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8.1.1908 Erstes Blatt
 
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GerichtssaaL.

(j Marburg, 7. Jan. Ter Arbeitersekretär Ziegler aus Essen, der im vorigen Jahre hei ter Reichstagswahl im Wahl­kreise Siegen-Wittgenstein-MedcnL)pf kandidierte, hatte sich heute vor der Strafkammer wegen Uebertrctung des Ver­einsgesetzes zu verantworten. Ziegler hielt kurz nach ter Wahl aus Ansuchen einiger Arbeiter in Weidenhausen bei Gladen­bach in der Zimmermannschen Wirtschaft eine Besprechung ab, der sich später einmal eine Versammlung anschließen sollte. Es handelte sich um den Eintritt ter tertigen Hüttenarbeiter in den Deutschen Maschinenbauer- und Metallarbeiter-Verband. Zu dieser Besprechung fanden sich jedoch so viel Arbeiter ein, daß die Wirtsstube nicht ausreichte und so begab man sich in den Saal, £cn Ziegler für den Abend dem Wirt abmietete. Auf den Tischen lagen Prospekte und Eintrittskarten des genannten GewerbevereinS und Ziegler gab auch auf an ihn gestellte Fragen Auskunft, ohne daß eine Rete gehalten wurde. Als ein Werk­meister die Arbeiter vom Beittitt zur Organisation durch eine An­sprache abhalten wollte, entzog ihm Ziegler das Wort, weil sonst die Besprechung den Charakter einer Versammlung annehmen würde. Auch die Ortspolizei, die sich einsand, mußte den Saal verlassen, veil es sich um eine geschlossene Gesellschaft handle. Die Folge mar eine Strafverfügung von 30 Mk., die das Schöffengericht auf 15 Mk. herabsetzte. In ter heutigen Berufungsinstanz stand auch die Straskamaner auf dem Standpunkt, daß hier ohne poli­zeiliche Genehmigung ösfenttiche Angelegenheiten erörtert wor­den Kien und erkannte auf Verwerfung der Berufung.

Köln, 7. Jan. Der BeleidigungsProzeß, den ter frühere Reichskommissar Dr. Karl Peters gegen den verantwort- lichen Redakteur ter K'ölnis che n Zeitung Gustav Brüggel- mann und ihren Berliner Mitarbeiter, den früheren Gouverneur von Reu-Guinea Rudolf v. Bennigsen angestrengt hatte, nahm heute früh vor dem Sachssengericht seinen Anfang. Beide Par­teien sind persönlich zur Stelle. Rach Verlesung des Eröff­nungsbeschlusses nimmt sodann Justizrat Dr. Sello das Wort für eine Ertiärung: ,,Zu meinem großen Erstaunen habe ich jetzt aus den Sachverständigen- und Zeugenladungen der Gegen­partei entnehmen müssen, daß es ihre Absicht ist, den Peters- Skandal in weitestem Umfange zu erörtern, d. h. die amtliche Täiigkeit des Reichs komm issars im Rahmen dieser Schössengerichts- verhandlung noch einmal von vorne aufzurollen, Hierauf sagt der Vorsitzende: Das Gericht würde einem solchen Verfahren wider­sprechen. Dann wird der infriminierte Artikel verlesen. Gou­verneur a. D. v. Bennigsen erklärte sodann, daß er die volle Verantwortung für den Artikel übernehme, und daß er dieKöln. Ztg." ersucht habe, ihn als Verfasser zu nennen. In dieser Verhandlung werde der Beweis erbracht werden, daß die Einrichtung der Jagodja nur aus sexuellen Motiven erfolgt ist. Die ersten beiden Untersuchungen gegen Peters seien bloß Schein- untersuchungen gewesen. Zur Zeit der dritten Unterjuchung habe Freiherr v. Manteuffel über Peters gesagt: Der Herr hat neben anderen Schandtaten noch die Akten gefälscht. Ich habe mir die Allen vorgenommen und diese Tatsache festgestellt. Schon diese Tatsache, die er, Bennigsen, nach Berlin berichtet habe, hätte genügen müssen, um den Beamten Dr. Peters aus allen seinen Würden zu entfernen. Er habe Peters nie aus persön­lichen Gründen bekämpft, sondern immer nur aus sachlichen

