb^reiiaa); imeunnl moiiatl Land« Vlrftchaflllche Sdtfragtn Retiiipicd)« Slnldilüfle: füi öleJlebnflion 113, Verlag u. Expedition 51 U-ieNe tüt Tcprichenx Anzeiger Gicßcn.

Innatjint von Lnzelge« für öie Lagesuuinmer bi6 oo mut tage 10 Uhr.

Erstes Blatt 158. Jahrgang

Samstag 5. Dezember 1908

Retzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

vezn gvp rei St monatlich 75PI^ viertel- jährlich Ml. 2.20; Ötirch Abhole- u. ßiveigflellen monatlich 65 'UL; durch die Post Alk. 2.viertel» jährt aue|d)L Bestellg. ZeilenpreiS: lokal 15 Btv außiudrie 20 Uleiuuq, tbetant mort lieh fui Öen Doliulchen Lrik, füi .Feuilleton* und .Berinilchtes*: Linst Slnöerlon. tüt .Stadt u. L'aiiö" imö(SetiditS-

Rofaflonsfmcf und Verlag der vrühl'schekr Unlv.'yuch« und Stdnbruuerd TL Lange. VedaMon, Lspedirion und Druckerei: Zchulftrahe 7.

Die heutige Nummer umfaßt 24 Seiten.

Sttmmund$bUö aus dem Reichstage.

öe c f m, 4. De»

TewerbeordnungSnovelle.

£>crr Naumann 1-ai gx|Lui den j^idjötagdie Halle der tSiebeiljolungeii' gcitoanL Mit gründlid>em frlciüc wird das ost sehr HKii|d)id>tige Gcsctzcsmalcrial in feinen Esii-elheitcn bcrcuS in der ersten 2cjung eingcljcni) erörtert und damit ein Stüd Kommissionsarbett in überflüssiger Weise schon vorher einmal geleistet. Dann bringt hernach die zweite Lesung die zweite acüiidliche Wiederholung. Aber dieser Austrond au Fleiß und Leit und (^iunölul>Efii wird nicht immer vertan; »ju Zeiten greift und das ist denn dach die weniger zu billigende Arbcilsmcck-obe das andere Extrem Platz. AuS rein äußerlichen Gründcn werden toulkige Gesctzcsbestinrmungen, die das Wahl und Wehe -an.'.er Gciveroe uild großer BcvölLrungsschid-tcn auücrjrbcnllid) berühren, ohne die Möglichkeit einer gründlichen Beratung durch' gehetzt. Dieser J-all ist bei den SckZutzvcst.iiimuiigeu für Arbeite rtnnen und iugeiiolidte Arbeiter zu verzeichnen, die mit 9iüu;iu)t aus die internationale Lerner Sbiun.'itnon zu Beginn des Lm wende n Zahl es in Straft treten sollen. (SS hätte nichts verschlagen, ivaui man die Beendigung der yacitcn Lesung dieser Borlage, die die Gcwecbekvmmiiiion aus t*r großen Geiverbinwvelle heraus- gegrisscu und dem Plenum des Rcid-stags gesondert zur Er­ledigung ühennitlelt hat, um einige Tage verzögert hätte. Aber die lc*klicnbiiuiü)ung der Bedenken die aus den beteiligten Zw dustrien heraus gegen die gar zu übcrgangSiofe Jnkraslsetzting be­engender Borschiiiten erfolgt ist, hat bei d:n Bertreiern dec- cnigxu Parteien, die nur zu leicht geneigt sind, sich über wirt- chajtlichk Bedürfuisse und Sdxw.erigkeiten 1/niwegzusetzcn, eine >ereizte Stimmung hervorgerufen, die sie in Der Absicht, einen Tng, wie es in jedem Jahre gesichelt ist, den Abgooröiieten für das Studium des Etats frcijngcben, ein sozialpolitisckxcs Vor schleppungsmanövcr erblicken ließ. So wurde dann zwischen Tür und Angel der noch unerledigte 'Jtcfh der Borlage bcuic verhanocll und Die Folge waren Zusailsmehr heilen und wiDerspruu^oolle B-.'schlusse. Zn der Kommission i/atte das Zentrum für die Ar beittrinnen, die ein Hauswesen zu besorgen Halen, die Forderung cined früheren Arbeitsschlusses am Samötag aufgeworfen und ungcadjict Der von industrieller Seite h.er^egen angesuhrten Gründe als Beschluß durchgesctzt. Zn der ziveiten Lesung im Plenum wurde dieser Befch. dann rückgängig gemacht und auch ein anderer Borschmg des 3cnirum5 ajgeicbr.it. Der das Anerkenntnis der UuridiiigFiil jenes itunrnriistonSjcsckstusses enthielt. £>cutc lag bei einem anderen Paragraph-.1, bei Der es sich um Ausuahme bcfiiiniiiungtii zugunsten von Zndustrien handelt, bei denen zeck­weise eine austerordentlick)L £ulufung von Arbeit vorkommt, der gtcidie Kvmnii, su)tisbcsd)luß vor; an dieser Stelle aoer sand der eiitspred^iide Antrag, der ihn beseitigen wolcke, nicht die Ibiehr- bcit, lüiüjrenD bann lüicDcr unmittelbar hernach eine Dein Sinne dieses Bftustufscs entgcaengesetzte Entfchewuiig getroffen wurde. So wird erst die dritte Lesung eine einheitliche Regelung bringen können.

