Vermischtes.
* Berlin, 6. Inn. Ein räuberischer Ueberiall aui eine greife Osfizierswit rv e wurde heute nachmittag in dem Hause Sebaslianstraße 71 im Süden der Stadt verübt. Eigentümerin dieses Grundstückes ist die 72 Jahre alte Hauptmanns- witwe ©rnilie Conrad, die allein im ersten Stock wohnt. Tie sehr rüstige Frau versiebt ihr Hauswesen ohne Tienstboten. 21 ui dein Hof hatte sie eine Wohnung frei. Gestern nachmittag besichtigte ein Mann in der Mitte der 30er Jahre die Räume und ging dann zu Frau Eonrad in die Wohnung unter der Vorspiegelung, daß er den Vertrag unterschreiben wolle. Während sich nun die Frau, die mit ihm allein war, von ihm abivandte, um ein Vertrags-- sormular zu holen, nahm der angebliche Mieter eine 75 Zentimeter lange E i s e n ft a n g e, die er in Papier verborgen gehalten hatte, unter dem Rock hervor und schlug die Hauswirtin dreimal über den Kopf. Trotz dem kam die Frau mit leichten Verletzungen davon, setzte sich wacker zur Wehr und entriß dem Räuber, während sie um Hülfe rief, das Handwerkszeug. Bevor noch die Hausgenossen zu Hülfe eilen konnten, war der Räuber entfloßen. Den Bemühlmgen der Polizei gelang es nod) nicht, ihm auf die Svur zu kommen. Zu seiner Ermittelung rmtrbe eine Be- lohm.ng von 1000 Mk. ausgesetzt für Privatpersonen, die zweckdienliche Angaben machen können. 2lls Täter kommt scheinbar em mit den Verhältnissen der Frau Conrad vertrauter Mann in Betracht. — JnCharlvttenburg tonrbe dem vierjährigen Töchterchen des Malers Miehlke von einem etwa 20jnbngen Manne eine etwa 8 Zentimeter lange, sehr lebensgefährliche Schnittwunde im Unterleib beigebracht, unter denselben Umständen, die an die Messerstechereien im Juli vorigen Jahres erinnern. Der Täter i st entkommen. Tas 'lUäbcbeu erlag seinen Verletzungen bald nach der Einlieferung ins Krankenhaus. Tie Leiche ist von der Polizei beschlagiiahmt worden und wird durch eine Gerichtskommission obduziert werden. Rach Bekanntwerden der Bluttat wllrde gestern abend ein gewisser Stricker teftgenommen. Er wird der Leiche gegeuübergestellt loerDeu. Für die Ergreifung des Täters hat die Behörde eine Belohnung von 3000 Mk. ausgesetzt.
* Magdeburg, 6. Jan. Hier wurde an einem elfjährigen Mädchen im Eingänge zum alten Rathause ein schwercsSittlichteitsverLrechen verübt. Nach den Angaben des Kindes hatte der gutgeflcibcte Verbrecher, wie man annimmt, ein Wahnsinniger, das Kind mit der Bitte, ihm einen Blumentopf zu tragen, dorthin gelockt, ihm den Mund zugehalten und ihm mit einem Messer einen Schnitt in den Unterleib beigebracht. Die Kleine will dann den weiten Weg zur elterlichen Wobnung zurückgelegt haben, wo die heimkehrende Mutter sie in einer Blutlache fand. Das Mädchen wurde sofort in ein Krankenhaus gebracht. Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, daß die Verletzung auf andere Weise entstanden ist. — In einer Dampffeilenhauerci barst ein großer Schleifstein. Durch die herumgeschleuderten Bruchteile wurde ein Arbeiter buchstäblich in Stücke gerissen. Das Dach und die Wände wurden zerstört.