Gründen. Er habe bart Dr. Teters nnv seinem Anbange Wider-' stand geleistet in der Ueberzeugung, daß er für die Kolonial- politik und die ganze Reichspolttik ein Unglück sei, und daß er sich nicht öffentlich betätigen dürfe. Dann ergriff Dr. Peters das Wort, indem er erklärte: Herr v. Bennigsen habe nur Vorwürfe wiederholt, die nach seiner Ansicht längst erledigt seien. Er habe Herrn v. Bennigsen wegen des ganzen Arttkels verklagt, weil ihm, Peters, darin der Vorwurf gemacht werde, die ihm vor- geworfenen Verbrechen begangen zu haben. Es sei aber erwiesen, daß die Behauptungen unbegründet seien, und daß die ganze Anrufung des Reichstages ungerechtfertigt war. Er fühle sich dadurch beleidigt, daß Herr v. Bennigsen wiederum, ttotz des von ihm (Peters) abgegebenen Ehrenwortes behaupte, daß er den sog. Tuckerbrief geschrieben habe. Er habe zwei Briese an den Bischof Smithies geschrieben, aber nicht mit dem Inhalt des Tuckerbrieses, sondern mit entgegengesetztem Inhalt. Auf die weiteren Ausführungen Bennigsens einzugehen verzichte er.

Universitäts-Nachrichten.

Tübingen, 8. Jan. (Tet). Proiesjor Fuchs in Freiburg hat den Rus als Professor der Nationalökonomie und Finanz- Wissenschaft an der hiesigen Universität als Nachsolger von Pro'. Neumann angenommen.

Märkte.

fc. Frankfurt a. M., 8. Jan. Schweinemarkt. (Drg.- Tel. des Gieß. Anz.) Zum Verkaufe standen 1915 Schweine. Bezahlt wurden: für Schn e ne 1. Qual. 6263 Pfg^ Lebendgewicht 49 öO bis 00,0 Pfg.; 2. Qualität 6100 Pfg., Lebendgewicht 48,5 Pfg.; 3. Qual. 5356 Plg. Markt gut, Uebersland unbedeutend.

5t le tue Tagcochronik.

In Berlin sind 102 Personen am Abend des 6. Jan. bei Glatteis zu Schaden gekommen.

Im Stettiner Vorort Podejuch vergiftete sich durch Morphium der sehr gesuchte Arzt Dr. P r e u ß wegen eines unglücklichen Liebesverhältnisses zu einer Frau.

Am 7. Jan. herrschte in ganz Oberschlesien ein heftiger Sckneesturm. Infolgedessen stockt der gesamte Bahnverkehr.

In Kiel wurde die Frau eines Malers in ihrer Wohnung verbrannt ausgesunden. Man vermutete zunächst einen Un­glücksfall. Nähere Untersuchung ergab aber, daß allem Anscheine nach ein Raubmord vorliegt. Ein erst wenige Tage vorher zugereister Mann, den die Frau als Mieter ausgenommen hatte, bat sie augenscheinlich mit Petroleum übergossen und angezüntet. Es sind annähernd 70 Mk. geraubt. Der mutmaßliche Täter ist flüchtig.

In Mailand ist herKönig der Hoteldiebe" Georges Manolescu, alias Fürst Lahovary, plötzlich gestorben.

Kandel.

Auswanderung. Die Auswanderung nach den Ver. Staaten ist im Dezember sehr zurückgegangen. Es wanderten über Hamburg nur 6491 Personen aus gegen 16.250 im November 1907 und 12.953 im Dezember 1906. Die Gesamteinwanderung in Dez. betrug 45.000 Personen gegen 117.476 im November 1907 und 66.859 im Dezember 1906.

4e/0 Württ em bergische Staatsanleihen. Die RqI Würtembergische Finanzverwaltung hat mit der Würtembergischen Vereinsbanr und deren Konsorten eine 4°/0ige Staatsanleihe von' 30 Mill. Mk. abgeschlossen, die etwa Mitte d. Mts. zum Kurse von 100% zur Zeichnung aufgelegt wird. Gerüchtsweise verlautet, daß noch andere Bundesstaaten in allernächster Zeit mit Emissionen hervortreten iverben.

LUrchliche Uac^ridytcite

Evangelische Gemeinde.