Der § 154 der Gewerbeordnung, der eine Reihe von Ge- Werbczwcigeii vr>n der Geltung eines Teiles der neuen Bcst.m- mungen aus schliesst, hinleclässt eilte Reihe unbefriedigter Wünick-e, und man mutzte sich einfbucilen daraus beschränken, tue Oicgetung dieser Fragen burci) Re,olutioncn den Skraünoeicn Regierungen anö Herz zu legen. Hierzu gehört die rechtliche Ordnung der Beihatinisse in oer Gärtnerei, im Gast- und Schando.r;fu,aftS- gerne rbc und besonders auch beim Thea.er. Der ZentrumSjpezialist für die Angelegenheiten Der Künste, Dr. Pfeifier uno Der frei­sinnige Oberbürgermeister von Lagen, X)crr Cuno, nahmen fick) vewiu.»ers Der Sc.;au«vieler an, für die Die HauSgesctze an niandjen Theatern nach ihrer Ausfa,,u.ig geradezu eine moDerne Sklaverei bedeuten. Zur Erheiterung der Abgeordneten, die ein Hammcl- prung im Laufe der Sitzung in stattlicher Zulle in den Sigungs- aat geführt baue, gao es nickten in diesen trockenen Ausetnand-cr- etziingen ein mftigcS Nachspiel zu den Debatten der letzten Tage Über die Mackstv.Ziehungen zw.sa>en Parlament und Bundesrat. Und da wurden Die Öloiien vertauscht: die Dieb ne r Der Rechten wollten buiii Reichstag das Recht geven, Deoordnungen des Bundes­rats zu kassieren, während die Linke fick) gegen diese Beschränkungen der Souveränität der Bcvbundeten Siegicrungcn auflehnte.

Morgen beginnt die eifl: Lesung deS Etats.

Autzerordcntticher üerbanöstag

der mittleren post- und Ceicgiüphcu^ecrmien.

Ter Verband miulctcr NeichS-Pofl- und Telcgrapi'endeanitcn Hal am letzten Tonneroiag einen auyevoiöeiiilid)en Veibaudsiaa nach Berlin emberufen, um zu Der Befoldungsirage Stellung zu nehmen. Aus sämtlichen Bezirken des Rcichspostgel icics ivaicn insgesamt 227 Vertreter der Bcziiksvereine heibeigeeilt, um, mir der Verba idstagsieuer , Cbeuelegrapbenaifiiienl Rehlände r- Berlin, in feiner Begrüßimgsaistprache betonte, gegen Die mit bei Beiotdiingsvoilage zu be'ürchtende Tegradalion der mitileien Post- und Telegraphenbeamlenjchasl Ltellung zu nehmen.

