DrenStag 7. Januar 1808
1S8. Jahrgang
Zweites Blatt
Nr. 5
Lächeln! ISyllch mit Ausnahme deS Sonntags.
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General-Anzeiger für Oberheften
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lich
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vor der der
Tage reines FrühjahrLwetter. Ter hohe Vogelsberg ist schneefrei. Sounüen und angeführte Skiläufer kehren bestaubten Schüben zurück.
scheines angehalten wurve, uiu-cm iyr Warne jejigefteHt mürbe. Erst dann tonnte der unbekannte Fremdlmg seinen Weg in die Geschäftska,je antreten.
** Das Großh. Steuerkommissariat Gießen schreibt uns:
Tem Herrn Verfasser des Eingesandt „Unberechtigte Mahngebühren" wird empfohlen, sich besser zu informieren, beuov er nut Beschwerden an die Lessenllichkeit tritt. Mahngebühren werden überhaupt nicht von dem Slenerkommissariat erhoben, da die Erhebung und die Beitreibung der Steuern nicht ju den Tienstobtiegenheiten der (Lroßh. Slerrerkomnussariate gehören.
Das ist natürlich richtig. Trotzdem müssen wir dem Herrn Emsender insofern zu Hilfe kommen, als die Tatsache bestehen bleibt, daß derartige Mahngebühren auch u. E. ungerechtfertigterwelse erhoben werden, wenn auch nicht von dem Steuerkommissariat, so von der Großh. Distriktskasse. Was schließlich für die Steuerzahler denselben Effekt hat.
Ans Mainzlar, 6. Jan., wird uns über den bereits gemeldeten Brand, allerdings sehr verspätet, folgender ausführlichere Bericht gesandt, den wir auf ganz besonderen Wunsch veröffentlichen: Am 1. Weihnachtsfeiertag, abends gegen t/J 1 Uhr, brach in der Scheuer des Landwirts und Müllers L. Bingel Feuer aus. ES war dies seit 40 Jahren der erste Brand hier. Durch das rasche Eingreifen der Feuerwehr und die Hydranten der Wasserleitung war daS Feuer in P/g Stunden auf den Herd beschränkt, so daß nichts abbrannte als die Scheuer und ein Nebengebäude. Das Vieh konnte gerettet werden. Der Abgebrannte ist nicht versichert. Ucbec die EntslehungSursache ist bis jetzt noch nichts bekannt. Die Staufenberger Feuerwehr, die auf der Braodstelle erschienen war, konnte ohne Eingreifen wieder jurückkchren.
Die „Gießener Kamittenblötter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Kretsblat! für den Kreis Gießen" zweimal wöchenilich. Tie ..Landwirtschaftlichen Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Rotationsdruck und Verlag der Brühllchm Unwersitäts - Buch- und Steindruckeret.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: 5L
SReöaf tion: 112. Tell-Adru AnzeigerGreßen.
politifd?e Lagerscha«.
Gerlach contra 'Jlaumann.
Ende vorigen Jahres hielt Herr v. Gerlach, der, so lange er Reichstagsabgeordneter war, sich als Hospitant der Freisinnigen Vereinigung bezeichnete, in 9Jtomberg eine Versammlung ab. Dort erklärte er nach der Luldaer Äta." auf die Frage, tote er sich zur Blockpolitik stelle, da er den Abg. dtaurnann, der den Block gekittet habe, fernen freund mit meinem F-rcunde Differenzen
bekomEn' Ich halte die Blockpolitik für sehr gefährlich und kann sie n'ckt milmachcrn übrigens ist der Block bis letzt eine plzantastische Vorstellung. Dieses kümmerliche Gewächs kann nicht laime wehr
Pebcn Weiten, und ich hoffe, daß es tm nächsten Fruhmhr ÄÄ rugEde g^ Ich h^be den Block nicht kitten helfen: ich habe barmt gearbeitet, ihn sprengen zu helfen.
Es ist überflüssig, an diese Bekeuntms,e noch irgend eine Bemerkung zu knüpfen.