Donnerstag den 9. Januar, abends 8 Uhr, int Matthäus» saal: Bibel stunde. Osfenb. Johs. Kap. 20.

Pfarrer v. S ch l o s s e r.

Gießener Wetterdienst.

Voraussichtliche Witterung für Hesse» am Donnerstag den 9. Januar 1908: Meist trüh. Regenfälle. Fortdauernd mild. Starke westliche Winde.

Original- S räh Hnelö ünserü"

Berlin, 8. Jan. Der Acord in Eharlocrenburg scheint jetzt seiner Aufklärung entgegenzugehen. Gestern lief bei der Polizei die Anzeige ein, daß der Sohn des Portiers des Hauses, in dem die kleine Else Miehlke hinge­schlachtet wurde, entweder der Täter sei oder diesen mit aller Bestimmtheit anzuaeben wisse. Infolgedessen wurde er unter dem Verdacht des Mordes in der elterlichen Wohnung verhaftet und von zwei Schutzleuten auf das Polizeirevier transportiert.

Breslau, 8. Jan. Tie schlesische Hauptversammlung des Bundes der Landwirte faßte eine Resolution, wo. nach hinsichtlich der bestehenden Kohlennot unverweill Bl nahmen angestredt werden sollen, daß die deutsche Kohle dem deutschen Verbrauch bis zur vollen Deckung seines Bedarfs zur Verfügung bleibt.

P a r i s, 8. Jan. Vierzig S o l d a t e n des 7. Dragonern regiments hatten sich eigenmächtig aus ihrer Gari ni,on Fontainebleau entfernt, weil ihnen am Neu-, jahrstag kein Urlaub bewilligt worden war, und kehrten erst nach acht Tagen in die Kaserne zurück. Der Obersh hat beim Kriegsminister die Versetzung des Regii m e n t s beantragt.

KgLPreuss.Klassenlottene

Ziehung der 1. Klasse 10. Januar.

Lose sind zu haben bei

Fritz Flimm

Kgl. Preußischer Lotterie-Einnehmer.

Walltorstraße 63. ---f Fernsprecher 237

MtWr Arbeitsmlhmis Wen.

Garteustraße 2, Zimmer 2.

Es können eingestellt werden:

a. bet hiesigen Arbeitgebern:

1 Pferdeknecht, 41 Zigarrenmacher bezw. Wickelmacher, 1 Haus- bursche, 1 Buchbinder, 3 Dienstmädchen, 1 Küchenmädchen, 2 Ta- bakentrippermnen, 2 Taglöhnerinnen, 1 Laufsrau, 1 Lausmädchen.

Lehrlinge: 1 Schmied, 1 Installateur, 1 Buchbinder gegen Vergütung.

b. bei auswärtigen Arbeitgebern:

1 Installateur, 1 Friseur, 1 landwirtschaftl. Arbetter, 2 Dienst­mädchen.

Es suchen Arbeit: B8h

1 Friseur, 3 Fahrknechte, 1 Buchbinder, 1 Schuhmacher, 1 Holz­oder Weinküier, 1 Schlaffer, 1 Maschinenschlosser, 1 Schreiner, 1 Spengler, 2 Installateure, 1 Zigarrenmacher, 1 Maler, 16 Ar beiter, 5 Hausburschen, 1 Verkäufer, 2 Fltckfrauen, 1 Lausmädchen, 4 Lauffrauen.

Holzversteigerung

im Gießener Staotwald.

Montag den 13. Januar 1908, vormittags 91/? Uhr be ginnend, werden in den Waldungen der Stadl Gießen in den Distrikten Mühlberg, Heingcsbodcn und Hochwartc versteigert:

14 Eichen-Derbuangen mit 1,13 Fm.

916 Fichten-Derbstangen mit 78,22 Fm.

94 Rm. Buchen-Scheitholz 14 Eichen-Scheitholz 4 Erlen-Scheitholz 14 Buchen-Knüppetholz 104 Eichen-Knüppelholz 2 Erlen-Änüppelholz 13,5 Buchen-Slockholz 14 Eichen-Stockholz 31,5 Raoel-Stockholz 980 Wellen Buchen-Reisig 830 Eichen-Reisig

250 Nadel-Reisig

Die Zusammenkunft ist auf der Straße nach Grünberg am Bahnübergang.