Tas Hauptergebnis der Verhandlungen war solgeude einfümnug angenommene Resolution:

vTcr aiiSevorbcnilidje Verbandstag deS Verbandes mittlerer Reichspoit- und Telegraphcn-Bcainlcn ei kennt an, daß die für Die Reid)sbeaniien m Aussicht genommene Ausbesierung Der Gehälter zusanimen nut Der beadsichtigien Auibesfeiung des Wohnuugögeld- »ufauisjes, ak Ganzes bctrad)let, wohl eine (SurfommenSüCil'elieiung omltcllt. Er kann aber das, was m Der Befoldungsvorlage iin die mittleren Postbeamten vorgefehen ist, unbedingt nicht als eine ausieicheude Auibefjerung gelten Iahen und erblickt Darm eine un­verdiente Zurücksetzung gegenüber Den gleichwerti en preustischeti Beamten, stlnr eine Pliudesterhöhtuig der Gehälier Der Ober-Poii- und Lber-Telegraphenafsiiieutcu, Po«t- und Lelegrapheuaisistenien und Poitverivalier u.n 15uO bis buuu Alk. am 18uü bis i>G' U Pik., erreichbar ^n 18 Jahren, außer Den <ür Postvertvalter schon vor­gesehenen otcUcn;iil(igen, Der Post- und Telegrapheujekretäre von 170j bis tzdvo 'Ult. am 220U biö 42L0 Pik., wie |ie «oioohl Der 17. als auch Der 18. ordentliche Verbandslag für noiiuenDig erachtet hat, der Ober-Post- und Ober-Tetegravhensekreiäre und Ponnreisiei von 2100 biS 4.5,0 'Ulf. am lölu bis 4 00 Mt. m Zähren und eine pensionsfähige Zulage von 300 Mt. iiit Das älicne Zituel Der Ober-Poniekretäre und Postmelfier würde Der auBciüiDcmlidjen Preissteigerung m Den letzten Jahrzehnten einigermaßen diechnung tragen und zugleich VorbilDtmg, Pruiungen rniD lu 'oicici Leäniien sowie die hiitorijche Eiitivtcklung Des Ltaiides Der Niittleien Posibeainien berücksichtigen/

Als eine uoilueirieDigenDe Regelung der Gehaltstage der Mittleren Reichs-Post- und Telegrapheiweamien ist jeDod) nur Die Turchiuhrung Der Personalrewrni nach Dem Befditnsie des Üieichs- tages bet Der (Xiaiberaiung im yebruar 10U7 anzujehen.

Die Revision del AlohnungSgelDziifchusses hat alle ü Zähre zu | erfolgen.*

ferner nahm der aulserordentliche VerbandStag zur Zrage der Besoldung der nicht angefleUien Beamten folgende Entschließung em|iimmig an:

,Ter außerordentliche VerbandStag des Verbandes mittlerer ReichS-Post- und lelcgraphenbeamieii nwariet, daß Die Bezüge Der nicht angcsteltten Post- und 5.elcgiai.'l)eiig|fi|iciittii in Anbei rächt der Teueiungsverbäilnifse erheblich auigebefseri und mit Rücksichi auf ihre Vorbildung Den Bezügen Der ans dem Zivllanwärieiftande beruotgegangeucii glcidjivemgeii dlälartfch beichäitigten Beamien Pleilpcils gleichgestellt werden.'

Jin weiteren fand au'Antrag von fi e 11 n c r-etrabburg (6lf.l iolgenDe tLnlfchticßling einstimmige Annahme:

,Ler VeioiindSvoisland hat mit allen 'Ulitteln bulnr eiuzu- treten, Daß Die von Der Regierung gewiderte besondere Zulage, Die Den Reichs Eiieiibahlcheamien, neben dem gleicheii Gehalt miD IsohnungsgelDziischuß wie Den Postbeaniten gewährt weiöcn soll, auch den Postbeamten in GlfaB-L'othrnigen bewilligt werden. Tie lür Die Zulage gegebene BegrunDuiig tuffi tu ganz besonderen- Ulaße out Die im ^teichslande beschaUiglen Postbeaniten zu.'

Alu einem begeiucrt au'getioiiuiieneii ^)och wurde öc-' oußer- ordeutliche Berbandstag um 5 Uhr nuchuiitiags geschlosseli.