Der Mangel an Privatärzten m Teutsch-südwestafrika tnadft sich empfindlich fühlbar. Den,,Münch. N. Nachr." geht aus Lem Schutzgebiete nachstehende ^ufchrist zu. „
'An dem Etat für Teuych-^>ubwestxiiriia ist feitcns oer yrc airalm bie Unteitoung für bie Kiebetlaflung ton $ri»etaigten Sf tot Änin Drttn ber totonie, iuSbeionbm R-Hobüch, Gü>eon £*Sil totsefeben. Ties entspricht euren, langft oe- fiiljdcn ilkbütinti. Seit beinahe ywt Jahren numnt bw beutle Einwanderung nach dieser Kolonie erfreulich zu, du welve Be- hiU sch seit dem Aufstand verdoppelt und besonders die W Sa im Schutzgebiet hat amchnüch gemm Während aber mit den neuen Einwanderern auch d^deuif^n RcchisaMvaltL aetonunen such und einen «icheu Wirkungst
.al .uiuU.UM|u)ct ^usvi ck iwt Kelche und in Freußen.
An diesem Mittwoch tritt sowohl der Reichstag, wie auch das preußische Abgeordnetenhaus nach Beendigung der Weihnachtsferien wieder zusammen und eine Reihe wichtiger Aufgaben harren der Erledigung, denn der kurze Tagungsabschnitt vor Weihnachten bildete nur den Auftakt zu den konimenden Verhandlungen, bei denen bedeutsame und folgenschwere Entscheidungen erfolgen dürsten. In beiden Häusern ist es die z lv e i t e L e s u n g d e s Etats, die den breitesten Raum in den Erörterungen einnehmen wird, und gerade die Ausdehnung dieser Debatte hat bedauerlicherweise in den letzten Jahren schon mehrfach dazu geführt, daß es nicht möglich war, den Etat zur rechten Zeit fertig zu stellen, woraus mancherlei unliebsame Folgen resultieren, wie beispielsweise Verzögerung von Gehaltserhöhung von Beamten usw. Die leidige Unsitte, wahrend der zweiten Elatslesung bei den einzelnen Ressortdebatten aus dem hundertsten ins tausendste zu kommen, speziell beim Etat des Reichsamts des Innern, ist schon oft genug beklagt worden, da diese ausgedehnte Diskussion oft kaum einen anderen Zweck hat, als zum Fenster hinauszusprechen, oder daß dieser oder jener Abgeordnete eins seiner Steckenpferde tummeln kann, ohne sich dabei weise Beschränkung aufzuerlegen. Nicht mit Unrecht wird daher auch jetzt wieder der Vorschlag einer sogenannten Kontingentierung gemacht, d. h. einer Ucbereinknnft zwischen den einzelnen Parteien, für jedes Res fort eine bestimmte Anzahl von Tagen zu veriven- den und von jeder Partei nur soundsoviel Dtebner sprechen w lassen. Hierin liegt kaum eine Beschränkung der Rede- freiteit, denn die parlamentarische Arena ist nicht dazu da, daß jeder Redeluftige daraus losreitet. Ebenso haben Schlußanträge ihr gutes, vorausgesetzt, daß sw nicht dazu benutzt werden, die Opposition muiidtot zu machen. Lieg! doch überdies die Gefahr nahe, daß die in der Minderheit tefinblidjen Parteien gerade die Etats- und andere Debatten -pi Agitationszwecken benutzen und lediglich den Gang der Verhandlungen auf halten. .
Es wäre wünschenswert, wenn eine Einigung in der angegebenen Richtung zustande tarne, da außer dem Etat noch andere wichtige Vorlagen anstehen. Insbesondere durfte die Börsennovelle und vor allem das Vereins- gesetz noch' recht lebhafte Debatten herbeiführen. Auch die neuen Steuervorlagen dürften über kurz oder lang an den Reichstag gelangen und von ihrer Erledigung wird gar vieles abhänaen, für unsere wirtschaftliche Entwicklung, wie für die weitere Gestaltung unserer innerpoliti-
-t- D a d - N a u h e i m, 5. Jan. DerRodelfport.ein bisher hier fast unbekanntes Wintervergnügen, hat hier seit ein paar Tagen zahlreiche Anhäiiger gefunden. Fahrer und Fahrerinnen von hier und aus der Umgegend benutzen eifrig die dafür von der Natur unter geringer Nachhilfe prächtig hergestellte, etwa iy2 Kilometer lange Rodelbahn vom Johannisberg herab. Als Fahrzeuge dienen außer den bekannten Kinderschlitten die richiigen Rod-rlschlitten in verschiedener Ausführung. Da dazu auch schon stilgerechte Rodelkostüme erscheinen — gestrickte weiße Wolljacke, ebensolche Mütze, Strümpfe und Handschuhe, nett und geeignet, Winterfrische Gesichter und jugeudlick)e Gestalten zur Geltung zu bringen, — so bietet die Rodelbahn ein recht buntbewegtes Bild, das namentlich am heutigen Sonntage zahlreiche Zuschauer anlockte. Gewagte Bogenfahrten, kühne Luslsprünge,, elegant ausgeführte Purzelbäume und andere heitere Zwischenfälle erzeugten eine lebhaft-fröhliche Stimmung, der die heiter strahlende Wintersonne zu statten kam. Von Interesse ist, wie sich hierbei die Wirkung der Presse beobachten läßt. Denn die Einführung des Liodelns ist ledig- ihr zuzuschreiben.
r. Aus dem Vogelsberg. Im Vogelsberg herrscht
Die offizwie „Ll'olnische Zig." i,t je^.1, zwei Tage der Etalsrede des Finanzministers v. Rheinbabeu, in Lage mitzuteilen, in welchem Umfange die Erhöhung Einkommensteuer in Preußen, die fick) infolge der Beamten- besoldungs-Aufbesserung angeblich als notwendig herausstellt, stattfinden soll. Das Blatt schreibt: Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben sei der Ansicht, daß eine Erhöhung der Progression der Ein komm en st euer möglichst erst bei 10000 Mk. beginnen solle, bei etwa 40 000 sollen 4 Prozent, bei 100 000 Mk. 5 Proz. erreicht werdem Wie die „Köln. Ztg." hinzufügt, würde innerhalb der verschiedenen Parteien des Abgeordnetenhauses ein solches Vorgehen für unrichtig gehalten werden, weil man der Ansicht sei, daß die neuen Anforderungen, welche der Etat an die Staatsausgaben stellt, von allen Steuerpflichtigen getragen werden müßten. Diese Anschauung würde zur Folge haben, daß man eine gleichmäßige prozentuale Steigerung der bestehenden Eiukommeusteueciätze vornehme, oder aber ein bis zwei Monatsraten mehr zur Erhebung
gesurrten haben — an jedem Gericht des Schutzgebiets haben sich nun ein bis zwei niedergelassen —, haben sich die in Deutschland doch sehr zahlreichen Mediziner bis jetzt weniger unternehmend gezeigt. Im Schutzgebiet praltizieren zurzeit nur zwei Privatärzte, einer in Windhuk und einer in Swakop- mund. An den Orten, an denen sich keine Privatärzte tejinten, sorgen allerdings die Aerztr der Sckmtztruppe auch für die Bedürf- lchse ter Zivilbevölkerung. Allein die Hilfe dieser kann nur ein» treten, wenn nicht dienstliche Interessen entgegen srehen. Sie I/abcn natürlich in erster Linie der Schutztruppe zu bienen. Wie sehr die genannten Privatärzte beschäftigt sino, geht aus der Tatsacte hervor, daß ter Windhuker Arzt bei einer kleinen Jnsluenza- dputemie im Wacker 1907 entfernt nicht alle erbetenen Besuche machen konnte. Außerdem haben die beiden Gesellschasten, tee gegenwärtig Bahnen im Schutzgebiet bauen (Lenz u. Co., South Westafrika Co.), je einen Arzt angestellt, der aber in erster Linie und nahezu ausschließlich den Bahnangestellten dienen muß. Ganz besonders fühlbar ist der Mangel an Privatärzten in den Orten tezw. Bezirken Grootsontain, Kaeibib, Rehoboth und Gibcon. Auch Okahanbja, Lüderitzbucht und Keecmaushoop tecten Aussichten. Im Bezirk Grvotsontein sind von der Bevölkerung als licheves Mindesteinkommen für einen Arzt gezeichnet worden J20J Mk., in Karibik 6000 Mk., in Rehoboth öOOU, Okahanbja (ohne Farmer) 4700 Mk. In all diesen Bezirken macht die Besiedlung schöne Fortschritt?. Ersahrung in ter Geburtshilfe ist tmt Rücksicht auf bie Zunahme ber weißen Frauen im Schutzgebiet unbebingt crsvrberlich. Tas Honorar des Arztes ist in Teutsck>-Sübwestair.ka wesentlich höher als in Deutschland.
Ter seit Jahren sclstver empsunbene Mangel an Geburtshilfe, ter auch aus ben vorstehenden Zeilen spricht, wird für Windhuk unb bessen nächste Umgebung einigermaßen beseitigt feilt, sobalb bas int Bau befindliche Wöchueriunenheim „Eiisa- bethaus" Do(Lerntet sein wirb. Ten entfernter liegenbcu Orten and Farmen wird dieses aber schwerlich nützlich leerten.
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Einkommensteuer-Erhöhung in Preußen.
-t- Ans der Wetteran, 5. Jan. Die plötzlich ein-^ getretene starke Kälte hat der kaum eben erst dem Gebrauch übergebenen Vogelsberger Wasserleitung Übels mitgespielt. Allerorts hört man von eingefrorenen Hausleitungen oder vom Frost gesprungenen Röhren: bie Elemente hassen das Gebild von Menschenhand. Viele der so Betroffenen stehen dem rat- und hilflos gegenüber. Jedenfalls empfiehlt die Vorsicht, überall die Hausleitungen nachtsüber abzustellen; wo eine Leitung sehr der Kälte ausgesetzt ist (z. B. in ungeheizten Räumen, an Außen-, wänden), da ist sie, solange die strenge Kälte anhält, gänzlich abzustellen und nur täglich einmal, etwa um die Mittagszeit, zu öffnen, um ben Wasserbedarf für 24 Stunden zu entnehmen. Immer ist beim Abstellen der Leitung darauf sorgfältig zu achten, daß kein Wasser in ihr zurück bleibt; zu dem Zweck sind, nachdem der Haupt- (Zmeitungs-) Hahn geschlossen wurde, sämtliche Übriegen Hähne zu offnen; wo das ausführbar ist, bläst man, wenn kein Wasser mehr abläuft, Lust durch die Leitung. Wenn Röhren undicht geworden, geplatzt sind, dann ist die Zuziehung eines Fachmannes kaum noch zu umgehen; bis dahin ist auf den sorgfältigen Abschluß der Zuleitung zu achten.
= Fellingshausen, 6. Jan. In arge Aufregung wurde zu Neujahr eine hiesige Dorfschöne versetzt. Sie erhielt eine Anzahl offenbar wenig schmeichelhafter Witzkarten, die nicht nur ihren Grimm hervorriefen, sondern^ auch den Verdacht, zwei andere Schöne des Ortes müßten' sie ihr gesandt haben. Kurz entschlossen schickte sie mm die Karten an die beiden Kameradinnen zurück. Am Sonntag kam nun in einer Wirtschaft die Geschichte zum Ans» trag. Es setzte nämlich von allen drei Seiten — derbe Hiebe.
[1 Fronhausen, 5. Jan. Jin nahen Oberwalgern sprang die geistesgestörte Marg. Elmshäuser üt orn Brunnen und ertrank.
s)Marburg,5. Jan. In einer gestern im Restaurant Schultz hier abgehaltenen, von über 100 Landwirten besuchten Versammlung des landwirtschaftlichen Kreisvereins wurde beschloss n, im Februar einen großen Frü hj a h r s-Sa a t-, markt abzuhalten. — Der Verein zur Züchtung Simmen-i taler Rindviehes beschloß gestern, die Beschickimgen der Aus-, ftelhingen in Hanau und Stuttgart den Mckgliedern zu über> lassen.
dt. Kirchhain, 5. Jan. Die Gesangvereine des! Lahntal-Sängerbundes werden sich am 4., 5. und' 6. Juli d. 3l hier versammeln, um ihr Bundes fest ju feiern. Man ist hier sa^on tüchtig in die Vorbereitung hierzu eingetreten. Die verschiedenen Ausschüsse sind schon gewählt und in reger Tätigkeit. Glanzvoll wird sich das! Fest gestalten, Lumal der hiesige Gesangverein die JubeL-j feier seines 70jährigen Bestehens hiermit verbindet.
bringe. *
Wechsel in hohen preußischen Beamtenstellen.
Der Oberpräsident der Provinz Sachsen, 'Wirklicher Geh. Rat Frhr. v. W i l m o w s k i tritt am 1. Febr. ds. Js. in den Ruhestand. An seine Stelle tritt der Regierungspräsident Hegel in Allenstein. Der Regierungspräsident Bake in Trier ist in gleicher Amts eigen fcha ft an die Regierung in Arnsberg und der Regierungspräsident Dr. B a l tz in Magdeburg an die Regierung in Trier versetzt worden. Ferner sind ernannt worden der Oberpräsidialrat Gramsch in Königsberg zum Präsidenten der. Regierung in Allenstein, der Polizeipräsident Dr. Borris in Berlin zum Präsidenten der Regierung in Magdeburg und der Landrat des Kreises Telww, v. Stubenrauch unter 23er» eihung des Charakters als Wirklicher Geheimer Oberregierungsrat mit dem Range der Räte 1. Klasse zum Polizeipräsidenten in Berlin.
scheu Verhältnisse. o .
Tas preußische Abgeordnetenhaus wird feine Verhandlungen mit der Einbringung des Etats durch den Finanzmmifter von Rcheinbaben eröffnen; entgegen der im Reiche feit einigen Jahren bestehenden Gepflogenheit wird aus oern preußischen Etat vorher nichts mitgeteUt. Allzu erfreulich wird das Bild wohl kaum sein, das der Finanzmmister entwerfen wird, zumal es Herr von Rheinbaben ja liebt, möglichst grau in grau zu malen, um ja nicht zuviel für ihm unbequeme Forderungen herauszurucken. Diesmal verlangt allerdings der preußische Etat im Hinblick auf die Erhöhung der Beamtengehalter große 'Summen, aber trotz der Behauptungen des Herrn von Rl-einbabcn wird es wohl auch möglich fein, die Mittel für die Mehrkosten auszubrmgen, ohne daß deshalb, wie Herr von Rheinbaben gedroht hat, etne Erhöhung der Steuersätze notiOmdig ist. Mit noch größerem Interesse muß man aber der voraussichtlich in nächster Woche erfolgenden Beantwortung derf reif innigenJnterPellation wegen der Wahlrechtsreform entgegenfehen, die voraussichtlich Fürst Mlow selbst übernehmen wird. Vor kurzem hat ein gemeinsamer Vortrag des Reichskanzlers mit dem Staatssekretär von Bethmann-Hollweg und dem Minister des Innern von Moltke beim Kaiser stattgesunden, ber zweifellos dieser Frage galt unb wobei man bic Zustimmung des Kaisers für die nunmehr wohl vorliegenden Prinzipien der Wahlrechtsausgestaltung eingeholt hat. Nach welcher Richtung hin sich die Antwort des Fürsten Bülow bewegen wird, läßt sich heute kaum sagen, jedenfalls aber wäre es ein schwerer Fehler, wenn man die Fragenden mit einer nichtssagenden Antwort abspeisen würde, da man in ganz Preußen wie auch im Reiche der Ueberzeugung ist, daß eine Wahlrechtsreform nicht länger hmausgeschoben werden darf.
Eine deutsch-amerikanische Allianz.
Wie der „Daily Telegraph" aus Newyork meldet, hat der große Zeitungsmagnat William Randolph Hearst einen neuen Kreuzzug zu gunsten einer Allianz zwischen >en bereinigten Staaten und De utschland angefangen. Mr. Hearst steht auf dem Standpunkt, die Bereinigten Staaten und Deutschland hätten gemeinsame Gründe des Mißtrauens gegen England; dieses Mißtrauen gegen England könne die Grundlage zu einer deutsch-amerikanischen Allianz werden. Deutschland und dieVereinigtenStaatenseiennatürlich Bundesgenossen. Mr. Hearst verfolgt ehrgeizige politische Ziele. Dieser neueste Feldzug hat das Ziel, die Gunst der deutschen Wähler in Amerika zu erobern; der Zeitungsmann strebt nach nichts geringerem als nach der Präsidentschaft der Vereinigten Staaten.
Blutige Zusammenstöße in Jqnique.
Die Blätter bringen Meldungen aus Santiago de Chile über blutigeZusammenstöße,dieinJqui- q ue anläßlich des großen Streiks der Salpeterarbeiter stattgefunden haben. Während eine Menge von 10 000 Personen durch die Stadt zog, setzten die Marinesoldaten die Mitrailleusen in Tätigkeit. Die erste Reihe der Streikenden wurde niedergemäht. Haufen von Leichen bedeckten die Straßen, während die Verwundeten herzzerreißende £)üferufe ausstießen. Die Menge wurde von großer Panik ergriffen und floh nach allen Richtungen. Die Z a h l d e r Toten wird auf 400, die der Verwundeten auf 600 angegeben. Zum Zeichen des Protestes gegen die Metzeleien wurde der Generalstreik proklamiert. Die Arbeiterschaft verlangt, daß der Minister des Innern und die Lokalbehörden von Jquique in den Anklagezustand versetzt werden.
Att» Staot uno tano.
Gießen, 7. Jan. 1908.
** Neue Zehnmarkscheine. Einer hiesigen Dame passierte es vor einigen Tagen, daß sie in einem hiesigen Laoengeschäst bei Verausgabung eines neuen Zehumark-