* D a s D r a m a v o n A l l c n st e i n. Ueber den Umfang der Schuld des .Hauptmanns v. Gveben und der Mitschulb der Frau v. Schönebeck herrschen noch die verschiedensten Ansichten. 2ln amtlicher Stelle wird gesagt, daß der Fall bei weitem nicht so schlimm läge, als angenommen werde. Die Behörde will anscheinend andeuten, daß es sich nicht um einen überlegten Mord handele. Der Befehl zur Geheimhaltung ist von dem Divisionskomntandeur Skotti gegeben. Die Anklage gegen Hauptmann v. Goeben wird in diesen Tagen erhoben werden. Tas Verfahren soll von dem gegen die Frau Major v. Schönebeck abgctrennt werden, da die Frau voraussichtlich einer längeren irrenärztlichen Beobachtung unterworfen werden wird und die Verhandlung gegen den verhafteten Hauptmann nicht so lange aufgeschoben werden soll. Dem „Bert. Tagebl." zufolge weilte der Verteidiger der Frau Major v. Schönebeck, Rechtsanwalt Salzmann aus Allenstein, mehrere Tage in Berlin, um mit einigen hervorragenden Psychiatern über den geistigen Zustand seiner Klientin Rücksprache zu nehmen. Von einem ehemaligen Schulkameraden des Hauptmanns von Goeben wird geschrieben: Hugo v. Goeben war ein sehr verschlossener und verbitterter und daher nicht gerade beliebter llamerad. Mit großer Energie hat er dagegen — was sehr anerkannt werden muß - seine, körperlichen Gebrechen, einen verkrüppelten Arm und ein zu kurzes Bein, durch eifriges Turnen zu bessern gesucht. Seine geistige Begabung war, außer für Mathematik, nicht hervorragend. -Goeben trat 1888 oder 1889 als Kadett bei der Marine ein, wurde aber nach kurzer Zeit, weil er wegen seiner körperlichen Gebrechen dem Marinedienst nicht gewachsen war, nicht infolge eines Sturzes, entlassen.
* Eisenbahnunfälle. Am 6. Jan. fuhr bei Langendreer eine Lokomotive einem Güterzuge in die Flank . Vier Wagen und die Lokomotive entgleisten. Das Haupt- gleise ist gesperrt; oer Materialschaden ist erheblich. °Men- schen sind nicht verletzt worden. — Bei Eousances in der Nähe von Bar-le-Duc (Frkr.) stieß ein Güterzug mit einer Lokomotive zusammen. Der Maschinist der Lokomotive und ein Schaffner wurden getötet.
'Von b er Witterung. Während wir nebst dem ganzen 2)titteleuropa z. Z. einen recht üblen Witterungsumfchlag gum Sauwetter herüber erleben mit allen seinen unangenehmen Begleiterscheinungen, während z. B. in Belgien Regengüsse eingetreten sind, nachdem dort im gesamten Siüftengebiet ein 25 Meter breiter Eisftreifen sich gebildet halte, herrscht in England noch eine Kälte wie 1894/95. Ein Teil der Temse ist zugefroren. Zahlreiche Unfälle sind infolge des Schlittschuhlaufens zu verzeichnen' 14 Personen sind don Opfer dieses Sportes geworden, zahlreiche andere sind erfroren.
Kleine Tageöchronik.
Ein entsetzliches En de i m E ise d e s Fuldaflusses fand ein älteres Fräulein, das in der Absicht, sich das Leben zu nehmen, in ein Eisloch des Flusses gesprungen war. Sie blieb zwilchen den zusarnmenkrack/enden Eisschollen hängen und ging nur halb unter. Infolge des starken Frostes froren die Kleider der Unglücklichen sofort an der Einbruchs stelle fest und da Hilfe nicht gleich in der Nähe war, erstarrte sie allmählich m dem eiskalten Wasser. Die Leiche mußte mit Aerten losgehackt werden.
In Augsburg brannte ein Flügel der Kaserne des Ehevau-leger.Regiments nieder: der abgebrannte Flügel stößt an dre Ullrichstirche an, die zeitweise sehr gefährdet war. Der Flügel brannte vollständig aus. In den oberen Stockwerken befanden srch Mannschaftslleiderftücke, von denen welche im Werte von 13o 000 Mk. verbrannt sein sollen. Das Feuer ist durch Klempner verursacht worben, die auf dem Dache gearbeitet h ben.