Zur Lage lu Prag.

Die Sozialdcmolra^n hu^it Dienug.'r Stadt gemeinde, ben Bürgerm-e.ster und Die SlaDfatte aufgeiorvcct, Die Bürgschaft Da­für zu übernehmen, Daß Die Ruhe und CrDnung nützt weiter gc stört werben, damit üu ZtUerefse Der Durch Die Tumulte und Au- iperrungeti jdyuct ßefdjubigten Gcsck-äststvcli twch vor du Weist uad.iswod-e Das Siauo.rdst aufgehot,cn iiniuc. Die Stutzt ist ooilL-nuuen ruhig. sl'üan nimmt Daher tnaügi.beiiDiii Ottes au, oaß cs möglich sein werde, Du» Swiwreckst twih vor Stkil/nadj-icn auüul)cbcn. Zeooch wirb Die Zerg^eruttg gleichsails an Die Be­völkerung Die ernste tzstahnung r st ist en, fortan jeoe demoitslralibe M'unbgebung zu unierlafjcn, Da sonst Das Smitdreckst sofort wieDu veilst.ttgl wurde. ZtistvisustN ist es in Brü; aoenna;ä zu Temon- strationen uno Zusammensttztzeit zwischen Deuischeu uno Tschechen gekommen. Besonoers tsch.chifchc Dragviler nahmen l_I gegen o.e Deutschen eine DeDrohiiche Haltung ein. Zu cru|Lii AuS- schrettungett kam cs auch in Pilsen. Dort war besoittzers Da» orutschc bjiuty und Die Wohnung des Deittjck^n LattDman>imiit.slus 2r. Sdjrcliier gefährdet.

Sehr zu vegcuchn ist es unter diesen UmstänDen, daß in einer gestrigen Bollvusaui.ntt.ng Der diuliastrviheiilicistn AogeorDnetiii ui Willi Der Zus a in e >t s chlnß des D e u t s ch f o r 1 s ch r i 11 l i ch e n, De s D e u l i c^> r a o i l a i e n u >t D D c s D e u t s ch natio­nalen Verbandes beschlossen worden >st Die Partei ivipo De st Titelnarionaier Verband Deuts chsovl-schr ittlick-c r Abge­ordneten" führen.

Ter Zusammenstotz en der Montetiegriaifchkn (Srcnze.

DieSiuhl <jig. ui .ui. a;.5 ^Uvuvät: Reue re >r ad,-richten auS Bcsitien sästiuen ;u begütigen, Daß an Der monlenegrinija-eii Grenze ein Ziisanrmenstoß statlsand. Er soll sich am Sonnlag Den 29. November -wischen einer aus 70 Mann bestrhenden luotcilung lko o. des ^ni.-oieg'ls.Jii. ü8 unD einer

großen ntoniencgtuuiu>eii ^xtiibc hart an lkt Grenze, teooch aui i-erzcgowinüch-'tn Gebiet zugettagen haben. G.st touren Der Ober Leutnant Traktter und ztoei Znsa.iieristta aus Dem Hinterhalt ersck,o,scn wo»den, unmittelbar Darauf sei die ganze Banoe zum Vorschein q Lntnicn. Die ost-rrcm,rsche Aotetlung gab yeuer, ivodurch u-x yjumtenegriner gelotet wurden. _ Antuich wird ici Zuiammetlsdutz iwa, jetzt geleugnet, unb es heisst, Daß Trackler Das wvier eines Unfalles geworden sei.

Ocuttzches NeicL).

Der D u ndeSr a t hat Die Vorlage über Die Zulassung von BÖrsenrermiiigesd-uften in Anteilen von Bergwins- uno Zadrtt- unternehmuligen angenommen.

Tie LanDesbersanimlung in Braunschweig hat mit 24 gegen 23 Stimmen Die Gesetzesvorlage betretsend Die Be­willigung von 200 UUU bitt höchstens 22ü ÜUJ Marl aus Staats- niittcln zum Ausbau DeS W e s e r h a f e n s in Holz,m i u ö c n angenommen. Tie Stabt ttnb bet streis Hvlzminben haben zu bett aui 325 003 Mk. geschützt n kosten 125 00J Mk. beizutrageti infolge bet b e t a n n t e tt d) ü d i n g - s2l n. q c l e g c n » Oeit steuert Personalveränderungen bei Der beteiligten Rejiierungs- behorbc bevor. Ter LanDrat 'Jia6c, ber in ber Sache vielfach ge­nannt wurde, wirb seinen jetzigen Posten mit einem neuen an ber Regierung in Gumbintten verlauichen. Wie es heisst, soll er ber borligen Schulabteilung überwiesen werben. Der Re- gierungSpräsident v. jivcierowSki weilt bekantitlich auf Urlaub. Der bis zum 1. Januar 1909 wahrt. Man nimmt bestimmt an, Daß er sein Abschiedsgesuch einreick>en werde und nicht mehr in seine Stellung -strückkchrt. Ucbrigcnd weilt, tote man hört, Sd)ücking gegenwärtig in Berlin, um beim Minister des Znnern, von Moltte, Demnächst eine AuDienz nachzusuctzcn.

Tie Diesjährige Wintertagung Der Deutschen SVo I o n i a l g e i e 111 d) a f t janD gestern uonnittag im Stabt- verorDnetensaale Des Ra'l-auses in Berlin statt. Herzog Zohaiui Albrecht zu Mecklenburg, Regent des Herzogtums Braunid)weig, eröffnete Die Sitzung, an Der Die Staatssekretäre Ternlwrg unD Tirpitz teilnahmeti. Durch eine Ansprad)e, Die sehr beijälltg aus- genommen wurde. Staatsfelretiic Tirpiy machte einige Mit- rcilungcn über Die von Deutscher Seile geplanten Schritte zur For- Dcrung Des chinesischen Unlerrichlsivcscns in Sliautschou. Hieraus wurDen gcichasckiche Tinge erörtert.

Ter Unter st aatssekretärimAuswärtigen Amt, Dr. S t e m m r i ch , hatte bekanntlich mit Rüdsicht Daraus, Daß er zur Zeit Der bekannten Vorgänge nut Der Leitung Des Auswärtigen i-imtcs betraut war, seinen Abschied eingereicht. Da jenen Vor­gängen kein Anlaß zu Dem von Herrn von Stemmrlch getanen Schritt -u entnehmen war, ist seinem Gesuch keine ivcitere Z-olge gegeben worben, |o Daß ber Unterstaatssckrctar in feiner bisherigen Stellung Dem Tienst erhalten bleibt.

AuslanS.

Die italienische >. u ,.i... i . t,.u sich in den letzten Tagen sehr eingehend mit Der aiiswärtigen Polit.k unD Dem Lreiounde jc]d;iufu2. yfaü) Der g.steigen ötanuneriltzung. Die nut einem Vertrauensvotum ftr Die Regierung enve.e, ianD zwischen dem 11 uiijterpr*;| loenten Gioilitt, vortis unD Dem Minister Tilttrni eine Ausspiad-c statt. Die ci:i allgemeines Einvernehmen Dec Drei Staatsnstruuer ergao. Vlcioen T-ttonL scheint DaDi rch bis auf weiteres gewährleistet.

Skreta. Ltze aas Diplomatischen Kreisen verlautet, wird die kretische Zrage binncÄ lurzem m praktischer Weise gelost sein.

Da Griechenland für Die Znfel einen bestimmte» Betrag zahlen will und Die Pforte sich Dicier Losung geneigt zeigt.

Die ErmorDung Des Generals Ismail Mahier Pascha soll Den Sultan lief erschauert haben. Auch sonst steht Atzdul HamiD unter Dem Druck zu nehmen Der seelischer Depression. Zwisd-cn ihm und dem Komitee su/weut ein Kamps wegen Erössnung ocS Parlamen.S. Diese fotDcrn, Daß Der Sultan Den Akt Der Parlamcnlserösinung perjonlich wnununi und Den Eid aus die Bcrfajsung vor Dem veilamnieUeu P arm ment iwdstuals aolcgt. Der Sultan oagcgm will Die Thronrede Durch einen kaiserlichen Prinzen oDcr Durch Den Großwcfir verlesen lassen. Falls Der Sultan aui seinem Lorhaoen besteht, sieht man-werw.egenden jeumpiiEdiünicn entgegen, unter Umstanden ein Thronweu»el.

Muleh HafiD. Zn Tanger ist Die Antwort Mulch Hasids uuib \c ihm vom Tvhcn Des Diplomat.saicn jiuipd zug.stzilte Rote über Die Bedingungen feiner 'jlncvfennung eingegangen. Der Sul- iaii nimmt Die BeDingungen der 'Jlote an, macht ledoch einen gc- wifjen Vortzel-aii htUsichllich Der letzten Schaldcu Abdul Ajis und Des Viack/sens.

21 tu JstaOi unö Canö.

Gicpcn, b. Dezember 1908.

Die Gartenstadt

ist ein Losungswort Der Volksgesundheit unD der Wohnungsre- lurm geworden. Ans Dein internationalen Wohnungslongrctz m Englond, au; dem Kongreß für soziale Hygiene unD Deinogruphie zu Berlin, wie ans Dei|d)ieDcncn aiidecen beDeuildinm Tagu.igcn vorigen Zahres ianD Die GartenslaDtsrage all<eitiges Jnteresfe und ungeteilte Sympathie. Was ist nun Die GarttiistaDf? WaS uiiierscheiDei sie von anderen Bestrebuiigen Der Wvh.uings- uuD SläDieiciorm? Welche Zdecn uno Ei>olge haben DiCier Be­wegung innerl)alb kurzer Zeit wichen Anklang verfchaift ? Die GarienstaDibeiOtgung knüpft an Die immer mehr hervorlretenDe Tenoenz Der Abwanberung gewerblicher Betriebe aus der Grotz- l'tübt an, in Der Die Znoustcie unter zu hohen Mieten fowie unter Probuktions- unb Transportschwierigleiien Icioct und eine gute Wohnungsbeschaf fung, namenilid) für Unbemittelte, unmöglich wird. Anstatt Der isolierten Ansiedelung einzelner Betriebe in Der Nach­bar ichast Der Grotzstabt empfiehlt Die GarlenstaDlbewcgung Die ge» miinichaftlichc Aniiedelung zahlieichcr Betiiebe au| billigstem N-.w- lanb in geeigneter Bcrkehtsiage. Sie gelangt auf Die,em Wege zur GrünDung neuer StäDte, Die auf Grund eines vorher gewonnenen Bebauungsplanes gesunD und zweckeutfprechcnb gestaltet werden, allen BevöllerungSi.a.scn eine billige unb angenehme Wohnweife ermöglichen und Dem Gewerbclcbin Die Denkbar bcsiyu Transport- unb ArbcitsbeDinguiigen sichern. Als Trager jolchi.'.' GrünDungen beult sie sich gerne.nnützige Terraingesellichastcn oDec Gcnosien- id)aften. Tie Garlenstabtbewcaung will ähnliches tun, was heute Die Terraingc ettschaiien Der Vororle mit einer plan mäßigen Er- ichließi-ng vtn Gelände für Wohn^ unb Zniustri zwecke tun. Nur luul |ie ihr in g.iuno^a- Form, unter Ausschtiepung jeder Bodenfpelulalion verwirllichen, so batz öie Vorteile solcher An- licbclungcn bauernd ber Gesamtheit ber künftigen Bewohner- jchafl geiichert sind. Und sie will es endlich in größerem Matz­stabe, aus größerer Flache tun, in Der Ueberzeugung, Daß dieser größere 'Maßstab Das Ausfuchen billigsten Landes ermöglicht und alle Die Nachteile vermeidet, welche iiolierte AnsieDelungsexperi- mente zmveilen gezeigt haben. Ter Schritt zu einer solchen groß­zügigen und von «ozialem Geiste getragenen AnsieDelungstätigkeik ist bereits in Der Wirttichieil getan worben. Zn England hat sich eine gemeinnützige Gcfcilschast mit eine n Kapital von 6 Millionen Marl geoiltzel und zu Lelchworth bei Hitchin (53 Kilometer nörd­lich von London) eine solche Stadt gegründet. Sie l-al vor Drei Jahren ein Gelände von 6403 Morgen erworben unD deren Be­siedlung in Die Wege geleitet unter Vornahme Der nötigen Auf- id)lic6ung$ürbcitcn (wie Schasfung einer Eilenbahnstation, von Gas- und Wasserleitung, elektrischem Slraslwerk, Straßenbau rc.) so­wie aus Grund eines Staolplans, welcher bei Sicherung einer weitläufigen garlcninößigen Bebauung eine Ansiedelung bis zu 30 000 Einwohner vorncht unb ber Znbustrie in Form von An- fchluhgcleisen und Kraslversorgung günstigste ProDuklionsbe- Dingungcn bietet. Tiefe Gründung war von großem, fast uner­wartetem Erfolge begleitet. Nach drei Zähren ist heute, wo vordem rein lanowirtichaftlichcr Boden gegeben war, eine Stabt von jchon 5000 Eiitivohner entstaiiDen. Und wo vordem nur landwictfchasiliche Geräte arbeiteten, gedeiht heute Tank ber Zu- wanberung von bereits elf inbustricllen Betrieben ein reges Ge- werbelcbcn. Doch blühte Dies auf, ohne Die Landwirtschaft zu verjagen. Tenn Der Stadlplan weist Der Stadt, bi.* sclost 2JcO Morgen einnchmcn soll und reichlich Raum jür Privatgärten bietet, eine baujreie Zone von über 4000 Morgen zu, Die stets Der Landeskultur Dienen unb gerade für diese m intensiver Weise erschlossen roetben soll. Hier ist also im wahren Sinne eine Vermählung von Stadt unD Land, eine richtige Gartenstadt ent­standen. Auch in Deutschland hat die Bewegung gute Erfolge er­reicht. In Stcirlsruhc, Chemnitz, Magdeburg, Nürnberg sind Gar­tenvorstädte in Vorbereitung und bei Dresden wird Die erste Gar- tenftaDtHellerau" gegenwärtig zu bauen begonnen, lieber Diese wichtige Bewegung wirD Der G.neral-Sekrctär Der Teutichen Gar- tensiüdlgefclischast, Herr Slampssmeyer, unter Vorzeigung vorzüg­licher Lichtbilder in der nächsten Woche hier im Bürgeroerein sprechen.

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** Der Heilstättenverein für das Großher- $ o g t u ni Reffen hielt am Dinnerstag unter Dem Vorsitz uco Geh. diegicrungsrats Tr. Tietz im Sitzungssaal Der LanDesoersicherungsansialt zu Darmstadt eine ordent­liche Mitgliederversammlung ab. Ter Vorsitzende erstattete 5tiiiächsl Den Geschäftsbericht für das Jastr 1907, gab im Anschluß daran einen iuteressaulen Uebcrolicf über Die Forlsckiritte in der Beiämpsung der Tuber tu! )fe ut Teulschlaud. Auf Detreiben des seinerzeit in Berlin ge­gründeten Zentralkomitees seien bereits 99 Volksheilstätten zur Bekämst,ung Der Seuche errichtet worden; dazu kämen noch ca. 40 Prioatheilanstalicn, und dank dieser großen Pjlegstätten sei man in Der Lage, wenn man Durchschnitt-» üch für jeden Kranken eine Pftegzeit von drei Monaten rechne, rund 50 600 Tuber'ulofe im Jihre unlerzubringen. Mit dem bisherigen Fortschritt in Der Errichtung von Fur­io rgc- und Beratungsstellen ist der Referent nicht zusrieoen; es würden Dieser ,egensvoll'en Einrichtung namentlich in oen ländlichen Kreisen noch viel Schwierigleiten entgegen- gestellt. Tie Furforgestelle in Mainz uno einigen anderen Städten sei musiergittig einßcriLjtet; im Worm,er Kreise fei mit Erfolg der Ver,Ull) gemacht worden, auf dem Land« regelmäßige Sprech, mnden zu.r Beratung der Kran len ab*