Gießen, den 8. Januar 1908.

Grvßh. Bürgermeisterei Gießen.

I.B.: Keller.____________________ 243

Bekanntmachung.

In das Genossenfchaftsregisier wurde eingetragen: Firma: Zigarren-Genostenschaftssabrit Gießen, einge­tragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht, Sitz Gießen. Gegenstand des Unternehmens: Produktion von Zigarren und sonstigen Tabakfabrikaten. Der Vorstand besteht aus dem Vorsitzenden, dem Kassierer und dem Kontroleur. Vorsitzender: Richard Andrä, Kassierer: Franz Schnell, Kontroleur: Bert­hold Philipv, sämtlich in Gießen. Statut ist errichtet am 24. Juli bezw. 2. Oktober 1907 Bekanntmachungen erfolgen von zwei Vorstands- bezw. Aufsichtsratsmitgliedern in der Oberhessischen Volkszeitung. Geschäftsjahr ist das Kalender­jahr. Die Willenserklärungen des Vorstandes erfolgen durch zwei Vorstandsmitglieder. Die Zeichnung geschieht, indem dieselben der Firma ihre NamenSuntcrschrist beifügen. Haft­summe: 50 Mark. Höchstzahl der Beteiligung: Jeder Genosse kann sich mit nicht mehr als 50 Geschäftsanteilen beteiligen. Die Einsicht der Liste der Genossen ist während der Dienst­stunden des Gerichts Jedem gestattet.

Gießen, den 31. Dezember 1907.

Großherzogliches Amtsgericht. _________v°/,

Jagd-^erpuchtnng.

Montag, den 20. Januar 1908, vormittags 11 Uhr

soll auf hies. Rathaus die Anfang Februar 1908 lechfällig werdende Feld- und Waldjagd der Gemarkung Schotten in 2 Abteilungen unter den bei der Versteigerung bekaniit gemacht werdenden Bedingungen auf weitere 6 ^ahre ver­pachtet werden.

Die Gemarkung umfaßt ca. 1050 Hektar Feld und 126 Hektar Wald.

Schotten, den 30. Dezember 1907.

Großherzogliche Bürgermeisterei Schotten. 220 Kromm.

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Oppenrod, 6. Januar 1908.

Großh. Bürgermeisterei.

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zureichen, woselbst die Eröffnung in Gegenwart erschienener Bewerber erfolgt. Zuschlagsfrist 14 Tage.

Helpershain, den 8. Januar 1908.

Großh. Bürgermeisterei Helpershain. Hohmann.

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verschlossen und portofrei bis spätestens den 28. Januar d. Js., nachm. 2 Uhr bei unterzeichneter Dienststelle

Jagd-Berpachtung.

Die am 15. Februar d. Js. leihfallig merü^ioe Feld- und Waldjagd in der Gemarkung Oppenrod im Kreise Gießen soll Samstag den 18. Januar d. Js., nachmitt. 2 Uhr, in dem Saale des Wirtes Weller dahier auf wei­tere 6 Jahre verpachtet werden. Das Jagdgebiet ist von den Bahnstationen Großen-Buseck u. Reiskirchen in 1/i Stunde

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im Gießener Stadtwald.

Donnerstag, den 9. Januar 1908, vormittags SV, Uhr beginnend, ivcrden iu den Waldungen der >stadt (Sießcu ur den Distrikten Heiugesboden und Zollttockswaldcheu verftergerr: 37 Eichenderbstangen mit 2,50 Festm, 60 Fichtenderbstangen mit 7,24 beitm, 37 Rmtr. Eichen-Scheitholz, 213 Rmtr. Eichen-Knüppelholz, 2 Rmtr. Erten-Knüvvethotz, 40 Rmtr. Eichen-Slockholz, 10 Rmtr. Nadet-Stockholz, 3420 Wellen Eichen-Reisig, 780 Wellen Linde- und Erle-Reisig, 250 Wellen Nadel-Reisig.

Die Zusammenkunft ist auf der Stragc nach Grunberg am Bahnwärterhaus.

Gießen, den 3. Januar 1908. B "

Großh. Bürgermeisterei Gießen.

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V. öffentlicher Vortrag.

Herr Dr. Theodor Elsenhans, Heidelberg: