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05/06/1908 Erstes Blatt
 
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Freitag 5. Juni 1908

188. Jahrgang

Erstes Blatt

Wt. 131

mittag P/a Uhr statt.

eröffnet.

In der gestrigen Sitzung des Bundesrates wurde die Vorlage betreffend die Gerichtsbarkeit der deutschen Konsuln in Egypten den zuständigen Ausschüssen überwiesen. Der Beschluß des Reichstages vorn 30. April er. zu den Petitionen des Bundes deutscher Verkehrsvereine in Leipzig rc. um Aufhebung bezw. Acnderung der Stempelabgabe auf Er- laubniskarten für Kraftfahrzeuge wurde dem Reichskanzler überwiesen. Mit Bezug auf den Ausschußbericht über die Nmdruckoorlage vom 13. Mai er. betreffend Festsetzung des Gesamtkontingents der Brennereien für die Kontingentsperiode 1908-13 wurde dem Vorschläge der Ausschüsse entsprechend beschlossen.

Der außerordentliche mecklenburgische Land­tag faßte den Beschluß der prinzipiellen Stellungnahme zur Regierungsvorlage und zwar durch Abgabe von Standes- ecklärungen. Die Landschaft erklärte, auf der allgemeinen Grundlage des RegierungSentmurfeS weiter verhandeln zu wollen. Dieser Beschluß erfolgte mit 39 gegen 7 Stimmen bei zwei Stimm - Enthaltungen von Rostock und Wismar. Die Ritterschaft entschied sich mit 291 gegen 65 Stimmen zu Gunsten eines Vorschlages der 16 Koin- missionsmitgliedec für das Festhalten an der landständischen Basis und erbittet von der Regierung eine entsprechende neue Vorlage. Man hofft, daß die Antwort dec Regierung morgen eingehen wird. Die nächste Sitzung findet morgen

ArrslanH.

Die Wiener Universität ist gestern früh 8 Uhr geschlossen worden.

König Eduard trifft in Ischl zum Besuch des Kaisers Franz Josef am 15. August ein und reist abends nach Marienbad weiter.

Die brasilianische Negierung hat den König, Manuel von Portugal eingeladen, den Besuch nach Brasilien abzustatten, den der verstorbene König Carlos abstatten wollte. Die Königin-Mutter wünscht, daß König Manuel zuerst Eng­land besuche, und dürfte dieser Besuch im Herbst erfolgen.

Deutsches Reich.

Zur bevorstehenden Aenderung der Fahr­kartensteuer erfährt der ,Bayr. Courier" aus angeblich bester Quelle, daß die Staffelung der Steuer fortfallsn soll, und daß man jede Karte unter 2 Mk. steuerfrei lassen will, sowie daß man für alle teueren Fahrkarten einen festen Stempel einzuführen plane. Ob dieser für alle Klaffen gleich sein soll, fei noch nicht entschieden. Mit anderen Worten, die Reisenden der ersten und zweiten Klasse rvolle man ent­lasten und die der vierten Klasse heranziehen. Das sei eine

Kon'k'ucsstatistik. Die .Berliner Correspondenz" meldet: Rach der vorläufigen Mitteilung des Kaiserlichen Statistischen Amts zur Konkursstatistik gelangen im ersten Vierteljahr 1908 im Deutschen Reich 3189 neue Konkurse zur Zählung gegen 2516 im ersten Vierteljahr des Vor­jahres. Es wurden 554 Anträge auf Konkurseröffnung wegen Massemangels abgcwiesen und 2635 Konkursverfahren

PoUtrsche Tagesschau.

Zur Euleuburg-Afsäre wird jetzt bekannt, daß unter den von Maximilian Harden vorgeschlagenen Zeugen sich auch der ehemalige Kammer­herr Graf Edgar Wedel befand, der über gewisse, von ihm veranstaltete Teeabende aussagen sollte. Als Gras Wedel vom Landgerichtsrat Dr. Schmidt die Vorladung zur Vernehmung erhielt, entschuldigte er sich mit Krankheit und ist seitdem von Berlin, wie es heißt nach Italien, abgereist. Landgerichtsrat Tr. Schmidt nahm gestern nach­mittag beim Fürsten wiederum Vernehmungen und Gegen­überstellungen vor, die in letzter Zeit nur unterbrochen durch Schwächeansälle des Kranken rn kleineren Abständen einander folgen. Diese rege Tätigkeit bestätigt, daß die Voruntersuchung ihrem Ende nahe ist. Der Fürst befindet ich in leidlichem Zustande, der nur dftrch die Schwächeanfälle eine Verschlimmerung erfährt.

Protest gegen die Reise des Königs Eduard nach Rußland.

Im englischen Unterhause beantragte O'Grady (Arbeiterpartei) Lei der Beratung des Ewts des Auswärtigen Amts einen Ab- trich als Protest gegen den offiziellen Besuch >es Königs beim Kaiser von Rußland. Er leugnete entschieden jede Absicht, dem König zu nahe zu treten, und erkannte warm die Verdienste des Königs um den Frieden an, er wider- prach aber diesem Besuch, der einen staatlichen oder repräsen- atioen Charakter habe, und griff heftig das russische Regrerungs- ystem an. Mac Neill (Rationalist) behauptete, es sei ein Ver­as ungssbruch, wenn der König zu einem solchen Besuch ohne Kabinettsmini st er ins Ausland gehe. Den diplomatischen Charakter des Besuches beweise die Tatsache, daß Unterstaatssekretär Hardiuge den König begleite. Die An­wesenheit Fishers und Frenchs zeige den Zusammenhang des Besucbs mit Flotte und Armee. Kettle (Nationalist) erklärte, die irische Partei werde den Antrag O'Gradv unterstützen. In den Augen Europas bedeute der Besuch, daß England den Kredit Rußlands wiederherstelle. Nach einigen stürmischen Szenen wurde der Antrag O'Grady auf Abstrich am Etat des Auswärtigen Amtes mit 225 gegen 59 Stimmen abgelehnt.

Schweden und Frankreich.

Stockholms Dagblad" schreibt heute zu dem Artikel des , Temps" über die Rede des Königs von Schweden in Berlin u a.: Es würde uns tief verletzen und schmerzen, wenn mir vernehmen müßten, daß derTemps" wirklich den Gefühlen der französischen Nation Ausdruck gibt und sich mcht in einer vielleicht aus anderen Gründen beeinflußten Stimmung aus­gelassen hat. Das schwedische Volk erwartet mit Freude und Sympathie den vom Präsidenten Falliöres angekündigten Besuch in Stockholm; es glaubt darin mehr den Ausdruck für die Gefühle der französischen Nation zu sehen, als in der hochmütigen Gleichgültigkeit, wie sie neulich derTemps" proklamierte:für alles, was man in Stockholm tut und sagt". Schweden wünscht ebenso gute und herzliche Beziehungen zu den Unterzeichnern des Nordsee- und des Oslseabkommens zu bewahren und eine gegenteilige Auffassung kann man nicht gut aus der Rede des Königs von .Schweden heraushören.

Anarchie in Persien.

Aus Dschulfa wird gemeldet, daß Kurden-Horden Urmia belagern und die benachbarten Dörfer verwüstet haben.

Die Steppe steht weithin in Flammen. Es herrscht riesige Panik. Aus Angst vor Mißhandlungen und Ver- aewaltigungen ertränkten sich über 50 Frauen und Kinder im Dorfe Folchab. Alle Basare in Urmia sind geschlossen, die Einwohner fliehen. Die Macht der Generalgouverneurs in Täbris versagte gänzlich. Es herrscht volle Anarchie. Selbst der Schah fühlt sich in seiner Residenz nicht mehr sicher. Wie eben bekannt wird, ist er gestern früh mit dem Kronvrinzen, Sultan Ahmed Mirza, entflohen, be­gleitet von Leuten seines ehemaligen Ratgebers Emir Badur Dscheng. Trotz eifriger Nachforschungen war der Aufenthalt des Schahs bisher nicht zu ermitteln. Angeblich ist die Flucht des Schahs ins Ausland geplant. Freiwillige Sol­daten der politischen Klubs sammeln sich. Ernste Unruhen werden erwartet. Die Basare sind geschlossen.

Mandat gesichert in folgenden Wahlkreisen: Schleswig 18, | Stettin 1, Magdeburg 5, 7, 3, Köslin 4, Hannover-Land, Lüneburg-Fallingbostel-Soltau, Danzig 1, Stralsund 1, Min­den 1, Merseburg 5, Bromberg 2, Breslau-Land, Frankfurt- Oder 5.