.öu Gelsenkirchen starb der 7jährige Sonn eines Wagin- ,t30Jt farbigen Süßigkeiten, die unter dem Äciönajt« au in lagen, gegessen hatte, innerhalb zwei Stunden ^nach Genuß derselben unter fürchterlichen Leibschmerzen
B u d a p e st E wegen polittscher Meinungsdifferenzen zwilchen dem Magnalenh usmitglied G rase n P a u l E st er -
Kallay ein Säbelduell stattge- sunden, wobei Mai) einen idürfen Hieb über die Stirn und Graf Esterhazy einen Flachlsteb erlitt. Tie Gegner schieden unversöhnt.
50 Räuber hatten in der vorletzten Nacht zwischen den Stationen Beiukffamk und Karjasy ber Transkaukasischen Eisenbahn das Bahngeleis zerstört, um den Postzug tu berauben Em dem Postzuge vorausgeschiuter Militärzug mit der Schutzwache entgleiste, wobei sieben Soldaten ver- .wülldet tousben. Die Militärwache feuerte auf die Räuber
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Deutsche Bank . . . Deutsch-Asiat Bank . , Diskonto-Kommandit. .
Dresdner Bank . . . . Kreditaktien Baltimore- und Ohio-
Eisenlahn Gotthardbahn Lombard. Eisenbahn . . Uescerr. Staats bahn . . . Prince-Henri-Eiaenbahn .
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145.40
117.00
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171.50
139 00
199.70
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Börse, 7.
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Bochum Guss . . . Buderus E. W. . .
Tendenz: fest
Berliner
Canada E. B. . . . Darmstädter Bank . Deutsche Bank . . Dortmunder-Union C. Dresdner Bank . .
Tendenz: fest.
von denen sie beschoffen worden war, und die dann in der Dunkelheit verschwanden. Der Postzug, in dem, wie verlautet, zwei Millionen transportiert wurden, ist 'nachts auf der Station Karjasy 'zurückgehalten worden. Des Morgens wurden auf der Brücke unweit der Katastrophe eine Höllenmaschine, Ge- wchrpatronen und Verbandsmaterial gefunden.
Nach einer Meldung aus NewYork brach in dem Atelier des Schweizer Malers Ulrich Högger Feuer aus. Der Künstler verbrannte. Durch die Flammen wurden Gemälde im Werte von etwa 400 000 Mk. zerstört.
Berliner Uandelsges. Darmstädter Bank .
Elektriz. La hm ey er . . . Elektriz. Schlickert . . . Eschweiler Bergwerk . . Gelsenkirchen Bergwerk Hamburg-Amerik. Paket!.
Sonnenschein Regen, Schnee Sprühregen
8^°/( 3%
4% Öesterr Goldrente.
4ll6% Oesterr. Silberrente
4^*7O russ.Staatsanl. 1905 4la °/0 japan Staatsanleihe 4 % Conv. Türken von 1903 Türkenlose 1% Grieeh. Monopol-Anl. . 4% äussere Argentinier . 3°/0 Mexikaner . . . . 4^°l0 Chinesen . . . .
Aktien:
stimmung gegen die Landwirtschastssammer hin und geht dann weiter auf die Diätenfrage ein.
Nachdem die Herren Geheimerat Tr. Breidert, Korell und der Pvä> ident nochmals zur Sache gesprochen haben, wird von letz- tevem als Resultat der Verhandlungen festgestellt, daß allseittg der Fortbestand des landw. Provinzialvereins als erwünscht bezeichnet wird: cs wird daher der Antrag des Ausschusses dahin- gehend angenommen, daß „eine Kvmmission, bestehend aus:
1. dem Präsidium des Provinzialvereins,
2. den Direktoren der Bezirksvereine,
3. einem Vertreter des Vorstandes der Landwirtschaftskammer, ernannt werden soll, welche die Frage über die Ausgaben, die sich der Provinzialverein in Zukunft stellen soll, die Satzungsänderungen, welche nach dem jetzigen Standpunkte notwendig er- Icheinen, und über die Stellung und das Verhältnis zu den Be- zirksvereinen vor beraten soll." Dem Ausschuß wird cs überlassen, die entsprechenden Aenderungen in der Dereinsorganisation zu treffen.
Herr Kreisrat Bdkmann weift noch darauf hin, daß diejenigen Mitglieder, welche ihren Austritt nicht vor dem 1. Dezember angezelgt hätten, zunächst noch für das nächste Geschäftsjahr Mitglied bleiben müßten. Er wünsche, daß der Ausschuß bei seinen Beratungen im Frühiahr dahinkomme, den Mitgliederbeitrag am 1 Mark herunterzusetzen.
Schluß der Versammlung gegen $/24 Uhr.
27.80
105.30
144.10
Januar. Anfangskurse. Harpener Bergwerk. , Laurabütte . . . . Lombarden E. B. . . Nordd. Lloyd . . . . Türkenlose
Q eiefonische Kursberichte
Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für und Industrie, Giessen.
Ziehung der 1. Klasse 10. Januar.
Lose sind zu haben bei
Friiz Fäimm
Kgl. Preußischer Lotterie-Einnehmer.
Meteo? oloqiscke Beobachtungen der Station Gießen.
93.80
82.35
94.05
82.30
93 00
92.00
97 60
98.10
93 60
Januar | 1908
Frank fnrter Reichsanleihe . .
do. . .
Konsole .... do. ....
Hessen Oberhessen . . ,
Harpener Bergwerk. . . 196.25
Laurabütte 215.00
Nordd. Lloyd . ... 105.50
Obeischles. Eisen-Industrie 96 00
haben Wert.
Die Unterschrift des nachstehenden Briefes ist amttich beglaubigt: Charlottenburg, den o. Juli 190.. A. Hübner, Bczirks-Borileher. Eharlottenburg, den 22. Juni 1907, Potsdamerstr. 41, II. Heute — nach merwöchent sicher Anwendung des Bioson — bin ich zu der uberzeugelideu Gewißheit gekommen, daß ich keinen Mißgriff in der Wahl bey Bioson zur Beseitigung meines Leidens getan Habe. Ich üble eine neue Frische in meinem ganzen Innern und mein Aus' ehen ist ein merklich beffcres geworden. Mein Appetit ist einfach großartig unb will es nur scheinen, als würde ich auch leiblich stärker. Ich werde dieserhalb heute mein Genüchr festftcllen taffen, um Ihnen auch auf dunem Gebiete s. Z. Bericht erstatten zu können. — Bin schwerden haben pch bei Anwendung des Bioson bei mir in keiner Wene bemerkbar gemacht und auch der Schlaf war gut. - Vom -a- 0 .M. ab beabsichtige ich, die Quantität Biofon auf täglich 50 e- zu erhöhen und Zucker wie Kakao sie 2 Teelöffel voll) der Flüssig- teit zuzuietzen. .vochachtungsovll Franz Huth. Bioson ist in Apocheken^Drogcrien uiw. das Paket zu drei Mk. erhältlich, welches für co. 14 Tage ausreicht.
Erstarrt in Eis ruh» Strom und Bäche SU) ^Eutervergnügen aller Art, Schltttenpartien, Eislauf, <?aüe und Kränzchen nehmen den Menichen in Anspruch. Wie /föh bezahlen solch ein Vergnügen mit Tagen schweren
W8-Ä ttnbehagenv, weil ne unvorsichtig waren, weil sie sich erkälteten dann nicht gleich die rechte Abwehr gebrauchten? Wer M SlIdi Malheur hat, erkältet von solch einem Vergnügen HM NUöurommen, der nehme gleich ein paar Fans echte Sodener
Landwirtschaftlicher Verein für die Provinz Oberhessen.
Niederschrift über die ordentliche Generalversammlung des landwirtschaftlichen Vereins für die Provinz Oberhessen, abgehalten am 21. Dezember 190 7 im „Neuen Saalbau" in Gießen.
Der Präsident, Herr Oekonomierat Schlenkc, begrüßt gegen Vs 2 Uhr, nach Eröffnung der Versammlung, die erschienenen Vereinsmitglieder und 'teilt zunächst mit, daß die Generalversammlung so spät anberaumt worden sei, um etwaige Anträge auf Auslösung des Vereins möglich zu machen und auf die Tagesordnung zu stellen. Ein Antrag in dieser Richtung sei aber nicht eingegaugen. Es wird hieraus in die Tagesordnung eingetreten und dieselbe wie nachstehend erledigt:
I. Bericht über die Tätigkeit des Vereins im Vereinsjahre 19 0 6 und über die lieber! ettung der Einrichtungen des Provinzial-Vereins an dieLandwirtschaftskammer.
Der Präsident berichtet wie folgt:
Da der letzte Jahresbericht ein umfassendes Bild über die Tättgkeit des Vereins in den letzten 10 Jahren gegeben habe, könne er davon absehen, auf Einzelheiten der Tätigkeit des Vereins einzugehcn, zumal dieselbe im wesentlichen darin bestanden habe, die Vereinsunternehmungcn im besten Zustande an die Landwirtschaftskammer zu überliefern. Der Präsident verlieft die diesbezüglichen Verhandlungen, mit der Landwirtschaftskammer und teilt ein Schreiben der letzteren vom 17. Mai 1907 mit, nach welchem der Abschluß der Verhandlungen bestätigt wird und die Grundlagen, nach welchen die llebernahme erfolgt sei, nochmals präzisiert werden. Der Provinzialverein habe die Verhandlungen als abgeschlossen angesehen. Trotzdem sei d. d. 18. November ein Schreiben von der Landwirtschafts- kammcr folgenden Inhalts eingelaufen:
„Ich setze Sie dw'on in Kenntnis, daß der Vorstand der Landwirtschaftskammer beschlossen hat, daß, wenn für den Fall der Auflösung des landw. Vereins für Oberhessen das gesamte Vermögen der Landwirtschaftskammer nicht übergeben werde, die einstweilen übernommenen Unternehmungen des Vereins zurückgegeben sein würden."
Da ein Antrag auf Auflösung des Provinzialvereins nicht gestellt sei, und die Frage daher auch nicht verhandelt werden könne, bestehe der Verein weiter, und die Zuschrift des Vorstandes ber Landwirtschaftskammer verfehle ihren Zweck.
II. Besprechung über d i e fernere Tätigkeit' des Vereins neben der Landwirtschaftskammer.
Der Präsident leitet diese Frage damit ein, daß er für feine Person betont, der landw. Provinzialverein könne auch unter den geänderten Verhältnissen wciterbestehen, müsse aber den Mitgliederbeitrag heruntersctzen, seine Aufgaben beschränken, bezw. sie auf andere Gebiete ausdehnen. Der Landwirtschaftskammer gegenüber könne er event. die Ansichten breiter Kreise der Landwirtschaft zu Gehör bringen. Er halte es für richtig, erst abzuwarten, in welcher Richtung und nach welchen Grundsätzen sich die Tätigkeit der Landwirtschaftskammer entwickele, und wenn diese allgemein befriedige, sei es immer noch Zeit, den Verein eingehen zu lassen. In Rheinhessen habe man, von ähnlichen Gesichtspunkten ausgehend, beschlossen, den Provinzial- vercin zu erhalten. In der Diskussion nehmen zunächst das Wort Geheimerat Dr. Breidert und Oekonomierat Schade. Letzterer weist darauf hin, daß sich z. Zt. in den Kreisen der landwirtschaftlichen Bevölkerung eine tiefe Mißstimmung gegen die Landwirtschaftskammer geltend mache. Man befürchte, daß für die Landwirtschaft segensreiche Einrichtungen des Provinzialvereins gestört oder in andere Bahnen geleitet würden und verweist diesbezüglich auf den Beschluß, die Aufhebung ber Molkerei- schicke Lauterbach betreffend die Beseitigung der Bezirksvereine und vor allem auf das von dem Präsidenten verlesene Schreiben, das dem landw. Provinzialverem gegenüber eine Kampfstellung einnehme, das in feiner Form unpassend und der Sache nicht angemessen zu bezeichnen sei. Er tritt daher auch für Erhaltung des Provinzialvereins ein. Die Herren Weil und Korell entschuldigen teilweise das Vorgehen ber Landwirtschaftskammer und wünschen, daß alle (Streitfragen zurückgestellt werden möchten, bis die Landwirtschaftskammer ihre Tätigkeit voll ausgenommen habe. Für die Erhaltung des Provinzialvereins treten ferner die Herren Bürgermeister Greb, Oekonomierat Backhaus und Oberverwalter Erb ein. Herr Geheimerat Dr. Breidert bemängelt an ben Ausführungen bes Herrn Korell, baß bie Lanbwirtschaftskammer bestehenbe, bewährte Einrichtungen niebcr- reißen, so auch bie vorhandenen sechs Bezirksvercine, und andere Organe an deren Stelle setzen wolle, denen jede Grundlage fehle. Herr Oekonomierat Schade bezeichnet die seitherige Tätigkeit der Landwirtschaftskammer als eine zerstörende. Man erkenne bie Absicht einer Anzahl Vertreter ber Landwirtschaftskammer als dahingehend daß sich die Herren Wahlkörper für politische Zwecke schaffen wollten. Wie ernst die Herren ihre- Ausgabe auffaßten, gehe daraus hervor, daß sie als einen der ersten Verhandlungsgegenstände in der Kammer bie Diätenfrage behanbelt hätten unb zwar nicht gerade in für sich selbst ungünstigem Sinne. Ferner weist er barauf hin, baß die landw. Zeitschrift durch Aufnahme einer Anzahl Artikel mit einseitiger Tendenz minderwertig geworden sei.
Demgegenüber betont Herr Korell, daß, wenn Bedenken und Befürchtungen beständen, diese ausgesprochen werden möchten, damit etwaige Mißstände beseitigt werden könnten. Da er nicht Mitglied ber Lanbwirtschaftskammer selbst sei, sei er nicht immer in der Lage, auch feiner Ansicht nach falsche An- orbnungen unb Verfügungen zu änbern. Die Schaffung von neuen Bezirksvereinen im Anschluß an bie Wahlbezirke für bie Laubwirtschastskammer halte auch er nicht für zweckmäßig. In ben Köhlerschen Artikeln sei boch manches Gute zu finden.
Herr Weil hält die Bezahlung von Diäten aus dem Grunde für ridjttg, um auch nichtbemittelten Landwirten ben Eintritt in bie Landwirtschaftskammer zu ermöglichen.
Herr Professor Tr. Oöisevius schilbert seine Mitwirkung bei ber Errichtung von Landwirtschaffskammern in Ostpreußen unb Brandenburg und weist darauf hin, daß in beiden Fallen die seitherigen Vereine neben ber Landwirtschaftskammer bestehen geblieben seien und beide Organe zum Nutzen ber Landwirtschaft 1 zuiammengewirkt hätten. Hier in Hessen scheine dies nicht möglich zu lein, da die Landwirtschaftskammer gleich von vorn- 1 bereut dem Oberhessischen Provinzialverein gegenüber Kampfstellung eingenommen habe, trotzdem ber letztere alles getan hätte um ein Zusammenwirken zu ermöglichen. Redner schildert die -Lcrlianblungen über die Fortführung ber Sortenanbauversuche, Die Erhaltung der Versuchsfelder und die weiteren Arbeiten auf bem (Gebiete des Ackerbaues und kommt zu dem Resultate, daß die Form, wie die Landwirtschaftskammer verhandele, nicht nur in der Sache nicht richtig, sondern auch persönlich oft verletzend ici. ^Er mahne zu>ammenzuhalten und nur der Sache zu dienen.
Aue joerreit Bürgermeister Rodemer-Angersbach, Gilbert- Veuck-elheim unb Rechtsanwalt Sandmann treten ebenfalls für Fortbestand des Provinzialvereins ein. Letzterer übt Kritik an dem Schreiben der Landwirtschaftskammer.
MCtC oibt zu, daß es besser gewesen sei, die in der ‘n’I?or.nanbenen «eru|5ocmuc zu erhalten und anszubauen *Lllt- dllt' .baR die Frage über die Fortführung der Sorten- Äär't’ c,nc Immission der Landwirtschaftskammer :
Serr Oehlsen weist auf die überall Lutagettetende Mi^-
6.
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6.
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— 5,9
2,7
93
7.
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4,4
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