Für das Zentrum ist das Mandat gesichert in fol­genden Wahlkreisen: Düsseldorf 9, Arnsberg 7, Wiesbaden 3.

Für die Nationalliberalen in folgenden Wahl­kreisen: Liegnitz 3, Hannover-Diepholz, Hildesheim, Lüne- burg-Dvnnenberg, Danzig 4, Merseburg 5, Wiesbaden 4, Trier 5, Marienwerder 4, Gumbinnen 1, Kassel 5.

Für die Freisinnige V o l k s p a r t e i ist die Wahl gesichert in Bromberg 2.

In Kassel-Land, Witzenhausen finden Stichwahlen zwi- chen den Nationalliberalen und den Konservativen statt. In Berlin 12 Stichwahl zwischen Freisinnigen und Sozial­demokraten. In Hildesheim 4 ist die Wiederwahl des frak­tionslosen Abg. Koelle sicher. In Magdeburg 6 findet wahrscheinlich Stichwahl zwischen Konservativen und Na­tionalliberalen statt. Gesichert ist das Mandat den So­zialdemokraten in 'Berlin 5, 6 und 7, den Polen in Danzig 3, Marienwerder 3.

Die Beisetzung Solas im Pantheon.

Gestern sand in Paris die Beist: ungsseierlichkcit für Zola im Pantheon statt. Im Innern des Pancheon hatten Präsident Falliöres und die offiziellen Persönlichkeiten Platz ge­nommen. Ter Sarg mir der reiche Zolas war aus einem großen Katafalk aufgebahrc. Tie Feier wurde eingeleitet durch den Vortrag der Marseillaise und mehrerer anderer Musikstücke. Dann hielt Unterrichtsminister D o n m e r g u e im Namen der Regierung eine Rede, in der er aussührt;, das Parlament habe dem Ge­dächtnis des großen Bürgers eine Huldigung darbringen wollen, der nicht gezögert habe, in einer tragischen, fchmerzlick-en Stunde seine Ruhe, Behagen und Freiheit zu opfern, um eine Pflicht zu erfüllen, die ihm von seinem nach Gerechtigkeit und Wahrheit verlangenden Gewissen diktiert wurde, der sich so viele Burger entzögen. Zola habe den ersten Platz unter den ersten Verteidigern der Gerechtigkeit eingenommen. Er l)abe laut die Wahrheit aus- gcrusen, die er ganz kannte, und habe auf Irrtümer, Lügen und Ungerechtigkeiten aufmerksam gemacht, ohne jemals zu vcr- zweifeln. Zola lernte Haß und Verleumdung kennen bei den Verirrungen und der Wut der Masse, und die Bitternisse des Exils und der Flucht. Zola starb, ehe der Gerechtigkeit voll Genüge geschehen war. Er sah nur die ersten Strahlen der siegreichen Morgenröte durchschimmern. Tie Ehre und die Tankbarkeit, die Zola von der Nation erwiesen würden, seien frei von jedem Gedanken an Revanche und Herausforderung, obgleich diejenigen noch immer zornig grollen, die auf der Seite der Lüge und Un­gerechtigkeit ständen. Diese könne die Nation nur bemitleiden. In Schlachten werde bie Volksseele gestärkt. . Doumergue sprach schließlich die Ueberzeugung aus, datz bie Zukunft die Zola erwiesene Huldigung gutheißen und sich ihr anschließen werde. /Rach der Rede Toumergues begaben sich Falliöres und die offiziellen Persönlichkeiten auf den Vorplatz des Pantheons, wo die Truppen an ihnen vorbeimarschierten. In diesem Augenblick hörte mau ein Geräusch, das aus dem Innern des Pantheons kam. Mehrere Minister stürzten in das Innere zurück. Kurz darauf sah man den Major Drcyfus verwundet heraustreten, dann seinen Angreifer, der von der Menge initzl-andclt wurde.

"Als nach der Beisetzungsfeierlichkeit Tür Zola im Pantheon der Major Treyfus an der Seite der Madame Zola das Pantheon verließ, wurde nämlich von einem beim Ausgange stehenden Manne ein Revolverschuß auf Treyfus abgefeuert. Trey­fus wurde leicht ander Hand verwundet. Ter Atten­täter wurde verhaftet: er heißt Gregory, ist 55 Jahre alt, und Redakteur des militärischen FachblattesLa France Militaire", sowie des royalistischenGaulois". Gregory wurde von mehreren umstehenden Journalisten festgenommen und vom Publikum ziem­lich mißhandelt. Polizcipräfett Lepine und SicherheiiSdirektor Hennion sührten den Attentäter auf das Polizeikommissarcat. _ Un-- ter dem Publikum entstand eine große Panik: mehrere Personen stürzten im Gedränge zu Boden. Zuerst war das Gerücht verbreitet, daß auf den Präsidenten Fallieres gesckwssen worden sei. Tie Polizeiosfiziere beruhigten jedoch das Publikum und erklärten, ein, Geisteskranker habe auf Treyfus zwei blinde Schüsse abgefeuert. Gregory hat in der Tat zwei Schüsse abgegeben. Gleich der erste traf Treyfus am Handgelenk und wahrscheinlich auch unterhalb des Ellbogengelenkcs. Bei dem zweiten Schutz sielen dem Atten­täter mehrere neben ihm Stehende in die Arme, so daß die Kugel abgelenkr wurde. Tas Gerücht, daß auch Frau Zola leicht verletzt worden sei, bestätigt sich nicht. Treyfus wurde nach der nayeti Polizeistation des fünften Bezirks gebracht, wo ihm Professor Pozzi, der der Beisetzungsseier belgewoynt hatte, einen Verband an* legte. Poli-eiprchett Lepine und ein staatsanwaltschastlich«?

Die preußischen Wahlen.

Das Ergebnis der preußischen Waylmannerwahlen ist, soweit es sich zur Stunde übersehen läßt, nicht übermäßig erfreulich. Was dabei zunächst am unerfreulichsten in die Augen " sticht, ist die sichtliche Schwächung des Liberalismus. Die Hoffnungen, die in der Beziehung auf die Wahlen gesetzt wurden, haben sich leider nicht erfüllt, und es ist nur ein geringer Trost, daß gleichzeitig auch das Dreiklafsenwahlrecht ad absurdum geführt wurde. Das hatten die konservativen Barden noch bis in die letzten Tage mit vollen Backen als eine Art Arkanum gegen das Eindringen der Sozialdemokraten gepriesen. Nun ziehen ihrer gleich sieben in die preußische Landstube ein, Hechte im Karpfenteich, und die beschauliche Ruhe, die selbstzufriedene Behaglichkeit, die den Konservativen als höchster Ruhm der Preuhenkammer galten, sind für immer dahin. Wir stehen zu diesen Dingen natürlich anders. Wir sind immer der Ueberzeugung gewesen, daß eine Partei, in der Millionen unserer Volksgenossen ob zu Recht oder Unrecht, ist hier nicht weiter zu erörtern ihre Vertretung sehen, nicht einfach auf mechanischem Wege vom Parlament ausge­schlossen werden durste. Immerhin wird zu fragen sein, wie es denn kam, daß gerade die Sozialdemokratie diese leidenschaftliche Wucht im Wahlkampf aufbrachte. Daß das Dreiklassenwahlrecht von ihr schlechthin überrannt wurde und trotz des ihr so wenig günstigen Wahlsystems die Sozialdemokratie aus den ersten Handstreich die Hälfte aller Berliner Sitze erraua. Hier und da wird als Ursache auf die terroristischen Allüren der Sozialdemokratie hingcwiesen, die, unterstützt von derWohltat der öffentlichen Wahl", alle von ihr irgendwie Abhängigen durch die Androhung des Boykotts zu den Urnen getrieben habe. Das wird gewiß vielfach zutreffen und als ein weiteres sehr nachdrückliches Argument für die Notwendigkeit einer Wahlreform aus der Basis der geheimen Stimmabgabe wohl zu verwenden sein. Aber eine ausreichende Erklärung für das Anschwellen der Sozialdemokratie bietet es noch nicht. Die wird unseres Erachtens weit eher in dem mangelnden Entgegen­kommen der Regierung in der Wahlrechts- frage zu suchen sein. Die Berliner Juniwahlen das wird man nachgerade offen aussprechen dürfen sind die Antwort auf die Erklärung des preußischen Ministerpräsidenten vom 10. I a n ua r gewesen. Ganz so dilatorisch lasse?, sich Dinge, die bis in die höchsten Gesellfchaftsschichten von allen Einsichtigen empfunden werden, nicht mehr behandeln. An "irgend einer Stelle suchen starre Volksströmungen, wenn man sie vornehm zu igrnoricren sucht, sich schon noch ihr Ventil.

Aber der gleichzeitige Erfolg der Konser­vativen, die von ihrem bisherigen Besitz nichts, oder so gut wie nichts einbüßten? Der steht aus einem anderen Blatt; aber auch dies Blatt gehört nicht gerade in das Haben der Regierung. Fast allerorten haben Zen­trum und Konservative zusammen und ein­ander in die Hände gearbeitet. Daß im Reichs­tag eine so ganz anders geartete Parteikombination zur Grundlage der Politik gemacht worden war; daß man ihr alles zu verdanken hatte, was an Erfolgen in dieser sonst nicht übermäßig produktiven Zeit erzielt worden war, scheinen die Konservativen überhaupt vergessen zu haben. Herr v. Oldenburg witzelte über dieBlockwurstelei", und andere taten es ihm nach; trotzdem aber sah es so aus, als ob an vielen Stellen der amtliche Apparat sich von der alten Gewöhnung nicht losreißen mochte und.sich auch jetzt wieder in den Dienst der konservativen Agitation stellte. DiesemZug der Zeit" entsprach es wohl auch, daß Herr Oktav io. v. Zedlitz und Neurir ch plötzlich sein zentrumssrommes Herz entdeckte und in Reichenbach als klerikaler Kompromißlandidat austauchte. Es wird von starkem Interesse sein, zu erfahren, welcher Art denn die Garantien waren, die Herr v. Zedlitz den

Zentrumswählern von Reichenbach gab.

Das sind so die ersten allgemeinen Eindrücke, die die ersten, noch nicht allenthalben zuverlässigen Nachrichten in uns weckten. Andere werden folgen und banif wird uocy das eine oder andere nachzutragen sein. Aber das wesentlichste bleib t: das nene Haus wird m ch t viel anders ausschauen als das alte; wieder wird die Rechte in ihm überwiegen; wieder wird es so stehen, daß jede grundsätzliche Reform des Wahlrechts von dergroßen Mehrheit dieses Hauses nicht gewünscht wird. Ob das auch der Wunsch der Regierung ist? Ob sie damit gerechnet hat, als sie die Wahlen zur denkbar ungünstigsten Zeit, zu Anfang des Hochsommers, ansetzte, wo das poli­tische Interesse erschlafft und ansehnliche Bruchteile gerade der Besitzenden und Gebildeten bereits auf Reisen sind?

Wir wissen es nicht. Nur das wissen wir, daß das bisherige preußische Wahlrecht am Mittwoch endgültig Bankrott gemacht hat. Wenn es nicht einmal dazu ausreichte, die Sozialdemokratenvon den <,oren des preußischen Abgeordnetenhauses zu scheuchen , ja wozu ist es bann überhaupt noch nütze? .

Es liegen nunmehr aus sämtlichen 443 ^aylkreisen die Resultate über die Wahlen der Urwähler vor. 43l Wahlkreisen tonnen hiernach als gewählt gelten: 14/ Konservative (bisher 143), 60 Freikonjervative (bisher 62) 104 Zentrum (96), 65 Nationalliberale (76-, 0 Frelsinnige Vereinigung (9), 23 Freisinnige Volkspartei (24), Io Polen (13), 2 Dänen (2) und 7 Sozialdemokraten (0). Juli Wahl­kreisen finden Stichwahlen statt. In die Stichwahl kommen die Konservativen dreimal, die Freitonservativen, Zentrum, Freisinnige Volkspartei je zweimal, die 9Zationallibera£en neunmal, die Freisinnige Bereinigung einmal und die no- zialdemotraten dreimal. ,

In Hanau ist das Endresultat: 134 Nationalliberale, 26 Freisinnige, 83 Bd. d. Ldw., 56 Soz. Bei -6 Wahl- unu vic ww> _

än$ürn b£ K°ZcwatLn"u^Fr°ik°ns«r°°ti°en ist d°sIR-s°-m, d.° ba5 Zentrum nicht mitmachm werde.

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